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Letters to home  - Songfic

von Svala
SongficDrama, Familie / P18
OC (Own Character)
11.08.2020
11.08.2020
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Das Leben war nicht einfach, doch Johann hatte es doch gut erwischt. Seine Eltern waren nicht reich, aber auch nicht arm. Sie konnten sich es durchaus mal leisten, auch an einem gewöhnlichen Sonntag den Kindern ein Stückchen Schokolade zu geben. Johann, seine zwei Schwestern und drei Brüder wickelten dann vorsichtig die Schokolade aus dem Papier und brachen ein Stückchen für jeden ab. Johann genoss die Schokolade, genoss es, wie sie langsam auf der Zunge begann zu schmelzen. Seine Freude über diesen süßen Geschmack, so dachte er, könnte von nichts übertroffen werden.

Johann´s Eltern waren so reich, dass er sogar eine Schule besuchen konnte. Er hatte lesen und schreiben gelernt. Viele Kinder aus seinem Dorf mussten ihren Eltern bei der Stall- und Feldarbeit helfen und hatten so nicht die Möglichkeit, von dem strengen Lehrer unterrichtet zu werden. Wenn Johann konnte, nahm er sich abends noch etwas Zeit, um den anderen Kindern zumindest das Lesen beizubringen.

Ja, Johann war zu einem wohlerzogenen jungen Mann geworden. Mit 15 Jahren hatte er sie das erste Mal gesehen. Damals wusste er noch nicht, dass ihr Name Maria war. Das Mädchen hatte ihn verzaubert. Ihr Haar war so braun wie die Schokolade, die er als Kind immer so geliebt hatte. Die Augen strahlten in einem tiefen Blau. Er hätte in diesem Blau versinken können.

Vier Jahre nachdem Johann Maria das erste Mal gesehen hatte, hielt er bei ihrem Vater um ihre Hand an. Die Hochzeit war eine kleine, aber feine Feier. Alle Kinder bekamen ein Stückchen Schokolade. Eine Idee, die Johann einbrachte.

Mit 20 Jahren wurde Johann´s Sohn geboren. Maria hatte die Geburt gut überstanden und Hans war der ganze Stolz der kleinen Familie. Er wusste noch nichts von den Unruhen im Land. Politische Unruhen, die Maria allabendlich in ihre Gebete aufnahm. Sie betete, dass Gott der Vater sich um die Unruhen kümmert, den Menschen den Frieden schenkt. Zu Beginn betete Johann noch mit, er betete um Weisheit für die Menschen, die diese Unruhen auslösen. Als sich die Unruhe aber nur verstärkte und die Telegrafenämter von einem wahrscheinlich bevorstehenden Krieg berichteten, hörte Johann auf mit Beten. Maria betete dagegen immer unermüdlicher und Hans erreichte seinen ersten Geburtstag.

Irgendwann erreichten Johann und die anderen Männer des Dorfes ein Telegramm. Sie wurden gerufen, um Dienst für das Vaterland zu leisten. Im Telegramm war die Rede von einer ehrenhaften Aufgabe. Er solle sich glücklich schätzen, diesen Dienst leisten zu dürfen, sein Land schützen zu dürfen. Sie bräuchten ihn und andere mutige, tapfere Männer, um wieder den Frieden zu bringen.

It was a sunny day
When you learned to stand up
So proud and oh so brave
You made those tiny steps
Right into my arms
The day I went away
They said I had to leave
For glory and for peace
For honour and for boon
It won't be long until
Our enemies are banned
They take me back home soon

Say good bye but not farewell
My little boy
Say good bye and don't you cry
My little boy


Der Tag der Abreise kam schnell. Maria vergoss stille Tränen des Abschieds. Johann vergoss Tränen der Freude und der Sehnsucht. Er wollte bald seine Maria und seinen Hans wieder sehen und gleichzeitig freute er sich darüber, wie Hans zum Abschied seine ersten freien Schritte zu ihm wackelte. Er war so unsicher auf seinen kleinen Beinen, aber freute sich, als er es bis zu seinem Vater geschafft hatte.

Maria steckte ihr mit ihrem Namen besticktes Taschentuch und eine kleine Stoffpuppe von Hans in Johann´s Taschen.

It was a sunny day
When I learned to stand up
So fearful and afraid
I held you in my arms
So warm and so alive
The day I went away
They said I had to leave
For glory and for peace
For honour and for boon
It won't be long until
Our enemies are banned
They take me back home soon
Your picture in my heart
Will give me will and strength
And help me to hold out


Am Zielort angekommen, war nur noch mehr Unruhe spürbar. Die Unruhe über die politische Lage und Aufregung über den bevorstehenden Krieg. Die Offiziere erzählten den Männern von einer strategisch hervorragenden Planung. Es könnte nicht lange dauern, bis sie wieder zu Hause seien. Spätestens an Weihnachten sollten sie im Kreise ihrer Familien den Sieg des Deutschen Kaiserreichs feiern können.

I'll save the world for you
My little boy
I'll save the world for you


Johann schluckte, als er hörte, dass doch beinahe ein halbes Jahr vergehen würde, bis er Maria und Hans wiedersehen würde. Ja, er würde die Welt retten, um sie für Hans besser zu machen. Er sollte keinen Krieg miterleben müssen und dafür würde er, Johann, sein Vater, sorgen.

The winds of darkness will take me away
On wings of blankness I'm going astray
I'm going under
I'm losing my way
I'm freely falling
I'm going astray


Umso weiter Johann und seine Kameraden von der Heimat weg gebracht wurden, umso mehr fühlte Johann die Last des Krieges. Er hatte gelernt, mit Kanonen und Gewehren umzugehen. Er machte sich bewusst, dass er auf andere Männer würde schießen müssen. Männer, die vielleicht auch eine Frau und einen Sohn hatten, Männer, die vielleicht nicht mehr nach Hause zurück kehren würden. Immer wieder rief er sich die Worte der Offiziere ins Gedächtnis, dass diese Menschen auf der anderen Seite seiner Waffe diejenigen sind, die das Deutsche Kaiserreich bedrohen. Die seine Heimat und die seiner Familie wegnehmen würden. Johann rief sich zur Besinnung und sah mit Ehrgeiz nach vorne.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Weihnachten war längst vorbei und Johann war immer noch nicht zu Hause. Auch ein zweites Weihnachten war vergangen und die Kameraden wurden weniger und dann ersetzt. Er hatte schon viele Gesichter kommen und gehen sehen. Nachdem das dritte Weihnachtsfest vergangen war, er weder seine Maria noch seinen Hans sehen konnte, stieg der Ärger in Johann hoch. Was brachte es denn, immer weiter auf andere Männer zu feuern, Bomben und Mienen loszulassen? Was wäre, wenn sie aufhören würden, die anderen zu bekriegen? Könnte dann ein Frieden entstehen? Es waren doch nur Männer auf der anderen Seite, Männer die ihr Leben für ein anderes Land ließen. Wer ist denn der Feind? Ist der Feind der Familienvater auf der anderen Seite?

We're losing time
The days go by
I feel the anger rising high
The days and weeks and months go by
We're lost in time
No foes in sight


Sobald es Johann möglich war, nahm er das Taschentuch von seiner Frau in die Hand, in die andere die alte Stoffpuppe von seinem Sohn. Er fragte sich immer mehr, ob Maria auch jeden Tag an ihn denkt, ob sie um ihn weint und ob sie für ihn betet? Ob Hans ihn wiedererkennen würde? Er war doch noch so klein gewesen, als er ihn verlassen hatte. Vielleicht erzählt Maria ihm von seinem Vater. Erzählt vielleicht davon, wie Johann sich darüber gefreut hatte, dass er dabei war, als Hans begann zu krabbeln.

Johann weinte Tränen des Schmerzes. Die Erinnerungen an Hans und Maria, waren das Einzige, was ihm blieb. Er hatte nur die ersten Schritte von Hans miterlebt. Sie waren noch so wacklig gewesen. So zerbrechlich, wie die Waffenruhe, die zu Weihnachten für ein paar Stunden existierte.

Do you sometimes think of me
Do you remember me
Standing at your side when
You learned to crawl
I have meant to harm
And my heart bleeds for you
If I'm not there when
You learn to fall
I'm sorry for

We're losing time
The years go by
I feel the hatred rising high
Eternities and times go by
We're lost in time
We're lost


Vielleicht hätte sich Johann weigern sollen. Vielleicht hätte er einfach seine Frau und seinen Sohn nehmen sollen und die Heimat verlassen müssen. Immer wieder fragte er sich, ob das nicht besser gewesen wäre. Er würde jedes Leben in Armut mit seiner Familie dem Leben als Soldat ohne seiner Familie vorziehen. Johann machte sich Vorwürfe. Es war Zeit verstrichen, in der er nicht bei seinem Sohn sein konnte und dafür fühlte er sich schuldig.

Do you sometimes think of me
Do you remember me
Standing at your side when you learned to squeak
I'm with you all the time
Although you couldn't see
My heart was there when you learned to speak
I'm sorry for – I'm sorry for


Johann feuerte seine Kanone ab. Ein unglaublicher Knall ertönte und er glaubte, die Männer auf der anderen Seite vor Schmerzen schreien zu hören. Vor wenigen Jahren tat Johann die Seele weh, wenn er ein Huhn zu einem Festtag schlachten sollte. Jetzt richtete er eine Kanone auf Menschen. Und er zündete die Kanone. Johann funktionierte nur noch. Nur dann, wenn er auf dem dünnen Stoff lag, der ihm als Bett diente, erinnerte er sich daran, dass da noch ein Herz schlug. Er wusste nicht, wie lange sein Herz noch weiter machen würde. Es blutete in ihm. Es schmerzte so sehr. Er hatte große Schuld auf sich geladen und würde doch alles am Liebsten rückgängig machen.

I would give all the world to hear your
Sweet voice again
I would give all the world to hear you
Say your own name


Es fiel Johann immer schwerer, das Bild von Maria in seine Erinnerung zu rufen. Den Geschmack und Duft von Schokolade hatte er längst vergessen. Und auch die Erinnerung an Hans mit seinem zarten Stimmchen schwand Stück für Stück.

Maybe I can leave
Maybe they'll let me go
Right into your arms
I might be coming home
It might be over now
But I already feel
The calm before the storm


Die Sehnsucht nach Hause zu kommen war übermächtig. Wie gerne würde Johann seinen Sohn nochmals sprechen hören, wie er seinen eigenen Namen sagte. Das „s“ hatte er etwas gelispelt. Es waren noch nicht alle Zähne da gewesen. Johann glaubte, dass das Lispeln wahrscheinlich daran lag.

Schon lange hatte er keine Frau mehr gesehen, geschweige denn berührt. Natürlich wusste er, dass Frauen in der Nähe waren. Sie waren in den Lazaretten tätig. Es war also ein Glück, wenn er nicht dorthin musste. Auch hätte er Angst, noch mehr von Maria zu vergessen, wenn er mit einer anderen Frau in Kontakt treten würde. Der Wunsch, nach Hause zu kommen, wurde übermächtig.

Die Aufmunterung kam von den Offizieren, die Nachrichten überbrachten. Es war die Rede von Friedensverhandlungen.

Hoffnung kam in Johann auf. Die Hoffnung, dass er vielleicht doch endlich gehen könnte. Er war schon so lange Soldat in diesem Krieg, vielleicht würden sie ihn gehen lassen. Hatte er nicht schon genug Dienst für sein Vaterland erbracht? Er hatte den Feind zurückgeschlagen, gemordet im Auftrag der Politik. Er hatte Gasbomben gezündet, Tretminen vergraben und die Leichen seiner Kameraden beiseite geschafft. Er hatte in seinem Leben, welches noch nicht mal ein viertel Jahrhundert andauerte mehr Schrecken erlebt, als andere wohl in ihrem ganzen Leben.

Johann sprach mit seinem vorgesetzten Offizier. Erzählte, dass er seinen Sohn wiedersehen wolle. Es war ihm egal, ob der Offizier ihn noch für einen vollwertigen Mann erachtete. Johann wollte nur noch nach Hause, seinen Sohn umarmen und seine Frau zärtlich küssen.

Der Offizier gab Johann keine Auskunft. Er würde seine Anfrage weiterleiten. Johann würde dann Rückmeldung bekommen. Es würde wohl ein paar Wochen dauern, bis Johann Rückmeldung hätte.

Ein dicker Kloß machte sich Johann´s Hals breit. Die Hoffnung schwand schlagartig. Nach der Aussage des Offiziers spürte er sie immer deutlicher. Die momentane Ruhe und das Gerede von Frieden, all das war doch nur dazu da, um die Soldaten zu motivieren, den Ehrgeiz erneut in ihnen zu wecken. Es war die Ruhe vor dem Sturm.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Johann hatte Recht behalten. Wie gerne hätte er falsch gelegen, doch der Sturm kam und Johann wusste keinen Ausweg mehr. Er fing an zu beten, betete erst um Frieden für die Welt, um Weisheit für die Mächtigen, um Einsicht der Schuldigen. Dann betete er irgendwann nur noch für seine Familie und dass die fallenden Kameraden nicht lange leiden müssten. Und Johann sah sie sterben.

When the bombs are falling
Down the earth is breaking
Bullets cut the air around
My head is shaking
Splinters all around
The air is burning
I see blood, bones, guts, skin
Faith, love, devestated


Bomben fielen, bei jedem Aufprall erschütterte es die Erde, auf der Johann sich manchmal nicht mehr halten konnte. Eine Kugel traf den Kameraden, der neben ihm sich im hohen Gras versteckt hatte. Es war keine Bewegung möglich, keine Chance zum Rückzug. Die Luft brannte um ihn herum.

Johann betete, schrie zu Gott, er möchte doch endlich ein Wunder wirken. Es machte keinen Unterschied, ob Johann leise oder laut betete. Der Bombenhagel überdeckte jedes Geräusch. Wieder traf ein Geschoss, diesmal den Kameraden auf der anderen Seite. Das Geschoss hatte den Körper des betagten Mannes in Teile gerissen. Blut war überall zu sehen, Knochen lagen offen. Johann wollte nicht wissen, welches Organ dort offen lag. Der Geruch war beißend und Johann hörte auf zu beten.

Body parts are shredding
Fire storms are raging
Shrapnels tear our souls apart

We're overtaking
Love with hate and death
Explosions take our breath
We're blind, deaf, black, cold
Never be the same again

No one survived
Am I the only one who's left?
Nobody is alive
Am I the only one to crawl back home?


Überall war der Tod. Johann selbst konnte sich kaum noch rühren. Sein linkes Bein schmerzte nachdem er von einer Schrapnelle getroffen wurde. Das rechte Bein hatte eine nahe eingeschlagene Bombe bereits abgerissen. Notdürftig hatte er sich den Stumpf abgebunden, sodass er zumindest nicht verblutete. Der Tod war allgegenwärtig.

Die Luft war durch die aufgewirbelte Erde so staubig, dass kaum noch die Hand vor Augen zu sehen war. Mit letzter Kraft zog sich Johann über den Boden zurück. Irgendwann verlor er das Bewusstsein, der letzte Gedanke war eine verschwommene Erinnerung von Hans´ Grinsen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Johann wusste nicht, wie ihm geschah. Er hatte doch wieder ein Teil seines Bewusstseins zurück erlangt. Doch etwas war anders als zuvor. Der Schmerz war überwältigend, brachte eine alles einnehmende Kälte mit sich. Johann schloss die Augen, glaubte für einen Moment zu schweben und vergaß, dass ihm ein Bein fehlte. Ja, er würde nach Hause zurück kehren.

I feel so cold but still I'm able to feel
I see no colors but still I'm able to see
I feel like floating but I am still in my shoes
My feet will carry me right back to you


Zurück nach Hause, zu Maria und Hans, seinem Sohn.

Um Johann wurde es leicht. Die Schmerzen verschwanden immer mehr. Ein bisschen fühlte es sich an, als würde er im Wasser treiben. Endlich würde er nach so langer Zeit seinen Sohn wieder sehen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Es trug Johann wieder zurück in die Heimat. Zurück zu seinem Sohn und zu seiner Frau. Er würde mit Hans und Maria eine ganze Tafel Schokolade essen, einfach so, weil er wieder zurück war.

It was a sunny day
When I learned to stand up
With scars and broken bones
I made those tiny steps
Back into your arms
That you won't be alone


Dann würde Hans seinen Vater wieder haben. Er würde ihn nie wieder alleine lassen. Johann würde Hans die Welt zu Füßen legen und ihm alles ermöglichen, wenn Hans ihn um etwas bittet.

I can't wait to see you smile
Your little heart beat next to mine
And kiss away your tears
The skyline feels like home
I can smell the scent
Of flowers so well known


Natürlich würde Hans ihn vermisst haben. Johann rannte in Richtung Heimat, er konnte das Dorf in der Ferne schon erkennen. Unbändig war die Freude in ihm, Hans wieder zu sehen und Maria in die Arme zu schließen. Er würde sie beide an die Hand nehmen und mit ihnen so weit wie möglich in die Ferne zu gehen. Dorthin, wo niemand etwas von dem Krieg erleben musste. Dorthin wollte er fliehen, um nie wieder an die schrecklichen Bilder vom Schlachtfeld erinnert zu werden. Noch einige Meter, dann konnte er das Häuschen sehen, indem Maria, Hans und er gewohnt hatten.

Now I can see you from afar
Look how tall you are
Will you remember who I am?
I'm calling out your name
But you don't seem to hear
I'm calling out your name again


Maria und Hans waren nicht zu Hause, aber dort kam seine Frau mit einem Buben an der Hand auf das Haus zu. Wie groß sein Sohn geworden war. Er konnte seine eigenen Züge in Hans wiedererkennen. Das schokoladenbraune Haar hatte er jedoch von seiner Mutter geerbt. Eine plötzliche Unsicherheit erklang in Johann. Würde Hans seinen Vater erkennen? Vielleicht würde er die Gesichtszüge von sich selbst in seinem Vater wiedererkennen.

Johann rief den Namen, doch Hans hörte ihn nicht.

Johann rief den Namen, doch Hans hörte ihn auch beim zweiten Mal nicht.

Now I stand in front of you
You look straight through me like air
I'm reaching out my hand
Now I can see you smile
Standing up and run into
The arms of this strange man


Weniger als einen Meter war Hans nun von seinem Vater entfernt. Hans hob einen Stein vom Boden auf, es war einer der Steine, die in weiß strahlten. Johann lächelte, als er sah, dass Hans den Krieg nicht erlebt hat und durch ihn schuldig wurde. Nein, sein Sohn war noch immer ein unschuldiger Knabe und das freute Johann ungemein.

Johann streckte seine Hand nach Hans aus, wollte ihm durch die Haare fahren.

Hans blickte auf, fing an zu strahlen und richtete sich auf. Hans strahlte, doch es war nicht Johann den er sah.

Johann konnte keine Unsicherheit mehr in den Schritten von Hans erkennen. Sie waren nicht mehr wacklig, wie während der ersten Versuche an Mutter´s und Vater´s Hand. Hans´ Schritte gingen näher auf Johann zu und dann durch ihn hindurch. Hinter Johann hatte ein Fremder die Türe seines Hauses geöffnet. Ein Fremder, der nun Hans auf seine Arme hob.

Ein Fremder, der die Lippen seiner Frau zärtlich küsste.

Ein Fremder, der an diesem besonderen und gewöhnlichen Sonntag Hans die Schokolade reichte.

The winds of darkness will take me away
On wings of blankness I'm going astray
I'm going under – I'm losing my way
I'm freely falling – I'm going astray


Johann spürte keine Trauer mehr. Er spürte nichts mehr. Noch als er sich an einen gefühllosen Gedanken klammerte – dass es seinem Sohn und seiner Frau gut geht – nahm die Leere von ihm Besitz. Die Welt um ihn herum fiel in sich zusammen, als würde er von einer Welle unter Wasser begraben werden. Nichts konnte Johann nun noch halten. Er fiel.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Vielen Dank für´s Lesen! Ich hoffe, ich konnte die Emotionen, die mich beim Hören von Letters to home begleitet haben, einigermaßen in Worte fassen.

Zur Info noch: Die Charaktere in der Geschichte sind frei erfunden, aber meiner Interpretation aus dem Songtext nach empfunden. Die Erlebnisse habe ich aus dem Songtext entnommen sowie einige selbst hinzugedichtet.

Falls Ihr eine Übersetzung des Songtextes haben möchtet, bitte ich um kurze Nachricht.
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