Niemals wieder ohne Dich

GeschichteRomanze, Familie / P18
Ben Decker Daniel Klattmann Erik Stein OC (Own Character)
05.08.2020
08.10.2020
10
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05.08.2020 1.781
 
Hallo ihr Lieben,

ich habe wirklich sehr lange überlegt, ob ich schon jetzt meine Geschichte hier veröffentlichen will oder nicht....und hier bin ich.

Ich habe nach 10 Jahren wieder eine Fanfiktion geschrieben. Ich bin nach so einer langen Zeit, etwas aus der Übung, aber ich hoffe, ich kriege das hier hin und so umgesetzt, wie ich mir das vorstelle.

Alle Figuren, bis auf Ellena, sind nicht mehr Feder entsprungen und gehören sich selbst. Ich weise jetzt schon vorsorglich darauf hin, dass ich weder medizinische noch juristische Kenntnisse besitze.

Ich danke meiner Beta-Leserin LaylaSisterOfElves fürs "drüber lesen" ;)

Und nun lasse ich euch das erste Kapitel da.

Alana

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Kapitel 1

Ellena schloss die Tür auf und betrat die dunkle Wohnung. Sie hatte die letzte Schicht im Cafe hinter sich gebracht. Schon am nächsten Tag konnte Ellena ihren neuen Job in einer Kneipe antreten. Zwar war das an sich keine Verbesserung, aber es war allemal besser als noch länger in diesem Cafe zu arbeiten.
Denn ihre momentane Chefin war ein Monster und hatte immer etwas an ihr auszusetzen. Entweder waren die Tassen nicht richtig gestapelt, die Kaffeemaschine nicht so poliert wie sie es wollte oder sie hatte es auf Ellena selbst abgesehen. Und das kam so gut wie jeden Tag vor. Immer fand sie etwas an ihr, worüber sie sich lustig machte oder sich aufregte. Sie machte sich vor der Kundschaft über sie lustig. Lachte über ihre Figur. Ellena wusste, dass sie alles andere als Modelmaße hatte und das teilte ihre Chefin ihr auch unverblümt mit.

„Ellena, gab es das Shirt auch in deiner Größe?“ hatte ihre Chefin heute vor versammelter Kundschaft durch den Laden gebrüllt. Ellena hörte, wie die Menschen hinter ihr anfingen zu lachen. Sie spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen, versuchte aber, sie zurückzuhalten. Sie wollte sich nicht die Blöße geben und schon gar nicht vor all den Menschen auch noch in Tränen ausbrechen. Ellena machte gute Miene zum bösen Spiel. Sie hatte gelernt ihre Tränen in solch einer Situation einfach zu schlucken und weiterzumachen. Um ihrer Chefin nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten.

Nachdem Ellena das Café geputzt hatte und die Kasse gezählt war, hatte sie den Laden abgeschlossen und den Schlüssel ihrer Chefin in den Briefkasten geworfen. Sie wollte nach so einem Tag nicht nochmal ihrer Chefin über den Weg laufen, nur um den Ladenschlüssel abzugeben. Es war schließlich ihr letzter Tag.

Schnellen Schrittes hatte sie sich anschließend auf dem Weg zum Supermarkt gemacht und noch ein paar Sachen gekauft. Sie hatte es irgendwann vermieden, in dem Café etwas zu essen, denn dann kamen noch mehr Sprüche. Also hungerte sie den ganzen Tag und aß erst zu Hause etwas. Und aus Frust landete jedes mal eine Tafel Schokolade in ihrem Einkaufswagen. Immer dann, wenn der Frust besonders schlimm war. Selbst als Kind war das schon so gewesen. Da hatte sie die Schokolade vor den Betreuern und den anderen Kindern versteckt. Und erst, wenn sie sicher war alleine zu sein und keiner sie sah, verschlang sie die Schokolade.

Nun war sie endlich in ihrer Einzimmerwohnung angekommen, machte das Licht an und verstaute ihren kleinen Einkauf in die Schränke. Sie schaltete den Wasserkocher für einen Tee an. Nachdem sie sich den Tee aufgebrüht hatte, sprang sie noch schnell unter die Dusche, so konnte der Tee in Ruhe ziehen und hatte anschließend, die für sie, perfekte Temperatur.

Mit dem Tee und der Schokolade bewaffnet setzte sich Ellena auf ihre Schlafcouch und schnappte ihr Buch um noch die letzten Seiten zu lesen. Doch so wirklich konnte sie sich nicht darauf konzentrieren. Immer wieder schweiften ihre Gedanken an den heutigen Tag zurück. Dachte an die dummen Sprüche, die ihre Chefin ihr an den Kopf warf, an die Gäste, die sie auslachten. Wieder füllten sich ihre Augen mit Tränen, doch diesmal konnte Ellena sie nicht zurückhalten und fing hemmungslos an zu schluchzen. Sie fühlte sich so furchtbar einsam. Ellena kannte dieses Gefühl der Einsamkeit nur zu gut: sie hatte ihr ganzes Leben nie jemanden dem sie sich anvertrauen konnte. Der sie in den Arm nahm, wenn es ihr schlecht ging. Immer hatte sie das Gefühl, dass ihr etwas fehlte. Das ihr mehr fehlte, als nur Freunde und Familie. Sie fühlte sich oft einfach ruhelos. Sie wünschte sich jemanden, der ihr sagte, dass alles wieder gut werden würde. Der einfach da war.

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Ellena wachte völlig gerädert am nächsten Morgen auf. Sie war irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen, doch ihr Wecker kannte kein Erbarmen. So fühlte sie sich allerdings auch. Sie fühlte sich völlig erschlagen, und wenig ausgeschlafen. Am liebsten hätte sie sich nochmal umgedreht um noch ein paar Stunden zu schlafen. Und sie wusste, dass der Blick in den Spiegel gleich das pure Grauen war. Sie warf die Decke zur Seite, stand auf und schlurfte ins Badezimmer. Wie sie sich gedachte hatte: ihre Augen waren rot und geschwollen vom vielen Weinen, von den tiefen Augenringen mal ganz zu schweigen. Sie putzte sich die Zähne und warf anschließend eine ordentliche Ladung Wasser ins Gesicht. Der erneute Blick in den Spiegel war nicht wirklich Zufriedenstellend. Denn noch immer sah sie völlig fertig aus. Sie entschied sich dazu, eine tönende Tagescreme und etwas Wimperntusche aufzutragen. Mit dem Ergebnis war sie mehr oder weniger zufrieden und ging dann in die Küche um sich etwas zu essen zu machen.

Ihr neuer Chef hatte Ellena gebeten, um elf Uhr zu erscheinen. Sie sollte sich darauf einstellen, dass es ein langer Tag werden würde. Er wollte ihr alles in Ruhe erklären. Nachdem Ellena eine Kleinigkeit gegessen hatte, schnappte sie sich ihre Tasche und Jacke und machte sich auf dem Weg.

Ein Gutes hatte ihre neue Stelle. Sie lag diesmal in dem Stadtteil in dem sie auch wohnte und sie musste nicht wie sonst durch halb Köln. Zwar musste sie auch jetzt noch 10 Minuten mit dem Bus durch Mühlheim fahren, aber das war in Ordnung.

Ellena betätigte die Haltewunschtaste und verließ den Bus. Sie überquerte nur noch die Straße, dann hatte sie es geschafft. Die Kneipe lag direkt gegenüber einer Polizeiwache. Ellena war total nervös und hatte zittrige Knie. Sie hoffte, dass ihr neuer Chef netter war, als ihre alte Chefin. Zwar hatte er beim Vorstellungsgespräch einen freundlichen und herzlichen Eindruck gemacht, aber das war auch bei ihrer ehemaligen Chefin der Fall gewesen. Erst später hatte sie ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie klopfte an die Tür und wartete das ihr aufgemacht wurde.

Von innen hörte sie, dass jemand sich durch den Raum bewegte und etwas über den Boden schob. Ein Schlüssel wurde umgedreht und ehe Ellena sich versah, sah sie in das Lächelnde Gesicht ihres neuen Chefs.

„Lena, da bist du ja.“ wurde sie auch schon begrüßt und in die Kneipe gezogen.

„Guten Morgen Willi.“ erwiderte Ellena leise. Ihr Chef hatte nicht lange gefackelt und ihr eine Kurzversion ihres Namens verpasst und ihr das 'Du' angeboten. Wie sollte ein Chef denn da nicht einfach nur nett und herzlich sein? Ellena zog ihre Jacke aus und hing sie sich über den Arm.

„Komm, ich zeig dir, wo du deine Sachen solange lassen kannst.“ Ellena nickte und folgte Willi. Er war ihr auf Anhieb sympathisch. Sie schätze ihn auf Mitte fünfzig, hatte schütteres Haar und war leicht untersetzt und schien einfach eine kölsche Frohnatur zu sein. Wie konnte man so jemanden denn nicht mögen? Er führte sie in die hinteren Räume und ging in sein Büro.

„Hier kannst du deine Tasche und Jacke aufbewahren, wenn du arbeitest. Hier hinten hat außer uns niemand Zutritt.” Außer Ellena, arbeitete hier noch eine Köchin, erzählt Willi weiter. Die würde Ellena allerdings erst heute Mittag kennenlernen.

„So dann wollen wir mal.“ Willi klatsche in die Hände und reichte seiner neuen Mitarbeiterin eine Schürze, die sie sich gleich umband. Willi ging als erstes in die Küche. Er hielt Ellena die Tür auf und ließ sie vor gehen.

„Silvia, darf ich dir unsere neuen Kollegin vorstellen?“ rief er durch die Küche. Zuerst bekam er keine Antwort, denn Silvia kam aus dem kleinen Kühlhaus und hatte nicht wirklich gehört, was Willi von ihr wollte und sah ihn fragend an.

„Das ist Lena und wird uns ab heute unterstützen.“ stellte er sie vor. Silvia lächelte und reichte Ellena die Hand.

„Hallo, ich bin Silvia. Auf gute Zusammenarbeit. Und wenn du etwas auf dem Herzen hast, dann immer raus damit.“ Ellena nahm die Hand und grüße schüchtern zurück. Sie schätze Silvia auf Ende vierzig. Sie hatte blonde Haare, die sie zu einem Dutt zusammen gebunden hatte. Sie war sehr schlank, dass genaue Gegenteil von Ellena. Allerdings hatte Silvia irgendwie eine mütterliche Ausstrahlung, die sie sympathisch machte.

„Silvia sorgt für das leibliche Wohl unserer Gäste und auch für unser.“ zwinkerte er ihr zu. „Wenn es vorne mal sehr voll ist, dann helfen wir hier auch mal aus. Jeder hilft jedem.“ erklärte Willi.

Nachdem sie die Küche verlassen hatten, erklärte Willi, dass allein Silvia das Sagen in der Küche hatte. „Zu viele Köche verderben halt den Brei.“ hatte er ihr gesagt. Sie waren wieder in den Schankraum gegangen und Willi erklärte ihr nun, wo sich alles Befand. Die Ersatzgläser waren in den Schränken verteilt. Es standen reichlich Kölschgläser griffbereit neben der Zapfanlage. Da Ellena noch nie ein Bier gezapft hatte, zeigte er ihr zuerst, wie man das Fass an die Anlage anschloss und anschließend zeigt er ihr, wie man das Kölsch zapfte und ließ sie es auch selbst versuchen.

„Naturtalent würde ich sagen.“ und klopfte ihr auf die Schulter. Ellena versuchte sich so gut wie möglich alles zu merken.

„Nicht schlimm, wenn du dir nicht gleich alles merken kannst. Wenn du etwas nicht weißt, dann frag einfach.“ zwinkerte ihr Willi zu.

„Ich muss jetzt gleich noch in den Großmarkt und noch ein paar Sachen für Silvia kaufen. Du kannst ja nochmal über die Tische gehen und um 13 Uhr einfach die Tür aufmachen.“ Ellena stockte. Sie sollte das alleine machen? Das würde sie nicht schaffen. Sie hatte doch gerade erst angefangen.
„Mach dir keinen Kopf. Du kannst Bier zapfen. Das ist das wichtigste. Und wenn etwas ist, dann ist Silvia in der Küche. Ich werde nicht lange brauchen.“ sagte Willi, verschwand kurz und kam mit seiner Jacke wieder nach vorne.

„Du schaffst das. Ach und nicht wundern, die Polizisten von der Wache drüben sind hier Stammgäste.“ und damit verschwand Willi aus der Kneipe.

Ellena schluckte. Sie war sich nicht so sicher wie Willi. Sie hatte Angst irgendwelche Fehler zu machen. Doch es half alles nichts. Sie schnappte sich einen Lappen und einen Eimer und wischte über die Tische und da sie gerade dabei war, wischte sie noch den Staub von der Fensterbank. Pünktlich um Eins schloss sie dann die Tür auf und wartete auf die ersten Gäste.
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