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Freundschaft Plus

von weha
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
07.08.2020
04.05.2021
16
30.690
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04.05.2021 1.911
 
„Danke für die Schlafsachen!“
„Nein, ich habe zu danken. Danke, dass du heute im Krankenhaus warst und dafür, dass du jetzt hier bist. Ich würde jetzt nicht alleine sein wollen…“
„Ich bin gern bei dir!“, sagte sie mir und griff nach meiner Hand, die auf meinem Oberschenkel lag. Sie seufzte traurig, als sie mich ansah. „Es tut mir leid, dass dein Vater so ein Arsch ist.“
Ich konnte mir bei ihren Worten ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Sie hatte recht. Er war ein Arsch! Auch meine Mutter und meine Schwester. Wobei ich hoffte, dass sich meine und Janas Beziehung irgendwann bessern würde. Wenn wir das hinbekommen sollten, hatte ich das alleine Hannah zu verdanken.
Ich drückte ihre Hand, die in meiner lag und löste mich aus ihrem Blick, um wieder zum Fernseher zu sehen. Wir lümmelten auf meiner Couch und hatten uns zur Aufheiterung für eine Komödie entschieden, die ich auf DVD hatte. Hannah war meiner Bitte gefolgt und würde heute bei mir schlafen. Ich wollte wirklich nicht alleine sein und es gab keine andere Person, bei der ich mich so wohl fühlte, wie bei ihr. Sie tat mir gut.
Ich folgte dem Film für ein paar wenige Minuten, bis mein Blick etwas verschwommen wurde und ich herzhaft zu gähnen begann.
„Müde?“
„Und wie!“, antwortete ich.
„Dann sollten wir schlafen.“
„Nein, das geht schon.“ Es war noch so früh und ich wollte Hannah den Samstagabend nicht vollends versauen, wenn sie ihn schon hier verbrachte, anstatt um die Häuser zu ziehen.
„Blödsinn!“, sagte sie lächelnd und schnappte sich die Fernbedienung. „Du hast letzte Nacht nicht geschlafen. Du musst ja fix und fertig sein.“
„Aber…“
„Kein Aber!“, unterbrach sie mich. Sie drückte auf den roten Knopf der Fernbedienung, woraufhin der Bildschirm meines Fernsehers schwarz wurde.

Als wir zueinander gedreht im Bett lagen, sah ich sie eine Weile an. Sie hatte ihre Augen bereits geschlossen. Sie sah so gut aus. Ihr zartes Gesicht, ihre paar Sommersprossen auf der Nase, diese schönen Lippen und diese langen Wimpern. Eine dunkelblonde Haarsträhne hing ihr quer übers Gesicht, was sie ihre Nase rümpfen ließ und mich zum Grinsen brachte. Sie war wohl genauso müde wie ich, sonst hätte sie ihre Nase von der kitzelnden Haarsträhne befreit. Ich hob langsam meinen Arm und strich ihr die Strähne mit meinen Fingerspitzen hinters Ohr, ehe ich sanft über ihre Wange streichelte. Sie blinzelte dabei und öffnete ihre Augen.
„Sorry, ich wollte dich nicht wecken!“, flüsterte ich.
„Ist alles in Ordnung?“, wollte sie wissen.
„Ja.“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Hauchen. „Würdest… würdest du mich heute Nacht festhalten?“
„Natürlich!“ Sie lächelte liebevoll und rutschte näher an mich, als ich mich drehte und ihr den Rücken kehrte.
Einen kurzen Augenblick später spürte ich ihre Brust an meinem Rücken und ihren Arm, den sie um meine Taille geschlungen hatte. Auf meinem Bauch verschränkten wir unsere Finger ineinander. Es fühlte sich gut an. Ich genoss ihre Nähe ungemein. Und mein Körper wohl auch, denn dort am Hals, wo sie ihre Nase vergraben hatte, bildete sich sogleich eine angenehm prickelnde Gänsehaut.

***

Dieses Gefühl des Vermissens war lächerlich. Und doch konnte ich mich nicht dagegen wehren. Schon beim Aufwachen hatte ich sie vermisst, als sie nicht mehr im Bett lag. Ich war aufgestanden und ins Wohnzimmer gegangen, doch dort war sie auch nicht. Auch nicht im Bad. Als ich noch dazu keine Nachricht auf einem Zettel oder am Handy von ihr entdecken konnte, wurde das Gefühl des Vermissens immer stärker. Wieso hatte sie nichts gesagt? Wieso war sie einfach gegangen? Hatte ich in der Nacht irgendetwas gesagt oder getan, was sie zur Flucht getrieben hatte? Hatte sich vielleicht mein Körper nicht unter Kontrolle gehabt? Waren meine Hände nachts irgendwo hingewandert, wo sie nicht hin hätten sollen?
Auch als ich unter der Dusche stand, beschäftigte mich dieser Gedanke. Ich wusste nämlich noch genau, dass ich, kurz vorm Einschlafen, daran gedacht hatte, wie schön es wäre wenn wir beide keine Schlafsachen tragen würden. Wenn ich ihre Brüste, die ich am Rücken gespürt hatte, ohne zwei Schichten Stoff hätte spüren können. Ich wusste, dass ich beim Einschlafen an Sex mit Hannah gedacht hatte. Hatte ich dadurch im Schlaf etwas getan? Oder hatte ich etwas gesagt, was sie überrumpelt hatte? Aber egal was es war, wieso hätte es sie überrumpeln sollen? Wir wollten doch beide wieder das Plus in unserer Freundschaft haben. Oder doch nicht? Vielleicht hatte sie es sich anders überlegt? Wollte sie vielleicht doch nicht mehr mit mir schlafen? Aber hatte ich nachts überhaupt irgendetwas getan oder gesagt?

Weiterhin darüber grübelnd stieg ich aus der Dusche, trocknete mich ab und kämmte mein nasses Haar, ehe ich in Slip, in eine bequeme Jogginghose und in ein schlichtes Top schlupfte.
Am Weg in die Küche ließen mich die Gedanken an Hannah zum ersten Mal seit dem Aufwachen los, als mir einfiel, dass in meinem Kühlschrank Ebbe herrschte. Ich hatte überhaupt nichts Essbares zuhause, außer Marmeladen und Butter, doch nichts, worauf ich diese Sachen schmieren könnte. Gerade als ich zu Ende gedacht hatte, hörte ich einen Schlüssel im Türschloss und sah kurz darauf wie sich die Eingangstür öffnete. Ich starrte verblüfft, als Hannah pitschnass ins Wohnungsinnere trat. Als sie mich bemerkte, lächelte sie verlegen.
„Mich hat der Regen erwischt.“
„Ich… ich sehe es.“
„Ich wollte dich mit frischen Brötchen vom Bäcker überraschen.“ Sie hielt eine Plastiktüte hoch und zuckte etwas hilflos mit den Schultern. „Ich hoffe, dass zumindest die noch trocken sind.“
Noch immer starrte ich sie an. Ich schämte mich etwas dafür, dass ich mir so viele Gedanken gemacht hatte. Sie wollte Frühstück holen und ich hatte gedacht, dass sie wortlos abgehauen war. Ich sah ihr dabei zu, wie sie aus den nassen Schuhen und Socken schlupfte und erst dann kam ich wieder zur Besinnung.
„Ähm… lass mich das nehmen“, sagte ich und nahm ihr die Tüte mit den Brötchen aus der Hand. „Danke fürs Einkaufen! Spring du unter die Dusche, damit du nicht krank wirst. Ich kümmere mich ums Frühstück.“
„Ja, danke“, stimmte sie nickend zu. „Hast du vielleicht auch was Trockenes zum Anziehen für mich?“
„Klar!“ Ich zeigte bei den nächsten Worten auf mein Outfit. „Tut es so was auch? Oder willst du lieber eine Jeans?“
„Liebend gern eine Jogginghose!“, lächelte sie. „Also… falls du mich noch nicht gleich rausschmeißt. Wir könnten den Film von gestern fertigschauen, was denkst du?“
„Ja, gerne!“ Ich freute mich unglaublich, dass sie noch bleiben wollte. „Du kannst deine Sachen in den Trockner im Bad schmeißen, wenn du magst. Ich bring dir gleich was Frisches zum Anziehen.“

Ich deckte gerade den Frühstückstisch, als ich das Prasseln der Dusche hören konnte. Ich stand wohl wirklich noch etwas neben mir. Ob es daran lag, dass ich noch nicht sehr lange wach war oder daran, dass ich mich heute schon mit eigenartigen Gedanken gequält hatte, wusste ich nicht. Auf jeden Fall wusste ich aber, dass ich Hannah etwas zum Anziehen versprochen, es aber schon wieder vergessen gehabt hatte. Mit eiligen Schritten lief ich ins Schlafzimmer und holte einen Slip, eine Jogginghose und ein Top aus dem Kleiderschrank. Es war so ziemlich das gleiche Outfit wie das, das ich trug, jedoch war alles in einer anderen Farbe gehalten.
Mit den Sachen unterm Arm ging ich ins Badezimmer, ohne darüber nachzudenken. Ich hätte wohl eher anklopfen sollen, denn als ich das warme, feuchte Zimmer betrat, stand Hannah nackt vor mir.
„Ähm…“ Sehr einfallsreich und wortgewandt!
Ich starrte auf ihre entblößten Brüste, ihren schlanken, sportlichen Bauch und zwischen ihre Beine. Und überall diese Wassertropfen… Ertappt huschte mein Blick zu ihren hellbraunen Augen. Sie waren weit aufgerissen, während eine beschämte Röte ihre Wangen färbte. Scheinbar war sie auch kurz überfordert gewesen, denn erst jetzt schnappte sie sich das Handtuch und wickelte es um ihren nassen Körper.
„Ähm…“, brachte ich erneut hervor. „E-Entschuldige. Hier, deine Sachen…“, murmelte ich. Ich drückte ihr die Kleidung in die Hand und eilte aus dem Badezimmer.

Erst in der Küche atmete ich tief durch. Das war doch lächerlich! Wieso hatte ich sie so angestarrt? Ja, es war lange her, dass ich sie nackt gesehen hatte und doch kannte ich ihren Körper bereits. Ich hatte sogar jeden Millimeter Haut dieses Körpers schon mal berührt. Ganz falscher Gedanke… Ich konnte das Ziehen und Pulsieren zwischen meinen Beinen fühlen, als ich daran zurückdachte. Ich hatte alles, wirklich alles schon mal berührt. Mit meinen Fingern, meinen Lippen und meiner Zunge. Ich keuchte leise. Dieser Gedanke musste schleunigst aus meinem Kopf raus. Schnell, ehe Hannah davon Wind bekam. Immerhin wollte ich nicht wie ein pubertierender Teenager auf sie wirken. Aber sie war einfach so heiß! Hör auf! So verdammt heiß… „Hör jetzt auf!“, befahl ich meinem Kopf schließlich laut.
„Äh… womit?“
„Hannah!“, rief ich entsetzt. „Ich… sorry, ich… ich habe mit mir selbst geredet.“
„Alles in Ordnung?“, fragte sie. Ihre Wangen jedoch verrieten, dass sie selbst noch an den kleinen Zwischenfall im Badezimmer dachte.
„Ja, alles gut. Ich mach noch schnell Kaffee, dann können wir frühstücken. Setz dich ruhig schon mal.“

***

„Hast du gut geschlafen?“ Es war die erste Frage, die ich stellte, obwohl wir schon seit etwa einer halben Stunde bei Tisch saßen.
„Ja, habe ich. Du auch?“
„Mhm…“, gab ich nickend die Antwort. So und jetzt? Irgendwie war die ganze Situation angespannt, obwohl wir sonst so gut miteinander reden konnten. Sollte ich sie auf den Badezimmervorfall ansprechen? Sollte ich fragen, ob sie genauso erregt war wie ich? Was, wenn etwas von meinen Gedanken heute Morgen wahr war und sie das Plus doch nicht mehr wollte? Und wenn sie es wollte? Würden wir dann gleich übereinander herfallen?
Ich bemerkte wie mich dieser Gedanke unruhig werden ließ. Das Pulsieren zwischen meinen Beinen wurde immer stärker. Ja, ich wollte über sie herfallen. Und wie ich das wollte. Vorgestern wollten wir es noch beide, doch dann kam Papas Unfall dazwischen. Wollte sie es nach dem Kennenlernen meiner Familie noch immer? Wieso auch nicht? Immerhin hatte meine Familie nichts mit unserem Plus zu tun. Und wenn es für sie doch so abschreckend war?
Meine Gedanken stoppten erst abrupt, als ich ihre Hand vor meinem Gesicht wedelnd erkannte. „W-Was?“
„Woran denkst du? Du bist ganz neben der Spur!“, stellte sie fest.
„Ähm… nichts. Nichts, alles gut. Isst du noch was?“
„Nein, danke.“
„Okay.“ Ich musste hier raus. Raus aus meinen Gedanken. So schnappte ich mir das leere Tablett, das ich auf einen freien Stuhl gelegt hatte und stellte darauf die Marmeladengläser, die Butter und das dreckige Geschirr ab. Ich trug es rüber zur Arbeitsplatte und räumte von dort die Sachen in den Kühlschrank und in den Geschirrspüler.
Einige Male hatte ich dabei tief durchgeatmet und war mir danach etwas kontrollierter vorgekommen. Immerhin wollte ich noch einen schönen Tag mit Hannah verbringen und nicht ständig unruhig hin und her rutschen müssen, weil ich meine Libido nicht im Griff hatte. Doch als ich mich umdrehte, stand sie plötzlich direkt vor mir. So nah, dass sich unsere Nasenspitzen beinahe berührten.
Ihr Atem ging schnell und aufgeregt, meinen hielt ich an. Was wollte sie? Warum war sie mir so nah?
„Ich wünschte, du hättest das Badezimmer vorhin nicht verlassen…“, flüsterte sie.
Oh Gott, sie klang so erregt. Ihre hellbraunen Augen, die manchmal im hellen Sonnenlicht beinahe golden wirkten, waren plötzlich um einiges dunkler.  
Ich schluckte schwer, da mein Mund staubtrocken war. Sie wollte es. Sie wollte es auch. Sie wollte mich.
Noch ehe ich irgendwie darauf antworten oder reagieren hätte können, spürte ich ihre Hände in meinem Nacken und ihre Lippen auf meinen.
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