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Für die, die wir lieben

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
Aro Demetri Felix Jane OC (Own Character)
11.08.2020
23.04.2021
53
89.189
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09.04.2021 1.970
 
Mein Herz fühlte sich an, als ob es explodieren würde. Ich kannte Felix ja nun einige Zeit, aber irgendwie war die Situation von eben so komisch gewesen, dass ich nicht wusste, wie ich mit ihm umgehen sollte. Auf dem gesamten Rückweg sprachen wir kein Wort miteinander. Er blieb sogar hinter mir und ich wünschte mir in dem Moment, dass ich Edwards Gedankenlesen-Fähigkeit hatte. Auch Demetri schwieg, was mich nur noch mehr verwirrte. Er hatte zwar gesagt, das Aro einverstanden war, aber normalerweise war es immer an irgendeine Bedingung gebunden.
Als wir endlich bei den Cullen wieder angekommen waren, lag nur noch leicht der Geruch von menschlichem Blut in der Luft. Carlisle hatte di Plastikbeutel offensichtlich auch sofort entsorgt. In normaler Geschwindigkeit betraten wir das Haus und ich war sichtlich angespannt. Hatte sich Nele beruhigt? Hatte sie ihre „richtigen“ Erinnerungen zurück? Demetri ging zum Glück vor, während Felix wartete, dass ich ihm folgte.
„Ich hoffe ihr hattet eine erfolgreiche Jagd“, begrüßte uns Carlisle freudig, wie immer.
Edward schmunzelte und schaute zwischen Felix und mir hin und her. Natürlich hatte er in unseren Gedanken das ein oder andere gelesen, weswegen ich versuchte seinem Blick auszuweichen. Dieser ging einfach zu Felix und grinste ihn breit an. Dann flüsterte er ihm zu, was ich nur halb mitbekam.
"Wann wirst du es ihr sagen?"
Doch Felix schüttelte nur mit dem Kopf. Es war auch egal,w as zwischen den Beiden nun los war. Es gab wichtigere Dinge.
„Danke der Nachfrage. Wir… haben gegessen. Ja“, sagte ich vorsichtig, da mir klar war, wie alle Anwesenden das hier sahen, mit der Menschenjagd.
„Tz. Tut so höflich. Dabei hat sie gerade Menschen getötet“, sagte Nele und meine leicht, zurückgekehrte, innere Ruhe, wurde wieder in einen Sturm gewandelt.
„Jeder lebt so, wie er es für richtig hält. Deswegen verurteilen wir sie nicht“, sagte Carlisle zu Nele gewandt, die mich verächtlich ansah.
Wir würden also weiter streiten.
„Tz. Sie ist eine Mörderin! Wie kann man sowas trinken?“, giftete sie weiter.
Ich versuchte meine Wut mir nicht ansehen zu lassen und lächelte sie dafür an.
„Liebste Nele. Soll ich dich daran erinner, dass auch DU gerade Menschenblut zu dir genommen hast?“
Das hatte gegessen. Sie schaute mich finster an und ich konnte förmlich die Dolche auf mich fliegen sehen.
„Aber ICH habe keinen getötet. Es waren Spenden!“
„Dennoch Menschenblut“, gab ich knapp zurück.
„Ich bin es so leid, von dir mir mein Leben vorschreiben und bewerten zu lassen!“, brüllte sie mich nun an.
Jetzt waren wir wieder an dem Punkt des Schreiens.
„Ich dein Leben vorschreiben? Wann habe ich denn das getan? Und DU sagst doch dauernd, was an mir nicht stimmt und bewertest mich damit!“
„Nele du darfst dich nicht wandeln. Nele der Kerl ist nicht gut genug für dich. Nele du darfst keinen Sex haben. Nele du sollst studieren. Bla bla bla“
Obwohl ich sauer war, versuchte ich meine Stimme noch gesenkt zu halten.
„Alles ziemlich logische Gründe. Du hättest ein Leben als Mensch haben können und…“
„Das wollte ich aber nicht! Verstehst du das nicht? Du hast dich doch auch entschieden für was anderes!“
„Ich habe es mir NICHT AUSGESUCHT!“, brüllte ich nun.
„Und ob du das hast!“
„Ich würde wirklich vieles dafür tun, die Zeit umzudrehen um diese Tour in Volterra nicht zu besuchen. Dann hätte ich dich nicht in Gefahr gebracht und ich wäre noch ein Mensch!“
Jetzt war es raus. Ich wollte kein Vampir sein. In der Fantasie war es vielleicht erstrebenswert, aber in echt, war es ganz anders. Ich musste mich von Blut ernähren. Kein menschliches Essen mehr. Ich war an Regeln einer Gesellschaft gebunden, die ich kaum kannte. Ich konnte nicht mehr schlafen, träumen. Alle die ich liebte, dachten ich wäre tot, aber ich würde zusehen müssen, wie sie wirklich starben. Ich konnte meine Kinder nicht aufwachsen sehen. Meine Enkel erleben, denn ich konnte keine mehr zeugen. Und das schlimmste war, ich war vielleicht auf ewig verdammt, alleine zu sein. Zwar gab es Gefährten, aber ich hatte es doch bei den Volturis gesehen. Viele von den Vampiren dort waren alt und alleine.
„Nele. Ich hab mein Leben für dich gegeben…“
„Genau da ist das Problem. DU hast uns dahin gebracht. DU hast die Tour gebucht. Daher ist alles was da geschehen ist auch deine Schuld. Von wegen mein Leben gerettet! Das war das mindeste! Wie hätte ich denn nach diesen Ereignisse normal weiter leben können? DU bist für alles verantwortlich!“
Jetzt lag meine Kinnlade irgendwo auf dem Boden. Sie machte mich wirklich für alles verantwortlich. Natürlich gab ich mir oft genug die Schuld, dass ich diese Tour gebucht hatte, aber davon hätte ich doch nichts ahnen können. Niemand hätte das. Und immerhin habe ich mein Leben gegeben für sie. Und mehr als ein Mal.
„Liebes. Übertreibst du nicht?“, fragte Alistair zaghaft.
Sie schlug seine Hand weg und kam auf mich zu.
„Ich war nie genug für dich. Nein. Falsch. Du hast in mir dein Leben gesehen. Alles, was du nie erreichen konntest und nun kannst du es nicht ertragen, das ich einen anderen Weg eingegangen bin. Von wegen lieben. Du hast dein Leben in mir gelebt. Und jetzt mache ich mal meinen Mund auf und sofort bin ich hier die Schuldige? Steck dir deine ideale Vorstellung von dir in mir in den Arsch. Das wird nix! Ich werde nicht deine verzweifelten Hoffnungen, nach Mann, Ehe und Kinder erfüllen! Und auch wenn du noch ein Mensch wärst, wären diese Vorstellungen in deinem eigenen Leben nie wahr geworden.“
Stille.
Ich hatte sie nie in eine Richtung gedrängt. Ich wollte immer nur, dass sie das Beste aus sich holt. Sie war einfach intelligenter als ich. Charismatischer. Aber das hieß doch nicht, dass ich wollte, dass sie mein Leben lebte. Ich hatte sie immer geliebt, egal was sie gemacht hatte. Ich wollte eben nur, dass jemand da war, wenn sie auf die Fresse flog.
„Und weißt du was. Ich bin richtig froh, dass du durch so viel Leid musstest. Tja… Karma bitch!“
Hinter mir knurrte Felix und Demetri gleichzeitig auf. Offensichtlich waren sie nicht gleicher Meinung mit meiner Schwester. Aber sie schaffte es, die beiden Männer zu ignorieren. Sie ging direkt auf mich zu und kam mir so nah, dass unsere Nasen sich fast berührten. Um ihre Lippen war ein diabolisches Grinsen und ich hatte meine kleine Schwester noch nie so hasserfüllt und gemein gesehen wie in dem Moment.
„Du bist eben… ein Monster!“
KLATSCH
Ein Handabdruck war quer über ihre linke Wange zu gesehen. Mein Handabdruck. Noch nie hatte ich meine Schwester geschlagen. Aber in dem Moment konnte ich nicht anders.
„Es gibt Dinge, die man unter vier Augen klären sollte und vor allem in einem normalen Ton Nele. Aber du bist einfach nur ein freches, arrogantes, verzogenes Gör gerade.“
Sie hielt sich ihre Wange und schaute mich geschockt an.
„Wie kannst du es wagen?“, fauchte sie mich an.
„Genauso, wie du es wagen kannst, mich dermaßen zu beschimpfen…“
Das nächste was ich mitbekam, waren Schreie und da Klirren von Glas. Nele hatte sich auf mich gestürzt und wir waren gemeinsam durch das große Wohnzimmer-Fenster in den Wald geflogen. Mit einem lauten Wums landeten wir auf dem schneebedeckten Boden. Alle Luft war beim Aufprall aus meinen Lungen gedrückt worden, was mich eher erschrak, als wirklich beeinflusste. So rasch wie wir gelandet waren, so schnell waren wir beide auch wieder auf den Füßen.
„Du willst einen Kampf. Dann komm her“, brüllte ich.
Sofort war sie wieder bereit sich auf mich zu stürzen. Sie war stärker, was mir bewusst war, aber unerfahren. Sie hatte nie in ihrem menschlichen Leben irgendeine Kampfsportart betrieben. Und ich hatte mittlerweile mit dem Training von Felix genug davon. Ich wisch rasch ihrem ersten Schlag aus und hörte nur einen Baum hinter mir Knacken.
„Wir müssen sie aufhalten“, hörte ich nur irgendjemanden brüllen, den ich aber ignorierte.
Ich musste mich voll und ganz auf meine Schwester konzentrieren um keinen Schaden zu erleiden. Mit jedem Schlag, den sie verfehlte, wurde sie noch wütender.
„Finger weg von ihr“, knurrte irgendwann Felix und dann sah ich Alistair an mir vorbei fliegen.
Offensichtlich war er seiner Frau zur Hilfe geeilt, aber Felix hatte ihn von mir abgewandt. Nun waren einige Vampire gleichzeitig am kämpfen, wobei Carlisle die seinigen versuchte zurück zu halten. Demetri und Felix versuchten mehrere von mir fern zu halten, während ich versuchte meiner Schwester auszuweichen und selbst einen Treffer zu erzielen. Durch das ganze Chaos hatte ich nicht mitbekommen, wie Zeberus auch ins Schlachtfeld geeilt war, bis es zu spät war. Der schwarze Riese machte sich wagehalsig auf einen Sprung, auf meine Schwester zu und knurrte diese tief an. Er schaffte es sogar seine Zähne in ihren Arm zu rammen, was aber bei ihrer Haut keinen Kratzer hinterlassen würde.
„Und dieses Mistvieh! Pah!“, brüllte Nele, ehe sie Zeberus von sich riss und ihn gegen einen Stein schleuderte.
Meine Augen weiteten sich, als ich dieses Geschehen wie in Zeitlupe beobachtete.
Mein kleiner Welpe, der gegen einen Felsen knallte.
Das Knacken von Knochen, das laute Wimmern von ihm und dann der Duft von Blut, der die ganze Luft erfüllte.
Meine Augen waren immer noch auf ihn gerichtet, als ich neben ihn auf den Boden fiel. Seine Augen auf mich gewandt, wimmerte mein Kleiner, leckte mir über meine Hand. Und dann hörte ich, wie sein Herz aufhörte zu schlagen.
Ein Rauschen erfüllte meine Ohren und ich schaute nur auf den leblosen Körper. Alle Schreie um mich herum waren irgendwie erloschen. Meine Kleidung saugte sich mit seinem Blut voll. Auch wenn Blut Vampire rasend machte, so war ich nicht durstig, nicht rasend. Einfach leer.
„Hab ich dich“, hörte ich wie eine weibliche Stimme sagte und spürte dann einen Elektroschock durch mich hindurchgehen. Kate, eine aus dem Denali-Clan hatte mich erreicht und wollte wohl das „Problem“, so lösen, indem ich einfach geschockt werde. Langsam drehte ich meinen Blick zu ihr und konnte ihre Unsicherheit sehen.
„Geh zurück!“, hörte ich jemanden schreien.
Jemanden aus ihrem Zirkel. Offensichtlich wusste er, was ich konnte. Doch anstelle es zu spiegeln, wandte mein Blick zu meiner Schwester. Sie sollte leiden, nicht ich. Langsam ging ich auf Kate zu, die mich mittlerweile los gelassen hatte.
„Fass mich an“, knurrte ich sie an.
Doch sie wollte weg. Im letzten Moment ergriff ich noch ihre Hand. Mehrere Schocks glitten durch meinen Körper, doch ich war schon dabei sie umzuleiten. Ich wollte sie haben. Sie anzapfen. Und dann entlud ich ihre Gabe durch mich und steuerte diese auf Nele, welche zu uns gerannt war. Sofort brach sie zu Boden und wandte sich. Erst als Kate merkte, das was nicht stimmte hörte sie auf, womit auch Neles Schmerzen verflogen. Ich schlug Kate weg und ging zu der kauernden Nele. Ich hockte mich vor ihren, auf dem Boden liegenden Körper. Mit einer Hand, riss ich ihren Kopf, an den Haaren, zu mir hoch und  sprach ruhig.
„Du bist vielleicht stärker als ich, was die Körperstärke angeht. Noch. Aber denk daran, dass sich das ändern wird. Und denk daran, dass ich in diesem Leben als Kämpferin trainiert werde. Solltest du jemals wieder jemanden töten, den ich liebe, werde ich dich jagen. Ich werde deinen Kopf von deinen Schultern reißen und mit Freude deinen Körper mit Feuer anstecken. Ich bin ein Monster in deinen Augen? Du bist hier das Monster. Ich habe nie jemanden angegriffen, den du geliebt hast!“
Pure Angst war in ihren Augen zu lesen, als ich von ihrem Kopf abließ, aufstand und ganz ruhig wieder zu der Leiche meines Hundes ging.
„Mia. Es tut uns leid. Wir…“, begann Carlisle zu reden, doch ich unterbrach ihn.
„Wir werden jetzt gehen.“
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Demetri ins Haus lief. Er würde sicher rasch unsere paar Sachen holen. Dann hob ich die Leiche von Zeberus hoch und ging los.
Schnell.
Weit.
Einfach nur weg.
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