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Davonlaufen

von Stokely
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
12.08.2020
07.04.2021
46
182.052
18
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12.08.2020 2.938
 
Kapitel 01
-Ich war das nicht-

Gibbs POV

Ich kann mich zur dieser späten Abendstunde nicht wirklich auf meine Arbeit am Boot konzentrieren. Mein Instinkt will mir etwas sagen, mich warnen, dass etwas passieren wird. Etwas, das entweder mein Leben oder das einer der Personen, die mir nahe stehen, gehörig aus den Fugen reißen könnte. Der Versuch dieses ungute Gefühl durch ein, zwei Schraubengläser gefüllt mir Bourbon verschwinden oder zumindest vorerst in Vergessenheit geraten zu lassen, schlug bisher fehl. Und ich glaube auch nicht daran, dass ein weiteres Glas helfen würde, weshalb ich unter einem Kopfschütteln das eben erneut befüllte wieder zurück auf die Werkbank stelle.
Unruhig lehne ich mich anschließend dagegen und unterdrücke ein Seufzen. Nicht zum ersten Mal spiele ich mit dem Gedanken Tony anzurufen. Aus einem fadenscheinigen Grund oder aber um ihn direkt zu fragen, ob bei ihm alles in Ordnung sei. Zumindest jetzt in diesem Moment. Denn wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann weiß ich ganz genau, dass die Sorgen, die ich mir seit geraumer Zeit um meinen ranghöchsten Agenten mache, ausschlaggebend für meine ungute Vorahnung ist.

Ich bin nämlich davon überzeugt, dass Tonys Beziehung zu Jonathan Page kein schönes Ende nehmen wird, sehe mich aber nicht in der Position dabei eingreifen zu dürfen. Was soll ich denn machen?
Soll ich ihm einfach das sagen, was ich von Tag zu Tag mehr sehen kann? Dass DiNozzos Lächeln immer seltener auftaucht, wenn er über seinen Freund spricht? Dass seine grünen Augen ihr lebensfrohes Funkeln nicht aufweisen, wenn er immer häufiger total in sich gekehrt morgens zur Arbeit erscheint? Dass er müde und mitgenommen wirkt, wenn die beiden mal wieder mehr als eine harmlose Diskussion miteinander geführt hatten?
Nur einmal hatte Tony mir und den anderen erzählt, dass Jonathan und er einen Streit hatten, doch das dieser nicht der einzige und letzte gewesen war, muss er zumindest mir nicht extra mitteilen. Denn ich weiß es.

Ich will, dass Tony glücklich ist. Das Problem ist nur, dass er es nicht mit Jonathan ist.
»Siehst du das denn nicht selbst? Spürst du nicht, dass er dich früher oder später kaputt macht?«, durchbreche ich die Stille in meinem Keller. »Eure Beziehung tut dir nicht gut. Tony, Jonathan tut dir nicht gut.«
Soll ich es ihm sagen? Dürfte ich es überhaupt?

Gerade heute habe ich wieder ein unschönes Telefonat zwischen meinem Agenten und dessen Partner mitbekommen, obwohl Tony sich dafür in den Bereich der Snack-Automaten zurückgezogen hatte. Mein Team war kurz vor dem Abschluss eines Falles gewesen, sodass wir Überstunden machten. DiNozzo hatte Jonathan mitgeteilt, dass es später werden würde und das schien diesen nicht gerade zu erfreuen. Tony hatte einen gequälten Gesichtsausdruck, während er sich offenbar die miese Laune seines Freundes anhören musste und versuchte ihn zu beschwichtigen. Ich wurde davon unbemerkt Zeuge und konnte ein grimmiges Brummen nur mühevoll unterdrücken. Gerade Jonathan Page sollte eigentlich Verständnis für den Beruf des Agenten und die dazu gehörigen unplanbaren Arbeitszeiten aufbringen können. Schließlich ist er auch einer. Wenn auch beim FBI, was ihm schon von Anfang an Minuspunkte bei mir eingebracht hat.
Ich zog mich leise zurück und saß bereits wieder an meinem Schreibtisch, als Tony auch wieder in unserem Abteil auftauchte. Weder McGee noch Ziva nahmen Notiz von ihrem Kollegen, der einfach nur traurig aussah. Sie waren zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt. Doch mir entging sein Gefühlszustand definitiv nicht. Ich wollte ihn darauf ansprechen, doch zögerte. Wenn ich nämlich den Mund geöffnet hätte, wäre mir bestimmt als erstes über die Lippen gekommen, dass Page ein Arsch sei, den Tony endlich zum Teufel jagen sollte. Jedoch hinderte mich die Ungewissheit, wie DiNozzo darauf reagieren würde, daran.
Als Tony spürte, dass er beobachtet wurde, sah er auf. Schaute mir direkt in die Augen und setzte eine Maske auf. Er lächelte freundlich, widmete dann seine Aufmerksamkeit dem Computer. Ich zählte in Gedanken und war erst bei der Drei angekommen, als DiNozzos Mundwinkeln schon wieder nach unten gewandert waren.

Ich seufze erneut, leere doch noch das Schraubenglas zum dritten Mal und schalte dann die Beleuchtung, die über meiner Werkbank angebracht ist, aus. Meine Finger gleiten über die Stelle der Werkbank, auf der Tony vor knapp sieben Monaten gesessen hatte, als ich tatsächlich für ein paar Sekunden geglaubt hatte, mein Agent wolle mich küssen.

Tony war wie schon unzählige Male zuvor bei mir gewesen, diesmal aus dem Grund um mit mir noch einmal über den letzten Fall zu sprechen, um endgültig mit ihm abschließen zu können. Vier Kinder hätten beinahe ohne ihren Vater aufwachsen müssen, wenn es unserem Team nicht in letzter Sekunde gelungen wäre, den verschleppten Sergeant aus den Händen von skrupellosen Verbrechern zu befreien.
Nicht nur Tony tat es gut, noch einmal alles Revue passieren zu lassen, um sich erneut deutlich vor Augen zu führen, dass alles ein positives Ende genommen hatte, sondern auch mir. Auch wenn ich bei dieser Unterhaltung wie so oft derjenige war, der nicht viele Worte dazu beitrug.
Die Erinnerung daran, dass die erleichterte und überglückliche Ehefrau des Opfers ihm mehrfach dankend umarmte, ihm quasi um den Hals fiel, zauberte DiNozzo zum Abschluss noch ein Lächeln ins Gesicht.
»Es muss schön sein jemanden zu haben, der einen liebt«, hatte Tony so leise gesagt, dass ich ihn fast nicht verstanden hätte. Ich unterbrach meine Arbeit am Bootsgerüst, wandte mich ihm zu und begriff, dass diese Äußerung wohl eigentlich von mir gar nicht gehört werden sollte. Denn DiNozzo wirkte total in sich gekehrt, in seinen Gedanken versunken.
Ich beschloss ihn in Ruhe zu lassen. Ehrlicherweise vor allem auch, weil ich nicht gewusst hatte, was ich darauf erwidern sollte.

Irgendwann hatte ich mich beobachtet gefühlt, sah deshalb zu meinem Agenten und bekam bestätigt, dass ich mich nicht irrte. Tonys Augen wanderten mehrmals über meinen Körper, landeten auch auf meinem Gesicht, jedoch trafen sich unsere Blicke nicht wirklich. Tatsächlich erweckte es eher den Eindruck, als würde er durch mich hindurch schauen. Irritiert sprach ich DiNozzo an, doch er reagierte nicht. Verwundert legte ich den Hobel daraufhin beiseite, und ging zu dem Jüngeren. Stellte mich direkt vor ihn und sprach ihn an. Eine Reaktion blieb zunächst aus.

Erst nach mehrmaligen Versuchen fokussierte sich der Blick von Tony. Er schien auf meinen Lippen zu liegen.
Ich musste unwillkürlich schlucken, als ich glaubte, Begierde und Verlangen in dem Gesicht des Jüngeren zu erkennen. Zudem auch Sehnsucht und etwas unerwartet Liebevolles. War es möglich, dass sich DiNozzo zu mir hingezogen fühlte? Bisher hatte Tony nie auch nur auf die kleinste Weise sich mir gegenüber so verhalten, dass ich überhaupt auf diese Idee hätte kommen können.
Was jedoch im Bereich des Möglichen war, denn ich spürte es selbst, dass ich tatsächlich nichts anderes wollte, als meinen Mund auf den meines Gegenübers zu legen. Ihn zu küssen. Erst sanft und behutsam und dann, wenn es mir erlaubt worden wäre, leidenschaftlicher und besitzergreifend.

Ein ziemlich lauter Knall von dem Auspuff eines draußen vorbeifahrenden Autos, ließ uns beide zusammenzucken. Tony schüttelte seinen Kopf, schien ein paar Momente verwirrt zu sein. Wenige Momente später realisierte er, dass sein Boss vor ihm stand.
»Oh, hey«, kam es über seine Lippen, er kratzte sich unbewusst über den Hinterkopf. »Hast du mit mir geredet? Tschuldigung, ich war gerade völlig in einer anderen Welt.«
»Das warst du anscheinend«, erwiderte ich und musterte DiNozzo aufmerksam. Auch wenn Tony ein sehr guter Schauspieler sein konnte, ich war überzeugt davon, dass mein Agent sich absolut nicht bewusst war, dass er soeben die Lippen von mir sehnsüchtig angestarrt hatte. Er versuchte es nicht zu überspielen, er hatte es einfach selbst nicht richtig wahrgenommen.
»Ich glaub, ich sollte nach Hause«, verabschiedete er sich kurz angebunden, wahrscheinlich war es ihm ein wenig unangenehm, dass er komplett in seinen Gedanken versunken gewesen war. Er schnappte sich seine Jacke, die neben ihm gelegen hatte und machte sich auf den Weg. Ließ mich zurück mit der Frage, ob ich mir das alles nicht nur eingebildet hatte.
Dass Tony mich tatsächlich hatte küssen wollen.

Es waren ein paar Sekunden gewesen, in denen ich das tatsächlich vollends geglaubt habe. Eine kleine Zeitspanne. Monate waren seitdem vergangen, doch auch heute hat sich eine Sache nicht für mich geändert: Ich hätte nichts dagegen gehabt.
Die Feststellung war für mich damals überraschend gewesen, aber alles andere als unwillkommen.

Seit diesen Moment war bisher nie wieder etwas zwischen uns vorgefallen, was daraufhin deuten könnte, dass Tony Gefühle für mich haben könnte. Und ich habe sehr darauf geachtet. Vor allem, weil diese wenigen Sekunden bei mir etwas ausgelöst haben. Es war, als hätte sich ein Tor in meinem Inneren geöffnet, welches mir einen Weg offenbarte, der mir vorher unbekannt war. Konnte es nämlich möglich sein, dass ich mich zu einem Mann hingezogen fühlte? Zu niemand anderen als zu DiNozzo? Den Mann, den ich selbst vor Jahren aus Baltimore zu mir nach DC geholt hatte. War ich blind dafür gewesen, weil es bisher nur Frauen in meinem Leben gegeben hatte?

Ich habe viel über meinen Senior Field Agent nachgedacht. Über die Dinge, die ich an ihm mag, Charaktereigenschaften, die mich beeindrucken. Über Taten des Jüngeren, die mich stolz machen. Ich tat dies vielleicht nicht zum ersten Mal, aber diesmal wurde ich von dem leicht heftigeren Schlagen meines Herzens begleitet.
Ein paar Wochen vergingen, in denen ich bereit war, einfach auf mein Herz zu hören. Das irgendwann nichts anderes mehr wollte, als jeden unbeobachteten Moment dafür zu nutzen, Tony anzuschauen. Ich musste mir eingestehen, dass ich mich in den jungen Halbitaliener verliebt habe. Und wäre ich immer noch so überzeugt davon gewesen, wie in diesen paar Sekunden, dass DiNozzo mich tatsächlich hatte küssen wollen, hätte ich ihn schon längst in meine Arme gezogen, um genau dies endlich zu tun.

Doch dann, vor fünf Monaten, tauchte Jonathan Page im Leben von Tony auf. Ein gutaussehender, muskulöser Mann Ende dreißig. Mit gewellten blonden Haaren und einem Zahnpastalächeln, das ich ihm am liebsten mit meiner Faust aus dem Gesicht gewischt hätte. Noch dort am Tatort, an dem sich ein Team vom FBI und mein eigenes trafen, da beide Behörden verständigt wurden. Die beiden Polizisten, die die Leichen aufgefunden hatten, waren sich nämlich nicht einig gewesen, wer nun genau zuständig wäre. Also war es auch deren Schuld, dass Page und DiNozzo sich kennenlernten und nur wenig später zusammen kamen.

Für McGee und Ziva kam es unerwartet, dass ausgerechnet der selbsternannte Frauenheld plötzlich eine Beziehung mit einem Mann einging, doch Abby war diejenige, die uns grinsend wissen ließ, dass manche Experimente aus der Collegezeit eben nicht nur Experimente waren. Offenbar hatte Tony schon früh Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht gesammelt. Dass ich nichts davon wusste, stellte ich nicht in Frage. Egal wie vertraut unser freundschaftliches Verhältnis sein mag, es gibt doch Dinge, die man nicht jeden einfach so nebenbei mal mitteilt.

Dass aus den beiden ein Paar geworden ist, führte mir Folgendes vor Augen. Ich muss an dem besagten Abend die falschen Schlüsse gezogen haben. Denn warum sollte DiNozzo mit Jonathan zusammen sein, wenn er sich zu einem anderen hingezogen fühlt? Zu mir? Ja, ich hatte immer noch ein wenig Hoffnung gehabt, trotz der fehlenden Anzeichen. Doch nun war es an der Zeit gewesen, sie zu begraben.
Was aber nicht bedeutete, dass ich meine Gefühle für ihn so einfach abstellen konnte.
Dies ist bis heute nicht für mich machbar gewesen. Und zu wissen, dass jemand meinem Tony nahe kommt, ist nicht einfach für mich. Vor allem, wenn dieserjenige ihn dann auch nicht gut behandelt!

Manchmal stelle ich mir die Frage, ob es die Eifersucht ist, die unbedingt will, dass Tony sich von Jonathan trennt. Der Wunsch, an seiner Stelle sein zu dürfen.
Oder tatsächlich meine Sorgen um den Jüngeren, weil ich mitansehen muss, dass DiNozzo nicht wirklich glücklich mit dem Blonden ist.
Aber was ist, wenn ich mich vielleicht zu sehr hineinsteigere, in der Annahme, ich müsse Tony unbedingt beschützen? Vielleicht sind die Streitigkeiten gar nicht so schlimm oder aber Tony liebt Jonathan so sehr, dass er über diese hinwegsieht? Dann wird er garantiert nicht begeistert davon sein, wenn ich ihm nahelegen würde, er solle mit diesem Kerl Schluss machen.

Ich möchte Tony auf keinen Fall irgendwie verletzen. Aber ich kann doch auch nicht zulassen, dass Page dies immer wieder tut. Oder denke ich das nur? Wenn Tony ernsthafte Probleme hätte, hätte er dann nicht schon längst mit mir darüber gesprochen? So wie früher, wenn ihn etwas beschäftigte? Oder kann er es nicht mehr? Sollte es so sein, was hält ihn davon ab? Das Gleiche, was ihn auch an sich von mir fernhält?
Auch wenn auf der Arbeit zwischen uns alles beim Alten ist, brachte seine neue Beziehung auch eine Veränderung in meinem Leben. Seit er mit Jonathan zusammen ist, ist er keinen Abend mehr bei mir gewesen. Und seine Anwesenheit in meinem Haus fehlt mir von Tag zu Tag mehr.
Tony fehlt mir.

Ich lege meinen Kopf in den Nacken und lasse ihn kreisen. Das leichte Knacken trägt nicht dazu bei, dass ich mich entspannter fühle und mir wird klar, dass ich meine innere Unruhe nur dadurch verschwinden lassen kann, wenn ich endlich handele. Vielleicht verspüre ich diese unguten Gefühle heute so stark, weil meine Sorgen um Tony stetig mehr wachsen und nun ihren Höhepunkt erreicht haben.
Ja, ich werde mit DiNozzo reden. Ich muss mir nur klar werden, wie ich das Ganze angehen werde. Denn ich möchte nicht, dass dieses Gespräch ausufert und er am Ende darüber verärgert ist, dass ich mich ungefragt in seine Beziehung einmische.
Ich fische mein Handy aus der Hosentasche. Die Uhr auf dem Display zeigt mir an, dass es schon zwanzig vor eins in der Nacht ist. Zu spät, oder anders gesehen noch viel zu früh, um meinen Agenten anzurufen.
Mit dem getroffenen Entschluss gleich vor Dienstbeginn von Angesicht zu Angesicht mit ihm zu sprechen, fühle ich mich schon etwas ruhiger. Zumindest so weit, dass ich denke, noch ein paar Stunden Schlaf finden zu können.

******

Als ich wach werde, vernehme ich Sirenen in nicht allzu weiter Entfernung. Müde reibe ich mir über die Augen und stöhne frustriert auf, als ein Blick auf meine Armbanduhr mir verrät, dass es gerade mal kurz nach fünf ist. Wie gerne hätte ich heute mindestens noch eine Stunde länger schlafen wollen. Doch die Erinnerung daran, welches Gespräch mir mit Tony bevorsteht, lässt mich erahnen, dass ich nicht mehr ins Reich der Träume zurückfinden werde. Ich fühle nämlich die Aufregung deutlich in mir. Und auch wieder diese ungute Gefühl von vor wenigen Stunden.
In der Hoffnung, dass eine Dusche mir und meinen müden Knochen gut tun wird, erhebe ich mich von der Couch, auf der ich wie immer genächtigt hab. Die Strahlen der aufgehenden Sonne blenden mich, da ich vergessen habe, die Vorhänge zu schließen, als ich mich hingelegt habe. Genervt von mir selbst mache mich auf den Weg nach oben. Begleitet von den Heulen der Sirenen, die immer näher zu kommen scheinen. Was wohl passiert sein mag?

Als ich den Flur durchqueren möchte, nehme ich aus dem Augenwinkel durch das Sichtfenster meiner Eingangstür wahr, wie eine Person im Laufschritt mein Grundstück betritt.
Ich drehe mich in die Richtung und spüre, wie mein Herz für ein, zwei Sekunden aussetzt. Niemand anderes als Tony eilt über den Weg meines Vorgartens auf mein Haus zu. Mit Blut an seinen Händen, an seiner Kleidung.
Mechanisch öffne ich die Tür in dem Moment, als er völlig ausser Atem die Stufen der Veranda erklimmt. Zeitgleich kommt auch ein dunkler Wagen mit Sirene auf dem Dach mit quietschenden Reifen auf der Straße zum stehen, dicht gefolgt von einem Polizeiwagen.
Mir ist nicht wirklich bewusst, dass mir der Mund vor Schock offen steht, aber ich verstehe, dass dieses Entsetzen in mir nicht durch den Anblick des blutverschmierten Hemdes meines Agenten verursacht wird, sondern durch den Ausdruck in Tonys Augen.
Da liegt so viel Schmerz und Verzweiflung, aber auch die pure Angst in ihnen. Die sich nun auch auf mich überträgt.

»Tony, bist du verletzt?«, möchte ich mit Nachdruck wissen, kann die Besorgnis nicht aus meiner Stimme heraushalten. Ich will einfach bestätigt bekommen, was mir mein Verstand eigentlich schon sagt. Wäre er so schwer verwundet, wie die Menge von Blut vermuten lassen könnte, dann hätte er nicht hierherlaufen können. Zu mir.
»Ich...«, beginnt er, wird von einem Schluchzen überrannt, das er nicht aufhalten kann. Im Hintergrund werden Autotüren geöffnet und einige von ihnen wieder zugeschlagen, was auch DiNozzo zu hören scheint, obwohl er geistig nicht wirklich anwesend erscheint. Noch bevor einer der beiden Agenten, einer von ihnen ist niemand anderer als Agent Sacks, mit dem wir schon mal zu tun hatten, Tony dazu auffordern muss, streckt dieser langsam seine Arme in die Höhe, um sie hinter seinem Kopf zu verschränken und lässt sich in der gleichen Geschwindigkeit auf die Knie sinken.
»Agent DiNozzo!«, brüllt Sacks nun und richtet seine inzwischen gezückte Waffe auf meinen Agenten, woraufhin ein Knurren meine Kehle verlässt. Sein Partner hat sie auch gezogen, deren Lauf richtet sich aber auf den Boden. Die Insassen des Streifenwagens haben hinter diesem Stellung bezogen und beobachten die Szenerie, um gegebenenfalls einzuschreiten. »Bloß keine falsche Bewegung!«
»Tony, was ist passiert?«, frage ich leise, gehe einen Schritt auf ihn zu, ignoriere es, dass Sacks von mir verlangt, stehen zu bleiben. »Wem gehört das Blut, Tony?«
»Ich...ich wollte, dass du es von mir hörst«, DiNozzo scheint völlig neben sich zu stehen. Sein Blick wirkt unruhig und wandert ein paar mal hin und her, bevor er meinen trifft. Verzweifelt bricht es aus ihm heraus: »In der Hoffnung, dass du mir glaubst!«
»Sprich mit mir«, bitte ich ihn mit sanfter Stimme, worauf eine Träne über seine linke Wange läuft.
»Ich war das nicht! Ich...ich habe ihn nicht umgebracht.«
»Wen, Tony?«
»Jonathan...«

-Fortsetzung folgt-
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