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Des Rätsels Lösung

von JadeFeuer
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Harry Potter Hermine Granger
08.08.2020
08.08.2020
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3.121
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Liebe Hedwig93,

hier dein Wichtelgeschenk. Ich hoffe, es gefällt Dir.

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Des Rätsels Lösung




Wenn es beim in der Zeit erstarrten Drachen in der erfrorenen Zeit am Ende des 9. 30:4 steht, das weite Dunkle sich hinter ihm erstreckt, dann schaue nach Osten, ins Blaue, dort wo sich die Sterne erheben, im Wege des Hellen es steht, im Innern ist es verbogen, unter Schwertern der Weg Dir gewiesen wird, hoch oben lässt es sich leben, doch in den Tiefen Du Deinen Weg finden wirst, das Glück Dich überraschen wird, Dein Leben bereichert und es einen neuen Abschnitt beginnen lässt.



„Ah …“, seufzte Hermine und raufte sich die Haare. Ein Blick zum Fenster verriet ihr, dass sie bereits Stunden hier sitzen musste. Es war finstere Nacht und sie konnte sich nur selbst sehen. Glücklicherweise war ihr Spiegelbild dunkel, so dass sie nicht ihre Augenringe sehen konnte, die sich mit Sicherheit hatte. Sie hatte bereits seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen, es ließ sie einfach nicht los. Anfangs hatte Harry sie sehr unterstützt, aber mittlerweile war er genervt. Doch saß er hier, neben ihr, und schnarchte. Im Grunde hätte er auch ins Bett gehen können, doch dass er hier sitzen geblieben war, bedeutete ihr viel. Ron hingegen war bereits nie wirklich mit dabei gewesen, immer hatte er nur rumgestänkert und war schließlich gar nicht mehr gekommen. Besser so, dachte Hermine. Jemand, der immer nur alles ins Negative zog, war nur die reinste Belastung.



Harry neben ihr atmete tief ein und aus. Kurz war Hermine versucht, ihm durch sein Haar zu fahren. Er hatte so schönes, dichtes schwarzes Haar. Sie hob ihre Hand, ließ sie kurz schweben, und zog sie dann zurück. Sie wollte nicht so übergriffig sein. Es wäre nur in Ordnung, wenn sie bereits zusammen wären. Was sie nicht waren. Und vielleicht auch nie sein würden. Seit die zusammen an dieser Sache arbeiteten hatte sich etwas zwischen ihnen verändert. Zumindest für sie. Ob es für ihn auch so war, wusste sie nicht. Aber es war doch ein gutes Zeichen, dass er hier bei ihr war, oder nicht?



Hermine versuchte sich wieder auf das Buch vor ihr zu konzentrieren. Harry und sie waren nun allein im Gemeinschaftsraum, sie hatte nun endlich die Ruhe, kein Stimmgewirr konnte sie stören, keiner sich über ihre Schulter beugen oder doofe Sprüche abgeben. Sie sei zu verbissen, es sei doch nur eine Schulaufgabe, möglicherweise ein Scherz von Professor McGonagall. Sie alle verstanden nicht, dass es für sie viel mehr war.



Kurzentschlossen stand sie auf, schlug das Buch vor ihr zusammen. Laut. Harry schreckte aus seinem Schlaf hoch, sah zu ihr auf und grinste. Es war ein breites Grinsen, und keinerlei Verärgerung lag in seinem Gesicht. Tatsächlich kam Hermine sein Blick verliebt vor. Plötzlich kribbelte es in ihrem Bauch, ihre Knie wurden weich. War das vielleicht der perfekte Moment, DER Moment? Harry stand auf, nahm ihre Hand in seine. Doch statt sie zu küssen, drehte er sich um, ließ ihre Hand los und machte sich auf dem Weg zum Porträt. Hermine stand verwirrt da. Wo wollte Harry hin?



Am Porträt angekommen drehte Harry sich um, er stand genau im Sonnenschein, was auf Harrys Brille Reflektionen hervorrief und sie blendete. Hermine blinzelte, und hörte, wie das Porträt aufschwang.

„Kommst du nun Hermine, oder bleibst du hier? Ich denke, ich hab‘ des Rätsels Lösung gefunden.“ In seiner Stimme lag ein Grinsen. Kurz blieb Hermine stehen, verwirrt von dem Umschwung Harrys, hatte er nicht gerade noch geschlafen? Aber sagte man nicht, dass manche Lösungen über Nacht kamen? Vielleicht hatte Harry von der Lösung geträumt? Das verbinden können, was ihr bisher nicht gelungen war? Leichter Frust stieg in ihr auf. Sie wollte auf Lösung kommen. Sie konnte auf die Lösung kommen. Doch Harry zu folgen war verlockender.



Harry schlenderte durch das Schloss, so gut gelaunt wie sie ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte. Dass Ron sich so schnell zurückgezogen hatte, hatte Harry belastet. Die beiden hatten sich sogar deswegen gestritten. Jetzt schien es Harry nicht mehr zu kümmern.



Die Sonne, welche ihr die ganze Zeit folgte, war so angenehm warm auf ihrer Haut. Harry hatte den Weg zu Professor McGonagall eingeschlagen, erkannte sie. Hermine versuchte, schneller zu gehen, ihn einzuholen. Wenn er auf die Lösung gekommen war, würde sie sie gerne als erstes hören. Und sie konnte den Wunsch nicht unterdrücken, dass sie es sein wollte, die die Lösung preisgab.



Statt schneller zu werden wurde sie langsamer. Harry schien immer weiter entfernt, bis er schließlich stehen blieb. Er drehte sich zu ihr um und wartete, bis sie bei ihm war. Er sagte nichts, er grinste bloß immer noch.

„Was ist, Harry?“, fragte Hermine verwirrt. Er antwortete nicht, sondern grinste bloß und sah sie unverwandt an.

„Harry, sag’s einfach.“ Keine Reaktion. Sie wollte nach seinem Arm greifen, da war er einen Schritt weiter gegangen.

„Harry, was soll das?“, fragte sie ungeduldig und verschränkte die Arme vor der Brust. So langsam glaubte sie, dass er sie veräppeln wollte. Aber auch sie konnte Spielchen spielen. Sie würde den längeren Atmen haben. Doch nach ein paar Minuten ging Harry bloß einen Schritt weiter, das Grinsen blieb unverändert auf seinem Gesicht. Hermine raufte sich die Haare, rieb sich die Augen und drehte sich um. Das Grinsen war seltsam. Ebenso seltsam war es, dass niemand anders in diesem Flügel zu sein schien. Dem Stand der Sonne nach musste es mitten am Tag sein – plötzlich viel es Hermine ein. Die Sonne! Im Augenwinkel sah sie, dass Harry erneut einen Schritt weiter ging.



Der Stand der Sonne! Das sie darauf nicht eher gekommen war! Je nachdem dem Stand der Sonne waren die Schatten länger oder kürzer! Natürlich! Hermine rannte so schnell wie möglich los, runter in den Hof des Schlosses. Harry folgte ihr nicht, doch er war wieder da, als sie mitten im Hof angekommen war. Hermine ging hinüber zur Drachenfigur – Ron hätte bestimmt gewusst, was für ein Drache es war – und folgte schließlich mit großen Schritten dem Schatten, bis sie am Ende des langen Schattens stand. Die Sonne war bereits in die Wolken eingetaucht und färbte den Himmel in rot. Hermine sah auf ihre Uhr, es sie stand auf 40 kurz zu 12 lang. Damit war 20:00 Uhr gemeint! Wie lange hatte sie hier gestanden und gemessen, in Zoll, in Metern, in Centimetern, in Schritten, in allen möglichen Einheiten, die sie hatte finden können. Dabei war bloß die Uhrzeit gemeint, nicht mehr und nicht weniger.



Hermine sah zu Harry, der immer noch das gleiche breite Grinsen im Gesicht hatte. „Danke, Harry“, hauchte Hermine und umarmte ihn, gab ihm einen Kuss auf die Wange. Hermine schaute in Richtung Osten, hoch zu den Sternen. Wie oft hatte sie mit Harry hier gestanden, nach Osten geschaut und die Türme von Hogwarts betrachtet. Dass ein Turm gemeint war, dessen war sie sich mehr als sicher gewesen. Zusammen mit Harry war sie in jedem obersten Stockwerk der in Betracht kommenden Türme gewesen, doch nirgendwo hatten sie Schwerte entdeckt.



Zusammen mit Harry rannte sie los, ohne aus der Puste zu kommen, sie hatte es gesehen – wie dumm sie war, dass sie es vorher nicht gesehen hatte! So dumm, dass sie diese Möglichkeit gar nicht erst in Betracht gezogen hatte.



„Hermine! Hey, wach auf“, hörte sie sanft Harrys Stimme und spürte ein leichtes Rütteln an ihrer Schulter. Hermine öffnete die Augen, die Sonne blendete sie, so dass sie blinzeln musste. Sie hob ihren Kopf und die Seite des Buches unter ihr klebte an ihrer Wange. Sie hörte Harrys leises Lachen.

„Du hast ganz schön verpennt“, sagte Harry, als er beobachtete, wie Hermine versuchte, ihre Haare irgendwie aus ihrem Gesicht zu halten.

„Verpennt?“, fragte sie schrill nach, als die Bedeutung des Wortes ihren Verstand erreichte. Panisch blickte sie zu Harry. Noch nie hatte sie verpennt. Sie schreckte hoch, wollte los, ging einen Schritt, doch dann blieb sie stehen, verwirrt, am überlegen, ob sie noch kurz eine neue Uniform anziehen sollte oder direkt zum Unterricht eilen sollte.

Harry berührte sie am Arm.

„Hermine“, sagte Harry sanft, als ob er ihre Gedanken gelesen hätte, „es ist Sonntag. Die anderen sind gerade bloß frühstücken.“



Hermine raufte sich die Haare. Sie sah zu Harry, der bloß lächelte. Dann fiel ihr ihr Traum wieder ein.

„Harry, ich hab’s! Ich weiß, was gemeint ist! Ich denke, ich hab’s gelöst!“ Mit einem Schlag war sie hellwach. Sie wollte los, aber ein Blick durchs Fenster verriet ihr, dass es noch zu früh war. Die Sonne war gerade erst aufgegangen, noch nie hatte sie sich so sehr gewünscht, dass der Tag schnell rum ging.

„Du hast es gelöst?“, hakte Harry nach. Hermine nickte eifrig.

„Und?“, hakte Harry nach, als Hermine nichts sagte.

„Warte es ab! Wir treffen uns am halb vier unten an der Drachenstatue!“, sagte Hermine und verschwand nach oben in den Schlafsaal. Sie wollte Harry noch nichts erzählen, viel mehr hatte sie das Bedürfnis, sich zu erfrischen. Sie war ohnehin zum Warten verdammt, bis die Sonne unterging.



--



Gemeinsam mit Harry machte sie sich um kurz nach vier auf dem Weg nach unten in den Hof, zur Drachenstatue. Unter den Schülern hielt sich das Gerücht hartnäckig, dass es sich um einen zu Stein gewandelten Drachen handelte. In der Gründungszeit, so hieß es, waren noch unzählige Drachen im Norden Großbritanniens unterwegs gewesen, einer davon hatte während des Aufbaus sein Nest hier im Hofplatz errichtet. Im Kampf gegen den Drachen war dieser schließlich von Gryffindor zu Stein verwandelt worden und thronte nun auf einem Vorsprung.



Hermine hüfte fast auf dem Weg dorthin. Es war so aufregend – den ersten Teil des Rätsels, an dem die so seit Schulbeginn saßen, sie hatte ihn nun endlich gelöst. Den Rest würden sie sicherlich auch schaffen. Sie nahm Harrys Hand, was ihr im nächsten Moment erst auffiel. Es war ihr plötzlich unangenehm, da sie nicht abschätzen konnte, wie er darüber dachte. Doch weder entzog Harry sich ihr, noch sagte er etwas dazu.



„Hermine, jetzt sagt es endlich! Hör auf, mich so auf die Folter zu spannen!“, forderte Harry nun ungeduldig, als sie unten im Hof angekommen waren.



Wenn es beim in der Zeit erstarrten Drachen in der erfrorenen Zeit am Ende des 9. 30:4 steht, das weite Dunkle sich hinter ihm erstreckt, dann schaue nach Osten …“, zitierte Hermine.



„Hermine, das hatten wir doch schon. Wir standen hier schon so oft, und haben die Türme haben wir mittlerweile auch alle durchsucht. Was sollen wir hier erneut?“, fragte Harry und konnte die Frustration und Ungeduld nicht aus seiner Stimme heraushalten.

„Harry, ich war so dumm, dass ich nicht eher darauf gekommen bin! So dumm, Harry!“, stieß Hermine aus, ohne dass sie Harrys Einwand auch nur gehört hatte.

„Harry! Der November war ursprünglich der 9. Monat des Jahres! Früher, im römischen Reich gab es Januar und Februar nicht! Deswegen passte der September auch nicht! Die Sonne um halb vier ist im September noch viel höher am Himmel, was den Schatten deutlich verkürzt hat! Deswegen passte es einfach nicht!“



Harry nickte bloß, musste die Worte von Hermine einen Moment sacken lassen, bevor er sie verstand. Dass der November mal der neunte Monat des Jahres war, hatte er nicht gewusst. Dass mit 30:4 die Uhrzeit halb vier gemeint ist, hatten sie bereits vermutet, aber es hatte nicht gepasst.  Jetzt machte es aber Sinn und er sah lächelnd dabei zu, wie Hermine zum Fuß des Drachen ging, kurz auf die Uhr starrte, und dann im Schatten bis dessen Ende ging, bevor sie ihren Blick gen Osten richtete. Er liebte es, wenn Hermine so in ihrem Element war. Es gab nichts, was sie dann aufhalten konnte. Er bewunderte ihre Leidenschaft, ihre Wissbegierigkeit und hoffte, dass irgendwann er den Mut aufbringen konnte, ihr zu sagen, wie schön er sie fand. Ihn selbst hatte das Rätsel von Professor McGonagall nicht wirklich interessiert, doch die Zeit mit Hermine hatte sehr genossen.



„Ich war so dumm!“, drehte Hermine sich um und schaute zu Harry. Sie winkte ihn ungeduldig zu sich, Harry kam ihrer Bitte nur allzu gern nach.

„Da! Siehst du es?!“ Harry richtete seinen Blick gen Osten und sah bereits einige Sterne am Himmel, doch keinen besonders großen. Er sah offenbar nicht das, was Hermine sah.

„Harry! Da!“ Hermine zeigte in Richtung Osten.

„… ins Blaue, dort wo sich die Sterne erheben, unten im Wege des Hellen es steht“, zitierte Hermine. Harry verstand nicht.

„Harry, es ist überhaupt kein Stern gemeint! Siehst du es?“ Sie nahm sein Gesicht in die Hand, dann sah er es auch. Es war nicht ein Stern vom Himmel gemeint, sondern ein Baum mit einer weißen Rinde, der nur aus dem Winkel zu sehen war, wo sie jetzt standen. Verschiedene Mauern der Schule versperrten sonst die Sicht auf den Baum. Er hatte ihn hier schon oft gesehen, aber in diesem Sinne war er ihm niemals aufgefallen. Er tauschte einen kurzen Blick mit Hermine aus, dann gingen sie gemeinsam schnellen Schrittes zu dem Baum. Hier gab es keinen gepflasterten Weg mehr, Harry war hier noch nie lang gekommen, denn es gab hier schlicht nichts mehr. Der Weg führte vom Gelände der Schule weg, aber weder zum Quidditch-Feld noch zum See.



„… im Innern ist es verbogen, unter Schwertern der Weg Dir gewiesen wird …“ Am weißen Baum angekommen mussten sie feststellen, dass es offensichtlich kein Inneres gab. Es gab dort nichts außer den weißen Baum. Hinter ihnen lag Hogwarts, doch vor ihnen bloß Gras, stellenweise vom Schnee bedeckt, und ganz hinten am Horizont waren Berge auszumachen. Und Schwerter waren auch nicht zu sehen. Hermines Euphorie verschwand, ihr Ehrgeiz jedoch nicht. Sie hatten so viel in den letzten paar Minuten geschafft – der Rest würde auch ein Klacks sein. Sie zog ihren Zauberstab und probierte den ein oder anderen Aufdeckungszauber, doch nichts passiert.



Harry neben ihr sah sich weiter in der Gegend um.

„Da“, rief er plötzlich und deutete auf die Mauern von Hogwarts. Das Symbol der Schwerter war durch den Schnee an der Mauer sichtbar. Hermine war es noch nie aufgefallen, das wäre es vermutlich auch nicht, wenn nicht nur auf den Schwertern der Schnee liegen geblieben war.



Gemeinsam liefen sie auf die Mauer zu.

Im Inneren verborgen“, murmelte Hermine. Also mussten sie rein. An der Seite der Mauer entdeckte sie eine Treppe die ins Innere führte. Wenn sie richtig vermutete, dann führte es ins Innere des Schlosses, zu einem beliebten, nicht mehr allzu heimlichen, Treffpunkt für Schüler.



„ … hoch oben lässt es sich leben, doch in den Tiefen Du Deinen Weg finden wirst …“, zitierte Harry neben ihr. „Also müssen wir runter“, schloss er. Doch es gab keinen Weg, hier war nur Gras und Erde. Gemeinsam schauten sie sich die nähere Umgebung an, gingen ein bisschen an der Mauer entlang. Die Sonne war mittlerweile fast vollständig untergegangen und sie musste mit ihren Zauberstäben leuchten.



Hermine versuchte ein paar Zauber, während Harry vorschlug, vielleicht morgen bei Tageslicht wieder zu kommen.



„Hermine, jetzt kennen wir doch den Weg. Lass uns morgen weitersuchen, es ist kalt und ich hab‘ Hunger.“

„Du klingst schon wie Ron“, erwiderte Hermine wirsch. Sie war noch nicht bereit, aufzugeben. Aber auch sie hatte Hunger. Über die Aufregung hatte sie vergessen, etwas zu essen. Doch nach einer geschlagenen Stunde waren sie immer noch nicht weitergekommen. Alle möglichen Zauber hatten sie probiert, warum um den Teil des Schlosses gewandert, um einen Eingang zu finden, doch dieser Turm schien keinen zu haben. Auch durch die Nachbartürme gab es keinen Weg, der ins Innere dieses einen führte. Nach einer weiteren Stunde, in der Harry ohnehin nur noch rumgestanden hatte, gab auch Hermine auf. Alle möglichen Zauber, um verborgenes zum Hervorscheinen zu bringen, hatte sie ausprobiert – nichts. Vielleicht würde sie morgen zu Professor McGonagall gehen und um einen Rat bitten. Bisher hatte sich die Professorin geweigert, einen Hinweis zu erteilen – aber da hatte Hermine auch noch nichts erreicht. Jetzt immerhin ein wenig.



Zusammen Harry schlenderte sie zurück in die Große Halle zum Abendessen. Die meisten Schüler waren bereits fertig und am Weg in die Gemeinschaftsräume. Hermine hielt nach Professor McGonagall Ausschau, doch sie war offensichtlich bereits nicht mehr hier. Hermine seufzte frustriert. Harry legte ihr einen Arm um die Schulter. Die plötzliche Nähe ließ ihr die Hitze ins Gesicht steigen.

„Hermine, wir sind so weit gekommen. Morgen schaffen wir den Rest. Du bist immerhin die klügste Hexe, die ich kenne“, lächelte er ihr zu.



Abends ging Hermine es immer wieder durch, ließ jeden Zentimeter, den sie erkundet hatten, noch mal vor ihrem inneren Auge ablaufen. Doch sie kam zu keiner Lösung. Aber, so dachte sie, heute war ihr auch die Lösung im Schlaf gekommen.



Am nächsten Morgen war Hermine früh auf den Beinen und machte sich auf den Weg. Im Schlaf war ihr dieses Mal leider keine Lösung gekommen. Unten auf dem Platz angekommen musste sie feststellen, dass der Baum nicht mehr vorhanden war. Und auch keine Schwerter zu sehen waren. Der Schnee lag immer noch, er konnte also nicht geschmolzen sein. War sie hier an der richtigen Stelle? Hermine war sich sicher, dass sie hier richtig war, doch sie hatte nicht wirklich lange Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Bald würde die erste Stunde Verwandlung beginnen – dann würde sie auch Professor McGonagall treffen. Vielleicht würde sie auch wirklich einen Hinweis erteilen.



Voller Hoffnung, und sich gedanklich auf das Rätsel konzentrierend, konnte Hermine kaum dem Unterricht folgen. Auch, dass alle anderen ihr immer wieder Blicke zuwarfen, dass sie sich heute kein einziges Mal meldete, bemerkte sie nicht. Auch Harrys besorgter Blick entging ihr.



Endlich, als der Unterricht vorbei war, stürmte Hermine zum Pult. Harry schloss sich ihr an und stellte sich neben ihr. Hermine schilderte aufgeregt Professor McGonagall was sie gestern erreicht hatten, und auch, dass es heute Morgen offensichtlich nicht mehr da war. Harry war verwundert über den letzten Teil von Hermines Schilderung. Die alte Professorin lächelte nur, und deutete auf die Tafel. Hermine war verwirrt, auf der Tafel stand lediglich der Inhalt des heutigen Unterrichts. Und das Datum. Hermine zog scharf die Luft ein. Heute war bereits der erste Dezember.



Harry brauchte einen längeren Moment, bis er es gesehen hatte.



„Es tut mir leid, Ms. Granger. Versuchen Sie es einfach nächstes Jahr erneut.“ McGonagall tätschelte Hermines Schulter und schenkte ihr ein kurzes, scharfes Lächeln, bevor sie sie des Raumes verwies. Die nächste Klasse wartete bereits.



Hermine brauchte einen langen Moment, um sich zu sammeln. Sie waren so nah dran gewesen – so kurz davor, und … nichts. „Verdammte Scheiße“, murmelte sie und fing sich einen überraschten Blick von Harry ein. Er legte seinen Arm um die Schulter und drückte sie kurz an sich. Zaghaft gab er ihr einen Kuss auf die Wange, in der Hoffnung, sie aufzumuntern.



Hermine hob ihren Blick und sah Harry an. In dem Moment wurde ihr klar, dass sie sich in Harry verliebt hatte – und er offensichtlich auch in sie.
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