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6. August 1945

GedichtTragödie / P16 / Gen
06.08.2020
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6. August 1945

Am frühen Morgen fällt der Tod herab,
Um acht Uhr sechzehn wird der Himmel jäh
Mit Urgewalt vom Feuerball zerrissen;
Die Glut, die im Uran gebunden war,
Verdampft die Menschen und verwandelt sie
In Schatten. Über der zerfetzten Stadt
Steigt rasch ein Rauchpilz auf und brennt als Bild
Des Schreckens sich für alle Zeiten ins
Gedächtnis der gesamten Menschheit ein.
Verletzte kriechen sterbend in den Trümmern,
Es setzt schon bald ein schwarzer Regen ein,
Der unsichtbaren Tod zur Erde trägt,
Und viele, die noch unverletzt erscheinen,
Sind gleichfalls dem Verderben schon geweiht.

Doch ist es statthaft, solch ein Grauen, das
Der menschliche Verstand nicht fassen kann,
In Versen zu beschreiben? Darf ein Dichter,
Der sonst nach Worten voller Wohlklang sucht,
Zerstörung, Leid, vieltausendfachen Tod
In Zeilen schildern, die ästhetisch klingen,
Anstatt auf immer zu verstummen, wie
Das Ausmaß der Vernichtung es verlangte?

Doch wenn die Kunst der Schönheit sich entkleidet,
Dann darf in Demut sie vom Grauen sprechen,
Und wenn sie vor den Opfern sich verneigt,
So kann als Mahnmal sie Verdienst erwerben.
Derart ist dies Gedicht auch zu verstehen:
Sein Anliegen erschöpft sich im Bestreben,
Das Andenken der Toten zu bewahren.
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