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Und es welkt dahin

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst / P16 / Gen
Takashi Natsume
12.08.2020
30.01.2022
6
14.743
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Natsume hätte nie und nimmer erwartet, dass sie sich ein zweites Mal begegnen würden.

Der weißhaarige Ayakashi hatte in den vergangenen Jahren mehr erlebt, als die Meisten in seinem Alter. Er hatte seine Eltern verloren, als diese sich die Dreistigkeit nahmen, den damaligen Meister des Waldes anzugreifen; zusammen mit ihren gesamten Untergebenen. Es war an sich wirklich kein schlechter Plan gewesen, er hatte bloß einen entschiedenen Fehler gehabt: Sie hatten die Kraft des Ayakashi maßlos unterschätzt. Und er hatte sie alle gefressen.

Natsume hatte nur überlebt, weil er sich an diesem Tag zufällig mit zwei anderen Kindern weggeschlichen hatte, um auf dem Spielplatz der Menschen (damals noch: seinem Spielplatz) zu spielen. Als er dann schließlich zurück nach Hause kam, sich darauf gefasst machte gewaltigen Ärger zu bekommen, wurde er dort schon vom Mörder seiner Eltern erwartet.

Er konnte sich noch genau daran erinnern, wie er vor der riesigen, fuchsähnlichen Gestalt erzittert war, sich kaum auf den Beinen halten konnte. In diesem Augenblick hätte sein Leben enden müssen. Und er konnte heute noch schwören, dass er dem Tode noch nie so nahe gewesen war, wie zu diesem Zeitpunkt.

Doch zu seinem Glück hatte sich der Ayakashi im letzten Moment anders entschieden.

Hatte ihn mit der Pranke gepackt und laut verkündet, er wäre von nun an sein Schüler. Warum Sensei ihn nicht einfach auch gefressen hatte (nicht, dass er blöd genug war um nachzufragen), blieb dem weiß Haarigen, der gerade dabei war den Namen seines besiegten Gegners seiner Sammlung beizufügen, bis heute ein Rätsel.
Vielleicht war es Mitleid gewesen, das ihn dazu verleitet hatte den Menschen zu verschonen, ihn zum Ayakashi zu machen.
Doch so, wie ihn sein Meister manchmal angestarrt hatte, aus müden, bedauernden Augen, glaubte er mittlerweile, dass es was mit einem Mädchen zu tun gehabt hatte; möglicherweise einem, dem er ähnlich sah. (Leider waren so gut wie alle Daten über seine Familie im Feuer damals vernichtet worden. Nicht, dass er wirklich nach ihnen gesucht hätte.)

Sensei hatte ihm vieles beigebracht. Zum Beispiel, dass nichts besser schmeckte, als ein besiegter Gegner.
Oder, dass es immer besser war zu provozieren, als provoziert zu werden.
Oder (und darauf war sein Meister besonders Stolz), dass es weise war, sich dem Willen eines Stärkeren, widerstandslos zu beugen.

Nicht, dass es Sensei jetzt noch kümmern würde, was der weiß Haarige machte, nun, da er endlich von seinen Krallen befreit war.
Natsume schüttelte den Kopf. An den alten Kater zu denken, würde ihn auch nicht wieder zurück bringen.
Dennoch stach es so seltsam in seiner Brust, als er den Grabstein seines Lehrers in weiter Ferne funkeln sah. (Wie ein Thron klaffte er zwischen den Bäumen hervor, ganz wie es diesem extravaganten Wesen gefallen hätte.)

Der Schmerz war noch schlimmer als der, den Taki und Tanuman verursacht hatten, als sie ihm mitteilten, von nun ein Paar zu sein. Es hatte ihn wütend gemacht, solch einen Schmerz zu spüren, den er nicht recht nachvollziehen konnte.

Als Reaktion darauf hatte er ihnen viel Glück gewünscht und gleich darauf alle Erinnerungen an ihn aus ihrem Gedächtnis gelöscht, das Gleiche noch in derselben Stunde bei allen anderen Menschen gemacht, welche ihn kannten.
Er hatte sich in dem Moment furchtbar verraten gefühlt, aber gleichzeitig nicht verstanden, wieso er sich verraten gefühlt hatte.
Erst später, als er sein kurzes, 6 Jahre langes Leben als Mensch bei Leuten die ihn wohl wirklich gern gehabt hatten, wieder aufgegeben hatte und mit Sensei in den Wald zurück gekehrt war, wurde es ihm endlich klar: Er war eifersüchtig gewesen.

Wütend warf Natsume einen Stein über den See, ließ ihn mit ganzer Kraft auf einen Baum krachen. Er warf noch einen.
Wieso war er am selben Tag nicht wieder zurück gegangen? Natürlich stand er in der Schuld von ihr, aber er war trotz allem immer noch ein stolzer, mächtiger Ayakashi! Er hätte sie zu seinem machen können. Er hätte sie beide zu seinem machen sollen!
Aber er war nur einfach feige davongelaufen.

Und dann war Sensei gestorben.
Bevor er die einzigen beiden Ziele in seinem Leben verwirklichen konnte; sein Gegenstück zu finden und seinen Meister im Kampf zu besiegen (um sich endlich von all dem jahrelang unterdrückten Hass zu befreien), hatte sich sein Gegenstück bereits selbstständig zusammengesetzt und Sensei gab auf friedliche Weise den Löffel ab.

Der Baum brach beim nächsten Wurf in sich zusammen, begrub den weiß Haarigen unter einer harten Wolke aus Holz und Blättern.

"Sich dem Willen eines stärkeren beugen, was?", meinte er bitter, musste auflachen, "Dann herzlichen Glückwunsch Baum, ich habe dich soeben als stärker anerkannt und werde mich deinem Willen beugen."

Müde von sich selbst, beschloss der weiß Haarige einfach liegen zu bleiben. Wenn er lange genug still hielt, würde der Baum bestimmt ganz ohne seine Kräfte anfangen um ihn herum zu wachsen und ihn in seinen Wurzeln einzuschließen. Ob das wohl schmerzhaft wäre?
Ob Taki und Tanuma dann eines Tages unter den Blättern seines Baumes heiraten würden?

"Natsume-sama."

Sofort war der Wunsch, ein Baum zu werden, vergessen. Natsume warf den Baum beiseite und fand sich kurz darauf direkt gegenüber von einem Pferd.

"Mizusu."

Man konnte ihm anhören, dass er noch immer schlecht gelaunt war, aber er wusste, dass sich sein Diener (er war einer der ersten gewesen) nur von selbst melden würde, wenn irgendwas im Wald geschah.

"Was ist los?"

"Exorzisten gehen auf die Jagd nach dem Meister dieses Ortes, ihr müsst euch in Sicherheit bringen."

Der junge Meister des Waldes seufzte. Unter den Ayakashi war er zwar eine wahre Berühmtheit, aber in letzter Zeit schienen auch immer mehr Menschen von seiner Existenz zu erfahren. Als ihm dann klar wurde, dass Sensei jeden Tag mit denen zu tun hatte, fühlte er sich schlecht. Verdammter Kater.

"Bring mich zu ihnen, Mizusu. Ich werde sie um ihre Werkzeuge erleichtern."

Sein Diener verzog das Gesicht. Es war genau das Gegenteil von dem, was er haben wollte. Gehorchen tat er sowieso.

Natsume hatte es sich seit einiger Zeit zum persönlichen Vergnügen gemacht, Gegner, die er geschlagen hatte, vor die Wahl zu stellen: Entweder sie würden von nun an seine Sklaven, oder er würde es seinem Meister gleich tun und sie zu seiner Zwischenmahlzeit machen. (Manchmal, wenn ihm einer der Dämonen wirklich gefiel, entschied er auch ohne ihr Einverständnis. Was sollten sie schon gegen ihn machen?)

Meistens verstanden die Ayakashi ganz genau, dass er keine Scherze machte.

Manchmal hielten sie ihn für einen überaus dreisten Menschen.

Was ihm, als er noch genau so schwach war wie er aussah, damals beinahe das Leben gekostet hätte. Er erinnerte sich zu gut daran wie er Blut überströmt zusammengebrochen war, zufällig im Garten eines Menschen. Und der Mensch, der ihn gefunden hatte, hatte ihn angestarrt als wäre er... ein Ayakashi.

Sie schrie nicht. Sie rannte sofort zu ihm, half ihm auf und brachte ihn hinein ins Haus. Sie versorgte seine Wunden, brachte ihm Wasser und fragte wie es ihm ging. Er, der von Menschen in etwa so viel wusste wie von seinem ehemaligen Klan, hatte wahrheitsgemäß erzählt, dass er ein Dämon war der mit anderen Dämonen gekämpft hatte. Blöd wie er war, hatte der weiß Haarige noch hinten dran gehangen wie lecker sie waren.

Taki hatte am ganzen Leib gezittert, sich danach nicht mehr getraut ihm in die Augen zu schauen. Für ihn, der das Zittern bereits verlernt hatte, war es als habe jemand seine Kehle aufgeschlitzt, machte es unmöglich zu atmen.
Richtig, er hatte ihr versprochen alles zu tun, damit sie aufhörte. Vielleicht hatte er sie sogar angefleht, so genau wusste er das nicht.
Und was hatte sich dieses liebliche Menschenmädchen gewünscht?

"Wir sind da-"

Der weiß Haarige sprang ab, landete leise und elegant auf dem Boden. Es wäre schön gewesen, wären bei seiner Ankunft alle verstummt, aber die Exorzisten achteten kaum auf ihn, ebenso ihre Shiki. Sie machten weiter mit ihrer Jagd nach dem Meister des Waldes, angeführt von einer Person die einen schwarzen Schirm trug. Da man ihm noch immer keiner Beachtung schenkte, griff er wütend (er hatte im Moment nicht besonders gute Laune) nach einem der Shiki.

"Wer greift hier meinen Wald an? Welcher Menschenklan wagt das?!"

Der Diener brauchte eine Weile um zu begreifen, dass er soeben von einem Ayakashi angegriffen wurde. Dann hob er einen Finger in Richtung des Schirmtypen. Natsume seufzte und warf ihn weg.
Mit zwei Handbewegungen ließ er riesige Ranken aus den Bäumen hervor schießen, Menschen wie Ayakashi von ihnen umwickeln, fast zerquetschen. Oh wie gerne hätte er die Ranken noch enger gemacht - aber er wollte sein Versprechen nicht brechen. Mensch war Mensch, egal wie arrogant er auch zu sein schien.

"Ich wiederhole mich noch mal", nun, da es totenstill war, man ihm den nötigen Respekt zollte, hatte sich die wütende Mine des weiß Haarigen wieder in ein Grinsen verwandelt, "Was macht ihr hier in meinem Wald?"

"Ach so ist das. Lass uns runter, Natsume. Bei dem Druck den die Ranken ausüben kann man kaum atmen."

Die Stimme gehörte einem Mann mit schwarzen Haaren, der ihm seltsam bekannt vorkam. Es war ein wenig verwirrend, da eine Augenklappe sein Gesicht zierte. Der Schirm neben ihm zeigte, dass es der Anführer der Gruppe war, aber da war noch eine weitere Erinnerung...

"Meinen Glückwunsch."

"Du bist das Matoba Balg von damals!"

Er war so erschrocken über die Erkenntnis, dass sich die Ranken um seinen Gefangenen tatsächlich etwas lockerten, gerade so viel, damit der schwarz Haarige sich daraus befreien konnte. Es wäre ein leichtes gewesen, ihn wieder einzufangen, aber allein sein Gesicht versetze Natsume zurück in alte Tage, stimmte ihn milder als er war.
Noch ehe der Mensch wieder zu Wort kommen konnte, packte er ihn an der Kehle, zog ihn zu sich hinab (er war größer, als er - war er gewachsen?), riss ihm die Augenklappe ab. Er sollte ihn nicht so unverschämt anlächeln, wenn er nichts besseres zu bieten hatte als das hier!
So einer, so einer wollte ihn einmal besitzen?
Es war fast schon amüsant in einer grotesken Art und Weise.

"Dieser Wald gehört mir. Jemand der ihn ohne weiteres beschädigt, ist normalerweise dem Tode geweiht."

"Lass mich los."

Der Junge erteilte ihm immer noch Befehle, als hätte er das absolute Recht dazu. War er denn blöd?
Mit der Zunge schnalzend warf Natsume ihn beiseite, rief nach Mizusu.
Vielleicht hätte er sich ihm eine Weile lang unterworfen, wäre der Aufmarsch in sein Territorium etwas glanzvoller hingelegt worden. Es war schließlich nicht so, als hätte er irgendwas anderes zu tun gehabt.
Aber die Angst, die er damals in den Augen des Menschen gesehen hatte, der Sake seines Hauses, der Sensei so gut geschmeckt zu haben schien, das Alles...
Natsuma streckte ihm die Hand entgegen, wollte ihm aufhelfen.

"Komm und trink was mit mir, Matoba."

Das Alles waren Erinnerungen, die er mochte. Und da er sein Leben eh verschonen musste, konnte er sich genau so gut anhören was er zu sagen hatte, sich ein wenig daran erheitern, bevor er die Shiki der Menschen zu seinem Abendmahl machte und die Menschen zurück schickte.
Matobas Hand setzte sich langsam in Bewegung. Doch statt sich, wie erwartet, hochziehen zu lassen, zog er den Dämon hinunter, holte aus und schlug ihm mitten ins Gesicht.

Ein vertrauter, vergessener Schmerz machte sich in seiner Wange breit.
Normalerweise hätte Natsume den Schlag einfach abgewehrt, über den Mut der Person gelacht. Aber offenbar schaffte es der Mensch, der ihm kurz darauf ein (ziemlich vertrautes) Messer direkt an die Kehle drückte, ihn gänzlich aus der Fassung zu bringen.
Die Klinge schimmerte rötlich im faden Sonnenlicht - Natsume wusste instinktiv, dass es diesmal nur einen Schnitt brauchen würde um ihm den gar auszumachen.

"Befehl deinen Blumen sich zurück zu ziehen."

Matoba drückte etwas härter mit dem Messer auf ihn ein, ein spöttischer Unterton in seiner Stimme.
Geschah ihm wohl recht, entschied er seufzend, er hätte ihn nicht sofort unterschätzten sollen.
Kurze Zeit später war sein Abendessen und all jene, die es zu ihm gebracht hatten, wieder frei; umringten ihren Herrn wie folgsame Hunde.

"Auf die Knie."

Er wollte ihn definitiv demütigen. Demütigung war eine Art der Provokation, nur etwas grober im Stil.
Langsam ließ Natsume sich zu Boden sinken, darauf bedacht sein Gesicht zu wahren. Er durfte den ihn nicht töten. Also brauchte der Mensch auch nicht zu sehen, wie gerne er es wollte.
Ihm wurde der Kopf... getätschelt? Tanuma hatte das einmal gemacht und er wusste, dass er damals rot wie Herbstlaub geworden war. Er selbst tat es oft bei besiegten Gegnern. Wahrscheinlich waren sich Menschen wie Ayakashi mit ihren Handlungen nie ganz einig.
Er tat sein bestes um ein Knurren zu unterdrücken.

"So ist es gut. Legt ihn in Ketten und bringt ihn in den Wagen. Die Jagd scheint erfolgreich gewesen zu sein."

"Natsume-sama-"

Da er ihn nicht mit einer Handbewegung verstummen lassen konnte, erhob er das Wort.

"Kümmre dich um den Wald, Mizusu."

Man brachte ihn, an mehreren Leinen geführt, hinaus aus dem Wald. Er ließ immer wieder Blumen um die Beine seiner Eskorte wachsen, amüsierte sich daran, wie sie verzweifelt versuchten ihr Gleichgewicht zu halten. Bei denen musste er sich keine Sorgen machen, würden sie es doch nie wagen ihm nahe genug zu kommen, um ihn zu schlagen oder sonstiges zu tun.

Sein kurzes Vergnügen wurde unterbrochen als er in ein schwarzes Ding hinein gestoßen wurde. Taki hatte es Auto genannt.
Soweit er wusste, besaßen Exorzisten Möglichkeiten, Ayakashi in winzige Gefäße zu stecken. Warum hatte man das nicht auch mit ihm gemacht?
Auch Matoba stieg ein, lächelte ihn an als wäre er der Ehrengast, nicht der Gefangene. Zugegeben, das Balg hätte sich in seinem Anwesen, sicher genau so gefühlt.

"Lange ist es her, Natsume. Neun? 12 Jahre vielleicht?"

"Woher soll ich das wissen? Für Ayakashi bedeutet Zeit nichts, im Vergleich zu euren kümmerlichen Leben sind wir geradezu unsterblich!"

Was stimmte. Seine Freunde waren so schnell erwachsen geworden, es war ihm vorgekommen als wären nur wenige Tage vergangen. Da Menschen alle gleich schnell alterten, glaubte der Dämon auch beim anderen die Spuren des Alter zu erkennen. Es ließ ihn schmunzeln.

"Du hast also doch nicht gut genug auf deine schönen Augen aufgepasst, wie ich sehe."

Matoba hielt sich reflexartig eine Hand an das, wieder verbundene Auge. Dann nahm er sie wieder runter und lachte, als wären sie zwei alte Freunde, vertraut im Umgang mit dem Anderen.
Die Fesseln an Natsumes Händen begannen ihm auf die Nerven zu gehen, sie störten den Lauf seines Blutes. Noch schlimmer war es, da nur ein Exorzist die Papierstreifen, die schmerzten wie tausend Nadeln, entfernen konnte.

"Und du hast noch immer deine arrogante Fassade, wie ich sehe. Du weißt, dass ich dich nun jederzeit töten könnte, was gibt dir den Impuls mich zu reizen, oh edler Herr des Waldes?"

Erneut provozierte ihn dieser Mensch.
Vielleicht war das die Rückzahlung für damals, als er ihn beinahe umgebracht hatte. Nicht, dass der weiß Haarige es bereute, hatte er den Geschmack des Blutes noch immer auf der Zunge.
Er musste ebenfalls Lachen.

"Mach dich nicht lächerlich. Ich weiß, dass du mich nicht töten wirst, weil ich dein Handeln schon Vorhersagen kann: Du wirst mich wieder in dieses Anwesen dort bringen, versuchen, mich auf jegliche Art und Weise zu einem Vertrag mit dir zu zwingen." Ambitioniert war das Balg, er konnte es ihm lassen. "Aber ich kann dir jetzt schon eine Menge Wut und Verzweiflung ersparen: Egal was du tust, Matoba Spross, es ist zwecklos."

"Das wird sich noch zeigen. Wusstest du es schon? Deine beiden Menschenfreunde werden bald heiraten."

...

Damit hatte er ihn.
Das Grinsen verflog sofort aus dem Gesicht des Jungen, wich einem Knurren, das ihn fast zum zurück zucken brachte. Seiji lachte ihn aus, beugte sich ein wenig zu ihm vor, ließ es vollkommen drauf ankommen.

"Es wäre doch so Schade, wenn ihnen bei der Zeremonie in einem meiner Anwesen ein schlimmer Unfall passieren würde, nicht wahr?"

"Du würdest es nicht wagen-"

"Ach wirklich?"

Das Knurren verstummte. Augenblicklich.
Der Yokai wandte sich ab, starrte verärgert (verängstigt) aus dem Fenster.
Nicht, dass Seiji vorhatte, ihn so einfach davon kommen zu lassen. Er würde dafür sorgen, dass dieses Wesen ihn auf Knien anflehen würde, sein Diener zu werden.
Doch da der weiß Haarige sich wohl endlich dazu entschlossen hatte zu schweigen, wie es sich für einen Gefangenen gehörte, erzählte das Klanoberhaupt ein wenig über die vergangenen Jahre, die er damit verbracht hatte die alten Normen seines Klans auf den Kopf zu stellen.
Zwar gab der weiß Haarige ab und an einen abfälligen Kommentar von sich, doch schien er es nicht mehr zu wagen ihn direkt anzustarren.

Die Fahrt neigte sich dem Ende zu, und der weiß Haarige wehrte sich nicht, als er gewaltsam aus dem Wagen gezerrt wurde.
Er ließ auch keine Blumen oder Wurzeln mehr hervor sprießen, hielt seinen Blick gesenkt.
Wenn doch alle nur so leicht zu zähmen wären wie dieser Yokai, dachte Seiji lächelnd, stieg ebenfalls heraus. Die Frage des jungen Paares, in einem von seinem Klan bewirtschafteten Schrein heiraten zu können, war eigentlich nur Zufall gewesen; aber er war schon immer gut gewesen, aus Zufällen das Beste zu machen.

Es hätte alles so perfekt enden können.
Er hätte einem arroganten Wesen den Stolz nehmen, und dadurch einen mächtigen Diener für sich gewinnen können.
Doch leider hatte der schwarz Haarige in dem ganzen Trubel vergessen, das Siegel auf seiner Augenbinde, welches der Dämon zerstört hatte, zu erneuern.
Und genau das, machte Alles kaputt.

"Gib es her! Mein Auge - GIB ES HER!"

Ein Wimpernschlag später wurden seine Diener zur Seite gestoßen, das Monster bahnte sich seinen Weg zu ihm hin, streckte die Hand nach ihm aus.

Seelenruhig rammte Seiji ihm sein Messer in den Teil, der bei Menschen der Bauch gewesen wäre.
Doch das schien den Yokai bloß noch wütender zu machen, schlug er nun noch wilder um sich, schleuderte Natsumes Bewacher mit samt des weiß Haarigen zu Boden und griff erneut nach ihm.

"Du hast mich betrogen! BETROGEN! ICH WERDE DICH FRESSEN MATOBA, DICH UND ALL DEIN FALSCHES GEFOLGE!"

Seiji wollte ihn erneut treffen, zielte diesmal auf das Herz.
Gott, warum hatte er diese lästige Kreatur nicht schon längst beseitigt?!
Er verfehlte, konnte den scharfen Krallen um Haaresbreite ausweichen, verlor dabei das Gleichgewicht und landete mit dem Gesicht voran auf dem Boden.
Direkt vor dem weiß haarigen Yokai.

"Du bist noch immer nicht mehr als ein kleines Balg, Matoba, unwürdig mich zu besitzen.
Jetzt mach mich los, dann werde ich den Ayakashi möglicherweise als Akt der Nachsicht gegenüber einem Kind, für dich wegschaffen."

Auffordernd hielt Natsume ihm seine Hände entgegen.
Er sprach nicht mehr herablassend, wohl noch immer von der Drohung gebändigt, dennoch hatten seine Wörter keinen Platz für Verhandlungen gelassen.
Der schwarz Haarige dachte nicht mal daran, fühlte wie sich neue Kraft in ihm ansammelte.
Er lächelte.

"Die Fesseln können nur von dem Exorzisten gelöst werden, der sie auch angelegt hat. Es bleibt nur eine einzige Möglichkeit diese Fesseln loszuwerden. Unterwerfe dich mir und werde mein Diener."

Ob er wieder Knurren würde?
Seiji blieb nicht viel Zeit, dass zu überprüfen, schon wieder versuchte das Monster ihn zu packen, wurde aber von einer Ranke dran gehindert.
Er konnte Natsume verärgert mit der Zunge schnalzen hören und wurde kurz darauf von diesem erneut zur Seite gerissen.

"Du bist doch lebensmüde, Matoba! Nun mach mich endlich los!"

"Werde mein Diener."

Ein weiteres Mal zog der weiß Haarige sie davon, schien keine Probleme zu haben, dem Yokai auszuweichen und gleichzeitig zu sprechen.

"Vielleicht sollte ich mich mit dem Ayakashi zusammen tun. Dich quälen, bis du mir meinen Wunsch erfüllst und dann zusehen, wie du gefressen wirst."

Er schien wirklich drüber nachzudenken.
Vielleicht brachte diese Tatsache sein Herz etwas schneller zum Schlagen, vielleicht wünschte ein Teil von ihm, er hätte die Fesseln sofort gelöst.
Dennoch lächelte er weiter, ließ sich nichts anmerken und hoffte einfach, dass alles lief wie es sollte.
Und er hatte Glück.
Denn offenbar konnte Natsume sich nicht mit dem Gedanken den er geäußert hatte anfreunden, seufzte.

"Zur Hölle damit! Gut Matoba, ich gehe auf deine Bedingung ein, jetzt mach mich los, verdammt!"

Die Worte des Yokai hätten ihn zufrieden stellen sollen. Doch sie taten es nicht, das Gefühl der Erleichterung war einfach zu überwiegend.
Das Siegel seines Klans erschien auf der Stirn des weiß Haarigen, ließ ihn vor Schmerz auf zischen.
Mit einem schillernden Licht lösten sich die Fesseln und sofort stürzte der Yokai sich auf den Anderen, ein geradezu wahnsinniges Grinsen im Gesicht. Wahrscheinlich würde er seine gesamte Wut nun an ihm auslassen. Beinahe hatte Seiji Mitleid mit dem Monster, dass ihm Jahre lang Albträume verschafft hatte.
Dieses konnte gerade noch brüllen "WER?", da wurde es auch schon von dem menschenähnlichen Dämon zu Boden befördert, nach und nach vollkommen von seinen Nägeln, welche schärfer als Krallen zu sein schienen, verstümmelt, bis es nur noch winselnd am Boden lag.

Zufrieden lehnte sich Natsume zurück, hob einen Finger direkt an der hohlen Augenhöhle an.

"Wer ich bin, fragst du mich? Ich bin Natsume. Ehemaliger Schüler von Madara (den Namen kannte er!), Meister des Waldes von Yatsuhara, Besitzer des Buches der Freunde und der vorübergehende Diener des Jungen, dessen Auge du so begehrst."

Er stach in die Wunde hinein, grinste bei dem folgenden Aufschrei nur noch mehr.

"Aber leider muss ich dich enttäuschen, denn auf das anschließende Gejammer hab ich keine Lust. Her mit deinen Namen."

Ohne zu zögern schrieb der Yokai seinen Namen auf einen Teil seiner Kleidung, riss ihn ab und reichte ihn Natsume. Lachend ließ dieser ihn verschwinden, stand auf. "Ver-schwin-de~", summte er ihm fröhlich entgegen, machte sich aber nicht die Mühe zuzusehen, wie sein neuer Untergebener seinem Willen folgte.
Stattdessen wandte sich der weiß Haarige in seine Richtung, war ihm keine Sekunde später so nahe, dass er ihm ohne weiteres ins Ohr flüstern konnte, während seine Hand die Kehle des schwarz Haarigen (mal wieder) umschloss.

"Du hast fürs Erste meinen absoluten Gehorsam, Meister; solange bis ich die Kraft besitze frei zu kommen.
Aber an deiner Stelle, Matoba, würde ich mich wie besessen darum kümmern, dass Taki Tooru nach dir stirbt. Ihr Leben ist das Einzige was mich selbst mit Vertrag davon abhält, dich auf grausame Art und Weise in viele, kleine, mundgerechte Häppchen zu zerteilen und genüsslich zu verschlingen. Denn selbst das Alter", Der Yokai ließ ihn los, fuhr gleichzeitig mit seiner Zunge selbstgefällig über Seiji's Hals,

"kann den Geschmack einer herrlichen Mahlzeit nicht verderben lassen."

Bevor Seiji nach ihm schlagen konnte, entfernte sich der weiß Haarige lachend, ließ wieder Blumen aus dem nichts erblühen, als wäre er ein Gott.

"Nun denn, der Vertrag untersagt mir nicht, mich frei zu bewegen. Wenn du mich brauchst, Matoba, ruf einfach meinen Namen. Bis dahin lass dich nicht fressen!"

Vielleicht, dachte der schwarz Haarige sich, als er der fuchsähnlichen Gestalt zusah, wie sie im Himmel verschwand, war dieser Yokai mit seiner Macht, wirklich nicht weit von einem Gott entfernt.

"Matoba-san, alles in Ordnung?"

Nanase war aus der Starre des Einäugigen als erstes erwacht, schien keine weiteren Schäden davongetragen zu haben.
Seiji lächelte müde. Manchmal sollten Dinge wohl einfach nicht so sein, wie er es gern haben würde. Immerhin gehörte Natsume nun ihm.

"Alles bestens. Um den Einäugigen werde ich mich wohl nie wieder kümmern müssen. Sag Nanase, kennst du die riesige Halle neben dem Schrein, den wir vermieten? Ein ganz besonderes Paar wird dort bald heiraten, ich will, dass alles perfekt läuft."

"Verstanden."

"Ah, noch was. Arrangiere mir doch bitte ein Treffen mit Natori. Es sind mittlerweile 4 Jahre seit dem Streit vergangen, langsam sollte er aus seiner Trotzphase raus sein."

"Du weißt wie stur er ist. Bist du dir sicher?"

Ob er sich sicher war?

"Ich habe einen wirklich interessanten neuen Diener, den ich ihm zeigen will. Wer weiß, vielleicht ist er ja mächtig genug, den Eidechsen-Yokai von ihm zu nehmen."

Er hatte genug Zeit vergeudet, sie der Arbeit gewidmet - ein paar alte Beziehungen wieder aufzunehmen (blau zu machen), würde sicher nicht schaden.
Nein, entschied er, seufzte. Es würde überhaupt nicht schaden.
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