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Runaways

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Eijiro Kirishima Izuku Midoriya Katsuki Bakugo Shoto Todoroki
10.08.2020
15.09.2021
22
116.653
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15.09.2021 5.283
 
Kapitel 22 Alles aus Liebe

Shouto

»Shouto.«
Alles in ihm ging auf sofortige Abwehr, als er diese Stimme hörte. Instinktiv wollte er zurückweichen. So viel Abstand wie möglich zwischen sich und diesen Menschen bringen, doch nach außen hin zeigte er keine Regung. Ließ sich nichts anmerken.
»Wie geht es dir?« Sein Vater kam einige Meter von seinem Krankenbett entfernt zum Stehen. Eine merkwürdige Entfernung, die zu weit weg für ein Familienmitglied und dennoch zu nah dran für ihre Verhältnisse war. Seine Stimme war ernst und aufrichtiges Interesse schwang darin mit. Ihr fehlte die sonstige Schärfe, aber Shouto ließ sich davon nicht täuschen.

»Blendend«, entgegnete er kühl und blickte ihm unbewegt entgegen. Er wusste nicht, warum sein Vater sich überhaupt die Mühe gemacht hatte, herzukommen. Vielleicht für die Presse. Ja. Vermutlich war es das.
»Ich wollte nicht, dass es dazu kommt«, sagte er und deutete vage in seine Richtung. Shouto war versucht, ihn zu fragen, was genau er damit meinte. Wollte sehen, wie er sich abmühte, es klar und deutlich auszusprechen, aber er schwieg.
»Ich habe mich einen Moment lang vergessen – du weißt genau, wie sehr mich dieses Thema reizt!« Jetzt ließ er es so klingen, als ob es einzig und allein seine Schuld war, dass er hier lag. Shouto war versucht, freudlos aufzulachen. Zugegeben: Er hatte tatsächlich Kontra geboten und einen Ausgang wie diesen damit vielleicht ein wenig herausgefordert, aber es war nicht seine Schuld, dass sein Vater wie ein Irrer auf ihn losgegangen war. Ganz bestimmt nicht. Das Einzige, was er sich selbst anzulasten hatte, war, dass er ihn unterschätzt hatte. Wieder einmal.

Es war nur so eine flüchtige Idee gewesen. Ein Rettungsanker, um zumindest eine Kleinigkeit zu haben, die ihm etwas bedeutete. Nachdem er Katsuki so rigoros aus seinem Leben herausgeschnitten hatte, hatte er das mehr als nötig.
Er wollte ein kleines Projekt ins Leben rufen, um andere, die ein ähnliches Schicksal wie Katsuki und die anderen teilten, zu unterstützen. Shouto hatte an eine Website gedacht, auf der er seine Bilder verkaufte und den Erlös einem geeigneten, gemeinnützigen Projekt zugutekommen ließ. Am liebsten hätte er es seinen Freunden direkt zukommen lassen, aber das war unter den gegebenen Umständen kaum möglich, also nahm er diesen Weg.
Es gab ihm das Gefühl, zumindest etwas Sinnvolles in seinem Leben zu tun und auf gewisse Weise erinnerte es ihn auch an seine Zeit im Unterschlupf. Und egal, wie oft sein Vater ihm das Zeichnen auch auszutreiben versuchte, in diesem Punkt würde er immer standhaft bleiben. Er würde sich das nicht nehmen lassen. Das hatte Shouto sich bereits vor langer Zeit geschworen. Zumal er die naive Vorstellung im Kopf gehabt hatte, dieses Mal gut argumentieren zu können. So gut, dass nicht einmal sein Vater gänzlich dagegen sein konnte – doch Shouto hatte falschgelegen. Genauso, wie ihm nicht bewusst gewesen war, dass er selbst auf seine Internetaktivtäten ein Auge hatte, aber bei genauerer Betrachtung sollte ihn das wohl nicht verwundern. Jemand, der mit aller Macht versuchte ihn daran zu hindern jemals wieder unterzutauchen, würde wohl überall nach Auffälligkeiten suchen.
Der bloße Gedanke daran, dass er selbst dort überwacht wurde, stieß Shouto immer noch sauer auf. Er war kein Schwerstverbrecher, verdammt! Aber er wurde wie ein behandelt.

Die Konfrontation, als sein Vater es herausgefunden hatte, war laut und hässlich gewesen. Er hatte Shouto in sein Arbeitszimmer zitiert, was im besten Falle nur lästig war, aber er war immer auf alles gefasst. Nicht, dass es ihm irgendetwas brachte.
Sein Vater hatte ihm wortlos den Bildschirm zugedreht, auf dem ihm die Anfänge der Website entgegen prangten. Shouto hatte versucht, es so zu erklären, dass es selbst einen Mann wie seinen Vater zufriedenstelle. Es würde seinem öffentlichen Image nur zugutekommen, es schadete niemandem und er hatte ganz gewiss nicht vor, sich den Plänen seines Vaters zu widersetzen. Es war ein Kompromiss. Der Beweis, dass es keine reine Zeitverschwendung war, sondern sich nur positiv auf seine Karriere auswirken würde. Ja, selbst sein Vater würde davon profitieren.
Vermutlich war es erstaunlich, dass er ihm überhaupt bis zum Ende zugehört hatte. Sein Vater hatte all seine Bemühungen mit einer unwirschen Handbewegung beiseite gewischt und ihm mitgeteilt, dass er das genauso gut mit einer simplen Spende erledigen konnte – und dann war er mit den üblichen Floskeln gekommen. Dass er es leid war. Dass er dieses Thema ein für alle Mal als beendet angesehen hatte. Dass er keine Lust hatte, sich zu wiederholen. Dass Shouto endlich aufhören sollte mit seinem kindischen Getue – und dann, an irgendeinem Punkt, war es Shouto zu viel geworden. Nach allem, was er sich hatte bieten lassen müssen, nach allem, was er stumm ertragen hatte, nach allem, was er aufgegeben hatte, war es ihm einfach zu viel geworden.
Also hatte er den Fehler begangen, etwas zu sagen, statt alles herunterzuschlucken. Hatte seinem Vater vorgehalten, dass er alles machte, was er verlange und sich seinen bescheuerten Weg aufzwingen ließ, also sollte er doch zumindest das Zeichnen behalten dürfen – und ab da hatte sich die Lage nur immer weiter zugespitzt. Vielleicht war es nicht richtig gewesen, dass er stur geblieben war. Vielleicht war es nicht richtig gewesen, dass Shouto ihm fortlaufend sagte, dass er sich das nicht wegnehmen lassen würde – ganz egal, was er auch versuchte.
Aber verdammt… das Zeichnen war alles, was er noch hatte. Das Einzige, was sein Vater ihm niemals hatte nehmen können. Und daran würde Shouto festhalten. Ganz gleich, was es ihn auch kostete.


Es war lange her, dass sein Vater derart ausgerastet war. Sehr lange. Und allein die Tatsache, dass er gerade hier war, um sich auf seine Weise zu entschuldigen, zeigte, dass auch er sich bewusst war, dass er irgendeine Grenze überschritten hatte. Was selten genug vorkam, aber so oder so bedeutete es Shouto nichts.
»Hör zu. Es sind anstrengende Zeiten. Die Neuwahlen stehen bald an und irgendwann, wenn du in meiner Haut steckst, wirst du merken, wie anstrengend dieser Job sein kann. So etwas zerrt an den Nerven«, begann sein Vater mit ernster Miene zu erklären. Shoutos Mitleid hielt sich in Grenzen. Er hatte weiterhin nichts als einen kühlen Blick für diesen Mann übrig, der nichts als sein Erzeuger war.
»Lass es mich wiedergutmachen«, versuchte er eine andere Strategie und breitete die Hände vor sich aus. »Sag mir, was du willst, und ich kaufe es dir. Vielleicht ein eigenes Auto?«
»Was will ich mit einem Auto, wenn du mich nicht einmal alleine das Grundstück verlassen lässt?«, entgegnete Shouto eisig und ignorierte den widerlichen Geschmack in seinem Mund. Er hasste es, wenn sein Vater glaubte, sein Schweigen erkaufen zu müssen. Hasste es, wenn er versuchte, freundlich zu sein. Auch das hatte sich über die Jahre nicht geändert, aber Shouto wusste es besser, als etwas darauf zu geben. Am Ende würde er wieder die Beherrschung verlieren. Am Ende würde sich nie etwas ändern.
»Es wird nicht immer so bleiben und das weißt du.«
»Ich passe.«
»Shouto…«
»Ist das alles weswegen du hier bist? Wenn ja, dann kannst du gehen.«
Ein schweres Seufzen entwich den Lippen seines Vaters. Shouto wollte einfach nur, dass er endlich verschwand.
»Ich möchte nicht, dass dieses Thema ständig zwischen uns steht«, sagte er ernst und Shouto presste seine Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen, weil er immer weniger Lust auf dieses Gespräch hatte.
»Ich habe dir meine Meinung dazu mitgeteilt«, entgegnete Shouto knapp und fügte in Gedanken hinzu: Ich werde es nicht aufgeben.

Es war offensichtlich, dass diese Antwort seinem Vater nicht schmeckte. Shouto sah, wie eine Ader gefährlich an seiner Schläfe zu pulsieren begann, aber gerade hielt seine Angst sich in Grenzen. Nachdem, was er sich geleistet hatte, würde er sich vorerst zurückhalten, das wusste Shouto aus Erfahrung; und außerdem: Was sollte er ihm jetzt schon noch groß antun?
»Ich kann das nicht dulden, Shouto!«, sagte er mühsam um Fassung bemüht und stieß einen angespannten Atemzug aus. »Du weißt, was es aus deiner Mutter gemacht hat und ich werde nicht zulassen, dass – «
»Raus«, sagte Shouto gefährlich leise. Er vergrub seine gesunde Hand krampfhaft fest im Laken des Bettes. Es gab vieles, was er ertrug. Vieles, was er sich gefallen ließ. Aber er würde es nicht zulassen, dass sein Bastard von Vater sie mit ins Spiel brachte.

Sein Vater schien im ersten Moment zu perplex, um auszurasten. Er blickte ihn mit erhobenen Augenbrauen an, ehe sein Mund sich zu einem säuerlichen Strich verzog. »Shouto – «, begann er, innerlich eindeutig am Beben, aber er gab nichts darauf.
»Raus, habe ich gesagt!« Es war selten, dass er seine Stimme derart erhob und Shouto spürte deutlich, wie die Wut sich immer weiter in ihm aufzutürmen begann.
Seinem Vater schien es ähnlich zu gehen, doch statt seinen Zorn ungebremst an ihm auszulassen, verschränkte er seine Arme fest ineinander und atmete einige Male tief durch.
»Verstehe. Du bist immer noch aufgewühlt. Wir werden in Ruhe über alles reden, wenn du wieder zu Hause bist«, sagte er angespannt und es war deutlich, dass es ihm einiges abverlangte, verhältnismäßig ruhig zu bleiben. »Bis dahin kannst du über mein Angebot nachdenken. Such dir aus, was du willst. Geld spielt keine Rolle.«
»Du musst mein Schweigen nicht kaufen.«
Unverhohlener Ärger zuckte über das Gesicht seines Vaters und einen Moment lang fragte Shouto sich, ob er es gerade doch geschafft hatte, ihn so weit zu reizen, dass er selbst hier die Kontrolle über sich verlor. Es war dumm von ihm, dass er überhaupt so mit dem Feuer spielte, aber gerade hatte er nichts mehr außer seinem Trotz übrig.
»Vorsicht, Shouto«, brachte sein Vater unter zusammengepressten Zähnen hervor. Es schien ihm alles abzuverlangen, ihn nicht anzubrüllen. »Du vergisst besser nicht, wer dir dein Leben lang alles ermöglicht hat.« Er beobachtete ihn noch einige Sekunden lang aus zusammengekniffenen Augen, bevor er ihm endlich den Rücken zukehrte und in Richtung Tür verschwand. Shouto machte sich nicht die Mühe, ihn darauf hinzuweisen, dass er weitaus glücklicher gewesen war, als er mit nichts in der Tasche außer seinem alten Skizzenbuch auf der Straße gewesen war. Ein Mann wie er würde so etwas ohnehin niemals verstehen.

Erschöpft ließ er sich zurück in das Kissen in seinem Rücken sinken. Die Wut von eben war so plötzlich verpufft wie sie gekommen war und ließ ihn vollkommen kraftlos und leer zurück. Gerade spürte er gar nichts mehr.
Gespräche mit seinem Vater waren immer eine kräftezehrende Angelegenheit und er hatte gehofft, dem zumindest ein paar Tage entgehen zu können, aber nicht einmal hier ließ sein Vater ihn in Ruhe.
Seufzend schloss er einen Moment lang die Augen und wartete darauf, dass das Pochen in seinem Kopf nachließ. Er hatte eine leichte Gehirnerschütterung davongetragen. Vermutlich, als er ungünstig mit der Tischplatte kollidiert war. Dabei hatte er sich wohl auch den Arm gebrochen. So ganz konnte Shouto es nicht sagen. Er erinnerte sich nur noch an Bruchstücke. Hatte es an irgendeinem Punkt gar nicht mehr richtig mitbekommen. Irgendwann war da ohnehin nichts mehr außer diesen unsäglichen Schmerzen gewesen.
Jetzt war er noch einmal mehr erleichtert, dass Katsuki nicht mehr für seinen Vater arbeitete. Shouto wollte nicht, dass er ihn so sah. Wollte sich nicht ausmalen, wie er darauf reagiert hätte. Wobei. Mittlerweile wäre es ihm vielleicht egal. Mittlerweile würde er vielleicht sogar denken, dass Shouto es nicht anders verdient hatte.
Der Gedanke schmerzte stärker, als er es sollte, aber er hatte kein Recht sich zu beschweren. Das wusste Shouto. Er hatte diese Entscheidung selbst getroffen und er wusste, dass es richtig war. Wusste, dass es besser so war. Das hier … das hatte niemand verdient. Damit sollte sich niemand rumschlagen müssen. Mit ihm und seinem Ballast.
Und doch fühlte er sich gerade so einsam wie nie in seinem Leben und Shouto hätte alles dafür gegeben, Katsuki noch einmal zu sehen. Sich von ihm anbrüllen zu lassen, weil er nicht auf ihn gehört hatte. Sich von ihm Sicherheit geben zu lassen, denn er hätte entschlossen nach seiner Hand gegriffen und ihm waghalsige Dinge versprochen, aber vor allem hätte er Shouto gesagt, dass am Ende alles gut werden würde und auch, wenn er vielleicht nicht daran glaubte … gerade hätte er es einfach gerne gehört.



Katsuki

»Nein? Was soll das heißen, nein?«, fragte Katsuki gefährlich leise, während er Deku aus zu schmalen Schlitzen verengten Augen musterte.
Die Luft in dem kleinen Büroraum war zum Schneiden dick und wenn man genau darauf achtete, konnte man das leise Knistern der Anspannung hören, das einen jeden hier befallen hatte. Alle wussten, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Katsuki die Beherrschung verlor und an die Decke ging. Sein Geduldsfaden war gerade sehr dünn und drohte jeden Moment zu zerreißen. Kapierte dieser Scheißnerd etwa seine Lage nicht?!
»Kacchan ... Der neue Plan ...« Deku schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht, dass wir Shouto damit helfen. Im besten Fall wird er in irgendeine Auffangstation kommen, aber es kann genauso gut sein, dass er noch eine ganze Zeit lang bei seinem Vater bleiben muss und dann haben wir durch diese Aktion nur Öl ins Feuer gegossen, verstehst du?«
»Bullshit!«, gab Katsuki knurrend zurück. »Jeder Vollidiot vom Jugendamt würde checken, dass Shouto da nicht bleiben kann und ihn rausholen. Und für das, was der Bastard Shouto angetan hat, will ich ihn richtig fertig machen!«
»Unterschätz die Macht des Geldes nicht«, beharrte Deku und setzte damit dem Ganzen noch die Krone auf.
»Ich scheiß auf sein beschissenes Geld!«, zischte Katsuki und baute sich bedrohlich vor dem kleinen Pisser auf. »Aus der Nummer kann er sich nicht freikaufen! Wir haben Beweise! Und wenn das nicht reicht, muss man sich Shouto nur mal angucken! Er liegt im Krankenhaus! Mit einem gebrochen Arm! Mit einem fucking gebrochenen Arm!«
Katsuki unterstrich seine Worte, indem er sie in die Welt hinausbrüllte, doch das einzige, was er von Deku dafür erntete, war noch ein beschissenes, bedauerndes Kopfschütteln.
Er stand kurz vor dem Super-Gau. Ein Wunder, dass er bis jetzt noch nicht alles in diesem beschissenen Büroraum kurz und klein geschlagen hatte und dieser Drecksdeku wagte es auch noch, ihm Konter zu geben?! Dem hatte man wohl ins Gehirn geschissen, aber es war ja nicht so, dass er auf diesen Taugenichts angewiesen war.
»Dann mach ich es eben selbst!«, fauchte er und griff nach dem USB Stick, der auf dem Tisch lag, doch der Scheißnerd war um einen Sekundenbruchteil schneller.
Wütend funkelte er Deku an, streckte die Hand aus und forderte: »Her damit!«
»Nein.« Der Nerd sagte es ganz ruhig, wich keinen Millimeter zurück und bot ihm die Stirn wie selten zuvor in seinem jämmerlichen Leben. Wie aufs Kommando rückten Eijirou und Denki näher an ihn heran, um im Zweifelsfall sofort zur Stelle zu sein, wenn Katsuki die Beherrschung verlor. Was nicht mehr lange dauern konnte, wenn sich dieses dämliche Volldeppenopfer weiter so aufführte, als gehörte ihm der Laden hier!
»Ich meins ernst, Deku«, erwiderte Katsuki gefährlich leise. »Gib mir den verdammten USB Stick, oder du kannst gleich deine Zähne einzeln vom Boden aufsammeln.«
»Kacchan! Es gibt noch andere Möglichkeiten! Vertrau mir doch nur ein einziges Mal!«, versuchte Deku an seine Vernunft zu appellieren, doch Vernunft war heute nicht seine starke Seite. Er hatte einen fucking Plan und er würde alle Hebel in Bewegung setzen, um diesen auch durchzuziehen. Punkt!
Er wollte sich keine andere Möglichkeit ausdenken! Er wollte einfach nur dieses beschissene Video veröffentlichen und die ganze Scheiße ein für alle Mal beenden! Nur wenn der Drecksbürgermeister aus dem Weg geräumt war, würde Shouto frieden finden. Erst dann konnte er frei sein und ...
Plötzlich machte etwas in Katsukis Kopf klick. Eine lautlose Explosion, aber so drängend, dass er nicht in der Lage war, es zu ignorieren.
Natürlich gab es noch eine andere Möglichkeit, als den Bürgermeister nur zu ruinieren. Warum sollte er ihn nur fertigmachen, wenn er das Problem auch endgültig aus der Welt schaffen konnte?
Einen Moment wirbelten seine Gedanken wild durcheinander, bis sich ein Bild klar herauskristallisierte und von da an war der USB Stick nur noch nebensächlich. Höchstens eine Rückversicherung, die der Scheißnerd ruhig behalten konnte. Wenn etwas schief lief, würde er schon wissen, was er zu tun hatte. So viel war er ihm schuldig.
Ohne noch ein weiteres Wort an diese Loser zu verschwenden kehrte Katsuki seinen sogenannten Freunden die Rücken zu, krallte sich seinen dicken Parker und riss mit einem Ruck die Tür auf. Er wurde von einem Schwall eiskalter Luft begrüßt, die ihn jedoch nicht abhalten konnte, den Ausgang der geschützten Lagerhalle anzustreben.
»Kacchan!«
»Komm schon, Mann! Hau nicht ab!«
Katsuki reagierte auf keinen ihrer Rufe. Hatte nicht vor, auch nur einen von diesen Vollidioten in seinen Plan einzuweihen. Einen Plan, den sowieso keiner von ihnen gutheißen würde, und Katsuki konnte es nicht gebrauchen, sich von ihnen Steine in den Weg legen zu lassen.
Er würde es so halten, wie er es von Anfang an hätte halten sollen. Er würde sein eigenes Ding durchziehen. Er brauchte keinen dieser Trottel. Sie brauchten einander, um zu überleben, während Katsuki als einsamer Wolf besser dastand.
Niemand mehr, auf den er Rücksicht nehmen musste. Keinen, der gegen ihn arbeitete. Einfach nur er, Katsuki Bakugou, gegen den Rest der Welt.


Seit seinem Streit mit Deku waren zwei Wochen vergangen. Zwei Wochen, in denen sich viel geändert hatte.
Ein verlassener U-Bahn-Tunnel war zu seinem neuen zu Hause geworden. Ein zu Hause, was diesen Namen nicht einmal annähernd verdient hatte.
Nicht nur, dass es hier unten vor Ratten und Müll nur so wimmelte, nein, es stank auch schlimmer als jedes Bahnhofsklo. Daran waren die übrigen Bewohner dieses Loches schuld. Vollzeitpenner, Arbeitslose und sonstige Ausgestoßene der Gesellschaft fristeten hier unten ihr Dasein, tranken Alkohol oder pfiffen sich irgendeine andere Scheiße rein.
Widerlicher Abschaum, der die Hoffnung schon lange aufgegeben hatte.
Ganz am Anfang hatten einer von denen versucht, ihm Geld aus der Tasche zu leiern. Für einen Zehner wollte ihm dieser Penner einen Blasen, doch Katsuki hatte ihm mit einem gezielten Schlag auf die Fresse gezeigt, was er von diesem Angebot hielt. Seitdem ließen sie ihn weitestgehend zufrieden, weshalb Katsuki überhaupt noch hier war. Denn hier, an einem Ort ohne Hoffnung, würden ihn Deku und die anderen Loser niemals suchen.
Nur hier konnte er sich auf seinen Plan vorbereiten, dessen Ziel es war, Bürgermeister Todoroki umzulegen und so Shouto die Freiheit zu schenken, die dieser mehr als alles andere verdient hatte.

Das Leben alleine auf der Straße war hart. Viel härter als Katsuki je geglaubt hätte. Natürlich hatte er weniger Ausgaben, doch auf der anderen Seite war die Ausbeute alleine auch sehr viel geringer. Dazu kam noch, dass ihn in diesem Gebiet niemand kannte und die guten Jobs oft schon vergriffen waren. Trotzdem hatte er es geschafft, genug Kohle ranzuschaffen, um sich eine nicht registrierte Glock 19 inklusive Munition zu beschaffen.
Die 9mm Geschosse waren ein sehr häufiges Kaliber und wenn er es geschickt anstellte, konnte er vielleicht sogar ungeschoren davonkommen. Nicht, dass ihm seine Freiheit noch etwas bedeutete. Selbst die Tatsache, dass er bei dem Anschlag selbst draufgehen konnte, bereitete ihm keinerlei Sorgen. Ohne Shouto hatte er weder an dem einen, noch an dem anderen Freude.
Ohne Shouto fühlte er sich innerlich leer, kalt, tot. Er atmete automatisch, aß nur, weil er musste und betäubte seine Gefühle mit Alkohol so oft es seine finanzielle Situation zuließ. Auch jetzt, im Schein einer fast abgebrannten Kerze hatte er eine Flasche zur Hand, achtete allerdings darauf, sich nicht zu betrinken. Nicht heute, denn schon in knapp einer Stunde würde er sich zum Rathaus aufmachen, um dem Spuk ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Enji Todorokis Ende.
Der Billigwodka rann ihm warm die Kehle hinab, während er an die Zeit zurückdachte, wo die Welt noch in Ordnung gewesen war. Wo seine einzige Sorge darin bestand, ob Deku und die anderen lange genug wegblieben, damit er mit dem prüden Halb-Halb-Bastard noch eine Weile allein sein konnte, um ihm ein paar heiße Stunden zu bescheren.
Er dachte an die weiche Haut zurück, die sich perfekt an seine großen Hände anzuschmiegen schien. Dachte an das Glitzern in den unterschiedlich gefärbten Augen. Daran, wie sich seine Mundwinkel irgendwann immer öfter zu einem kleinen, scheuen Lächeln verzogen hatten. Erinnerte sich an die filigranen Finger, die mit Leichtigkeit jedes Motiv zu Papier gebracht hatten. An den zweigeteilten Haarschopf, Shoutos begriffsstutzige Art und an vieles, vieles mehr.
Es tat weh, sich all das in Erinnerung zu rufen, aber Katsuki tat es trotzdem. Führte sich absichtlich vor Augen, für was er alles kämpfte und für was er bereit war, sein eigenes Leben aufzugeben.
Bei seinem nächsten Schluck fragte er sich, ob er für Ochako dasselbe getan hätte. War seine Liebe zu dem Mondgesicht genauso stark gewesen, dass er für sie gemordet hätte?
Vielleicht, musste er sich eingestehen, war sich seiner Sache allerdings alles andere als sicher. Ja, er hatte sie geliebt, aber das, was ihn mit Shouto verband, war so viel stärker.
Unwillkürlich fragte er sich, ob er der Einzige war, der so empfand oder ob es Shouto ähnlich erging. Was, wenn er ihn nicht nur seiner Sicherheit wegen weggeschickt hatte? Was, wenn er in Wahrheit die Schnauze voll von ihm hatte, aber nicht die Eier, um ihm dies auch ins Gesicht zu sagen?
Die Möglichkeit bestand, aber Katsuki beschied, dass es ihm egal war. Es war ihm scheißegal, ob der Penner ihn genauso liebte wie er ihn. Für ihn war nur wichtig, dass Shouto in Sicherheit war. Mehr nicht.


Die Stunde ging um wie nichts und bevor Katsuki sich versah, fand er sich vor dem Rathaus wieder.
Es schneite, weshalb er mit seiner Kapuze, die er tief ins Gesicht gezogen hatte, nicht weiter auffiel. Der Park, der an das Ratsgebäude angrenzte, war ebenfalls das perfekte Alibi. Hier konnte er herumlungern, ohne aufzufallen, bis er bereit war, zuzuschlagen.
Todoroki war bereits anwesend, das wusste Katsuki, denn er hatte gesehen, wie er vor einer halben Stunde das Gebäude betreten hatte. Allerdings war er in Begleitung seiner Tochter gewesen und Katsuki wollte ungern den Laden stürmen, solang sie sich in der Schusslinie befand. Dafür war ihm Shoutos Schwester viel zu sympathisch. Immerhin hatte auch sie ihren Arsch riskiert, um ihrem kleinen Bruder zu helfen.
So blieb ihm nichts anderes übrig, als in der Kälte zu stehen, den Eingang im Auge zu behalten und darauf zu warten, dass Fuyumi endlich abhaute.
Die Kälte kroch ihm schnell in die Knochen, sodass er sich wünschte, den restlichen Wodka nicht einem der Penner geschenkt zu haben. Wenn er nicht davon ausgegangen wäre, heute Abend nicht mehr zurückzukehren, dann hätte er ihn in seinem Geheimversteck deponiert, aber so hatte er wenigstens eine gute Tat vollbracht. Immerhin stand Weihnachten vor der Tür.
Katsuki musste sich ein Lachen verkneifen, wenn er daran dachte, für was für Schlagzeilen er dieses Jahr sorgen würde. Mit einem toten Bürgermeister als Geschenk rechneten wohl die wenigsten New Yorker Bürger.
Den Alkohol hatte er zwar nicht behalten, aber dafür kramte er nun ein zerknautschtes Päckchen Zigaretten aus seiner Jackentasche. Noch ein Laster, welches er sich erst in den vergangenen zwei Wochen zugelegt hatte.
Mit tauben Händen fingerte er an dem Feuerzeug herum und brauchte fast eine geschlagene Minute, um die Scheißkippe anzuzünden. Vom ersten Zug musste er noch husten, aber der Zweite schickte eine Welle der Ruhe durch seinen Körper. Das Nikotin wirkte wahre Wunder und war eine bessere Alternative als diese ganzen beschissenen Drogen, die einem mit der Zeit das Hirn zermatschten.
Dafür konnte er sich wahrscheinlich in zwanzig Jahren von seiner Lunge verabschieden, wenn nicht vorher seine Leber schlappmachte, aber wenn sein Plan heute gelang, dann brauchte er sich um seine gesundheitliche Zukunft wohl eh keine Sorgen mehr zu machen.
Warum also sich unnötige Gedanken machen? Es kam wie es kam und das war vermutlich gut so.

Er hielt seine halb aufgerauchte Zigarette zwischen den zitternden Fingern, als er eine Frau bemerkte, unter deren Mütze weiße Haarsträhnen hervorlugten. Auch von weitem erkannte er Shoutos Schwester, wie sie die Treppen des Rathauses herunter eilte. Erst am schmiedeeisernen Tor blieb sie stehen und sah auf die Uhr, bevor ihr Blick nach links und rechts schweifte.
Es hatte ganz den Anschein, als würde sie auf jemanden warten, was Katsuki ungewollt nervös machte.
»Hau schon ab«, murmelte er und biss vor Anspannung den Filter seiner Zigarette durch. Angewidert spuckte er auf den Boden und ließ den Rest einfach fallen. Es zischte kurz und die Kippe war im Schnee verschwunden. Als er wieder aufblickte, sah Katsuki einen Mann, der Shoutos Schwester überschwänglich begrüßte. Da er trotz seines jugendlichen Alters ebenfalls weiße Haare hatte, ging Katsuki davon aus, dass es sich um Shoutos Bruder handelte, den er bisher allerdings nie gesehen hatte. War ihm aber auch scheißegal. Das einzige, was ihn interessierte, war, dass Fuyumi sich mit ihm vom Acker machte und Katsuki so endlich die Gelegenheit gab, aktiv zu werden.
Katsukis öffnete den Reißverschluss seiner Jacke und ließ die Hand in seine Innentasche gleiten. Sein Herzschlag beschleunigte sich, als er mit den Fingern das kalte Metall der Glock berührte.
Adrenalin strömte in seine Adern und er atmete nur noch einmal tief durch, bevor er sich in Bewegung setzte. Zügig durchquerte er den kleinen Park, zog seine Waffe und presste sie sich an den Oberschenkel, wo sie teilweise mit dem Schwarz seiner Hose verschmolz.
Sein Puls trommelte schneller, als er gehen konnte und gerade, als er das Ende der gepflegten Parkanlage erreichte, tauchte eine hagere, hochgewachsene Gestalt wie aus dem Nichts auf. Der Zusammenprall war ebenso hart wie unvermeidlich und ließ sie beide zurücktaumeln.
Ein schmerzvolles Keuchen drang an Katsukis Ohr, aber er hatte jetzt keine Zeit, sich mit irgendeinen halbblinden Passanten herumzuschlagen, weshalb er nur blaffte: »Aus dem Weg!«, und versuchte, sich an dem Volltrottel vorbeizudrücken.
Als dieser allerdings den Kopf hob, konnte Katsuki nicht anders, als stehen zu bleiben. Schmerz stand in dem unterschiedlich gefärbten Augenpaar geschrieben, aber darunter konnte Katsuki den Unglauben erkennen, was ihn nicht besonders wunderte. Er konnte es ja selbst kaum glauben, dass er unter allen New Yorkern, die ihm in die Quere kommen konnten, ausgerechnet in Shouto hineingerannt war.
»Katsuki?«, fragte der Halb-Halb-Bastard gepresst und hielt sich dabei den nach wie vor eingegipsten, in einer Schlinge liegenden rechten Arm.
Sein Name aus diesem Mund ließ Katsuki mitten an der Stelle festfrieren. Unfähig sich zu bewegen konnte er Shouto einfach nur anstarren, war so perplex ihn jetzt, und vor allem draußen anzutreffen, dass er selbst die Pistole in seiner Hand vergessen hatte. Allerdings nur so lange, bis Shoutos geweitete Augen ihn wieder daran erinnerten.
»Katsuki ... Was ... was willst du mit der Waffe?«
»Sei still!«, zischte Katsuki und ließ die Glock zurück in seine Jackeninnentasche verschwinden. Sein Blick glitt zum Eingang des Rathauses, dem sie für seinen Geschmack viel zu nah standen, weshalb er Shouto kurzerhand an seinem gesunden Arm packte und ihn abseits unter eine riesige Eiche zog.
Der Baum trug zwar keine Blätte mehr, aber die mit Schnee bedeckten Zweige und der dicke Stamm würden sie trotzdem vor Blicken aus dem Gebäude heraus schützen. Gott sei Dank trug der Halb-Halb-Bastard ebenfalls eine Mütze, denn seine verdammten Haare waren so auffällig wie eine Leuchtreklame!
Keuchend vor Schmerz stolperte Shouto hinter ihm her und wäre fast über eine der knorrigen Wurzeln gestolpert, doch Katsuki bewahrte ihn mit einem festen Griff vor einem Sturz. Erst als er sicher war, dass er sich nicht doch noch auf die Nase legen würde, ließ er Shouto los und fragte: »Was zum Teufel machst du hier?«
»Dasselbe könnte ich dich fragen«, konterte Shouto und rieb sich mit der linken Hand vorsichtig über seinen rechten Unterarm. Sein Gesicht wirkte bleich und abgekämpft und das war garantiert nicht nur auf die Schmerzen zurückzuführen, die er ihm gerade unbeabsichtigt zugefügt hatte. Ehe Katsuki sich dafür entschuldigen konnte, bombardierte ihn Shouto allerdings schon mit seinen bescheuerten Fragen.
»Was willst du mit der Waffe, Katsuki? Wo hast du die überhaupt her? Und wissen die Anderen davon?«
»Das geht dich nichts an!«, zischte Katsuki angriffslustig. »Du hast mit mir Schluss gemacht, schon vergessen? Ich bin dir keine beschissene Rechenschaft mehr schuldig!«
Katsuki bemerkte, wie Shouto auf diese Bemerkung hin zusammenzuckte, aber er war so wütend, dass es ihm egal war, ob er ihn damit verletzt hatte oder nicht. Allerdings nahm er am Rande dieser Wut wahr, dass er diesem halben Würstchen scheinbar doch noch etwas bedeutete und genau aus diesem Grund durfte er sich von dieser Begegnung nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Er musste die Sache zu Ende bringen. Heute.
»Mir ist scheißegal, was du hier machst, aber ich will, dass du dich verpisst und das sofort!«, sagte Katsuki mit Nachdruck und deutete auf dessen Gipsarm. »Damit solltest du eigentlich gar nicht draußen sein.«
Kaum waren die Worte raus, biss Katsuki sich auf die Unterlippe. So viel hatte er eigentlich gar nicht sagen wollen, aber Shouto weckte diesen bescheuerten Beschützerinstinkt in ihm, sodass er gar nicht anders konnte, als dem Trottel den Kopf zu waschen.
Zu gerne würde er wissen, wo seine blöden Bewacher steckten, aber diese Frage verkniff er sich. Shouto sollte nicht wissen, worüber er sich noch so alles Gedanken machte.
»Und du solltest keine Waffe bei dir tragen«, beharrte Shouto stur, wenn auch mit gedämpfter Stimme. »Ich schätze, wir machen beide Fehler, aber es ist noch nicht zu spät, sie zu korrigieren.«
Das stumme Flehen im Grau und Blau seiner Augen war nicht zu übersehen. Shouto war zwar begriffsstutzig, aber alles andere als dumm. Wenn er mit einer Pistole vor dem Rathausgebäude auftauchte, war die Chance, dass er nur auf Tontauben schießen wollte, verschwindend gering.
Mit zusammengebissenen Zähnen spürte Katsuki, wie seine Entschlossenheit ins Wanken geriet. Um das zu verhindern, wollte er sich wortlos von ihm abwenden, doch bevor er auch nur einen Schritt vor den anderen tun konnte, hielt ihn Shouto zurück. Die Finger des Halb-Halb-Bastards krallten sich ungewöhnlich fest in seinen Arm und obwohl Katsuki sich mit Leichtigkeit hätte losreißen können, hielten ihn die graublauen Augen erfolgreich davon ab.
Urplötzlich war Shouto den Tränen nah und dieser Anblick versetzte Katsuki einen überraschend schmerzhaften Stich mitten ins Herz. Der dicke Kloß in seinem Hals machte ihm nicht nur das Schlucken, sondern auch das Atmen schwer. Auf einmal hatte er das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, weshalb seine Stimme sich mehr wie ein krächzen anhörte, als er verlangte: »Loslassen.«
»Nein.« Shouto schüttelte den Kopf und als er ihn wieder ansah, liefen ihm die Tränen ungehindert über beide Wangen. »Wenn du vorhast, was ich glaube, dann wirst du vielleicht sterben. Das kann ich nicht zulassen.«
»Ach ja?«, fragte Katsuki und lachte rau auf. Es fühlte sich falsch an gerade zu lachen, aber er konnte einfach nicht anders. Zu surreal war die ganze beschissene Situation. »Wie willst du mich aufhalten, hä? Was kümmert es dich überhaupt, was aus mir wird? Du hast mit mir Schluss gemacht. Was kümmert es dich also?! Was interessiert es dich, ob ich lebe oder sterbe?!«
Nun spürte auch Katsuki die Tränen, aber er schluckte sie herunter. Wollte Shouto nicht zeigen, wie sehr ihm das hier an die Nieren ging. Stattdessen riss er sich mit einem Ruck los und schlug dem Halb-Halb-Bastard mit der Hand vor die Brust. Nicht so fest, um ihm ernsthaft wehzutun, sondern nur so, dass er zurücktaumelte und mit dem Rücken gegen den Baumstamm stieß.
Bevor Shouto auf die Idee kam, noch weiter auf ihn einzureden, kehrte Katsuki ihm den Rücken zu und stapfte los. Stiefelte durch den verfickten Schnee, der nach wie vor vom Himmel fiel und gar nicht mehr aufhören wollte.
Er spürte die Kälte von außen kaum noch, denn die Kälte in seinem Innersten überschattete alles. Einzig allein der Schmerz über diese Begegnung brannte sich wie Feuer durch seine Eingeweide. Die Tränen, der Kummer, die Verzweiflung. Das war alles zu viel für ihn gewesen und als wäre das nicht genug, rief ihm Shouto auch noch hinterher: »Es interessiert mich, weil ich dich liebe ...«, und brachte Katsuki erneut dazu, mitten im Schritt zu verharren.
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