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Achterbahn der Gefühle

von Amy12
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12
Bettina Weiss Dr. Frank Stern Dr. Tobias Lewandowski Hanna Winter Prof. Dr. Alexander von Arnstett
06.08.2020
29.11.2020
44
51.078
6
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21.11.2020 932
 
So ganz unbemerkt blieb Hannas Abwesenheit auf Station allerdings nicht. Vor allem nicht bei einer Person.

„Weißt du wo Hanna ist?“ Leicht gehetzt blickte Ava zu ihrer Kollegin Kerstin, die neben ihr am Empfang stand. Im Moment herrschte reges Patiententreiben auf der Aufnahmestation und dementsprechend waren sie eigentlich auf jede einzelne helfende Hand angewiesen. „Keine Ahnung, die wollte vorhin nur kurz ins Schwesternzimmer. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen.“ erklärte die Schwarzhaarige schulterzuckend, bevor sie sich auch schon wieder von Ava entfernte und zu einem Patienten schritt, um ihn zum Behandlungszimmer zu begleiten.

„Jetzt sag bloß, du hast ernsthaft Hanna verloren?“ Eine hörbar belustigte Stimme erklang hinter Ava und brachte diese dazu sich erschrocken umzudrehen. Vor ihr stand niemand geringeres als Yannick. Ein breites Grinsen auf den Lippen tragend. „Wie kann einem denn bitteschön Hanna abhandenkommen?...“

„Bitte was!?“ Zum zweiten Mal innerhalb weniger Sekunden wirbelte die Schwesternschülerin herum. Diesmal blickte sie allerdings nicht in ein amüsiert grinsendes Gesicht, sondern geradewegs zu der sichtlich erzürnten Frau Puhl, die sich vor ihr aufgebaut hatte. „Was soll das heißen, Schwester Hanna ist Ihnen abhandengekommen? Wo ist sie!?“ „I-ich... Ich glaube im Schwesternzimmer.“ antwortete Ava zögerlich. Dass die Situation sie leicht überforderte, war dabei nicht zu übersehen. „Sie wollte nur kurz einen Kaffee trinken. Sie kommt bestimmt bald zurück...“ „Nein, nicht bald... Jetzt!“ erwiderte Frau Puhl im barschen Tonfall, bevor sie auch schon auf dem Fuß kehrtmachte und ohne Ava oder Yannick weiter zu beachten in Richtung Schwesternzimmer stapfte.

„Wow... Die hat sich aber auch kein bisschen verändert.“ Halb beeindruckt, halb eingeschüchtert, starrte Yannick der Vorgesetzten seiner Mutter nach. „Nee... Absolut nicht.“ erwiderte Ava und folgte dabei für einen kurzen Moment seinem Blick. „Jetzt hoffe ich bloß für Hanna, dass sie eine gute Ausrede für ihre überzogene Pause parat hat. Die wird sie nämlich gebrauchen können.“ „Ach was, sie ist doch nicht auf den Mund gefallen. Die wird schon mit eurem Hausdrachen fertig.“ Abermals zuckte es belustigt um Yannicks Mundwinkel, während er sich wieder seinem Gegnüber zuwandte. „Aber eigentlich bin ich ja auch gar nicht wegen Hanna hier, sondern wegen Mama. Weißt du, ob sie auf ihrem Zimmer ist? Und wie's ihr heute geht? Ich meine nach dem ganzen Drama gestern...“ fügte der Blonde nun deutlich ernsthafter hinzu.

„Ehrlich gesagt, war heute so viel los hier, dass ich noch gar nicht bei ihr war. Das wollte ich später nachholen... Aber im Moment ist sie eh noch nicht zurück. Laut Hanna hat sie noch irgendeine Untersuchung. Dr. Stern begleitet sie.“ „Geht's ihr wieder schlechter?“ Augenblicklich erschien ein sorgenvoller Glanz in Yannicks Augen, welcher auch Ava nicht verborgen blieb. „Quatsch, nein.“ Mitfühlend legte sie kurz ihre Hand auf den Unterarm des Jungen und schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln. „Mach dir keine Sorgen. Es handelt sich wohl bloß um irgendeine Routineuntersuchung. Wahrscheinlich will Dr. Stern einfach nur zu hundert Prozent sicher gehen, dass sie das Ganze wirklich gut überstanden hat. Mehr nicht.“

„So wird's sein, ja...“ Auch Yannick versuchte sich nun wieder an einem Lächeln. So fürsorglich wie Frank sich nach dem Überfall Betty gegenüber verhalten hatte, lag Ava mit ihrer Vermutung vermutlich sogar richtig. „Ich warte dann in ihrem Zimmer auf sie, wenn das okay ist?“ „Klar, mach ruhig. Sie kommt bestimmt bald.“ Abermals lächelte Ava ihn aufmunternd an, ehe sie auch schon im Augenwinkel wahrnahm, wie ein neuer Patient aus dem Aufzug trat und auf sie zukam.

„Ich muss jetzt leider weiter arbeiten... Betty liegt auf Zimmer 2.05. Du weißt ja wo das ist.“ Ohne Yannicks Antwort überhaupt abzuwarten, drehte sich die Dunkelhaarige auch schon von ihm weg und wandte sich dem älteren Herrn zu, der nun direkt vor ihr stand. Für einen winzigen Augenblick beobachte Yannick die junge Frau dabei, wie sie routiniert ihre Arbeit verrichtete, bevor er sich schließlich in Bewegung setzte und bereits das Zimmer seiner Mutter ansteuern wollte. Ehe er allerdings in den betreffenden Flur schritt, änderte er spontan sein Vorhaben. So wie Ava es geschildert hatte, konnte es wahrscheinlich noch etwas dauern, bis seine Mutter und Frank von der Untersuchung zurück kamen. Somit hätte er wohl noch genügend Zeit um schnell im Schwesternzimmer vorbeizuschauen.

War er sonst eigentlich selten neugierig, so musste er nun doch zugeben, dass es ihn schon sehr interessierte, was Hanna wohl gerade vom Dienst abhielt. So verantwortungslos kannte er sie sonst eigentlich nicht. Schon gar nicht, wenn es um ihren Job ging.

Sobald er im Flur des Schwesternzimmers angelangt war, musste er jedoch feststellen, dass Frau Puhl bis jetzt auch noch nicht dazugekommen war, den Grund für Hannas Fehlen aufzuklären. Anders als vermutet, hatte die Pflegedienstleiterin, den Pausenraum des Personals nämlich noch gar nicht erreicht. Viel mehr stand sie wenige Meter vom Zimmer entfernt bei einem Krankenpfleger und redete dabei lebhaft auf diesen ein.

Genau diesen Umstand nutzte Yannick um sich unbemerkt an ihr vorbeizuschleichen. Vielleicht war Hanna ja auch schlicht auf der Couch eingedöst und deshalb zu spät dran. Zumindest wäre das eine logische Erklärung für ihr untypisches Verhalten. Und sollte diese Vermutung tatsächlich zutreffen, so wollte Yannick der erste sein, der bei ihr war und sie somit vor der Puhl warnen konnte. Das war er seiner Patentante einfach schuldig.

Als er schließlich direkt vor der Tür des Schwesternzimmers stand, drehte er sich noch einmal kurz nach der Chefin seiner Mutter um, nur um festzustellen, dass diese noch immer beschäftigt war. Zufrieden, dass sein Plan aufzugehen schien, klopfte Yannick also leise an und drückte dabei zeitgleich die Klinke hinunter, um in den Raum einzutreten.

Das, was ihn dort allerdings erwartete, ließ ihn augenblicklich in seiner Bewegung erstarren...
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