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Broken bond

MitmachgeschichteAbenteuer, Drama / P16 Slash
OC (Own Character) Royal Knights
07.08.2020
11.10.2020
2
3.741
4
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Dieses Kapitel
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11.10.2020 1.942
 
„Eine echt furchtbare Luft ist das heute mal wieder”, sagte das rotäugige Agumon leise, als er mit seinem menschlichen Partner wieder in ihren Unterschlupf geflohen war, der sich direkt unter den Straßen in einem muffigen Keller befand. Sie waren gerade zurück von ihrem letzten Angriff auf einen Soldaten von Kashiwa Enterprises und hatten erst einmal wieder genug, um die nächsten Tage durchzukommen.
„Kein Wunder, wenn wir unter einer Straße in einem verlassenen Parkhaus unser Hauptquartier haben, noch dazu ohne jedes Fenster”, meinte sein Partner einfach, während er seine Kapuze zurückzog. Er enthüllte das Gesicht eines jungen Mannes mit kinnlangen schwarzen Haaren, in die einige rote Strähnen eingefärbt waren. Er war über zwei Meter groß und trug eine dunkle Hornbrille auf der Nase.
„Aber mal was anderes”, sagte Agumon nun, als er seinen Umhang abgenommen und über einen Haken an der Wand gehängt hatte. „Bist du dir eigentlich sicher, dass wir die einzigen beiden sind, die sich auflehnen, Hendrik?”
„Die Antwort darauf kennt nur die Presse”, meinte der junge Mann namens Hendrik, der nebenbei zu einer rechteckigen Öffnung am Ende des Raumes ging und einen Hebel betätigte. Daraufhin kam eine druckfrische Zeitung aus dem Schacht heraus und fiel direkt in seine Hände. „Was hat das Käseblatt denn heute zu berichten?”, fragte Agumon, der bereits am Tisch saß und auf das Essen wartete.
„Du scheinst recht zu haben”, sagte Hendrik, während er die Titelseite durchschaute. „Man hat noch jemanden beobachtet, der in unserem Bezirk mit einem Digimon herumlief. Augenzeugen und Soldaten zufolge war es ein junges Mädchen mit einem Impmon.”
„Hm. Impmon gehört nicht zu meinen Lieblingsdigimon. Die sind immer so gemein und frech”, überlegte Agumon, als er sich seinen Teller mit warmem Rührei füllte und anfing, ihn genauso schnell wieder zu leeren. „Eines hat mir schon mal einfach mein Essen unter der Nase geklaut.”
„Was du jeden Tag nur wenige hundert Male erzählst”, sagte Hendrik seufzend und setzte sich nun ebenfalls zum Essen an den Tisch, die Zeitung neben sich. „Man kann ja über diesen Bezirk sagen, was man will, aber das Rührei ist klasse”, meinte Agumon zufrieden, als sein Teller leer war. „Dann stell dir nur mal vor, wie das Essen erst in der Innenstadt sein wird, wenn wir da sind.”
Bei dieser Vorstellung fuhr Agumon sich mit seiner Zunge über die Lippen und schloss schwärmend die Augen. „Kannst du denn immer nur ans Essen denken?”, mahnte Hendrik mit erhobenem Zeigefinger. „Aber du hast auch recht, in der Innenstadt wird das Leben sicher um einiges angenehmer sein.”
Die beiden sprachen oft über dieses Thema. Es war ihr großer Traum und vermutlich auch der von all ihren Mitmenschen in den Ghettos, endlich aus ihrer Misere auszubrechen und ein schönes Leben in der strahlenden Innenstadt zu führen. Doch aufgrund der Tatsache, dass alle Soldaten von Kashiwa Enterprises sowohl kampferprobt waren als auch teilweise sehr starke Digimon bei sich hatten, traute sich niemand, offen gegen sie zu rebellieren.
„Leute wie wir sind die Hoffnung all dieser Menschen”, dachte Hendrik bei sich, als sie das Geschirr wegräumten und sich wuschen. „Also, was steht heute auf dem Plan?”, fragte Agumon gespannt. „Das Übliche, würde ich sagen”, erwiderte Hendrik knapp. „Wir helfen den Menschen auf der Straße, wir versuchen an neue Informationen zu gelangen, und wir planen unsere nächsten Schritte.”



Wenn man in den Außenbezirken von Tokio Infos haben wollte, dann war die Sternenstaub-Bar der beste Anlaufpunkt dafür. Ganz egal, was auch passiert, hier erfuhr man es zuerst. Neben zwielichtigen Gestalten und schrägen Vögeln gab es hier auch die besten Drinks der Stadt. Was bei den Lebensstandards hier aber nicht viel heißen sollte.
Hendrik und Agumon, der sich verkleidet hatte, setzten sich direkt an den Tresen und legten die Arme auf der Theke ab. Sam, der Barkeeper, kam auf sie zu und fragte: „Was darf es heute sein?”
„Für mich eine eisgekühlte Fanta”, gab Hendrik ruhig zurück. „Und ich nehme einen Eistee, bitte”, fügte Agumon hinzu. Nach kurzer Wartezeit standen die beiden Getränke vor den beiden. Während sie einen Schluck nahmen, beugte Sam sich möglichst unauffällig vor und flüsterte: „Ich habe gehört, dass noch einige weitere junge Leute unterwegs sind, die Digimon aus der Gewalt von Kashiwa befreit haben. Es gibt Gerüchte darüber, dass sie sich in diesem Bezirk aufhalten.”
Hendrik wurde hellhörig und senkte nun ebenfalls seine Stimme. „Das klingt interessant. Von einer weiteren Person war heute auch in der Zeitung die Rede. Aber die Behörden haben keine Details über die Person, nur dass sie ein Impmon befreit hat.”
„So ist es. Aber sollte ich etwas hören, lasse ich es euch wissen”, sagte Sam und nahm dann das Geld entgegen. Hendrik und Agumon gingen wieder hinaus und sahen sich auf den Straßen um.
„Also, wir müssen ein Impmon in menschlicher Begleitung finden, richtig?”, fragte Agumon nach, als sie langsam weitergingen. „Impmon sind zwar bekannt für ihr freches Wesen, aber sie halten sich auch sehr gerne bedeckt”, meinte Hendrik nachdenklich. „Es wird also nicht zwangsweise einfach, ihn oder seinen Partner zu finden. Aber wie heißt es so schön: wer suchet, der findet.”
„Mir wäre es lieber, wenn es hieße: wer esset, der findet”, scherzte Agumon und strich sich kurz über seinen gelben Bauch. „Selbst wenn das so wäre, würden wir trotzdem suchen”, wies Hendrik ihn lächelnd zurecht. „Wir können jede Hilfe gebrauchen, wenn es darum geht, unser Ziel zu erreichen, und sei sie auch noch so frech veranlagt.”
Agumon nickte zustimmend, während sie nun den Stadtpark erreichten, der früher einmal ein blühendes Naturgebiet war, der nun aber immer weiter verfiel: die Bäume verloren ihre Blätter, obwohl es Hochsommer war, das Wasser roch nach Kanalisation, und nicht einmal Vögel ließen sich nicht blicken. Der einstmals wunderschöne Springbrunnen im Mittelpunkt des Parks war längst ausgetrocknet, voll mit Kalk und von Rissen übersät. Dem gepflasterten Boden ging es ähnlich, während ihre Schritte durch die unheimliche Stille knirschten.
Als sie vor einem kaum noch gefüllten Fluss standen und das schmutzige Wasser anstarrten, spitzte Agumon plötzlich die Ohren und schaute sich vorsichtig um. Er glaubte, über ihnen ein Knacken gehört zu haben. „Da ist jemand!”, raunte er Hendrik zu, woraufhin dieser die Augen aufriss und seinen Rücken anspannte. Die beiden bewegten sich möglichst nicht und taten so, als würden sie gebannt auf die Wasseroberfläche starren, obwohl sie wachsam waren und auf jedes weitere Geräusch und jede weitere Bewegung achteten.
Im nächsten Moment sprang auf einmal ein dunkler Schatten hervor und sprang direkt auf Hendrik zu. Doch Agumon reagierte blitzschnell und schlug den Angreifer mit seinen scharfen Krallen zurück. Die dunkle Gestalt führte einen Salto aus und landete dann auf seinen krallenbesetzten Füßen.  
Als sie ihn betrachteten, fiel Hendrik auf, dass es sich um ein Impmon handelte, ein Kleines Teufeldigimon auf dem Rookie-Level mit einem roten Halstuch und einem diabolischen Grinsen. Es hatte seine Krallen ausgefahren und schaute Hendrik durchdringend an. „Bist du etwa das Impmon, von dem in den Medien die Rede ist?”
„Ah, mein Ruf eilt mir voraus, wie ich sehe”, stellte das Impmon zufrieden fest, während er an seinem Zeigefinger eine rötliche Flamme formte. „Aber es war nicht davon die Rede, dass du unschuldige Passanten angreifst”, sagte Agumon, der weiterhin aufmerksam blieb und den Gegner keinen Moment aus den Augen ließ. „Tue ich auch eigentlich nicht. Aber ich hasse es, wenn Männer ihr zu nahe kommen.”
„Ihr?”, wiederholte Hendrik mit hochgezogenen Augenbrauen. „Das geht dich sowieso nichts an. Seht lieber einfach zu, dass ihr verschwindet, dann passiert euch auch nichts.”
„Du willst uns also drohen?”, fragte Hendrik gefährlich ruhig. „Das wäre aber keine gute Idee. Wir wollen schließlich nicht kämpfen, wir wollen dich und deinen Partner anwerben, uns bei der großen Revolution zu helfen.”
„Klar. Wer´s glaubt, wird selig”, gab Impmon zurück und schleuderte die kleine Flamme von seinem Zeigefinger direkt auf Hendrik. Doch Agumon spuckte sein Feuer dagegen und ließ die Attacken verpuffen. „Zwing uns nicht dazu”, warnte Agumon drohend, doch Impmon lächelte nur und bereitete eine weitere Flamme vor.
„Impmon, wo bist du?”, erklang auf einmal eine weibliche Stimme. Impmons Attacke erlosch in seiner Hand, und er drehte sich zu der Stimme um. Hendrik und Agumon folgten seinem Blick und entdeckten den Besitzer der Stimme: ein junges Mädchen, etwa in Hendriks Alter, kam auf sie zu, ihre Miene wirkte desinteressiert und gelangweilt. Sie war etwa 1,70 Meter groß, hatte lange offene Haare und einen recht muskulösen Körperbau. Sie trug eine lockere schwarze Hose und ein weißes T-Shirt mit einem U-Ausschnitt.
„Wer sind die beiden, Impmon? Und warum kämpfst du gegen sie?”, fragte das Mädchen, ihr Tonfall war genauso desinteressiert wie ihre Miene. „Der Typ hier wollte sich an dich ranmachen”, sagte sein Partner aufbrausend und zeigte mit ausgestrecktem Finger auf Hendrik. „Das ist doch überhaupt nicht wahr!”, antwortete Agumon gereizt. „Wir beide wollen eine Revolution gegen Kashiwa Enterprises anzetteln und den Menschen hier endlich wieder ein schönes Leben ermöglichen!”
„Genauso ist es”, unterstützte Hendrik ihn. „Wir haben in der Zeitung von euch gelesen, und deswegen haben wir uns auf die Suche gemacht. Aber scheinbar habt ihr uns gefunden statt umgekehrt.”
Das Mädchen kam während seiner Erklärung näher und betrachtete die beiden Partner scheinbar aufmerksam, obwohl ihre Miene unverändert blieb. „Und du bist?”, fragte sie schließlich. „Ich bin Hendrik Jigoku, und das ist Agumon”, erwiderte Hendrik und streckte seine Hand aus. Aus dem Augenwinkel sah er, dass Impmon das gar nicht zu gefallen schien, aber Agumon stand dazwischen und sah ihn warnend an.
„Tessa Michellski”, stellte sie sich noch immer monoton vor und schüttelte seine Hand. „Ich muss sagen, euer Plan hört sich gut an. Ich wäre dabei. Du auch, Impmon?” Sie wandte sich an ihren Partner, der die Arme vor der Brust verschränkte und die Augen schloss, dann aber nickte. „Na gut, warum eigentlich nicht? Ist bestimmt ganz nett, mal eine frischere Luft in der Nase zu haben als die Abgase hier oder die im sterilen Labor, in dem ich früher war.”
„Dann haben wir ja schon mal erste Verstärkung bekommen”, freute sich Agumon. Auch Hendrik nickte zufrieden. Vielleicht hatten sie ja nun eine größere Chance.
„Doch das wird euch nichts bringen”, sagte plötzlich eine fremde Männerstimme hinter ihnen. Alle vier schreckten auf und drehten sich um. Ein Mann in einer dunklen Uniform stand wenige Meter von ihnen entfernt und hatte eine Waffe und ein violettes Digivice IC gezückt. Er trug einen schwarzen Sturmhelm und stand vor einem imposanten Motorrad.  
„Wenn das nicht mein alter Bekannter Jigoku ist”, sagte er mit einer sadistischen Freundlichkeit. „Und auch noch in charmanter Begleitung, wie ich sehe. Hat es der introvertierte Autist am Ende doch geschafft, eine zu klären?”
„Pass auf, wie du mit Tessa redest!”, warnte Impmon fauchend. „Ah, einen Namen hat sie auch”, erwiderte der Soldat ungerührt. „Womit wir gleich beim Thema wären: ihr beiden seid schuldig, illegaler weise Digimon bei euch zu haben. Deshalb kommt ihr nun ohne Widerstand zu leisten mit mir mit und stellt euch dem Gericht eurer Herrscher.”
„Deines Herrschers, meinst du wohl”, sagte Hendrik. „Für uns ist er ein Tyrann und ein Menschenverachter. Deswegen werden wir ihn stürzen. Richte ihm das aus.”
„Was erlaubst du dir?”, brauste der Soldat auf. „Sieh es endlich ein, Hide”, sagte Hendrik immer noch ruhig und holte nun sein Digivice Burst hervor. „Es hatte schon seinen Grund, dass ich die Firma vor Monaten verlassen habe. Und den zeige ich dir jetzt. Agumon, es ist soweit!”





Und das war nun das erste Kapitel von Broken Bond!
Ich hoffe natürlich, dass es euch gefallen hat, und würde mich über Reviews freuen! Falls es euch etwas schnell vorkam, dann liegt das daran, dass ich das Kapitel noch vor meiner Weisheitszahn-OP fertigstellen wollte. Aber ich denke, es sollte nicht wirklich auffallen.
Bis zum nächsten Kapitel!
 
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