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Sommerabend

von CUtopia
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
11.08.2020
11.08.2020
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Add on zu Folge 431 - Freibad

Angesichts der aktuellen Hitzewelle fand ich, dass die Folge und die Geschichte sehr gut passen :D Ich hoffe euch gefällt, was dabei rausgekommen ist!

Danke an Kaffeetante, die mich auf die Folge aufmerksam gemacht hat :)

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Sommerabend


Ich verrate dir jetzt mal ein Geheimnis. Pistazie. Damit kriegst du alle rum.”

oOo


Es war schon Abend, doch die Hitze hielt sich noch immer in Hamburg und machte die Luft stickig als Regina Küppers aus der Wache kam. Wie gerne hätte sie bei diesem Wetter früher Feierabend gemacht, aber mal wieder war ihr etwas dazwischen gekommen. Umso schöner war nun der Gedanke an eine erfrischende Dusche, gemütliche Klamotten die ihr nicht schon den ganzen Tag am Leib geklebt hatten und ein erfrischendes Getränk auf der Hotelterrasse.

Das Revier war bei dieser Hitzewelle wirklich zu einer Sauna geworden.

Sie wollte gerade ihr Auto aufschließen, als sie stutzte - direkt neben ihrem BMW stand der Ford von Dirk Matthies. War er nicht schon am Nachmittag in den Urlaub aufgebrochen?

Na endlich, ich dachte schon Sie wollen da drin übernachten.”

Regina drehte sich um und lächelte überrascht als sie Dirk im Schatten des Gebäudes sah, lässig an die kleine Mauer vor der großen Fensterfront gelehnt. Dieses schiefe Grinsen das seine braunen Augen leuchten ließ lag auf seinen Lippen, und Regina merkte dass ihre Wangen etwas wärmer wurden.

Ich… ich hatte noch ein bisschen Papierkram, den ich fürs LKA fertig machen musste,” erklärte sie und fuhr sich verlegen durch die kurzen Haare während ihr Blick über das mal wieder viel zu weit aufgeknöpfte Hawaiihemd huschte, das er schon früher am Tag getragen hatte. “Ich dachte Sie wären schon auf dem Weg in den Urlaub.”

Ich fahr erst morgen früh, bei der Hitze will ich nicht mehr auf die Autobahn.”

Verständlich.”

Regina nickte und wollte ihn gerade fragen, warum er trotz Urlaub nochmal zur Wache zurückgekommen war, als sein Lächeln etwas intensiver wurde und er sich leicht vorbeugte. “Ich wollte Sie fragen, ob ich Sie auf ein Pistazieneis einladen darf.”

Ihr Herz machte einen Hüpfer, so wie damals auf der Repsold als er ihr gesagt hatte, dass sie sich ähnlicher waren als sie ahnten und sie überzeugt gewesen war, dass er sie küssen würde. Und nun schoss die gleiche Mischung aus Nervosität und Freude durch sie wie an jenem Abend und ihre Gedanken rasten ein wenig als sie seine EInladung analysierte…

Doch diesmal überwand sie sich, schob die Zweifel beiseite und lächelte ihn an. “Sehr gerne. Ich liebe Pistazieneis.”

Gut. Darf ich bitten?”

Dirk bot ihr seinen Arm an und sie hakte sich ohne zu zögern bei ihm ein; augenblicklich verstummten die Gedanken in ihrem Kopf und sie entspannte sich. Der Stress der letzten Tage war vergessen als er ihr die Beifahrertür seines Fords aufhielt und das Radio aufdrehte bevor er losfuhr.

oOo


Und, wo geht Ihr Urlaub nun hin?” fragte Regina als sie die Eiswaffel mit einem breiten Lächeln von ihm entgegennahm und sie sich zusammen auf einer Bank direkt an der Elbe niederließen - Dirk hatte versprochen dass die kleine Eisbude am Fischmarkt das beste Eis der Stadt verkaufte.

Ihre Schultern streiften sich und sie wussten beide dass sie mal wieder viel zu nahe beieinander saßen, doch das war egal. Sie wollten einfach nur diesen Moment genießen und an nichts anderes außer das hier und jetzt denken.

Ostsee, hab da noch eine kleine Ferienwohnung bekommen, direkt am Wasser.”

Da werde ich glatt ein bisschen neidisch. Bei diesem Wetter wäre es traumhaft, einfach mal nichts zu tun.”

Sie probierte ihr Eis und musste zugeben dass sie tatsächlich noch nie ein besseres gegessen hatte; Dirk grinste frech und streckte die Beine aus. “Kannst ja mitkommen. Mit Krabbes Erkältung wird es die nächsten Tage auf der Wache bestimmt nicht angenehm.”

Ach, erinner mich nicht daran. Wie schafft man es, sich bei 37 Grad im Schatten und einem nicht klimatisierten Büro zu erkälten?” regte Regina sich auf, dann machte sie schnell eine abwinkende Geste. “Hören wir auf damit, ich habe Feierabend. Und leider erst wieder im September Urlaub. Bis dahin muss ich mich mit dem Hotelpool auf der Dachterrasse begnügen.”

Schade.”

Sie wechselten einen langen Blick bevor Regina sich wieder auf ihr Eis konzentrierte. Theoretisch hätte sie mit ihren vielen Überstunden wirklich mitkommen können… aber das war ein Schritt bei dem sie nicht wusste, ob sie genug Mut dafür hatte. Dirk und sie waren sich so nahe und es war beiden klar, was sie füreinander empfanden, aber keiner von beiden hatte bisher gewagt, es laut auszusprechen oder ihre Beziehung in die Richtung zu bewegen, die ihren Gefühlen angemessen war.

Für einige Minuten herrschte Schweigen zwischen ihnen und sie blickten auf den Hafen hinaus während sie sich mit ihrem Eis beschäftigten, aber es war keine unangenehme Stille. Im Gegenteil - es wurde dadurch nur noch deutlicher, wie sehr sie die Anwesenheit des anderen schätzten.

Nachdem sie ihre Waffel weg geknabbert hatte, konnte Regina eine Frage, die ihr schon ein wenig länger im Hinterkopf herumschwirrte, nicht mehr zurückhalten. “Sag mal, was hast du dem Jungen eigentlich für einen Tipp gegeben?”

Sie schauten sich an und Regina legte fragend den Kopf schief als er leise auflachte und dann den Kopf schüttelte. “Das bleibt mein Geheimnis. Aber es funktioniert.”

Mal wieder hielten sie den Blickkontakt sehr lange, und Dirk hob eine Hand und strich ihr mit dem Daumen über den Mundwinkel; ein wohliger Schauer durchzog Regina und sie musste ihn überrascht angestarrt haben, da er verlegen die Hand zurückzog. “Du… du hattest da einen Krümel von der Waffel.”

Oh… danke…”

Ein Teil von ihr war enttäuscht, dass er seine Hand zurückzog, und Regina wischte sich schnell mit dem Handrücken über die Mundwinkel während er sich räusperte. Sie waren mal wieder auf dieser unsichtbaren Linie zwischen ihnen, und Bedauern machte sich in ihr breit als sie realisierte, dass gleich ein Rückzug folgen würde…
Das passierte immer, wenn es zwischen ihnen zu sehr knisterte, und sie wusste nicht, wie sie diesen Kreislauf durchbrechen sollte ohne alles zu gefährden...

Wollen wir noch was trinken gehen?”

Regina erstarrte vor Schock - damit hatte sie absolut nicht gerechnet. Die ganze Sache nahm gerade einen neuen, unerforschten Kurs, und sie wusste dass sie, wenn sie vernünftig war, eigentlich ablehnen sollte. Sie war noch immer seine Chefin, und mit Kollegen etwas anzufangen brachte nur Chaos…

Aber andererseits… wie lange wollten sie denn noch umeinander herumtanzen? Irgendwann würde es zu spät sein, und den Tag wollte sie nicht erleben. Und keiner von ihnen wurde jünger, also warum noch länger Abstand bewahren?

Dirk rieb sich schon peinlich berührt den Nacken und räusperte sich als wolle er sich gleich entschuldigen als Regina endlich ihre Gedanken sortiert hatte, und die Angst davor, dass er einen Rückzieher machen könnte, ließ die Worte nur so aus ihrem Mund purzeln: “Sehr gerne, ja. Was trinken klingt sehr gut.”

Ein erleichtertes Lächeln hob seine Mundwinkel und steckte sie augenblicklich an. Sie atmete tief durch und fühlte sich befreit - endlich war der Schritt über die unsichtbare Linie zwischen ihnen getan, und es war einfacher gewesen als sie es sich vorgestellt hatte. Es war ein gutes Gefühl, und obwohl ihr Herz vor Aufregung hüpfte als wäre sie ein frisch verliebter Teenager, war sie vollkommen entspannt als sie aufstanden und sie kurzerhand Dirks Hand nahm.

Wohin darf ich die Dame denn ausführen?”

Ich möchte irgendwo hin, wo wir den Sonnenuntergang über dem Wasser anschauen können,” antwortete sie sanft und drückte seine Hand ganz leicht; es war als würde sie schweben als er sie für einen langen Moment einfach nur anschaute, ein Leuchten in seinen braunen Augen.

Dein Wunsch ist mir Befehl. Ich weiß da schon den perfekten Ort.”

Als sie langsam zurück zu seinem Auto schlenderten, wunderte sich Regina ein wenig über das triumphierende Schmunzeln, das über sein Gesicht huschte als er sich unbeobachtet zu fühlen schien, doch sie war in diesem Moment zu glücklich um nachzuhaken.

Sie würde es ihm schon irgendwann entlocken, da war sie sich sicher.

Und bis dahin würde sie mit ihm zusammen diesen Sommerabend und den Anfang von etwas völlig Neuem genießen.

ENDE
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