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Das Leben ist ein mieser Verräter

von LilaLemon
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) SGS Essen TSG 1899 Hoffenheim VFL Wolfsburg
07.08.2020
04.06.2021
33
75.787
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06.10.2020 2.254
 
POV Nora

Die nächste Woche vergeht wie im Flug und jeden Tag werde ich aufgeregter, dass es nun endlich klappt.
Lena wird wohl um 4 Uhr Nachmittags am Freitag ankommen, weshalb ich Isa auf halb 5 bestelle. Da sie aber sowieso immer zu spät kommt, werden Lena und ich wahrscheinlich eher eine dreiviertel Stunde Zweisamkeit haben.
Meine Eltern haben sich sogar extra überlegt, wo sie mit Luca hingehen wollen, damit wir am Freitagabend ungestört unseren Mädelsabend verbringen können.
Mir wäre es natürlich lieber, wenn Lena und ich noch das ganze Wochenende über Sturmfrei hätten, aber nun muss ein Abend wohl ausreichen.
Meine Mutter hat uns sogar die Menükarten von dem Griechen in unserer Nähe und auch einem Pizzalieferdienst besorgt.
So können wir uns selbst aussuchen, was wir essen wollen.
Das einzige, was die gute Laune nun trübt ist ein Anruf von Paul.
Meine Mutter hat das Telefon abgenommen und kommt deshalb kurze Zeit später mit einem entschuldigenden Gesicht in mein Zimmer. Ihr Mund formt "Paul", dann drückt sie mir das Telefon auch schon in die Hand und ist wieder verschwunden.
"Nora, ich kann es einfach nicht verstehen, dass du das Wochenende nicht sinnvoll nutzen willst", fängt er an. Eine Begrüßungen wäre auch ganz nett, denke ich. Ich verdrehe die Augen.
"Es wäre bestimmt schön gewesen und natürlich auch hilfreich, aber ich habe einfach zu wenig Zeit, Paul. Letztens fühle ich mich dann im Training bei Hoffenheim ganz schön schlapp. Außerdem haben wir auch viel in der Schule zu tun", wimmle ich ihn ab.
"Nora, du hast gesagt, dein Ziel ist es besser als Lena Oberdorf zu werden. Von dem Ziel sehe ich nichts mehr. Wo ist denn deine Entschlossenheit und dein Durchhaltevermögen hin?"
"Natürlich will ich sogut wie möglich sein. Und natürlich auch irgendwann die beste junge Spielerin. Aber eben nicht dieses Wochenende".
"Was machst du denn genau an dem Wochenende?"
"Ähm, wie gesagt, Schulaufgaben und Regeneration."
"Regeneration hast du in der Schule und du brauchst ganz sicher kein ganzes Wochenende für die Schule. Du sollst dich doch nicht immer ablenken lassen. Sonst kommst du nie an deiem Ziel an. Das habe ich dir auch schon vorher gesagt, aber du wolltest ja nicht auf mich hören. Ich frage mich, warum du aus letztem Jahr nichts gelernt hast".
Ich lege auf.
Seine Predigten kann er sich sonst wo hin stecken. Ich jedenfalls habe genug davon, dass er mich runter macht. Von wegen "Ich verfolge mein Ziel nicht und habe nichts gelernt aus letztem Jahr".
Wenn er damit in irgendeiner Weise auch Lena meint, ist er sowieso unten durch bei mir. Kann er es nicht respektieren, dass ich auch mal meine Ruhe brauche?

Donnerstagabends hieve ich nach dem Fußballtraining gemeinsam mit meinem Vater eine Matratze für Lena in mein Zimmer.
In der Nacht kann ich fast nicht schlafen. Alle möglichen Szenarien spuken in meinem Kopf herum. Vor allem macht mir Isas Vater dabei Angst.
Was wird er machen? Wird er überhaupt etwas tun, oder reicht ihm die Information, dass Lena hier sein wird?
Diese Überlegungen halten mich noch lange wach. Auch die Frage, ob Isa irgendetwas mit den Tätigkeiten ihres Vaters zu tun hat, lässt mich nicht mehr los. Kann ich ihr überhaupt vertrauen? Aber warum sollte ich das nicht? Andererseits habe ich sie ja auch über sehr viel in meinem Leben wissen lassen. Kann es sein, dass sie mich nur ausnutzt? Mein Verstand sagt nein, aber mein übdrmüdetes Gehirn überlegt trotzdem weiter.
Irgendwann ermahne ich mich dazu, zu schlafen, was mir dann auch bald gelingt. Als ich am nächsten Morgen aber aufwache, sind die Überlegungen wieder da.
Ich bin also in der Schule doppelt hibbelig. Teilweise überwiegt die Freude über Lenas kommen, teilweise aber auch die Angst vor allem möglichen.

Die Stunden ziehen sich ewig hin, bis es endlich 4 Uhr ist. Meine Eltern haben sich schon verabschiedet und sind mit Luca im Gepäck nach Stuttgart gefahren.
Er bekommt nun ein All-inclusive Programm mit shoppen auf der Königstraße (was wohl die Idee meiner Mutter war), ganz viel Straßenbahn fahren und in einem Restaurant seiner Wahl essen gehen, nach dem Kino Besuch um 7 Uhr.
Außerdem wollte auch Lenas Mutter noch für ein oder zwei Stunden dazustoßen, nachdem sie Lena abgeladen hat.
Das heißt, dass die drei bestimmt nicht vor 11 Uhr abends zurück sind, was ich eindeutig nicht als schlecht ansehe. Isa muss nämlich schon um 9 Uhr wieder gehen, was mehr Zeit mit Lena alleine bedeutet.

Ich lasse zum bestimmt hundertsten Mal meinen Blick über das aufgeräumte Zimmer schweifen, dass auch ja nicht neben dem zugewiesenen Platz steht.
Vor lauter Aufregung merke ich gar nicht, dass ich die ganze Zeit wie blöd grinse. Ich freue mich einfach zu sehr auf das Wiedersehen.
Vorgenommen habe ich mir eigentlich, dass ich Lena diesmal als erstes meine Gefühle offenbaren werde.
Erstens ist das fair und zweitens vielleicht auch notwendig. Ich hoffe nur, dass Lena sie auch erwidert.

Das Klingeln an der Haustür reißt mich aus meinen Gedanken. Ich spurte die Treppe nach unten und bereite mich dabei Mental auf den Besuch vor.
Kaum habe ich die Türe aufgemacht, blicke ich auch schon in Lenas grinsendes Gesicht.
"Hi!", sage ich.
"Hi", sagt Lena. Dann fallen wir uns in die Arme. Ich drücke sie fest an mich und will sie gar nicht mehr loslassen.
"Ich habe dich vermisst", flüstere ich.
"Ich dich auch", flüstert Lena zurück.

Langsam lösen wir uns wieder aus dem Klammergriff und ich bemerke, dass Lenas Mutter nicht weit hinter ihr steht und ihren Koffer aus dem Auto ausgeladen hat.
Ich begrüße nun auch sie. Natürlich nicht mit einer Umarmung wie bei Lena, aber das nimmt sie mir bestimmt nicht übel.
"Ich helfe Lena nur noch schnell mit dem Koffer, dann bin ich auch wieder weg", grinst sie.
"Den Koffer kann ich auch alleine", beeilt sich Lena zu sagen.
"Na, gut ich merke schon ihr habt euch viel zu sagen. Dann will ich auch nicht weiter stören", lächelt Frau Oberdorf. "Lena, ich hole dich dann am Sonntag wieder ab".
Lena umarmt sie noch, dann steigt sie ins Auto und fährt weg.

Eine peinliche Stille entsteht zwischen mir  und Lena, als wir nun alleine vor dem Haus stehen. "Lass uns reingehen und deine Sachen in mein Zimmer bringen. Isa kommt erst in einer halben Stunde", sage ich.
Sie stimmt mir zu und Dann helfe ich ihr ihren Koffer in mein Zimmer zu  bekommen, so, wie sie es auch schon mit meinem gemacht hat.
Ich lasse mich auf mein Bett und Lena sich auf meinen Schreibtischstuhl fallen.
"Ok, was machen wir jetzt wegen Isas Vater?", fragt sie.
"Ich weiß es einfach nicht", antworte ich.
"Manchmal denke ich, dass das ganze ein  Missverständnis war und ich mir nur eingebildet habe, dass er und das Auto die sind, die uns gestalkt haben. Aber dann bin ich mir wieder dabei sicher.
Ich hab Angst, dass etwas passieren könnte", fahre ich fort.
"Ich ganz ehrlich auch. Aber sagen würde ich Isa davon erst einmal nichts. Sie da reinzuziehen bringt uns nichts und wir würden ihr nur irgendetwas, was bestimmt nicht wahr ist vorwerfen."
"Ja, das stimmt. Ich würde sowieso sagen, dass der heikle Tag wenn dann heute ist. Morgen weiß ihr Vater nicht, was wir machen werden und wo wir sind."
"Also, wir überstehen den Abend und dann konzentrieren wir uns auf andere Sachen", meint Lena.
"Genau-", bekomme ich noch raus, dann blicke ich auf und sehe, dass Lena zu mir kommt.
"Setz dich zu mir", fordere ich sie auf. "Wer sagt, dass wir uns erst morgen auf andere Sachen konzentrieren können?", frage ich, dann ziehe ich die nun doch etwas verdutzte Lena zu mir herunter und presse ihr einen Kuss auf die Lippen.
"Ich liebe dich nämlich immer noch", erkläre ich mich.
Lena sieht mir direkt in die Augen und ich kann ihre Unentschlossenheit förmlich greifen. Nun kommen auch mir die Zweifel. War es doch nicht so schlau gleich wieder den Offensivkurs zu fahren? Hätte ich lieber warten sollen? Ich lassemeine Hände sinken und will mich schon fast wieder entschuldigen, da flüstert Lena: "Ich dich auch".

Nun sind es ihre Hände, die mich zu ihr ziehen. Weich landen ihre Lippen auf meinen. Das Gefühl, dass mich durchströmt ist unbeschreiblich. Eine Mischung aus Schmetterlingen im Bauch, extremer Freude und noch größerer Erleichterung packt mich.
In Gedanken schlage ich Purzelbäume und Räder auf einer Blumenwiese, bis ich mich im nächsten Moment Händchenhaltend mit Lena darüberrennen sehe.
Sie liebt mich immer noch.

POV Lena

"Ich liebe dich nämlich immer noch".
Ein Satz und Nora hat mich schon wieder komplett aus der Bahn geworfen. Ist ja nicht so, als wäre dafür wirklich der Satz nötig gewesen. Sie hat es wirklich gesagt. Ich schaue ihr in die Augen. Meint sie es wirklich ernst? Kann sie es ernst meinen? Ich hatte mir eigentlich eingeredet, dass ich auf gar nichts mehr warten muss, weil bestimmt sowieso nichts kommt.
Aber Nora war mal wieder schwer zu durchschauen. Da ist es besser, sich nicht zu hohe Ziele zu setzen.
Ich kann Zweifel und auch etwas Angst in ihrem Blick erkennen.
Bereut sie, was sie getan hat?
Sie soll es nicht bereuen, es war wunderbar! Es war die Erfüllung so vieler Träume. Sie darf es nicht bereuen!
"Ich dich auch", flüstere ich deshalb und ergreife meinerseits die Alternative. Wenig zu denken ist in vielen Fällen hilfreich.
Endlich kann ich es tun. Alles wird wieder so, wie es mal war. Zwei verliebte Teenager, die sich von nichts aufhalten lassen.
Die sich bei jedem Blick neu verlieben und bei jedem Kuss kreischen könnten vor Freude. So ist es jetzt endlich wieder. Wie sehr ich das vermisst hatte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit trennen wir uns wieder voneinander.
"Ich hätte nicht gedacht, dass deine Gefühle auch noch so sind, wie davor", sage ich, nachdem wir uns beide auf Noras Bett fallen gelassen haben und eine ganze Weile nur kuschelnd dagelegen sind.
"Sie haben nie aufgehört. Ich hatte das selbe bei dir gehofft", erwidert Nora.
"Bei mir ist es genauso. Deshalb habe ich auch ewig gebraucht, deinen Verlust wegzustecken. Ich bin froh, dass du wieder normal schreiben kannst."
"Ich auch, glaub mir. Ich war so glücklich, als wir unseren Streit endlich beenden konnten. Lustig, dass wir beide dieselbe Erklärung für unser gegenseitiges Desinteresse gefunden haben."
"Ja, das ist schon etwas seltsam. Aber was war denn eigentlich nicht seltsam seit Tag eins mit dir?", frage ich und grinse.
"Stimmt. Alles war seltsam. Aber am Anfang war es schön."
"Und dann, wenn es am schönsten war, war es nicht mehr schön", führe ich ihren Gedanken weiter.
"Das Leben ist einfach ein mieser Verräter", schmunzelt Nora.
"Wenn man gerade denkt, man hat Glück, kommt ganz sicher das Pech um die nächste-"
Ding! Dong!
Vor Schreck springt Nora auf.
"Oh man, ja auch die Situation bezogen gerade wieder", meint sie.
"Ich lasse mal schnell Isa rein. Willst du mitkommen?"
"Jap", sage ich und wir laufen zusammen zur Haustür. Mal sehen, ob sich Isas Vater auch hergetraut hat.

Isa wird wie ich von ihrer Mutter hergebracht. Ob das nun nur für uns oder auch für sie gut ist, ist fraglich.

Kurze Zeit später sitzen wir zu dritt in meinem Zimmer. Nora und ich lassen uns natürlich in größerem Abstand zueinander nieder, als vorher. Isa muss auch nicht alles wissen. Die schaut schon fast ehrfurchtsvoll zu mir, als ich frage, wie lange sie nun schon Fußball spielt.
"Eigentlich schon seit ich laufen kann", meint Isa.
"Ich auch", grinse ich Nora an. Ihr ist natürlich klar, was ich damit sagen will.
"Ja bei mir war es erst vor nicht mal einem Jahr", sagt sie und verdreht die Augen.
"Dafür spielst du aber viel besser als andere, die schon früher angefangen haben", verteidigt Isa sie.  
"Danke, wenigstens von dir werde ich noch unterstützt", lacht Nora.
"Ach komm, machs nicht zu theatralisch", entgegne ich.
"Du kommst doch aus NRW, oder?", fragt Isa plötzlich.
"Ja, warum?", frage ich sie.
"Mein Onkel kommt aus Münster", antwortet sie. Bevor ich etwas sagen kann, geht Nora dazwischen: "Davon hast du mir noch gar nichts gesagt."
"Ja, war auch vorher noch nicht so wichtig.
Aber jetzt ist es mir eingefallen, weil wir nachher noch zu ihm fahren. Ich habe ihm auch schon von dir erzählt, Lena, aber er kannte dich schon."
Nora schaltet am schnellsten.
"Ist er der Bruder von deinem Vater, oder von deiner Mutter?", fragt sie.
"Der Zwillingsbruder von meinem Vater. Die beiden haben praktisch alles gleich. Sie sind ja auch eineiige Zwillinge. Ich glaube sogar, dass mein Onkel dasselbe Auto hat, wie wir. Immerhin ist seine Lieblingsfarbe blau, wie die von meinem Vater."

Nora und ich schauen uns an.
"War er zufällig letzten Herbst in Holland?", frage ich.
"Ja, ich glaube das war er sogar." Isa schaut etwas verwirrt zwischen uns hin und her.
"Und ich glaube, wir kennen ihn schon", erwidere ich.
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