Till the undead do us part - eine Liebesgeschichte mit Zombies

GeschichteParodie, Romanze / P18
02.08.2020
19.09.2020
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02.08.2020 4.572
 
Hellow!!!

Herzlich willkommen zum ersten Gemeinschaftsprojekt von MissInfinity und HellowImMellow!

Hier schreiben wir beide
'Till the undead do us part - eine Liebesgeschichte mit Zombies'.

Hierbei handelt es sich um den Alltag von Charlie und Jules; zwei Freundinnen, die inmitten der Zombieapokalypse endlich ihre Unschuld verlieren wollen. Aufgrund des Settings wird es also eventuell etwas splattery und blutig, aber eben auch romantisch. Wichtig ist uns, dass wir uns hierbei nicht zu ernst nehmen und alles mit einer Prise Humor gelesen wird.

MissInfinity schreibt Charlie und HellowImMellow schreibt Jules.
Den Auftakt übernimmt Mellow, und weiter geht es dann im nächsten Kapitel mit MissInfinity. Sehr wahrscheinlich wechseln wir uns ab.

Hoffentlich habt ihr mindestens halb so viel Spaß beim Lesen, wie wir beim Schreiben! Dann hat sich das schonmal für uns alle gelohnt. Lasst uns gern ein Review, einen Favo oder einen Stern da.  :]

Falls ihr mehr von uns lesen wollt, schaut doch mal in unsere aktuellen Projekte - Masterpiece  von MissInfinity und Halbeinsamkeit von HellowImMellow.


Liebste Grüße
Hellowfinity :]





1. Kannibale und Liebe
mellow: Jules' POV


Kühl. Leuchtend. Verlässlich.

Meine Finger fahren langsam über das glänzende, geriffelte Metall von Betty, die klein und schwer in meiner rechten Hand liegt. Seit der ganze Wahnsinn hier begann, ist Betty immer bei mir. Betty ist leise, wenn es sein muss, hört zu, wenn ich traurig bin, und ist laut, wenn ich sie brauche. Viele Waffen haben wir in der Besenkammer angehäuft, seit der Alltag hier sich so grundlegend verändert hat. Die meisten haben wir von einem Schützenverein geklaut. Viele schießen besser, als Betty. Sie sind auf die Entfernung zielgenauer, oder richten auf die Nähe mehr Schaden an. Betty dagegen ist allerdings nur eine einfache, kleine Pistole. Meine erste Waffe. Irgendwie hänge ich an ihr, seit ich sie dem Soldaten abgenommen hatte, der mich in einen Laster pferchen und in eine allumfassende Quarantäne stecken wollte. Damals, an jenem Besuchstag, als alles begann. Ich nahm sie ihm aus der Hand, während er blutend und weinend auf dem Boden lag. Und dann erschoß ich damit meinen Vater, der sich gerade über seine Eingeweide hermachte.

Ach ja. Dieser Tag im Sommer vor zwei Jahren änderte so viel. Ich war gerade 18 geworden. Damals dachte ich noch, ich käme in zwei Monaten wieder raus, könnte doch noch zur Schule gehen, mein Abi machen, und würde in einem pompösen Kleid auf meinem Abiball tanzen und den heißesten Typen der Stufe abschleppen. Aber es ändert sich eben viel, wenn das Militär die Klinik stürmt, weil die Patienten plötzlich damit anfangen, sich gegenseitig zu verspeisen. Nicht nur hier war das so. Sondern auf der ganzen Welt. Jedenfalls glaube ich das. Trotzdem hoffe ich, dass es dort draußen irgendwo noch ein paar Orte gibt, die völlig friedlich und nicht vom Tod heimgesucht sind. Inseln vielleicht? Die in der Nordsee oder im Mittelmeer? Japan? Irgendwo muss es doch einfach noch mehr Menschen in meinem Alter geben, außer meine beste Freundin und die Hand voll junger Erwachsener, mit denen ich hier zurück geblieben bin. Auf jeden Fall gibt es das Militär und die Polizei nicht mehr. Sie starben mit der Zeit genauso erbärmlich aus, wie der Soldat, dessen Finger sich von der Waffe in seiner Hand lösten, während mein Vater seinen Darm durchbiss. Mit vor Entsetzen geweiteten Augen starrte er mich damals an und murmelte: „Betty...“

Ich habe bis heute keine Ahnung, wer Betty war. Ich weiß nur, wer Betty jetzt ist. Die kleine Pistole in meiner Hand, die ich mittlerweile nicht mehr streichele, sondern dessen Lauf ich mir an die Schläfe drücke.

Betty zittert, als ich das Gefühl des kühlen Metalls auf meiner Haut spüre. Ich atme ein und strecke den Rücken durch. Die Dachterrasse ist so friedlich heute. Es ist sonnig. Ich bin allein, weil die andern wahrscheinlich alle am See chillen und ihr Leben genießen. Einige sind auch auf Beutezug und durchforsten die umliegenden Supermärkte nach Nahrung und Hochprozentigem. Und ich stehe währenddessen hier oben, schaue auf unser Reich hinab und frage mich, wie mein Leben weiter gehen soll.

Ich fühle mich mächtig und stark, als ich auf den Klinikvorplatz hinab schaue und Betty gegen meine Schläfe drücke. Ich könnte das jetzt einfach durchziehen und diesem langweiligen Leben ein Ende bereiten. Jeder Tag ist wie derselbe. Wir fünf kochen (das heißt: wir wärmen die unzähligen Fertigpakete Essen auf, die die Klinikleitung scheinbar für genau dieses Szenario hier gebunkert hat), essen zusammen, ballern herum, streiten uns, und leben so in den Tag hinein. Ab und zu erkunden wir die Gegend und räumen Supermärkte aus. Meistens besorgen wir uns dann Alkohol. Ab und zu gönnen wir uns auch eine Hand voll Psychopharmaka und gehen auf einen Trip – dies hat uns aber bisweilen nie so wirklich Spaß gemacht. Teddy, unser Bipolarer, wäre daran letztens fast gestorben. Seitdem lassen wir die Finger davon. Blöderweise hat dies dann auch noch eine Manie in ihm ausgelöst, die ihn dazu bewegte, sämtliche unserer Munition zu verschießen, weswegen Charlie nun mit ihm unterwegs ist, um Nachschub zu suchen.

Charlie... Bei dem Gedanken an sie bebt meine Hand noch mehr. Neben Sophie, Teddy und Joe ist sie die einzige, die mir noch geblieben ist. Und das ist ein Glück. Denn sie ist meine beste Freundin; und genau, wie die andern drei, sowas wie eine lebende Killermaschine. Wir sind schon fünf Freaks, die sich hier so zusammengefunden haben. Aber dadurch, dass eben nur die schnellsten, pfiffigsten und stärksten sich gegen die Plage der Menschenfresser durchsetzen konnte, sind nun mal nur wir fünf Psychopathen übrig geblieben. Und nun kommen wir zu meinem größten Problem – leider ist von den beiden Typen einfach jeder einzelne unfickbar.

Ich atme schwer, während Tränen mir über die Wange laufen. Soll ich meinem Leben wirklich ein Ende setzen? In drei Tagen ist mein 20. Geburtstag. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich meinen 20. Geburtstag freiwillig in einer psychiatrischen Klinik verbringen werde, die wir zu einem Hochsicherheitstrakt umfunktioniert haben. Klar, hier sind wir sicher und abgeschirmt von allen, ehe wir unsere Tore öffnen  – aber genauso sicher eingebettet ist meine Jungfräulichkeit.

Verdammt, ich will einfach Sex! Ich weine heftiger, während Betty unkontrolliert in meiner Hand zittert. Wieso musste diese Scheiß Pandemie kommen, als ich gerade im Begriff war, aus der Klinik entlassen zu werden? Wieso bin ich damals in der Schule so ausgerastet, dass ich schließlich für mehrere Monate in dieser Klinik landen musste? Wieso habe ich mich damals so von meinem Emotionen überrollen lassen, und meiner Lehrerin vor der ganzen Klasse gesagt, dass ich sie töten werde, wenn sie mich nicht versetzt? Und warum habe ich nicht einfach die Klappe gehalten und versucht, Michi aus der Parallelklasse zu vögeln?

Michi ist jetzt bestimmt tot, wie fast alle, oder er wandelt apathisch stöhnend durch die Schule. Auf jeden Fall bringt mir sein verrottender Körper gerade gar nichts mehr, und alles, was ich zur Auswahl habe, ist Teddy, der einfach nur völlig irre ist, und Joe, der noch immer nicht damit aufgehört hat, sich die Arme aufzuschneiden.

Mit der freien Hand wische ich mir übers Gesicht. So eine gequirlte Scheiße aber auch! Welchen Sinn hat ein Leben als ewige Jungfrau? Ich kneife die Augen zusammen und drücke ab.

Die stöhnenden Zombies unten vor den Kliniktoren schauen sich verwirrt um. Einer in ihrer Mitte sinkt auf die Knie und fällt zu Boden. Hatte ich ihn tatsächlich direkt zwischen die Augen getroffen? Mit Betty?

Bewundernd mustere ich die Knarre in meiner Hand und tätschele anerkennend den Lauf. Ich dachte wirklich nicht, dass ich auf die Entfernung mit dieser Waffe überhaupt was treffen würde. Und siehe an.

„Braves Mädchen“, wispere ich keuchend. Mein Atem rasselt. Ich muss mich beruhigen.

Die leblosen Gestalten dort unten drehen sich stöhnend um sich selbst. Sie versuchen zu ergründen, wo der Schuss hergekommen war, aber sie sind nunmal gehirntot. Sie kommen wohl nie drauf, dass ich es war, die ihren Kumpanen erschossen hat. Glücklicherweise sind sie deshalb auch nicht so emotional.

Noch immer versuche ich meinen Atem zu regulieren, als ich auf die Knie sacke.

Darf. Nicht. Die. Nerven. Verlieren.

Muss. Mich. Damit. Abfinden. Dass. Es. Für. Mich. Fürs. Erste. Nichts. Zum. Ficken. Gibt.

Irritiert kichere ich auf. Hatte ich mich gerade wirklich fast selbst erschossen, weil sich hier kein Typ für mich findet? Oh Jules, du bist so kaputt, denke ich. Auf der andern Seite ist all das ein ernsthaftes Problem. Charlie denkt darüber ähnlich, das weiß ich. Sie hätte auch gern mal Sex. Ich glaube aber, sie ist bei weitem nicht so verzweifelt, wie ich. Es könnte aber auch sein, dass ich mich irre, und sie mir einfach noch nicht offenbart hat, wie fertig es sie macht.

Mein Kopf brummt, als ich aufblicke. Die Untoten vor den Pforten haben aufgegeben und wundern sich wohl gar nicht mehr, wieso einer von ihnen erschossen wurde. Dumpf stöhnend schlendern sie an den Pforten entlang.

Ein irres Lachen dringt aus meiner Kehle. Manchmal schaue ich mir die Zombies so an, und kann gar nicht glauben, dass das hier wirklich mein Leben ist. Als ich in die Klinik kam, gab es autonom fahrende Elektroautos, Staubsaugerroboter, und es kamen gerade die ersten Haushaltsandroiden als Helfer auf den Markt. Sie sahen aus wie Menschen und ersetzten ihre Aufgaben komplett. Ich hätte total Lust gehabt, Ingenieurswesen zu studieren, und selbst an all diesen modernen Dingen mitzuarbeiten. Jetzt kann ich mir ein Studium in die Haare schmieren. Und einen Abiball mit heißem Verehrer ja sowieso.

„Ach, Scheiße!“, schreie ich den Zombies entgegen.

Ein paar haben mich gehört und schauen grunzend zu mir hoch.

„Ihr seht alle Scheiße aus!“, rufe ich zornig. „Bestimmt war unter euch auch mal ein heißer Typ, der... Naja, mit dem ich hätte Sex haben können!“, füge ich hinzu, als sei die ganze Situation ihre Schuld.

Ein Zombie, der wohl irgendwann mal ein eventuell ganz ansehnlicher Typ gewesen war, starrt aus blutunterlaufenden Augen stöhnend zu mir hoch. Sein dunkler Kapuzenhoodie ist zerschlissen und seine Gedärme hängen klebrig und trocken an seinem Knie. Tja, das hätte er gewesen sein können. Der eine. Aber nun ist er nichts als ein Untoter, der es auf mein Fleisch abgesehen hat.

Ich will gerade kehrtmachen und seufzend schauen, was Joe und Sophie so treiben (hoffentlich quälen sie keine Tiere), da ist plötzlich Tumult auf dem Klinikvorplatz. Neugierig blicke ich auf.

Mit quietschenden Reifen brettert ein schwarzer Porsche auf die Tore der Klinik zu. „Ach du Scheiße“, murmele ich entsetzt. Ich kenne diesen Wagen. Es ist das Auto des Klinikleiters. Jeden Tag war er damit zur Arbeit gefahren, ehe Zombies sein Gehirn gefrühstückt hatten. Selbstverständlich hatten wir uns seinen Schlüssel als erstes besorgt. Klar. Das ist jetzt unser Wagen.

Hastig rappele ich mich auf. Betty stecke ich in die Hose. „Charles?“, brülle ich dem Auto entgegen.

Schüsse hallen durch den Wald.

„JAAAAA IHR IRREN NEHMT DAS!!!!!“ Teddy lehnt aus dem Beifahrerfenster des Wagens, in der Hand eine Shotgun. Er ballert wie wild auf den Zombie mit dem schwarzen Hoodie, der mit einem verwirrten Grunzen hinabsinkt.

„Was zum...?“, murmele ich und kann gar nicht verstehen, weshalb das Auto gerade so ins Schlingern gerät. „CHARLES?“

Endlich erkenne ich Charlie am herabgekurbelten Fahrerfenster und sie erkennt mich. „Jules! Öffnet, verdammt! Er...“ Doch ich kann sie nicht mehr verstehen. Denn Ted rastet total aus.

„ICH MACH EUCH ALLE, JAAAA!“, schreit er, lehnt sich weiter aus dem Wagen und ballert seine restliche Munition in die Zombies, die auf ihn zu schlurfen.

„Fuck“, murmele ich, schreie: „Sofort!“ und renne ohne zu zögern auf die Terrassentür zu.

Ich flitze durch die Klinikgänge und gelange zum Treppenhaus. Verdammt, es war ein Fehler, Charlie mit Teddy alleine loszuschicken. Seitdem Ted diese 10 Citalopram auf einmal genommen hat, hat er entweder nur geschlafen, oder ist total durchgedreht. Mit Psychopharmaka spielt man halt eigentlich nicht, liebe Kinder – aber was soll man schon machen, wenn die gähnende Langeweile hier einen so lähmt?

An sich war die Anzahl der Zombies vor der Klinik absolut überschaubar und es bestand kein Grund dafür, so rumzuschreien und rumzuballern. Mal wieder bestätigt sich: Ted ist einfach eine Gefahr für uns alle, auch für sich selbst. Aber glücklicherweise eben auch für die Zombies. Und darum ist er mehr als nützlich.

Ich flitze das Treppenhaus hinunter und knalle plötzlich mit jemanden zusammen. „Autsch!“

„Julie!“, piepst Sophie begeistert und strahlt mich an. Ihre hellen Haare fallen ihr in die Augen und sie streicht sie mit zuckenden Fingern aus ihrem Gesicht. „Du musst dir anschauen, was Joe gemacht hat. Die Maschine läuft, Jules!“ Sophie ist die Jüngste von uns. Während wir andern, überlebenden Teenager alle um die 18 waren, als wir her kamen, war Sophie erst 13. Jetzt ist sie also 15, für ihr Alter aber noch immer sehr klein und sehr kindlich. Ich frage mich wirklich manchmal, wie sie hier mit uns klar kommt, aber auf der andern Seite ist sie nun mal auch auf ihre unschuldige Art furchtbar verrückt und blutrünstig, obwohl man ihr das erst mal nicht ansieht. Ich lasse sie nur ungern alleine raus in die Natur, weil sie auf eigene Faust immer wieder Tiere umbringt, wie eine stromernde Katze. Leider ist Joe da ihr Partner in Crime. Im Gegensatz zu ihr, freut er sich aber wohl einfach, dass es dem Tier in dem Moment schlechter geht, als ihm.

„Was für eine Maschine?“, frage ich verständnislos und laufe dann weiter. „Und sag mal, hast du den Lärm nicht gehört? Bist du taub? Charlie ist in Schwierigkeiten. Wir müssen die Pforte aufmachen, los!“

Sophie sprintet mir hinterher. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Berichte über Charlie überhaupt angekommen sind. Jedenfalls quiekt sie: „Na, die Tattoomaschine von letztens! Joe hat sich ein kleines Tattoo auf den Fuß gestochen! Es...“ Sie unterbricht sich, und ruft dann begeistert: „Es hat voll geblutet!!!!“

„Ist ja toll!“, rufe ich verärgert. „Du blutest auch gleich, wenn du mich weiterhin mit eurem Quatsch nervst! Hilf mir endlich und komm!“

Kichernd folgt mir Sophie, als ich durchs Treppenhaus brettere und im Erdgeschoss ankomme. Noch immer ist draußen Tumult und Geschrei zu hören.

„JOE?!“, brülle ich in die Lobby. Nichts ist zu hören.

„Hab ich dir doch gesagt, Jules, er tätowiert sich!“, ruft Sophie ganz angetan.

„Hol ihn!“, fordere ich das Mädchen dazu auf. „Und er soll sein Beil mitbringen!“

„Geht klar!“, ruft Sophie fröhlich und flitzt davon.

Draußen angekommen, sehe ich sofort, dass meine Hilfe sehr wohl gebraucht wird. Ich bekomme gerade noch mit, wie Teddy aus dem offenen Beifahrerfenster fällt. „JAAAA ICH GRILL EUCH! JAAAA!!!“, brüllt er und haut den immer näher kommenden Zombies eine Kugel nach der nächsten ins Gesicht.

„Er ist völlig durchgedreht“, murmele ich entsetzt.

Währenddessen kann ich Charlie am Tor erkennen. Sie ist ausgestiegen und versucht nun selbst, die Pforte zu öffnen. Das ist von außen halt sehr schwierig, da wir uns gut absichern und keine ungebetenen Gäste wollten. An sich wären die beiden gut mit der Hand voll Zombies vor den Kliniktoren fertig geworden, ohne angegriffen zu werden. Aber da Teddy gerade so durchdreht, werden alle Untoten des Umkreises auf uns aufmerksam. Na super. Dieser Typ spinnt einfach komplett.

„Was zur Hölle, Ted!“, schreie ich wütend, während ich zur Pforte laufe. „Kannst du nicht endlich draufgehen, du Freak?! Echt!“

Schreiend legt Teddy den Kopf in den Nacken. „HALLO JULIE!!!!“, schreit er mir entgegen und ballert in die Luft. Einer der Zombies kommt ihm dabei bedrohlich nah. Ich schalte sofort, ziehe Betty und jage dem Untoten eine Kugel in den Kopf.

„Alter, er spinnt völlig!“, schreit Charlie mir über den Lärm hinweg entgegen, während ich mich am Kliniktor zu schaffen mache. „Wir...“ Sie schaut über ihre Schulter zum Auto, auf das mittlerweile zwei weitere Zombies klettern.

Mit weit aufgerissenen Augen betrachte ich das Spektakel. Ich drehe mich um, aber Joe ist noch immer nicht in Sicht. Ich hantiere am Schloss herum, aber selbstverständlich brauche ich gerade in dieser brenzligen Situation länger, als sonst, um es zu öffnen. „Shit!“, zische ich hektisch.

„STERBEN!!! ALLE WERDEN STERBEN!!“, lacht Ted und ballert liegend um sich. Wieder kommt ihm ein Zombie bemerkenswert nah.

„Beeil dich, Jules!“, heult Charlie und schießt einem Zombie, der sich nun auch ihr nähert, in den Kopf.

„Ich versuch es!“, jammere ich.

Plötzlich heult der Motor des Autos auf. Irritiert hebe ich den Kopf. „Was zum...?“ Charlie und Ted waren alleine zum Looten gegangen. Niemand der beiden ist im Auto. Wie kann das jetzt einfach zum Leben erwachen?

Charlies, Teddys und meine gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf den Wagen zwischen ihnen. Und nicht nur unsere. Auch die Untoten wenden sich stöhnend von Teddy und Charles ab.

Ich kneife die Augen zusammen und erkenne, dass da jemand am Motor sitzt. „Wer ist das?!“, schreie ich Charlie über den lärmenden Motor hinweg zu.

„Oh, äh – lange Geschichte!“, schreit Charlie zurück.

Völlig baff starre ich auf den Fahrersitz, kann aber nur Schemen erkennen, als der Wagen sich laut hupend in Bewegung setzt und vom Klinikvorplatz fährt. Neugierig folgen die Zombies dem Lärm. Wer auch immer das ist – er oder sie rettet meinen Freunden gerade den Arsch.

Wir drei starren dem Wagen völlig entgeistert hinterher. Dann erwacht Teddy wieder aus seiner Starre, rappelt sich auf und beginnt kreischend um sich zu schießen. „METTIGEL!!! ICH MACH METTIGEL AUS EUCH!!!“

„Eklig!“, schimpfe ich. „Wieso sollte man das tun?! Mettigel aus Zombies zu machen? Du willst die doch nicht ernsthaft essen?!“ Endlich habe ich die Pforte aufgekriegt und ziehe Charlie herein.

Die beiden folgen mir, während ich das Tor wieder schließe und die Zombies stöhnend dem hupendem Lärm des Autos hinterher laufen.

Wir alle drei sind fix und alle. Schwer atmend lasse ich mich auf den Rand eines Kübels sinken. Vor langer Zeit waren hier mal bunte Blumen angelegt. Selbstverständlich hatte keiner von uns verwahrlosten jungen Erwachsenen Bock, das weiterzuführen. Schade eigentlich.

„Teddy, bist du völlig verrückt geworden?“, keuche ich.

Ted hat noch immer Energie. Er baut sich vor mir auf. „Sie haben geblutet, Julie!“, ruft er mit weit aufgerissenen Augen. Der Wahnsinn spricht aus ihnen.

„Also – im übertragenen Sinne“, berichtigt Charlie ihn schwer atmend. „Das Blut der Viecher ist geronnen, du Idiot.“

„Nicht von jedem!“, ruft Ted übermütig und hebt den Zeigefinger der linken Hand. Rotes Blut ist zu sehen.

Schweigend betrachten Charlie und ich seine sehnige, dürre Gestalt. Da wird es uns schlagartig bewusst. Das ist sein Blut. Das ist eine Wunde. „Ouh“, sagen Charlie und ich fast gleichzeitig.

Und Ted wird langsam bewusst, was seine Wunde zu bedeuten hat. „Oh!“, erwidert er bestürzt. „Das... Scheiße.“

Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen. „Fuck!“, fluche ich. Teddy nervt mich eigentlich immer. Trotzdem würde ich das nicht aushalten, wenn nun auch er stirbt. Aber er wurde gebissen. Die Wunde an seinem Finger zeigt es genau.

„Oh nein, Teddy“, sagt Charlie mitfühlend und streicht sich durch ihr Haar.

Kurz starren wir vor uns hin. Die Vögel aus dem Wald an der Klinik zwitschern. Alles wirkt wieder friedlich und gut. Nichts deutet darauf hin, dass wir drei gerade realisieren, dass unser Freund Teddy noch vor Sonnenuntergang zu den Untoten gehören wird.

Wir schweigen alle drei. Doch dann erscheint endlich Sophie. „Hier sind wir, Julie!“, ruft sie. Sie trägt ihre Jeansjacke mit den quietschpinken Aufnähern und den vielen Taschen, in denen sich kleine Messer befinden. Sophie ist ein Ass, was Messerwürfe angeht.

Joe folgt ihr. Er hat sein Hackebeil dabei, aber er ist barfuss. Sein linker Fuß blutet wirklich schlimm. Charlie quiekt auf, aber ich weiß zum Glück, weshalb er so blutet, und kann ihr Entwarnung geben. „Alter, du sollst die Haut tätowieren, und dir damit nicht das Fleisch aufschneiden!“, seufze ich zermürbt.

In der Entfernung ist noch immer das Hupen des Porsches zu hören. Ich will Charlie eigentlich fragen, wer da unser Auto fährt, aber dass Teddy gebissen wurde, macht mich mehr fertig, als ich dachte.

„Naja, auf jeden Fall funktioniert die Maschine!“, gibt Joe nervös zurück. „So, wo sind nun die ganzen Zombies?“ Unruhig starrt er in die Runde. Seine schwarzen Haare fallen in Wellen in seine Stirn. Es wird Zeit, dass Charlie uns allen mal wieder die Haare schneidet, denke ich. Sophies Pony ist auch schon viel zu lang.

Kurz spricht keiner. Wir fünf stehen im Kreis voreinander und Teddy, Charlie und ich meiden die Blicke von Sophie und Joe.

Dann gibt Teddy schließlich zu: „Nun... ich... wurde gebissen.“ Niedergeschlagen hebt er die Hand. Wenigstens dreht er nicht mehr völlig am Rad. Die Nachricht über seinen baldigen Tod hat wenigstens seinen Kurzschluss behoben.

Joes Augen weiten sich. „Oh“, sagt er knapp. „Fuck.“ Blut sickert von seinem Fuß auf den Asphalt.

Sophie verliert die Nerven und fängt an zu heulen. Ich will, dass sie sich zusammenreißt. Aber auch nur, weil es mich so fertig macht, wenn sie so weint. Ich laufe auf sie zu und drücke sie an mich. Sie ist so klein und dünn an meiner Seite und sie wirkt so zerbrechlich. Aber die Messer in den Taschen ihrer Jeansjacke schützen sie zusätzlich, wie eine Weste. Dieses Mädchen hat so viel Leid gesehen. Gut, sie war schon vorher total durch, aber dass sie nun mitbekommen wird, wie unser Ältester und Irrster sich verwandelt, wird sie wohl total brechen.

Ich drücke Sophie noch immer an mich, als im nächsten Moment alles total schnell geht. Ich sehe Ted, der fassungslos und traurig auf seinen Finger starrt. Dann sehe ich Charlie und Joe, die einen Blick wechseln und sich zunicken. Im nächsten Moment werfen sie sich auf ihn.

Teddy schreit auf. Sophie auch.

„Helft uns!“, schreit Charlie zu uns hoch, als sie Ted zu Boden drückt. Aber ich bin wie gelähmt. Ich kann nur zusehen, wie Charlie und Joe Teddy auf den Boden drücken und alle Kraft aufwenden, um den sich windenden Teddy zu beruhigen.

Sophie begreift schneller als ich, und eilt den beiden zu Hilfe.

Mit weit aufgerissenen Augen beobachte ich, wie Teddy schreit, wie Charlie sich auf seinen Rücken setzt, wie sie Teddys infizierte Hand fixiert und wie Joe mit einem begeisterten Lächeln sein Hackebeil hebt.

Ted schreit, als Joe das Beil hinabsausen lässt. Aber Sophie und Charlie halten mit aller Kraft dagegen. Währenddessen kann ich nur neben ihnen stehen und mit weit aufgerissenen Augen zugucken.

„Perfekt durchgetrennt!“, ruft Joe heiter und hebt Teds Zeigefinger empor. Blut spritzt aus dem Ende und Joe betrachtet den Finger wie eine Trophäe. Seine Haare fallen ihm in die Augen, und er wischt sie mit einer flinken Kopfbewegung aus seiner Stirn.

„Fuck!“, heult Ted. Charlie und Sophie lassen von ihm ab. Trotzdem bleibt er erschöpft auf dem Boden liegen. Blut läuft von seiner Hand.

„Hättet ihr... nicht... Ich meine...“, murmele ich fassungslos. Ich war gar nicht involviert, trotzdem tut mein Finger allein vom Zuschauen weh. Diese... OP war alles andere als steril.

Joe und Charlie wechseln erneut einen Blick.

„Er hätte dem nie zugestimmt“, erklärt Charlie mir schließlich über Teddys ersticktes Heulen hinweg.

Ich runzle die Stirn. Joe schließt sich ihr an. „Wir haben mal zu dritt drüber gesprochen, und Ted sagte, er würde sich nie Körperteile amputieren lassen, um zu überleben. Aus Prinzip“, erklärt er mir. Er legt den Finger vorsichtig zurück auf den Boden vor Teds Hand, und das macht das Bild unseres Kumpels nur noch tragischer. Ich verstehe nicht, weshalb er das tut, aber Joe ist nunmal sonderbar.

„Wir mussten das tun“, sagt Charlie entschlossen. Sie hebt die Hand und Joe schlägt ein.

Peinlich berührt schaue ich weg. Ich bewundere, dass die beiden so schnell und so besonnen gehandelt hatten.

Plötzlich bäumt Teddy sich auf. Sophie springt quiekend von ihm weg. „Ich wollte meinen Finger behalten!“, schreit er die beiden an und hebt seine blutige Faust. „Ob tot! Oder! Lebendig!!!!“

„Kannst du doch!“, erwidert Joe und hebt abwehrend die Hände. „Da ist er!“ Er deutet auf den Boden.

„ICH WOLLTE IHN DRAN HABEN!“, schreit Teddy.

Sophie verschwindet hinter Charlies Rücken. Wenn wir so laut werden, findet sie das immer ziemlich bedrohlich, und ich kann das gut nachvollziehen.

„Naja, jetzt ist es wohl zu spät“, seufzt Charlie. „Sorry, dass wir dein Leben gerettet haben.“

Schreiend und mit dem blutigen Finger in seiner Hand, dreht Ted uns den Rücken zu und läuft zur Klinik zurück.

Fassungslos blicken wir ihm nach.

Sophie taucht wieder hinter Charlies Rücken auf. Ich erwarte, dass sie verstört ist, doch sie zischt Joe zu: „Nächstes mal will ich das machen. Ich habe ganz viele Messer. Okay?“ Sie muss nicht auf die Innentaschen ihrer Jacke verweisen. Wir alle wissen, dass ein Messer am andern in ihnen versteckt ist. Nahezu alle Schneidemesser der Klinikküche hat sie konfisziert und sie sind bei ihr in besten Händen.

„Ja, okay“, sagt Joe gleichgültig.

Zufrieden grinst Sophie wieder.

„Aber erzähl doch mal, was war da überhaupt los?“, frage ich Charlie erschöpft. Ich war an keiner der Aktionen beteiligt und fühle mich trotzdem todmüde. Vielleicht, weil ich vor einer halben Stunde noch mit dem Gedanken gespielt hatte, mich umzubringen, weil einfach keine fickbaren Typen in meiner Nähe sind.

Charlie ist auch groggy. „Naja, Teddy ist noch immer in seiner irren Phase“, erklärt sie überflüssigerweise. Bei diesem Stichwort schreit Ted irgendwo in der Klinik wutentbrannt vor sich hin. Wir sollten ihn verarzten und ihm helfen – aber wir wissen auch, dass wir ihn erst mal in Ruhe lassen sollten, und dass er nun ohne die Infektion schon alleine klarkommt. „Er hat im Supermarkt schon so rumgeballert“, seufzt Charlie. „Auch da war es schon brenzlig... Dann haben wir unterwegs aber irgendwie diesen Typen getroffen, und er war einfach... unsere Rettung.“

Ich reibe mir die Schläfe. „Rettung, ja?“, murmele ich und schaue zum Tor. „Wo ist dieser wundersame Kerl eigentlich?“

Bei diesem Stichwort erscheint ein Typ in unserm Alter am Tor. Er ist groß, etwa Anfang 20, hat wuschelige, braune Haare und blaue Augen. Er passt super in diese Zombieapokalypse, denn er trägt ein hochgekrempeltes, kariertes Flanellhemd und ist gut gebaut. Er hat ein Waffenholster geschultert, und einen Rucksack auf den Rücken. Etwas schüchtern lächelt er, als er uns alle sieht. Erst mal wirkt er so sanft, als könne er keiner Fliege was zuleide tun. Das kann aber nicht sein. Wäre er nämlich so unschuldig, wäre er schon längst tot. „Hey“, sagt er freundlich und strafft die Schultern. „Das Auto hab ich ein paar Blocks weiter geparkt, und kann es aber holen, wenn die Luft rein ist.“ Er mustert uns vier Freaks und das Blut auf dem Boden. Wir sind zweifelsohne eine kaputte Truppe, und er wirkt nahezu perfekt mit seinem ruhigen Wesen und den weichen Gesichtszügen. „Ich bin übrigens Ben“, fügt er zögerlich hinzu.

„Hallo Ben!“, keuche ich mit weit aufgerissenen Augen. Ohne eine Reaktion der andern abzuwarten, stürze ich zum Tor, um ihn einzulassen.

Obwohl wir abgesprochen haben, sowas immer ist in der Gruppe zu diskutieren, haben Sophie, Charlie und Joe keine Einwände, als ich Ben einlasse. „Jules“, stelle ich mich ihm mit geröteten Wangen vor, und er schüttelt mit ebenso geröteten Wangen meine Hand, als wir uns in die Augen sehen. Die Adern seiner kräftigen Unterarme treten hervor und seine Hand ist warm und weich, als er die meine nimmt.

Er riecht kaum nach Blut und Schweiß, wie wir alle, sondern relativ neutral, als er an mir vorbei läuft. Ich mustere ihn nochmal von hinten, als er sich den andern nähert, um sich vorzustellen, und ich checke seinen ansprechenden Hintern ab.

Charlie fängt meinen Blick auf und ich recke begeistert den Daumen empor. „Wirklich die Rettung!“, forme ich lautlos mit den Lippen und Charlie nickt mir zwinkernd zu.

Entschlossen verschränke ich die Arme vor der Brust. Zombieapokalypse hin und her – wenn alles nach Plan läuft, werde ich mit diesem heißen Typen noch vor meinem zwanzigsten Geburtstag meine Unschuld verlieren.
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