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Davonlaufen

von Stokely
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
12.08.2020
07.04.2021
46
182.052
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Kapitel 46
-Heimkehr?-

Tony POV

Noch müde hieve ich mich aus dem Bett im Gästezimmer. Nicht ohne vorher dem noch schlafenden Jethro einen Kuss auf die Wange zu geben. Ich hatte mir mein Handywecker auf fünf vor sieben gestellt, um Madame Francines Futterzeit nicht zu verpassen, bin allerdings wenige Minuten zuvor von alleine aufgewacht. Gibbs und ich hatten gestern noch beschlossen, dass wir nach dem Füttern nicht noch mal ins Bett zurückgehen werden, sondern einen kleinen Spaziergang im Wald tätigen wollen, so lange es noch nicht so warm sein würde.
Nun entscheide ich mich dazu, ihn noch ein wenig im Reich der Träume sein zu lassen und ihn eine kleine Überraschung zu bereiten, indem ich ein schönes Frühstück zaubern werde. Weswegen ich nun leise den Raum verlasse.

Meine Boxershorts rutscht mir ein wenig runter, weswegen ich sie wieder über meine Hüften ziehe, gerade als ich die Treppe betreten möchte. Doch kurz vor ihr halte ich in meiner Bewegung inne. Starre in die grünen Augen der Katze, die vor der unteren Stufe Stellung bezogen hat und mich fokussiert.
»Guten Morgen, kleine pelzige Lady«, begrüße ich sie, worauf sie ihren Kopf auf die eine Seite legt, als würde sie mir tatsächlich dadurch eine Antwort geben wollen. »Zeit für deine Medizin. Also...du wirst mich doch runterkommen lassen ohne einen Ninja-Angriff zu starten, oder?«
Keine Reaktion, was mich nicht gerade beruhigt. Ich atme tief ein, erinnere mich daran, dass ich ein erwachsener Mann bin und begebe mich dann todesmutig die Treppe hinab. Anders als von mir befürchtet, komme ich allerdings ohne weitere Zwischenfälle an der Katze vorbei, stelle mit einem Schulterblick fest, dass sie mir mit etwas Abstand in die Küche folgt.

Dort werde ich von ihr beobachtet, während ich ihr Trinkwasser austausche und das Katzenfutter mit der Medizin in ihren Fressnapf fülle, nachdem ich diesen gereinigt habe. Erst als ich mich so weit es die Küche zulässt von ihrer entfernt habe, startet sie mit ihrem Frühstück.
»Weißt du, Madame Francine«, beginne ich ohne groß darüber nachzudenken, während ich mich an die Anrichte lehne. »Vielleicht war es nicht so nett von mir nach hinten zu weichen, als du bei unserer Ankunft auf mich zugekommen bist. Aber deswegen bin ich ja nicht gleich ein schlechter Mensch. Wenn...deine Gefühle dadurch verletzt worden sind, dann tut es mir leid.«
Von der Katze kommen nur genussvolle Schmatzgeräusche, ich verschränke meine Arme vor der Brust. »Ich habe nicht so gute Erfahrungen mit deinen Artgenossen gemacht. Und ganz ehrlich, ich weiß nicht, woran das liegt. Ich verstehe, warum du Jethro in dein kleines Herz geschlossen hast. Und wie ich das tue! Und hey, du musst mich ja nicht mögen... Aber hassen musst du mich ja auch nicht, oder?«
Wieder kommt wie zu erwarten keine Reaktion, ich schüttele über mich selbst meinen Kopf, höre aber trotzdem nicht auf, weiter mit ihr zu sprechen. »Jethro und ich sind nur noch bis heute Abend hier und vielleicht könntest du mir in der verbleibenden Zeit ja nicht immer nur deinen pelzigen Popo zeigen, ja? Auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst, aber ich könnte dir auch ein paar Streicheleinheiten geben.«
Madame Francine, die inzwischen ihr Nassfutter vertilgt hat, streckt sich ausgiebig, setzt sich dann direkt vor den Kühlschrank und fährt sich mit der Zunge mehrfach über ihr Mäulchen. Ich nähere mich ihr vorsichtig, gehe dann langsam vor ihr in die Hocke. Ungefähr zwei Meter trennen uns noch, sie bleibt ruhig sitzen, flüchtet nicht vor mir.
»Du bist echt ne hübsche. Und auch eine liebe Katze, richtig? Doch diese Liebe teilst du nicht mit jedem, das respektiere ich «, ich strecke meine Hand langsam nach vorne, möchte ihr Interesse wecken. Hoffe sogar sehr, dass sie zu mir kommt. »Aber eins musst du wissen. Ob du es willst oder nicht. Ich mag dich, auch wenn du mich gestern nur ignoriert hast. Daher hoffe ich sehr, dass du nichts Schlimmes hast. Dass du deine Medizin schon bald nicht mehr brauchen wirst.«
Madame Francine steht auf, schaut mich intensiv an. Miaut ziemlich laut, nur um dann im nächsten Moment die Küche durch die angelehnte Tür zu verlassen.

Mir entweicht ein frustriertes Seufzen, ehe ich mich erschrecke, als die Tür plötzlich ganz aufgeschoben wird. Jethro, ebenfalls nur mit Boxershorts bekleidet, taucht bei mir auf. Meine Wangen färben sich rosa, da ich instinktiv ahne, dass er meine einseitige Unterhaltung mit der Katze mitbekommen haben muss.
»Jethro, ich wollte dich eigentlich mit einem Frühstück überraschen«, lasse ich ihn nun wissen, in der Hoffnung, dass er mich nicht auf die vorangegangenen Geschehnisse in der Küche ansprechen wird.
»Das ist lieb von dir, Tony«, er kommt zu mir, als ich mich aufrichte, zieht mich an sich ran und gibt mir einen wunderbaren Kuss. »Aber das nächste Mal solltest du deine Weckfunktion dann wohl ausschalten.«
»Oh, nein, das habe ich total vergessen. Ich bin vorher wach geworden.«
»Ist ja nicht schlimm. Jetzt kann ich dir helfen.«
»Na, kommt nicht in Frage. Du setzt dich draußen auf die Terrasse und ich werde alles machen. Los. Hopp Hopp!«, delegiere ich ihn und schiebe ihn Richtung Küchenausgang und er setzt sich tatsächlich in Bewegung. Bleibt allerdings im Türrahmen stehen und wendet sich mir noch einmal zu.
»Tony?«
»Ja?«
»Dein Gespräch mit der Katze...«
»Oh, Jethro, ich weiß. Bitte...es ist mir schon peinlich genug.«
»Ich fand es zauberhaft«, ein ehrliches, liebevolles Lächeln umspielt seine Lippen. »Und wenn es dich beruhigt. Ich denke, dass Madame Francine dich durchaus mag. Die Frauen sind doch nicht immer leicht zu verstehen. Und was mich betrifft. Ich mag dich nicht nur, ich liebe dich.«
Ich kann nicht anders als sein Lächeln zu erwidern, beflügelt von innerlicher Wärme. »Ich liebe dich auch.«

******

»So, und hier ist noch der Kaffee«, mit einer Kanne bewaffnet, lasse ich mich neben Jethro auf einem Stuhl am Gartentisch nieder. Als ich sie abstelle, fällt mein Blick auf meine Tasse, die eigentlich leer sein sollte. Ist sie allerdings nicht mehr. Sie wird ausgefüllt von einem kleinen Sträußchen Gänseblümchen, welches mithilfe von einem Grashalm zusammengehalten wird.
»Jethro«, meine ich dankbar und gerührt, weil wir beide wissen, welche Bedeutung diese Blume für mich hat, nachdem wir ihr diese zusammen gegeben haben. Ich nehme die Blumen behutsam in meine Hände. »Das ist so süß von dir.«
»Schön, dass du dich darüber so freust«, wir tauschen einen Kuss miteinander aus.
»Natürlich tue ich das. Und auf diesen Strauß werde ich besser aufpassen, als auf das Gänseblümchen von vor ein paar Tagen. Obwohl es da ein Unfall war, dass es den Kopf so schnell hängen ließ.«
»Wenn du jetzt einen Anzug anhättest, würde ich ihn dir in die Brusttasche stecken«, er nimmt mir die Blumen ab, nähert sich mit ihnen meinem Gesicht. »Stattdessen klemme ich sie dir hinters Ohr.« Kaum ausgesprochen hat er es bereits getan, lehnt sich dann etwas zurück, um sein Werk zu betrachten. »Ja, sieht ausgesprochen schön aus. Die Blumen übrigens auch.«
Sein Kompliment bringt mich zum Lächeln. »Du Charmeur.«
»Nein, ich bin einfach nur einer, der den Tatsachen ins Auge sieht. Gerade in diesem Moment in wunderschöne.«
»Jetzt ist aber gut«, tadele ich ihn gespielt, da ich doch glatt nicht weiß, wie ich mit weiteren schmeichelnden Worten umgehen sollte.
Jethro lächelt wissend, greift meine Hand ganz fest, ist anscheinend noch nicht fertig. »Wenn deine innere Schönheit nach aussenhin sichtbar wäre, dann gäbe es eine zweite Sonne.«
»Psst, du machst mich total verlegen«, ich lege ihm einen Finger auf die Lippen, spüre, wie diesmal aus einem anderen Grund meine Wangen an diesem Morgen heiß anlaufen. Gibbs lacht glücklich.

****
Am Vormittag waren wir im Wald unterwegs gewesen und haben anschließend zwei alte Gesellschaftsspiele gespielt, die wir im Wohnzimmer in einem der Schränke gefunden haben.
Mittags haben wir uns eine Suppe gekocht, die wir zusammen mit Broten gegessen haben. Eine kleine Siesta im Strandkorb endete damit, dass wir uns gegenseitig einen Höhepunkt verschafft hatten, da einer von uns nicht seine Finger bei sich behalten konnte und alles somit in Gang brachte. Ich war nicht derjenige gewesen, aber beschweren über diese Initiative meines Freundes werde ich mich ganz gewiss nicht.
Am frühen Nachmittag suchte die Katzte Jethros Aufmerksamkeit und er nahm sich nach Rücksprache mit mir Zeit für sie, um mit ihr zu spielen, während ich sie dabei gut gelaunt beobachtete. Gibbs wird es wohl kaum hören mögen, aber ein starker Marine, der eine Plastikmaus an einer Schnur quer durch ein Zimmer zieht, damit die pelzige Lady ihren Jagdinstinkt nachgehen kann, ist ein Bild für die Götter.
Dann hatten den Rest des Nachmittags im Herrenzimmer verbracht, unter anderem noch drei Runden Billard gespielt, ehe wir schließlich begangen das aufzuräumen, was wir bisher noch nicht wieder so hergerichtet hatten, wie es bei unserer Ankunft war.

»So, unsere Tasche steht fertig neben der Eingangstür, das Bett im Gästezimmer ist abgezogen und gelüftet haben wir auch«, fasse ich um halb sieben abends zusammen, als Jethro und ich uns auf der Couch im Wohnzimmer niederlassen. Links von meinem Lebensgefährten liegt bereits Madame Francine, die nur kurz ein Lid hebt, sich vergewissert, wer da zu ihr gekommen ist, bevor sie ihr Nickerchen fortsetzt.
»Die Küche ist auch so weit sauber, im Herrenzimmer ist alles so, wie wir es vorgefunden haben. Haben wir noch etwas vergessen?«
»Also ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich würde mich wohler fühlen, wenn wir Mrs. Donovan etwas Geld da lassen würden für die Lebensmittel, die wir benutzt haben. Ich weiß zwar, dass es quasi als Bezahlung für das Füttern der Katze sein soll, aber sei mal ehrlich. Das hat wirklich keine Arbeit bereitet, aber dennoch haben wir uns gut am Kühlschrank bedient.«
»Ja, du hast recht. Ich würde mich auch wohler damit fühlen. Ich hoffe nur, dass sie es nicht irgendwie falsch aufnimmt und sich gekränkt fühlt.«
»Wir können ihrer Tochter Maggie ja etwas in die Hand drücken, die wird schon wissen, wie sie es ihrer Mutter unterjubeln kann, sollte diese sich weigern, es anzunehmen«, erwidere ich und finde meinen Vorschlag selbst so toll, dass ich unterstützend nicke, als ich ihn ausspreche.
»Dann lass es uns so machen. Wir haben jetzt noch ungefähr eineinhalb Stunden bis die beiden Frauen vermutlich wieder hier sein werden. Was möchtest du bis dahin tun?«
»Magst du noch einmal mit mir tanzen?«, frage ich ihn und freue mich, als er mir sofort zusagt, indem er mir seine Hände hinhält.
Bis wir um sieben Uhr zum letzten Mal Madame Francine füttern müssen, tanzen wir diesmal zu Sarah Vaughan. Ganz nah sind sich unsere Körper, unsere Wangen berühren sich. Sanft wiegen wir uns im Takt der Klänge, sind in unserer eigenen kleinen Welt.

******

»Was tun wir jetzt eigentlich, Jethro?«, frage ich genau diesen, als wir in der Küche stehen.
Er weiß genau, worauf sich meine Frage bezieht. »Es ist deine Entscheidung, Tony. Ich werde dich nicht dazu drängen. Ich kann den Grund nachvollziehen, welcher dich davon abhält.«
»Aber du würdest lieber hier bleiben wollten, richtig?«
»Bis sie Thomas Landau haben, ja.«
»Dann...lass uns die alte Dame fragen. Es ärgert mich, dass ich denke, Landau hätte Macht über mich. Aber das Wissen, dass du hier definitiv nicht in seiner Nähe bist, lässt mich dieses Gefühl ertragen.«
Jethro schaut mich verständnisvoll, aber auch erleichtert an. »Ich wäre auch froh, wenn du weit weg von ihm bist.«
»Okay, dann müssen wir uns nur überlegen, wie wir es angehen.«
»Ich glaube, wir bleiben einfach nah dran an der Realität. Wir sagen ihr, dass es uns hier sehr gefällt, wir gerne noch ein paar Tage fernab der Stadt sein möchten, weil wir gerade so viel Stress um die Ohren haben.«
»Gut«, stimme ich seinen bisherigen Ausführungen zu. »Und dann fragen wir ganz charmant, ob wir vielleicht noch ein paar Tage hierbleiben dürften. Gegen Bezahlung oder Arbeiten am Haus, die vielleicht erledigt werden müssten. Und auch nur in den Bereichen des Hauses, die sie absegnet. Wir würden sie komplett in Ruhe lassen, sofern sie dies möchte.«
»Das klingt nach einem Plan.«
»Denkst du, sie wird zusagen?«
»Ich weiß es wirklich nicht, Tony. Wir sind ihr zwar fremd, aber hey, sie hat uns ihre Katze anvertraut und diese hat unseren Aufenthalt unbeschadet überlebt. Eigentlich zeigt das doch, wie vertrauensvoll wir sind.« Mein Lebensgefährte zwinkert, Madame Francine miaut laut, als würde sie ihm recht geben wollen. Dann stolziert sie auf uns zu, jedoch zu meiner eigenen Überraschung schmiegt sie ihren Körper an meine Beine, anstatt mich mit Missachtung zu bestrafen.
»Wow, ich...«, verunsichert blicke ich Gibbs an, der mich mit einem Lächeln ermuntert. »Anscheinend hat sie beschlossen, dich doch zu mögen. Probier doch jetzt sie zu streicheln.«
Ich beuge mich vorsichtig, um die Katzendame nicht zu erschrecken, hinunter und kann tatsächlich kurz darauf ihr weiches Fell unter meinen Fingern spüren.
»Ach, kleine pelzige Lady. Auch wenn ich bald nicht mehr meinen Jethro mit dir teilen muss, sofern wir doch heute abreisen werden müssen, werde ich dich vermissen.«

*****
Um viertel vor neun befinden wir uns auf der Rückfahrt. Ducky hat sich ein größeres Auto geliehen, da sein Oldtimer für vier Personen nicht gerade ausreichend Platz bietet. Leicht gefrustet, dass wir unseren Aufenthalt in der Donovan-Villa nicht verlängern konnten, schaue ich aus dem Seitenfenster hinaus, anstatt mich an der Unterhaltung der anderen zu beteiligen. Wir haben gerade den Forstweg verlassen und somit wieder festen Asphalt unter den Reifen.
»Alles okay?«, fragt mich Jethro, der neben mir auf der Rückbank sitzt.
»Muss es ja. Die alte Dame ist ja nicht mit Absicht krank geworden«, erwidere ich und muss zugeben, dass mich ihr erschöpfter Anblick schon erschreckt hat, als Katherin Donovan zusammen mit ihrer Tochter um kurz nach acht wieder in ihrem Zuhause zurückgekehrt war. Laut Maggie ging es ihrer Mutter schon seit ein paar Stunden nicht so gut, klagte über Unwohlsein und Schwindel, ließ es aber nicht zu, dass sie zu einem Arzt gefahren wurde. Noch auf dem Rückweg hatte Maggie aber doch den Hausarzt verständigt, der sich sofort auf den Weg machte und noch vor unserer Abfahrt in der Villa eintraf. Vorher hatte sich die betagte Dame es sich aber nicht nehmen lassen, uns aufrichtig für unsere Hilfe zu bedanken und hatte dann noch eine Unterhaltung im Wohnzimmer mit Victoria Mallard geführt, die zusammen mit ihrem Sohn auch zu uns gestoßen war. Selbst ein Glas Gin hatte Maggie ihrer Mutter nicht ausreden können.
Jethro und ich hatten stillschweigend beschlossen, unsere Bitte um ein paar weitere Tage in ihrem Zuhause nicht auszusprechen. Es wäre unangebracht und rücksichtslos gewesen.
»Vielleicht können wir ja woanders hinfahren, bis Landau verhaftet worden ist«, gibt Jethro diese Überlegung von sich. »Lass uns nachher noch mal im Internet nachsehen, was hältst du davon?«
»Ich halte viel davon«, antworte ich ihm und schenke ihm ein wieder zufriedeneres Lächeln, welches wirklich ehrlich ist.

»Donald, das war wirklich eine nette Idee mich mit zu Katherine zu nehmen. Ich hoffe nur, ihr geht es bald wieder besser.«
»Das freut mich, Mutter. Und ich hoffe es auch. Mich hat sie sich ja nicht einmal kurz anschauen lassen, offenbar vertraut sie ihre Gesundheit nur ihrem Hausarzt an. Aber sag mir, es ist dir doch bloß nicht alles zu anstrengend gewesen, oder?«
»Ah, nein, mein Junge. Ich bin nur ein bisschen müde. Ich mache meine Augen ein wenig zu, ja?«
»Tu das ruhig.«
»Aber nicht, dass deine Freunde mich noch für unhöflich halten, Donald.«
»Das tun wir nicht, Mrs. Mallard«, beruhige ich Duckys Mutter und Jethro fügt noch hinzu: »Schlafen Sie ruhig, Victoria.«
»Nein, ich will ja nur meine Augen schließen, gar nicht schlafen. Nur für ein paar Minuten.« Sie dreht sich umständlich zu uns um, so weit wie es der Gurt zu lässt. Ihr Blick ruht auf mir. »Sagen Sie, junger Mann. Ich habe mich schon im Haus gefragt, ob wir uns nicht schon mal irgendwo gesehen haben. Irre ich mich?«
»Nein, ma´am. Ich war mal bei Ihnen zuhause. Ich bin Anthony DiNozzo. Tony«, kläre ich sie auf und habe es noch selbst gut in Erinnernung. Nicht nur, weil ich ihre Hunde einfangen musste, sondern hauptsächlich wegen ihrer Äußerung, sie hätte ein Messer im Büstenhalter. Das ließ sie mich wissen, nachdem sie eine besondere Bezeichnung für mich hatte.
»Ah, der Gigolo!«, gibt sie nun genau diese von sich, als es ihr wieder in den Sinn kommt.
»Mutter«, mahnt Ducky sie leicht beschämt, doch ich kann darüber grinsen, schüttele allerdings gleichzeitig meinen Kopf.
Jethro schmunzelt amüsiert, beugt sich zu mir rüber und flüstert mir in mein Ohr. »Wenn überhaupt, dann bist du mein Gigolo.«

******
»Wir hätten auch morgen hierherkommen können«, meint Jethro zu mir, als wir um kurz vor elf am späten Abend vor der Tür meines Apartments stehen und dagegen klopfen. Sie wurde inzwischen ausgetauscht, sodass mein Schlüssel nicht mehr passt.
»Ich weiß, aber wenn wir schon wieder zurück in der Stadt sind, möchte ich es doch schnell hinter mich bringen. Ich werde nicht umhin kommen mein verbranntes Bett zu sehen. Und ich muss herausfinden, ob Thomas nicht doch etwas mitgenommen hat.«
»Ich bin bei dir«, erinnert mich Jethro, der meinen bedrückten Ton durchaus wahrgenommen hat. Direkt darauf wird uns die Tür aufgemacht. Von Ziva, gekleidet in Jogginghose und T-Shirt. Mit ihrer Waffe für alle sichtbar in der Hand.
»Nette Begrüßung«, meine ich trocken, sie schenkt uns ein selbstbewusstes, wissendes Lächeln.
»Landau soll wissen, was ihm blumt, sollte er noch mal hier auftauchen.«
»Blüht, Ziva«, verbessere ich sie amüsiert, erwidere die Umarmung, in die sie mich zieht, bevor sie Gibbs auf die gleiche Art begrüßt, was diesen zu überraschen scheint.
»Denkst du wirklich, er würde anklopfen?«, möchte er nun wissen.
Sie zieht ihre Schulter in einer fragenden Geste nach oben. »Wer weiß, wie blöd dieser Thomas Landau ist.«
»Auf jeden Fall ist er schlau genug, um seit Tagen dem FBI zu entkommen«, bringe ich den unabstreitbaren und daher so frustrierenden Fakt auf den Tisch.

»Wie geht es dir, Ziva?«, möchte ich wissen, als sie die Tür hinter uns verschließt und leicht humpelnd zu uns neben die Couch kommt.
»Mir geht es wirklich gut. Man muss sich keine Sorgen um mich machen. Da ich aber keine Lust auf Aktenarbeit habe, habe ich beschlossen, mich Jennys Anordnung doch zu fügen und erst am Montag wieder zur Arbeit zu kommen. Wenn du willst, kann ich so lange hier bleiben.«
»Das musst du nicht, Ziva. Ich glaube nicht, dass Landau noch mal hier auftauchen wird. Aber es war sehr nett von dir, dass du hier Stellung bezogen hast.«
»Ah, ich hatte Zeit«, winkt sie ab, worauf Jethro und ich einen Blick austauschen. Unsere Freundin wollte einfach etwas für uns tun, ob es nun nötig war oder nicht.
»Wie kann ich dir dafür danken?«, möchte ich freundlich wissen.
»Na, zu einer deiner berühmen Lasagnen sage ich bestimmt nicht nein.«
Jethro lacht. »Ich bin mir sicher, dass Tony dir gerne eine macht. Vor allem, weil Tim ja auch noch eine bekommt.«
»Ich habe Ihre Bestellung aufgenommen, Miss David«, zeige ich meine Zustimmung, indem ich eine leichte Verbeugung andeute, als wäre ich ein Oberkellner in einem Nobelrestaurant.

Auf der Couch entdecke ich Kissen und Decke, was mich daran erinnert, dass mein Bett ja nicht mehr benutzbar ist. Mein Blick gleitet Richtung Schlafzimmer.
»Ich werde mich hier mal umsehen, ob etwas fehlt. Dem FBI und dir ist es vielleicht nicht aufgefallen. Wenn du magst, kannst du heute noch hier schlafen. Ich werde dich nicht um diese Zeit vor die Tür setzen.«
»Wie charmant von dir«, meint Ziva mit einem gewissen, angriffslustigen Unterton, worauf ich ihr belustigt die Zunge herausstrecke und sie es mir anschließend nachmacht. Jethro schüttelt amüsiert seinen Kopf.
»Nun ja, jedenfalls...«, beginnt die Israelin, und muss sich erst einmal sammeln, als sie für einen kurzen Moment offenbar vergessen hat, was sie mir mitteilen wollte. »Ach ja. Die Haustür habe ich ersetzen lassen. Ich habe die Rechnung und den Schadensbericht für deine Versicherung.«
»Danke, dass du dich darum gekümmert hast.«
»Keine Ursache.«
»Ich geh zuerst ins Schlafzimmer«, teile ich den anderen beiden mit und mache mich sofort auf den Weg, damit ich es mir nicht noch anders überlege. Ich höre, wie nicht nur Gibbs mir folgt.

»Es...ist weg«, kommt es stockend von mir, als ich nur eine rußbedeckte Wand und den an manchen Stellen versengten Teppich als Zeuge des stattgefundenden Brandes ausmache.
»Ja.« Zivas sanfte Stimme dringt zu mir vor. »Ich hielt es für besser, wenn du es nicht sehen musst. Wenn ich dabei zu weit gegangen bin, dann möchte ich dich um Verzeihung bitten. Aber...du musst dich doch nicht noch mehr aussetzen, als dem, was du sowieso schon in der letzten Zeit ertragen musstest.«
»Ich finde es gut, dass du es entsorgt hast, Ziva«, gibt Jethro seine Meinung kund und legt mir von hinten seine Hände auf die Schulter. »Dir hätte es nicht geholfen es zu sehen.«
Ich nicke leicht, nur nach und nach dringt diese Erkenntnis in mein Bewusstsein. Langsam, aber dafür umso stärker, durchflutet mich das Wissen, dass beide recht haben.
»Ja, es ist wirklich besser so.«

******
Eine dreiviertel Stunde später hat sich Ziva von uns verabschiedet, um in ihre Wohnung zu fahren, da sie doch gerne wieder eine Nacht in einem richtigen Bett, und vor allem in ihrem eigenen schlafen möchte. Zuvor hat sie mir noch beide Schlüssel ausgehändigt, die sie für die Apartmenttür bekommen hatte.
»Wollen wir nun auch nach Hause?«, erkundigt sich Jethro bei mir, nachdem ich offen äußere, dass ich nun meine Suche nach fehlenden Besitztümern ohne Erfolg beenden werde.
»Gerne. Wollen wir zu Fuß gehen, oder möchtest du dir lieber ein Taxi bestellen? Ich könnte frische Luft gebrauchen. Es beruhigt mich zwar, dass Thomas wirklich nichts mitgenommen zu haben scheint, aber das Wissen, dass er hier war, bereitet mir Kopfschmerzen.«
»Dann gehen wir. Möchtest du dir noch Kleidung mitnehmen, wenn wir schon mal hier sind?«
»Gib mir drei Minuten.«

Nach nur zwei komme ich wieder zurück ins Wohnzimmer, da ich einfach wahllos ein paar Hosen und Tshirts, sowie Unterwäsche in einen Rucksack geschmissen habe. In der Hand habe ich ein Paar Socken, das ich entsorge möchte, da ich ein großes Loch darin entdeckt habe.
»Wir können sofort los«, setze ich meinen Lebensgefährten in Kenntnis, gehe um den Tresen herum, der die Küche vom Wohnzimmer trennt, um zum Mülleimer zu gelangen. Mein Blick landet auf dem Eimer, ich stocke kurz. Sehe ein zweites und auch ein drittes Mal hin, um ganz sicher zu gehen, dass ich mich nicht irre. »Jethro?«
»Ja?«, er nähert sich mir.
»Kannst du dich daran einnern, dass ich die Fotos, die Jonathan und mich zeigten und an der Pinnwand hingen, in zwei Hälften zerrissen und in den Mülleimer geschmissen habe?«
»Kann ich, wieso?«
»Thomas hat doch was mitgenommen. Die Hälften mit Jon sind weg.«

-Fortsetzung folgt-
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