Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Unstillbare Gier

GeschichteSchmerz/Trost / P12 Slash
Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character)
08.08.2020
16.09.2020
4
6.530
1
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
08.08.2020 1.688
 
Hallo meine Lieben. Ich habe mir mal ein wenig Gedanken, darüber gemacht, was die Geschichte hinter den drei Charakteren sein könnte, die in dem Lied vorkommen. Viel Spaß

^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  

Wieder ein Mitternachtsball. Wieder hatte der Graf seine Ahnen beobachtet, die aus den Gräbern gestiegen waren. Und wieder blieben genau drei Gräber geschlossen.
Julia, Maria und François. 1617, 1730 und 1813. Erste Liebe, Pastorentochter und Napoleons Page.
Drei so verschiedene Menschen und doch war es jedes Mal der gleiche Schmerz gewesen, als er ihr Leben hatte zerbrechen spüren.
Julia hatte seine natürliche Verwandlung in Gang gesetzt, gegen die er sich so lange gewehrt hatte, Maria hatte ihm das Leben gerettet und François hatte in einem langen Winter seinen furchtbaren Durst gestillt, ihn vor dem Wahnsinn bewahrt und ihm Mitgefühl entgegen gebracht. Und alle drei hatte er geliebt.
Sanft strich er über die Grabplatte über Julias Sarg. Seine Gedanken wanderten zurück ins Jahr 1617…

Zufrieden betrachtete Breda von Krolock sein Spiegelbild. Alles saß perfekt. Und erneut beglückwünschte er sich selbst.
Was hatten seine Eltern doch gesagt? „Das ist Unsinn. Du wirst zum Vampir werden, Junge! Du kannst dich nicht wehren!“
Er hatte sich gewehrt und den Lohn hatte er nun vor Augen. Sein zwar verblasstes, aber vorhandenes Spiegelbild.
Und bis zum heutigen Tage war er gealtert. Er war nun 36 und er sah auch so aus. Das stellte er immer zufrieden fest, wenn er sich mit seinem alten Portrait verglich.
Er ernährte sich nur von normaler Nahrung und in den wenigen Momenten, in denen ihn wirklich Blutdurst überkommen war, hatte er früher auf Tiere zurückgegriffen. Nun hatte er eine noch bessere Methode gefunden. Wer sagte denn, dass man Fleisch komplett durchbraten musste? Wenn es noch blutig war, konnte er auch damit seinen Durst im Zaum halten.
Wie jeder Mensch fror er in der Kälte und brauchte genug Licht, um zu Sehen. Das einzige, was ihn störte, war die Lesebrille, die er seit kurzem benötigte. Aber da es eine Begleiterscheinung des Alterns war, nahm er es gerne hin. Und was machte es schon, eine Brille zu tragen, wenn ihm so die Ewigkeit erspart blieb?
Seine Sinne überstiegen kaum die menschlichen Werte. Nur wenn er sich wirklich konzentrierte, konnte er Schemen ausmachen, wenn es für Menschen bereits zu dunkel war, aber in kompletter Dunkelheit war er genauso blind wie jeder Mensch.
Wenn er durstig war, nahm er allerdings Herzschläge wahr und er konnte Blut riechen, wenn es vergossen wurde.
Selten war es passiert, dass seine Eckzähne länger geworden waren, doch das hatte er bisher jedes Mal schnell genug bemerkt, seine Selbstkontrolle wiedererlangt und die Zähne zurück gezwungen.
Seine Tage verbrachte er in seinem verdunkelten Schloss, da er es bereits geschafft hatte, auch durch Fensterscheiben einen Sonnenbrand zu bekommen. In der Dämmerung konnte er sich allerdings gefahrlos bewegen und im Winter und an wolkenverhangenen Tagen sogar nachmittags und vormittags.

Nun war es Sommer und im letzten Licht des Abends würde er sich mit Julia treffen. Ein reizendes Mädchen. 15 Jahre alt. Ihre Eltern waren nur allzu erpicht darauf, sie zu verheiraten und hatten begeistert zugesagt, als er um ihre Hand angehalten hatte. Nun musste er ihr nur noch einen Antrag machen. Und genau das hatte er für den heutigen Abend geplant.
Er hatte sich von seinem Diener ein Pferd satteln lassen. Geduldig wartete er, bis die Sonne tief genug stand. In der Dämmerung trat er aus dem ewigen Zwielicht des Schlosses ins Freie und machte sich mit seinem Pferd auf den Weg.
Am Rande des Dorfes wartete sie schon. Als er sich vom Pferderücken schwang, lief sie in seine Arme. „Breda! Da seid Ihr ja endlich! Was hielt Euch auf?“
Der Graf machte eine vage Handbewegung zum Himmel. „Die Sonne, meine Liebste. Ihr wisst, ich habe überaus empfindliche Haut. An Sommertagen wie diesen, bin ich bis zur Dämmerung an mein Schloss gekettet. Es ist lästig, aber ich schätze meine Gesundheit.“
„Selbstverständlich. Wer täte das nicht?“
Breda legte einen Arm mitsamt Umhang um ihre bloßen Schultern und machte sich auf den Weg zu „ihrer“ Lichtung. Sie lag ein Stück im Wald und bot daher Sicherheit vor ungebetenen Besuchern. Die Menschen wagten es nicht, den Wald zu betreten, erst recht nicht bei Nacht, doch da Bredas Familie selbst den Untoten angehörte, hatte er keine Angst vor den „Monstern“ des Walds und Julia vertraute ihm.
„Ihr seht ganz bezaubernd aus.“, bemerkte er und betrachtete ihr Kleid. Der leichte, edle Stoff musste ein halbes Vermögen gekostet haben. Ihre Familie war wohlhabend, aber SO wohlhabend, dass sie ein Vermögen für ein Kleid ausgeben konnte, doch wieder nicht. „Dennoch würdet Ihr mir auch in weniger exquisiten Kleidern gefallen. Treibt Eure Eltern nicht in den Ruin. Selbst, wenn Ihr einen Kartoffelsack tragen würdet, würde das nichts an meinen Gefühlen für Euch ändern.“
„Auch Ihr tragt unnötig edle Kleidung.“
Breda lächelte. „Weit gefehlt, Liebste. Gewiss ist meine Kleidung teuer, doch im Gegensatz zu Euch trage ich den Titel eines Grafen. Mein Stand verlangt ebendiese Kleidung. Außerdem kann ich es mir leisten. Eure Eltern dürften Probleme haben, derartige Kleidung zu finanzieren…“
Julia seufzte. „Ich will mir neben Euch nicht so armselig vorkommen.“
Breda schüttelte lächelnd den Kopf. „Armselig seid Ihr nicht. Doch solltet Ihr bei Eurer Kleiderwahl noch etwas bedenken: der Sommer geht zur Neige, das Korn ist bereits golden. Sobald die Sonne verschwindet, wird es kühl.“ Leicht ließ er eine Hand über ihre nackte Schulter gleiten. „Ich möchte nicht, dass Ihr friert.“
Auf der Lichtung angekommen, ließ Breda sich im Gras nieder. Ungeachtet seiner Kleidung streckte er sich auf der Wiese aus und sah in den blauen Himmel. Julia hatte sich neben ihn gekuschelt und fingerte an dem Kragen seines Hemds herum.
Breda lachte leise, als sie ein paar Knöpfe öffnete und ihre warme Hand zärtlich über sein Herz legte.
„Was wird das?“
„Nichts weiter. Eure Haut ist immer so kalt… friert Ihr nicht?“
„Vermutlich hat sich meine Körpertemperatur der Temperatur meines Schlosses angepasst.“
Eine Weile lauschten sie nur dem Flüstern des Grases, dann durchbrach Julia wieder die Stille.
„Ach, könnt Ihr mich nicht mit auf einer Schloss nehmen?“, fragte sie sehnsuchtsvoll.
Amüsiert sah Breda auf sie herab. Natürlich dachte dieses unschuldige Mädchen nicht das, was IHM gerade durch den Sinn ging, aber sie ein wenig zu necken konnte nicht schaden.
„Ach, seid Ihr neugierig auf mein Schlafgemach? Oder stört Euch meine Kleidung so sehr, dass Ihr Euch ihrer zu entledigen gedenkt?“
Sofort wurde sie rot. „I… Ich meinte doch… Ihr habt doch bestimmt ein Zimmer frei?“
„Sicher. Doch es ziemt sich nicht, die zukünftige Gattin bei sich übernachten zu lassen. Was würden die Leute sagen? Außerdem ist nur mein Schlafgemach beheizbar und in einem kalten Zimmer würde ich Euch nur ungern schlafen lassen. Vor unserer Hochzeitsnacht jedoch, werdet Ihr nicht in den Genuss kommen, mein Bett mit mir zu teilen.“
„Nun habt Ihr mich neugierig gemacht. Wie sieht Euer Zimmer aus?“
„Ihr würdet es vermutlich als „groß“ empfinden. Vielleicht ein wenig düster. Der Teppich ist von tiefem Burgund, die Wände sind blassrot, durchzogen mit einem goldenen Muster, goldene Samtgardinen und Bettvorhänge…“
„Ihr habt also ein großes Himmelbett?“
„Groß genug für zwei Personen, denke ich. Wie viel Platz ich beim Schlafen einnehme, weiß ich allerdings nicht.“
Julia kicherte und Breda fuhr fort: „Das Holz ist fast schwarz mit wenigen goldenen Umrandungen abgesetzt. Ein paar Schränke und Kommoden der gleichen Machart stehen in meinem Zimmer, desweiteren ein Schreibtisch mit Stuhl und ein paar Sessel, bezogen mit dem gleichen Stoff, aus dem die Bettvorhänge und Gardinen sind.“
„Schränke… meint Ihr Kleiderschränke?“
„Nein. Es gibt noch zwei Türen. Eine führt in mein Badezimmer, die andere in ein Ankleidezimmer.“
„Wofür das?“
„Es ist praktisch und mein Schloss ist groß genug.“
„Dann habt Ihr auch viel Kleidung?“
„Vor allem viel Festgarderobe. Als Graf ist man häufig eingeladen und richtet selbst Bälle aus.“
„Oh tut das und ladet mich ein! Ich will Euer Schloss sehen!“
Breda lächelte. „Ihr kommt noch früh genug in diesen Genuss.“
„Habt Ihr auch eine Bibliothek?“
„Ja. Sehr umfangreich. Alles Erstausgaben.“
„Was habt Ihr noch alles in Eurem Schloss?“
„Eine Ahnengalerie, Gemälde, mein Arbeitszimmer, Gästezimmer, Badezimmer, Speisesaal, viele Ball- und Tanzsäle, Klavierzimmer, ein Raum mit astronomischen Geräten auf dem Turm… Ihr werdet finden, was Euer Herz begehrt.“
„Habt Ihr auch eine… Gruft?“
„Selbstverständlich. Und einen kleinen Schlossfriedhof.“
„Wofür?“
„Für Verstorbene, die nicht in die Gruft gehören.“
„Zum Beispiel?“
„Bedienstete. Einige meiner Ahnen liegen auch dort…“
„Weshalb?“
„Fragt sie. Vielleicht antworten sie Euch.“
Sie würden antworten. Zumindest, wenn man laut genug fragte, um sie zu wecken. Warum lagen sie nicht in der Gruft? Weil es Vampire von niederem Rang waren. Bestien, für die die unstillbare Gier alles war, was sie fühlen konnten.
„Man sollte die Toten ruhen lassen. Glaubt Ihr… glaubt Ihr den Geschichten, Breda? Den Vampirgeschichten?“
Breda zögerte. Wenn SIE wüsste… „Ich denke, es kann sie geben.“ Langsam sank die Sonne unter den Horizont. „Aber wenn sie kommen, werde ich Euch beschützen.“
„Könnt Ihr das?“
„Ja.“
Dazu wäre er in der Lage. Er hatte einen Dolch, den er mit übermenschlicher Geschwindigkeit zu führen wusste.
„Seid Ihr sicher?“
„Ja. Liebste, würdet Ihr mir verzeihen, wenn ich mich jetzt erheben würde?“
„Nein.“
„Ich möchte Euch aber etwas fragen.“
„Fragt.“
„Dazu sollten wir beide aufstehen.“
„Weshalb?“
„Weil ich vor Euch niederknien sollte. Ich möchte Euch um Eure Hand bitten. Wollt Ihr meine Frau werden, Julia?“
Julia strahlte. „Was für eine Frage! Natürlich will ich!“
In dem Moment, als sie ihn küsste, färbte der Himmel sich blutrot.


^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  ^V^  

So, das war Teil 1 der traurigen Geschichte. Der Cliffhanger tut mir ein bisschen leid, aber irgendwo musste ich die Geschichte teilen, sonst wäre sie zu lang geworden. Wenn es euch gefallen hat, lasst mir doch ein kleines Review da. Bald geht es weiter.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast