Doll

GeschichteRomanze, Thriller / P18
Chrollo Lucilfer Hisoka OC (Own Character)
09.08.2020
18.10.2020
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Sein erstes Ziel ist so simpel, dass es nahezu lachhaft erscheint, wie er Sicherheit in seinem kleinen Spiel sieht. Der angenehme Windzug dieser Stadt streift leicht durch die Haare, macht das Wetter angenehm, während im Gebäude gegenüber die langweiligen Schreibarbeiten seit Stunden stetig mehr in den Vordergrund rücken. Im Angesicht des Rathauses, auf dem rötlichen Dach einer einfachen Familienherberge, habt ihr einen Platz zum Abwarten gefunden, ohne, dass euch jemand eines Blickes würdigt. Die Gestalten hinter den Fensterscheiben, durch die ihr aus der Ferne seht, sind zu beschäftigt mit der eintönigen Arbeit, die sie am Leben erhält.
Im größten Raum des Komplexes hat der Bürgermeister seinen Platz gefunden, ein schlaksiger alter Mann, dessen Brille viel zu klobig für die kleinen, eingefallenen Augen wirkt. Er ist mindestens sechzig, mehr tot als lebendig und die besten Zeiten seiner brüchigen Existenz sind schon lange vorbei. Dahingegen findet sich im Vorzimmer das strikte Gegenteil von ihm. Eine junge Blondine mit einem Lächeln, dessen träumerische Schönheit für einen Moment die Welt entrückt. Hisoka hat dir nicht viel über sie oder ihren Chef verraten, hat nur erwähnt, dass beide eine Familie sind. Stieftochter und Vater.
„Und was erhoffst du dir nun?“ Unwirsch wendet sich der Blick zum Magier, der neben dir in stiller Erwartung verweilt. Ein Bein ausgestreckt, spielt er mit seinen Karten als würden sie ihm die Zukunft vorhersagen und zugleich die Zeit vertreiben, obwohl nichts an ihnen außergewöhnlich oder fesselnd ist. Dennoch hebt er nicht einmal den Blick, als er ein paar von ihnen wieder geradebiegt und sortiert, während irgendwo dazwischen eine Antwort über seine Lippen streift.
„Noch etwas Geduld.“
Mit einem Seufzen wendest du dich ab, wirfst den Blick zurück durch das Fenster auf der anderen Straßenseite und wartest ab. Die junge Frau scheint ihre Arbeit mit der Schreibmaschine – ein altes Modell für Liebhaber – beendet zu haben, als sie einen Stapel ihrer Schreiben nimmt und einheitlich auf den Tisch trommelt, um sie in einheitliche Form zu bringen. Erst dann steht sie auf.
Das Papier fest an die Brust gedrückt, verweilt sie starr auf ihrem Posten, angespannt und nachdenklich. Ihre Schultern beben kurz, einer ungewollten Erkenntnis gleich, und versteifen sich gleich im nächsten Atemzug, während ihr Blick unruhig zur Tür ihres Stiefvaters scheucht. Mehrmals atmet sie durch, tiefe Luftzüge, die ihre Lungen füllen und dennoch nichts an der Situation verbessern. Es gibt ihr weder Halt noch Mut in einem Moment, der viel zu weit entfernt wirkt, um ihn zu begreifen. Sie will nicht in das Arbeitszimmer, aber sie muss.

Als sie ihre langen Beine in Bewegung setzt, lehnst du dich etwas nach vorn. Jede Regung, jedes heimliche Zucken auf ihren Zügen soll dem Ganzen ein klares Bild verleihen, das mehr innehält, als leidliche Unsicherheit. Es ist ein eigensinniges Schauspiel, in dem diese Fremde das Büro betritt und auf ihren Stiefvater zugeht. Ihre Arbeit legt sie säuberlich auf seinem Tisch ab, bevor sie umdrehen will, um zu verschwinden, doch der alte Mann hält sie auf. Seine Lippen bewegen sich träge unter den schmalen Falten, die ihn zeichnen. Gleichzeitig deutet er ihr mit einer Hand näherzukommen. Sie tut es.
Schleichend langsam kommt sie erneut zu ihm, schiebt sich um den Tisch neben den Bürgermeister und lässt sich teilnahmslos zureden, wobei einer seiner Finger auf irgendeine Niederschrift tippt, die aus der Ferne nicht zu lesen ist. Irgendetwas scheint bei alldem nicht in Ordnung, wirkt defekt in den Zeilen, weshalb seine Sekretärin, das Stiefkind im engen, knielangen Rock, sich ein kleines Stück mach vorn beugt, um zu sehen, was er will. Im ersten Moment gleich all das einer völlig normalen Szene auf der Arbeit zwischen zwei Menschen, die mehr miteinander zu tun haben, als ein tägliches „Hallo“ und „auf Wiedersehen“. Auf den zweiten entdeckst du den Fehler.
„Also bitte“, schnaubst du, sieht zurück zu Hisoka, der noch immer an seinen Karten hängt. Dieses Mal sieht er jedoch auf, sieht dich abwartend an, lächelnd, als wüsste er es besser. Du hingegen weißt, was da vor sich geht. „Dieser Mann ist mehr als offensichtlich schuldig.“
Das unsichere Brummen in seiner Kehle ist nervenaufreibend, störend, weil es weniger verrät als es sollte. „Ist das so?“
Ungläubig finden die Brauen nach oben, machen es schwer zu begreifen, dass er dieses Szenario nicht als eindeutig ansieht. Dabei ist es ganz einfach. Selbst jetzt noch, bei einem Rückblick durch das Fenster, hat dieser alte Man die Hand auf den Hintern seiner Stieftochter gelegt. Streichelnd fährt er mit den Fingern auf und ab, rutscht oftmals viel zu weit runter, sodass er ihre Oberschenkel streift und ihre Kleidung hoch rückt, um die Innenseite ihrer Beine zu kitzeln. Unter seinen Berührungen scheint diese Fremde schier zu gefrieren. Unkonzentriert bewegen sich ihre Lippen im aschfahlen Gesicht immer schneller, während sie das Problem löst, bevor sie sich seinem Verhalten entziehen kann. Allein das Zusehen ist erschreckend unangenehm.
„Das ist sexuelle Belästigung“, schließt du, rückst Hisoka zurück ins Bild. Sein Blick ruht noch immer durchschauend an dir, nagt sich bis zu den Sinnen durch, bevor ein Schmunzeln über seine Lippen fährt.
„Und dabei haben wir gerade erst angefangen.“ Belehrend hebt er einen Finger, deutet dann zum Fenster des Rathauses. „Da steckt mehr hinter.“
„Mehr?“ Allein der Gedanke daran ist widerwärtig, lässt die Haare zu Berge stehen und Ekel aufflammen – bis Hisoka den Kopf schüttelt.
„Jede Handlung führt eine weitere an. Das solltest du bei deinen Urteilen wissen.“
„Das ist mir bewusst“, schnappst du zurück. Er belehrt dich, als wüsste er die Welt in Worte zu fassen. Als wüsste er, wie Recht auszusehen hat, obwohl er selbst nichts weiter tut, als freudig Leute abzuschlachten, die ihm im Weg sind oder gar Unterhaltung bedeuten. Egal was hinter der Regung des Bürgermeisters steckt, er ist schuldig. Alles andere ist Blasphemie.
„Ist es das?“ Hisoka wirkt spottend, während seine Finger sachte über die Karten streichen und eine willkürlich herausziehen. Seine Augen mustern das Abbild, das er gezogen hat, bevor er es dir unter die Nase hält. Es ist eine Kreuz-Eins, im ersten Moment, bevor er sie in eine Kreuz-Acht und schlussendlich Kreuz-Sieben verwandelt. Ein Trick, der keinen Eindruck schindet doch seinen Zweck erfüllt. Hundertsiebenundachtzig ist der Polizeicode für Mord. Tödliche Einstellungen, hinter denen Wahnsinnige stecken, die du richten sollst. Menschen wie Hisoka, der etwas mehr plant, als nur dieses Abbild sexueller Belästigung. Er will dir etwas zeigen und die Ungeduld wissen zu wollen, was es ist, brodelt im Inneren hitzig an die Oberfläche. Es bleibt nicht mehr, als aufzustehen und durchzuatmen.
„Wie lange soll ich warten?“
„Wir haben Zeit bis heute Abend.“ Beinahe nachdenklich legt Morow einen Finger ans Kinn, wirft dir dann ein sachtes Lächeln zu, als wolle er mehr, als nur spielen. „Wir könnten uns derweil besser kennenlernen.“
Seine Zunge fährt hungrig über die Lippen, jagt einen Schauer über die Haut. Er denkt an Unterhaltung, die nicht einmal in deinen Träumen Platz findet. Die Langeweile, die ihn aktuell zu zerfressen scheint, bleibt mehr als ungesund. Durchaus, er ist ansehnlich, faszinierend, doch mit ihm zu schlafen steht außer Frage. Er ist ein Verbrecher, ein Monster, das tötet.
„Ich passe“, winkst du ab, nimmst Abstand, wirfst einen letzten Blick in das Vorzimmer des gegenüberliegenden Hauses, das auf einmal schrecklich klein und beengend wirkt. „Ich gehe der Sache ein wenig nach.“
Hisoka antwortet nicht wendet sich lieber wieder seinen Karten zu, weshalb du ihn zurücklässt. Er wird nicht weglaufen, das steht fest. Ihm ist dieses Spiel ernst.

Fester Boden kommt unter die Sohlen, als das Dach in seiner Höhe zurückbleibt. Selbst jetzt interessiert sich niemand dafür, wer sich auf den Häusern aufhält oder hinter Glasscheiben heimliche Geschäfte führt. Jeder weiß zu reden, aber niemand traut sich mehr von sich zu geben, als nötig. Sie tuscheln untereinander und schweigen gegenüber Fremden, aus Scheu vor dem, was man ihnen sagen könnte. Gerüchte ziehen sich wie Schatten durch die Gassen und machen diese Stadt mit einem Mal weniger glanzvoll, als sie zu Beginn schien. Es ist ernüchternd, legt klar auf die Hand, dass Menschen selbst farbenfrohen Frieden zu ruinieren wissen.
Doch es spielt keine Rolle, nicht in diesem Moment und auch nicht danach. Stattdessen visierst du einen kleinen Shop am Rande des Weges an, der bereist vor Stunden in deiner Sicht hängengeblieben ist. Das Angebot von Kleidungsstücken ist gering, reicht jedoch aus, um eine angemessene Tarnung zu erlangen.
Folglich trittst du Eber die Schwelle. Der Geruch abgestandener Stoffe und stickigem Staub liegen in der Luft, während Wärme sich fast schweißtreibend an die Haut drängt. Hinter einem niedrigen Tresen hat sich ein Mann auf einem Stuhl niedergelassen, blättert in einer Zeitung und wirft dir nur ein kurzes Nicken zu. Ein Gruß ohne Worte.
Schlendernd führt es dich durch die schmalen Gänge zwischen Stangen und Jacken, bis du etwas findest, das den Geschmack trifft. Etwas Schlichtes, Unauffälliges, das sich im Alltag eines Büroangestellten zeigen lässt und mit einem Blazer kombinierbar bleibt. Ein paar Stücke, die du hinter einem Vorhang gegen das eintauschst, was wie ein Teil von dir an der Haut klebt. Dann trittst du hervor, lässt die alten Kleider zurück und bezahlst an der Kasse für alles außer Unterwäsche.
Der kurze Aufenthalt und die winzige, optische Veränderung reichen aus, um der Situation entgegenzutreten. Da ist kein genauer Plan, kein wissentliches Ziel, das es zu erreichen gilt. Nur Neugierde, die Hisoka nicht stillen will. Er erzählt von einer Geschichte hinter dem Vergehen, die alles plausibel machen könnte. Du willst dahinterkommen, bevor der Tag vollständig aufgebraucht ist. Also schlägst du den Weg zum Rathaus ein, im festen Schritt, weil das Bild von dem, was verkörpert werden soll, stimmen muss.

Auch in dieser Aufmachung bemüht sich keiner um einen zweiten Blick. Die Aufmerksamkeit anderer ist auf eigene Probleme gerichtet, die keinen Platz für außerweltliche Probleme lässt. Du bist nicht minder Schatten als die haltlosen Worte, die hinter hervorgehaltener Hand gesprochen werden. Das ist nicht schlecht, ist ein Vorteil, wenn man kommt und geht, um das zu tun, was Justice Hunter ausmacht. Dennoch wirkt es störend, kribbelt auf der Haut, weil es ungewohnt und falsch ist. Es sind Verhalten wie diese, die den Bürgermeister vor einer Strafe schützen und genau da muss das Gesetz greifen. Du musst greifen.
Die Bauten ziehen glanzlos vorbei, bleiben ansehnlich, doch keineswegs interessant. Sie rücken in den Hintergrund, bis das Rathaus erreicht ist. Der einzige Ort, der noch eine Rolle spielt.
Eine schwere Flügeltür versperrt das Durchkommen, lässt die Menschen in der Umgebung schrecklich winzig wirken. Du kommst ihr näher, drängst den Leib gegen das stabile Holz, um es zu öffnen. Das Gewicht lässt sich nur schwerlich nach innen drücken, macht das Eintreten zur eigenen Hürde, die vermutlich niemand freiwillig eingeht. Doch als Hunter hast du die Kraft, drückst dich nach innen, dort hin, wo Kälte vom Boden reflektiert, als wäre der Herbst im Holz verblieben. Fliesen schmücken den Grund in meliertem Grau, führen zu dunklen Steintreppen, die sich sorgsam an ein hölzernes Gelände schlingen. Schmucklos und dennoch ein Abbild des eleganten Lebensstils. Hübsch, doch tot auf eine bitterliche Art.
Der Weg führt nach oben, die Stufen rauf zum zweiten Stock, wo die junge Frau und ihr Stiefvater den Tag hinter Arbeit und unangenehmen Situationen verleben. Die Schritte hallen wider, machen die dahinterliegende Stille erdrückend, weil es hier nur Licht gibt, das nicht zu wärmen weiß. Die Fingerspitzen gleiten langsam über das polierte Holz, kühl, glatt, vergleichbar mit Eis, das dieses Haus zu zieren scheint. Du folgst ihm bis zur nächsten Tür, hinter der in hoffnungslose Antworten lauern.
Zaghaft klopfen die Fingerknöchel gegen die Absperrung. Es ist nicht mehr als ein leises Knacken, das dumpf vergeht, ehe eine zarte Stimme dahinter um Eintritt bittet. Du folgst der Aufforderung, findest Platz in einem Raum, der genauso kühl und fremd ist, wie das menschliche Ableben, das hier gefangen ist. Blaue Augen mustern dich fragend, eine ganze Weile, bis ihr ein verblüfftes „Guten Tag“ über die Lippen streicht. Du erwiderst ihren Gruß freundlich mit einem Nicken, bevor näherkommen infrage kommt. Vor ihr herrscht Stillstand.
„Ich bin hier“, setzt du an, „um den Bürgermeister zu sprechen.“
„H-Haben Sie einen Termin?“ Eilig blättert sie in ihren Unterlagen nach, sucht einen Terminkalender, den sie verlegt hat. Die Unruhe zerfrisst sie, ihre Gedanken hängen irgendwo in den Wolken, wo sie niemand erreichen kann. Ein trauriger Anblick, weil all das gemacht und nicht gewollt ist.
„Habe ich nicht.“ Es ist Freundlichkeit, die dich dazu bringt ihre Suche zu unterbrechen und ihr die unweigerlichen Fakten vor die Nase zu halten. „Ich möchte ihn dennoch sprechen.“
Sie ist unschlüssig. Die Furcht in ihren Augen davor einen Fehler zu machen steht ihr klar ins Gesicht geschrieben, gleicht einem Gespenst ferner Ansichten, denen du nichts entgegensetzen kannst. Sie kann nur den Mund öffnen, ihn wieder schließen, schweigen, weil sie überfordert ist. Festgefroren auf ihrem Platz, bleibt nur Überwindung, die Sicherheit, dass sie nicht einschreiten wird, als du an ihr vorbeigehst und die Tür anvisierst, die euch vom Bürgermeister trennt. Im Hintergrund entweicht ihr leiser Protest, verstummt im selben Augenblick, weil sie nichts zu sagen hat. Du hingegen trittst auf die andere Seite der Absperrung, hinein in das lichtdurchflutete Zimmer des Mannes, der durch das Fenster bereits pure Abneigen gesät hat.

„Herr Bürgermeister“, begrüßt du ihn in kühler Stimmung ungeahnten Konflikts. Er hingegen hebt schlicht weg den Kopf, angespannt vom unangekündigten Besuch. Es ist wertlos. „Ich bin von der Presse.“ Eine simple Lüge. „Wissen Sie, was man auf den Straßen dieser Stadt munkelt? Ich bin gekommen, um Licht ins Dunkel zu bringen.“
„Sie sind die erste, die sich erdreistet, hierherzukommen.“ Seine Stimme ist kratzig, genauso alt wie die Jahre, die er stemmt. „Pressefritzen. Was wollen Sie, was Sie sich nicht auch aus den Fingern saugen können?“
„Die Wahrheit.“
„Einen Skandal.“ Schnaubend schiebt er die Dokumente von sich, fährt sich durch die Haare, wütend und genervt von dem Chaos, das seinen Alltag bestimmt. Er scheint kein Mann ungeahnter Konfrontation.
„Ich bekomme meine Antworten.“ Die Arme vor der Brust verschränkt, verlagerst du das Gewicht von einem Bein auf das andere. Lügen. Alles, was diese Situation voranbringen kann, weil die Wahrheit keinen Wert besitzt. „Wenn auch vielleicht nur privat.“
Er lacht auf, schief und schnorrend wie ein kaputter Motor, der über alte Landstraßen holpert. „Privat? Was soll das heißen?“
„Ich habe Fragen, Herr Bürgermeister. Ich bin gewillt sie nicht zu drucken, wenn Sie ehrlich sind.“ Ruhe ist alles, was euch bestimmt. „Meine Neugierde ist größer als der Wunsch zu teilen.“
„Und Sie erwarten, dass ich das glaube?“ Du hast ihn. Sein Interesse ist geweckt, lässt ihn nach vorn kommen, weil er sich überlegen fühlt. Dummen Journalisten gegenüberzustehen ist für ihn ein Spiel, etwas, das ihn über alle anderen stellt. Wie erwartet ist er eine Person, die Machthunger nicht halten, nicht kontrollieren kann. Zu viele Männer haben dieses Problem und zu viele gehen daran zugrunde. Auch er.
„Es ist mir egal, was Sie glauben, aber ich kenne die Fragen der Gesellschaft und ich finde sie interessant.“
„Was finden die Kakerlaken dieser Stadt nicht interessant, können Sie mir das sagen?“ Er lehnt sich zurück, das herrische Lächeln starr auf den Lippen. „Das ist lächerlich.“
„So lächerlich wie der Ring an Ihrem Finger, während Sie Hand an ihre Stieftochter legen?“ Den Kopf geneigt, fällt die Frage ganz einfach. Ein Schuss ins Blaue, der ihn nervös macht. Die Mundwinkel zucken ertappt, während er mit einem Finger unauffällig das Gold an seiner Hand dreht. Immer und immer wieder.
„Das ist eine Lüge.“ Sein erster Versuch ist banal.
„Sie wurden gesehen.“
„Sie haben keine Ahnung wovon Sie reden.“ Seine Nase bläht sich auf, unbändig, weil er aufgebracht ist. „Sie ist ein Abbild ihrer Mutter.“
„Nur jünger und hübscher?“
„Was wissen Sie schon?“ Er stützt sich ab, stemmt sich auf wie ein magerer Ast inmitten von Papier. Alles, was er bieten kann ist Zorn, Unverständnis gegenüber dem, was er will und dem, was er tut. Es ist ein innerliches Chaos, das vollkommen in Ordnung erscheint und du weißt, dass es das nicht ist. Keine Empathie, kein Verständnis. Er ist schuldig. Und die Strafe wird kommen.
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