Die Unstillbare Gier

GeschichteSchmerz/Trost / P12 Slash
Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character)
08.08.2020
16.09.2020
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03.09.2020 1.489
 
Hallo meine Lieben, hier das nächste Kapitel. Viel Spaß.

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Im nächsten Grab, an dem Breda vorbeikam, lag Maria. Erneut ließ er sich treiben und landete im Jahre 1730.

Es war Mai, der Abend der Maiandacht und eine Gruppe Männer hatte sich zur Vampirjagd versammelt. Und sie hatten ihn tatsächlich erwischt. Breda war heilfroh, dass er Herberts Betteln nicht nachgegeben und ihn daheim gelassen hatte.
Der Junge war 16 und brauchte Blut. Breda wollte ihn nicht zur Faulheit erziehen. Wenn er durstig war, sollte er jagen gehen. Aber ein solcher Abend war nicht geschaffen für die Jagd mit einem Jungvampir, dem noch die Vampirfänge fehlten.
Nun verließen ihn seine Kräfte und er lief auf seine letzte Hoffnung zu. In einem Haus kniete ein Mädchen vor ihrem Bett, ins Gebet versunken. Die Tochter des Pastors. Wenn SIE keine Nächstenliebe zeigte, würde es niemand.
Er schlug gegen das Fenster. Erstaunt sah sie auf. Ihre Augen weiteten sich. Schnell riss sie das Fenster auf. „Kommt rein! Schnell!“
Mit letzter Kraft zog Breda sich in das Zimmer und blieb erst einmal zusammengekauert liegen. Er war außer Atem, seine Muskeln schmerzten und er zitterte. Absolut menschliche Schwächesymptome, hervorgerufen durch den enormen Blutverlust. Stöhnend rollte er sich auf den Rücken und presste die Hand auf die Bauchwunde. Ein Holzpflock ragte heraus. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen. Er würde noch das Bewusstsein verlieren.
„Großer Gott!“, keuchte das Mädchen. „Ich… bin sofort wieder da.“
Tatsächlich kam sie gleich wieder mit einem Glas und Verbandszeug. „Trinkt!“, forderte sie ihn auf und hob leicht seinen Kopf an.
Breda tat wie geheißen. Es war starker Alkohol. Zwar zeigte das kaum eine Wirkung, aber schon die Geste rührte ihn. Sie wollte seine Schmerzen lindern.
Jemand hämmerte wie wild gegen das Fenster. Das Mädchen sah auf und machte eine Geste, die dem Mann bedeutete zu verschwinden. Als er nicht nachgab, stellte sie sich schützend vor Breda und kippte das Fenster ein wenig.
„Lasst uns zu ihm!“, rief der Mann.
„Seht Ihr nicht, dass dieser Mann schwer verletzt ist? Ihr habt kein Recht, einen Unschuldigen zu töten!“
„ER IST VAMPIR!“
Ungehalten deutete das Mädchen auf ein Kreuz auf dem Nachttisch. „Hier ist der Beweis, dass er es nicht ist! Nun schert Euch zum Teufel!“ Sie knallte das Fenster zu, ging in die Knie und betrachtete Breda.
„Ich muss an die Wunde heran, aber Ihr seid mir zu schwer! Ich kann Euch die Kleidung nicht ausziehen…“
„Egal… Nehmt… eine Schere.“, brachte Breda mühsam hervor. Das Mädchen nickte und befreite ihn von seiner Weste und seinem Hemd. Dann legte sie ihre Hand fest auf seine. „Nun müsst Ihr tapfer sein. Das tut weh. Bereit?“
Er nickte mit zusammengebissenen Zähnen. Mit einem Ruck zog sie den Pflock heraus. Breda stöhnte vor Schmerz auf. Das Mädchen drückte seine Hand fest auf die Wunde und desinfizierte dann eine Nadel, ihre Hände und die Wunde selbst mit Alkohol.
Breda musste sich zusammenreißen, um nicht zu schreien, aber DIE Blöße würde er sich nicht geben. Nicht vor eine Frau, und sei sie noch so jung. Er versuchte, sich auf ihre zarten Finger zu konzentrieren und nicht auf den Stich der Nadel und das Ziehen des Fadens. Zur Hölle, er kannte Schmerz! Er sollte sich zusammenreißen! Und vor allem durfte er nicht ohnmächtig werden. Das Mädchen schien etwas zu ahnen. Sie brach ihr Schweigen.
„Ich bin Maria.“, erklärte sie. „Mein Vater ist Pastor hier. Ihr habt Glück, dass ich oft helfe, Verletzte und Kranke zu versorgen. Eure Wunde sieht böse aus. Finger weg.“
Breda zog seine Hand weg und flott nähte Maria den Rest. „Könnt Ihr Euch ein wenig aufsetzen? Ich weiß, es tut weh, aber ich muss Euch einen Verband anlegen und ich kann Euch nun wirklich nicht anheben. Ihr seid viel zu schwer. Wenn Ihr Euch auf die Ellenbogen stützen könntet, wäre mir schon geholfen.“
Breda versuchte es, aber seine Kräfte schienen ihn vollkommen im Stich zu lassen. „Nun helft mir doch!“, knurrte er. Er hasste es, schwach zu sein. Und diese Schwäche vor einer Frau zugeben zu müssen, machte es noch schlimmer.
Schnell griff sie zu und half ihm, so gut sie konnte. „Geht’s?“
„Habe ich eine Wahl?“, knurrte er mit zusammengebissenen Zähnen. Flott legte Maria ihm einen festen Verband an und Breda ließ sich zurücksinken.
Die Pastorentochter schob ihm ein Kissen unter den Kopf. „Könnt Ihr sprechen oder habt ihr zu große Schmerzen?“
„Es geht…“
„Sagt Ihr mir, wie Ihr heißt?“
„Breda.“
„Und weiter?“
Breda schüttelte leicht den Kopf.
„Also gut. Breda. Wisst Ihr, was passiert ist?“
„Die Leute… gingen auf mich… los. Mit… Fackeln… Heugabeln… Knoblauch… Kreuzen und… Pflöcken. Einer… hat mich erwischt…“
„Ja… das habe ich gesehen. Sie hielten Euch für einen Vampir.“ Ihre Augen flackerten zu dem Kreuz. „Wollt Ihr einen Tee?“
„Gerne.“
Maria setzte Wasser auf und machte flott Tee, dann kam sie wieder zu ihm. Erneut hob sie seinen Kopf an, damit er leichter trinken konnte. „Wisst Ihr, weshalb die Leute auf Euch kamen?“
„Weshalb wohl? Meine Hautfarbe, meine Kleidung…“
Einen Augenblick nur war er unachtsam. Plötzlich richtete Maria den Blick auf seinen Mund. „Nein!“, hauchte sie. „Das… das kann doch gar nicht…“ Sie griff nach dem Kreuz. Aber sie ergriff es nicht. Sie ließ ihre Hand wieder sinken. „Ihr seid Graf Krolock. Deswegen wolltet Ihr mir Euren Namen nicht verraten.“ stellte sie ruhig fest.
„Von Krolock.“, korrigierte Breda. Nun war es ohnehin raus.
„Warum wirkt das Kreuz nicht?“
„Das Kreuz ist nicht gegen mich gerichtet. Und Ihr werdet es nicht übers Herz bringen, es gegen mich zu verwenden. Was werdet Ihr nun tun? Schreien? Mich meinem Schicksal überantworten? Mich Eurem Vater übergeben? Mich pfählen? Dort liegt ein Pflock. Ihr wisst, Ihr solltet es tun. Doch Ihr werdet es nicht tun. Ihr findet mich attraktiv. Ihr werdet mich schützen und verstecken.“
Maria sah ihn entsetzt an. „K… Könnt Ihr… in meine Seele sehen?“
Trotz seiner Schmerzen schmunzelte Breda. „Es wäre höchst interessant, dessen bin ich mir sicher. Dennoch ist es mir nicht möglich. Doch Euer Blick verrät genug.“
„Ich sollte Euch ausliefern.“
„Ja, das solltet Ihr.“
„Oh, weshalb ließ ich Euch Dämon ein?“
Amüsiert beobachtete Breda, wie sie hin und her tigerte. Sie war jung, aber die Frau in ihr war bereits erwacht.
„Sagt, wie alt seid Ihr?“
„Sagt Ihr mir dann auch Euer Alter?“
Mutig war sie zweifellos. Breda nickte.
„Ich bin 15.“
„Geboren wurde ich 1581.“
„Gütiger Gott, Ihr seid über 100 Jahre alt?“
„Ich bin nun 159.“
Maria musterte ihn entgeistert. „Ihr wirkt nicht älter als 30.“
„36.“
„Bitte?“
„Ich bin 36. Ich WAR 36, als meine Verwandlung meinen Alterungsprozess beendete.“
„Als Ihr gebissen wurdet?“
„Nein. Ich wurde als Vampir geboren.“
„Vampire… können Kinder… um Gottes Willen!“
„Es geschieht selten, aber es geschieht, ja. Auch ich habe einen Sohn.“
„Ihr seid verheiratet?“
„Ich war es.“
„Was ist passiert?“
„Sie nahm sich das Leben. Herbert war gerade einmal fünf. Damals erfuhr sie, was ich bin, was ihr Sohn werden würde. Und ich hatte die undankbare Aufgabe, Herbert zu erklären, warum seine Mama nicht mehr wiederkommt, dass sie ihn aber trotzdem lieb hat.“
„Herbert ist Euer Sohn? DER Herbert?“
Breda konnte ein Lachen nicht unterdrücken – und bereute es sofort. Die Wunde pochte. „Genau. Der Herbert, der gerade so viel Erfahrung, wie möglich sammelt.“
„Aber… er ist…“
„Er liebt Männer. Ja, und?“ Breda spürte die altbekannte Wut in sich aufsteigen, die sich immer dann einstellte, wenn jemand ihn auf Herberts Neigung ansprach.
„Ihr toleriert das?“
„Herbert ist mein Sohn. Was immer er tut, er ist und bleibt mein Kind. Ich will, dass er glücklich ist.“
„Mhm… Stimmt es, dass Ihr bei Tage in einem Sarg ruhen müsst?“
„Nein. Es stimmt allerdings, dass ich absolute Dunkelheit benötige. Folglich ist ein Sarg von Vorteil. Könntet Ihr mir eine kurze Nachricht verfassen?“
„Oh… Ich… ich kann nicht schreiben.“
„Dann gebt mir Feder und Papier.“
Stöhnend drehte Breda sich ein wenig zur Seite, nahm die Feder und schreib eine kurze Nachricht an seinen Sohn.


„Herbert, könntest du mich abholen kommen? Im Haus des Pastors.
Papa“

Er faltete das Blatt und gab es Maria. „Vor dem Fenster wartet ein Wolf. Würdet Ihr ihm wohl den Brief geben?“
„Ei… Ein Wolf?“
„Ich rief ihn. Er wird den Brief meinem Sohn bringen. Er wird Euch kein Leid zufügen.“
„Also gut…“ Zitternd ging Maria zum Fenster und übergab den Brief. „AU! Mist!“
Der Geruch von süßem Blut füllte den Raum. Maria hatte sich offenbar am Papier geschnitten.


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So, das war es wieder. Lasst mir doch ein Review da. Würde mich sehr freuen.
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