Alca - Blut und Erbe

GeschichteAllgemein / P12
12.08.2020
26.10.2020
7
14.424
2
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
12.08.2020 1.458
 
Hallihallo!
Schön, dass ihr Alca zurück nach Mittelerde gefolgt seid. Es warten Orks, Alca, Elben und eine Menge Ärger.
Das hier ist nur so etwas Ähnliches wie ein Prolog-Kapitel-Einführungsding… wobei die Betonung auf etwas Ähnliches liegt. Ich freue mich wirklich auf den dritten Teil und hoffe, dass es euch genauso geht. Auf ein weiteres!
LG, Taura Maril

Das blasse Licht des Mondes schien kalt und scharf auf das einsame Dorf, das dort zwischen einem Nebenarm des Morthond im Westen und einigen Bergen, die zum Weißen Gebirge gehörten, im Osten lag. Der Wiederaufbau nach dem Angriff des Dieners der Schatten verlief erfolgreich, viel schwieriger als der materielle Schaden war der zu beheben, der in den Seelen der Menschen entstanden war.
Niemand, der sie einmal in Aktion gesehen hatte, vergaß die Schatten wieder und niemanden, den sie einmal besessen hatten, ließen sie wieder frei.
Besorgt ließ Alatar seinen Blick über das Dorf schweifen. Eine Bedrohung schien über den halb reparierten Dächern zu schweben, sie kam aus den letzten rauchenden Schornsteinen und aus den unnatürlich schwarzen Schatten, die sich in jeder Ecke und Ritze eingenistet hatten.
Kein Wunder, mächtige Weltenspringer waren am Werk gewesen, zu mächtig. Der Orthanc, ein Turm so standfest wie ein Berg, war ihnen zum Opfer gefallen.
Nein, nicht ihnen, ihr.
Alca Validi.
Soweit er von verschreckten Augenzeugen wusste, hatte sie lediglich die Arme gehoben und die Elemente waren ihrem Befehl nachgekommen. Als Zauberer war Alatar klar, dass oftmals mehr dahintersteckte, mehr Kraft, mehr Energie, mehr Entschlossenheit. Trotzdem war es beunruhigend, wie einfach es der jungen Hüterin offenbar gefallen war. Zumindest Komplikationen wären zu erwarten gewesen, anschließende Schwächeanfälle, Verbrennungen angesichts der unheimlichen Menge an Energie, irgendwas.
Nein, nichts.
Und der Orthanc, mochte er noch so standfest sein, fiel.
Das Volk Rohans und Gondors hatte daraus vor allem eines geschlossen: Nichts blieb, wie es war, nicht, wenn diese eine, bestimmte Weltenspringerin im Spiel war. Den Tod selbst würde sie manipulieren, hieß es, auch wenn Alatar selbst das bezweifelte. Das Mädchen hatte Glück, wie es schien. Und eine eisern entschlossene Gruppe von anderen Weltenspringern um sich, die sie um jeden Preis schützen würden. Obwohl es augenscheinlich nicht besonders weise war, ein einziges, so mächtiges Wesen zu dulden.
Unter seinen Füßen fühlte der Boden sich fest und sicher an, doch die Frage war, wie lange noch, wenn Alca auch ihn beherrschte?
Ein leichter Nieselregen setzte ein. Die Tropfen waren wie Tränen, Tränen aus Blut.
Keine Wolke hatte sich vor den Mond geschoben, er schien nach wie vor. Mondwandler.
Blut. Tränen. Mondwandler. Rhân.
Erstgeborenen. Erbe. Blut. Krieg.
„Wegen deinem Blut wird das anderer vergossen werden“, brummte Alatar leise, unsicher, ob er nun zu Alca sprach oder jedem neuen Erben, den sie den Sohn des Todes nannten.
Blaue Zauberer wussten so etwas. Er zum Beispiel hatte miterleben müssen, wie zwei andere Weltenspringerinnen dem Stamm der Mondwandler die Leiche ihres Anführers zurückbrachten. Die Flügel mehrfach gebrochen, als hätte sie eine riesige Hand zerdrückt. Sie hatten eine Spur aus Schwarz hinterlassen, schwarze Federn und schwarzer Hass. Auf Rhâns verstoßenen Bruder, Curan, Weltenspringer des Krieges, stets an Alcas Seite.
Ihr zweiter Schatten, sozusagen. Und ein Bote des Unheils. Zwei gehasste und geliebte, verstoßene und aufgenommene Mischwesen, so anders als alle anderen und sich selbst zu ähnlich.
Als hätte Eru sie füreinander geschaffen, dieses dennoch ungleiche Team. Ein innigeres Band der Freundschaft empfanden wohl nur Seelengeschwister, doch wer wusste, vielleicht waren sie das?
Der Bote des Krieges, die Hüterin der Schatten und der Sohn des Todes.
Dunkelheit würde Mittelerde wohl nicht verschlingen, aber zumindest im Griff behalten. Es waren einfach andere Zeiten angebrochen, schwierigere Zeiten.
Vielleicht hatten die Menschen es noch nicht mitbekommen, aber die Mondwandler und Elben spürten deutlich, was er schon wusste.
Entschlossen packte der Zauberer seinen Stab und zog den Umhang fester um sich, denn ein kalter Wind kam auf. Er würde sich beeilen müssen, wenn er rechtzeitig eintreffen wollte. Die Gruppe Menschen, in deren Herzen sich die Schatten wohl eingenistet hatten, hatte bereits mehrere Wochen Vorsprung, er allerdings hatte Adler.
Während eines der imposanten Tiere mit ihm auf dem Rücken abhob, kicherte er in seinen Bart. Die Welt hatte ja keine Ahnung, was sie erwartete.

Gandalf dagegen war schon lange am Ort des Geschehens, als das Geschehen noch gar nicht geschehen war. Ein Weltenspringer hatte meistens einen Ort, an dem er auftauchte, vermutlich eine der wenigen Konstanten. Deswegen erwartete er Alca in Imladris, ihrem Tor nach Mittelerde. Dass Imladris nebenbei auch einfach ein großartiger Ort war, machte das Warten deutlich erträglicher, trotz der spätsommerlichen und äußerst bartuntauglichen Temperaturen.
Die ersten Blätter färbten sich bunt und die Sonne sank immer früher, wie auch jetzt. Um den weißen Zauberer wurden die Schatten immer länger, bis sie Imladris ganz verschluckt hatten.
Schatten… ob er Alca von ihrem Erbe hätte erzählen sollen? Vielleicht bestand ja die Möglichkeit, dass sie es noch nicht angetreten hatte… Gandalf wischte diesen törichten Gedanken beiseite.
Wie sonst hätte sie Faran besiegen sollen?
„Der Kater kommt auch mit?“, wollte Farina wissen. Sie hatte die Botschaft von der unausweichlichen, neuen Prophezeiung hier her gebracht, natürlich nicht ohne ihren kleinen Bruder Finn. Dieser war im Laufe des Tages bereits von mehreren Brücken gestürzt, da Elben eine strikte Abstinenz von Geländern pflegen, und deswegen in den Häusern der Heilung.
„Curan, meinst du?“ Er schwieg eine Weile bei dem Gedanken an den verrückten Kater mit der tragischen Vergangenheit. Aus ihren Briefen wusste er, dass er Alca begleitete und er würde sie wohl nicht wieder alleine lassen, nun, da er endlich jemanden gefunden hatte, der ähnlich empfand. „Er wird so unvermeidbar sein wie der Sonnenaufgang, nehme ich an.“
Ein braunes Blatt segelte auf den Boden, in der Dunkelheit der Nacht sah es aus wie eine schwarze Feder. Rhân.
Die Nacht war kühl und weder der Zauberer noch Farina waren besonders gesprächig, sodass sie sich bald in den Häusern der Heilung wiederfanden, nach Finn sehen. Der schien sich gerade prächtig mit einem der Heiler zu unterhalten, also winkte sie ihrem Bruder nur einmal zu, bevor sie sich auf den Rückweg machten. „Was ich mich frage,“, begann die junge Frau plötzlich, „wenn diese neue Prophezeiung doch für einen anderen ist, wieso reden dann jetzt alle wieder von Alca?“
„Eine gute Frage.“ Es brauchte eine Weile, bis er die richtigen Worte gefunden hatte. „Auch Lord Elrond und seine Berater haben lange darüber nachgedacht, ob Alca tatsächlich involviert ist und ob ihr Versprechen, zurückzukehren, in irgendeiner Weise relevant ist.“
„Und?“
Ein kleiner Wirbelwind hatte das Laub aufgesammelt und hob es nun hoch in die Luft, ungewöhnlich hoch. Mit einem Auge auf dem kleinen Sturm, packte Gandalf Farina am Arm und zog sie zur Seite. „Wir sind uns sehr sicher, dass nicht wir der Grund für Alcas Rückkehr wären… Unterm Schirm von Licht und Schatten, der Hütenden/ ohne Schirm und Hüter, dageblieben. Diese beiden Verse sind es, die Lord Elrond sicher machen, dass Alca zurückkommt. Am Faden des Lebens, das bedeutet, dass Faran besiegt wurde. Des Bösen gute Brut.“
Inzwischen hatte sich eine regelrechte Windhose erhoben, die sich gen Himmel erhob und langzog. Besorgt notierte Farina, dass sie direkt in die Richtung der blutrot untergehenden Sonne deutete. Natürlich war das nicht, auf keinen Fall. Das war…
„Ein Erbe“, erklärte Gandalf unheilvoll, „Alca bringt uns den Erben Farans.“
Im gleichen Moment, da sein Satz beendet war, explodierte der Himmel. Gleißend weißes Licht löste das verschwindende der Sonne ab, als ein Zirkel aus Dreck, Laub und Federn sich um die Quelle des Lichts legte. Spätestens jetzt war ganz Imladris alarmiert. Elben eilten aus allen Ecken herbei, rufen, fragend, verwirrt.
„Was ist denn das?“, wollte einer wissen, eine andere rief: „Bei Eru! Was…?!“ Zufrieden lächelnd nickte Gandalf. „Das… meine Freunde, das ist Alca, die Hüterin des Lichts.“

Wenige Kilometer weiter außerhalb von Imladris sank in diesem Moment jene Weltenspringerin in Richtung Boden. Nicht bewusstlos, wie beim letzten Mal, nein, im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten. Gestatten? Alca.
Ein schwarzer Schirm hatte sich um mich gelegt, während wir Mittelerde immer näherkamen. Wir?
Da war ja was. Natürlich war ich nicht alleine. Sowieso schon nicht, aber schon gar nicht, wenn es um solche interterrestrischen Wichtigkeiten geht. Curan, natürlich. Wer auch sonst?
Und dann war da Validion…
„Alca?“, murmelte Curan leise, „Alca, ich spüre etwas…“
Verwirrt wandte ich mich zu meinem Begleiter um. „Ich auch, aber das hat vermutlich mit der Thunfischpizza von vorgestern zu tun.“
Augenrollend drehte der Gestaltwandler sich um, die Hand an seinem Dolch. „Ich auch, aber das meine ich nicht… es ist… eher so etwas wie…“
Ich begab mich nun selbst in jenen fast meditativen Zustand der vollen Öffnung meiner Fähigkeiten, breitete meine übernatürlichen Fühler aus… das kannte ich: „Ärger!“
Genau in dem Moment, in dem wir plötzlich in einer Menge brüllender Orks landeten!
„Zielsicher“, kommentierte ich wenige Meter über dem Boden, „Sirion!“
Review schreiben