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Achterbahn der Gefühle

von Amy12
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bettina Weiss Dr. Frank Stern Dr. Tobias Lewandowski Hanna Winter Prof. Dr. Alexander von Arnstett
06.08.2020
04.05.2021
67
71.881
11
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04.05.2021 735
 
Viel Zeit um sich weiter dem Abschiedsschmerz um ihren Sohn hingegeben zu können, blieb Betty allerdings nicht; denn kaum hatte eine ihrer Kolleginnen das Mittagsessen abgeräumt, zog bereits ein erneutes Klopfen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Bevor sie allerdings die Möglichkeit hatte in irgendeiner Form darauf zu reagieren, wurde die Tür auch schon geöffnet und Hanna trat in dem Raum.

„Stör ich?“ Sichtlich gut gelaunt blickte die Dunkelhaarige fragend zu ihrer Freundin, die prompt den Kopf schüttelte. „Quatsch, du doch nicht.“ Antwortete Betty und spürte dabei, wie sich ein Lächeln auf ihren Lippen ausbreitete. Hannas Timing könnte gerade kaum perfekter sein, war Ablenkung doch genau das, was sie nun nach Yannicks Abreise am dringendsten nötig hatte. Genau das schien auch ihr Gegenüber zu erkennen.

„Dachte ich mir doch, dass du ein bisschen Gesellschaft gebrauchen könntest.“ Die Tür hinter sich schließend, hing Hanna ihre Jacke am Mantelbrett neben sich auf und überbrückte die paar Schritte, die sie noch von Bettys Bett trennten, ehe sie an deren linken Seite stehen blieb. Anstatt sich anschließend aber wie sonst auf dem Besucherstuhl niederzulassen, setzte sie nur ihre Handtasche darauf ab und bückte sich dann, um ihre Schuhe von den Füßen zu streifen. Ganz zu Bettys Irritation.

„Ähm… Was genau wird das, wenn’s fertig ist?“ Leicht verwirrt hob die Blondine eine Augenbraue an, was Hanna aber nicht im Geringsten störte. Im Gegenteil. „Ich will’s mir bloß noch ein wenig gemütlich machen, bevor meine Schicht beginnt.“ Erklärte sie mit einem angedeuteten Schulterzucken, bevor sie sich auch schon wieder aufrichtete und ihrer Freundin anwies ein Stück zur Seite zu rücken. Genau diese Geste war es, die endlich den Groschen bei Betty fallen ließ und sie ohne weitere Fragerei dazu veranlasste Hannas Aufforderung nachzukommen.

Nur Sekunden später lagen die beiden Krankenschwestern schließlich Seite an Seite im kleinen Einzelbett. „Und? Gemütlich genug?“ „Kann nicht klagen.“ Ein Schmunzeln huschte über Hannas Gesicht, während sie sich kurz genüsslich der Länge nach ausstreckte, bevor sie sich anschließend wieder ihrer Freundin zuwandte. Nun mit sichtlich ernsterer Mimik. „Wie geht’s dir denn? Ich meine, jetzt wo Yanni wirklich wieder weg ist.“ „Ganz okay.“ Betty bemühte sich um ein erneutes Lächeln, musste sich dabei allerdings selbst eingestehen, dass dieses ihr wohl mehr schlecht als recht gelang.

„Allerdings vermisse ich ihn jetzt schon.“ Fügte sie deshalb wahrheitsgemäß hinzu und schloss für einen winzigen Moment seufzend die Augen. „Verstehe mich nicht falsch… Du weißt, ich bin verdammt stolz darauf, dass er seinen eigenen Weg geht und sein Leben lebt, aber trotzdem er…“ „Er fehlt dir einfach.“ Vervollständigte Hanna mitfühlend den Satz und berührte ihr Gegenüber dabei sanft am Unterarm. „Betty, das ist doch klar und das wird ihm auch nicht anders ergehen. Trotzdem… Hamburg ist doch nicht aus der Welt. Du kannst ihn jederzeit besuchen, sobald du wieder auf dem Damm bist.“ „Glaub mir, das hab ich auch fest vor. Oder besser gesagt wir.“ „Du und Frank?“ „Nein, Oli und ich.“

„Was?“ War Hannas Gesicht soeben noch von Verständnis gezeichnet gewesen, so wurde dieses nun prompt von Verwirrung verdrängt. „Wieso das denn?“ „Wir haben’s Yannick damals versprochen, als er abgereist ist, haben es bis jetzt aber noch nicht geschafft. Wird also dringend Zeit, dass wir es endlich nachholen.“ „Und Frank weiß auch schon von deinen Plänen?“ Neben der Verwirrung blitzte nun noch etwas anderes in Hannas braunen Augen auf. Neugierde. Zwar hatte auch sie miterlebt, dass mittlerweile so etwas wie Frieden zwischen Oli und Frank herrschte und doch bezweifelte sie stark, dass letzterer wirklich so begeistert von der Idee seiner Freundin sein würde.

„Nein, weiß er nicht.“ Antwortete Betty nach kurzem Zögern, schaffte es dabei aber nicht Hanna ins Gesicht zu sehen. Worauf diese anspielen wollte, war ihr immerhin klar. Sie war nicht naiv. Genau wie ihrer Mitbewohnerin, war auch ihr durchaus bewusst, dass Frank nicht ausflippen würde vor Freude darüber, dass sie plante, zusammen mit Oliver Zeit in Hamburg zu verbringen. Ausgerechnet in ihrer alten Heimat, an der so viele gemeinsame Erinnerungen hingen.

Dennoch… Bei dem Trip ging es weder um Oli, noch um ihre Vergangenheit als Paar, sondern einzig und allein um Yanni. Ihr Sohn, der sich einfach nur wünschte, ein paar schöne Tage zusammen mit seinen Eltern  verbringen und ihnen dabei gleichzeitig sein neues Leben zeigen zu können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das würde absolut nichts zwischen ihnen ändern und genau das würde Frank auch so sehen. Da war sich Betty sicher.
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