forest of ravens

GeschichteRomanze, Fantasy / P12 Slash
Ciel Phantomhive Sebastian Michaelis
11.08.2020
27.09.2020
15
14.134
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16.09.2020 686
 
„Und Sie wollen das wirklich tun?“, fragte Victoria zum wiederholten Male. Diese Frage hatte sie im Laufe des Telefonats so oft gestellt, dass Sebastian sich mittlerweile sicher war, dass es mindestens die Hälfte ihres Redeanteils in Anspruch genommen hatte. Er seufzte vom Telefonhörer entfernt, hielt ihn dann näher an seinen Mund. „Ja, Misses Queen. Ich werde wirklich gerne an dem Mittelaltermarkt und dem Turnier teilnehmen.“, wiederholte er und schaffte es, nicht genervt zu klingen.

Nachdem er sich von den Phantomhives verabschiedet hatte und nach Hause gegangen war, hatte er gleich im Internet nach den Veranstaltern des Fests gesucht und sie am nächsten Morgen angerufen. Es war die Nachbarin der Familie Phantomhive, die mit ihm das Anmeldeformular am Telefon durchging und ein Zelt auf dem Markt in dem er wahrsagen würde einplante. Zwar kam Sebastians Anruf kurzfristig, aber er bot einen so seltenen Service an, dass er gerne genommen wurde. Sie hatten noch nie Wahrsagungen auf dem Markt gehabt, aber die Nachfrage war da. Nachdem er sich von Victoria verabschiedet hatte, legte Sebastian auf und lief summend in seine Küche.

Draußen war der Wald noch nass vom Regen letzte Nacht und die Raben hatten sich beleidigt aufgeplustert. Einer von ihnen stakste krächzend über den Küchentisch auf Sebastian zu und ließ sich von ihm hochheben und wie ein Baby in den Armen halten. „Kannst du es fassen? Ich werde echt bei dem fest mitmachen. Und das nur wegen Ciel. Wie typisch. Dieser süße Junge könnte mich zu allem bringen.“, erzählte er dem Raben fröhlich. Der Vogel krächzte und beäugte Sebastian. „Ja, ich weiß, was du denkst.“, seufzte Sebastian, holte einen Haferkeks und gab ihm ihn. Kopfschüttelnd setzte Sebastian den Raben zurück auf den Tisch und wandte sich ab. „Ihr habt keinen Sinn für die Liebe, alle miteinander nicht. Wenigstens habt ihr sonst auch keinen Sinn für etwas, also kann ich euch keinen Vorwurf machen.“, murmelte er.

Immer noch kopfschüttelnd holte Sebastian die Schale mit den Zecken und eine der Schalen mit dem Regenwasser von gestern und ging damit aus der Küche. Gleich hinter der Küchentüre waren zwei weitere Türen. Eine führte nach oben in den Dachboden, die andere nach unten in den Keller. Sebastian ging die Wendeltreppe in den Keller hinunter. Der Keller lag im Erdreich, Boden und Wände waren aus Stein. Es war kühl hier und Sebastian hatte kein elektrisches Licht installiert. Er zündete Kerzen an die an Kerzenständern, die in der Wand befestigt waren, steckten. „Also dann, wie hieß er gleich wieder, dieser Junge, der Ciel geärgert hat?“, murmelte Sebastian. Während er an den Namen dachte ging er in dem runden Raum herum.

Auf der polierten Fläche in der Mitte malte er mit Wolfsblut aus den Zecken ein Symbol. Aus den Regalen, die sich an den Wänden entlang zogen und ähnlich wie die in der Küche aussahen, holte er eine Wachspuppe mit Stroh als Haar und ein Büschel getrockneter Eisenhut. Die Regale hier, obwohl sie mit Kräuterbündeln und Einmachgläsern befüllt waren, wie in der Küche, sahen doch recht anders aus. Sebastian legte die Puppe in die Mitte der Zeichen und bestreute sie mit der Pflanze, die er zwischen den Händen zerrieb. „Edgar Redmond.“, murmelte er. Von seiner Fröhlichkeit war nichts mehr zu sehen. Er dachte an die Geschichte, die Ciel im späteren Verlauf des Abendessens erzählt hatte. Von dem älteren Jungen, der ihm aus Spaß gedroht hatte, ihm die Haare abzuschneiden, obwohl Ciel ihm nichts getan hatte.

Einige Kilometer entfernt im Dorf stand Edgar Redmond gerade singend unter der Dusche und bewunderte seine eigene Stimme. Er schäumte sich das Haar mit Shampoo ein und kratzte sich die plötzlich juckende Kopfhaut. Er bekam etwas Shampoo ins Auge und musste für den Rest der Dusche die Augen zusammen kneifen, daher merkte er die blonden Haare, die sich im Abfluss sammelten nicht. Erst als er aus der Duschkabine stieg und sein Haar trocknete, fiel ihm auf, wie viele seiner Haare im Handtuch hängen blieben. Ärgerlich über den Verlust bürstete er pflegende Öle in seine Haare, doch dafür war es zu spät. Mit jedem Bürstenstrich fiel mehr aus. Irgendwann schrie Edgar seine fast kahle Reflektion im Spiegel an.
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