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„Geh zu deinen Aliens!“ Oneshot

OneshotAngst / P6 / Gen
07.08.2020
07.08.2020
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„Geh zu deinen Aliens!“
Der fiese Spruch von Martha ging Pit nicht mehr aus dem Kopf. Dachten alle so über ihn? War er nichts weiter als der komische Nerd, der auf einem fremden Planeten besser aufgehoben wäre als auf der Erde?

Pit hatte gedacht, dass es am Einstein anders sein würde. Klar, Jona und Hermann hatten ihn mit seiner Begeisterung fürs Weltall letztes Jahr aufgezogen, aber er hatte sich dafür auch gerächt. Das war ja nur ein Spaß gewesen. Das Gespräch mit Martha und Cäcilia gerade war aber alles andere als Spaß gewesen. Sie hatten ihn nicht mal zu Wort kommen lassen. Es war ganz egal, was Pit zu seiner Verteidigung zu sagen gehabt hätte. Es hatte sie nicht interessiert.

Seit diesem Schuljahr war einfach alles anders. Dabei hatte es doch gerade erst angefangen.
Pit war immer der Außenseiter gewesen. Schon auf der Grundschule in Husum war er  immer alleine gewesen. Seine Klassenkameraden hatten sich nicht für das Weltall oder Außerirdische interessiert. Und er sich nicht für Fußball oder Schwimmen. Das war auch immer okay für ihn gewesen. Während die anderen nachmittags am Strand gespielt hatten, hatte Pit Bücher über die unendlichen Weiten gewälzt. Das Weltall war für ihn der spannendste Ort überhaupt. Und im Gegensatz zu Mittelerde oder Hogwarts real und direkt über ihm. Er konnte nicht verstehen, warum er der einzige Junge in seinem Alter war, der von all dem so begeistert war. Manchmal hatte er sich einfach jemanden gewünscht, dem er all die spannenden Sachen erzählen konnte. Aber niemand wollte ihm je länger als 2 Minuten zuhören. Und in 2 Minuten konnte man all das nun mal nicht zusammenfassen…
Als seine Eltern dann irgendwann von diesem Internat erzählten, Schloss Einstein - benannt nach Albert Einstein, dem großen Physiker - da hatte Pit die Hoffnung gehabt, dass vielleicht alles besser werden könnte. Die Schule klang wie ein Traum. Physikräume auf höchstem Niveau, naturwissenschaftlicher Schwerpunkt und auf den Bildern auf der Schulwebsite sahen alle so glücklich aus.

Pit war direkt akzeptiert worden. Trotz Alienpullover und einer 1 in allen Naturwissenschaften. Es gab zwar auch hier niemanden, mit dem Pit sein Wissen über das Weltall teilen konnte, aber er wurde nicht ausgeschlossen. Beim „SETI-Tag" konnte er so richtig aufblühen und zum ersten Mal interessierten sich seine Mitschüler doch dafür, was Pit über die Area 51 zu sagen hatte. Zu seinem Geburtstag hatte Moritz ihm letztes Jahr sogar einen Alienkuchen gebacken. Am Einstein war es selbstverständlich, dass Pit immer dabei war. Er war zu einem Teil vom Einstein geworden. Er war ein Einsteiner.

Pit fragte sich, was passiert war.
Was hatte er denn falsch gemacht,  dass er plötzlich nicht mehr dazu gehörte?
Es hatte ja schon damit angefangen, dass sie ihn an der Schule vergessen hatten und ohne ihn zum Internat gefahren waren. Er war zwar etwas zu spät an der Schule gewesen, aber sie hätten doch die paar Minuten warten können...
Auch das mit den Fahrradsesseln...hätte irgendjemand Pit von dem Streich erzählt, hätte Pit doch kein Sterbenswörtchen darüber verloren, dass er sie im Müll gesehen hatte. Aber niemand hatte es für nötig gehalten,  ihn einzuweihen. Martha hatte es klar und deutlich gemacht: Er sollte zurück zu seinen Aliens. Und das tat Pit auch. Das Weltall war immer für ihn da. Er musste  nur nach oben schauen und schon  vergaß er, dass er sich so einsam auf der Erde fühlte. Irgendwo da oben, da war bestimmt ein Alien das nur  darauf wartete, dass jemand von der Erde zu ihm kam um ihm vom aufregendem Leben auf diesem sonderbaren Planeten zu erzählen.

Doch selbst ins Weltall schauen lenkte Pit bald nicht mehr davon ab, dass er jetzt offensichtlich  von allen Einsteinern ausgegrenzt wurde. Seit Marthas Ansage gehörte Pit ganz klar nicht mehr dazu. Es war schlimmer als vorher in Husum. Da hatte er einfach nicht rein gepasst. Doch wenn Pit nicht mehr ans Einstein gehörte, wo sollte er dann hin?
Vielleicht war Pit selbst Schuld. Hätte er doch bloß die Klappe gehalten, wegen der Fahrradsattel. Vielleicht sollte er generell wieder dazu übergehen, die Klappe zu halten. Das hatten Moritz und Rike auch ganz klar gemacht. Sein Artikel über den bevorstehenden Erstkontakt mit Aliens passte nicht zur Schülerzeitung. Was Pits zu sagen hatte, würde niemanden interessieren.
Und dann wurde er sogar noch Opfer von Jonas und Hermanns blöden Streichen. Schon wieder. Da half es auch nicht nachts das Weltall zu erforschen. Zum allerersten Mal fühlte Pit absolut nichts, als er durch sein Radio-Teleskop in den Nachthimmel schaute. Die Spannung war weg. Die Aufregung verblasst. Was, wenn es da draußen  doch genauso war wie hier? Was, wenn er auch in entfernten Galaxien der Außenseiter war? Warum machte er sich da was vor? Einmal Außenseiter immer Außenseiter. Er würde nie irgendwo dazu gehören. Seit Marthas Ansage wollte Pit nicht mal mehr zu seinen Aliens...
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