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Das Leben ist ein mieser Verräter

von LilaLemon
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) SGS Essen TSG 1899 Hoffenheim VFL Wolfsburg
07.08.2020
04.06.2021
33
75.787
7
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02.10.2020 2.088
 
POV Nora

Lenas WM rückt immer näher. Täglich schreiben wir uns nun über mein neues Handy, das ich mir gleich nach dem Lehrgang gekauft habe. Bis jetzt hat Lena alle Nachrichten von mir bekommen, daher scheint es eine gute Investition gewesen zu sein. Natürlich hat es auch meine alte Hülle bekommen.

Der Lehrgang war nur in einer gewissen Weise erfolgreich. Natürlich ist es immer toll, wenn man in ein besseres Team eingeladen wird und das Nationalteam ist natürlich nicht zu toppen, alleine schon wegen der Erfahrung.
Ich habe auch einiges an neuen Ideen für mich selbst mitnehmen können und freue mich schon darauf, das dann auch einmal anzuwenden.
Auch neue Bekanntschaften habe ich geschlossen, die Mädels sind zum Glück alle nett und hilfsbereit, obwohl ich sie noch nicht kenne.

Für die EM bin ich noch nicht dabei, dafür war ich wahrscheinlich zu neu im Team. Aber das bringt mir nur noch mehr Ergeiz, doch mal bei einem großen Turnier dabei zu sein.
Maren Meinert hat mich auch immer wieder gelobt, was ich natürlich Lena und Paul erzählt habe.
Paul versucht mich nun nur noch mehr zu fördern und so werden seine Trainings immer intensiver, was ich einerseits gut finde, andererseits nimmt es mir auch langsam die Kraft und vor allem die Zeit. Denn Schulaufgaben machen sich nicht von selbst.
Ich hüte mich auch davor, mein Handy ins Training mitzunehmen und natürlich auch ihm von Lena und mir zu erzählen. Wenn er schon früher nicht gut auf das Thema zu sprechen war, ist es jetzt ganz sicher nicht anders.

Je näher die WM rückt, desto mehr passiert auch.
Das erste, was geschieht ist, dass meine Mutter eines Tages freudestrahlend in mein Zimmer kommt.
"Du hast mir noch gar nicht erzählt, dass du dich wieder mit Lena verträgst", meint sie.
"Wollte ich noch, aber eigentlich war es mehr so eine Überraschung", erkläre ich. Lena und ich haben nämlich ausgemacht, dass sie ihren Besuch von letztem Jahr doch noch wahrnehmen will. Vor der WM. Wir mussten also schnell einen Termin finden. Der ist erst zwei Wochen, bevor sie nach Frankreich fliegt und damit schon ganz schön nahe.
Eigentlich wollte ich meiner Mutter von einem Überraschungsgast erzählen, aber anscheinend hat Lenas Mutter unseren Plan schon vorher weitergegeben.
"Das freut mich so unglaublich für euch. Ich hab dir doch gesagt: Wenn du nichts machst, kommt auch von Lena nichts", redet meine Mutter weiter.
"Ja, das hat natürlich geholfen, wir haben unseren Streit jetzt auch geklärt", antworte ich.
"Lenas Mutter hat mir gesagt, dass sie in einer Woche schon vorbeikommen will übers Wochenende. Das ist auch eine gute Idee, aber Paul hat gerade angerufen und hat gefragt, ob du da mal ein Trainingswochenende einlegen willst. Er meinte, dass es an Schultagen langsam mit der Zeit zu knapp wird."
"Dann sag ihm, dass es nicht geht. Außerdem ist das extra Training mit ihm langsam zu viel. Da bin ich dann, wenn ich bei Hoffenheim trainiere voll ausgepowert."
"Na gut, aber du weißt, dass du einen vernünftigen Grund bei ihm brauchst, um nicht mitzumachen".
"Dann sag, dass es mir zu viel wird und ich nicht genug Zeit habe. Aber wenn du Lena erwähnst, wird er das nicht gelten lassen", sage ich.
Meine Mutter ist schon halb aus dem Zimmer. Ein beschwichtigendes "Jaja", kommt noch, dann ist sie weg. Na wenn das mal gut geht.
Der zweite große Punkt liegt im Probetraining von Isa. Ich darf dabei sein und so sind wir endlich mal wieder gemeinsam auf dem Platz.
Isa schlägt sich ganz gut und im Trainingsspiel harmonieren wir wieder einmal perfekt.
Das fällt auch meinen Mitspielerinnen auf. Als wir fertig sind und wie bei meinem Probetraining alle auf ihre Abholer warten, löchern sie uns mit Fragen, nachdem sie herausbekommen haben, dass wir schon mal miteinander gespielt haben.
"Warum warst du nicht gleich mit bei Noras Probetraining, euch sollte man im Zweierpack weggeben", fragt jemand.
Die Antwort kennen wir natürlich nur zu gut. Paul. Hätte er Isa öfter spielen lassen, wäre sie ganz sicher früher eingeladen worden.
Während sie sagt, dass sie sich erst im letzten halben Jahr noch einmal gesteigert hat, schaue ich deshalb beschämt auf den Boden.
Das ist vielleicht dann auch der Grund, warum ich mir noch vornehme, sie für den Freitagabend, an dem Lena vorbeikommt einzuladen. Lena ist so ziemlich ihr größtes Vorbild und da ich weiß, dass sie sich auch vor meiner Verletzung darauf gefreut hat, dass Lena kommt und uns sogar bei einem Freundschaftsspiel zuschauen sollte, will ich ihr diesen Wunsch erfüllen. Lena und ich haben ja dann trotzdem noch den ganzen Samstag und auch die Hälfte des Sonntags für uns. Es sollte also kein Problem darstellen.

Das denke ich und schon wartet das nächste große Ereignis schon auf seinen Einsatz.

Der Großteil der Mädels ist schon weg, während Isa und ich noch warten müssen. Das gibt uns endlich mal wieder Gelegenheit zu reden.
"Und, wie war es beim Lehrgang?", fragt sie irgendwann.
"Super, wir haben ganz viel gemacht, was mir bestimmt auch bei Hoffenheim noch hilft. Aber wenn du ins Team kommst, dann hilft das natürlich auch", grinse ich.
"Jaja, ich hoffe nur, dass es auch klappt. Paul ist bestimmt sonst nicht so gut auf mich zu sprechen, er hat immer vesucht mich noch weiter zu fördern", meint Isa.
"Durftest du auch extra Trainingseinheiten einlegen?"
"Ja, das hat er mir praktisch aufgezwungen", seufzt Isa.
"Er ist echt ziemlich auf Erfolg gebürstet", versuche ich sie zu trösten: "Ich treffe mich auch noch des öfteren mit ihm. Er will sogar in einer Woche ein ganzes Trainingswochenende einlegen, da habe ich gleich gesagt, dass er sich das abschminken kann".
"Warum brauchst du denn überhaupt noch Extra Training von ihm?", fragt Isa.
"Er meint halt, ich kann mich immer noch weiter verbessern, was ja auch in einer gewissen Weise stimmt. Aber irgendwie wird es dann auch mal zu viel."
"Und wie hast du ihn dann abgewimmelt für das Wochenende?"
"Ich habe meiner Mutter gesagt, sie soll ihm sagen, dass ich keine Zeit habe und eine Pause brauche, keine Ahnung ob sie das auch so gemacht hat."
"Und was ist die Wahrheit?", grinst Isa.
"Ich habe dir doch erzählt, dass ich mich mit Lena wieder vertrage. Und, naja, sie kommt in einer Woche vorbei", lache ich.
"Was, echt? Cool!"
"Hast du an dem Freitag vielleicht auch Zeit, weil ich finde, sie sollte dich auch mal treffen", antworte ich.
Isa sagt für ein paar Sekunden gar nichts, dann fällt sie mir um den Hals.
"Danke, Nora, du bist cool!", meint sie und ich muss Lachen.
"Wow, danke für das Kompliment", zwinkere ich.
"Aber ich kann Paul verstehen, dass er erst mal dich gefördert hat. Also sei ihm nicht immer böse", meint sie noch.
Sie hat mich also schon durchschaut. Anscheinend war es nicht so schwer den Grund für ihre Einladung herauszubekommen. Naja. Sie freut sich und das ist das wichtigste.
"Bin ich doch gar nicht", grinse ich.
Aber das Grinsen vergeht mir. Denn in dem Moment sehe ich das blaue Auto.

Nichts lässt einen Zweifel daran, dass es auch wirklich das ist, wofür ich es halte. Der blaue Ford steht in einer Parklücke und streckt Isa und mir die Motorhaube entgegen. Deshalb sehe ich auch, dass der bärtige Mann darin sitzt. Wer auch sonst?
Warum habe ich das Auto nicht vorher gesehen? War es da überhaupt schon da?
Ich verfalle in eine Schockstarre, so wie Lena sie mir vor kurzem erklärt hat. Wenn es am schönsten ist, muss immer irgendeine Kacke passieren? Was will das Auto in meiner inzwischen wieder komplett heilen Welt?!
Gerade will ich Isa auf meine Vorherigen Begegnungen mit dem Wagen vorbereiten, da umarmt sie mich plötzlich.
"War cool, dich mal wieder zu sehen, ich geb dir dann Bescheid, wie es gelaufen ist. Mein Vater holt mich jetzt ab, ich weiß nicht, warum er nicht unser schwarzes Auto genommen hat, das blaue nimmt er sonst nie. Also: Tschüssi", redet sie vor sich hin und winkt dem Mann im Auto zu.
Dann dreht sie sich um und geht.
"Ciao", bekomme ich gerade noch so heraus.
Dann bin ich damit beschäftigt, mich davon abzuhalten sie entweder aufhalten zu wollen oder selbst die Beine in die Hand zu nehmen. Das kann doch nicht wahr sein?!
Was ist hier los? Wie kann das sein? Isas Vater soll Lenas und mein Stalker sein? In welcher Welt passt das denn bitte zusammen?
Meine Augen füllen sich mit Tränen.
Ich warte, bis Isa (Und dreisterweise auch ihr Vater) mir grinsend zugewunken haben und das Auto verschwunden ist, bevor ich den Tränen freien Lauf lasse.
Immer muss alles schief gehen!

Bis mein Vater mich abholt habe ich mich wieder zusammengerissen. Rational denken! Was muss ich als erstes tun?
Lena Bescheid sagen. Sie muss es wissen. Ich kann nur hoffen, dass Isa nicht zu viel über Lenas Besuch vor ihrem Vater ausplappert, aber das kann ich nicht beeinflussen.
Höchstwahrscheinlich wissen die Leute, die Lena und mich beschatten aber bald, wo wir am nächsten Wochenende aufzufinden sind.
Und sie wissen, dass ich immer noch Kontakt mit Lena habe.
Mir kommt plötzlich ein schrecklicher Gedanke: Waren die Stalker der Grund, warum mein Handy so gespinnt hat? Haben die da irgendetwas gemacht? Vielleicht sogar die Nachrichten abgefangen oder nur die nicht heiklen weitergegeben?
Einige Punkte sprechen dafür, andere dagegen und die nächsten ziehen alle möglichen Menschen mit rein.
Als Beweise würde gelten, dass einige Nachrichten wirklich abgefangen klingen, wenn man sich die ganze Geschichte unter dem Aspekt anguckt. Das müsste allerdings bedeuten, dass die Typen an mein Handy rangekommen sind.
Das bedeutet, dass ich sie vielleicht sogar schon mal, außer bei den gruseligen Begegnungen, getroffen habe und es nur nicht gemerkt habe.
Oder zumindest mein Handy hat sie getroffen. Das wirft allerdings wieder die Frage auf, woher sie wussten, dass es mein Handy war. Das allerdings lässt meine Gedanken zu dem Schluss kommen, dass vielleicht jemand aus meinem Bekanntenkreis involviert ist und das will ich auf keinen Fall. Das darf einfach nicht sein. Dafür vertraue ich den Leuten, die ich kenne zu stark.
Ein Problem bei meiner Theorie ist aber auch, dass ich nicht weiß, welches Ziel meine Stalker damit verfolgen wollen würden, mich davon abzuhalten mit Lena zu kommunizieren. Das dürfte ihnen ja ziemlich egal sein.
Oder ist es ein anderer Grund? Mir fällt keiner ein.
Wer also hat etwas dagegen, dass Lena und ich uns gut verstehen?
Ich ertappe mich dabei, wie ich Gründe für die Unschuld von allen möglichen Personen suche. Meine Eltern, Luca, Isa, Paul, meine Teamkammeradinnen in Hoffenheim, sogar Selina will ich nicht als Stalker haben.
Aber wer ist dann?
Ich beschließe erst einmal Lena das alles zu schreiben und dann gemeinsam mit ihr zu überlegen. Allerdings resultiert daraus ein neues Problem: Wird sie sich überhaupt noch mit Isa treffen wollen, wenn ich ihr sage, dass ihr Vater uns stalkt? Und kann ich Isa das sagen, oder wird sie mich für komplett bekloppt halten und die Freundschaft beenden? Isa will ich da raus halten. Sie kann nichts für all das.
Aber Lena muss es wissen und Lena muss ich auch beschwichtigen.
Isas Vater wird uns nicht überwachen können und außerdem ist Isa nur am Freitag dabei, also dürfte es danach kein Problem mehr darstellen. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass Lena das alleine nicht reicht.
Dazu kommt, dass ich sowieso etwas Angst vor Lenas Besuch habe. Wie soll ich auf sie reagieren? Sind wir schon wieder eng genug oder muss ich ihr noch Zeit und Raum geben?
Alles ist plötzlich wieder unheimlich kompliziert geworden.

Das einzige unkomplizierte ist Lena selbst:

Wir schaffen das schon, lass uns, wenn ich bei dir bin einen Plan ausmachen, du tust mir erst einmal leid, dass Isas Vater da mit drinsteckt. Das war bestimmt ein ganz schöner Schock. Keine Sorge, wir regeln das gemeinsam. Wenn ich bei dir bin können wir sowieso endlich mal wieder richtig über einige wichtige Themen reden. Ich freue mich schon. Halte durch. Ich rette dich ;) <3

Wie gerne würde ich sie jetzt schon bei mir haben.
Sie ist so selbstsicher, das könnte ich auch mal gebrauchen. Aber wenn Lena sagt, dass wir das schaffen, dann klappt es auch. So, wie sie es geschrieben hat: gemeinsam.
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