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Das Leben ist ein mieser Verräter

von LilaLemon
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) SGS Essen TSG 1899 Hoffenheim VFL Wolfsburg
07.08.2020
04.06.2021
33
75.787
7
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
11.03.2021 3.213
 
Hey,
nach laaaaanger Abwesenheit melde ich mich mal hier zurück :)
Ich werde versuchen hier dranzubleiben und immer mal wieder ein neues Kapitel hinzubekommen, so häufig wie vorher werden sie aber wahrscheinlich nicht erscheinen...
Jetzt geht es ja auch langsam auf den Höhepunkt zu, dieses Kapitel dient aber auch ein wenig der Eingewöhnung nach der Schreibpause.
Seid auf jeden Fall auf die fortsetzenden Kapitel gespannt XD

Viele Grüße

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POV Nora

Ich bin wohl aufgeregter als Lena. Es ist so unglaublich schön gewesen mit ihr mal wieder einfach nur zu reden. Ich hoffe, Lena wurde von Sara nicht zu sehr ausgefragt und durchschaut, auffällig waren wir ja schon.
Ich werde Lena auf jeden Fall noch fragen, für sie war es bestimmt peinlicher als für mich, Lenas Eltern scheinen dagegen überhaupt nichts mitbekommen zu haben.
Natürlich hoffe ich auf den Sieg für Deutschland, aber Spanien ist sicherlich kein einfacher Gegner. Was würde ich trotzdem dafür tun, jetzt auf dem Platz zu stehen?
Seltsam bin ich ja schon. Von Paul will ich nicht mehr so viel Druck, selber mache ich mir aber umso mehr. Wenn ich aber noch einmal genau überlege, tun mir ziemlich viele Knochen noch weh, die drei Tage Probetraining waren wirklich extrem hart. Vielleicht hätte ich mir von Lena auch die Eistonne zeigen lassen sollen. So muss es eben etwas Schlaf tun.
Den habe ich zumindest heute bekommen, Lenas Eltern haben mich ausschlafen lassen und das Programm danach war auch einigermaßen erträglich, die Stadt nur drei Stunden nach Sehenswürdigkeiten abzusuchen ist akzeptabel. Danach haben wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel auf den Weg zum Stadion gemacht.
"Auch schon so aufgeregt?", fragt mich Lenas Mutter, die links neben mir sitzt und bringt mich so wieder in die Realität zurück.
"Ja, extrem! Mal schauen, wie das Spiel so wird", antworte ich.
Dann wird unsere Aufmerksamkeit wieder nach vorne gelenkt. Die Mannschaften laufen ein. Das Stadion jubelt auf. Ganz klein erkenne ich auch Lena und mein Herz macht noch ein paar Hüpfer mehr.
Nachdem die Spielerinnen sich vollständig aufgestellt haben, werden die Nationalhymnen gespielt. Ich singe mal lauter mal leiser mit und beobachte das Treiben auf dem Spielfeld. Eine Kamera zeichnet die Spielerinnen von nahem auf, als sie die Hymne singen.
Stimmt, viele Menschen werden sich das Spiel nur im Fernsehen anschauen.
"Es wäre lustig, wenn man uns dann auch mal sehen würde", denke ich, im nächsten Moment schlägt meine extreme Euphorie in Angst um. Wenn wir im Fernsehen gezeigt werden, habe ich ein ganz schön großes Problem namens Paul. Der schaut das Spiel nämlich ganz sicher. Erstens ist es das einzige, bei dem ich im Stadion sitzen könnte, was ja auch der Fall ist, und zweitens kann er so weitere Einheiten für mich überlegen.
Mist mist mist! Warum habe ich daran nicht früher gedacht?! Dann hätte ich mir wenigstens eine Sonnenbrille eingepackt, obwohl das wahrscheinlich auch nichts gebracht hätte. Ich seufze auf. Entweder ich habe Glück und die Kameraleute finden interessantere Motive als Nora Faller, oder ich habe Pech und einen Streit mit Paul. Aber das ist mir jetzt egal.
Beeinflussen kann ich es sowieso nicht, da konzentriere ich mich lieber auf das Spiel.
Das lohnt sich auch. Ich erlebe einen Adrenalinschub nach dem anderen, entweder wenn es eine Torchance für Deutschland gibt oder wenn ich Lena im Einsatz sehe, die Angriffe der Spanierinnen vereitelt oder ihrer Aufgabe als Mittelfeldspielerin gerecht wird.
Auch wenn ich sie nur klein sehe, erkenne ich trotzdem, wie gut sie ihre Aufgaben macht (und wie gut sie dabei aussieht).
Die Teams wechseln sich fast schon mit Angriffen ab, aber bisher ist noch keiner geglückt. Erst kurz vor der Halbzeitpause geschieht das bisher unmögliche.
Nach einer Ecke herrscht allgemeine Aufregung im Strafraum und irgednwie schafft es Sara Däbritz den Ball über die Torlinie zu bekommen. Wir jubeln laut auf, das Stadion mit uns. Unten auf dem Platz sehe ich den Pulk an deutschen Spielerinnen, der sich umarmt und abklatscht. Natürlich ist auch Lena dabei. Auf ihrem Rückweg sucht sie mit ihren Augen die Ränge ab und bleibt schließlich an uns hängen. Ich lächle ihr mit einem breiten Grinsen zu und hoffe, dass sie es auch sieht.
In der Halbzeitpause winkt sie auch noch einmal in unsere Richtung, bevor sie im Spielertunnel verschwindet.

Die zweite Halbzeit ist weniger spektakulär, es folgen noch ein paar Wechsel auf beiden Seiten, auch Lena wird von Lina abgelöst, sonst ist es relativ ruhig.
Die Teams halten sich jetzt eher in der Mitte des Spielfeldes und versuchen sich gegenseitig zu stören. Nachdem Lena draußen ist, ist das Spiel nicht mehr halb so interessant, vor allem, weil sie erst einmal noch für eine Viertelstunde verschwindet, bis ich sie überhaupt wieder sehe. Sie setzt sich auf die Bank und sieht relativ müde aus, was man ihr natürlich nicht verübeln kann, die Spaniereinnen sind ein ganz schönes Stück Arbeit.
Bald ertönt der Schlusspfiff, da jubeln die deutschen Fans noch einmal auf. Der Achtelfinaleinzug ist so gut wie sicher und die drei Punkte gehören uns. Immerhin. Mit ein paar weiteren Fans strömen wir nach unten bis zu den Absperrungen, um den Spielerinnen zu gratulieren. Dass Paul dabei noch eine höhere Wahrscheinlichkeit bekommt, mich zu entdecken, ist mir inzwischen auch egal. Ich will zu Lena und sie mindestens umarmen. Sie hat so gut gespielt und selbst wenn wir uns morgen potenziell noch einmal sehen würden, will ich jede Sekunde mit ihr verbringen, die ich kann. Paul wird uns ganz sicher nicht auseinanderbringen können.
Lena wartet schon und gibt ein paar Autogramme an Fans, so wie die anderen Spielerinnen. Wir stellen uns ganz hinten an, um etwas ungestörter mit ihr reden zu können, nachdem der erste Pulk an Fans weg ist.
Ich merke, dass Sara immer wieder zu uns rüber schaut und ich versuche mich von den Blicken nicht irritieren zu lassen, sondern mit Lenas Eltern das Spiel zu diskutieren.
Ich werde aus Saras Blicken nicht schlau. Sie sieht weder extrem wütend, noch extrem nett aus, sondern eher etwas... besorgt? Aber worüber? Gestern war sie überhaupt nicht so, sondern mega locker und glücklich.
Hat ihr Lena etwas erzählt? Es muss fast so sein. Ich weiß nicht, ob ich wütend sein soll oder nicht. Es ist einerseits natürlich besser, mehr Helfer zu haben, aber andererseits ist es eben auch sehr privat. Und wie viel hat Lena ihr sonst noch erzählt? Wenn Sara gestern schon was geahnt hat, glaube ich nicht, dass Lena ihren Fragereien Standhalten konnte. Das bedeutet, Sara weiß alles.
Die Erkenntnis gräbt sich in meine Gedanken und selbst wenn sie sich nicht übel anhört, immerhin ist Sara bestimmt ganz cool, fühlt sich alles plötzlich anders an, als sonst.
Unsere Liebe ist kein privates Geheimnis mehr von Lena und mir. Sich irgendwo weniger verstecken zu müssen, hört sich erstmal gut an, aber ich weiß nicht, ob ich schon bereit dafür bin. Wenn es bei uns weiter so auf und ab geht mit der Beziehung, habe ich keine Lust auf weiteren Druck von außen.
Lena und ich haben also doch mehr zu besprechen als irgendwelche Kuscheleinheiten. Sie hätte mir ja zumindest etwas von ihrem Vorhaben erzählen können. Na, gut, vielleicht konnte sie das echt nicht.

Irgendwann sind wir endlich mit Imarmen und beglückwünschen an der Reihe. Ich lasse Lenas Eltern den Vortritt, immerhin habe ich Lena gestern schon lange genug entführt. Naja, genau genommen war es ja andersherum. "Mega gut gespielt!", sage ich. "Danke, war cool, dass ihr zugeschaut habt", entgegnet Lena und in meiner Umarmung flüstert sie mir ein kurzes "Hab dich lieb, ich muss dir noch was erzählen" zu. Ich nicke nur.
"Klar, schreiben wir oder bekommt ihr noch mehr Freizeit?", schiebe ich dann doch hinterher. "Wir haben heute keine Freizeit mehr, erstmal müssen wir ja feiern", lacht Lena. "Aber wenn ihr Morgen noch hier seid: Sara, ich und noch andere haben überlegt zusammen in die Stadt zu gehen, wenn ihr Lust habt, könnt ihr gerne mitkommen", meint sie. Dabei schaut sie mich bittend an. Sie will es also persönlich klären.
"Ja, klar, ich hätte Lust!", gebe ich ihr Bescheid. Auch ihre Eltern sind von der Idee überzeugt.
Die drei Oberdorfs reden noch ein wenig miteinander und so stehe ich etwas abseits und gehe meinen eigenen Gedanken nach.
"Hey, wie fandest du das Spiel, oder besser gesagt die Spielerin mit der Nummer 6, der Rest hat dich wahrscheinlich weniger interessiert", meint eine Stimme neben mir. Ich drehe mich erschrocken um. Es ist Sara. Zu ihrem Glück spricht sie leise. Trotzdem muss ich grinsen.
"Das Spiel war gut, ihr hattet ja ganz schön zu kämpfen", gebe ich zurück und gehe dabei bewusst nicht auf den Teil mit Lena ein. Als ich Saras hochgezogene Augenbrauen sehe, wird mein Grinsen breiter. "Kein Wort über Lena? Das muss ich glaube ich weitergeben", schmunzelt sie. "Na, lieber nicht! Sie hat super gut gespielt, da kann man fast nichts kritisieren", gebe ich zu. "So muss das, ich dachte schon wir müssen da was üben!", lacht Sara.
Das Gespräch versiegt für ein paar Momente, dann ergreife ich die Initiative. "Und, wie sehr wurde Lena gestern noch ausgequetscht?", frage ich. Auch wenn ich glaube, die Antwort schon zu kennen, hilft es vielleicht, wenn ich weiß, wie das Gespräch überhaupt abgelaufen ist.
Sara wird etwas ernster. "Egal, was du denkst, was sie dir erzählt hat, sei ihr nicht böse. Ich habe sie etwas genervt. Aber sie hat mir von euch erzählt, ich finde das super, solange sie wieder so oft rot wird, wenn ihr telefoniert hat das auch was lustiges und sie ist auch mega glücklich mit dir. Aber sie hat mir auch von euren Schwierigkeiten mit deinem Onkel und diesen "Stalkern" erzählt.
Ich bin vielleicht etwas ängstlich, aber das solltet ihr nicht unterschätzen. Da kann schnell viel blödes passieren", gibt Sara zu. Warum auch immer kann ich den beiden bei Saras Erzählung nicht böse sein. Eigentlich dachte ich, mein Leben würde nach so etwas in irgendeine neue Richtung gedreht werden, aber es macht mir nichts aus, dass Sara nun auch eingeweiht ist. Und warum sollte Lena es niemandem erzählen dürfen? So etwas haben wir nie ausgemacht, also gilt auch die Regel nicht.
Aus Saras Blick kann ich allerdings lesen, dass sie nicht so zufrieden und entspannt ist, wie ich. Ich merke, dass sie da mehr wissen will. "Nicht hier", denke ich. Hier sind zu viele Menschen.
"Ja, wir unterschätzen das natürlich nicht, aber wenn wir uns nur deshalb voneinander fernhalten würden, würde das nicht gut enden. Wir wollen immerhin die paar gemeinsamen Tage, die wir haben glücklich verbringen. Und bisher ist auch nichts schlimmeres passiert", versuche ich Sara zu beruhigen und Lena und mich vielleicht auch in gewisser Weise zu verteidigen.
Sara scheint nicht ganz überzeugt, aber immerhin etwas beschwichtigt. "Macht aber keine Dummheiten! Wie ihr mitbekommen habt, bin ich gut im Detektiv-spielen." Sie grinst schon wieder etwas, was ich als gutes Omen deute. "Du glaubst doch nicht wirklich, dass da in eurem Zimmer was war?!", meine ich ungläubig.
"Also wirklich Sara, glaubst du nicht, dass ich ungestörtere Orte im Hotel kenne, als in unserem Zimmer?!", meint Lena hinter mir. Ich werde gleichzeitig rot und drehe mich zu ihr um. Lena grinst mir schelmisch entgegen. Ich boxe ihr leicht in die Seite.
"Meine Eltern wollen wieder gehen, soll ich dir sagen", meint sie dann. "Mh, okay, dann lasse ich euch auch mal zu der restlichen Mannschaft. War schön euch zu treffen und dich in Action zu sehen", verabschiede ich mich und lächle Lena dabei an. Die lächelt zurück und wenn wir gerade nicht im noch halb vollen Stadion stehen würden, hätte ich sie geküsst. Ich verliere mich mal wieder für einige Sekunden in ihrem Blick, als sich auch noch Sara von mir verabschiedet, dann reiße ich mich los und lasse die beiden mit etwas wackligen Knien hinter mir. Natürlich mit dem Versprechen, noch das morgige Treffen auszumachen.

Zurück im Hotel checke ich mein Handy auf neue Nachrichten. Von Paul kommt keine, es sieht also fast so aus, als wäre ich nicht im Fernsehen zu sehen gewesen. Einige Nachrichten von Isa, die wissen will, wie mein Tag so läuft und eine noch von meiner Mutter, die ein ähnliches Anliegen hat. Bleibt nur noch eine Nachricht übrig. Es ist eine SMS, von einer Nummer, die ich nicht kenne.
Ich tippe darauf.

An Nora Faller: Die neuesten Entwicklungen gefallen uns nicht. Wenn du willst, dass deine Familie verschont bleibt, halte dich von Lena Oberdorf fern. Wir wissen zu viel.

Sofort schließe ich die SMS wieder. Die wissen echt zu viel. Irgendwie hat mich die Kamera wohl doch eingefangen. Oder war jemand von den Leuten selbst hier?
Egal was zutrifft, es sind verdammt schlechte Entwicklungen. Ich kann der SMS also in allen Punkten außer dem mit Lena zustimmen. Und ich weiß auch, wie sich Lena nach ihrer Drohnachricht gefühlt haben muss. Jetzt wird für mich meine Familie als Druckmittel benutzt und ich muss mir nur Lucas Gesicht für kurze Zeit in Erinnerung rufen, damit sich mein Magen zusammenzieht.
Ich gehe auf Whatsapp und öffne Lenas Kontakt. Mit zitternden Fingern tippe ich auf den Hörer und warte.
Lena drückt das Gespräch weg.

Sorry, bin grad im Bus und Martina hält eine Ansprache. Ich rufe dich nachher zurück :)

Kommt kurz darauf als Erklärung. Mist, jetzt kann ich mich nicht einmal mit Lena besprechen. Ich bin aber weniger verzweifelt, als ich sein könnte, mein Gehirn funktioniert neben der konstanten Gefahrmeldung noch ganz gut. Rational denken, heißt die Devise, an die ich mich so gut es geht klammere. Vielleicht ist es ganz gut, dass Lena nicht von dieser Nachricht aus dem Konzept gebracht werden kann. Sie soll sich immerhin während der Weltmeisterschaft auf das Fussballspielen konzentrieren.
Mit Paul komme ich alleine klar. Zumindest wenn er weit weg ist. Und ich sehe Lena morgen ja auch noch. Mit Saras Hilfe bekommen wir vielleicht sogar in der Stadt noch ein paar zweisame Minuten.
Bevor ich allerdings mit ihr telefonieren kann, holen mich Lenas Eltern noch zu einem sehr späten Abendessen in den Speiseraum des Hotels. Sie sind so fröhlich, dass ich ihnen meine eher schlechte Laune nicht aufzwingen will. Irgendwie kommen wir auf lustige Geschichten zu sprechen und neben doch bald sehr heiteren Laune bekomme ich auch ein paar witzige Geschichten über Lena zu hören. Mal sehen wann ich die gebrauchen kann.
Nach dem Abendessen mache ich mich satt und heiter auf den Weg in mein Zimmer, wünsche den Oberdorfs eine gute Nacht und kaum habe ich die Zimmertüre hinter mir zugezogen kann ich auch gleich Lenas Anruf annehmen. Das nennt sich Timing.
"Hey, über was wolltest du denn mit mir reden?", fragt Lena. Ich erinnere mich gezwungenermaßen wieder an den eigentlichen Grund. Meine Stimmung sinkt wieder merklich.
"Naja, es sind mehr oder weniger schlechte Nachrichten, aber lass dich davon nicht aus dem Konzept bringen. Es betrifft zu 99 Prozent mich", fange ich an. Lena unterbricht mich nicht, was es mir leichter macht weiterzureden.
"Also, als du von mir heimgekommen bist hast du ja so einen Drohbrief bekommen. Und...also... gerade habe ich eine SMS gekriegt. Die hatte ungefähr den gleichen Inhalt", sage ich und fühle mich im gleichen Moment wieder so wie vor dem Abendessen: Miserabel. "Was! Das ist doch nicht deren Ernst! Was glauben die eigentlich? Nora, hör zu, du lässt dich davon nicht unterkriegen. Wir kriegen das hin. Als ich die Nachricht bekommen habe, hast du mir geholfen und mich wieder aufgebaut und ich hoffe, ich kann das auch bei dir. Mach dir da keine zu großen Sorgen, bis jetzt ist niemandem etwas passiert. Und wenn das auch so bleibt, dann haben wir nicht mal einen kleinen Grund uns bei so etwas aufzuregen." Lena nimmt ihre Aufgabe des Aufbauens echt ernst.
"Danke. Ich denke, die Sorgen gehen auch irgendwann wieder, aber ich weiß einfach nicht, wozu die alles fähig sind, das macht mir am meisten Angst", gebe ich zu. Wir schweigen für ein paar Sekunden. "Hey, lass uns das Morgen besprechen, oder? Da sind wir ausgeschlafener und wir sehen uns wieder in Person. Ich will dich nicht abwimmeln, aber ich glaube es ist schwierig so etwas in kurzer Zeit zu besprechen. Wir können auch noch über ein anderes Thema sprechen, aber sich nur immer zu fürchten vringt auch nichts."
"Da hast du Recht. Ich schlafe einfach eine Nacht drüber. Aber wenn du noch etwas hast, worüber wir ein heitereres Gespräch haben können, dann immer raus damit!" "Also, ich habe ja von meiner Zimmernachbarin gehört, dass ich gar nicht sofort ein Lob für das Spiel bekommen habe", meint Lena und ich höre ihr Grinsen förmlich. "Oh man, sag deiner Zimmernachbarin sie ist eine ganz schöne Petze! Aber ich kann dir das Lob auch noch jetzt geben", lache ich.  
Ey, das habe ich gehört!", tönt es aus Lenas Hintergrund. Ich muss lachen. "Na, dann, ich bin gespannt", lässt Lena jetzt verlauten. "Also, war ein wirklich super Spiel von dir! Ich meine, die Spanierinnen hatten praktisch keine Chance, an dir vorbeizukommen. Wenn ich da gegen dich gespielt hätte, hätte ich natürlich den Körpereinsatz Nora-Spezial eingesetzt, dann wärst du auch nicht mehr weit gekommen." Ich grinse diabolisch. Wenn Sara weiterhin so fleißig zugehört hat, hält sie die Geschichte mit dem abschliesen-aber-nichts-machen für die größte Lüge der Menschheit. Wobei ein simples von-hinten-umarmen als Beschreibung nicht so eine Reaktion hervorrufen würde, da bin ich mir ganz sicher. Lena kichert immerhin am anderen Ende der Leitung. "Du bist echt schlimm, hat dir das schonmal jemand gesagt? Okay, warte du bist nicht schlimm, wenn du mir noch beim Englischlernen hilfst. Ich glaube, du hast da mehr Talent als ich. Das bräuchte ich dringend", schlägt Lena vor. "Klingt nach einem fairen Tausch", lache ich. Darauf muss ich gähnen. "Ist da jemand müde und hat heute nicht mal ein Fußballspiel gespielt?", will Lena wissen. "Möglicherweise. Das waren bestimmt die vielen Meter vom Tribünenplatz runter zu euch. Das geht ganz schön auf die Knochen", scherze ich. "Das kann ich mir vorstellen, du Aaarme! Was kann man dagegen nur machen?", fragt Lena lachend. "Wie wäre es mit: Nora morgen treffen?", schlage ich vor. "Klingt gut, notiere ich mir als Heilmittel gegen Müdigkeit." "Ich wüsste auch eins für dich, ich hoffe Sara ist gerade im Raum...", fange ich an. "Ah, mist, mir ist gerade aufgefallen, dass ich mal noch ganz dringend was machen müsste, dein Heilmittel muss wohl warten", fällt mir Lena ins Wort. "Du willst nur nicht unter die Tomaten gehen", kommt es lachend von Sara. Da habe ich wohl ins Schwarze getroffen.
Wir albern noch ein wenig rum, dann verabschieden wir uns doch noch zeitig. Immerhin müssen wir alle wirklich ein wenig schlafen.
Ich mache mein Handy aus und kuschle mich mit einem glücklichen Lächeln in die Bettdecke. An den Drohbrief habe ich nicht mehr gedacht, meinetwegen kann er auch ganz aus meinen Gedanken verschwinden.
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