Like a streetlight

von Yueliang
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 Slash
Seo Changbin
09.08.2020
06.09.2020
3
6.923
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09.08.2020 2.358
 
Es ist alles wie immer und doch ist es anders. Diese Erkenntnis geht mir schon seit einiger Zeit durch den Kopf. „Gute Arbeit, Jungs!“, werden wir von unserem Manager gelobt und wir verbeugen uns. Gerade ging der Fernsehauftritt zu Ende und mit dem auch unsere Energie. Erschöpft sinke ich auf das Sofa und lehne den Kopf an die Wand. Zufrieden schließe ich die Augen und blende alle Geräusche um mich herum aus. Zumindest versuche ich dies, aber der Versuch wird jäh unterbrochen, als mir jemand nicht ganz so sanft gegen die Stirn schnippt. „Hey, Idiot! Schlafen kannst du später!“, grinst Minho mich an und erhält einen vernichtenden Blick meinerseits. Der Ältere lacht aber nur. „Changbinnie, du bist niedlich!“ Grummelnd setze ich mich auf und unterdrücke ein Gähnen. Minho hat Recht, ich muss mich noch umziehen und abschminken. In unserem Bühnenoutfit kann ich schließlich schlecht in den Dorm zurückkehren. Zurück in meinen gewöhnlichen Klamotten und ohne Make-Up fühle ich mich gleich wieder komplett anders. Als würde ich eine Maske absetzen und mein wahres Gesicht kommt zum Vorschein. Wobei sich unsere alltäglichen Sachen manchmal kaum von denen unterscheiden, die wir während Auftritten oder Shootings tragen. Nur heute war es ein wenig speziell und damit spiele ich auf das Leder Geschirr an, welches Hyunjin und Jisung getragen haben. Und das verrückte dabei ist, dass sie diesen Look ohne Probleme rüber bringen konnten.

„Erde an Changbin! Weilst du noch unter uns?“, ruft jemand und fuchtelt vor meinem Gesicht herum. „Es heißt immer noch „Changbin-hyung“, Seungmin-ah“, weise ich den Jüngeren vor mir zurecht. Aber dieser grinst nur frech. „Pah, das wäre ja zu einfach“, meint er und für gewöhnlich hätte ich ihn jetzt zurück geärgert, aber dazu fehlt mir gerade einfach die Energie. Seungmin legt den Kopf schief und scheint auf einen Konter zu warten. Als keiner kommt, wuschelt er mir nur durch die Haare, was mich die Augen verdrehen lässt. „Binnie-hyung ist müde!“, lacht Hyunjin, der diese Szene beobachtet, während er versucht sich das Haarspray etwas aus den Haaren zu bürsten. „Alles gut?“, fragt Chan und runzelt leicht die Stirn. „Sonst bist du nach Auftritten doch total aufgedreht.“ Ich schüttele nur leicht den Kopf und versuche zu lächeln. „Ich bin wirklich nur müde, das ist alles.“ Als alle umgezogen und abmarschbereit sind, verlassen wir das Gebäude. Unser Manager will uns zum Dorm fahren, als mir etwas einfällt: „Hyung, kannst du mich beim Entertainment absetzen?“ „Changbin-ah, hast du mal auf die Uhr gesehen? Es ist fast 23 Uhr und kommst gerade von einem Auftritt wieder. Was willst du denn jetzt noch beim Entertainment?“, fragt mich der Manager verwirrt und ich unterdrücke ein Seufzen.

„Ich will noch an was weiter arbeiten“, antworte ich ausweichend. „Changbin, du solltest dich ausruhen“, versucht Manager-hyung mich umzustimmen, aber ich beharre auf meinem Standpunkt. Somit fahren wir einen kleinen Umweg. „Mach nicht zu lange!“, ruft Chan mir nach und ich unterdrücke ein Lächeln. Diese Worte von jemanden, der sonst immer bis in die frühen Morgenstunden durcharbeitet. Ein Wunder, das er nicht mitkommen wollte. Vielleicht ahnt er, dass ich alleine sein will. Unser Leader kriegt manchmal viel zu viel mit. Kaum gehe ich durch die vertrauten Gänge des Gebäudes, werde ich automatisch entspannter. Die Vorstellung, gleich meine Gedanken loswerden zu können, beruhigt mich ungemein. Auch meine Müdigkeit ist wie weggeblasen, als ich mich in meinen kleinen Raum zurückziehe. Ich hole die Zettel aus einer Schublade und lese die Ideen durch. Bisher ist alles nur ein grobes Konzept, alle Gedanken, die ich in letzter Zeit hatte, habe ich aufgeschrieben. Jetzt gilt es einen roten Faden zu finden. Was würden die anderen denken, wenn sie diese Lyrics lesen würden? , kommt es mir in den Sinn und ich lehne mich zurück. Ich lasse mir nicht gerne in die Karten sehen, da ich andere Menschen nicht mit meinen Problemen belasten will. Lieber löse ich das mit mir selbst. Seit unserem Debut gehen mir mehrere Fragen durch den Kopf: Wer will ich als Künstler sein? Wer will ich als Freund und Member sein? Und wer bin ich als Mensch? Diese drei Fragen kreisen mir oft durch die Gedanken und lassen mich manchmal nicht schlafen, da ich keine Antwort finde.

Ich seufze leise auf und mein Blick wandert zur Uhr. Fast eine Stunde bin ich schon hier und eine weitere kommt noch dazu, als ich beschließe, dass Entertainment zu verlassen. Langsam nehmen die Lyrics mehr Formen an und ich verstaue die Notizen wieder in der Schublade. Die kühle Nachtluft draußen lässt mich wieder klar denken. Vielleicht sollte ich mit den anderen sprechen, was mir so durch den Kopf geht. Doch würden sie mir zuhören? Würden sie sich das überhaupt anhören wollen? Natürlich weiß ich, dass die Antwort darauf Ja ist, aber dennoch zögere ich. Ich bin jemand, der lieber anderen zuhört, statt über die eigenen Probleme zu sprechen. Wie ich es bereits erwartet habe, ist im Dorm noch keine nächtliche Ruhe eingekehrt. Ich schalte das Licht im Flur an und Felix‘ Kopf lugt um die Ecke. Dann breitet sich ein erfreutes Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Hyung, du bist ja schon da!“, stellt er fröhlich fest und ich hebe die Augenbrauen. „Wir dachten, du kommst erst viel später“, setzt er erklärend hinzu und ich lächele leicht. „Ich bin ja nicht Chan-hyung“, murmele ich und will mich in mein Zimmer verziehen, als der jüngere Australier mich zurückhält mich forschend ansieht. „Alles gut?“, fragt er leise und ich nicke. „Klar, ich bin gerade einfach nur erledigt“, antworte ich und Felix grinst wieder. „Tja, deine schuld, wenn du unbedingt noch ins Entertainment musstest“, entgegnet er und piekt mir in die Wange.

Wortlos verschwinde ich in unser Zimmer und lasse mich auf mein Bett fallen. Eigentlich müsste ich dringend duschen, aber ich bin gerade zu demotiviert. Es klopft leise an der Tür, aber ich bleibe einfach mit geschlossenen Augen liegen. „Felix hat mir gesagt, dass du gerade wieder gekommen bist“, sagt Chans Stimme. „Bist du vorangekommen?“ Ich nicke nur, ohne ihn anzusehen. „Ist wirklich alles okay?“ Wieder nicke ich nur. „Gibst du mir dein Geld?“ Jetzt öffne ich die Augen, um den Älteren genervt anzusehen. Dieser verzieht sich nur grinsend wieder nach draußen und ich fahre mir mit beiden Händen übers Gesicht. Gerade bin ich einfach nur erschöpft. Körperlich und mental. Erneut klopft es an der Tür und dieses Mal schaut Jeongin herein. „Hyung, kommst du mit ins Wohnzimmer?“, fragt er gespannt und ich unterdrücke ein Augenverdrehen. „Nein, ich hätte jetzt gerne meine Ruhe. Kannst du das den anderen ausrichten, bevor hier der nächste reinplatzt?“, brumme ich und der Jüngste wirkt einen Augenblick überrascht, salutiert dann aber. „Wird erledigt, Hyungnim!“, ruft er und lacht. Ich stöhne auf und richte den Blick an die Decke. Vielleicht hilft es ja, wenn ich endlich duschen gehe. Recht lustlos suche ich meine Sachen zusammen und verschwinde ins Bad. Und kaum stehe ich unter dem warmen Wasser, entspanne ich mich.

Solange, bis jemand versucht die Tür zu öffnen. Allerdings habe ich in weiser Voraussicht abgeschlossen. „Hey, seit wann schließen wir ab?“, ruft Minhos aufgebrachte Stimme draußen. „Seit dem einige Leute auch mal fünf Minuten Ruhe haben wollen!“, rufe ich zurück  und steige aus der Dusche. „Changbin, mach hin! Ich muss mal aufs Klo“, jammert Minho. Aber ich wickele mich in mein Handtuch und antworte nicht. „Seo Changbin, komm schon!“, fleht der Ältere draußen. „Hyung, du wirst es die paar Minuten noch aushalten“, entgegne ich und rubbele meine nassen Haare etwas trocken. „Changbinnie!“, versucht Minho es weiter. „Komm schon! Muss ich mir erst ein pinkeln? Ist das die Rache, weil ich heute Morgen dir ein Stück von deinem Kuchen geklaut habe? Es tut mir leid, okay? Jetzt lass mich rein!“ Ich stöhne laut auf und drehe den Schlüssel um. Erleichtert platzt Minho nach drinnen. „Ich bin von Idioten umgeben“, grummele ich. „Und du bist einer der größten davon!“, entgegnet der Ältere aufgebracht. „Wer schließt denn schon das Badezimmer ab? Das ist sehr unkollegial von dir, Seo Changbin“, meckert er weiter und ich schalte einfach auf Durchzug. Ich weiß, dass Minho es nicht wirklich böse meint, er liebt es mich zu necken. Aber manchmal nervt es auch. Ich ignoriere ihn und beginne meine Zähne zu putzen. Minho tritt neben mich ans Waschbecken, um sich die Hände zu waschen.

Dabei lässt er den Blick über meinen nackten Oberkörper wandern. „Nicht schlecht. Hast du wieder trainiert?“, fragt er anerkennend und bohrt mir seinen Finger in die Seite. Ich weiche ihm aus und blicke ihn böse an. „Binnie, du kannst noch so sehr versuchen mich mit deinem Killerblick einzuschüchtern, dabei wissen wir doch alle, dass du so gefährlich, wie ein kleines Kätzchen bist“, trällert er und verschwindet wieder aus dem Bad. Ich schnaube nur auf und widme mich wieder meinen Zähnen. Zurück in Felix‘ und meinem Zimmer mache ich es mir im Bett bequem und suche meine Kopfhörer. Eine ganze Weile bin ich alleine, bis sich die Tür öffnet und Felix herein kommt. Überrascht schaut er mich an und ich setze die Kopfhörer ab. „Ich dachte, du schläfst schon“, meint er und schlüpft ebenfalls unter seine Decke. Er dreht sich in meine Richtung und beobachtet mich. „Was ist?“, murmele ich unbehaglich, während ich meine Kopfhörer auf den Tisch lege. „Ich versuche nur schlau aus dir zu werden“, antwortet Felix und ich bin über die Aufrichtigkeit in seiner Stimme überrascht. „Die letzte Zeit war einfach nur etwas anstrengend, das ist alles“, erwidere ich und der Australier verdreht nur die Augen. „Klar, das ist alles“, murrt er und setzt sich auf. „Hyung, du kannst doch mit uns reden!“ Diese Aussage habe ich schon oft von ihnen gehört. Aber wie soll ich darüber reden, wenn ich nicht mal weiß, was mit mir los ist? „Lass uns schlafen“, sage ich stattdessen nur und von Felix kommt ein lautes Seufzen zurück.

Der nächste Morgen beginnt eigentlich auch wie immer. Aber trotzdem fühlt sich für mich etwas falsch an. Als wäre meine Anwesenheit hier falsch. Missmutig verziehe ich das Gesicht. Solche Gedanken schon am frühen Morgen. „Wow, na du siehst auch sehr ausgeruht aus, Hyung“, begrüßt Seungmin mich und ich schaue ihn nur vielsagend an. „Okay, ich hab nix gesagt“, grinst er. „Besser wär’s“, brumme ich und Minho schaut mich fragend an. „Schlecht geschlafen?“, will er wissen. „Das auch“, entgegne ich und reibe mir über die Stirn. Schlecht geschlafen, gar nicht geschlafen, schlecht geträumt, man könnte es mit vielem umschreiben. „Kann ich bezeugen. Deine Unruhe hat mich die Nacht wach gemacht“, ertönt Felix‘ Stimme und er erscheint ebenfalls in der Küche. „Tut mir leid“, erwidere ich, doch der Jüngere winkt bloß ab. Nach und nach kommen alle anderen hinzu und als wir gesammelt am Tisch sitzen, beginnt Chan den Tagesplan zu erläutern: „Also, in den nächsten Tagen haben wir keine Auftritte. Trotzdem müssen wir uns ranhalten mit dem Training. Denn nächste Woche sollen wir der Auftakt für eine Show sein.“

„Was ist mit dem Shooting in zwei Tagen?“, mischt Seungmin sich verwirrt ein. „Ist abgesagt. Im Studio gab es einen Wasserschaden und auf die Schnelle ist kein anderes Studio zu buchen“, entgegnet Chan bedauernd und Hyunjin schneidet eine Grimasse. „Na toll, ich habe mich schon so gefreut mal wieder vor die Linse zu kommen“, jammert er. „Wenn du unbedingt fotografiert werden willst, dann ließe sich das arrangieren“, grinst Jisung und formt seine Finger zu einer Kamera. Hyunjin setzt sich auf seinem Stuhl in Positur, aber Chans Räuspern unterbricht ihre Albereien. „Ich hoffe, ihr habt das auch noch alle auf dem Schirm, dass bald die Promotion für unser neues Album beginnt.“ „Wie könnten wir das nur vergessen?“, entgegnet Minho und verdreht die Augen. Sofort reden alle aufgeregt durcheinander und auch in mir macht sich Vorfreude breit. Auf die Reaktionen der Fans sind wir jedes Mal aufs Neue gespannt. „Wisst ihr, was mir gerade auffällt?“, erhebt Jeongin die Stimme und alle schauen ihn fragend an. „Jemand ist für seine Verhältnisse ziemlich still.“ Sofort zeigt Jisung auf mich und ich gebe ein ungeduldiges Geräusch von mir. „Ich bin nur müde“, versuche ich zu erklären und Felix gähnt. „Hm, kann ich bestätigen. Ich bin ja mal dafür, dass du eine Nacht durchschlafen solltest. Dann wären wir beide ausgeruhter, Hyung.“ „Du kannst nicht mehr schlafen?“, fragt Chan sofort alarmiert und ich winke ab. „Das ist sicher nur deswegen, weil wir so viel zu tun haben.“

„Oder Changbinnie ist verliebt“, kichert Hyunjin und ich stoße ihm unter dem Tisch gegen das Bein. „Chan-hyung, Changbin hat mich getreten!“, ruft er sofort anklagend und schmollt. „Ihr seid doch alle dämlich“, knurre ich und Minho tippt sich nachdenklich ans Kinn. „Wenn man dich als den Maßstab für diese Dämlichkeit nimmt, wären wir anderen eigentlich ziemlich schlau“, meint er und Hyunjin lacht laut auf. „Jetzt nehmt den armen Changbin nicht wieder so auseinander“, versucht Chan halbherzig Einhalt zu bieten. „Ich glaube, ich muss mir neue Freunde suchen“, entgegne ich ihm trocken. „Och Binnie, wir haben dich doch lieb!“, jammert Minho sofort, doch ich schaue ihn nur regungslos an. „Oh, oh, Hyung. Jetzt hast du ihn wohl echt sauer gemacht“, grinst Jisung. „Seo Changbin, würdet Ihr mir die Ehre erweisen meinen Fehltritt zu verzeihen?“, fragt Minho und deutet eine Verbeugung an. „Wieso kenne ich euch und wieso mag ich euch überhaupt?“, rufe ich frustriert und muss mir das Lachen zurückhalten. „Diese Frage stelle ich mir schon seit gut vier Jahren“, murmelt Chan vor sich hin. Eigentlich sind diese kleinen Neckereien typisch für uns. Aber gerade bin ich mir nicht sicher, ob ich über Minhos Aussage einfach hinweg sehen oder ob ich es persönlich nehmen soll. Für gewöhnlich weiß ich genau, woran ich bei den anderen bin. Dazu kennen wir uns schon zu lange Zeit und haben genug miteinander durchgemacht. Doch es gibt Tage, an denen trifft mich dieses spaßhafte Ärgern mehr wie es sollte. Aber ich will es auch nicht ansprechen, denn dann denken die anderen sicher, ich würde ein riesen Drama wegen nichts machen. Und darauf habe ich auch keine Lust. „Changbin, ist echt alles gut?“, reißt mich Minhos Stimme aus den Gedanken und ich registriere, dass alle Blicke auf mir liegen. Ich ringe mir ein Lächeln ab. „Ja, es ist alles okay“, versichere ich.
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