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A double-edged sword under my skin

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Atsushi Nakajima Chuya Nakahara OC (Own Character) Osamu Dazai
05.08.2020
13.02.2021
30
93.690
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07.08.2020 1.871
 
Aufmerksam musterte Chuuya die Frau, welche noch immer bewusstlos vor ihm auf einem Bett lag. Es war eigentlich nicht seine Absicht gewesen, sie ebenfalls mit den Steinbrocken zu treffen. Allerdings konnte sie so auch nicht weglaufen oder versuchen sich zu wehren, also war es ihm durchaus gelegen gekommen. Als der Kampf sich zu ihren Gunsten entschieden hatte, hatten sie die Frau ins Hauptquartier gebracht. Nun war es seine Aufgabe, auf sie aufzupassen und zu warten, bis sie wach wurde. Es ärgerte ihn, dass er den verdammten Babysitter spielen musste, nur weil sie seinetwegen bewusstlos war. Er hatte weitaus wichtigeres zu tun, zum Beispiel den ganzen Papierkram, der in seinem Büro auf ihn wartete.
Ihre Fähigkeit schien zwar außergewöhnlich zu sein, doch abgesehen davon sah sie nicht besonders stark aus. Sie hatte eine richtig zierliche Figur und war ungefähr so groß wie er. Außerdem war ihre Haut ziemlich blass, was wiederum gut zu ihrem schulterlangen, schneeweißen Haar passte. Aber was passte oder nicht, interessierte in der Mafia ohnehin niemanden. Das einzig auffällige an ihr, waren all die Narben, die sie an Armen und Händen hatte. Und dass sie in einer Art OP-Hemd unterwegs gewesen war, noch dazu barfuß.
Wer war diese Frau bloß? Woher kam sie? Was hatte es mit ihrer Fähigkeit auf sich? Und wer waren die Verfolger? Fragen über Fragen, auf die er keine Antwort hatte, zumindest noch nicht.
Als er so in seine Gedanken vertieft war merkte er gar nicht, dass nun zwei grüne und angsterfüllte Augen auf ihn gerichtet waren. Erst als sie an den Handschellen rüttelte, mit denen einer ihrer Arme ans Bett gekettet war, zog sie seine Aufmerksamkeit auf sich. Panisch sah sie sich in dem Raum um, in dem sie sich befand. Es war ein relativ kleiner Raum, mit nur einer Tür – neben der Chuuya auf einem Stuhl saß – und ohne Fenster. Die Einrichtung war äußerst spärlich. Abgesehen von diesem einen Stuhl, gab es hier drinnen nur das Bett und einen kleinen Tisch. Außerdem sah dieser Raum so… steril aus. Beinahe wie in einem Krankenhaus, wenn man den Mafioso, die Handschellen und die fehlenden Fenster mal außer acht ließ. Als der Mann dann plötzlich etwas sagte, erschrak sie und zuckte zusammen.
„Na endlich!“
Nach dieser Aussage stand er auf, öffnete die Tür und sprach mit einem seiner Untergebenen. Da er nicht gerade leise sprach, konnte sie hören, was er sagte. „Sie ist wach, hol den Boss!“. Danach schloss er die Tür wieder und stellte sich mit verschränkten Armen neben sie, während er sie selbst nicht aus den Augen ließ. Auch sie beobachtete ihn ganz genau, denn sie wollte nicht, dass ihr etwas entging. Immerhin wusste sie nicht, wo sie war, wer dieser Mann war, wer dieser sogenannte „Boss" war und was sie von ihr wollten. Ihr Instinkt sagte ihr, dass sie sich lieber ruhig verhalten sollte und genau das würde sie auch tun.
Dann öffnete sich die Tür und ein Mann kam herein, der sich sogleich als Ougai Mori vorstellte. Chuuya war überrascht und erleichtert, dass er ohne diese nervige Rotznase namens Elise gekommen war.
„Chuuya-kun, nimm unserem Gast doch die Handschellen ab. Sie soll sich hier doch nicht wie eine Gefangene fühlen.“
Angesprochener zögerte einen Moment, doch ein Blick von Mori genügte und er entfernte sie unverzüglich. Verwundert starrte sie die beiden abwechselnd an, bis ihr Blick dann schließlich auf Mori gerichtet blieb. Sie musterte ihn ganz genau und äußerlich betrachtet wirkte er auf sie nicht sehr bedrohlich, doch ihr Bauchgefühl sagte etwas anderes.
„Wie wäre es, wenn du uns erstmal deinen Namen verraten würdest? Du musst keine Angst haben, hier tut dir niemand was.“
„I-Ich…“, sie senkte den Blick, dann fuhr sie fort. „…habe keinen Namen.“
„Wie haben andere dich denn dann angesprochen?“
„Sie nannten mich immer nur B1511.“
Auch wenn sie eigentlich nichts sagen wollte, wusste sie, dass es wohl besser war, wenn sie kooperieren würde. Diese Antwort überraschte die beiden Mafiosi, aber vor allem Chuuya. Sein Blick schien so… wissend und verstehend. Als ob er sich an etwas erinnert hätte. Bevor sein Boss jedoch etwas bemerken konnte, nahm er wieder seinen üblichen, monotonen Gesichtsausdruck an. Auch Mori entspannte seine Gesichtszüge wieder und setzte ein Lächeln auf.
„Und wer sind sie?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Wissenschaftler. Ärzte. Forscher. Wie auch immer sie sich nennen mögen, es sind allesamt die gleichen, verdammten Dreckskerle.“
„Hm. Würdest du mir deine Fähigkeit demonstrieren?“
Sie sah ihn mit einer Mischung aus Unwille und Unsicherheit an, aber nachdem sie in seine Augen geblickt hatte, wusste sie, dass er ein Nein nicht akzeptieren würde. Es war weniger eine Frage, als eine indirekte Anweisung gewesen. Sie nickte schließlich und sagte, dass sie ein Messer brauchen würde. Ohne zu zögern zog er ein Skalpell hervor und überreichte es ihr. Mit dieser unbeschwerten Geste seinerseits war ihr nun klar, dass er sie nicht im geringsten als Gefahr einstufte. Sie atmete tief durch, dann schnitt sie sich mit dem Skalpell über ihre rechte Handfläche. Anschließend gab sie es Mori zurück, denn sie wollte nichts tun, womit sie negativ auffallen könnte. Sie spürte die Blicke der beiden Männer auf sich und fühlte sich dadurch richtig unwohl, also wollte sie es schnell hinter sich bringen. Sie legte die Hand mit der Handfläche nach oben gerichtet auf ihren Schoß und begann sich zu konzentrieren.
Ihre Beobachter waren schon überrascht, dass aus der Wunde nicht ein Tropfen Blut kam, doch was als nächstes passierte, beeindruckte sie. Blut stieg aus dem Schnitt aufwärts, verfestigte und verformte sich, und wurde schließlich zu einem Katana, welches sie nun in der Hand hielt. Moris Grinsen wurde breiter, wie bei einem Kind, das ein neues Spielzeug entdeckt hatte. Noch bevor er die Frage aussprechen konnte, die ihn so brennend interessierte, begann sie zu erzählen.
„Meine Fähigkeit nennt sich 'the flow of life'. Ich habe damit die Kontrolle über mein Blut, kann es verfestigen und verformen, um es im Kampf verwenden zu können. Allerdings kann ich damit auch die Blutung einer Verletzung stoppen und verhindern. Jedoch… um mein Blut verwenden zu können, muss ich eine Verletzung haben oder mir eine zufügen. Außerdem kann ich nur eine geringe Menge meines Blutes verwenden, da es gefährlich wäre, zu wenig im Körper zu behalten.“
Danach ließ sie das Katana wieder verschwinden und sah abwartend zu Mori. Sie hatte sofort gewusst, dass seine nächste Frage zu ihrer Fähigkeit gewesen wäre. Das hatte ihr sein begeisterter und interessierter Blick sofort verraten. Da sie das Ausgefragt werden von ihrem bisherigen Leben gehörig satt war, hatte sie es einfach von sich aus erzählt. Im besten Fall hatte sie damit einen Pluspunkt gesammelt.
„Sehr beeindruckend.“ Nun wandte er sich an Chuuya. „Bring sie zu einer Dusche und gib ihr frische Kleidung. Danach bringst du sie in mein Büro.“
Danach verließ er, ohne ein weiteres Wort, den Raum. Chuuya seufzte genervt und sagte ihr, dass sie mitkommen solle. Vor der Tür standen noch immer zwei seiner Untergebenen, darunter auch eine Frau. Beim Vorbeigehen wies er sie an, frische Kleidung für die Frau neben ihm zu besorgen und sie zum Badezimmer am Ende des Ganges zu bringen. Sie nickte bloß und machte sich sofort auf den Weg.
Der Flur, den sie entlang gingen, war ganz anders als der Raum, in dem sie zuvor war. Hier war es nicht so gleißend hell, sondern eher ein wenig düster. Die Wand zu ihrer Linken war voller Gemälde von Leuten, die ähnlich wie dieser Mori recht autoritär wirkten. Unter ihren Füßen konnte sie den dunklen Teppich fühlen, der sich über den ganzen Boden erstreckte. Kurz darauf blieben sie vor einer Tür stehen, und auch die Frau mit der frischen Kleidung stieß nun zu ihnen und überreichte ihr diese, Unterwäsche und Schuhe. Chuuya wies sie noch darauf hin, dass sie vor der Tür auf sie warten würden und sie sich beeilen solle. Sie nickte bloß und betrat dann das Badezimmer.
Als sie vor dem Büro des Mafiabosses standen, war sie so nervös, dass sie zusammenzuckte,  als Chuuya an die Tür klopfte und sie schließlich öffnete. Mori bat sie herein zu kommen und wies ihren Nebenmann an, vor der Tür zu warten. Langsam und unsicher betrat sie den riesigen Raum, der eher einer modernen Höhle des Löwen, als einem Büro glich. Auch hier war der Boden von einem Teppich bedeckt, am Ende des Raumes stand ein großer, hölzerner Schreibtisch. Auf der linken Seite, vor einer großen Wand aus Glas, befand sich eine schwarze Ledercouch, auf der Mori saß. Sie stellte sich neben ihn und sah ihn abwartend an, unwissend, was nun folgen würde. Er wendete sich ihr zu, mit einem breiten Lächeln im Gesicht stellte er ihr nun folgende Frage:
„Ich komme direkt zur Sache. Hättest du nicht Lust, der Port Mafia beizutreten?“
Hatte sie das gerade richtig verstanden? Sie sollte der Mafia beitreten? Sie hatte sich schon gedacht, dass sie hier bei mächtigen und einflussreichen Leuten gelandet war, aber das… Damit hatte sie nicht gerechnet. Doch auch hier wusste sie, dass sie das Angebot nicht ablehnen konnte. Dieser Mann würde kein Nein akzeptieren, und diese Frage war wieder eine indirekte Anweisung gewesen. Zögerlich nickte sie und hoffte, dass ihm das als Antwort genügen würde. Und das tat es. Vor Freude strahlend überreichte er ihr ein Paar Lederhandschuhe und auf ihren verwirrten Blick hin erklärte er ihr, dass man, wenn man der Port Mafia beitrat, ein Kleidungsstück geschenkt bekam. Es war eine Tradition und sollte daran erinnern, wer sie hierher gebracht und zu dem gemacht hatte, was sie sind.
Ein kleiner Schauer fuhr ihr über den Rücken, doch sie nahm die Lederhandschuhe und zog sie an. Sie passten als wären sie maßgeschneidert und sie musste – wenn auch etwas widerwillig – zugeben, dass es ihr gefiel. Zumindest die Tradition und der Gedanke dahinter. Als jedoch der rothaarige Mafioso, an den das Leder an ihren Händen sie erinnern sollte, auf Geheiß des Bosses eintrat, war sie sich nicht mehr so sicher. Und auch die folgende Anweisung an eben genannten, machte es nicht besser.
„Du bist ab heute für sie verantwortlich, Chuuya-kun. Sie ist nun deine Kouhai. Dein Schützling. Und sie wird fürs erste bei dir wohnen. Pass gut auf sie auf und zeig ihr, wie das bei uns so läuft, verstanden?“
„Jawohl, Boss.“
„Da fällt mir ein, dass sie noch einen Namen braucht. Da du nun für sie verantwortlich bist, wirst du ihr einen geben.“
Er nickte bloß und schien angestrengt nachzudenken. Teilweise war er auch ziemlich genervt, jetzt war er endgültig zu ihrem Babysitter geworden und musste sich auch noch einen Namen für sie ausdenken. Und die Spitze des beschissenen Eisbergs war, dass sie auch noch bei ihm wohnen würde. Heute war eindeutig nicht sein Tag, aber Befehl war nun mal Befehl.
„Wie wäre es mit Misaki?“, äußerte er einfach die erstbeste Idee, die ihm in den Sinn gekommen war.
Jeder andere würde sich wohl ärgern, wenn eine andere Person über den eigenen Namen bestimmte, doch sie freute sich. Noch nie hatte ihr jemand etwas geschenkt, so wie die Lederhandschuhe, und noch nie hatte sie einen eigenen Namen besessen. Ohne es zu bemerken, begann sie leicht zu lächeln, als sie den Namen hörte.
„Anscheinend gefällt er ihr. Gut, dann willkommen bei der Port Mafia und in deinem neuen Leben, Misaki-san.“
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