Die Gegenparty

GeschichteFreundschaft / P6
Maik Klingenberg
12.08.2020
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Maik schleppte eine Tüte nach der anderen in den Garten. Dort hatte er schon eine gemütliche Sitzecke eingerichtet sowie die teure Stereoanlage aus dem Wohnzimmer hingestellt. Sein Vater würde die Krise kriegen, wenn er das sehen würde. Irgendwie freute und ängstigte ihn der Gedanke zugleich. Nein, wenn der wiederkommt, steht die Anlage ja wieder hübsch an ihrem Platz, beruhigte er sich. Maik fing an die Tüten auszupacken. Dreimal war er eben einkaufen gewesen. Mit dem Auto wäre es leichter gegangen. Doch Tschick war noch mit dem Lada zur Waschanlage gefahren, seine Schwester arbeitete in einer und würde ein Auge zudrücken. Außerdem wollte er sich um die Dinge kümmern, die Maik nicht im Supermarkt kaufen konnte oder beziehungsweise die er sich nicht traute zu kaufen. Tschick wollte sich um guten Alkohol kümmern. Und so musste Maik alleine zweimal in den ALDI gehen und dann nochmal in den REWE, um die Sachen zu holen, die es im ALDI nicht gab. Die Getränke waren saumäßig schwer und er hatte sehr geschwitzt auf dem Nachhauseweg, vor allem beim ersten Mal, weil er da nicht daran gedacht hatte, dass er die Sachen tragen musste und zu viel gekauft hatte. Aber 47 Leute wollten ja gut versorgt sein oder nicht?


Als sich herausgestellt hatte, dass er nicht zu Tatjanas lächerlicher Geburtstagsfeier eingeladen war, aber dafür fast die gesamte Klasse, hatte er beschlossen eine Gegenparty zu feiern - natürlich viel größer, cooler, lauter und mit einer Überraschung! Derjenige, der das Wetttauchen im Pool gewinnen würde, bekam eine Fahrt mit dem Lada geschenkt! Tschick würde der Chauffeur sein und den Gewinner umherkutschieren. Bis zur Bundesstraße, dann Auffahren und erste Abfahrt wieder zurücknehmen, fertig. Das Ganze würde gute 25 Minuten dauern. Dafür musste der Lada glänzen! Und nach den Sommerferien wären ER und Tschick und die oberhammeraffengeile Party das Gespräch der Klasse, ach was, der ganzen Schule! Tatjana würde sich zu Tode ärgern, dass sie den angesagten Maik und "den Russen" nicht bei ihrer Babyparty dabei haben wollte und sich beim Ansehen von Maiks Insta-Einträgen vor Neid die Haare ausreißen.

Maik ertappte sich dabei, wie er sehnsüchtig an Tatjanas duftende, schwarze Haarpracht dachte und erschrak, als hinter ihm ein Hupen ertönte.

"Maik, guck doch mal!" Tschicks Stimme überschlug sich fast. Maik drehte sich um. Wow, der Lada sah aus wie neu! Doch bevor er noch weiter über die Verwandlung staunen konnte, fiel ihm das dreckige Mädchen auf dem Beifahrersitz auf. Wen hatte Tschick denn da mitgeschleppt?? Dass er Besuch mitbrachte, war nicht abgesprochen und dann auch noch so hässlichen, das sollte doch eine coole Party werden! Tschick stieg gemächlich aus, das Mädchen dagegen sprang aus dem Auto und kam auf Maik zu. Erst jetzt sah er, dass sie eigentlich ein sehr schönes Gesicht hatte. "Ist das hier alles deins?! Ihr habt wohl 'n Goldesel da drin!" Sie zeigte mit einem Finger auf das große Haus. Maik war zu verdattert, um eine sinnvolle Antwort zu geben. Da streifte sich Isa auch schon die Klamotten vom Leib und tauchte, geschwind wie eine Nixe, in den Pool ein.