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Das Leben ist ein mieser Verräter

von LilaLemon
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) SGS Essen TSG 1899 Hoffenheim VFL Wolfsburg
07.08.2020
20.08.2021
38
92.632
9
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11.08.2020 1.606
 
POV Lena

Das schöne Sommerwetter von gestern hat über Nacht mit dem typischen Nordseewetter getauscht: Es regnet in Strömen. Um mich nicht zu langweilen, schaue ich ein paar Folgen "Haus des Geldes", allerdings würde ich lieber mit irgendjemandem reden oder zumindest schreiben. Meine Freunde reagieren nicht auf meine Nachrichten, sie sind bestimmt unterwegs. Am liebsten hätte ich die Telefonnummer von Nora. Immerhin ist sie in der gleichen Situation wie ich.
Meine Eltern sind Einkaufen gegangen und mein Bruder hängt ebenfalls am Handy. Meine Familie ist also ebenfalls keine Gesellschaft. Ich seufze und konzentriere mich wieder auf die Handlung der Serie. Es ist wohl echt nicht viel zu machen.

Erst am Mittag klart der Himmel auf. Ich beschließe, eine Runde joggen zu gehen, schließlich soll meine Kondition in den Ferien nicht leiden müssen. Ich umrunde den Campingplatz und biege auf halber Strecke noch in einen Wald ein.
Irgendwann fällt mir auf, dass ich immer weiter vom Campingplatz wegkomme, allerdings keine Abzweigung zurück finde. Gerade will ich umdrehen, da höre ich Stimmen.
Zwischen dem Geäst sind zwei Wagen zu sehen. Ein blauer und ein weiser. Hat Noras Familie nicht ein weises Auto? Ich drosseln mein Tempo und komme näher heran. Die Stimmen werden lauter, zu verstehen ist nur wenig. Der weise Wagen sieht allerdings wenig nach dem Auto von unseren Nachbarn aus. Aber ich glaube aus dem Gemurmel einen Namen herauszuhören. "Nora" . Inzwischen sind Gesprächsfetzen hörbar. "...allein ist. Erst dann..." "Nein!...noch warten...früh. Denke an das Ziel!" Der letzte Satz wird etwas lauter gesagt, weshalb ich ihn so gut verstehe. Er brennt sich in mein Gehirn ein und klingt in meinem Kopf immer bedrohlicher. Auf leisen Sohlen drehe ich um und schleiche weiter weg. Ich will nicht bemerkt werden. "Denke an das Ziel", hallt es in meinem Kopf nach.
Ich merke, wie mein Herz schneller schlägt. Das liegt bestimmt nicht am Laufen. Erst als ich die ersten Zelte und dahinter die Ferienhäuser erkennen kann, beruhige ich mich mehr. Ich versuche das gruselige Ereignis aus meinem Kopf zu verdrängen, als ich die Anlage betrete.

POV Nora

"Ja, höher." Luca kreischt vor Vergnügen, als ich der Schaukel einen weiteren Schubs gebe. Wie einfach fünfjährige Brüder zufriedenzustellen sind. Ich war ebenfalls froh gewesen aus dem engen Häuschen herauszukommen, weshalb ich auch bereit gewesen bin mit Luca zu spielen. Allerdings bin ich jier so nutzlos wie vorher, denn der Morgen hat nur aus Frühstück und Kartenspielen bestanden, bei denen Luca praktisch immer gewonnen hat.
Ich gebe meinem Bruder noch einmal ordentlich Schwung. Er liebt schaukeln über alles. "Noch höher!", quengelt er. "Du machst noch einen Überschlag", scherze ich: "Höher geht nicht".
"Hi", ruft es plötzlich hinter mir. Ich drehe mich um. Dort steht Lena. Anscheinend hat sie gerade Sport gemacht.
"Hallo Berühmtheit." Ich winke. "Berühmtheit?" Lena kommt auf mich zu und sieht mich fragend an. Ich muss grinsen. Gestern Abend habe ich sie kurz gegoogelt. Ich wollte wissen, in welcher Mannschaft sie Fußball spielt, das hat sie nämlich nicht verraten. Zwar hat sie gesagt, dass sie in einer höheren Liga spielt, aber dass das gleich die Bundesliga ist, hätte ich nicht gedacht.
Mit Fußball habe ich selbst eigentlich nicht so viel am Hut, ich glaube nicht, dass ich sonderlich begabt bin, aber mein kleiner Bruder und mein Vater spielen im Verein in unserer Heimatstadt. Manchmal schaut man da dann zu. Aber auf so jemanden wie Lena trifft man nicht alle Tage.
"Warum hast du mir nicht gesagt, dass du so gut Fußball spielst?", entgegne ich. Jetzt lächelt sie ebenfalls.
"Dann hättest du und bestimmt alle anderen im Wasser nach einem Autogramm gefragt und ich wäre beim unterschreiben untergegangen. Immerhin spiele ich nur Fussball. Schwimmen ist nicht meine größte Stärke", scherzt sie und zwinkert mir zu.
"Ach was, ich hätte dich bestimmt gerettet", antworte ich. Lena lacht nur. "Das will ich hoffen."
"Und was machst du heute noch so?", frage ich.
"Ach wahrscheinlich nichts besonderes. Ich habe mich schon heute morgen die ganze Zeit gelangweilt", meint sie.
"Oh ich auch. Allerdings hat meine Familie leider ziemlich viele Spiele mitgenommen und ich habe ungefähr hundert mal gegen meinen Bruder verloren." Wie zur Bestätigung gebe ich Luca ein weiteres Mal Schwung.
Lena ringt innerlich etwas mit sich. Ich kann es ihr ansehen. Meine Augenbrauen wandern nach oben. "Sollen wir Nummern austauschen? Ich meine, falls wieder so ein schreckliches Wetter ist, hätten wir dann wenigstens jemanden, der unser Schicksal teilt", sagt sie schließlich.
"Klar", antworte ich. Schon tauschen wir Handys und jede tippt ihre Nummer in das Handy der jeweils anderen.

Am Abend bekomme ich eine Nachricht von Lena.

Hi, wie geht es dir so? ;)

Gut natürlich :) Dir?

antworte ich.
Wir schreiben noch eine Weile hin-und her, über unsere Familien, was wir in der Schule für Freunde haben, wo wir wohnen und wie es dort so ist und so weiter. Dann gehen wir schlafen.

POV Lena

Nachdem ich mein Handy ausgeschaltet habe, fällt mir die komische Begegnung im Wald wieder ein. Den ganzen restlichen Tag konnte ich mich ablenken, aber jetzt sind die Bilder und vor allem die Worte wieder präsent. Plötzlich fällt mir noch etwas beunruhigendes auf: Die Leute hatten Deutsch gesprochen! Beunruhigend ist das deshalb, weil sie in einem Wald in den Niederlanden standen. Das heißt, sie sind extra hierher gefahren und haben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch etwas mit uns zu tun. Ich hätte Nora fragen sollen, ob sie auch etwas seltsames bemerkt hat. Ich entsinne mich im selben Moment daran, dass ihr Name in dem Gespräch vielleicht sogar erwähnt worden ist. Meine Unruhe wächst, hält mich vom Schlafen ab. Um mich zu beruhigen versuche ich mir einzureden, dass ich den Kontext des Gesprächs ja überhaupt nicht kenne, eine andere Nora gemeint war oder ich den Namen falsch verstanden habe. Wahrscheinlich waren das sowieso nur zwei Urlauber. Aber irgendwie passt das auch alles nicht.
In der Nacht schlafe ich schlecht. Ich komme erst am Morgen wieder auf andere Gedanken, denn meine Eltern wollen wandern gehen.

Hey, was machst du so heute? :)

Mein Handy zeigt die neue Nachricht von Nora an.

Wandern :/ Ihr habt bestimmt bessere Pläne, oder?

Nein... Wir schauen uns tooolle Städtchen an :q

Ich muss lächeln.

Na dann wünsche ich uns beiden viiiel Spaß. :p

schreibe ich zurück.

:))

kommt keine zwei Sekunden später zurück. Ich habe das Gefühl, dass ich die gute Stimmung nicht mit noch mehr blöden Neuigkeiten zerstören sollte.

POV Nora

Ich überstehe den Tag. Wenn auch nur knapp. Wenigstens bekommen ich und Luca am Ende ein Eis. Hätten die Städtchen nicht alle gleich ausgesehen und es zu den Windmühlen noch andere Bauwerke gegeben, hätte ich den Ausflug vielleicht sogar gemocht. "Arme Lena", denke ich. Anscheinend mag sie wandern so wenig wie ich.
Abends treffen wir uns wieder. Ich bringe eine Decke mit und mit der ist auch die Spielplatzwiese ganz gemütlich.
"Und, bist du auch gestorben", fragt sie mich. "Ja, vor Langeweile. Das was ich jetzt über niederländische Dörfer sagen kann ist, dass sie alle eine Windmühle haben und praktisch genau gleich aussehen."
"Oh du arme. Mir sind zwar nicht die Füße abgefallen, aber gekocht haben sie. Ich übrigens auch." Wir lachen eine Weile über unser Selbstmitleid, dann wird Lena plötzlich ernst. Starr guckt sie zwischen zwei Ferienhäusern hindurch auf den Weg, der dort verläuft. Jetzt parkt ein blauer Ford darauf. Ich keuche auf. Die Erinnerung an den unheimlichen Verfolger vom Anreisetag kommt plötzlich wieder zurück.
Was macht der hier? Warum ist er uns die ganze Zeit hinterhergefahren, aber nicht gleich mit auf den Campingplatz? Und dann fällt mir auf: Kennt Lena ihn auch? So wie sie in die Richtung des Autos schaut, könnte man das meinen. "Nora, lass uns reingehen, mir ist kalt", sagt sie im selben Moment.
"Dann gehen wir kurz zu mir", antworte ich.
Wir setzen uns auf mein Bett. Unser Häuschen ist weiter von dem blauen Auto weg, als ihres. Ich bin mir nun fast schon sicher, dass Lena das Auto ebenfalls kennt, und frage sie deshalb.
"Also, an dem Regentag war ich ja joggen", beginnt sie. "Ich bin etwas weiter vom Campingplatz weg gelaufen. In einen kleinen Wald. Irgendwann habe ich bemerkt, dass, wenn man zurück will, umdrehen muss, da keine Abzweigung mehr kam. Ich habe aber gleichzeitig zwei Autos gesehen. Also sie waren natürlich etwas vom Gestrüpp und so verdeckt, deshalb dachte ich auch erst, dass eines der beiden Fahrzeuge eures wäre. Es war eben weiß. Das andere war blau. Zwei Männer haben sich unterhalten. Ich habe sie nicht gesehen und gehört habe ich auch nicht alles, aber irgendetwas haben sie von "warten" und einem Ziel gefaselt. Irgendwie fand ich das ganze gruselig, auch dass sie Deutsch gesprochen haben, aber extra in dem Wald hier rumgesessen sind. Ich bin dann zurück zum Campingplatz, da wart ihr dann. Deswegen hatte ich es bis gerade vergessen. Aber das blaue Auto da war bestimmt das selbe wie im Wald."
Das wird ja immer gruseliger. Das Auto verfolgt mich und der Fahrer trifft andere Leute zum Kaffeeklatsch im Wald.
"Weißt du, warum mir das ganze unheimlich ist?", antworte ich nun. Lena schüttelt den Kopf und sieht mich erwartungsvoll an. "Das Auto das da stand ist uns an unserem Anreisetag gefolgt. Von einer Raststätte aus. Erst als wir hier eingebogen sind, ist es anders gefahren. Was geht hier vor sich?!"
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