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Game of Death

von Wirdana
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Jimin Jungkook OC (Own Character) RM Suga V
12.08.2020
30.11.2020
18
27.567
2
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21.11.2020 1.304
 
Schwer atmend fuhr er hoch. Es dauerte einen Moment bis Taehyung wieder in der Realität angekommen war und seine Augen sich an die im Schlafzimmer herrschende Dunkelheit gewöhnten. Als er langsam wieder einige Konturen erkennen konnte, atmete er erleichtert auf. Schwerfällig ließ er sich in die Kissen zurücksinken und versuchte seine Atmung zu beruhigen. Es war nicht das erste Mal in letzter Zeit, dass er von furchtbaren Albträumen geplagt wurde, die von Jungkooks Tod handelten. Jedes Mal war es dasselbe. Der Schuss fiel. Taehyung sprintete über den Platz. Eine riesige Blutlache breitete sich um Jungkooks Körper aus. Nie konnte er ihn retten. Diese wahnsinnige Hilflosigkeit war, was ihn am meisten verärgerte. Dass er in jedem Traum gerade rechtzeitig kam, um dem Jüngeren beim Sterben zusehen zu müssen, aber ihm nicht mehr helfen zu können.

Jedes Mal wenn ihm die Augen vor Müdigkeit zu fielen, konnte er es wieder sehen. Das ganze Blut, das an seinen Händen klebte. Frustriert stöhnte er auf und wälzte sich herum. Erst jetzt fiel ihm auf wie kalt es war. Die Decke neben ihm war zurückgeschlagen, das Kopfkissen unberührt. Sumi lag nicht neben ihm. War vielleicht auch besser so, dass sie seinen Traum nicht mitbekommen hatte, sie hätte sich nur wieder Sorgen um ihn gemacht, was er gerade wirklich nicht gebrauchen konnte. Wahrscheinlich war sie bloß kurz auf der Toilette.

Taehyung drehte sich auf den Rücken und kuschelte sich tiefer in seine Decke, um die unwillkommene Kälte zu vertreiben. Mit offenen Augen starrte er an die in der Dunkelheit nur schemenhaft zu erkennende Zimmerdecke. Was würde er nur dafür geben, dass Jungkook gerade hier war. Zwar könnte er ihm nicht sagen, wovon er geträumt hatte, aber er könnte sich zumindest an ihn schmiegen, während der Jüngere ihm sagen würde, dass alles gut wäre. Ihm würde er es glauben. Von dieser Vorstellung beruhigt, schloss Taehyung die Augen. Fast meinte er den sanften Zitrusduft wahrzunehmen, denn Jungkook immer verströmte.

Die Tür knarrte. Wahrscheinlich nur Sumi, die wieder ins Bett kam. Er gähnte. Leise Schritte ertönten, die sich dem Bett näherten. In Taehyungs schläfrigem Gehirn löste dieses Geräusch etwas aus. Irgendetwas war da doch gewesen. Irgendeine Erinnerung. Aber woran? Ach, egal. War bestimmt nicht so wichtig. Er lächelte. Morgen würde er sich endlich wieder mit Jungkook treffen. Glücklich seufzte er auf, als ihn ein leichter Luftzug streifte.
Mit einem Mal machte es in seinem Gehirn klick. Das erste Mal, dass er Illunis angefasst hatte. War da nicht auch eine Szene dabei gewesen, in der…

Geschockt riss er die Augen auf. In dem schummrigen Dämmerlicht, das den Raum füllte, sah er für einen Sekundenbruchteil die Klinge aufblitzen, als sie auf ihn hinunterstieß. Sie zielte direkt auf sein Herz. Ein markerschütternder Schrei entfuhr ihm, er rollte sich so schnell er konnte zur Seite und kniff die Augen zu, in der Erwartung eines stechenden Schmerzes.

Doch es kam nichts. Vorsichtig, jederzeit vorbereitet auf eine erneute Attacke, öffneten sich seine Augen. Blitzschnell erfasste er die Situation. Vor ihm konnte er die Silhouette einer Frau erkennen. Das Messer dagegen steckte tief in der Matratze, nachdem es die Decke und Taehyungs Schlafshirt durchstochen hatte. Nur purem Glück verdankte er es, ohne Verletzung davon gekommen zu sein. Fassungslos hob er seinen Kopf wieder. „S-Sumi?“, stotterte er.

Taehyungs Freundin wich seinem Blick aus und senkte den Kopf. Einzig das Zittern ihrer Hände konnte sie nicht verbergen, als sie sie schützend vor sich hob und einen Schritt zurückwich.

„Sumi“ Noch immer fassungslos sah er erneut auf den Griff des Messers, mit dem er beinahe erstochen worden wäre. Seine Stimme zitterte. Eine Welt war zusammengebrochen und hatte nur scharfkantige Scherben hinterlassen, die sich jetzt unangenehm in sein Herz bohrten. Wie konnte das passieren? Die ganze Zeit hatte er sich Sorgen um sie gemacht und wollte sie nicht in sein neues Leben hineinziehen, um sie davor zu schützen und jetzt…

In diesem Moment wurde ihm klar, wie sehr ihre Beziehung, ihre kleine, heile, verliebte Welt gebröckelt war. Mit jeder Lüge hatte er sie weiter zerstört. Die süße Liebe, mit der er sich in letzter Zeit in Sicherheit gewähnt hatte, war in Wirklichkeit schon längst bitter geworden. Sumi und Taehyung, das Vorzeigepaar, auf das jeder Elternteil stolz gewesen wäre, existierte schon lange nicht mehr.

Seine Sicht verschwamm. Warum nur hatte er sie nicht eingeweiht? Das Ganze war weniger die Schuld seiner Freundin, sondern viel mehr seine eigene. So weit wurde ihre Beziehung durch seine Geheimnistuerei zerstört, dass sie sich am Ende wohl in das Gegenteil von Liebe verwandelt hatte.

Seine Hand schloss sich um den Griff des Messers, so fest, dass seine Adern dabei hervortraten. Erst mit einigem Kraftaufwand gelang es ihm das Küchenmesser wieder herauszuziehen. Respekt spiegelte sich auf seinem Gesicht, als er die funkelnde Schneide sah. Ein japanisches Sushi-Messer. Zischend ließ er die Luft entweichen, die sich in seinen Lungen angestaut hatte. Wenn sie damit ihr Ziel getroffen hätte. Es wäre nicht auszudenken gewesen, welchen Schaden sie angerichtet hätte, selbst wenn der Stich nicht direkt ins Herz gegangen wäre.
Was sein Herz endgültig zersplittern ließ, waren die kleinen eingravierten Schriftzeichen kurz vor dem Griff. Dieses Messer kannte er. Er hatte die Situation wieder genau vor Augen. Damals als sie zusammen gezogen waren.


Händchenhaltend liefen sie eine belebte Einkaufsstraße hinunter. „Wo müssen wir noch hin?“, fragte Taehyung seine Freundin, die daraufhin einen kurzen Blick auf den Einkaufszettel warf. „Nur noch das Küchenzubehör, dann sind wir fertig.“ „Perfekt. Wenn wir das haben, gehen wir heute Abend richtig fein aus. Wir müssen schließlich feiern, dass wir endlich unsere eigene Wohnung beziehen. Alleine…“ Amüsiert zog sie die Augenbrauen hoch. „An was denkst du jetzt schon wieder, du ungezogener Junge.“ „Ach nur das ein oder andere. Wir müssen die Wohnung schließlich einweihen, oder?“, antwortete er ihr und konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. „Du denkst wirklich immer nur an das Eine.“ Sie verdrehte die Augen, ließ sich aber bereitwillig an der Taille an ihren Freund ziehen. Ein liebevolles Lächeln flog über Taehyungs Gesicht und er zog sie in einen sanften Kuss, den sie nur allzu gerne erwiderte.

Irgendwann löste sie sich von ihm. „Komm schon, erledigen wir unsere Besorgungen, dann haben wir später mehr Zeit.“ Sumi zwinkerte ihm zu und zog ihn an der Hand hinter sich her in den Laden. In unzähligen Reihen konnte man glänzende Messer in den unterschiedlichsten Formen erkennen. Viele trugen kleine Inschriften aus schwarzen Schriftzeichen, sodass sie an traditionelle japanische Klingen erinnerten. „Das sind doch viel zu viele. Welche Art Messer brauchst du denn überhaupt?“, fragte Taehyung Sumi, die bereits suchend ihren Blick über die Regale schweifen ließ.

„Je nach dem für welchen Zweck.“ Sie zog ein Messer aus der Haltevorrichtung und hielt es so in ihrer Faust, dass die Spitze steil nach unten zeigte. „Also wenn ich jemanden ermorden wollte, nähme ich das hier. Schau mal, was darauf steht.“ „Ryu?“, Taehyung verrenkte sich den Hals, um die Schrift besser entziffern zu können. „Genau.“ Sumis Augen funkelten. „Das heißt Drache auf Japanisch. Wenn du also nicht brav im Haushalt mithilfst, weißt du, was dir blüht.“ Mit einem leisen Lachen wandte sie sich von dem verdutzten jungen Mann ab und musterte die Messerklinge. „Zum Gemüseschneiden taugt es aber auch. Ich bezahle schnell und dann können wir nach Hause. Ich muss mich schließlich umziehen, wenn du mich schon mal in ein feines Restaurant ausführst.“

So oft er mit Sumi gekocht hatte, dieses Messer war seitdem ihr kleines Heiligtum. In einem wahnsinnigen Tempo konnte sie damit schneiden. Ein professioneller Chefkoch hätte es nicht besser hinbekommen. Bis jetzt hatte Taehyung es immer mit schönen Situationen verbunden. Mit dem Umzug und gemeinsamen Kochabenden. Doch diese Erinnerungen würden ab jetzt für immer von diesen schrecklichen Momenten überdeckt werden, in denen ihm klar wurde, dass er versagt hatte. In jeder Hinsicht.

„Sumi“, wisperte er fast unhörbar. „Warum hast du das getan? Warum willst du mich umbringen?“  


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