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Alca - Blut und Erbe

GeschichteAllgemein / P12
12.08.2020
21.11.2020
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10.09.2020 1.787
 
Das erste Wort, das Glorfindel herausbrachte, lautete: „H-Haldir?“
Als ob.
„Nein“, entgegnete ich ein wenig unhöflich, „Nein. Nicht im Geringsten. Faran.“
„Was?! Du und…“ Entsetzt starrte der Hauptmann Imladris‘ mich an. „Was zum…?! Bei Eru, Alca!“
Entrüstet darüber, dass man mir eine solche Untat zutraute, stieß ich lautstark Luft aus. „Glorfindel, bei Merlins Bart! Nein, nein und nochmal nein! Faran und Pheobe – kennst du nicht. Fiese Dienerin Farans, Hexe, wohlgemerkt und tot. Ich habe auch von ihr geschrieben, meine ich… wie dem auch sei, das hier ist Validion – die Namensgebung ist übrigens auch nicht meide Schuld – und er ist der Sohn des Herren des Todes und Dieners der Schatten.“
Lord Elrond reagierte wie erwartet. „Schön. Wieso behaltet ihr ihn nicht?“
Nun sprang zum Glück Curan ein, bevor ich die vor mir stehenden Elben weiter verärgern konnte. „Wie gesagt… wir haben noch Ork an uns und würden das gerne loswerden, bevor wir uns an die großen Themen des Lebens wagen.“
Nach einem verwirrten, aber vielsagenden Blickaustausch winkte Glorfindel uns mit sich. „Gut, wascht euch. Aber“, drohend hob er den Finger, „sobald ihr fertig sagt, begrüßt ihr erst einmal Lindir!“
„Ja, Frau Mama.“ Curan grinste unangemessen. „Meine Güte, das habe ich vermisst. In der Wizarding World kann man Elben ganz schlecht aufziehen.“
Unser alter Gefährte sah von einer wütenden Erwiderung ab und machte sich stattdessen auf, um uns ein öffentliches Bad oder so zu zeigen. „Wieso denn das?“, fragte er unterwegs, vermutlich nur, um die peinliche Stille zu unterbrechen.
„Liegt an dem Mangel an Elben“, entgegnete ich trocken, „Nur Muggel, Hexen und Zauberer wohin man blickt. Oh, aber nicht so Zauberer wie Gandalf.“
Fragend zog Glorfindel eine Augenbraue hoch und Curan erläuterte Näheres. „Naja, ohne Bart und so. Und ohne weiße Roben und den ganzen Istarkram. Eher so… mit einem kleineren Zauberstab und dann sagen sie lustige Sachen wie zum Beispiel Stupor und dann passiert etwas.“
„Ah, so wie letztes Jahr mit Lord Elrond?“
Schmunzelnd erinnerte ich mich daran, wie er sich damals selbst geschockt hatte. Lustige Vorstellung eigentlich, dass Elben auf eine Art magisch waren wie Hexen und Zauberer auch… andererseits, das traf auch für Weltenspringer zu. Insofern wohl eher unspektakulär.
„Exakt. Genau so.“
Glorfindel nickte wissend, während wir und zurückerinnerten. Ja, das war was… damals…
„Apropos Zauberer“, begann ich, „Wo ist Gandalf?“
„Erst Waschen, dann Lindir, dann Gandalf“, kam es sofort von Curan, „Du hast nicht zufällig eine Zahnbürste eingepackt?“
Was folgte, war eine kleine Streiterei darüber, ob Sirion die Gestalt einer Zahnbürste annehmen konnte und ob es eine gute Idee sei, ihn als solche zu verwenden. All das dauerte so lange, das wir noch am Streiten waren, als Glorfindel längst gelangweilt im Türrahmen eines Badezimmers lehnte. Statt eine mächtige Schattenwaffe in seinen Rachenraum zu schieben, begnügte Curan sich mit aggressivem Gurgel, bis er sich schließlich am Wasser verschluckte und eine rötliche, warme Flüssigkeit durch den ganzen Raum und alle sich darin befindlichen Menschen hustete. Fortan musste ich nicht nur Blut, sondern auch seinen Speichel von mir waschen. Nach einer notdürftigen (Achtung, Wortspiel!) Katzenwäsche und dem kräftigen Einsatz von Deo, das Curan mitgeschmuggelt hatte, rochen wir beide nach Pausenbrot von vor den Sommerferien und fühlten uns vollkommen bereit, allen Herausforderungen des Tages, die noch kommen mochten, entgegen zu treten.
„Also“, begeistert klatschte ich in die Hände, „Wo finden wir Lindir?“
Wie sich herausstellte, hatte unser Freund, der Sänger und Berater Lord Elronds, zeitweise auch Bürojobs zu erledigen, was ein wenig beruhigend war, vor dem Hintergrund, dass Curan und ich seit einem halben Jahr beinahe nur noch einen Bürojob namens Schule erledigt hatten.
Ja, auch in Imladris gab es Büros. Sonst wäre es wohl wirklich schwierig, einen Bürojob auszuüben.
Irgendwie musste alles ja organisiert werden, oder nicht?
Auf dem Weg erfuhren wir noch einiges mehr über jene Versammlung, die Legolas zuvor erwähnt hatte, darunter auch Dinge, die ich gerne lieber nicht erfahren hätte, zumal wir doch eigentlich nur ein Kind loswerden wollten!
„Und Alca, dein Name ist in dem Zusammenhang auch schon gefallen.“ Glorfindel runzelte besorgt die Stirn, während Curan, offenbar beleidigt, dass über ihn mal wieder niemand redete, schnaubte.
„Mal ganz im Ernst, du hast aber nichts damit zu tun?“
Die Frage gefiel mir nicht. Gab es etwa Zweifel an meiner Vertrauenswürdigkeit?
Ich war doch nicht mein Vater. „Natürlich nicht! Ich war das ganze letzte Jahr in Hogwarts, Glorfindel! Ich hatte ganz andere Probleme und weder Zeit noch Nerven um irgendetwas anderes zu machen, schon gar nicht… so was!“
Bevor Curan auch etwas hinzufügen konnte, winkte Glorfindel schon ab. „Ach, ich meine nur. Du warst so lange weg, niemand weiß so wirklich wo…“ Als ob ich das nicht gerade gesagt hätte. „Und dann tauchst du auf mit dem Kind eines Mörders, dessen Name so viel wie Validus‘ Sohn bedeutet… klingt ein wenig als ob du ein gewisses Erbe wieder…“
Er verstummte, als er bemerkte, dass wir stehen geblieben waren. Eine gewisse Wut war in mir aufgestiegen und hinterließ ein unangenehmes Brennen im Brustkorb. Wenn das schon so anfing… Vorsichtshalber zog ich den Umhang fester um mich, damit niemand sah, wie meine Hand zuckte. Schon einmal hatte das Licht sich ohne meine Erlaubnis gewehrt, als es eine Beleidigung vermutete, doch was mir ehrlicherweise mehr Sorgen bereitete, war der Gedanke, dass jemand die Schatten sehen konnte, die sich in meiner Hand formten. Das würde ja geradezu nach Validus stinken.
Irritiert starrte Curan unseren alten Gefährten an, ehe er das Gesicht zu einem halben Fauchen verzog.
Den Rest des Weges sprachen wir kein Wort mehr.

Vielleicht hatte ich ein wenig zu viel versprochen. Lindirs Bürojob beinhaltete ein großes, schweres Buch, offenbar gefüllt mit Tabellen, einige Zettel, auf die jemand schlampige Notizen gekritzelt hatte, und einen Tisch in einer beinahe elbenleeren Bibliothek.
Vollkommen vertieft in seine Arbeit schien er nicht zu bemerken, wie wir immerhin zu dritt durch die Tür traten.
Beim Anblick des vor sich hinmurmelnden Elben, der genervt einige verschmierte Notizen zu entziffern versuchte, war mein Zorn wie weggepustet. Dümmlich grinsend spazierte ich ohne große Umwege vor den Lesetisch und ließ mich auf der gegenüberliegenden Seite nieder.
Lindir schien so in seine Arbeit vertieft, dass meine Anwesenheit ihm scheinbar gar nicht auffiel. Stattdessen schimpfte er weiter leise vor sich hin, die Augen auf die offenbar mehrmals in der Hosentasche mitgewaschene Schrift gerichtet.
Ob Elben so etwas wie Waschmaschinen hatten? Vermutlich nicht.
„Macht Spaß?“, fragte ich also in die Stille hinein, „Sieht ja wirklich lustig aus.“
„Hmm“, kam es zurück, „Eher semispaßig.“
Verständnisvoll nickte ich. „Ja, so seht Ihr auch aus.“
Eine Pause trat ein, in der sich die soeben aufgenommenen Informationen mühsam einen Weg durch sein Gehirn bahnten. Ich konnte die kleinen, vollkommen überfüllten Bahnen beinahe hören…
Plötzlich ruckte Lindirs Kopf nach oben. Es war scheinbar doch angekommen. Fassungslos musterte er erst mich, dann drehte er sich nach hinten um, wo Glorfindel lediglich mit den Schultern zuckte und Curan freundlich winkte.
Sein Kopf fuhr wieder herum, sodass Lindir mich fast schon entsetzt anstarrte. „Alca!“
„Pscht!“, schallte es aus irgendeiner Ecke der Bibliothek, sodass er zusammenzuckte. „Was machst du denn hier?“
Lässig drehte ich mich auf dem Stuhl zur Seite und überschlug die Beine. „Kindermädchen spielen natürlich, mein Freund. Allerdings diesmal nicht für euch.“
Beinahe schien er versucht, mich mit einer altbekannten Schimpftirade zu übergießen, da fiel ein Schatten auf sein Gesicht.
„Ruhe in der Bibliothek“, zischte eine Stimme, die ich als eindeutig Erestor zugehörig identifizierte. Madam Pince und er wären mit Sicherheit Seelengeschwister.
Wortlos deutete Lindir auf mich, während ich mich umdrehte und den miesgelaunten Berater freundlich anlächelte. „Selbstverständlich. Ich bitte um Entschuldigung.“
Im Gegensatz zu so ziemlich jedem anderen war Erestor kein bisschen überrascht. „Alca. Sei gegrüßt. Hättet ihr die Güte, euch draußen weiterzubegrüßen?“
„Die Güte haben wir“, erwiderte ich strahlend, erhob mich und musste plötzlich wieder grinsen, woraufhin mein Gesprächspartner nur verärgert die Stirn runzelte. „Was ist denn so lustig?“
„Nichts, ich freue mich nur unglaublich, Euch wiederzusehen.“
Bevor der Elb den Spott enttarnt hatte, war die Tür der Bibliothek hinter uns in Schloss gefallen. Direkt darauf wurde mir in einer festen Umarmung alle Luft aus den Lungen gepresst.
„Alca, Eru sei Dank!“
„Krchchch“, entgegnete ich, woraufhin Lindir losließ. Er wartete, bis ich wieder einigermaßen atmete, bevor er auch Curan mit einem freundlichen Nicken begrüßte, obwohl er ihn offensichtlich nicht als Diesen erkannte. „Hast du den Kater nicht mitgebracht?“
Der Gerade-Nicht-Kater grinste. „Doch, hier bin ich ja. Hättest mich vermisst, wie?“
Ich bekam das Bedürfnis, den Abstand zwischen Lindirs Ober- und Unterkiefer zu messen, als seine Kinnlade zuerst herunter- und schließlich wieder hochklappte. „Du… ui.“
„Eher Wow“, berichtigte Curan zur Verwirrung aller anwesenden Elben. Nach einer Weile Blinzeln und verwirrter Blickkommunikation winkte Glorfindel uns mit sich. „So, ihr beiden habt ordentlich etwas verpasst. Das sind Wissenslücken, die wir füllen sollten. Nachdem ihr das Kind irgendwo untergebracht habt.“

Lindirs Blick bei dem Wort Kind war Gold wert. Das wäre zu Hause ein Meme geworden, ehrlich. Wir fanden tatsächlich recht schnell eine Teilzeit-Amme nahe den Häusern der Heilung. Daumen hoch, Imladris.
Auf dem Rückweg liefen wir tatsächlich Legolas und seiner Teilzeit-Amme über den Weg, die beide schweigende Kommunikation übten, während Curan und ich über den neusten Gossip belehrt wurden. Wir waren gerade beim Thema „Also viele finden euch Weltenspringer jetzt nicht so lustig“ angelangt, als mein Halbbruder uns erblickte und mit Gimli im Schlepptau elbenmäßig auf uns zu schritt. „Ah, die Herren und Dame Gemeinschaft des Lichts“, brummte der Zwerg in seinen Bart hinein, „Man hört, es bahne sich Großes an?“
„Eigentlich wollten wir nur Validion irgendwo abliefern“, meinte Curan, „Ich meine… eigentlich sind wir nicht hier, um schon wieder einen Diener der Schatten zu besiegen.“ Fragend sah er zu mir, als wolle er sich da lieber noch mal versichern. Ich nickte bestätigend, doch niemand schien uns so recht glauben zu wollen.
„Mit Weltenspringern kommt Ärger“, murmelte Glorfindel leise, woraufhin ich kritisch die Stirn runzelte. „Das ist der Spirit. Progressiv.“
„Naja… also…“ Bevor Lindir seinen entschärften Senf zum Thema hinzufügen konnte, räumte ich nachdenklich ein: „Ich will nicht abstreiten, dass Faran und Validus Weltenspringer sind. Macht und Verantwortung und so. Aber“, und hier warf ich einen bösen Blick in Richtung Balrogtöter, „es gibt auch mehr als genug Weltenspringer die euch bei euren intraterrestrischen Problemen aus der Patsche helfen.“
Amüsiert über meinen aggressiv-besserwisserischen Ausbruch schmunzelte Legolas. „Schön, Alca. Wo wir gerade schon die kritischen Themen abarbeiten… mein Vater würde dich gerne sprechen. Ich glaube, ihr habt einiges zu besprechen.“
Sicherheitshalber rückte ich schon einmal Sirion zurecht.
Vorfreude pur.

Hey!
Machen wir es kurz: Ich werde fortan versuchen, alle zwei Samstage ein neues Kapitel herauszubringen, wenn mein Terminplan denn zulässt. Ich fürchte, häufiger ist es für mich einfach echt schlecht machbar. Das war eigentlich alles... ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen!
LG, Taura Maril
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