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Im Fluss der Zeit

GeschichteAllgemein / P18
Christian "Flake" Lorenz OC (Own Character) Till Lindemann
08.08.2020
22.10.2020
10
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18.10.2020 1.910
 
Martina fühlte sich, als wäre eine Last von ihr genommen worden. Zumindest war nun dieses Thema vom Tisch und sie musste sich nicht auch noch mit einem wütenden Till herumschlagen. Seine Rede hatte sie beeindruckt und obwohl es nicht so aussah, als würde er auf eine Begründung ihrerseits warten, so hatte sie dennoch das Bedürfnis, sich zu erklären.

„Till, ich…wir hatten gesagt, dass wir alles bis dahin Geschehene vergessen, aber ich will trotzdem, dass du weißt, dass…“

Martina schluckte und ärgerte sich über sich selbst. Warum nur klang das so erbärmlich? Sich hatte sich die Worte doch eben noch so schön zurechtgelegt.

„Du hast mich einfach verdammt nervös gemacht – machst du immer noch, um ehrlich zu sein. Ich kann dich schwer einschätzen.“

Till lauschte ihr und schüttelte etwas belustigt den Kopf. Das war es also, was sie heute Morgen im Garten so unnahbar erscheinen hatte lassen. Er berührte leicht ihre Schulter, merkte aber, wie sie sich versteifte und zog sofort die Hand zurück. Irgendetwas lag ihr nach wie vor auf der Seele, das spürte er, aber es war vermutlich nicht der richtige Zeitpunkt, da weiter zu bohren.

„Das war nicht meine Absicht. Lass es uns einfach vergessen, ja? Wir sollten langsam zurück, was meinst du?“

Mit diesen Worten stand er auf und wartete, dass Martina ihnen den Weg mit ihrem Handy ausleuchtete.


Joey machte sich langsam nun wirklich Sorgen. Flake war ihm auch keine besondere Hilfe, denn er tigerte wie ein Wahnsinniger zwischen Feuerstelle und Zelt hin und her und fragte bei jedem noch so kleinem Geräusch nach Sind sie det?
Bei der gefühlt 150. Frage riss Joey der Geduldsfaden und er sprang auf.

„Flake, verdammt, es reicht! Bleib‘ hier, ich gehe sie suchen!“

Joey schnappte sich eine Taschenlampe und verschwand in die Richtung, die Till vorhin eingeschlagen hatte. Flake stand unschlüssig neben dem Feuer und blickte ihm nach.

„Na toll. Lasst mich alle hier alleene. Mit mir kann man’s ja machen.“


Schweigsam wanderten Till und Martina flussaufwärts ihrem Lager entgegen. Sie hatten gerade die Biegung einige hundert Meter davon entfernt erreicht, als ihnen in der Ferne ein Lichtkegel auffiel und kurz darauf Joeys Stimme zu ihnen herüber wehte.

„Till! Martina! Wo seid ihr?“

„Hier!“

Martina kam Till zuvor. Der Sportler eilte ihnen entgegen und leuchtete erst dem einen, dann der anderen ins Gesicht.

„Alles in Ordnung bei euch? Flake ist schon komplett aufgelöst, weil ihr nicht zurückgekommen seid, der wollte schon einen Suchtrupp losschicken.“

„Alles gut. Dann lass uns mal zu dem armen Flake zurück gehen“, lachte Till und klopfte Joey auf die Schulter.

Der Keyboarder nahm sie auch sogleich beim Camp freudig in Empfang. Er umarmte Martina, die erst nicht so recht wusste, wie ihr geschah, und zog sie ein wenig beiseite, während es sich Till und Joey am Lagerfeuer bequem machten.

„Nu, allet jut? Wat war denn mit Till los?“

„Es gab da was zu klären, aber das ist erledigt“, sie seufzte, da das Gefühl der Erleichterung schlagartig wieder der Erkenntnis gewichen war, warum sie eigentlich davongelaufen war, „Flake, sei mir nicht böse, aber ich muss noch mit Annika telefonieren, ja?“

„Ne, keen Problem. Ich habe dir och noch wat vom Essen aufgehoben, wenn du magst.“

Martina gab Flake einen Kuss auf die Wange und umarmte ihn.

„Danke, das ist lieb von dir, aber mir ist wirklich der Appetit vergangen. Ich werde dann auch gleich schlafen gehen, ich bin total geplättet.“

„Versteh‘ ick. Gute Nacht, ick hoffe, ick wecke dich nachher nicht.“

Martina warf noch ein lautes Gute Nacht in die Runde, das von allen Beteiligten erwidert wurde, und verschwand im Zelt. Sie wechselte in ihr Schlafoutfit, kuschelte sich in den geräumigen Schlafsack und zückte das Handy. Immer noch blinkte es vor sich hin und zeigte ihr Annikas verpasste Anrufe und die Nachricht. Einen Augenblick überlegte sie, ob sie ihre beste Freundin um diese Uhrzeit noch stören konnte, ließ es dann aber auf einen Versuch ankommen. Schlimmstenfalls würde die Mailbox rangehen. Es läutete einige Male und Annika hob tatsächlich ab.

„Oh Gott, Tina, alles in Ordnung? Hast du meine Nachricht bekommen? Hat Max dich angerufen? Ist…“

„Beruhig‘ dich“, unterbrach sie ihre Freundin leise, „ja, deine Nachricht habe ich vorhin gerade gesehen. Und Max“, sie musste kurz durchatmen, „ich habe mit ihm gesprochen.“

Sie erklärte ihrer Freundin in aller Kürze, was sich vor wenigen Stunden abgespielt hatte. Annika war entsetzt.

„Aber das kann doch nicht sein Ernst sein? Ich meine, dass er nicht ganz helle ist, beweist diese Aktion ja, aber das hier…“

„Nika!“

„Was?! Er beschimpft dich und will sich von dir scheiden lassen und du verteidigst ihn auch noch? Geht’s eigentlich noch? Das Foto taucht in der Klatschpresse auf – KLATSCHPRESSE – er arbeitet bei einem Magazin, er weiß doch ganz genau, wie die dort arbeiten!“

„Ach, ich weiß auch nicht. Es tut nur so weh – diese Anschuldigungen. Ich hätte ihm schließlich auch von diesem Trip erzählen können, vielleicht…“

„Quatsch! Glaubst du allen Ernstes, er hätte dich fahren lassen, auch wenn ihr euch vorher nicht gestritten hättet und du daheim gewohnt hättest und nicht bei mir? Tina, als deine beste Freundin, muss ich jetzt Klartext mit dir reden: du fragst dich seit Wochen, ob das mit euch noch eine Zukunft hat, hier hast du doch eine eindeutige Antwort! Was hält dich noch bei ihm? Du weißt, dass ich nie viel von ihm gehalten habe, aber dir zuliebe habe ich meinen Mund gehalten, und du weißt ebenso, dass ich mich sonst nicht in euren Beziehungskram einmische, aber Himmel noch eins, wie viele Zeichen müssen dich denn noch erschlagen, dass du es endlich kapierst?“

Der Kloß in Martinas Hals wurde immer größer und es fiel ihr schwer, die Tränen zurück zu halten.

„Keine Ahnung, aber all die Jahre…das soll alles für die Katz‘ gewesen sein? Nika, was soll ich denn machen?“

Der letzte Satz ging in lautes Schluchzen über und Annika wählte ihre nächsten Worte mit Bedacht.

„Hey Süße, ganz ruhig, hör‘ bitte auf zu weinen, das hat dieser Arsch doch gar nicht verdient! Klar, wenn du an all die schönen Zeiten zurückdenkst, ist das sicher nicht einfach, aber wann habt ihr beide das letzte Mal einfach nur Blödsinn gemacht? Oder habt miteinander – na, du weißt schon. Das ist aber eine rhetorische Frage, weil ich dir auf beides Antworten geben kann, da wir dieses Thema vor Monaten schon durchgenommen haben. Kannst du dich an euer letztes Mal erinnern? Das war im Oktober! Da hast du mir dann erzählt, dass er aus allem einen Wettkampf macht. Oktober, Tina! Sex ist nicht alles, schon klar, aber wenn du zurückdenkst, wie verliebt ihr ineinander ward, und das mit der momentanen Situation vergleichst, ist das ja tausend zu eins. Ihr lebt nur mehr nebeneinander her – und nicht mal das, denn du wohnst seit Wochen bei mir. Pass‘ auf, wir machen folgendes: wenn du zurück bist, schnappst du dir deine restlichen Siebensachen und ziehst bei mir ein. Platz genug ist ja. Und dann kannst du dir immer noch überlegen, wie du weiter machen willst, ok?“

„Ich danke dir, du weißt gar nicht…“

„Doch, weiß ich, Süße, und jetzt ab ins Bett, sonst paddeln dir deine Männer morgen davon. Wir quatschen morgen Abend miteinander, ok? Ich denke, dein Tag war schon anstrengend genug.“

Martina wischte sich über die feuchten Wangen und atmete langsam aus.

„Da hast du Recht. Lass uns morgen weiterreden, ich bin wirklich todmüde. Gute Nacht.“

„Schlaf gut!“

Die Frauen beendeten das Gespräch und Martina rollte sich mit ihrer Decke im Schlafsack zusammen, schloss die Augen und driftete augenblicklich in einen traumlosen Schlaf hinüber.


Wenige Meter daneben saßen die Männer nach wie vor um das Feuer und unterhielten sich leise. Flake hatte Till von dem Streit zwischen Martina und ihrem Ehemann erzählt und Till fühlte sich nun doch nicht mehr so wohl. Da hatte er aus einer Mücke einen Elefanten gemacht, dabei hatte die Frau wahrlich andere Probleme. Immer wieder schielte er in Richtung Zelteingang und überlegte, ob er nochmal mit ihr reden sollte – jetzt, nachdem er die ganze Geschichte kannte.
Schließlich entschied er sich dagegen. Wenn sie reden wollte, würde sie schon auf ihn zukommen. Wahrscheinlicher war allerdings, dass sie sich eher Flake als ihm anvertraute. Für ihn machte es keinen Unterschied, Hauptsache, die Unstimmigkeiten waren aus der Welt geschafft worden und sie konnten normal miteinander umgehen.
Mit der Zeit verstummten die Gespräche, vereinzelt riefen Käuzchen in die Nacht und das Knistern des Holzes unterbrach in regelmäßigen Abständen die Stille. Einer nach dem anderen wünschte eine gute Nacht und verschwand im Zelt, nur Till blieb zurück – das Notizbuch auf seinem Schoß gebettet brütete er über einigen Textpassagen. Erst, als das glosende Feuer lange Schatten warf, richtete er sich auf, löschte die Glut und begab sich ebenfalls zur Nachtruhe.


Ein feiner Nieselregen hatte sich in den frühen Morgenstunden über die Landschaft gelegt und dämpfte die Geräusche der Natur. Ebenso ruhig lief auch das Frühstück von statten – Martina hatte ihren Appetit wiedergefunden und holte nun nach, was sie gestern verschmäht hatte. Flake hatte Muskelkater in den Armen und stöhnte immer wieder leise vor sich hin, was von den anderen aber nicht kommentiert wurde. Till hingegen genoss die Stille und starrte kauend auf den Fluss hinaus während Joey bereits die Karte studierte und sich ihren nächsten Landungspunkt einprägte.
Eine gute Stunde später war alles abgebaut und in den Kanus verstaut und die Vier machten sich auf den Weg. Joey nahm Flake mit während sich Martina und Till das Kanu teilten. Nach der Mittagspause würden sie wechseln, damit Martina von Till und Joey endlich ein paar Fotos schießen konnte.
Der leichte Regen stellte sich als nicht besonders hartnäckig heraus denn schon am späteren Vormittag verzog sich das unangenehme Wetter und die ersten Sonnenstrahlen durchbrachen die Wolkendecke.
Martina, die auch wie tags zuvor vorne im Boot saß, hatte einige schöne Landschaftsaufnahmen machen können. Dazwischen waren ihr auch einige Schnappschüsse von Joey und Flake gelungen und selbst von Till waren ihr ein paar gute Portraits geglückt.
Nun lag die Kamera wieder zu ihren Füßen und unablässig trieben sie ihr Kanu durch den Fluss. Martina genoss die Stille um sich herum, das Geräusch der Ruder, die in das Wasser eintauchten, die Atemgeräusche, das Plätschern der Wellen – endlich konnte sie abschalten! Sie verschwendete keine Gedanken mehr an Max oder ihre Ehe, sie wollte einfach nur diesen Moment genießen!
Die Hand, die sich plötzlich auf ihre Schulter legte, ließ sie zusammenzucken. Till hatte sich zu ihr gebeugt und deutete nun neben ihr ins Wasser. Neben ihrem Kanu waren zwei Otter aufgetaucht, die sie neugierig musterten und sich dann gegenseitig durch die Wellen jagten um schließlich wieder abzutauchen. Lächelnd drehte sie sich zu Till um.

„Süß, oder? Danke, die hätte ich übersehen.“

„Ja, süße Kerlchen. Kein Ding.“

Einen Moment lang forschte Martina in den blau-grünen Augen ihres Gegenübers, dann drehte sie sich wieder um und nahm das Ruder in die Hand doch weder Till noch Martina machten Anstalten, weiterzufahren. Beide sahen gebannt auf die Wasseroberfläche, ob die Otter nicht doch noch einmal auftauchten. Neben Till krachte das Walkie-Talkie.

„Till, was ist los bei euch?“

Der Sänger nahm das Teil in die Hand und funkte zurück.

„Alles in Ordnung, wir genießen nur gerade die Aussicht. Sind gleich bei euch.“

„Wir haben hier schon mal angelegt. Ungefähr fünfhundert Meter vor euch ist eine kleine Bucht.“

„Geht klar, bis gleich.“

„Na, dann lass uns mal dazustoßen, oder?“, Martina hatte sich noch einmal zu ihm umgedreht und zwinkerte ihm zu.

„Nichts lieber als das“, erwiderte Till und lächelte ihr zu.
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