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"Tanz der Amphisbaena"

von Die Linda
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
10.08.2020
03.02.2021
16
62.726
7
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.08.2020 3.063
 
Hallöchen! ^-^

Dieses Kapitel hier ist etwas speziell, weil unser Crowley noch nicht so weit ist. Wenn ihr es lest wisst ihr was ich meine. Auf jeden Fall werden die Kapitel ab dem nächsten viel angenehmer zu lesen sein. Die beiden werden immer lieblicher zusammen. ^3^

Und was Erziraphael in Alexandria wollte, dass brauche ich ja nicht extra zu erklären, dass wisst ihr ja auch so.

So, nun viel Spaß und freut euch auf mehr. Wie gesagt, die kommenden Kapitel werden viel niedlicher.

Bleibt gesund und passt auf euch auf. Besonders du Carthamus! <3

Bis bald, eure Linda^-^

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Die Nacht war klar, denn es herrschte der Juni. Selbstbewusst und frei schimmerten die Sterne auf das weite Land außerhalb der Stadtgrenze. Die Küste schlief nah und den warmen Wind fand man selbst in der Sonne Schlaf. Etwas knisterte, bauschte sich gewaltig auf und regierte mit fressender Gewalt. Goldene Funken sprühten wild umher und wollten alles niederreißen. Das majestätische Rot thronte auf und lachte mit böswilliger Lust. Es war eben nur Lehm, etwas Holz und doch ein Festmahl für diesen inbrünstigen Flammenturm. Sandiger Boden wirbelte auf, verrückt und ängstlich. Dieses Feuer stach in seinen Ohren, auch weil er das verzweifelte Schreien seiner Familie hörte. Gefangen zwischen den Höllenheißen Wänden aus baldiger Asche und vernichtender Hitze. Der wimmernde Mann strauchelte, stampfte und flehte. Zog an dem Rächer und doch bewegte sich nichts. Er selbst war ein Fischer, abgemagert und in löchriger Baumwolle gekleidet. Abgenagte Sohlen und fransiges Haar, welches ständig auf und ab wedelte. Seine grauen Augen starrten unter Schock und Schande zu seinem brennenden kleinen Besitz hinüber. Lichterloh stand es in Flammen und seine Lieben im Bauch dieser roten feurigen Bestie. Er zog und zerrte an der Hand, die ihn fest am Kragen packte und nie wieder gehen zu lassen schien.
„Bitte, oh die Gnade soll über Euch kommen! Meine Frau und meine Tochter sind in der Hütte! Was ist ihre Schuld daran? Oh, Bes, warum hast du uns verlassen! Re rettet mein Weib! Re rettet mein Kind!“
Die Faust um das alte Obergewand schüttelte ihn zur Besinnung und zwang ihn auf die Knie. Sein Peiniger bleckte die Zähne und erstach ihn mit gelben Augen.
„Dann hättest du dich nicht mit der Unterwelt einlassen sollen.“
„Aber mein Kind wäre verhungert und sichte bald dahin! Was sollte ich sonst tun?“
„Tja, wer seine Zeche nicht bezahlen kann, der sollte damit zufrieden sein, was er wohl verdient.“
In jenen Augenblick hörte man das entsetzliche Schreie zweier Menschen, die keinen Ausweg mehr suchten.
„NEIN!“
Erstaunlicherweise konnte sich der Fischer von Crawley losreißen und stürzte mit einem verzweifelten Aufschrei zu der lichterlohen Lehmhütte. Der rothaarige Dämon zog die Luft ein und innerlich zuckte er nur mit den Schultern. Geschäft war nun mal Geschäft. Doch noch ehe die Flammen auch an dem Fleisch des männlichen Menschen nagen konnten, zog diesen eine unsichtbare, aber dafür gewaltige Kraft von den Füßen. Ließ ihn hart auf den Boden kommen und unglücklicherweise böse mit dem Kopf aufschlagen. Verdattert, da Crawley sich bereits abgewendet hatte, hetzte er mit dem Kopf wieder zurück. Und da spürte er es. Roch es regelrecht, selbst durch die verbrannte Luft und durch verkohltes Holz hinweg. Ein Engel. Der Engel. Irgendwie eroberte ihn eine Starre, als er sich gänzlich umwandte. Und dabei tatsächlich Erziraphael erblickte. Wieso stand er plötzlich da? Einfach so? Es bildeten sich orangene Muster, die lebendig schienen und auf seinen weißen, reinen Gewand umher tanzten. Sein Atem war aufgeregt und diese blauen Augen blickten sonderbar zu Crawley hinüber. Undefinierbar und doch so eindringlich. Er sandte eine Botschaft mit, dessen Worte der Dämon allerdings nicht verstand. Trotzdem durchzuckte es ihn heftig. Was...Was löste der Engel hier gerade in ihm aus? Das blonde Haar wölbte sich auf, während Erziraphael auf die lodernde Hütte zueilte und beide Sandalen in den erhitzen Sand stemmte. Er schloss die Augen, erhob die Arme und unterdrückte bei einer raschen Bewegung einen angestrengten Laut. Plötzlich erstarrte das Feuer. Als wäre eine Zeitlupe in Kraft getreten. Erziraphael schnaufte, verkrampfte sämtliche Finger. Und es sah aus, als würde er die Kraft regelrecht aus den Flammen ziehen. Das Feuer schrumpfte, verformte sich und verpuffte in einer kläglichen Aschewolke. Das Knistern und Lodern durch einen Augenblick ausgelöscht. Zu dieser Stunde dröhnte nun wieder die rauschende Stille der Nacht. Stöhnend fuhr sich Erziraphael über die Stirn und schloss für einen Moment die Augen. Doch gerade als er die Schultern hängen lassen wollte, hörte er das vogelartige Wimmern eines Kindes. Aufgeregt hob er den blonden Kopf wieder an. Richtig, er hörte doch zuvor die Hilferufe zweier Menschen. Vorsichtig trat er durch die schwarzen Überreste und den stinkenden Lehm. Da entdeckte er die Mutter, sie lag seitlich zwischen zwei Steinen. Rußige Flecken überdeckten sein Baumwollgewand, als sich Erziraphael rasch niederkniete und erleichtert feststellte, dass sie doch noch lebte. Sie musste von dem Qualm ohnmächtig geworden sein. Während er weniger angespannt atmete, überflog er mit der flachen Hand die Beine der jungen Frau. Ließ die Brandwunden in Gesicht und Oberkörper verschwinden und hauchte ihr frische Luft ein. Ihr kleines Mädchen kauerte etwas weiter weg und weinte fürchterlich. Der schmächtige Leib zitterte als würde sie frieren, während sie sich an ein halb verbranntes Tischbein klammerte. Bedachtsam ging Erziraphael auf sie zu und lächelte freundlich.
„Hab keine Angst, es ist alles wieder gut.“
Das Mädchen lugte unter ihrer tiefschwarzen Haarpracht hervor und blickte unter ängstlichen Augen zu dem fremden Mann empor.
„Meine...Mama...Mama...Meine Mama.“
„Sie schläft nur, auch ihr geht es gut. Sorge dich nicht, mein Kind. Krieche hervor, dann wird es dir auch besser gehen.“
Mit einem Mal hörte ihr Körper auf zu schlottern. Innerlich erstarrte sie sogar, jedoch weil sich eine ungewohnte Mildtätigkeit vor ihr aufzudecken schien. Es war, als würde sie nun in einem wohligen See baden und nichts um sie herum könnte ihr jemals Schaden zu fügen.
Irgendwas schien an diesem fremdländischen Mann so vertraut zu sein. Etwas beruhigendes wirkte auf das Kind ein und ihr Herz fühlte sich plötzlich warm und ruhig an. Als wäre er ihr Vater, tat sie wie ihr geheißen und kam unter dem verschandelten Tisch hervor. Erziraphael nahm ihre Hand und umschloss sie mit seiner anderen. Sein Lächeln faszinierte ihre Aufmerksamkeit. Während sie in das runde Gesicht starrte, durchströmte ein frischer Wall ihren Körper. Fort waren plötzlich Schmerz und Angst.
„Ist alles wieder gut?“
Schwarze hübsche Augen blinzelten freudig auf und sie wollte soeben auflachen, als hinter ihnen die Frau ihr Bewusstsein wiedererlangte. Strahlend zeigte das kleine Mädchen ihre Zähne und eilte an Erziraphael vorbei.
„Mama! Mama!“

Lächelnd blickte er auf diese friedliche Vereinigung und bahnte sich kurz drauf einen Weg aus den dunklen Trümmern. Aufrecht stehend atmete er tief durch, als er nur noch den körnigen Boden unter sich hörte. Während weit hinter ihm, eine glückliche Mutter ihr Kind umarmte, spürte er immer noch die Anwesenheit eines Dämons. Erziraphael blickte zu Crawley. Im Gegensatz zu ihm, war der Rothaarige obenherum nackt und trug nur einen plissierten Schurz bis zu den Knien. Trotz der Nacht, erkannte der Engel einen silbernen Reif an dessen Oberarm und wie sich die Sandalen vor unterdrückter Wut spannten. Crawley starrte ihn fest an und eine bedeutende Unzufriedenheit schien in das kantige Gesicht gemeißelt worden zu sein. Es befanden sich zwar einige Meter zwischen ihnen, doch der eine konnte die Aura des anderen deutlich auf der Haut spüren. Allerdings konnte der eine aber auch nichts mit der Ausstrahlung des jeweils anderen anfangen. Erst wollte der Dämon einfach verschwinden. Doch während der Umdrehung, hob er einen ausgestreckten Zeigefinger auf den Engel.
„Misch dich nie wieder in einen meiner Aufträge ein, verstanden?! Nie wieder!“
Doch Erziraphael blieb ruhig und blickte kurzzeitig auf die eigenen Hände, die sich gegenseitig knebelten.
„Habe ich doch nicht. Ich halte mich auch nur an meine Arbeit. Ich war rein zufällig hier, mehr nicht.“ Hier erhob er die blauen Augen und gebar einen neuen Blick. Einen Blick, den Crawley nicht kannte, der ihn missfiel und tief in ihn einzudringen schien. Zähneknirschend winkte er ab, weil er eine mürrische Wut in sich spürte.
„Tu das einfach nie wieder. Bis die Tage, Engel.“
Erziraphael zuckte leicht vor und krallte die Hände noch enger zusammen.
„Aber, Crawley......Crawley!“
Ja, das Herz war erschüttert. Ja, der Körper mahnte ihn zur Vorsicht. Und ja, der Kopf riet ihm zu einem sicheren Abstand. Auch wenn er wusste, dass Crawley als Dämon solche abstoßenden Aufträge besaß, wollte Erziraphael nie etwas davon wissen. Doch nun war es passiert. Einfach so entstand zwischen ihnen diese immer vorhandene Wahrheit. Alles in ihm fühlte sich plötzlich wie ein aufgedeckter fauler Hokuspokus an. Doch Erziraphael wollte nichts davon hören. Da musste mehr sein. Dort befand sich auch mehr. Denn trotz allem wollte er eines Tages mit ihm Wein trinken. Wollte sich wieder mit Crawley treffen, ungezwungen und beliebig. Gerade als er sich in Bewegung setzen wollte, gesellte sich die junge Mutter zu ihm und blickte kurz dem Dämonen fraglich hinterher. Doch sogleich war ihr bettelnder Blick wieder auf Erziraphael.
„Meine Tochter schwor, dass Ihr uns errettet habt. Ich bitte Euch, blickt auch nach meinem Manne, oh, Ihr Gesandter von Re.“
Nach einem letzten verlorenen Blick nach Crawleys Gestalt, seufzte der Engel nur auf und ermahnte sich zur Geduld. Wahrscheinlich wollte er ihn sowieso nicht sehen, sonst wäre Crawley nicht mit solch einem Gesicht davon gestürmt. Nachdem er erneut seufzte, lächelte der Engel die gute Frau nur wieder an und schritt zu ihrem bewusstlosen Ehemann.

Natürlich hatte Crawley ihn gehört. Und für einen kurzen, aberwitzigen Moment stolperten seine Beine, da sie doch tatsächlich stehen bleiben wollten. Dämliche menschliche Gestalt. Aber irgendwie konnte er es wirklich nicht ertragen und plötzlich wollte er nur noch fliehen. Wieso nur? Das einzige was Crawley klar war, war dass er diesem Blick nicht länger standhalten konnte. Es fühlte sich so...so anklagend an. Oder? Oder vielleicht doch nicht. Der Engel war kein Wesen für eine Anklage, nicht einmal ihm gegenüber. Doch was war es dann? Ngk! Und dreimal Ngk! Ohne das er es bemerkte fand sich Crawley blitzschnell in der Stadt Alexandria wieder und trat mit seinen langen Beinen einen sinnlosen Kampf gegen die römisch gepflasterten Straßen an. Kaum einen Menschen sah er, doch viele Geräusche empfingen seine feinsinnigen Ohren. Die Nacht wuchs über ihn hinweg, stellte ihn vor einen baldigen Morgen und konnte doch die Anschuldigungen nicht verbergen.
„Warum musste er dort auch aufkreuzen? Was hat denn der Engel außerhalb einer Stadtmauer zu suchen, verdammt?! Was will er überhaupt in Alexandria? Natürlich bin ich ein Dämon, der dämonische Dinge tut. Das weiß er doch, also war rein gar nichts falsch daran! Es war mein Auftrag. Was will er denn von mir? Verflucht!“
Die rechtwinkligen Straßen bekamen einen selbst murmelnden Besucher. All die Paläste und Tempel wurden ignoriert und hinter sich gelassen. Hohe Palmen streckten sich den Häusern entgegen und schwiegen doch über Crawleys Kritik. Seine Schritte jedoch wurden langsamer.
„Es war doch nur ein unbedeutender Auftrag. Es hatte keine Bedeutung für mich, überhaupt nicht. Wenn dieser Mensch sich auf uns einlässt und sich nicht an die Spielregeln hält, dann kann ich doch nicht so einfach die Verurteilung wegfallen lassen, verdammt! Ein Auftrag ist ein Auftrag und daran gibt es nichts zu rütteln!“
Durch die nächtliche Zeit und die schlafende Bevölkerung konnte man den Wellen des Meeres aus dem Hintergrund leise lauschen. Und von der anderen Seite trug der Wind seichte Luft aus der Wüste heran. Ein harmonisches Gemisch für aufgebrachte Gemüter. Pharos leuchtete hell und tauchte die weite Stadt ab und an in ein wachendes Licht. Crawleys Schritte wurden immer langsamer.
„Wieso nur hat er es gesehen?“
Er blieb stehen. Niemand der seinen Namen vertraut aussprach. Kein lächelndes Gesicht, wenn er zufällig irgendwo erschien. Was quälte ihn bloß so sehr an diesem Umstand, dass der Engel ihn bei der Arbeit sah? Es war vollkommen absurd. Crawley liebte sein höllisches Dasein, er war gerne ein Dämon. Und doch....was störte ihn bloß an diesem blauen Blick, der ihn dabei so ungewohnt gegeben wurde? Irgendwo schien ein Brunnen zu plätschern und der Wind legte sich etwas. Dennoch wippte der gekräuselte Zipfel seines Schurzes wage auf. Plötzlich erinnerte sich Crawley an Erziraphaels Wolkenweißes Gewand. Wie sich der Ruß darüber breit gemacht hatte. Nun wünschte er sich er hätte diese Flecken ausgemerzt.
„Wenn ein Mann solch ein Gesicht zieht, dann steckt meist die Gestalt des Weibervolkes dahinter.“
Diese angeheiterte ausgeleierte Stimme kam von einem hockenden alten Mann, welcher sich an einer Hausmauer befand und soeben an einem braunen Krug nuckelte. Während ihm eine dunkle Flüssigkeit an beiden Seiten des Kinns herunterfloss, verzog Crawley nur angewidert das Gesicht. Dessen Körpergeruch strahlte sich aber weit aus. Höchstwahrscheinlich waren die besseren Tage schon längst vergangen, wenn man ihn so ohne Schuhe und nur mit einem minimalen Schurz bekleidet sah. Der alte Mann rülpste und wischte sich den verlausten Bart natürlich nicht trocken.
„Welch süßer Ort ist doch die Welt, wenn sie nicht in des Weibes Hände fällt.“
„Halte endlich die Klappe, es handelt sich nicht um eine Frau.“
Der Alte kicherte und hickste. Er fuchtelte wild mit den Zeigefinger und wippte mit dem Gesäß auf und nieder.
„Ihr wisst es nur noch nicht. Den das einzige was eine Veränderung in das Leben eines Mannes bringt, ist das Gemüt eines Weibes. Ihr müsst euch abmühen, sonst seid Ihr dahin. So glaubt mir. Ein Mann hat nur ein ruhiges Leben, wenn das Weib selig ist. Darum, schert Euch zu Ihr und flüstert etwas von Veränderung.“
Crawley stockte. Was war das? Versoffen grinste der Mensch bloß ungenau und nickte heftig mit dem krausen Kopf.
„Ja, Ja, es ist nämlich doch die Wahrheit.“
Er wusste nicht wieso, aber irgendetwas hörte sich tatsächlich nach einer Lösung an. Deswegen drehte sich Crawley halbwegs zu ihm herum.
„Soll...ich etwa meine Gestalt verändern, oder wie?“
„Unsinn, junger Herr. Es reicht nur die Wende von der Größe einer Maus. Bemerkt sie dass Ihr Euch bemüht etwas zu ändern, dann ist ihr Herz bereits beglückt. Mehr braucht Ihr nicht zu tun. Flammt mit dem Willen auf und sie scheint verliebt.“
Ohne ein weiteres Wort des Dankes, des Abschieds oder gar einer Floskel zu verlieren, drehte sich Crawley schleunigst um die eigene Körperachse und schritt davon. Der alte Mann rülpste lauthals und ließ enttäuscht die Schultern sinken. Er dachte schon, er hätte einen Freund für die Nacht gefunden.

So schnell wie ein Falke führten ihn seine Füße zurück an die Stadtgrenze. Lilafarbige Silhouetten verbreiteten sich am Himmel und Re schien die Sonne zu seinem Spielball werden zu lassen. Crawley schnaufte sogar tröge, als er endlich zurück an den Ort der Verwüstung kehrte. Die Fischer-Familie sortierte soeben aus den Trümmern das nützliche und das wertlose heraus. Während der Mann immer noch zu weinen schien, half das kleine Mädchen der tüchtigen Mutter. Freudloser Wind umschmeichelte Crawleys Ohr, doch keine Sicht eines goldhaarigen Engels. Er blickte sich eilig um, doch noch nicht einmal dieser süßliche Geruch lag mehr in der Luft.
„Verflucht.“
„Verzeiht, aber Ihr seid doch der Freund des Gesandten, oder täuscht mein Auge? Euer Name war....Cr..Crowley?“
Genervt deutete der Dämon eine rotierende Geste neben seinem linken Ohr an.
„Crawley. Es heißt Crawley. Ohrenwaschen wäre nicht schlecht, wenn du schon andere belauschst. Und jetzt verschwinde.“
„Verzeiht mir noch einmal. Aber Euer Name ist nicht mit denen unseres Volkes verwandt. Es ist wahrlich schwer ihn auszusprechen.“
Augen verdrehend stöhnte Crawley aus und ließ für einen Moment den Kopf nach hinten fallen, als ihm etwas entscheidendes einfiel. Etwas zu ruckartig wirbelte der Dämon zu ihr hin. Worauf das dünne Gewand der jungen Mutter erschrocken aufzuckte und aus Reflex sie ihre Hände vor die halbnackte Brust schob.
„Der Wunderknabe der euch geholfen hat, kommt er wieder?“
„Nun, zwar bot er an bei dem Wiederaufbau unsere Hütte zu helfen, doch ich lehnte seine Großzügigkeit ab, woraufhin er freundlich entschwunden war. Es tat mir im Herzen weh, da ich ihm doch ein wenig von unserem Mahl...“
„Ja, ja, ja, komm´auf den Punkt. Hat er gesagt wo er hin wollte?“
Noch während die junge Frau kurz darüber nachdachte, bemerkte Crawley, dass der Fischer ihn gar nicht zu beachten schien. Immer noch weinend rollte er nur einen Stein auf den anderen und schluchzte vor sich hin. Doch als der weibliche Mensch nach Luft rang, richtete er die Aufmerksamkeit wieder zurück auf sie.
„Als ich ihn dies fragte, verkündetet er, dass er an einen Ort außerhalb Ägyptens reisen wollte. Nach Jerusalem, glaube ich.“
Irritiert schüttelte der Dämon nur die langen roten Haare.
„Warum sollte er denn dahin wollen?“, meinte er mehr zu sich selbst. Doch die Frau fühlte sich selbstredend angesprochen und machte ein unwissendes Gesicht.
„Nun, ich weiß nicht genau. Der Gesandte hörte vielleicht ebenfalls von diesen abergläubischen Geschichten und wollte die Wahrheit dahinter sehen. Denn ich hörte ebenfalls aus der Stadt, dass dort ein junger Mann durch die Lande ziehen soll. Er predigt das Wort seines Gottes auf ebenso sonderbare Weise wie er selbst einer ist. Ich hörte er sei aus dem Volk der Sklaven.“
Plötzlich winkte Crawley ihr Gerede ab und wirbelte herum.
„Ja, was auch immer. Viel Spaß noch beim aufräumen.“
Er ließ die erstaunte Frau zurück und stampfte noch einmal in die Stadt. Jerusalem also. Wenn es sein musste, dann würde er ihn auch in den Malaysischen Dschungel folgen. Dieser stinkende alte Mensch hatte irgendwie schon recht. Eine winzige Veränderung musste her, damit Erziraphael diesen Vorfall so schnell wie möglich vergessen sollte. Oder noch viel besser: der Engel musste glauben, dass Crawley eine Veränderung durchmachte. Jawohl. Es wäre keine Lüge, sondern vielmehr eine überspitze Übertreibung wirklicher Tatsachen. Und demnächst durfte er nicht wieder zulassen, das Erziraphael in der Nähe war, wenn Crawley einen Auftrag hatte. Nie wieder. Eigentlich wusste er nicht wieso er das wollte, aber er würde alles dafür tun, um dieses ekelhafte Gefühl loszuwerden. Und irgendwie hat es etwas mit Erziraphaels Meinung über ihn zu tun.
Doch was sollte er eigentlich ändern? Es musste irgendetwas auffälliges sein, mh. Wie dem auch sei, es würde ihm noch rechtzeitig einfallen, bevor er in Jerusalem auf ihn traf. Wichtig war momentan nur eines: Crawley hatte nun ein Ziel. Welches nur dann ein Erfolg war, wenn der Engel glaubte, dass mehr in ihm steckte, als nur ein einfacher Dämon. Vor lauter Euphorie wetzte er die Zähne aufeinander und die Haare tobten ihm Wind. Er liebte Herausforderungen. Und irgendwie liebte er diese ganz besonders, weil es mit Erziraphael zu tun hatte. Wie seltsam.
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