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Eine verloren geglaubte Liebe

GeschichteRomanze / P18
Christoph Saalfeld Eva Saalfeld
08.08.2020
08.08.2020
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1.080
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// Kurze Info zur Geschichte: Bisherige Situationen zwischen Christoph und Eva (Kuss im Gewächshaus, diverse Träume, Absturz in den Karpaten, die gemeinsame Nacht, etc.) haben stattgefunden. Ebenfalls der überraschende Abgang von Eva mit Emilio, die zerstörerischen Aktionen von Ariane Kalenberg und die voranschreitende Beziehung zwischen Robert und Vanessa. Jedoch spielt diese Geschichte etwas in der Zukunft. Christoph konnte sich gegenüber Ariane durchsetzen und wurde wieder Anteilseigner. Nun leidet er unter dem Schock, wie schnell er alles verlieren konnte. //



Nun war alles wieder wie vorher. Zumindest fast.
So als hätte man die Zeit zurückgedreht; als wäre nie etwas geschehen.

Die Top-Comfort-Hotels nahmen an Schwung auf, dem Fürstenhof konnte man gravierende Schäden ersparen und Christoph bekam seine Anteile wieder zurück. Arianes Plan war zwar beinahe perfekt, aber nicht gut genug. So schnell wie sie gekommen war, so schnell war sie dann auch wieder vom Erdboden verschluckt. Genaugenommen hinter Gittern.

Eigentlich hätte Christoph vor Endorphinen überflutet werden müssen, denn immerhin war er derjenige, der Ariane überführt hatte. Er hatte es tatsächlich geschafft, den Fürstenhof zurück zu erkämpfen. Unter normalen Umständen würden seine Adern vor Stolz nur so pulsieren, aber das Erfolgsgefühl blieb aus. Nicht einmal ein kleines Lächeln brachte der wiedergewonnene Anteilseigner zustande. Er fühlte sich so unfassbar leer an. So leblos. Das war einfach nicht er. Das war nicht der eindrucksvolle Christoph Saalfeld. Davon war er mittlerweile so meilenweit entfernt, wie der Tag, an dem er am Fürstenhof eingetroffen war. Das alles lag unfassbar weit zurück.

Langsam taumelte Christoph von dem Sofa hinüber in sein Zimmer. Jeder Schritt fühlte sich bleischwer an und hätte er es nicht besser gewusst, dann wäre Christoph der Meinung gewesen, dass er ein Glas zuviel hatte. Die Erschöpfung der letzten Wochen und Monate spürte er noch in all seinen Muskeln und sein Kampfgeist war zurzeit einfach aufgebraucht. Na wenigstens konnte ich wieder in die Wohnung im Fürstenhof ziehen, dachte er sich, als er sich ins Bett fallen ließ und den Kopf zur Decke richtete. Sein eigener Herzschlag fühlte sich schwer unter seinem Brustkorb an. Und jetzt spürte er sie - die kommende Flut, die Flut an Gedanken und Erinnerungen. Christoph ließ es zu, weil er sich nicht mehr verschließen konnte.

Er hatte sich wirklich in Ariane verliebt und wurde dabei so sehr getäuscht, wie noch nie in seinem bisherigen Leben. Ihr Rachefeldzug brach ihm buchstäblich das Herz und gleichzeitig hatte diese Frau ihm alles genommen. Seine Hotels, seine Anteile, sein Geld, seinen Stolz und die Liebe, die er übrig hatte. Womit blieb er nun zurück? Verdammt, Christoph wusste es nicht. Nun war er wieder alleine. Klar, seine Schwester war noch für ihn da und natürlich auch Tim. Aber alles andere? Er hatte es verloren. Mit nur einem Schlag. Im Grunde war es schon fast zu einfach. Viel zu einfach. Und er ärgerte sich darüber. Der Gedanke daran, dass er sich eigentlich alles wieder zurück erkämpft hatte, drang nur stückweise zu ihm hindurch. Alles was er sah, waren seine Verluste und sein Herz, das er erneut an die Falsche verschenkt hatte.

Christoph schloss seine Augen und wollte wieder diese Leere spüren. Einfach nichts mehr fühlen. Nur den immer näherkommenden, tiefen Schlaf. Aber plötzlich boxte sich noch ein Gedanke an die Oberfläche. Der Gedanke an eine nahezu vergessene Frau. An Eva. Das Bild tauchte so überraschend auf, dass sein Herz einen kurzen Sprung machte. Nach all der vergangenen Zeit sah er sie wieder vor sich. Ihre Augen. Ihr wunderschönes, herzliches Lachen. Und ihre zarten Lippen, die sich so weich auf seine Haut legten. Nachdem sie vor ein paar Monaten mit Emilio wegging, hatte er kaum noch einen Gedanken an sie verschwendet. Und dabei war sie alles, was er jemals wollte. Er hätte die Welt für Eva gegeben und noch nie zuvor war er glücklicher, als in dieser Nacht, in der er sie im Arm halten durfte. Christoph vermisste dieses Gefühl, auch wenn sie sich immer wieder für Robert entschieden hatte und am Ende für keinen von beiden. Insgeheim war er sich immer sicher, dass Eva ihn nie für eine gemeinsame Zukunft gewählt hätte, vorallem in dieser einzigen gemeinsamen Nacht, als er „Ich liebe dich.“ flüsterte und sie unter seiner Berührung erschauderte. Eva hatte, obwohl sie starke Gefühle für Christoph hegte, nie die Absicht bei ihm zu bleiben, dafür war ihr die Ehe zu Robert viel zu bedeutend. Aber Christoph hat sie trotzdem geliebt. So sehr, wie noch keine Frau zuvor. Weder Xenia, noch Alicia. Und Ariana … darüber wollte er gar nicht erst nachdenken.

Er würde nur zu gern wissen, wo Eva sich gerade befand oder wie es ihr ging. Niemand hatte etwas von ihr gehört. Da war Christoph sich sicher, weil er erst am Vortag ein Gespräch zwischen Werner und Robert mitgehört hat. Und nunja, wahrscheinlich wird er auch der Letzte sein, der überhaupt irgendwann mal etwas von ihr erfahren wird. Längst überfällig wurde ihm bewusst, dass er auch Eva verloren hatte, genauso wie er den Blick in die Zukunft nicht mehr finden konnte.

In dieser Nacht schlief er ausnahmsweise nicht mit einem leeren, leblosen Kopf ein, sondern mit dem Gedanken an Eva und wie sehr er sie schlagartig vermisste.

-

Am nächsten Morgen zog es Christoph schon früh ins Büro - der einzige Ort an dem er sich nützlich fühlte. Gedankenverloren sah er jedoch nur auf überflüssige Unterlagen. Die Zeilen fügten sich nur verschwommen zu einem vollständigen Text zusammen. Nichtmal für einfache Aufgaben reichte seine Motivation und er hasste dieses Gefühl.

Jedes Mal wenn jemand ins Büro kam, richtete er sich blitzschnell auf, formte gleichgültige Gesichtszüge und antwortete nur mürrisch. Es war schon schlimm genug, dass er innerlich seinen Halt verloren hatte, da wollte er nicht auch noch äußerlich Schwäche zeigen. Ach, wie sehr würde er sich wünschen, wieder der Christoph Saalfeld zu werden, der er war, als er Ariane noch nicht kennengelernt hatte.

Christoph war gerade dabei eine Rechnung zu kontrollieren, als es leise an der Tür klopfte. Er atmete einmal tief ein und aus. Genervt darüber, dass er schon wieder Haltung vortäuschen musste.
„Herein.“, sagte der Anteilseigner mit einer gefälschten, starken Stimme.

Die Tür öffnete sich viel zu zaghaft für seinen Geschmack. Christophs Blick lag abwartend darauf.

Nach einer gefühlten Ewigkeit stand dann plötzlich eine Frau vor ihm. Sie schloss die Tür hinter sich und sah ihn mit einem unsicheren, leicht ängstlichen Blick an.
In Sekundenschnelle drehte sich alles in Christophs Kopf. Seine Hände begannen leicht zu zittern und sein Atem setzte für einen Moment aus.
Er brachte nur mehr ein leises Hauchen von sich.

„Eva.“
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