Die Unstillbare Gier

GeschichteSchmerz/Trost / P12 Slash
Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character)
08.08.2020
16.09.2020
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16.09.2020 1.892
 
Hallo, diesmal hat es ein bisschen länger gedauert. Viel Spaß mit dem nächsten Kapitel!

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Breda knurrte leise. Der Geruch gab ihm die Kraft, sich zu erheben. Er stolperte auf Maria zu, die die Gefahr erst begriff, als Breda sie packte und aufs Bett stieß.
„Was… was habt Ihr vor?“
Breda knurrte. Viel Menschlichkeit war nicht mehr in ihm. Nur noch Gier.
Aber er war schwach und als er versuchte, Maria festzuhalten um an ihren Hals zu kommen, wand sie sich so sehr, dass ihr Kleid zerriss.
Voller Gier betrachtete Breda sie. Zu schade, dass er zu schwach war, sich mehr zu nehmen. Und wenn er sich an ihr gestärkt hatte, wäre sie zu nichts mehr nutze.
Endlich schaffte er es, ihre Handgelenke zu packen und festzuhalten. Allerdings brauchte er ob seiner Schwäche zwei Hände alleine dafür.
„Nun macht es mir doch nicht so schwer!“, beschwerte er – beziehungsweise das Monster in ihm – sich. „Ich bin schwach! Ich brauche Euer Blut!“
„Nein… bitte… tut mir nichts!“
„Das wird sich nicht umgehen lassen. Freut Euch, wenn Ihr Euch mir freiwillig hingebt, sterbt Ihr den angenehmsten Tod, den man sich wünschen kann! Und seid dankbar, dass ich nicht stark genug bin, Euch die Unschuld zu rauben.“
Er betrachtete sie. Sie war wirklich hübsch. Und dumm war sie keineswegs. Sie würde eine wirklich interessante Partnerin abgeben. Warum sollte er Ihr also das Leben nehmen?
Bedauerlicherweise fiel dem Vampir in ihm sofort ein gutes Argument ein: Weil seine Gier so stark war, dass er nur unterliegen konnte. Er konnte den Kampf nicht gewinnen.
Wollte er das zulassen? Dass seine Gier ihn übertrumpfte? NEIN!
Maria schien seinen inneren Kampf zu bemerken. Er lockerte seinen Griff, aber sie blieb ganz ruhig liegen. „Breda, lasst mich gehen. Ich werde brav für euch beten.“
Breda lachte freudlos. „Beten? Für einen Vampir?“
Mit einem widerwilligen Knurren stieß er sich vom Bett und setzte sich in einen Sessel. Na also. Es ging doch.
„Gott!“ Er spuckte das Wort förmlich aus. „Fragt euren „Gott“ mal, ob er sich noch an die Gebete eines kleinen Jungen vor knapp 150 Jahren erinnert! Fragt ihn, ob er sich erinnert, dass dieser Junge ihn angefleht hat, ihm das Leid der Ewigkeit auf dieser Erde zu ersparen und ihn in den Himmel zu holen. Gott kann mir gestohlen bleiben.“
„Ihr… Ihr habt gebetet, ein Mensch bleiben zu dürfen?“, fragte Maria sanft.
Breda blickte sie finster an. „Nächtelang gefleht und geweint habe ich. 16 Jahre hab ich Gottesdienste besucht, gegen das Verbot meiner Eltern. Weitere 20 Jahre habe ich mich geweigert, Menschen zu töten. Ich habe Tierblut getrunken und meinen Blutdurst mit blutigem Fleisch im Zaum gehalten. Und dann… dann kam Julia. Ich wollte sie heiraten.“ Nun schluchzte Breda schon fast. „An diesem Tag habe ich den Glauben verloren. 1617, als es Sommer war. Bei Sonnenuntergang. Blutroter Himmel und ein Kuss, der mich um den Verstand gebracht hat. Mehr hat es nicht gebraucht, um ein Monster zu wecken, das ich 36 Jahre lang eingesperrt hatte. Dann brach es mit Gewalt hervor. 113 Jahre sind seither vergangen und nach wie vor brennt der Durst in mir. Ein kurzer Augenblick der Schwäche und solch eine Strafe. Euer „Gott“ hat mich im Stich gelassen. Richtet ihm herzliche Grüße von Breda von Krolock aus. Wollt Ihr meine Meinung hören?“
„Ja…“
„Gott ist TOT! Sonst hätte er das Flehen eines Kindes doch erhört! Ich habe an meinem Bett gekniet, wie Ihr vorhin und habe geweint. Und es hat NICHTS gebracht.“
„Ihr hasst ihn.“
„Nein. Hass ist er nicht wert. Ich verachte ihn auch nicht. Es gibt ihn einfach nicht, also kann man ihn weder hassen noch verachten.“
„Wie erklärt Ihr Euch dann, dass so viele an ihn glauben?“
„Kollektive Dummheit und Herdentrieb. Einer rennt voran, die anderen folgen.“
„Das ist doch Unsinn!“
„Oh, Euer Jesus hat es schon ganz gut ausgedrückt. Ihr seid wie eine Herde Schafe. Genauso DUMM. Nur war er nicht der gute Hirte, sondern ein charismatischer Weltverbesserer, der die Gunst der Stunde genutzt hat.“
„Was Ihr da sagt ist unerhört! Ihr habt nicht verstanden, was den Glauben ausmacht.“
„Nur zu! Bekehrt mich!“
„Glauben beruht auf Vertrauen. Nicht auf Beweisen. Deswegen ist es ja „Glauben“, nicht „Wissen“. Ihr könnt nicht beweisen, dass es Gott gibt und Ihr könnt auch nichts Unmögliches von ihm erwarten. Als Vampir geboren, sagt Ihr? Was hätte Gott daran ändern sollen? Und 36 Jahre seid Ihr Mensch geblieben? Sagt, ist das normal?“
„Nein…“ Das musste Breda zugeben. „Die Verwandlung startet in der Pubertät und ist mit um die 20 abgeschlossen.“
„Seht Ihr? Gott hat Euch 16 weitere Jahre als Mensch geschenkt.“
„16 Jahre! Für hunderte von Gottesdiensten und Tausende von Gebeten! Wisst Ihr, was es für ein Vampirkind bedeutet, in einem Gottesdienst zu sitzen? Todesangst und Schmerzen! Wisst Ihr, was es für ein Vampirkind bedeutet, vor einem Kreuz niederzuknien? Euer kleines Kreuzchen da, schreckt mich nicht. Aber ein großes, mächtiges Kreuz? Wisst Ihr, was es für ein Vampirkind bedeutet, Weihwasser zu berühren? Weihrauch einzuatmen? Wisst Ihr, was für eine Tortur die Gebete waren? Für 16 Jahre voller Zerrissenheit? Ein Witz!“
„Breda, vielleicht solltet Ihr bedenken, dass Ihr als Kind Satans geboren wurdet. Gott hat seine Kompetenzen weit überschritten, indem er überhaupt eingegriffen hat. Was habt Ihr erwartet? Ein Mensch zu werden? Vielleicht hättet Ihr mit Hexerei mehr Erfolg gehabt. Ihr habt mehr bekommen, als Ihr jemals hättet erwarten können. Ihr solltet dankbar sein.“
Breda knurrte missmutig. Maria legte ihm die Hände an die Wangen.
Ein großer Fehler. Im nächsten Moment hatte sie Vampirzähne im Hals. Breda kämpfte dagegen, doch die Gier war zu groß. Erneut zerbrach ein Leben in seinen Händen.
Erst, als er über ihrem toten Körper weinte, fiel ihm auf, wie viel sie ihm bedeutet hatte und wie sehr sie ihm geholfen hatte.
Ein Rinnsal Blut lief an ihrem Hals herab. Breda spielte mit dem Gedanken, es abzulecken, aber dann fiel ihm ein, wie grauenvoll kaltes Blut schmeckte. Stattdessen nahm er die Schreibfeder und ließ sie das Blut aufsaugen. Maria trug noch immer ihr zerrissenes Kleid.
Breda schloss ihre Augen, dann schob er den Stoffstreifen über ihrem Bauch weg und verlieh seinen Gefühlen Ausdruck. Mit ihrem Herzblut schrieb er ein Gedicht auf ihre weiße Haut. Gerade war er fertig, da klopfte es ans Fenster. Er wusste, wer das war. Wer das nur sein konnte.
Bredas Wille arbeitete für ihn, entriegelte das Schloss und das Fenster sprang auf.
Eine warme Hand legte sich auf seine Schulter.
„Vater?“
Breda sah auf, zog seinen Sohn dann ungewollt grob an sich und schluchzte.
„Papa, noch bin ich menschlich. Zerdrück mich nicht… Meine Rippen...“
Schnell lockerte Breda den Griff. Herbert befreite seine Arme und erwiderte Bredas Umarmung. Er strich seinem Vater sanft über den Rücken.
„Alles wird gut, Papa. Du hast ja mich.“ Er ließ den Blick über Marias Körper wandern. „Irgendwie tut sie mir leid. Noch fast ein Kind.“, flüsterte er.
„Es… es ist so viel stärker als ich.“
„Was?“
„Das Monster.“
„Papa…“
„Ihr Vater… er wird ihr ein Begräbnis verweigern.“
„Warte es ab. Komm. Lass uns verschwinden. Die Sonne geht bald auf.“
Langsam stand Breda auf und… „AU!“ Er presste eine Hand auf den Verband.
„Papa?“
„Ich wurde… verletzt. Au…“ Breda biss die Zähne zusammen.
Besorgt schob Herbert seines Vaters Hand weg und legte selbst die Hand über die Wunde, während er gleichzeitig seinen Vater stützte. „Brauchst du Blut?“
„Machst du Witze? Aber deins nehme ich nicht. Oh, verdammt… au…“
Nachdenklich sah Herbert zum Fenster. „Das ist als Fluchtweg wohl ausgeschlossen. Also... zur Tür?“
Breda atmete tief durch. Im Haus war alles ruhig. Sämtliche weiteren Bewohner schliefen. „Ja. Alles schläft.“
„Schaffst du das? Ich kann dich nicht tragen, aber du kannst dich auf mich stützen.“
„Eine Wahl habe ich ohnehin nicht. Wie bist du da?“
„Kutsche.“
Mühsam schleifte Herbert seinen Vater durch das Haus und zur Kutsche. Dort ließ der Graf sich erst einmal ächzend auf eine der Bänke sinken. „Verfluchte Pflöcke...“
„Jemand hat versucht...?“
„Ein paar Männer... Sie haben sich zur Vampirjagd versammelt...“
Herbert sah ihn besorgt an. „Dann... wenn... wenn noch Holz in der Wunde ist...“
„Nein... das würde ich merken.“
„Hm. Schaffst du es in die Gruft?“
„Bestimmt nicht.“
Inzwischen war die Kutsche beim Schloss angekommen.
Herbert schleifte seinen Vater zumindest in die Eingangshalle und schlug die schwere Tür hinter ihnen zu. Der Sonnenaufgang war nicht mehr weit. Besorgt ging er neben ihm in die Knie. „Papa... ich will eigentlich wirklich nicht hier übernachten...Und... ehrlich gesagt bin ich generell ein bisschen überfordert... Du brauchst Blut, aber du willst meines nicht. Was soll ich denn tun? Ich kann nicht jagen gehen. Ich hab keine Fänge. Und jemanden herschleifen kann ich erst recht nicht. Und... ohne Blut wird deine Wunde nicht heilen...“
Breda unterdrückte ein Fluchen. Herbert hatte absolut recht. Und das Blut, das sie in Flaschen lagerten, würde zwar gegen seinen Durst helfen, aber nicht gegen die Wunde. Es hatte praktisch keine Nährstoffe.
„Papa, du weißt, es gibt nur die eine Lösung. Nimm mein Blut, solange ich noch welches abgeben kann. Ich weiß, ich weiß. Mein Körper verändert sich, ich brauche das Blut, damit die Verwandlung planmäßig verläuft und so weiter. Aber mein Körper VERBRAUCHT das Blut auch. In ein paar Tagen werde ich wieder verdammt hungrig. Dann habe ich kein Blut mehr, dass ich dir geben könnte und wenn du dann nicht für mich jagen gehen kannst, sterben wir beide.“
Breda fauchte. „Na gut.“
Herbert krempelte seinen Ärmel hoch, aber der Vampir in Breda hatte schon übernommen. Mit einem Knurren warf er ihn auf den Rücken und biss ihn. Dass Herbert sich beschwerte und sich zu befreien versuchte, interessierte den Vampir nicht.
Ein Schlag gegen seine Wunde ließ ihn nach Luft schnappen. Die Sekunde nutzte Herbert, um sich zu befreien und auf Abstand zu gehen. Er taumelte gegen die nächste Säule.
„Entschuldige, Papa. Ich wusste mir nicht anders zu helfen.“
Breda kauerte auf dem Boden, die Hand auf seinen Bauch gepresst. „Schon gut... Gut mitgedacht. Aua...“
Herbert hielt sich an der Säule fest. Er wirkte sehr wackelig auf den Beinen. „Geht es dir besser, Papa?“
Ächzend erhob Breda sich. „Ich denke schon. Komm. Lass uns in die Gruft gehen.“ Breda war noch immer wackelig auf den Beinen, aber nun schaffte er den Weg und ließ sich erschöpft in seinen Sarg fallen.
Herbert kletterte zu ihm. „Ich bleibe hier.“
„Das hätte ich auch vorgeschlagen.“
Herbert zog den Deckel zu und kuschelte sich an seinen Vater und der war ihm tatsächlich dankbar. Wenn sein Sohn bei ihm war, bekam er keine Alpträume.
In der nächsten Nacht fanden sie Maria in einem Sarg auf dem Schlosshof.
„Monster. Sie gehört Euch.“, lautete die kurze Notiz. Stumm beerdigten Breda und Herbert sie noch in der gleichen Nacht.


Das war das Grab, auf das er just in diesem Moment sah. Er strich sanft über den Namen, dann ging er weiter.

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So, das war es wieder. Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr lasst mir ein Review da!
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