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Zehn Minuten - sind alles was ich habe

von Tigi
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
09.08.2020
09.08.2020
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1.009
 
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Mit trockenen Mund sitzt sie da und fährt sich mit der Zunge über den Mund.
Direkt vor ihr läuft ihre Zeit ab, Sekunde für Sekunde. Minute für Minute und es wird nicht stoppen.
Der Cauntdown hat gestartete und danach ist Schluss. Endgültig. Sie weiß jetzt das ihre Zeit gezählt ist.
Zehn Minuten.
Dann ist alles vorbei, ihr Leben, ihre Existenz womöglich aus (wenn es kein Nachleben gibt zumindest ).
Ihr Herz schnürt sich zusammen, während sie die grüne Digitaluhr anstarrt, die ihr Leben beenden wird.
Sie sieht aus wie die Uhr, die sie als Wecker hat, aber diese Uhr kann sie nicht ignorieren.
Wäre sie eine Expertin in Sachen Sprengstoff wüsste sie villeicht wie man es stoppen kann, aber sie ist es nicht.
Sie ist machtlos.
Nichts scheint ihr mehr wichtig von ihren Hoffnungen und Träumen.
Nichts mehr davon wird wahr werden.
Sie ist hier gefangen.
Ihre Zukunft ist nur noch....sie schaut auf die Uhr und erschrickt, es ist schon soviel Zeit vergangen!?
Sieben Minuten und fünfundvierzig Sekunden.
Ihr Herz schlägt schneller und sie spürt den Schweiß ihre Stirn herablaufen.
Hier ist sie nun.
Es ist egal wieso oder warum.
Einfach gesagt, sie ist am falschen Ort zur falschen Zeit.

Sie schließt die Augen und setzt sich hin. Es ist vorbei, sie denkt nach, erinnert sich zurück.
Ihre Zukunft sind diese Sieben Minuten und mehr nicht.
Es hat etwas ernüchterndes, der Tod war immer etwas Fernes, etwas abstraktes.
Jetzt zu sterben fühlt sich seltsam an, sie fühlt sich zu jung.
Mitte zwanzig.
Da ist noch so viel das sie hätte machen können in ihrem Leben.
Aber das ist egal.

Die Wand an ihren Rücken ist kühl und während sie sich anlehnt und so dasitzt, denkt sie zurück.
Was hat sie überhaupt gemacht in ihrem Leben?
Auf was kann sie stolz sein, was hat sie gemacht das irgendeine Bedeutung hat für die Zukunft.
Die Zukunft, an der sie nicht teilnehmen wird?
Während sie nachdenkt erinnert sie sich vor allem an all die Male wo sie geschwiegen hat....
So oft hätte sie den Mund öffnen können und so versuchen können und so die Welt vielleicht ein bisschen besser machen zu können...
Ich habe zugesehen, wie Andere beleidigt und niedergemacht werden und ich habe nichts getan, denkt sie.
Wie konnte ich nur?
Aber was hätte ich machen sollen?
Wie kann ich, eine einzelne Person eine andere Person oder gar eine ganze Gruppe zurecht weisen?
Woher hätte ich den Mut nehmen sollen, mich hinzustellen und zu sprechen?
Aber trotzdem, denkt sie energisch, ich hätte es machen müssen.
Hätte, wenn Menschen pauschalisiert wurden, über sie gelästert wurde oder beleidigt wurden, reden müssen.
Aber ich stand nur da...
                                         tatenlos.
Seufzend öffnet sie die Aufen und starrt die Uhr an.
Vier Minuten.
So wenig Zeit.
In diesem Moment fragt sie sich, wer wird zu meiner Beerdigung kommen?
Meine Freunde? Meine Familie?
Was werden sie sagen, was werden sie von mir denken?
Werde ich irgendwann eine ferne Erinnerung sein, in ein paar Jahren.
Einfach vergessen.....
Oder werde ich ihrem Leben einen schweren Schlag versetzten, von dem sie sich nie erholen?
Was ist schlimmer?
Werde ich irgendwann nur noch ein Name auf einem Stein sein, mit einen Datum?
Und wenn dieser Stein verschwindet?
Wenn Wetter und Wind ihn verschlingen, was bleibt dann?
Wer wird noch wissen, das ich war?
Wenn kein Zeichen meiner Existenz, meines Lebens mehr vorhanden bin, bin ich dann gänzlich verschwunden?
Oder werde ich villeicht in meinen Taten weiterleben, wird das was ich gestern getan habe, noch Jahrhunderte später Einfluss auf die Welt haben?
Womöglich werde ich auch einfach in der Erde verwesen und irgendwann Teil werden, von der Erde, dann von Pflanzen.
Aber was wird aus MIR?
Was wird aus meinen wahren Sein?
Was wird aus meiner Person, meinen Erinnerungen?
Werde ich weiter existieren? Irgendwie, Irgendwo?
Oder einfach ins Nichts verschwinden?
In dem Fall, was alles hätte ich in meinen Leben anders machen sollen?
Natürlich, wenn ich jetzt zurück könnte, würde ich vielleicht weiterhin tatenlos zusehen und mich nicht zu Wort melden.
Aber was wenn ich anders handeln würde, wenn ich spreche, was dann?
Aber was würde ich noch?
Würde ich, wenn ich wüsste, das es jetzt Mitte Zwanzig endet, mit meinen Ex-Freund zusammen bleiben?
Einfach nur um die letzten Tage vor dem Tod mehr Gesellschaft zu haben?
Damit ich, wenn es dann endet weiß, da draußen ist jemand der mich wirklich liebt.
Oder wäre es einfach grausam von mir, ihm das anzutun?
Ich weiß es nicht, denkt sie und schaut wieder auf die Uhr.
Mit trockenen Mund schluckt die und Tränen sammeln sich in ihren Augen.
Eine Minute und fünf Sekunddn.
Ihr Herz wird schwer wie Blei.
Würde sie ihr Leben wirklich ändern, wenn sie könnte?
Oder würde die es doch so leben.
Leise und im Stillen mit Reue, aber ohne Risiko?
Oder würde sie sprechen, zurück gehen und mehr machen als nur danebenstehen.
Würde sie helfen, wenn sie damals sah, wie andere fertig gemacht wurden.
Oder einfach weiterlaufen?
Weil es sie nicht betrifft?
Neundzwanzig Sekunden.
Tränen verlassen ihre Augenwinkle und sie umschlingt ihre Knie.
Wird es wehtuen?
Das ist die Frage die sie jetzt schmerzt, wie schmerzhaft und wie lange bis sie nach der Explosion stirbt?
Zwanzig Sekunden, liest sie.
Mit Schaudern begreift sie, das ist real und es passiert jetzt.
Sie stirbt und ihre Zeit läuft vor ihrem Augen ab.
Hätte sie in dieser kurzen Zeit, in der sie lebte anders leben sollen?
Besser?
Hätte sie sich einsetzen sollen für benachteiligte Menschen, in irgendeiner Weise. Besser Leben sollen?
Oder ist es an Ende egal?
Ihr Schicksal hätte es womöglich nicht geändert.
Zehn.
Sterbe ich ohne Reue oder mit?, fragt sie sich.
Neun.
Was kommt danach.
Acht.
Wer bleibt zurück.
Sieben.
Würde ich mein Leben ändern.
Sechs.
Wird es wehtun.
Fünf.
Wer war ich.
Vier.
In ein paar Jahren, wer weiß dann noch, wer ich bin.
Drei.
Was werden alle denken.
Zwei.
Ich bin allein.
Eins
Ich sterbe.
Null.
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