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Perché tu sei tutto ciò di cui ho bisogno – Weil du alles bist, was ich brauche

GeschichteAllgemein / P12 Slash
Ezio Auditore da Firenze Leonardo da Vinci
04.08.2020
08.08.2020
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04.08.2020 1.767
 
Mit keuchendem Atem presste er die Hand an seine Seite. Er fühlte, wie das warme Blut durch seine Finger rann und wie das Fleisch an der Stelle brannte, wo das Schwert ihn getroffen hatte.

Nur knapp war er wieder einmal der Stadtwache entkommen – zu knapp. So gut es ging hastete er über die Dächer. Die Mittagssonne ließ ihm den Schweiß über das Gesicht rinnen. Er schaffte es kaum noch, über die Lücken zwischen den Häusern zu springen und wäre das ein ums andere mal schon fast in eine der belebten Gassen gefallen. Dort unten wimmelte es vom Menschen. Sie waren unterwegs zum Markt oder wollten dabei zusehen, wie gerade alles für den Carnevale vorbereitet wurde. Doch niemand sah den Schatten, welcher über ihren Köpfen hinweg huschte. Auch wenn er verletzt war, wusste er immer noch, wie er sich den Blicken anderer Menschen entzog.

Er hatte sein Ziel nun fast erreicht. Unbemerkt kletterte er an einer Hauswand herunter, wobei ein stechender Schmerz durch die Wunde an seiner Seite fuhr. Völlig erschöpft und außer Atem klopfte er an die Tür der Bottega, der Blutverlust ließ ihn schon schwindlig werden. Ein paar Sekunden später öffnete sich die Tür auch schon und ein Mann erschien. Um seinen Körper trug er eine Schürze, welche über und über mit bunten Farbklecksen bedeckt war, genau wie seine Hände. Auf seinem Kopf saß schief ein rotes Barett, welches die schulterlangen blonden Haare bedeckte.

Als der Mann erkannte, wer da an seine Tür geklopft hatte, hellte sich seine Miene auf. Seine kristallblauen Augen funkelten und sein Mund verzog sich zu einem Breiten lächeln. Doch das änderte sich schlagartig, als er die tiefe Wunde entdeckte, welche das weiße Gewand seines Gegenübers mittlerweile rot gefärbt hatte. Schnell zog er ihn zu sich hinein und verschloss die Tür von innen.

„Ezio, was – “, setze er an, seine Stimme klang erschüttert.

Doch er wurde sogleich vom anderen beruhigt: „Mach dir keine Sorgen, Leonardo. Es ist nur eine kleine Wunde, nichts, worüber man sich aufregen müsste.“

Sein Gegenüber geriet in Rage. „Nichts worüber man sich aufregen müsste?! Ezio, du blutest den ganzen Boden voll und kannst kaum noch gerade stehen – hier, setz dich erst einmal“, er setzte ihn auf einen Stuhl, „du musst besser aufpassen. Wenn dir etwas zustoßen würde, könnte ich mir das niemals verzeihen. Das alles nur wegen dieser verdammten Kodexseiten. Ich – “

Weiter kam er nicht, da Ezio ihm eine Hand auf die Schulter legte. „Leo, es ist nicht deine Schuld. Ich suche die Kodexseiten, weil ich sie brauche, du entschlüsselst sie nur. Das heute war nicht das erste Mal, dass ich dabei verletzt wurde. Es waren so viele Stadtwachen und der eine Bastard hat mich aus dem Rücken angegriffen, als ich gerade mit seinen Kumpanen beschäftigt war. Aber was zählt ist, dass ich entkommen bin. Jetzt muss nur noch diese verdammte Wunde versorgt werden, sonst verblute ich wirklich noch.“

Ungläubig schaute Leonardo Ezio an, schüttle dann nur den Kopf und holte das Verbandszeug und den Alkohol. Wie konnte man nur so töricht sein? Er konnte sich gar nicht vorstellen, was er tun sollte, wenn Ezio etwas zustieße. Seit Maria Auditore, Ezios Mutter, die beiden vor ein paar Jahren in Florenz miteinander bekannt gemacht hatte, war Ezio sein bester Freund. Vielleicht sogar etwas mehr als das. Das konnte er ihm aber nicht erzählen, sonst würde Ezio bestimmt nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen.

Seufzend kehrte er in die Werkstatt zurück. Er sah, wie Ezio gerade das Gemälde betrachtete, an dem er kurz zuvor noch gearbeitet hatte und nebenbei immer noch die Hand an seine Seite gepresst hielt. Das Bild war der Auftrag irgendeines Adligen, welcher in den letzten Tagen Modell für das Porträt gestanden hatte. Nun verpasste Leonardo dem Gemälde nur noch den letzten Schliff, dann würde er es verkaufen. Er liebte seine Arbeit, doch das Malen von reichen Schnöseln ermüdete ihn. Doch schließlich musste er ja irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen.

In seiner Freizeit bastelte er wissbegierig an seinen Erfindungen. Sein neustes Projekt war eine Flugmaschine, welche einem Menschen ermöglichte, wie ein Vogel durch die Luft zu schweben. Auch wenn Ezio dies nur belächelte – er glaubte nicht daran, dass ein Mensch jemals in der Lage dazu wäre, zu fliegen – ließ sich Leonardo nicht von seinem Vorhaben abbringen. Die Maschine stand kurz vor der Vollendung und wenn es soweit war, wusste er schon genau, wer als erster einen Testflug machen würde. Ob dieser jemand nun wollte oder nicht.

Ezio hatte sich mittlerweile aus seinen Roben befreit und saß nun nur in einer Hose bekleidet da. Leonardo musste bei diesem Anblick schlucken, doch er versuchte, sich möglichst nichts anmerken zu lassen. Ezio hatte ihn noch nicht bemerkt. Erst als er sich vor ihm hinkniete und vorsichtig seine Hand zur Seite schob, zuckte er unter der Berührung etwas zusammen.

„Ezio, es tut mir leid, habe ich dir wehgetan?“, fragte Leonardo und musterte ihn besorgt.

„Nein Leo, es ist alles in Ordnung, ich ... ich habe dich nur nicht kommen sehen und mich erschreckt“, entgegnete Ezio, auch wenn es nicht die ganze Wahrheit war. Früher hatten Leonardos Berührungen ihm nichts ausgemacht, doch mit der Zeit fühlten sie sich immer intensiver an und hinterließen ein Kribbeln an der Stelle, wo er ihn berührt hatte. Ezio konnte sich nicht erklären, warum es so war. Er wusste nur, dass es ihn jedes Mal fast um den Verstand brachte. Dazu kamen Leonardos strahlende, kristallklare, blaue Augen, welche jedes Mal aufleuchteten, wenn er ihn besuchte und dieses warme, vor Freude strotzende Lächeln, das ihn geborgen fühlen ließ.

Ezio merkte, dass er mit seinen Gedanken abschweifte und wechselte das Thema, während Leonardo sich an die Versorgung der Wunde machte. „Wie steht es eigentlich um deine neue Erfindung? Machst du schon Fortschritte?“, fragte er, einen leicht spöttischen Unterton in  der Stimme, was Leonardo missbilligend zur Kenntnis nahm.

Er bestrafte Ezio, indem er ohne Vorwarnung den Alkohol, welcher zur Desinfektion diente, über die Wunde goss. Erschrocken verzog er das Gesicht und schaute Leonardo wütend an „Merda, Leonardo! Warum hast du mich nicht gewarnt?“ Dann lockerten sich seine Züge aber wieder und er ließ die Tortur mit geschlossenen Augen über sich ergehen.

„Ich würde es sehr wünschenswert finden, wenn du dich nicht ständig über meine Arbeit lustig machen würdest. Ich glaube fest daran, der Lösung nahe zu sein. Ich muss nur noch ein paar Feinheiten ausbessern, dann kannst du einen Probeflug machen.“

Ezio öffnete die Augen und starrte auf die Konstruktion in einer Ecke der Werkstatt, die schon seit einigen Monaten dort stand und nur auf ihren Einsatz wartete. „Keine zehn Pferde werden mich dazu bringen, mit dem Ding zu fliegen. Am Ende lande ich in irgendeiner Gasse und habe mir alle Knochen gebrochen. Oder ich lande in einem der Kanäle, auf dessen Grund ich dann langsam verrotte, ohne dass mich jemals ein Mensch findet.“

„Das werden wir ja noch sehen“, sagte Leonardo leicht säuerlich. Er mochte Ezio sehr und er wusste, dass dieser immer zu ihm halten würde, doch manchmal konnte er ein echter Holzkopf sein.

Ezio erwiderte nichts und schloss nur wieder die Augen. Er wusste, dass es nichts bringen würde, weiter mit Leonardo darüber zu diskutieren. Obwohl er es nicht zugeben wollte, er glaubte an seinen Freund. Aber der Gedanke, selbst mit diesem Höllending über die Dächer von Venedig fliegen zu müssen, beliebte ihm nicht.

Während Leonardo seine Arbeit verrichtete, betrachtete er Ezio näher. Seine dunkelbraunen Strähnen hingen ihm verklebt vom Schweiß ins Gesicht. Das Band seines Zopfes hatte sich auch schon fast gelöst.

In seinem Gesicht erkannte Leonardo die Erschöpfung, er hatte dunkle Ringe unter den Augen und seine Züge wirkten müde. Wahrscheinlich hatte er seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen. Trotzdem war es das schönste Gesicht, das Leonardo kannte und er hatte schon einige schöne Personen porträtiert. Die vollen Lippen, über welche sich auf der einen Gesichtshälfte eine lange Narbe zog, die sanften Züge, welche trotz der ganzen Strapazen in seinem Leben noch so jung und unschuldig aussahen, die ausgeprägten Kiefer- und Wangenknochen, die langen, schwarzen Wimpern und die braunen Augen, welcher er gerade geschlossen hatte – das alles war in Leonardos Augen pure Perfektion.

Nur zu gern hätte er Ezio mit Pinsel und Farbe auf die Leinwand gebracht, doch er traute sich nicht ihn zu Fragen, da er fürchtete, dass Ezio Leonardos Gefühle für ihn erkennen könnte. Das würde ihre Freundschaft zerstören, was er auf keinen Fall zulassen konnte.

Bei diesem Gedanken seufzte er innerlich auf. Er musste sich damit zufrieden geben, dass Ezio nicht so wie er empfand. Selbst wenn es so wäre, in dieser Zeit als Mann einen anderen Mann zu lieben, war verboten und als eine Abscheulichkeit angesehen. Einmal wurde er deswegen fast vor Gericht verurteilt, nur ein paar glückliche Umstände hatten ihn aus dieser misslichen Lage befreit. Er wünschte sich, dass es irgendwann in der Zukunft keine Rolle mehr spielen würde, wen man liebt und dass jeder einfach er selbst sein konnte.

Ezio musste bemerkt haben, dass Leonardo ihn angestarrt hatte, denn er hatte nun seine Augen geöffnet und fragte: „Was ist, mein Freund, habe ich etwas im Gesicht?“

Beschämt lenkte Leonardo seinen Blick zur Seite und sagte nur etwas wie „Nein, alles in Ordnung“. Er fuhr mit dem Verbinden der Wunde fort, indem er den Verband ein paarmal um Ezios Bauch wickelte.

Schließlich stand er auf und bot Ezio an, sich in seiner Kammer hinzulegen und sich etwas auszuruhen. Erst wollte Ezio ablehnen, doch als er Leonardos fordernden Blick sah, wusste er, dass jede Diskussion zwecklos war. Insgeheim war er sehr dankbar, die letzten Tage hatten ihm einiges seiner Kräfte abverlangt. Er konnte sich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal in einem richtigen Bett geschlafen hatte.

In Leonardos Schlafkammer blickte er aus dem Fenster. Die Gasse unter ihm war gefüllt mit Menschen, die ganze Stadt traf Vorbereitungen für das Karnevalsfest, das in wenigen Tagen stattfinden sollte. Er überlegte, ober er mit Leonardo dort hingehen sollte. Das Risiko, entdeckt zu werden, war hoch, aber er hatte sich schon lange nicht mehr einen ausgelassen Abend gegönnt. Er wusste, dass auch Leonardo unentwegt arbeitete und er sich mal eine Pause verdient hatte, auch wenn Ezio ihn wahrscheinlich dazu zwingen müsste. Doch wer konnte schon seinem Charme widerstehen?

Er zog die Vorhänge zu, um den Raum vor dem Tageslicht abzuschirmen und legte sich in das Bett. Es war für zwei Personen, obwohl Leonardo alleine lebte. Ezio fragte sich, ob Leonardo wohl manchmal Frauenbesuch bekam. Auch er musste sich doch mal einsam fühlen.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf und dem Geruch von Leonardo, welcher in den Kissen und den Laken hing, schlief er schließlich ein.

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Carnevale – Karneval

Bottega – Werkstatt

Merda - Scheiße
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