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Das Leben ist ein mieser Verräter

von LilaLemon
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) SGS Essen TSG 1899 Hoffenheim VFL Wolfsburg
07.08.2020
25.07.2021
36
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03.11.2020 2.391
 
Am nächsten Morgen wache ich ähnlich früh auf.
Ich entdecke die "Viel Glück"- Nachricht von Lena, als ich auf mein Handy schaue. Gestern hatten wir keine Zeit mehr zu telefonieren, ich war ziemlich müde und sie war im Team eingespannt und wollte noch für die Klausuren lernen, die sie ja auch noch schreiben wird.
Ich grinse wegen der Nachricht, Lena hat an mich gedacht.
Von Isa kommt eine ähnliche Nachricht, sie will auch wissen, wie es gelaufen ist.
Ich erkläre, was geklappt hat und was nicht, was mich das ganze selbst noch einmal reflektieren lässt.
Für heute muss ich die Konzentration auf jeden Fall die ganze Zeit hochhalten.
So etwas wie die zweitletzte Station darf mir einfach nicht mehr passieren.
Paul hat mich gestern ebenfalls noch gefragt, was mir selbst aufgefallen ist.
Das sollte wohl unauffällig sein und den Verdacht, dass er hätte dabei sein können zunichte machen sollen. Das hat allerdings nicht funktioniert, da ich ihn ja gesehen habe, weshalb auch seine Nachricht sehr albern klingt.
Und auch seine Antwort ist ziemlich vorprogrammiert.
Ich schreibe ihm über kleinere Fehler in manchen Stationen, von denen ich denke, sie sind am relevantesten und über meinen Konzentrationsverlust am Ende.
Zurück kommt ein sehr langer Brief über Tipps und Tricks für die genannten,  aber auch noch weitere Stationen, die im Rückblick auch Fehler hatten.
Paul will wirklich jeden kleinen Fehler annullieren.
Ich frage mich, ob er sich als Teenager auch so viel Druck gemacht hat.
Wenn ja, tut er mir fast schon leid.
Ich lese mir die lange Nachricht durch, denn wie es bei Paul immer ist, ist sie zwar nervig und zeitaufwendig aber meistens auch hilfreich.
Wahrscheinlich wird er auch dieses mal wieder dabei sein und mir zuschauen, dann sollte ich auch viele seiner Tipps umsetzen.

Nach einem etwas längerem Frühstück als am Tag zuvor, überprüfe ich wie gestern meine Tasche, werde aber diesmal nur von meiner Mutter hingefahren, Luca ist zu müde und wünscht mir zu Hause im Schlafanzug viel Glück.
Ich bin fast die letzte, die ankommt.
"Wie ihr wisst geht es heute um kleinere Spielformen. Daher werdet ihr im Verlauf des Tages in unterschiedliche Teams eingeteilt, jedes Team übt etwas anderes. Heute kommt also neben Dribbling und den ganzen anderen Sachen auch noch dazu, dass ihr euch in einer unbekannten Mannschaft zurechtfinden müsst, dieser helfen müsst, aber euch trotzdem selbst in Szene setzen solltet.
Wir arbeiten wieder mit dem Eindruck, den wir von euch haben, es muss euch also nicht alles gelingen, aber je sicherer ihr wirkt, desto bessere Chancen habt ihr natürlich.
Also dann, wir teilen die Teams für die ersten zwei Stunden ein..."

Ich komme erneut mit Sara in eine Mannschaft. Es sind noch zwei weitere, augenscheinlich ältere Frauen dabei, weshalb ich mich etwas verloren fühle.
Wir spielen in verschiedenen Mannschaftsgrößen, eins gegen eins, zwei, drei und sogar vier.
Das eins gegen eins bestehe ich souverän, auch das eins gegen zwei macht mir noch keine zu großen Mühen. Aber gegen drei ist sehr schwer, das einzige was mir hilft ist, dass ich meinen Gegnerinnen, wenn sie meinen Ball erobert haben, in ihrer Gemeinsamen Vorwärtsbewegung den Ball wieder abnehmen kann. So gewinne ich einmal knapp und einmal fast.
Das eins gegen vier ist aber unmöglich, vor allem auf kleinem Raum ist der Ball dort sehr schnell weg.
Anders als gestern bekommen wir nach jedem Durchgang ein kurzes Feedback.
Meines fällt größenteils positiv aus, das was ich meistens noch verbessern soll, ist ein schnelleres angreifen oder eine engere Ballführung, damit der Ball schneller und länger in meinem Besitz ist.

Nach den ersten zwei Stunden gibt es noch eine weitere Einheit in der Länge von einer Stunde, in der ich in ein ganz neues und unbekanntes Team komme. Dort müssen wir als Team bestimmte Aufgaben bestehen, teilweise mit, teilweise ohne Ball.
Es geht vor allem um Teamgeist und die Rollenverteilung im Team, daher auch darum, wie gut man sich einbringt.
Nach den ersten drei Stunden machen wir also eine kurze Pause.
Jeder kann ausgiebig trinken und sich etwas ausruhen.
Wir sprechen auch ein wenig mit dem Trainingsteam über unser bisheriges Training.
Mein Feedback ist erneut nicht schlecht und so gehe ich motiviert in die zweite Hälfte des Tages.
Erst haben wir wieder eine Einheit mit der Dauer von zwei Stunden.
Es geht um Kraft, Leistungsmessungen und unser Können in speziellen Situationen, wie Kopfbällen oder Freistößen.
Erneut gibt es verschiedene Station, die jeweils 20 Minuten dauern und 5 Minuten danach Pause.
Ich komme einmal mehr mit Sara in ein Team und dazu noch mit anderen Bekannten aus den früheren Stationen.
Wir beginnen bei der Sprungkraft und Sprints.
Kopfbälle sind nicht wirklich meine Stärke, aber bei der Sprungkraft bin ich nicht einmal so schlecht.
Die schnellste bin ich fast, aber im Spiel achte ich meistens eher auf gute Laufwege. Schnelligkeit brauche ich nur, wenn ich mal einen Sprint mit dem Ball nach vorne machen muss, wenn ich keine Abnehmerin finde.
Nach der Leistungsmessung machen wir uns an die nächste Station, bestehend aus verschiedenen Kraftübungen. Obwohl wir uns natürlich nicht unaufhörlich anstrengen müssen, bin ich froh, als die 20 Minuten vorbei sind.
Die Trainer haben vor allem darauf geachtet, ob wir die verschiedenen Übungen überhaupt durchziehen können, was jede getan hat.
Die nächsten 20 Minuten kommen Aufgaben dran, die sehr auf die Gelenke gehen, wie Richtungswechselsprints oder Kombinationen aus Staffellauf mit Start in der Hocke.
Nun gibt es etwas mehr Entspannung für den Körper, dafür aber Anstrengung für den Kopf.
Wieder Konzentrationsaufgaben. Diese bekomme ich diesmal besser hin, als gestern, da ich mich mehr darauf einstelle. Am Ende bin ich glücklich mit einem guten Ergebnis.
Die letzten zwei Aufgaben sind noch einmal Ballführung in engem Raum, wobei ich mich ebenfalls besser anstelle als am Tag zuvor, und nach einer Pause von 10 Minuten noch ein Ausdauerlauf.
Die letzte Stunde verbringen wir teils mit dem Auswerten der Daten, wieder mit direkten Rückmeldungen, die wie erhofft meine Besserung im Bezug zu gestern anführen, und verschiedenen kleinen Spielen, wie Eckchen oder so, um etwas runterzukommen.

Diesmal sehe ich Pauls Auto nicht wegfahren, was aber natürlich nichts heißen muss. Er hat bestimmt zugeschaut, gestern hat er sich es ja auch getraut. Ich mache mich schon einmal auf neue Tipps und Tricks von ihm gefasst, obwohl er meine Leistungen ja gar nicht vergleichen darf, wenn er nicht auffallen will.
Meine Eltern holen mich heute wieder zu zweit ab und meine gute Stimmung überträgt sich.

Ich habe Abends sogar ein paar Minuten, um mit Lena zu telefonieren, wie immer geht es dabei um Fußball, wie mein Tag und wie ihr Tag gelaufen ist. Sie erzählt mir auch von ihrem Quartier, über das man sich natürlich nicht beschweren kann und wir reden sogar noch etwas weiter, als Sara schon lang im Zimmer ist. Ich mache mir einen Spaß daraus Lena ein wenig in Verlegenheit zu bringen, indem ich sie an einige Küsse und andere Aktionen erinnere, die erneut kommen werden, wenn wir uns sehen.
Sie wird rot und wechselt schnell auf ihre Ohrstöpsel, sodass Sara nichts bemerkt.
Die ist natürlich trotzdem neugierig und fragt auch, über was wir reden, worauf Lena ihr das Blaue vom Himmel runtererzählt.
Insgesamt ist der Abend also seht lustig und im Bett habe ich immer noch ein Lächeln auf den Lippen.
Morgen muss ich dann auch noch meinen Koffer fertig packen, nach den fünf Stunden Probetraining, damit es dann nach Frankreich losgehen kann.

Der nächste Morgen ist stressiger als die davor. Ich wache zwar wieder früh auf, bemerke aber noch sehr viele Dinge, die ich für Frankreich einpacken möchte, weshalb ich schon später als die vorherigen Tage zum Frühstück komme.
Dort trödle ich auch noch, weshalb ich darauf hoffen muss, dass meine Tasche auch für heute gut gepackt ist, ohne sie noch einmal überprüfen zu können.
Im Auto mache ich mir noch meinen Dutt, den ich seit Lenas Empfehlung öfter trage, vor allem natürlich beim Fußball.

Ich bin früher als die meisten da, trotz meiner Verspätung, weshalb ich schon mit den anderen Bewerberinnen und auch dem Trainerteam reden kann.
Wir tauschen uns über das Alter die jeweilige Mannschaft und unseren Wohnort aus, was sehr spaßig ist.
Der Tag startet also wieder sehr gut. Das kann ja schon mal kein schlechtes Omen für den weiteren Tagesverlauf sein.

"So, der letzte Tag, heute dürft ihr noch einmal alles geben! Bestimmt freut ihr euch auch auf das Spiel am Ende mit allen Teilnehmern, davor gibt es aber natürlich auch noch etwas mehr zu tun. Wir werden das Spiel im Rahmen von einer Stunde halten, also ungefähr eine Halbzeit mit etwas Verlängerung, aber ohne Pause.
Wir werden es nicht schaffen euch in zwei Teams einzuteilen, die groß genug sind, deshalb spielen auch noch einige von uns mit. Nach dem Spiel werden wir noch eine halbe Stunde ca. Das Spiel aufarbeiten und jeder kann sich mit dem Trainerteam noch einmal austauschen und nach dem Stand der Dinge fragen. Beraten haben wir uns noch nicht, deshalb werdet ihr auch erst frühestens übermorgen mitbekommen, ob ihr aufgenommen seid. Wie viele wir aufnehmen kommt darauf an, wie wir die einzelnen Leistungen beurteilen.
So, jetzt aber: Wenn ihr mitgerechnet habt, haben wir von den fünf Stunden heute erst 1 1/2 verbraucht, bleiben also noch 3 1/2. In diesen machen wir wie versprochen größere Spielformen, mit Dribbling, Torschuss und allem drum und dran. Die Spielformen werden so ungefähr eine Dreiviertelstunde gehen, danach machen wir 5-10 Minuten Pause, in denen ihr trinken und euch ausruhen könnt.
Gibt es noch Fragen?"
Keiner meldet sich, weshalb wir schnell anfangen können. Wir beginnen mit einem Parkour aus Zuspielen, Hindernissen und ganz vielen anderen Sachen. Daher stellt sich das ganze nicht nur als sportliche, sondern auch als Herausforderung für den Kopf heraus.
Danach geht es an einen Spaziergang mit Ball, der ebenfalls auf dem Platz und auch um Hütchen und andere Hindernisse herum stattfindet.
Nach den zwei letzten Aufgaben freue ich mich schon unglaublich auf das Spiel.
Ich nehme mir vor, mich selbst nicht zu überfordern, sondern immer das zu tun, was ich am besten kann: Bälle abfangen und angreifen.
Ich spiele mit vier weiteren Bewerberinnen in einem Team, wir werden noch von drei Trainern unterstützt.
Das Spiel beginnt und ich orientiere mich in die Mitte. Nach einigen Läufen bekomme ich den ersten Ball und sprinte damit nach vorne.
Unterstützung bekomme ich relativ schnell von einer Teamkollegin und so bahnen wir uns gemeinsam den Weg vors Tor.
Ich stehe noch etwas links außen und recke den Hals, um nach einer Anspielstation weiter vor dem Tor Ausschau zu halten. Ich entdecke jemanden, mit einem genauso grellgrünen Leibchen, wie ich es auch habe und schlage eine Flanke in die Richtung.
Viele Köpfe steigen hoch und irgendwie landet der Ball im Tor.
Unsere Mannschaft jubelt auf.
Das Spiel macht wohl auch deshalb Spaß, weil unsere Mannschaft gut aufgestellt ist.
Nach dem Anstoß gehe ich diesmal erst einmal weiter nach hinten und helfe den Verteidigern aus, die nun mit einem Angriff der Gegner zu tun haben.
Ich kann einen Ball abblocken, der zu einem Trainer fliegt, der ebenfalls in meinem Team ist.
Er rennt zwar auch los, hält aber Ausschau nach Unterstützung.
Ich halte mich weiter eher hinten, während die anderen einen leider erfolglosen Angriff ausführen.
Die Torhüterin schlägt den Ball nicht hoch und weit genug, weshalb die gegnerische Abwehr sofort wieder in den Mangel genommen wird.
Eine Verteidigerin schießt den Ball vom Tor weg, weshalb er praktisch vor meinen Füßen landet. Ich ergreife die Chance, lege ihn mir zurecht und haue ihn mit voller Kraft Richtung Tor.
Es ist das wohl schönste Tor, das ich jemals geschossen habe.
Von fast 30 Metern Entfernung segelt der Ball in einem wunderschönen Winkel ins obere, rechte Eck.
Die Torhüterin kann sich nicht lang genug strecken, weshalb er im Netz zappelt und ich glücklich meine Arme in die Höhe recke.  

Das Spiel endet nach weiteren eher ereignislosen und ausgeglichenen Minuten mit einem 2 zu 0 für meine Mannschaft.  
Wir klatschen uns ab und trinken noch etwas, bevor wir uns alle wieder zusammenfinden und gemeinsam über das Spiel diskutieren.
Ein kleiner Teil des Spiels wurde aufgezeichnet, in dem auch glücklicherweise mein Tor drin vorkommt. Wir analysieren die Szene gemeinsam und einige nicken mir respektvoll zu, was mich noch glücklicher macht.
Bei der Analyse sage ich nicht so viel, aber viel gutes, weshalb ich, nachdem wir verabschiedet wurden glücklich und zufrieden auf meine Eltern warten kann, die mich abholen.
Wie schon am ersten Tag, sehe ich Pauls weißen Audi wegfahren. Selbst das zeichnet mir ein Grinsen auf die Lippen. Er wird langsam unvorsichtig. Das könnten wir vielleicht ausnutzen.
Kurz darauf fährt auch unser Auto auf den Parkplatz. Bevor es ganz geparkt ist, geht hinten schon eine Türe auf und Luca rennt freudestrahlend auf mich zu.
"Nora! Ich habe dich vermisst", ruft er und haut mich fast um.
"Ich dich auch, kleiner Überraschungsgast. Ich dachte nur Mama und Papa wollten mich abholen", antworte ich lachend.
"Ja, aber ich wollte auch".
Er drückt mich fest an sich, weshalb es zu einer Familienumarmung wird, als meine Eltern noch hinterherkommen.
"Rate mal, was es zum Abendessen gibt", meint Luca, nachdem wir uns begrüßt und wieder voneinander gelöst haben.
"Psst, das soll doch eine Überraschung werden", lacht meine Mutter.
"Na gut, aber dann sollten wir schnell nach Hause", stellt Luca fest und ist schon wieder am Auto.
Ich komme etwas langsamer mit meinen Eltern hinterher und erzähle ihnen schon auf dem Weg, wie mein Tag bisher abgelaufen ist.

Es gibt Pizza als Überraschung zum Abendessen.
Ich bin ebenfalls extrem froh, das Probetraining endlich geschafft zu haben, weshalb nach der Pizza auch noch einige Spielerunden folgen, damit ich weiter erzählen kann.
Wie erwartet gewinnt Luca und irgendwann merken wir, dass es schon später ist als gedacht und ich noch einiges in meinen Koffer räumen muss, damit wir rechtzeitig um 8 Uhr morgen am Flughafen sind.

Ich telefoniere wie gestern nur sehr kurz mit Lena, einerseits,  weil mir fast die Augen zufallen und sie mir deshalb nur sagt, wie sehr sie sich freut, mich morgen wieder zu sehen, andererseits, weil sie dann im Team gebraucht wird.
Nachdem ich mein Handy weggelegt habe, fallen mir auch sofort die Augen zu und ich bekomme vor den nächsten zwei aufregenden Tagen noch etwas Schlaf.
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