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Das Leben ist ein mieser Verräter

von LilaLemon
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) SGS Essen TSG 1899 Hoffenheim VFL Wolfsburg
07.08.2020
04.06.2021
33
75.787
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Dieses Kapitel
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30.10.2020 2.175
 
POV Nora

"Hi", melde ich mich.
"Wir haben einige neue Entwicklungen".
"Du willst mir also sagen, dass in zwei Stunden so viel passiert ist, dass du mich beim Abendessen stören musst", entgegnet Lena gespielt böse.
"Das tut mir leid, aber ja es ist so einiges passiert", lache ich.
"Ok, aber halte dich bitte kurz, ich bin offiziell nur kurz auf dem Klo."
Wir müssen beide lachen.
Dann beginne ich über das anstehende Probetraining, auch mit der Verknüpfung der WM zu erzählen, wobei Lena fast schon Luftsprünge macht.
"Nora das ist sooo cool! Wenn wir uns dann irgendwann in der Bundesliga sehen und gegeneinander spielen, und dann auch noch eine gute Ausrede für Paul rauskommt, ey das ist die beste Nachricht seit langem. Ich freue mich unglaublich für dich!"
"Danke, ich freue mich natürlich auch,dass wir jetzt endlich eine Möglichkeit haben, dass das Treffen doch klappt."

Ich erzähle ihr auch über Isas Verdacht über ihren Onkel.
"Mir ist es langsam einfach nur wichtig, dass das Ganze irgendwann mal aufhört. Das hin und her mit 'wer ist jetzt eigentlich in welcher Weise darin verwickelt' und das Ständige Aufpassen müssen auf mein Handy ist echt nervig.
Ich habe heute Abend fast schon meinen Bruder verdächtigt, weil er nah an meinem Handy war.
Wir sollten mal anfangen irgendeine Lösung zu finden. Auch wenn ich selbst keine Ahnung habe, wie die dann aussehen wird."
"Stimmt. Die ganze Zeit allen zu misstrauen ist vielleicht effektiv, über lange Sicht gesehen aber einfach nicht möglich."
"Dann werde ich mal schauen, was man da so an rechtlichem finden kann, bei dem man die dann dranbringt. Wir schreiben auf jeden Fall nochmal. Spätestens morgen.
Du musst mich ja über den Termin von deinem Probetraining auf dem laufenden halten."
"Mache ich. Hab dich lieb, viel Spaß beim Essen", grinse ich.
"Danke. Ich dich auch, machs gut."
Lena legt auf.

Endlich geht es mal Bergauf.
Ich mache mich Bettfertig und krieche in mein Bett. Mein Blick wandert zu der freien Stelle auf dem Fußboden, auf der bis vor kurzem noch Lenas Matratze lag.
Obwohl sie noch gar nicht lang weg ist, vermisse ich sie unheimlich stark.
Ich hoffe, dass das Treffen bei der WM auch wirklich klappt.

Zwei Tage später habe ich mehr Termine. Da das Probetraining in den Pfingstferien vom 8. Juni an stattfindet, ist es für mich klar, welches Spiel ich dann anschauen kann.
Ich schreibe Lena, dass ich für das Spiel gegen Spanien dabei sein werde und mit ihren Eltern einen Tag vorher anreise, um die Besuchszeiten noch zu nutzen.
So viel Glück kann ich selbst fast nicht glauben. Erst habe ich eine reelle Chance in der nächsten Saison zum Bundesliga-Team von Hoffenheim zu gehören und dann kann ich mich nach den drei anstrengenden Tagen auch noch auf zwei Tage Entspannung und Lena freuen.

Für die Reise dorthin von mir und ihren Eltern haben sich diese nach einem Telefonat mit meiner Mutter bereiterklärt, nachdem sie davon erzählt hat, dass ich Lena bei einem Spiel unbedingt sehen will, sie aber selbst eingespannt sind.
Da Lena auch schon Vorarbeit geleistet hat, was sie mir ebenfalls erzählt hat, haben sie dem dann auch ziemlich schnell zugestimmt.
Wir werden uns in Frankfurt am Flughafen treffen und dann mit dem Flugzeug nach Lille fliegen.
Von dort aus geht es mit dem Taxi nach Valenciennes in unser Hotel.

Ich bin nicht nur wegen dem Probetraining aufgeregt, aber den Plan so ausgereift vor Augen zu haben lässt auch die Vorfreude noch höher steigen.
Das einzige, was nun nur eine Hoffnung ist, ist dass Lena dann auch spielen darf.
"Aber da muss ich mich dann einfach im Training mega anstrengen, das wird schon klappen", meint sie zuversichtlich, als ich noch einmal mit ihr telefoniere.

Selbst Paul stimmt einer Pause nach den harten Probetrainingstagen zu, obwohl er jetzt schon wieder anfängt auf das nächste Training, das er mit mir abhalten will zu drängen, obwohl ich noch nicht einmal beim Mannschaftstraining mitmachen kann, da die blauen Flecken immer noch sehr wehtun.

Aber durch die Versorgung mit Salben und allem möglichen anderen, sind sie schon kleiner und grüner geworden.
Für das Probetraining sollten sie so weit zurückgegangen sein, dass ich mitmachen kann.

Und dann ist er da: Der erste Tag.
Ich bin seit ein paar Tagen schon wieder im Training gewesen, damit ich mich noch ein bisschen einspielen kann, habe Glückwünsche von allen Seiten bekommen und mich auch mental darauf eingestellt nun drei Tage alles richtig machen zu müssen, trotzdem bin ich am Morgen extrem aufgeregt.

Mit Lena habe ich die letzten Tage noch ein paar Mal telefoniert, meist Abends, nachdem sie ihr Training absolviert hat und ihr daher etwas freie Zeit zur Verfügung steht.
Wir reden dann meist sehr lang, bis Sara von irgendwo anders ins Zimmer kommt. Die Gespräche sind nicht immer qualitativ hochwertig, meist wünschen wir uns einfach nur für den nächsten Tag Glück, aber wir versuchen uns auch gegenseitig Tipps zu geben.  
Nach dem Spiel gegen China, das ich natürlich auch verfolgt habe, muss Lena mir Haarklein erzählen, was alles vorher, währenddessen und nachher abgelaufen ist.
Sie beschreibt mir auch die gute Stimmung im Team, wie die Trainingseinheiten sind und wie gut sie sich mit wem versteht.
Natürlich lachen wir auch viel und die Vorfreude auf unser Treffen in ein paar Tagen steigt enorm.
Obwohl Lena weit weg ist, fühle ich mich ihr so ganz nah und sie schafft es auch immer wieder, meine Nervosität etwas weiter abzubauen.

Das klappt an allen Tagen, außer an denen des Probetrainings selbst.
Ich bekomme von meinem Frühstück nur die Hälfte runter, mache mich schon viel zu früh fertig, nur um dann Minutenlang auf-und abzulaufen und damit auch die anderen nervös zu machen.
Im Kopf gehe ich alle möglichen Szenarien durch, die mich erwarten könnten. Neben "was für Aufgaben könnte ich bekommen" bis hin zu "was passiert, wenn ich nichts hinbekomme" ist alles dabei.
Mit Paul habe ich auch schwierige Sachen geübt bis zum abwinken, dafür lohnt es sich, dass wir gut aufeinander zu sprechen sind.

Meine Mutter fährt mich hin, aber Luca will mich unbedingt auch begleiten.
Ich überprüfe fünf mal, ob ich meine Trainingssachen, sowie Einverständniserklärungen und alles mögliche andere dabei habe, dann fühle ich mich zumindest besser vorbereitet.
Bei der Hinfahrt ist es sehr still. Ich schaue aus dem Fenster und versuche mich auf die bevorstehende Aufgabe zu fokussieren und Luca und meine Mutter erkennen, dass ich gerade Ruhe brauche.

Erst bei der Verabschiedung reden wir wieder miteinander. Meine Mutter umarmt mich ganz lang und fest und auch Luca nimmt mich in den Arm. Dabei flüstert er mir ins Ohr: "Lena hat gesagt du bist eine sehr gute Fußballerin und sie glaubt an dich. Ich auch."
Ich grinse.
"Danke. Ich werde mich auf jeden Fall anstrengen."
Lena glaubt an mich. Das gibt mir Kraft. Ich winke den beiden im Auto noch einmal zu, atme tief durch und gehe dann zielstrebig auf das Trainingsgelände zu. Na dann, auf geht's!

Zuerst werden wir alle begrüßt und einander vorgestellt. Es sind noch fast 10 weitere Bewerberinnen erschienen, was mich noch einmal nervöser werden lässt. Alle scheinen Älter und Größer als ich zu sein und selbst das Physiotraining, dem ich mich wegen Paul unterzogen habe scheint das nicht kompensieren zu können.
Das Team erklärt uns auch, welche Aufgaben wir die nächsten Tage haben werden.
Heute werden wir generell Dribbling, Passspiel und Übungen zu zweit machen, die nächsten Tage dann kleinere Spielformen mit Torschuss und am letzten Tag noch einmal alles zusammen mit einem Spiel am Ende.

Das hört sich ganz schön anstrengend an für den ersten Tag und ich gehe in Gedanken sofort noch einmal durch, was ich beim Dribbling letztens noch für Defizite hatte und welche Dinge schon gut gelaufen sind.

Es sind Stationen aufgebaut worden und wir werden zufällig darauf verteilt. Ich komme gleich zu einer Partnerübung und nachdem uns erklärt wurde, dass wir uns beim Laufen einen Ball zuspielen müssen, teils mit Hindernissen, teils noch mit anderen kleinen Aufgaben, geht es los.
Meine Partnerin schaut mich etwas abschätzend an, was wohl daher kommt, dass sie fast einen Kopf größer ist.
Trotzdem stellt sie sich noch kurz vor, bevor wir beginnen. Sie heißt Sara und ist 18.
Zwei Jahre älter also und bestimmt einiges mehr an Erfahrung. So wird es bestimmt bei so ziemlich allen sein, die hier dabei sind.
Im Gegensatz zu der Mannschaft von Paul und der U17 ist das hier schon im Probetraining ein viel höheres Level.
Wir beginnen. Ich finde mich relativ schnell rein und kann die ersten Runden fehlerlos ausführen.
Bald werden die Aufgaben schwieriger und ich habe Mühe damit meine Konzentration dadurch nicht vom Ball abzulenken.  
Ein kleiner Fehler unterläuft mir, bevor wir an die nächsten Stationen geschickt werden.
Ich blicke noch zurück und sehe, dass die Stationsleiter sich schon eifrig Notizen machen.
Viele Fehler dürfen mir bei so einer peniblen Buchführung eindeutig nicht unterlaufen.
An der nächsten Station sollen wir einen Ball mit wechselnder Geschwindigkeit um Hütchen und Stangen dribbeln.
Der Ball verspricht mir gleich zu Beginn und ich ärgere mich über mich selbst.
"Konzentration!", ermahnt mich die Stimme in meinem Kopf.
"Denke nur an die Aufgabe."
Ich denke mich zur zweiten Runde noch etwas mehr rein und es läuft schon besser.
Ab der dritten Aufgabe vergesse ich schon fast, wo ich bin, wodurch mir alles viel einfacher fällt und ich, nachdem die Zeit abgelaufen ist wieder glücklich über meine Performance bin.

Die dritte Station will, dass jeweils einer Stürmer und einer Verteidiger ist, wobei ich auf beiden Positionen mein Können ziemlich perfekt zeigen kann.
Dann kommt die vierte Station.
Dabei ist diese eigentlich eine Wiederholung der dritten, nur mit längeren Wegen und verschiedenen Positionen, an denen wir starten. Aber für mich stellt sie das Spezialgebiet dar.
Leuten den Ball klauen.  
Versucht meine Gegnerin an mir vorbeizukommen, schafft sie das nur,  wenn sie ihren Ball verliert.
Ich bin sehr stolz danach und denke fast schon, dass ich das Probetraining so ohne große Probleme schaffen werde.

Die nächsten Stationen machen mich noch sicherer, nur kleine Fehler schleichen sich ein.
So vergehen die Stunden sehr schnell, bis ich mich an der zweitletzten Station für heute befinde.
Ich bin schon etwas kaputt von dem vielen Denken, Laufen und Spielen, weshalb meine Konzentration nicht unbedingt die Beste ist.

Es stehen verschiedene Hindernisse aufgestellt in einem Parcours, den wir durchlaufen müssen. Dabei sollen wir versuchen möglichst schnell und effektiv an den Hindernissen vorbeizukommen.
Ich starte als zweite, weshalb ich ein wenig schauen kann, was die Bewerberin vor mir macht.
Ich selbst versuche es dann auch so umzusetzen, aber es gelingt mir nicht. Der Ball bleibt irgendwie fast überall stecken und als ich die erste Runde durchlaufen habe, steigen mir die Tränen in die Augen. Verdammt!
Wenn ich die Station so weitermache,kann ich mir die erste Mannschaft abschmieren!
Beim zweiten Durchgang versuche ich mich besser zu fokussieren, was auch klappt, aber meine Sicht ist durch den Tränenschleier immer noch etwas verschwommen.
Die Fehler werden weniger, aber nicht Null, was mich erneut frustriert.
"Krieg dich ein!", denke ich.
"Trübsal blasen bringt doch nichts. Es sind so viele Menschen da, die an dich glauben, also bekommst du das auch hin!"
Motivierter gehe ich in die dritte Runde und tatsächlich. Es läuft besser.
Am Ende bin ich zwar immer noch nicht komplett Fehlerfrei, aber zu dem, wie ich angefangen habe, ist es praktisch eine Entwicklung von 0 auf 100.

Nur noch die letzte Station fehlt mir. Dort werden allgemeine Regeln abgefragt, wobei ich mich oft melden kann und auch meistens die richtige Antwort weiß.
Insgesamt sollte es also gar nicht so schlecht gelaufen sein. Nur die zweitletzte Station ärgert mich.

Am Ende werden wie noch einmal alle zusammengerufen.
"Wir verabschieden uns dann für heute von euch. Geht Duschen, ruht euch aus und kommt dann Morgen natürlich auch wieder.
Wir werden schon einmal die Ergebnisse von heute auswerten, ihr bekommt sie aber noch nicht gesagt.
Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr natürlich gerne auf uns zukommen.
Wir können sie dann hoffentlich auch zufriedenstellend beantworten. Ansonsten: Machts gut und bis morgen!"

Ich verabschiede mich und mache mich dann auf den Weg zum Parkplatz, damit meine Eltern mich mitnehmen können.
Ich bin noch nicht weit gekommen, da sehe ich einen weißen Audi hektisch den Parkplatz verlassen.
Paul. Schon wieder.
Schaut er jetzt auch noch, ob ich auch wirklich zu dem Probetraining gehe, oder will er schon die nächsten Aufgabenschwerpunkte für mich herausfinden?
Ich schüttele den Kopf. Das kann auf jeden Fall nicht sein Ernst sein.

Bald erscheint auch unser Auto und ich steige ein.
"Wie war es?", fragt mein Vater, der am Lenkrad sitzt.
"Hast du was schaffen können?"
Ich grinse.
"Ja, es lief alles ganz okay", gebe ich als Antwort.
Dann fahren wir heim.
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