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"Tanz der Amphisbaena"

von Die Linda
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
10.08.2020
15.05.2023
17
67.542
7
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.10.2020 2.123
 
Guten Abend liebe Kumpane! ^o^

Heute ist es wohl eher ein kleines Zwischenspiel. Denn eigentlich hat es nicht wirklich etwa mit ihrer Entwicklung zu tun, finde ich zumindest. Wenn ihr etwas anderes darin seht, umso besser. :D
Es hätte nicht sein müssen, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. XD  
Tut mir leid, aber ich musste es schreiben, weil die Vorstellung zu süß ist.
*räusper*
Ach ja, und es sei nur ein was gesagt: Crowley benutzt den ältesten Männertrick der Welt. XD

Viel Spaß und bis zum nächsten Mal. Bleibt gesund. <3

Eure Linda ^-^

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Für seinen Geschmack sah das Gerüst wackelig und lebensbedrohlich aus. Nur Holz, etwas Metall, Schrauben und...wie nannten sich diese Dinger noch gleich? Ach ja, Federn. Erziraphael äugte vom Trafalgar Square aus verdrießlich auf dieses Ding, dass sich Touristenattraktion schimpfte. Dem plappernden Menschenauflauf nach zu urteilen schien es auch zu stimmen, musste der Engel völlig entsetzt feststellen. Wie konnte man nur gut und gerne so leichtsinnig sein Leben in Gefahr bringen? Dieses sogenannte >Schwebende Zimmer< soll den zahlenden Kunden in eine beachtliche Höhe transportieren, damit dieser einen wunderbaren Panoramablick über die Mitte Londons genießen konnte. Erziraphael schluckte benommen und fragte sich, welche Himmelsgesänge ihn nur dazu überreden konnten mit >Aber gerne doch< zu antworten, als Crowley ihn fragte, ob er ihm etwas aufregendes zeigen dürfe. Er wusste doch mittlerweile, das dieser Dämon eine völlig andere Definition von gewissen Worten beherrschte. Bei Erziraphael nämlich war >aufregend< nur der Inbegriff eines skandalösen Buches oder eines plötzlichen Regeneinbruchs, wenn man im Park ohne Schirm spazieren ging. Entmutigt reckte er den Nacken nach hinten um das Ende dieses Monstrums ausfindig zumachen, als er plötzlich einen leichten Klaps am Ellenbogen bemerkte.
„Komm schon, wir sind gleich dran.“
Hartschluckend lüftete Erziraphael den Kragen und folgte einem eifrigen Dämon, dessen Schlangenstock freudig gegen das Metallgerüst schepperte.
„Uhh, das wird lustig.“
„Na, ich weiß ja nicht.“
„Ach komm, schon, Engel. Einmal oben zu sein, ohne fliegen zu müssen, das hat doch was aufregendes.“
Da, schon wieder dieses Wort. Es brachte eindeutig Unheil, wenn es aus einem dämonischen Mund kam. Besonders aus diesem Mund.
Sie betraten die Plattform und ein Uniformierter schloss das Gatter hinter ihnen. Sie waren nun in eine Art Käfig gefangen, der ihnen bis zur Taille reichte. Der Mensch gab noch vorschriftsmäßige Sicherheitshinweise, die den Engel allerdings mehr zum schwitzen brachten, als ihn zu beruhigen und winkte ihnen zum Abschied zu.
„Genießen Sie die Fahrt und den Blick, Sirs.“
Dann umgriff der Mann an seiner Schaltanlage einen riesigen Hebel, ließ etwas klicken und legte ihn mit beiden Händen um. Die Plattform zischte kurzlebig auf, ruckelte und da plötzlich ging es los. Aufwärts.
„OjeOjeOje.“
Crowley beäugte ihn grinsend.
„Warum bist du denn so nervös? Das ist alles Metall und Ingenieurskunst, Erzi. Wenn auf irgendetwas von diesen Menschen Verlass ist, dann auf das. Sieh doch mal, wir können bald das Dach deines Buchladens sehen.“
„Oh ja, sehr, sehr schön. Können wir nun wieder runter?“
„Wir sind doch noch nicht mal ganz oben.“
Die Meter zogen an ihnen gemächlich, aber immer noch viel zu leichtsinnig für Erziraphaels Geschmack, an ihnen vorbei. Während Crowley jede aufkeimende Höhe sichtlich genoss, versuchte der Engel es ihm gleichzutun, aber es ging nur mühselig voran. Die Plattform signalisierte ihm aber, mit der relativ ruhigen Fahrt, das alles in Ordnung wäre. Deswegen geschah es auch nach kurzer Zeit dass sich jeder Muskel wieder entspannte. Er lächelte sogar, als er das üppige Grün des St. James Parks erblickte. So grausig scheint es ja doch nicht zu sein, dachte Erziraphael bei sich und begann es sogar richtig zu genießen. Die kühle Luft in dieser sommerlichen Zeit war erholsam und die Aussicht empfand er nun doch als wunderschön. Besonders da der rothaarige Dämon dabei an ihn gedachte hatte, machte ihn ein bisschen glücklich. Crowley wollte sich anscheinend mit ihm treffen nur um ihm eine Freude zu bereiten. Verlegen rückte der Engel näher an den dunklen Zweireiher heran und räusperte sich.
„Ich hatte zwar meine Bedenken, aber inzwischen gefällt es mir wirklich sehr. Ich freue mich stets, wenn du so nett bist.“
„Dieses Wort existiert nicht in meiner Arbeitsbedingung, das weißt du doch. Ich hatte es nur zufällig in der Times gelesen und weil ich gerade heute mal Lust auf Gesellschaft hatte und ich sonst niemanden kenne, habe ich dich eben gefragt. Ich bin natürlich nicht freundlich.“
Nur dir gegenüber, dachte sich Crowley dazu, während er so tat als würde er in der weiten Ferne Londons nach etwas bestimmten Ausschau halten. Innerlich jedoch war er erleichtert, dass sich Erziraphael nun endlich wohl fühlte und es doch als etwas schönes empfand. Nur in seltenen Momenten war er wirklich aufrichtig zu sich selbst. Und dies hier war so ein Moment. Natürlich wollte er Erziraphael nur eine Freude machen. Denn sonst hatte er eigentlich nur geplant den ganzen Tag zu verschlafen, so wie die restlichen Wochen bis zum Ende des Jahres. Im Schutz der dunklen Gläser schielte der Dämon zu seinem Nachbarn hinüber und erhaschte ein fröhliches Gesicht, das mit liebenswürdigen Augen in die Richtung seines Buchladens blickte. Crowleys Herz machte einen winzigen Freudensprung und er wollte nicht darüber nachdenken. Irgendwie hatte er zum ersten Mal das Gefühl, sie beide wären nun wirklich allein. Nur sie beide, wie schön sich so ein Gedanke anfühlen konnte. Crowley war kurz davor sich selbst ins Gesicht zu schlagen.  
Als sie bereits über den Hausdächern des Zentrums waren hielt die Maschine endlich an und es schien als würden sie wirklich schweben. Erziraphael ließ sich auf all diese natürlichen Reize ein und atmete tief durch, während der Dämon sich nur auf seinen Stock stützte und lässig über die Schulter blickte.  
„Ich habe jetzt übrigens eine Wohnung hier in London.“, kam es unerwartet von ihm, ohne auf den Engel zu achten. Erziraphael indes drehte sich erstaunt um. In diesen hübschen großen Augen begann etwas zu schimmern.
„Oh, wirklich? Wie überraschend. Ich dachte immer du findest die Metropole zu aufwendig.“
Hier tat Crowley ein gleichgültiges Schulterzucken.
„Ach naja, in den Zeitungen habe ich gelesen, dass die hier eine hohe Deliktrate hätten und ich will doch mal sehen, ob ich sie nicht ein wenig erhöhen kann. Sagen wir innerhalb eines Monats?“
Er grinste hinterhältig und Erziraphael schnaubte. Natürlich, warum auch sonst.
„Aber bitte verschone Soho. Wo genau befindet sich denn deine Bleibe?“
„East End.“
„Warum frage ich eigentlich? Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie gut du dich dort fühlen musst.“
Der blonde Kopf wandte sich wieder um und begann sofort glückselig zu lächeln. Über die zukünftige Aussicht, dass er den Dämon nun öfter sehen würde. Gerade als der Engel fröhlich ein Liedchen pfeifen wollte, ruckelte der Fahrstuhl wieder auf. Allerdings so ungewohnt heftig, das die Plattform zu wanken begann. Während Crowley ungerührt wie ein Baum immer noch gerade stand, erschrak Erziraphael so derart, dass er mit einer Hand nach seinem Freund griff. Und keine Sekunde später schien die Maschine erneut zu stolpern, noch rücksichtsloser und derber. Der Engel taumelte zur Seite weg und verkrallte sich unwillkürlich in den Mantel des Dämon. Er ließ den Stock automatisch fallen und drückte sich Haltsuchend in Crowleys Seite hinein. Während zwei gelbe Augen überrascht an sich runter blickten, starrte der himmlische Gefährte nur erschrocken um sich.
„Was war das denn?“
„Ach, nur die Technik. Die kriegen das unten wieder hin. Bleib ruhig.“
Doch irgendwie schien ihm der Blonde nicht zu zuhören, er hielt sich lieber noch stärker an dem Dämon fest. Crowley betrachtete dieses unsichere Gesicht, spürte die molligen Fingerchen in seinem Stoff und fühlte wie diese reine Aura sich immer mehr verstärkte. Er konnte nichts dagegen tun, überhaupt nichts. So sehr er sich auch dagegen sträubte, aber Crowley musste es sich eingestehen: Er fand es süß! Wie sich Erziraphael unwillkürlich, aber doch so hilfesuchend an ihn klammerte, gefiel dem Dämon. Sehr sogar. Wie gesagt, heute war der Moment der eigenen Ehrlichkeit. Und diese dampfte durch Crowley hindurch wie eine gutgelaunte Eisenbahn. Die leichte Vibration hatte aufgehört und die Plattform begann wieder ruhig und langsam nach unten zu gleiten. Dadurch ließ der Engel von ihm ab.
„Große Güte, das war jetzt etwas beunruhigend.“
Innerlich seufzte Crowley auf, es war vorüber, schade drum. Plötzlich kam ihm aber eine Idee. Ja, warum eigentlich nicht?, tüftelte er gerade schelmisch vor sich hin. Plötzlich, als sich Erziraphael nach seinem Stock bücken wollte, kreiste der Dämon ein wenig mit seinem Fuß und die Plattform begann erneut zu rütteln. Ziemlich vehement. Mit einem neuen Schrecklaut schaukelte es den Engel grob zur Seite hin und er hielt sich wieder bedingungslos an Crowley fest. Nein, wie niedlich. Säuselte der Dämon, während er sich ein tiefes Feixen verkneifen musste.
„Wir...Wir sollten uns hinunter teleportieren. Was ist wenn wir abstürzen?“
Gekünstelt ernst, schnalzte Crowley nur mit der Zunge.
„Entfache doch nicht gleich einen Wirbelwind, Erzi. Außerdem, weißt du was für einen Schock die Menschen bekommen, wenn wir plötzlich nicht mehr in der Kabine sind? Die denken doch noch wir wären gesprungen oder so was. Das hört gleich wieder auf, ist bestimmt normal.“
Mit feuchter Stirn wog Erziraphael die einleuchtende Ansage ab und musste dem wohl oder übel zustimmen. Ohne es zu merken, hörte er gar nicht mehr auf sich an den Dämon zu klammern. Doch als er spürte, dass es wieder ruhiger wurde, hielt er kurz den Atem an und stellte sich wieder auf. Kaum, dass er wieder die Arme um Crowleys Oberkörper genommen hatte, wurde wie durch ein Wunder ein neues Zittern entfacht und die Plattform stotterte kaltblütig los. Sofort flüchtete Erziraphael wieder an den dämonischen Körper und kniff kurzzeitig die Augen zusammen. Crowley musste rasch den Kopf abwenden, damit er sich unbemerkt auf die Lippe beißen konnte. Runterschlucken. Er musste das bellende Lachen hinunterschlucken. Es war einfach nur zum brüllen süß. Und außerdem schön warm. Erziraphaels Körper schmiegte sich so fest an den seinen ran, das es den Rothaarigen viel zu gut gefiel.
Dieses Spielchen trieb Crowley nämlich noch zweimal, ehe er es endlich seinließ und dem armen erschöpften Engel seinen Frieden zurückgab. Die letzten 10 Meter schob sich der Kasten ganz geruhsam Richtung Erde. Erziraphael wusste ja nicht, ob noch etwas kommen würde, weswegen er sich ungebrochen an den Dämon festklammerte. Dieser wiederum räusperte sich, innerlich breit grinsend.
„Ähm, es hat aufgehört, Engel. Wenn du nichts dagegen hast, dann würde ich gerne mich selbst wiederhaben wollen.“
Verdattert darüber was er wohl meinte, blickte der Blonde ihn nur fragend an und registrierte im selben Moment, was er da eigentlich mit Crowley tat. Plötzlich erblühte ein purpurroter Kopf auf dem Engelskörper und Erziraphael stieß sich selbst und blitzartig von dessen Körper fort.
„Ich...Ich...das tut mir leid, das war keine Absicht. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Entschuldige.“
„Och, dafür nicht.“
Dann waren sie endlich unten angekommen.

Ziemlich erquickt entstieg der Dämon der Plattform und schwang seinen Gehstock durch die Luft, kaum, dass sie die kleine Menge an Sterblichen hinter sich gelassen hatten. Nun war er derjenige der hätte pfeifen können. Wenn es hinter ihm nicht so elendig gestöhnt hätte. Erziraphael setzte sich den Zylinder wieder gerade auf und zupfte sich die Weste zurecht.
„Es ist so, wie ich es immer sage: Moderne Technik ist Teufelswerk.“
Hier erhob Crowley den Zeigefinger.
„Nein, die Teufelskerle die du meinst heißen Burton und Hormer. Wir haben damit nichts zu tun. Das alles ist auf deren Mist gewachsen. Aber ich finde es großartig. Ich bin gespannt, was die Menschen wohl noch alles erfinden werden.“
Der Blonde stöhnte immer noch auf und fühlte erst nach wenigen Minuten seine Beine wieder. Sie liefen den Trafalgar Square entlang und mit jeden Schritt kam ein erholtes Bewusstsein in den himmlischen Körper zurück.
„Solch eine Erfahrung möchte ich nie wieder erleben. Es war regelrecht furchtbar.“
„Aber ich war doch da.“
Erziraphael hielt plötzlich inne und flanierende Menschen mussten ihm ausweichen. Was war das? Der Engel starrte auf den dunklen roten Rücken und versuchte ganz klug diesen Satz zu entschlüsseln. Denn dessen Worte bestimmten einen Ton, den er so noch nie von ihm gehört hatte. Einfach so anders. Nun hielt auch Crowley an und drehte dann nur den Oberkörper nach ihm um. Sah in dieses fragende Gesicht und offenbarte ein seltenes ernstgemeintes Lächeln.  
„Wenn ich bei dir bin, dann wird dir niemals etwas geschehen, Engel. Verlass dich drauf. Und jetzt komm, ich geb´ dir einen aus.“
Irgendwie verpassten es die Wangen rot zu werden, vielleicht lag es aber auch daran, weil es sich so natürlich anhörte. Und Erziraphael wusste es in seinem Inneren. Ja, es hörte sich zum ersten Mal ein klein wenig nach ihrer eigenen Realität an. Ohne Seiten. Schüchtern lächelnd schloss er trippelnd zu Crowley auf und überlegte wo sie wohl nun einkehren könnten. Der Dämon hingegen dachte dabei eher an seine Wohnung.
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