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Und es welkt dahin

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst / P16 / Gen
Takashi Natsume
12.08.2020
22.11.2021
2
7.087
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12.08.2020 3.009
 
Seiji hatte das erste Mal in seinem Leben Todesangst.

Der 18 Jahre alte Oberschüler, hatte sich am Morgen dazu entschlossen, eine Auszeit von dem ganzen Druck, der auf ihm lastete, zu nehmen. (Blau zu machen.)

Mit dem Hintergedanken, dass Nanase ihm wahrscheinlich die Hölle heiß machen würde, war er aus dem Fenster seines Zimmers gesprungen, hatte sich, mit nicht mehr als einem Messer und zwei seiner Shikis auf den Weg in eines der vielen Wälder gemacht, wollte auf andere Gedanken kommen.

Es war heiß heute, wie blöd von ihm seinen Schirm zu vergessen. Ob die mörderische Hitze ihn wohl heute überwältigen würde?
Während er durch die Dörfer ging; sah, wie sich Kinder lachend mit Schlamm aus dem Fluss bewarfen, wurde ihm beinahe schwer ums Herz.

Durch seine Eltern, die ein gewisses Ansehen zu wahren hatten, war es ihm nie gestattet, ein wirkliches Kind zu sein - nicht, dass er es nicht trotzdem gewesen war (wie oft hatte er sich in den Sitzungen der alten Säcke davongeschlichen, war aus dem Anwesen geflohen und mit schmutzigen Kleidern zurück gekommen, ohne die geringsten Schuldgefühle?), dennoch...

Die älteren Menschen, welche ihn kannten, grüßten ihn, verneigten sich. Auch Schülern begegnete er auf seinem Weg, doch machten die eher einen Bogen um ihn. (Dabei zählte er zu den hübschesten aus seiner Klasse, wie gemein! Und unverschämt! Und stechend, aber das würde er niemals zugeben, also zählte es nicht.)

Schließlich, um die Mittagszeit, kam der schwarz Haarige endlich im kühlen Wald an, müde, zufrieden und bereit für eine Pause.
Yokai, die ihn sahen, versteckten sich sofort, machten ihm keine Probleme. Es wäre wirklich schön wenn auch alle Anderen ihm gegenüber so handeln würden, wirklich.

Am Ufer eines Teiches lehnte sich Seiji gegen einen Baum, gähnte und schloss die Augen. Der Wald war so schön kühl, Wasser würde ihm nun wirklich nicht schaden. Vielleicht, dachte er sich, hätte er Natori mitnehmen sollen.

Der Junge war eine angenehme Gesellschaft (war er nicht, aber er hatte nicht genügend Freunde um sich beschweren zu können. Zumindest war er halbwegs in seinem Alter), leicht lächerlich zu machen und stets ehrlich. Sicher hätte er ihn dazu bringen können, Proviant und Wasser mitzunehmen, dann wäre er jetzt nicht durstig. Er hätte ihn sogar dazu bringen können einen Schirm zu tragen - auch wenn der andere dann wahrscheinlich den ganzen Weg über versucht hätte ihn mit diesem Schirm ab zu stechen, also nichts ungefährliches, in Zukunft zu bedenken.

Aber auch so, war es wie immer schön friedlich hier im Wald.

"...Verzeihung?"

Und genau wie immer, war der Frieden nicht dazu bestimmt lange anzuhalten.
Müde öffnete der schwarz Haarige die Augen, um den bescheuerten Yokai, der es gewagt hatte ihn zu stören, ansehen zu können.

Stattdessen sah er einen Jungen in einer Schuluniform vor sich stehen, welcher seine beiden Shiki gar nicht zu bemerken schien.
Offensichtlich fühlte er sich unwohl ihn angesprochen zu haben, verlagerte sein Gewicht immer von einem, auf das andere Bein.
Der schwarz Haarige nickte ihm einmal zu, bedeutete ihm, weiter zu sprechen.

"Ich hab mich verlaufen. Kannst du mir sagen wie ich aus dem Wald hier heraus komme?"

Was wohl geschehen wäre, hätte er einfach wieder seine Augen geschlossen?
Es war wahrlich nicht sein Problem, dass sich ein Junge im Wald verirrt hatte, immerhin hätte er nicht so weit rein gehen sollen.
Am Zeichen der Uniform ließ sich erkennen, dass der weiß Haarige ein Jahr jünger als er war, immer noch alt genug um Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
Dennoch hob er den Arm an, deutete hinter ihn.

"Geh von hier aus geradeaus und bieg an der Kreuzung nach Links, dann kommst du zum Eingang eines Dorfes. Beeile dich lieber und verschwinde bevor es dämmert. Es kann zu der Zeit ganz schön gefährlich werden."

Yokai wurden von dem Geruch den ein Mensch von sich gab angelockt - je höher die spirituelle Kraft desto stärker der Geruch - und kamen um zu sehen ob es sich lohnte, ihn auf zu fressen; wurde ihm beigebracht. Es hatte ihn trotzdem nicht davon abgehalten auch Nachts umher zu streifen, nicht im Geringsten. Er war schließlich stark.

Verbeugend dankte ihm der Junge, grinste dann.
Seiji, der sich, in Erinnerungen versinkend, eigentlich schon wieder abgewandt hatte, wollte reflexartig sofort zu seinem Messer greifen, erstarrte aber, als der weißhaarige Dämon ihm plötzlich den Kopf tätschelte. Wie konnten seine Shiki dies zulassen? Hatten sie es denn noch immer nicht begriffen? Waren sie wirklich so inkompetent?!

"Deine Wegbeschreibung hat mir sehr geholfen, zum Dank lasse ich dich ziehen. Nun verschwinde lieber von hier, bevor ich wiederkomme und es wirklich gefährlich wird."

Seine Untergebenen reagierten endlich, viel zu spät und viel zu langsam. Der Dämon war verschwunden, hatte sich in die Schatten der Bäume verwandelt, wurde davon getragen mit dem Wind.

Wütend über sich selbst und den Tag, wünschte sich der schwarz Haarige wirklich, er hätte seinen Bogen mitgenommen. So aber machte er sich einen Plan, dem Yokai, der ihn so dermaßen beleidigt hatte, eine Falle zu stellen. Der Exorzier-Kreis war schnell gezeichnet, brauchte er nur noch auf den weiß Haarigen zu warten.

Und dieser ließ sich wirklich Zeit. Wirklich, wirklich Zeit, als wolle er ihn zusätzlich beleidigen.
Erst als es dämmerte, Seiji schon gehen wollte, tauchte der Dämon wieder auf, einen wütenden Gesichtsausdruck ziehend und offenbar tief in Gedanken versunken.
Sehr zu seinem Pech, denn als der schwarz Haarige los stürmte, ihm sein Messer in die Seite rammte, konnte der Yokai nichts anderes tun, als benommen zurück zu taumeln - geradewegs in den Kreis hinein.

Die Schreie die er von sich gab, waren keine Befriedigung für Seiji, klang es nicht so, als ob der weiß Haarige wirkliche Schmerzen durchlitt.
Als er schließlich keine Kraft hatte sich auf den Beinen zu halten, von seinen Shiki gehalten werden musste, trat Seiji vor, holte aus, und schlug ihm mit voller Kraft ins Gesicht.
Und wieder. Und wieder. Dann riss er sein Kinn in die Höhe, zwang ihn dazu, zu ihm hoch z uschauen, seinen Peiniger anzusehen.

"Und? Meinst du immer noch, für jemanden wie mich könnte es gefährlich werden? Denkst du noch immer, ich sollte lieber verschwinden?!"

Es ging ihm gar nicht darum, den Dämon da vor ihm zu exorzieren, er wollte ihn lediglich um Verzeihung, um Gnade winseln sehen.
Doch stattdessen spuckte ihm der weiß Haarige etwas Blut vor die Füße, lachte.

"Du gefälligst mir! Mit so einer leicht zu reizenden Persönlichkeit wird es sicher nicht langweilig... Ja, ich glaube dich werde ich behalten."

Ohne ihm Zeit zu geben gesagtes zu verarbeiten, befreite sich der weiß Haarige, riss seine Shiki in Stücke als wären sie nichts weiter als Papier.
Seiji konnte nicht mal versuchen sein Messer wieder zu greifen, da wurde er vom Yokai an der Kehle gepackt und in die Höhe gehoben, rang im Schock verzweifelt nach Luft.

"Bemühe dich nicht",

sagte der Yokai beinahe schon sanft, bevor er ihn zu Boden warf, ihm noch immer die Luft abschnürte. Verdammt, wieso brachte er es nicht zu Stande sein Messer zu ziehen?!
Was sollte das?!

Auf ihn hinab grinsend, wartete der weiß Haarige bis sich die Hand von ihm, die sein Messer greifen wollte, auf dem Boden befand, keine Kraft mehr dazu hatte.
Als er seinen Griff schließlich lockerte, gab Seiji sein Bestes, nicht zu verzweifelt nach Luft zu schnappen - nicht mit großem Erfolg.

Noch immer thronte der weiß Haarige über ihm, siegessicher und zufrieden, als hätte er gerade einen wilden Hund gezähmt. Wahrscheinlich kam ihm dies auch so vor - hatte er nicht davon gesprochen ihn behalten zu wollen?
Als ob er dies zulassen würde - wer war dieser Yokai denn, dass er ihn besitzen wollte?!

"Geh - Geh runter von mir."

"Du wagst es noch, mir Befehle zu geben?"

Sofort drückte der Yokai wieder zu, beugte sich zu ihm herab.
Wenn er jetzt... sein Messer war nah genug, das Ziel unverfehlbar, ein Stich an der Kehle würde ausreichen!
Aber noch im selben Augenblick umschloss die zweite Hand des weiß Haarigen sein Handgelenk, drückte ebenfalls zu.

"Ich hab dir bereits gesagt, dass du dir keine Mühe zu geben brauchst, kleines unbekümmertes Wesen - du hast sowieso keine Chance."

Sein Handgelenk drohte zu brechen, aber alles in ihm sträubte sich dagegen, sein Messer fallen zu lassen.
Er würde sich keinem Yokai unterwerfen. Niemals.

"So niedlich... Beruhige dich endlich, ich werde dich nicht töten. Ich werde dir deinen Namen nehmen und dich zu einem meiner Untergebenen machen. Aber davor-"

Sein Hals wurde losgelassen, erneut konnte der schwarz Haarige nichts anderes tun, als nach Luft zu schnappen. erbärmlich. Er war so erbärmlich.
Vorsichtig fuhr der Dämon über seine Kehle, starrte wahrscheinlich verwirrt auf die blauen Streifen, die er mit seiner Kraft geschaffen hatte.

"Aber davor werde ich mir einen Schluck gönnen. Ertrage es, ändern kannst du es eh nicht."

Damit versenkte er seine Zähne in der Schulter des schwarz Haarigen, löste einen Schmerz aus, der ihm fast das Bewusstsein raubte.
Seiji hatte zum ersten Mal in seinem Leben Todesangst - was würde nun geschehen? Er konnte sich verdammt noch mal nicht wehren!
Doch bevor der weißhaarige Yokai seinen "Schluck" auch nur begonnen hatte, schrie er plötzlich erschrocken auf, ließ von ihm ab, als hätte er sich verbrannt.

"Du... du bist ja ein Mensch!"

"...Bist du blöd? Das war ja wohl klar!"

Auch wenn es in seiner Situation wirklich nicht die beste Idee war, konnte der schwarz Haarige nicht anders, als sich über die lange Leitung des Dämons lustig zu machen.

"Ich verstehe... In diesem Falle ist der Kampf ungültig."

Der weiß Haarige sprang von ihm runter, ging in die Knie und senkte sein Haupt gen Boden.

"Verzeih meinen Spott, Menschenkind. Dein Name gehört wieder dir. Aber wie es mir scheint wird dein Leben heute dennoch enden. Es wird schon Dunkel."

Deinen Spott verzeihen, was?
Er konnte schwören, dass der Yokai hinter seinem weißen Haar grinste, wurde erneut wütend.

"Dann übernimm gefälligst Verantwortung für dein tun und bring mich zurück zum Waldeingang!"

Er sollte vielleicht keine Befehle geben, er wusste das. Das arrogante Geschöpf vor ihm hatte deutlich gemacht, dass es nicht viel davon hielt.
Es wäre zweifellos besser für ihn gewesen, wenn er ihn darum gebeten hätte - trotz allem schien der Yokai keine Menschen verletzen zu wollen, sonst wäre er wohl schon längst nicht mehr am Leben. Waren es die menschlichen Züge dieser Kreatur? Es wirkte, als hätte er sich mit einem Mitschüler geprügelt, nicht mit einem Dämon.

"Ach so? Wer hat denn wen zuerst angegriffen, Mensch? Wenn du Hilfe willst, dann zeig ein wenig Demut und bitte gefälligst darum."

Mit einem weiterem Sprung, sanft und schwerelos, als würde er schweben, landete der Yokai wieder auf den Füßen, sah abschätzend auf ihn hinab, keine Spur von dem Verlangen ihn auf zu fressen.

Schluck es runter, rief er sich in den Kopf und versuchte sich daran zu erinnern wie er mit Leuten sprach, die nicht unter ihm standen. Es fiel ihm beim besten Willen nicht ein, deshalb improvisierte er.

"Du hast ja Recht, bitte lass mich hier nicht zurück. Ich hab überreagiert; dir hier eine Falle zu stellen."

Er würde es wieder tun, wenn auch nicht bei diesem Yokai. Ohne mit der Wimper zu zucken.

"Aber nachdem du mir gesagt hast ich solle verschwinden bevor du zurück kommst, dachte ich du würdest den ganzen Wald meinen. Ich hab Angst bekommen, da ich den riesigen Wald niemals rechtzeitig hätte verlassen können, und dachte dich unschädlich zu machen wäre meine einzige Möglichkeit hier wieder raus zu kommen.

Gelogen, alles gelogen; er fing an sich bei Nanase und ihr ständiges Lächeln zu bedanken, er hatte eine Menge wegen ihr gelernt.

"Zum Ende hin bin ich wirklich ziemlich unverschämt dir gegenüber geworden, es tut mir leid. Aber ich flehe dich an, bitte geh nicht."

Zumindest hier war er vollkommen ehrlich. (Er hatte Angst.) Der weiß Haarige streckte ihm die Hand entgegen, bot ihm Hilfe an, hatte akzeptiert was er gehört hatte..

Seiji; klug genug um sich nicht gegen seine derzeitige Eskorte zu wehren (er spürte bereits wie ihm der Blutverlust an seiner Schulter zu schaffen machte, unmöglich würde er sich gegen andere Yokai behaupten können), ergriff die  Hand die ihn zuvor gewürgt hatte, ließ sich hochziehen.

"Sag, Menschenkind, weißt du in welchem eurer Läden man an Sake kommt? Unter der Bedingung, dass du mich zu einem dieser Läden führst, helfe ich dir."

Gab es hier im Wald nicht besondere Quellen der Yokai? Seiji nickte einmal, fügte hinzu, dass es nicht nötig wäre, einen Laden aufzusuchen, da es im Keller seiner Familie mehr als genug Fässer des besten Sake dieser Gegend gab. (Nicht, dass er ihn je probiert hätte. Immerhin durfte er noch nicht.)

"Dann ist es beschlossen. Mizusu!"

Auf den Ruf des weiß Haarigen antworteten ein Haufen an winzigen Glöckchen, welche, wie aus dem Nichts, überall zu erklingen schienen. Kurz darauf landete vor ihnen eine riesige Gestalt mit einem Pferdegesicht, auf dem Boden, sah sie aus ihren großen Augen an.

"Natsume-sama, euer Meister ruft euch schon seit Stunden. Ich sollte euch ausrichten, dass er euch fressen wird, wenn ihr nicht bald mit dem Sake erscheint."

Das Gesicht des Dämons wurde einen Moment lang ernst (die Drohung gefiel ihm offenbar gar nicht, schien ihn fast wütend zu machen), ehe er weiter sprach:

"Ich hab es ja versucht, aber die Läden an denen ich vorbeigekommen bin, waren Sensei alle unwürdig. Wie auch immer, bring uns zum Haus dieses Menschen, Mizusu."

"Was wollt ihr denn mit einem Exorzisten des Matoba Klan, Natsume-sama? Habt ihr etwa vor, euer Versprechen-"

"Ein Kind des Matoba Klan? Der berühmten Familie, die meinem Meister die letzten Jahrhunderte immer wieder auf dem Schwanz herum getanzt ist?"

Schneller als er reagieren konnte, war der Yokai vor ihm erschienen, hatte ihn am Kinn (welch süße Ironie) ergriffen und besah sich nun genauestens sein Gesicht.
Seiji wehrte sich nicht, war mittlerweile schon fast zu benommen um klar denken zu können, obgleich ein Teil von ihm alles dafür gegeben hätte, sich los zu machen. (Kind. Er wurde wieder Kind genannt.)
Die grünen Fuchsaugen des Yokai verzogen sich zu Schlitzen. Schließlich grinste er, ließ von ihm ab.

"Niemals würde ich Taki Toorus Versprechen brechen. Ich hätte ihr die ganze Welt schenken können, dafür, dass sie mein Leben gerettet hat. Matoba Sprössling, ich gebe dir einen gut gemeinten Rat: Pass auf deine Augen auf."

Damit wandte er sich ab, bedeutete ihm, auf das Pferd zu klettern.
Obgleich es das erste Mal war, dass Seiji sich in der Luft befand (seine Shiki waren noch nicht mächtig genug, um zu fliegen), konnte er sich nicht drüber freuen, oder es genießen, war zu sehr in seinen Gedanken versunken. Taki. Ob sie noch lebte, diese Person? Wie alt war der weiß Haarige überhaupt? Er konnte sich nicht vom Gedanken abwenden ihn als Gleichaltrigen einzustufen - ob er wohl absichtlich Menschengestalt angenommen hatte?

Sie erreichten die Villa, der Yokai bekam seinen Teil der Abmachung (der schwarz Haarige war zu Müde, um einen Hinterhalt zu planen) und verschwand genauso lautlos wie er gekommen war, lediglich verraten von dem sanften Ton verschiedener Glocken.

Noch am selben Abend fiel das zukünftige Oberhaupt in sich zusammen, lag die nächste Woche über im Bett, sollte sich genesen.

(Albträume hatte er keine, lediglich ein Yokai erschien ihm, der nach dem Weg fragen wollte, außerdem noch Natori, was allerdings auch durchaus Realität hätte sein können. Der Junge war durch sein Fenster ins Zimmer geklettert, hatte einige Zeit stumm bei ihm gesessen und war dann genauso schnell wieder weg geklettert.)

Und obwohl Seiji sich fest vorgenommen hatte, diesen Vorfall nicht zu vergessen, diese Demütigung niemals aus dem Kopf zu lassen, ging dieses Erlebnis in den folgenden sechs Jahren, gefüllt von Arbeit und Stress, völlig unter.

So war es schließlich, dass sich Matoba Seiji, mittlerweile das Oberhaupt seines Klan, dazu entschloss, einen Tag frei zu nehmen. (Blau zu machen.)
Obwohl alles an diesem Tag, dem vor sechs Jahren so glich, die Kinder im Schlamm, die Menschen im Dorf, die unermüdliche Hitze - dennoch realisierte der schwarz Haarige es erst als er daran dachte, wie durstig er war, Proviant hätte mitnehmen sollen.
Seine Mundwinkel zogen sich nach oben, automatisch fing er an in Richtung Wald zu gehen.

Ob der weiß Haarige ihn wohl wieder nach dem Weg fragen würde?
Diesmal war er stark genug um ihn zu besiegen, zu vernichten, sogar zu unterwerfen. Nicht dass er wirklich erwarten würde, den anderen wiederzusehen, doch wer war er, nicht zumindest einmal nachzuschauen?

"Sensei!"

Drei Jugendliche spielten wie Kinder im Gras. Einer kam auf ihn zu gelaufen, griff nach einer wirklich fetten Katze.
Als er sie hoch gehoben hatte, sich ihre Blicke einen Moment lang trafen, erstarrte der Junge.
Diesmal war keine Arroganz in den grünen Fuchsaugen zu erkennen, lediglich pure Angst, ein stummes Flehen.

"Natsume! Was ist los, kennst du die Person etwa?"

Die anderen Kinder kamen angelaufen, Junge und Mädchen, sahne ihn an als wären sie bereit auf ihn los zu gehen, sollte er dem weiß Haarigen zu Nahe kommen. Wie diese beiden wohl reagieren würden, wenn sie es wüssten? Oder wussten sie es gar? Ein weiterer Blick zum Dämon. Nein, sie wussten es nicht.
Es lag nun alles in seiner Hand, er konnte das niedliche Leben dieser Kreatur in tausend Scherben zerbrechen lassen. Wenn er wollte.

"Ich weiß nicht, tu ich das?"

Die Katze in seinen Armen verzog ihr Gesicht zu einem schadenfrohen Grinsen - jedenfalls so schadenfroh wie eine Katze das konnte - und schmiegte sich etwas mehr an den weißhaarigen Jungen.
Als das Mädchen ihn vorsichtig wegziehen wollte, meinte, dass es doch wenigstens an seinem Geburtstag möglich sein sollte Frieden zu haben, wandte sich Seiji lachend ab, konnte hören wie der Yokai aufatmete.

Die Drei entfernten sich, ließen lediglich die tückische Sonne als Begleiter bei ihm - dennoch fühlte sich das Matoba Oberhaupt nicht im geringsten einsam.

"Natsume also? Meinen Glückwunsch."
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