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forest of ravens

GeschichteRomanze, Fantasy / P12 Slash
Ciel Phantomhive Sebastian Michaelis
11.08.2020
20.10.2020
16
14.743
5
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
11.08.2020 1.853
 
Diese Geschichte findet man auch auf Ao3, wo ich den Benutzernamen Dawnlightsilhouette habe, auf Englisch.

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Frustriert kickte Ciel einen Stein weg als er den Pfad durch den Wald entlang ging. Er mochte es hier überhaupt nicht. Nicht bezogen auf den Wald sondern darauf, dass seine Eltern mit ihm in die Kleinstadt neben dem Wald gezogen waren. Er fand keine Freunde und in der Schule wurde er geärgert und wegen seiner verschiedenfarbigen Augen verspottet. Der Wald hier war das Einzige, was ihm bisher an dem neuen Ort gefiel. Er mochte die Natur und genoss die frische Waldluft, die von dem holzigen Geruch der Bäume und dem erdigen Aroma des moosbedeckten Bodens erfüllt war. Das Sonnenlicht schien durch die dichten Baumkronen auf den Boden und beschrieb Muster auf den Blättern der Pflanzen. Ciel lief einen Trampelpfad entlang, der nur selten von den Leuten benutzt wurde. Ciel folgte dem Pfad, bis er an einen kleinen Fluss kam. Abgelenkt von dem Glitzern des Wassers, merkte Ciel nicht, dass auf dem Weg vor ihm eine Wurzel hervor ragte. Er stolperte und rutschte in den Bach.

Ciel strampelte und schnappte nach Luft. Das Wasser war überraschend kalt und viel tiefer als er geschätzt hätte. Ciel geriet in Panik, da er kein besonders guter Schwimmer war, doch ehe er gänzlich untergehen konnte, packte jemand ihn unter den Armen und zog ihn hoch. Ciel hustete und atmete schnell, klammerte sich an seinen Retter als würde er nie wieder loslassen wollen. Er wurde von starken Armen festgehalten und an das Ufer des Flusses getragen, wo er auf einem großen, flachen Stein abgesetzt wurde. Ciel zog die Knie an und legte die Arme um sich. Er war klatschnass und fror so stark, dass er trotz des sonnigen Wetters stark zitterte. „Geht es dir gut?“, hörte er eine tiefe Stimme fragen und im nächsten Moment legte sein Retter ihm ein Hemd um die Schultern. Als Ciel aufsah, stellte er fest, dass der attraktivste Mann, den er sich nur vorstellen konnte ihm gegenüber auf dem Boden saß. Er war groß und muskulös, wie man gut sehen konnte, da er sein Hemd ausgezogen hatte, bevor er in den Fluss gesprungen war, um Ciel heraus zu fischen. Besagtes Hemd war für Ciel groß genug um sich darin einzuwickeln, was er auch tat, größtenteils, weil er fror, aber auch in der Hoffnung, die Röte seiner Wangen zu verstecken. Der Mann strich sich ein paar Strähnen seinen rabenschwarzen Haares aus dem wunderschönen Gesicht und lehnte sich näher zu Ciel um ihn ganz genau ansehen zu können. Obwohl er auf dem Boden und Ciel auf einem großen Stein saß, waren sie auf Augenhöhe, was einen Eindruck darauf, wie viel größer als Ciel er war zuließ. Seine Augen waren mandelförmig und schienen dunkelrot zu sein. Ciel war in seinem blick förmlich gefangen. Spätestens als der Fremde vorsichtig eine Hand an Ciels Wange legte, war er so verlegen, dass er kein Wort mehr hervorbringen konnte.

Der Mann runzelte die Stirn und strich Ciel das Haar aus dem Gesicht. „Du bist ganz ausgekühlt. Wenn du den ganzen Weg zurück in die Stadt gehst, wirst du dich auf jeden Fall erkälten. Ich denke am besten kommst du mit zu mir nach Hause. Ich werde dir etwas Kleidung leihen und dir einen Tee machen.“, schlug er vor und hob Ciel ohne eine Antwort abzuwarten hoch. Ciel errötete noch mehr als er von dem gutaussehenden Fremden im Brautstil durch den Wald getragen wurde. Unterwegs versuchte Ciel einen besseren Eindruck von ihm zu bekommen und musterte ihn genau. Der Mann hatte längere Haare als andere Leute als maskulin erachten würden, aber nicht lange genug, um seine Schultern zu erreichen. Sie waren dicht und schwarz und mindestens eine Strähne fiel ihm immer ins Gesicht. Ciel juckte es in den Fingern danach zu greifen, aber er riss sich zusammen. Stattdessen ließ er seinen Blick über die Arme des Mannes gleiten. Sie waren sehr stark, für diesen Mann wog Ciel gar nichts, und teilweise tattoowiert. Verbunden durch schwarze Ranken konnte Ciel unterschiedliche Tierfiguren, wie zum Beispiel einen Wolf und eine Fledermaus erkennen und auf seinem linken Handrücken hatte er ein Pentagramm. Seine Finger waren relativ lang und dünn und die Fingernägel waren schwarz. Der Mann trug eine abgewetzte Jeans, war barfuß (seine Zehennägel waren ebenfalls schwarz) und hatte einen Lederbeutel umhängen, das Shirt, das er Ciel gegeben hatte war dunkelblau und schwarz kariert.

Der Mann trug Ciel schnell und zielsicher durch den Wald, ob er einem bestimmten Weg folgte ließ sich nicht erkennen, der Boden war mit Moos bedeckt. Ciel wollte schon fragen, wo sie eigentlich genau hingingen, doch da bemerkte er, dass sie bereits angekommen waren. Im ersten Moment hatte Ciel das Haus gar nicht bemerkt, da es über und über mit Moos und Kletterpflanzen bewachsen war und in keinem Abstand zu den Bäumen um es herum stand. Die Wände waren aus Stein und es fügte sich optisch perfekt in seine Umgebung ein. Auf dem Dach und in den Bäumen rund herum saßen jede Menge Raben herum, ein paar von ihnen schienen sie zu beobachten. Auf der Veranda stand ein Schaukelstuhl neben einem kleinen Tisch und dort hing eine Hängematte in der sich eine schwarze Katze zusammen gerollt hatte. Eine zweite, getigerte Katze lief dem fremden Mann entgegen, als er zur Haustüre herein kam. Der Mann gegrüßte sie mit einem Murmeln, machte aber nicht halt, sondern lief eine kurze Treppe hinauf und trug Ciel direkt ins Schlafzimmer. Das Zimmer war zwar nicht besonders groß, aber groß genug um ein Kingsize Bett und einen Kleiderschrank darin unterzubringen. Vom Fenster aus konnte man direkt in die Äste eines Baumes sehen und Ciel entdeckte ein Vogelnest. Der Mann setzte Ciel auf seinem Bett ab und öffnete den Schrank. Er nahm ein Handtuch heraus und reichte es Ciel. „Hier. Du kannst dir wenn du trocken bist ein paar Kleidungsstücke aussuchen. Egal welche. Ich gehe in der Zwischenzeit in die Küche.“, sagte er, lächelte Ciel zu und verließ das Zimmer.

Ciel seufzte. Er musste verrückt geworden sein, sich einfach so von einem fremden im Wald herum schleppen zu lassen. Trotzdem trocknete er sich mit dem Handtuch ab und zog seine nassen Sachen heraus. Dann warf er einen Blick in den Schrank. Allem Anschein nach hatte der Fremde eine ganze Sammlung an Hemden, egal ob sie nun Flannelhemden oder einfarbig schwarz oder weiß waren. Generell war schwarz anscheinend seine Lieblingsfarbe. Ciel wollte nicht zu viel herum stöbern. Es wäre unhöflich. Er schnappte sich einfach einen schwarzen Pullover, mehr brauchte er nicht. Das gute Stück hing ihm bis über die Knie, er könnte sich darin zusammenrollen. Ciel fand auch ein Paar Socken, zog sie an und ging dann aus dem Zimmer. Zwar wusste er nicht, wo genau die Küche war, aber das Haus war nicht groß genug, um sich darin zu verlaufen. Ciel ging die Treppe hinunter und befand sich nun anscheinend im Wohnzimmer. Eine weinrote Ledercouch und ein dazu passender Sessel standen vor einem Kamin. Neben einem geöffnetem Fenster, in dessen Rahmen ein Rabe saß und sein Gefieder putzte, stand ein großer Tisch auf dem ein Laptop, ein Mörser, ein Buch und jede Menge Kräuter Bündel verstreut lagen. Auch an den Wänden hingen ein paar Kräuterbündel und hier und da stand ein Kerzenständer. Ciel ging durch eine Tür die von dem Wohnzimmer aus in den hinteren Teil des Hauses führte und kam in einen kurzen Flur mit drei weiteren Türen. Die, die ihm gegenüber lag, stand offen und Ciel ging hindurch. Tatsächlich kam er nun in der Küche an, die beeindruckend groß war. Hier waren noch sehr viel mehr Kräuterbündel, sie hingen von den Wänden und der Decke, in den Regalen waren haufenweise Einweggläser mit allem möglichen Zeug darinnen und etliche Bücher.

Der Fremde stand an dem großen Tisch in der Mitte und platzierte eine dampfende Kanne, zwei Tassen und einen Teller mit Keksen auf einem Tablett. Neben ihm war das Fenster weit offen und auch in dessen Rahmen saßen zwei Raben. Ein dritter hockte auf der Schulter des Fremden und ein vierter stakste auf dem Tisch herum. Als der vierte Ciel sah, krächzte er und flatterte auf ihn zu, doch ein Zischen des Schwarzhaarigen brachte ihn scheinbar dazu seine Meinung zu ändern. Er flog einen Bogen und landete schließlich auf der ausgestreckten Hand des Mannes. „Entschuldige bitte, er wollte dich nur begrüßen. Kein Grund zur Sorge.“, erklärte der Mann, als wäre es das normalste der Welt. Er setzte den Raben zurück auf den Tisch, dann nahm er das Tablett und ging von Ciel gefolgt ins Wohnzimmer. Der Rabe auf seiner Schulter flog davon, als der Schwarzhaarige sich auf dem Sofa setzte und Tee eingoss. Als er sich über den kleinen Sofatisch lehnte, sah Ciel, dass er auf dem Rücken einen lateinischen Schriftzug tattoowiert hatte. Er hatte sich noch kein Shirt angezogen. Als Ciel sich setzte, reichte der Fremde ihm eine Tasse, dann holte er eine Decke und legte sie um Ciel.

„Äh... Rabenmann?“, fragte Ciel, als der Schwarzhaarige sich wieder neben ihn setzte und die Decke zurecht zupfte. Irritiert sah er auf. „So hat mich noch niemand genannt.“, sagte er verwundert. Ciel senkte verlegen den Blick. „Du hast dich nicht vorgestellt.“, rechtfertigte er sich. „Ach ja. Ich heiße Sebastian. Ich bin Sebastian Michaelis, der Eigentümer dieses Waldes. Es freut mich dich kennen zu lernen.“, sagte er und hielt Ciel die Hand entgegen. Ciel reichte ihm seine Eigene und zu seiner Überraschung schüttelte Sebastian sie nicht, sondern drückte einen sanften Kuss auf Ciel's Fingerknöchel. Sebastian senkte seine Hand wieder und ließ Ciels dabei nicht los. „Verrätst du mir auch deinen Namen?“, fragte er lächelnd. Ciel senkte den Blick und hoffte, dass er nicht so rot wurde, wie er befürchtete. „Ich heiße Ciel. Ciel Phantomhive.“, erklärte er leise. Sebastians freie Hand legte sich an sein Kinn und er brachte ihn sanft dazu, wieder zu ihm zu sehen. „Sag mir, Ciel, wieso stolpert eine junge Schönheit wie du weit entfernt der offiziellen Waldwege in einen Fluss?“, wollte Sebastian wissen. Also fing Ciel an zu erzählen. Sebastian war ein guter Zuhörer und ehe Ciel es sich versah, hatte er ihm alles über den Umzug und seine Probleme damit sich einzugewöhnen erzählt.

Gedankenverloren streichelte Sebastian über Ciels Hand. „Ich verstehe. Wenn du mir die Bemerkung gestattest, ich glaube du machst dir zu viel Druck. Du musst doch nicht sofort mit allem zurecht kommen. Es ist normal das es Zeit braucht, sich an einem fremden Ort einzuleben.“, sagte er schließlich. Ciel nickte. „Ich schätze du hast recht.“, murmelte er. Die Wärme, der entspannende Tee und Sebastians Fürsorglichkeit gaben ihm das Gefühl das alles halb so schlimm war. Er konnte sich sogar ein kleines Lächeln abringen. Sebastian lächelte breiter zurück. „Wenn du mal wieder reden willst, kannst du gerne zu mir kommen.“, sagte er und drückte Ciels Hand so unglaublich vorsichtig, als hätte er Angst, er könne sie zerbrechen. Wahrscheinlich könnte er das tatsächlich. Schließlich war Ciels Kleidung wieder trocken, also zog er sich wieder um und ließ sich von Sebastian bis zum Rand des Waldes führen, wo die beiden sich voneinander verabschiedeten. Als Ciel nach Hause ging, hatte er zum ersten Mal seit dem Umzug gute Laune.
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