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"Tanz der Amphisbaena"

von Die Linda
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
10.08.2020
03.02.2021
16
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10.08.2020 2.924
 
Hallöchen und Herzlich Willkommen zu meiner neuen Schandtat. :D

Nein, eigentlich ist es sehr genüsslich den beiden dabei zu zusehen, wie sie sich immer mehr verlieben, nur leider nicht im gleichen Tempo und auf unterschiedliche Art und Weise. Aber sie kriegen´s schon hin, verlasst euch drauf......irgendwie XD

Auch wenn es Crowley dem armen Erzi nicht besonders leicht macht und anders herum anscheinend auch nicht. Fazit: Sie nehmen sich nicht viel.

So, nun aber viel Spaß beim Auftakt und bis bald.

Passt auf euch auf und ich wünsche euch einen angenehmen Start in die Woche.

Eure Linda ^-^

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Das kluge Feilschen der Händler und das entgegensteuern der unzähligen Menschen waren nichts zu den reflektierenden Sonnenstrahlen der rosa marmorierten Kalksteinblöcke der Straße. Weitergegeben von den blauen Emailleziegeln des zinnengekrönten Doppeltores. Erziraphael kniff die Augen ein wenig enger und gab sich rasch und ungeniert vor der prachtvollen Majestät einer Stadt geschlagen. Wie verlogen wäre es gewesen, wenn er so täte, dass er nichts von all den Lastern und sorgenfreien Gedanken dieser Menschen mitbekommen würde. Wo Reichtum haust dort lockt die Sünde. Aber dennoch strahlte für ihn der Schöngeist stärker als jedwedes Sakrilegium. Sein Herz schlug ganz neugierig, als er in der Menge der Menschen durch das Ischtartor stolzierte und plötzlich im Schatten dieser beeindruckende Monumentalität stand. Leider konnte er all die Gerüche und Schwingungen in seiner Umgebung nicht ignorieren, so sehr er es auch versuchte. Manchmal pikste es, es roch würzig, mild, scharf, fad und vielleicht eisenhaltig. Und irgendwie durchzog ein übelriechender Geruch von Bitterkeit und Säure mit. Natürlich packten in solch einer Metropole Dämonenhände kräftig zu. Erziraphael musste aufpassen. Die bunt angezogene Masse machte es ihn nicht sonderlich leicht einen Blick auf all jene Schätze zu werfen die man in den Reichen von Tigris und Euphrat zu finden vermochte. Die Marktstände der 10 Meter breiten Prozessionsstraße gingen bis hinauf zum Palast und ließen ebenso viele schwatzende Menschen zu. Erziraphael überfiel die Faszination, als er einen bestimmten Stand ins Auge fasste, weil dort alles vor Gold, Zink und Bronze glänzte. Oh, wie er solche Dinge liebte. Während der Händler bereits einen anderen möglichen Käufer blenden wollte, entdeckte der Engel viele verschiedene Armreifen, Haar- und Ohrenschmuck, Fibeln, Ringe, Halsgehänge und bescheidenere Anhänger. Fremdländische Steine, feinsinnig verarbeitet und gebogen. Die goldenen Fransen seiner lila Tracht kitzelten ihn am rechten Unterarm, als er die Hand nach einer Kette ausstreckte. Dieser Anhänger bestand aus Bernstein, gehalten von einem schmächtig schwarzen Lederbändchen. Erziraphaels Blick begann zu strahlen, denn in jenen Schmuckstein wurde eine Schlange in Gold verfasst, sie wand sich und trug winzige raffinierte Augen. Plötzlich schmunzelte er. Denn diese Farbe erinnerte ihn an die von Crawley. Inzwischen waren ihre Treffen zu einer wunderbaren Abwechslung herangewachsen und Erziraphael hatte bereits vor wenigen Jahren einen Entschluss gefasst. Er wollte ihn als einen Kameraden betrachten, eventuell sogar irgendwann als....einen Freund? Nun gut, das wäre vielleicht etwas zu utopisch, dachte sich der Engel und lächelte verschüchtert in sich hinein, als er erneut von diesem Anhänger fasziniert war. Es wäre ein hübsches Geschenk für einen zukünftigen Gefährten, überlegte sich Erziraphael weiter und legte dem Händler auch schon die entsprechende Bezahlung auf die Waage.

In einem unauffälligen dünnhäutigen Beutelchen trug der Engel nun die Kette wie einen kleinen Schatz vor sich her. Während er überdachte wie er Crawley wohl dieses kleine Symbol ihrer Koexistenz anbieten könnte, griff ganz plötzlich jemand nach seinem Handgelenk. Dieser jemand drehte hektisch an Erziraphael herum und zerrte ihn wortlos und recht zügellos hinter sich her. Völlig empört umklammerte er sein Geschenk umso fester und versuchte sich mit aller Macht abzubremsen. Der Unbekannte schien ihn jedoch in eine kleine verengte Gasse ziehen zu wollen.
„Was erlaubt Ihr Euch?“
„Alles was ich will.“
Überrascht blickte Erziraphael plötzlich mitten hinein in das kantige Gesicht seines Entführers.
„Crawley?!“
Der rothaarige Dämon trug eine hohe Kopfbedeckung und seine hiesige Kleidung strotzte vor schwarz, rot und einem ausgiebigen Schlangenornament quer über den Leinenstoff. Gelbe Augen unterstrichen den barschen Befehlston nur noch mehr, als Crawley gleich noch schneller lief.
„Psst, nicht so laut. Und lass dich gefälligst nicht so ziehen, komm schon.“
Nun weniger aufgeregt ließ sich der Engel tatsächlich bereitwillig in die kleine Nebenstraße führen. Er freute sich innerlich, dass er ihn zwischen all den hunderten von Wesen getroffen hatte. Ausgerechnet ihn. Wie schön doch diese Zufälle waren.
Crawley machte endlich Halt und ließ dessen Handgelenk los. Sie befanden sich an der hohen Mauer des Schlossgrabens, welcher die Gasse in ein düsteres schmales Loch verwandelte. Wahrscheinlich war dies die einzige Stelle in ganz Babylon wo sich die Sonne noch nie verlaufen konnte. Welch herrliche Abkühlung, fand Erziraphael lächelnd und hielt den dürren Beutel nun etwas lockerer. Der Dämon indes spähte wie ein Schießhund. Immer zur Prozessionsstraße zurück und hinter Erziraphael, bis...
„Was zum Teufel tust du denn hier?“
„Dies hier ist die bedeutendste Stadt der Welt, mein Guter. Ich wollte mir unbedingt diese fabelhaften Reliefs betrachten. Hast du diese ausgefeilte Architektur gesehen? Diese glasierten Löwen am Ischtator sind...“
Erziraphael deutete mit ehrlicher Bewunderung auf die gigantische Handelsstraße hinter ihnen und wollte soeben einige Schritte wieder in diese Richtung setzen, als sich Crawley ruckartig vor ihn aufdrängte. Die spitzen Eckzähne sprossen wie winzige Eisberge hervor, als er vor Verwunderung den Mund aufriss.
„Du kommst an den verdorbensten Ort des Planetens, nur weil du es schön findest wie sie bekritzelte Steine übereinanderstapeln?“
Leicht verunsichert formte der Engel nur ein fragendes: „Jaaa, anscheinend.“
Dramatisch warf sich der rote Kopf weit zurück.
„Menschenskinder, hättest du da nicht einfach nach Dubai gehen können? Das hier ist kein Ort für Engel. Das müsstest selbst du gespürt haben.“
„Ja, schon, aber ich besuchte gerade die Bibliothek von Mari und dabei dachte ich, dass ein kleiner Sprung hierher nicht schaden könnte.“
„Tut es aber und jetzt verschwinde wieder von hier.“
„Crawley?“
So schnell konnte Erziraphael gar nicht denken, als der Dämon ihn plötzlich an der Schulter packte und an die Wand stieß. Crawley selbst breitete sich vor dem Engel Richtung Straße aus, während er den einen Arm an der Mauer anwinkelte und die anderen Hand gegen die Hüfte stemmte. Das breite Gewand bewirkte eine unglaubliche Abschirmung für den Engel. Denn ein anderer Dämon war aufgetaucht. Jedoch blieb dieser in der Sonne stehen und gaffte mit verzogenem Gesicht in die verdunkelte Gasse hinein. Seine Ohren standen rechtwinklig ab und die leicht gelbliche Farbe seiner Haut wirkte mehr als unmenschlich. Außerdem hing eine gewaltige fettbeinige Spinne an seinem linken Ohr.  Anpassungsfähigkeit war also nicht dessen Stärke.
„Na, da haben wir ja Asasel. Was willst du denn?“  
Der braunhaarige Dämon kratzte sich am Bauch und versuchte noch tiefer in die Gasse zu blicken.
„Das frag ich dich, was treibst´n da?“
Crawley blieb natürlich in seiner ausgedehnten Körperhaltung stehen und zuckte dennoch mit den Schultern, ohne das Erziraphael wirklich sichtbar wurde.
„Das hier ist doch die Stadt der Belustigung, oder? Also amüsiere ich mich dementsprechend.“
Ekelhaft grinsend zog Asasel den Kopf wieder zurück.
„Ach so, verstehe. Dann beeile dich aber mit der Nummer, wir müssen noch zum Treffen.“
Genervt wedelte der rothaarige ihn fort.
„Ja, ja, bis dahin ist noch genug Zeit. Und jetzt hau endlich ab, ich will mich mit ihr allein vergnügen, dafür brauche ich kein Publikum.“
Doch gerade als der fremde Dämon sich abwenden wollte, blickte er verdutzt um sich und steckte seine Nase tief in den Schatten zurück. Obwohl sich etliche Meter zwischen ihnen befanden, hörte Crawley komische tiefe Laute, als würde der Kerl die Nase hochziehen. Immer wieder.
„Was hast du denn?“
Asasel schnüffelte über sich und drum herum und plötzlich in Crawleys Richtung.
„Ich rieche.....gereinigte Luft. Hab ich zuvor noch nie in dieser Stadt gerochen.“
Erziraphael zuckte auf und drückte sich das Beutelchen noch deutlicher an die Brust. Instinktiv kniff der die Augen zusammen und hielt die Luft an, versuchte seine Aura zu kontrollieren. Hinter sich spürte er wie aufgeregt der Engel war und Crawley unternahm alles, um sich noch breiter vor ihm zu machen.
„Ach Unsinn, das bildest du dir ein. Das wird ein fremdländischer Händler sein, der heute vielleicht das erste mal da ist.“
„Nein, das ist kein Mensch. Es lässt überall meine Haare aufstellen, weil es so ekelhaft selig riecht. Hier ist doch ...ein Engel.“
Mit einem gekünstelten Lachlaut floh das Echo bis über die Mauer hinweg.
„So ein Stuss! Hier, in diesem Sündenpfuhl soll sich ein Himmelsreiter herumtreiben? Asasel, ich bitte dich, dir bekommt der hiesige Gebrannte nich´. Jeder Engel würde doch schon 100 Meilen gegen den Wind vor diesem Gottlosen Stall eine Kehrtwendung machen.“
Der Braunhaarige schaute ihn kurzzeitig etwas verwirrt, aber dann verständlich an. Auch weil dieser Geruch kaum noch wahrzunehmen war.
„Hast recht, nicht mal die Engel wären so dämlich hier aufzukreuzen. Außerdem ist es plötzlich verschwunden. Mhh, muss mich doch getäuscht haben. Na gut, dann treffen wir uns also im Turm. Beeil dich.“
Nicht nur Crawley entspannte seinen Körper wieder, sondern auch Erziraphael seufzte hörbar aus. Jedoch ließ er nicht nur seinen Atem frei.  
„Hey, zügel deine heiligen Schwingungen.“
Der Dämon hatte beide Hände hochgerissen und hielt sie sich übertrieben vor´s Gesicht.
„Oh, entschuldige. Jetzt besser?“
„Besser.“
Erziraphael bescherte das dämonische Antlitz mit einem schüchternen Blick.
„Es war nett von dir mich zu decken. Wirklich nett.“
Angewidert richtete sich Crawley nur den steifen Kopfschmuck und nahm eine seiner typischen Körperhaltungen ein, wenn er sich in der Verteidigung angestachelt fühlte.
„Ich bin ein Dämon und alles andere als nett. Ich muss schließlich an meinen Ruf denken. Weißt du was mit mir passiert, wenn sie mich mit deinesgleichen sehen?“
In sich spürte der Engel ein unangenehmes Zucken, doch er ignorierte es und hielt weiterhin die verhüllte Kette umklammert. Der Dämon seufzte nur und schwenkte die Hand in die hintere Richtung der Mauer.
„Komm mit.“


„Oh, welch Pracht.“
Vollkommen entzückt sah sich Erziraphael in diesem herrlichen Garten um und konnte vor lauter Verzauberung den Mund nicht schließen. Crawley hatte ihn durch unzählige Hintertüren und geheime Treppen hinauf in den hängenden Schlossgarten geführt. Es erinnerte Erziraphael ein wenig an Eden, mit all diesen üppigen Blütenschauen, tiefhängenden Bäumen, zig Meter breiten Palmen und kunstvollen Wasseranlagen. Verteilt auf unzähligen Etagen und Stufen. Und doch waren sie alle miteinander verbunden. Crawley und er befanden sich in der mittleren Etage und standen unter den gigantischen Wedeln eines respektablen Farns. Nicht einmal das hypnotische Rauschen der unzähligen Brunnen schaffte es, Crawley von seiner Maske abzubringen. Gelassen blickte er zu dem Engel hin, welcher sich strahlend über den Marmorrand der Wasseranlage beugte und dabei in die Hocke ging. So klares, sprudelndes Wasser hatte er noch nie gesehen. Irgendwie schien dieser Schein ein bisschen zu dick aufgetragen, wenn man an die wollüstigen Sünden in jener Stadt dachte. Erziraphael lächelte in das perlige Wasser hinein und entdeckte goldglitzernde Lebewesen, die munter um den Stängel einer majestätischen Seerose tanzten.
„Goldfische, ich liebe diese Tierchen. Na, ihr Schönen gleicht ihr euren Herrn?“
„Du kannst solange hier bleiben, bis das Treffen vorbei ist. Keiner der anderen kommt hier jemals rauf. Viel zu paradiesisch für die.“
Mit einem genüsslichen Blick hob Erziraphael den Kopf und schweifte über die Zinnenartigen Dächer von nah und fern von Babylon. Hier oben wehte ein kühner Wind und vermischte die Geräusche von Wasser, Blatt und Stimme in eine treue Genugtuung.
„So eine atemberaubende Stadt habe ich noch nie zuvor bereist.“
Crawley kratzte sich am Hinterkopf und verschränkte dann die Arme vor die Brust, er wirkte wie ein alter Gutsbesitzer.
„Schon möglich, nur leider wird das ihre letzte schöne Woche hier sein. Ab Montag gehört´s den Persern.“
Ungläubig wirbelte der Engel den Kopf zu ihm hin und hätte dadurch beinahe sein Säckchen verloren.
„Wie ist denn das zu verstehen?“
„Rate mal, warum viele von uns hier sind und dann noch eine Sitzung abhalten. Das sind die letzten Vorbereitungen bevor der spaßige Krach so richtig losgeht. Hastur ist bereits seit einigen Monaten bei Kyros und bequatscht ihn deswegen. Wir haben Nachricht erhalten, dass der König endlich angreifen will.“
„Aber...dem kannst du doch nicht zustimmen. Babylon besitzt eine unglaubliche Kultur und ihre Fortschritte in Sprache und in der Kunstgebung sind enorm, das kann doch nicht....“
„Ach, bitte, die halten den Mond für einen Gott. Den Mond! Wie soll ich denn solche Leute ernst nehmen? Außerdem nenne mir ein Volk dessen großartige Kultur bis heute dauerhaft standgehalten hat. Irgendwann brechen sie alle, das weißt du doch am besten. Warst ja oft genug dabei.“
„Wahrscheinlich werden...viele Menschen dabei sterben, nicht wahr?“
„Soll vorkommen bei Eroberungen. Ist aber nicht so schade, die Erde leidet langsam an Überbevölkerung.“
Das wollte er nicht glauben. Erziraphael atmete heftig ein und stand auf. Der zaghafte Schritt auf den rothaarigen verunsicherte ihn selbst.
„Dir war es aber nicht immer egal was aus den Menschen wird, wenn sie dir von nutzen waren. Du bist anders als diese üblichen Leute aus der Hölle. Gewiss tust du schlechte Dinge, denn du bist ja auch ein Dämon und magst deine Pflichten, aber....das hier gehorcht doch nicht völlig deiner Überzeugung.“  
Was war das denn gerade? Crawley spürte winzige kleine Wellen in sich aufkeimen. Und diese Wellen wurden von einer wohligen Wärme geführt. Was? Wieso drangen diese blauen Augen plötzlich so tief in ihn ein? So weltbewegend war es eigentlich gar nicht was der Engel soeben gesagt hatte. Oder vielleicht doch? Über solche Dinge haben sie noch nie geredet. Und irgendwie wollten sich diese Worte gerade in Crawley einharken, ihn zum Reflektieren anregen. Nein! Das durfte er nicht zulassen. Was sollte er denn mit Gefühlen? Igitt.
Das schwarz-rote Gewand flatterte hörbar auf, als sich Crawley abwandte und die Arme lockerte. Es sah aus als würde die gewebte Schlange darauf den Engel böse entgegen züngeln.
„Fang damit gar nicht erst an, Erziraphael. Lass das. Ich mag´s nicht, wenn du das tust.“
Der Engel umwickelte sein vermeintliches Geschenk nun mit beiden Händen. Wieso wirkte Crawley plötzlich verärgert?
„Was meinst du?“
„Jetzt gib bitte nicht das Lämmchen. Ich rede von deiner Engel-Manier. Bei allen und jeden das Böse verhindern zu wollen. Das ist eine Illusion. Nicht jeder will gerettet werden. Dieses >Man konnte mich nicht retten< ist für Typen nur eine billige Ausrede, damit sie eine Entschuldigung für ihre dämlichen Entscheidungen haben. Sie wollen es einfach nicht, also ignoriere es.“
Es war das erste Mal, dass sie so miteinander sprachen und es offenbarte einen wichtigen Grad, den Erziraphael schon immer kannte, aber wohl wissentlich nicht sehen wollte. Jetzt fühlte er sich dumm.
„Ich habe nichts gegen unsere Treffen, Erziraphael. Wirklich nicht. Es ist eine gute Abwechslung von all den tristen Pflichten und der Verantwortung, aber schau nicht genauer hin. Denn es passt einfach nicht zusammen. Nichts was zwischen uns existiert passt zusammen. Du bist...du bist zu...ehrlich, zu gütig. Wenn du das alles hier zu genau nimmst, dann wirst du schneller auf der Nase landen als es dir liebt ist, glaub mir. Und deswegen werde ich auch niemals irgendetwas ernst nehmen in meinem Leben, das tun wir Dämon nämlich nie. Und wenn du in dieser Menschheitsgeschichte unbedingt durchhalten willst, dann solltest du dir endlich etwas Kaltblütigkeit zulegen.“
Es schmeckte bitter. Hinterließ eine ungewollte Traurigkeit und anscheinend sah Crawley es so kommen. Denn er sprach in keinem herablassenden oder gar zänkischen Ton. Einfach nur ruhig und locker. Doch warum dieses Gesicht des Engels und weshalb....bedeutete sein Blick plötzlich etwas. Seufzend wollte Crawley es nicht mehr sehen und wandte sich ab. Drehte sich in die Richtung wo er sie beide durchgeschleust hatte.
„Ich geh zum Treffen, bleib ruhig hier.“
„Ist es auch für dich nur eine Ausrede?“
Irritiert drehte sich Crawley zu ihm zurück und blieb auf zweierlei Stufen stehen.
„Bitte?“
„Ob es für dich auch nur eine Ausrede ist, dich nicht retten lassen zu wollen.“
Noch mehr Eindrücke, welche von dem Engel ausgingen. Was machte den Tag so besonders, dass er ihn so anders wahrnahm? Crawley atmete mit geneigten Kopf aus.
„Für mich ist es keine Ausrede, sondern mein Wille. Ich bin nicht gestoßen worden bei der Revolte dort oben, ich bin freiwillig gegangen. Also belassen wir es einfach dabei, alles klar? Guck noch weiter den Goldfischen zu und warte auf mich. Ich bring etwas Wein mit. Bis später, Engel.“
Erziraphael sah zu wie der Dämon die breiten, weißen Stufen hinunter schlenderte und nichts von alldem böse klingen ließ. War es also tatsächlich so, zwischen ihnen? Keine Gelegenheit für eine Veränderung, blieb es für immer eine dauerhafte Oberflächlichkeit? Er öffnete das kleine Beutelchen und blickte zu dem schimmernden kleinen Kunstwerk hinein. Nein, es stimmte nicht alles. Crawley liebte seine Arbeit, dass wusste Erziraphael schon. Und dennoch war dort noch mehr. Es wirkte alles so vielschichtig und außerdem traute der Dämon seinen eigenen Worte nicht ganz. Das hatte der Engel irgendwie gespürt. Zwischendurch fühlte er selbst eine besonders kleine Wut in sich aufsteigen und er wollte ihr sogar ihren Freiraum geben. Doch nun wusste Erziraphael, dass er bei Crawley nur mit Geduld und Nachsicht weiter kommen würde. Der Rothaarige war nur viel zu dickköpfig, als das er von selbst einsichtig werden würde. Gut, dann war es fortan Erziraphaels Aufgabe, dem Dämon zu zeigen, dass dieser noch mehr Seiten, tiefere Seiten besaß, als die des oberflächlichen Argwohns und des Bösen.
Entschlossen, doch unsicher, schluckte Erziraphael einen dicken Kloß hinunter. Er knotete das Bündel wieder zusammen und steckte es sich endlich in die Seitentasche.
„Das muss warten, bis er soweit ist.“
Die Sonne wurde ein letztes Mal bemerkt, ehe sie sich dem Abend zu wandte und den Vögeln Anweisungen gab, die Freuden der Neugierigen zu behüten. Erziraphael gehörte zu denen und nun hatte er ein Ziel. Egal wie viele Jahrhunderte es dauern möge.
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