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Dear Alex

von Graceland
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Alex Standall Clay Jensen Hannah Baker Jessica Davis Justin Foley Zach Dempsey
02.08.2020
02.08.2020
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Dear Alex

Es hatte ganz harmlos angefangen. Mrs. Bradley war auf die glorreiche Idee gekommen, Papiertüten im Klassenzimmer aufzuhängen, damit jeder seinen Mitschülern Komplimente machen konnte. Ich hatte eher erwartet, dass darüber nur noch mehr Gerüchte oder Beleidigungen verteilt werden würden, doch nach nur zwei Wochen hatte ich tatsächlich einen kleinen Brief in meiner Tüte. Ein Brief, den ich selbst niemals entdeckt hätte, wenn Hannah ihn nicht aus meiner Tüte gefischt hätte. Sie war die einzige, die dieses Experiment großartig fand. Vermutlich, weil sie die Komplimente im Moment gebrauchen konnte. Die Scheidung ihrer Eltern wegen der Affäre ihres Vaters war schlimm und wir als ihre besten Freunde konnte nicht viel mehr tun als zusehen. Ich hatte Mitleid mit ihr. Aber die Komplimente-Tüten taten ihr gut, denn jedes Mal, wenn sie ein kleines Häschen von einem heimlichen Bewunderer aus ihrer Tüte zog, verließ das Lächeln den ganzen Schultag nicht mehr ihre Lippen.
Dass ich jemals etwas in dieser Tüte finden würde, hatte ich bezweifelt. Ich fiel nicht groß auf und war eigentlich auch sehr dankbar darüber. Die Aufmerksamkeit, die man an dieser Schule bekam, war meistens unangenehm – außer man war ein Sportler. Und doch hatte ich einen Brief bekommen. Einer, der nicht nur nicht beleidigend war, sondern in einer so krakeligen Handschrift, dass es eigentlich nur von einem Jungen kommen konnte. Dabei war ich noch gar nicht offiziell geoutet.
Es blieb auch nicht bei dem einen Zettel. Nach einer Woche hatte ich beinahe täglich einen kleinen Brief in seiner Tüte – nach einer weiteren schaute ich selbst regelmäßig hinein und konnte mir das Grinsen nicht verkneifen.
Es waren ganz harmlose Nachrichten.
Fragen nach meinem Tag.
„Hattest du einen schönen Tag bisher?“
„Findest du Geschichte bei Mr. Baites auch so langweilig?“
„Das Essen in der Cafeteria gestern war die Hölle oder? Ich dachte, es kriecht gleich von meinem Teller runter.“
Komplimente zu meinem Gitarrenspiel beim letzten Schulbandauftritt bei der Basketball-Saisoneröffnung.
„Super Auftritt am Samstag. Dein Solo war der Hammer.“
Ein Kommentar zu meinen wasserstoffblonden Haaren, der mich zum Lachen brachte.
„Meine Freunde sagen wegen deinen gefärbten Haaren bist du bestimmt schwul. Ich sage ihnen, das ist Blödsinn, aber vielleicht auch nicht?“
Es dauerte nicht lange, bis ich mir wünschte, ich könnte auf die kleinen Nachrichten antworten, doch ich hatte absolut keine Ahnung, wer ich diese schreiben sollte. Der einzig offene schwule Junge an der Schule war Ryan Shaver und der war sich zum Ersten zu fein, um auch nur einen Gedanken an jemand unsichtbaren wie Alex Standall zu verschwenden, und Zweites nicht unauffällig genug, um darauf zu kommen, mir Briefe zu schrieben. Ryan Shaver würde mir eine Ausgabe seiner Schülerzeitung widmen, wenn er Interesse an mir hätte.
Dann wäre da noch Tony Padilla, Clay Jensens bester Freund und somit auch ein Freund von Hannah, da sie und Clay zusammen im Crestmont arbeiteten und gelegentlich auch Zeit außerhalb zusammen verbrachten. Er war, genau wie ich, nicht offiziell geoutet und doch wusste es irgendwie jeder, dass er auf Jungs stand – das war wiederum anders als bei mir. Es interessierte eigentlich niemanden.
Kurz hatte ich auch an Clay gedacht, da die Gerüchte über ihn noch nicht so lange her waren, doch dann bemerkte ich wieder, wie er Hannah ansah und der Gedanke war sofort verschwunden. Clay war Hals über Kopf in Hannah verliebt – das sah jeder, bis auf sie. Wenn ich so darüber nachdachte, war ich mir sogar ziemlich sicher, dass Clay für Hannahs kleine Briefe verantwortlich war. Zu ihm passte diese Herangehensweise einfach, weil er sich niemals trauen würde, seine Gefühle offen zu zeigen.
Meine besten Freundinnen fieberten fleißig mit und so erhielt ich regelmäßig einen neuen Denkanstoß oder einen neuen Vorschlag, wer hinter meinem heimlichen Verehrer stecken könnte. Denn die Briefe ließen darauf schließen, dass mehr dahinter steckte, als nur der Wunsch, mir ein paar freundschaftliche Komplimente zu machen. Oder es war alles nur ein riesiger, gemeiner Scherz, aber je mehr Zeit verstrich, desto weniger konnte ich mir vorstellen, dass es nur das sein sollte. Egal wie kurz die Briefe waren, es steckte etwas dahinter. Das musste es einfach.
Nach der Nachricht über den Auftritt beim Basketballspiel, war Jessicas erster Vorschlag, dass Jeff Atkins hinter den Briefen stand. Er war im Team – also war er anwesend gewesen –, zu jedem unglaublich freundlich und er gehörte zu den wenigen Sportlern, die nicht jedem Mädchen unter den Rock schauten, ihnen hinterher pfiffen oder mit lausigen Tricks versuchten, sie ins Bett zu kriegen. Er war ein anständiger Kerl.
Doch Jeff hatte mir direkt nach dem Spiel persönlich ein Kompliment zu meinem Solo gemacht und wir hatten uns daraufhin eine ganze Weile unterhalten, war es unwahrscheinlich, dass er es nochmal in einem Brief ansprechen würde. Und irgendwie wollte ich auch nicht, dass es Jeff war. Ich wusste nicht, von wem ich wollte, dass er es war. Aber Jeff war dafür zu mutig. Der Junge, der mir die Briefe schrieb, versteckte sich. Sonst wäre er längst auf einem anderen Weg auf mich zugekommen. Nein, mein heimlicher Verehrer wollte heimlich bleiben.
Und genau das machte die Sache so schwierig.

Ich versuchte, mich damit abzulenken, Hannah zu überzeugen, dass hinter ihrem heimlichen Briefeschreiber niemand anderes als Clay Jensen stecken konnte. Da sie die offensichtliche Tatsache lange nicht wahrhaben wollte, klappte die Ablenkung eine ganze Weile. Jessica und ich nahmen es uns als Ziel, die beiden vor Ende des Schuljahres, was mit einem geschickt eingefädelten Manöver endlich klappte. Zwischendurch hatte ich wirklich Angst, dass es gar nichts mehr werden würde mit den beiden, doch wenn man Clay Jensen zu seinem Glück zwang, konnte er offenbar ein richtiger Romantiker sein.
Als Jess dann jedoch auch anfing, mit einem der Sportler – Diego – auszugehen, war die eigentlich geplante Ablenkung sehr schnell das genaue Gegenteil. Anfangs ging ich noch mit ihnen zusammen aus und störte mich auch gar nicht daran, als einziger keine Begleitung zu haben. Doch mit jedem Doppel-Date wurde mir vor Augen geführt, dass ich es noch immer nicht geschafft hatte, meinen geheimen Brieffreund zu entlarven und Mrs. Bradley machte sogar schon Andeutungen, dass Experiment mit den Komplimente-Tüten auslaufen zu lassen.
Zu sagen, dass ich Angst bekam, dass mit Einstellen der Komplimente-Tüten der Kontakt abbrechen würde, war untertrieben. Auch wenn es bisher nur einseitig war, weil ich keine Idee hatte, wie ich antworten sollte. Ich wusste, dass es mir fehlen würde. Und ich war mir darüber hinaus sehr sicher, dass der unbekannte Junge nicht einfach auf die Idee kommen würde, mich anzusprechen und sich zu erkennen zu geben, sobald keine Tüte mehr da war, in welcher er seine Briefe verstecken konnte.
Mit den Wochen, die vergingen, wuchs die Panik, dass bald alles vorbei war. Genau wie die Sehnsucht, endlich zu wissen, in wen ich mich in den letzten Monaten langsam aber sicher verknallt hatte.
Verknallt.
Es war verrückt das zu denken. Schließlich hatte ich überhaupt keine Ahnung, wer er war. Ich hatte kein Bild im Kopf und so gut wie keine Informationen, doch die Art, wie die kurzen Nachrichten geschrieben waren, ließen mich immer so warm und geborgen fühlen.
Vermutlich war es gar kein richtiges Verknallt sein. Vermutlich mochte ich einfach nur das Gefühl. Dass mir endlich jemand ein bisschen Aufmerksamkeit schenkte und offenbar Interesse an mir hatte. Es löschte die Selbstzweifel, die ich hatte, nicht komplett aus, doch es ließ sie leiser werden.
„Vielleicht solltest du ihm einfach einen Brief zurück schreiben?“, schlug Hannah eines Abends vor, als wir nur zu dritt, wie früher, in Jessicas Zimmer auf dem Boden saßen, Chips aßen und ich ihnen endlich meine Ängste mitteilte, die mich schon die ganze Woche quälten.
„Ja, und ihn in deine Tüte legen. Dann sieht er ihn, wenn er das nächste Mal eine Nachricht hinein legt“, fügte Jessica an. „Das ist eine super Idee.“
„Oder du beobachtest einfach den Raum, aber so dumm ist er vermutlich nicht, um darauf reinzufallen. Jedenfalls hoffen wir das.“ Hannah schenkte mir ein breites Grinsen. „Du solltest es versuchen, sonst bereust du es am Ende.“
Ich seufzte. „Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll.“
Natürlich hatte ich schon daran gedacht, doch mit dem Gedanken war wieder ein Szenario hochgekommen, in dem der Junge verschreckt wurde und den Kontakt abbrach. Was, wenn er dachte, dass ich noch von jemand anderem einen Brief bekommen hatte? Oder wenn er einfach keine Antwort von mir haben wollte?
„Dann machen wir es jetzt“, schlug Jess vor und holte sogleich Papier und Stift von ihrem Schreibtisch.
„Was? Nein!“, wollte ich widersprechen, doch konnte ich den Mädchen sofort ansehen, dass sie sich die Idee bereits in den Kopf gesetzt hatten.
Seit sie beide in festen Händen waren, hatten sie nicht nur einmal versucht, mich zu verkuppeln. Sie hatten sogar vorgeschlagen, mit mir in einen Club zu gehen, anstatt sich immer im Crestmont oder Monets zu treffen, doch ich hatte höflich abgelehnt – aus Angst und Desinteresse. Ich wollte niemanden neuen kennenlernen und ich war mir ziemlich sicher, dass mein Fremder sich nicht an solchen Plätzen rumtreiben würde. Gott, es wäre nur so viel einfacher, wenn ich ein Gesicht und einen Namen zu den Briefen und meinen Gedanken hätte. Ich hatte nicht einmal ein Wunschbild vor Augen.
Vermutlich wusste ich noch nicht lange genug, dass ich auf Jungen stand, um bereits einen Typ zu haben. Aber da war nicht einmal ein gutaussehender Schauspieler in meinem Kopf. Wenn ich an ihn dachte, dann sah ich nie sein Gesicht.
„Wie magst du anfangen?“, fragte Hannah motiviert. „Vermutlich eher nicht mit ‚mein geliebter Unbekannter‘?“
„Ganz sicher nicht“, erwiderte ich  und verzog das Gesicht.
„Hallo Fremder“, schrieb Jess schon auf, während sie es aussprach, „da ich weder deinen Namen noch dein Gesicht kenne, muss ich mich auf diesem Weg für deine Briefe bedanken.“
„Das klingt gar nicht schlecht“, musste ich zugeben.
„Ich bedauere es, dass du mir deine Identität nicht preis geben möchtest“, fuhr Hannah fort, „aber ich verstehe auch, die Sicherheit, die du durch deine Anonymität verspüren musst.“
Natürlich benutzten sie die Worte, die ich benutzt hatte, wenn ich ihnen von dem Jungen erzählte. Ich selbst hatte dieselbe Angst. Meine Eltern wussten noch nichts davon, was ich über mich selbst herausgefunden hatte. Auch in der Schule wusste es niemand offiziell, auch wenn ich mir inzwischen sicher war, dass ich kein Geheimnis daraus machen wollte. Wenn es jemand heraus fand, dann würde ich dazu stehen. Nur meinen Eltern musste ich es noch sagen. Ihnen sollte ich es sagen, bevor sie es von jemand anderem erfuhren. Da mein Vater Polizist war, konnte das manchmal ganz schnell gehen.
Ich wusste, wie schützend die Anonymität sein konnte, wenn man Angst hatte, der Welt zu zeigen, wer man wirklich war.
„Trotzdem muss ich dich fragen“, schrieb Jess auf.
„Wer bist du?“, beendete ich, die Gedanken schon wieder ganz weit weg.
Ich hatte jeden Jungen in meinem direkten Umfeld beobachtet und analysiert und doch war ich noch keinen Schritt näher an einer Lösung. Niemand kam mir in den Sinn. Dabei gab es gar nicht viele Jungen, die überhaupt mit mir redeten.
Und wenn es jemand ganz anderes war? Jemand, der sonst überhaupt nichts mit mir zu tun hatte? Aber warum sollte mir so jemand plötzlich schreiben?
„Es ist okay, wenn du es mir noch nicht sagen kannst“, schlug Hannah vor, „aber ich würde mich freuen, wenn du mir eine Möglichkeit gibst, dir zu antworten und mehr über dich heraus zu finden.“
Jess lächelte. „Bitte, gib mir eine Chance, dir zu antworten. Dein Alex.“
Ich seufzte wieder, plötzlich verunsichert. „Und wenn es doch nur ein blöder Scherz ist? Vielleicht steckt ja irgendein Arsch dahinter und lacht sich mit seinen Freunden über mich kaputt.“
„Ja“, stimmte Hannah mir sarkastisch zu. „Bestimmt ist es Bryce Walker.“
„Alex.“ Jess legte eine Hand auf meine. „Sogar jemand wie Bryce hat anderes zu tun. Das geht jetzt schon zu lange, um ein Scherz zu sein. Außerdem spüre ich, dass die Briefe ernst gemeint sind. Du willst doch wissen, wer er ist.“
„Ja, aber ich will ihn auch nicht verschrecken. Ganz offensichtlich will er mir nicht sagen, wer er ist, sonst hätte er es längst getan.“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich kann das nicht. Was … was ist, wenn …“
„Was soll denn schief gehen? Du kannst nicht ewig so weiter machen.“
Wieder seufzte ich. Jess hatte Recht. Leider.

Hannah hatte den Brief vor der ersten Stunde für mich in meiner Tüte versteckt. Den ganzen restlichen Tag hatte ich Herzklopfen, allein von dem Gedanken, dass er den Brief finden und lesen würde. Es waren nicht viele Worte, aber es bedeutete mir so viel.
Es war schwierig, mir weiterhin einzureden, dass ich nur mochte, dass sich mal jemand für mich interessierte. Ich hatte mir schon so viel ausgedacht. Ich hatte sogar schon taggeträumt, ihn zu küssen, ohne überhaupt sein Gesicht zu kennen.
Ich hatte Angst, mir ein Gesicht vorzustellen, falls ich mich irrte. Ich wollte mich in niemanden verlieben, von dem ich dachte, dass er mein geheimer Brieffreund war. Ich wollte mich in ihn verlieben. In den Menschen, den er war, nicht nach dem er aussah – auch wenn es gemein war, dass er genau wusste, wie ich aussah. Andererseits hatte er sich trotzdem entschieden, mit mir zu schreiben …
„Alex? Alles okay?“ Jess betrachtete mich besorgt.
Ich war so in meinen Gedanken gewesen, dass ich nicht einmal gemerkt hatte, dass meine Hand wieder zu meinem Bauch gewandert war, auch wenn ich genau wusste, dass das die Krämpfe nicht besser machen würde. Es war die Aufregung. Der emotionale Stress, den ich mir selbst machte.
„Es geht mir gut.“ Ich schenkte ihr ein Lächeln.
Sie glaubte es nicht. „Du hast Schmerzen, oder?“
Ich senkte den Kopf und kaute einen Moment auf meiner Unterlippe, bevor ich zugab: „Ich bin mega nervös.“
Leider hatte ich Kommunikation bei Mrs. Bradley erst in der letzten Stunde, was bedeutete, dass ich den ganzen Tag warten musste, bis ich nachsehen konnte, ob er meinen Brief gefunden und darauf geantwortet hatte.
„Das brauchst du nicht.“ Jess umarmte mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
Wenn das ihr Freund sehen würde, dachte ich.
„Es wird alles gut werden. Du wirst schon sehen.“
„Ich will es einfach hinter mir haben.“
„Du kannst auch einfach jeden aus dem Basketballteam fragen, ob er dir einen Brief geschrieben hat. Nein, warte, er hat nie gesagt, dass er im Team ist. Also jeder, der beim Eröffnungsspiel war.“
Ich verdrehte die Augen, musste aber grinsen. „Danke, Jess.“
Sie nickte verstehend. „FML forever.“
„FML forever.“
„Wo steckt eigentlich Hannah?“
„Keine Ahnung“, antwortete ich. „Entweder ist sie irgendwo mit Clay oder sie spioniert Mrs. Bradleys Klassenraum für mich aus. Sie hat so etwas angedeutet.“
„Ehrlich? Meinst du, sie findet heraus, wer es ist?“
„Ich weiß nicht.“ Ich seufzte. „Ich weiß nicht, ob ich es auf diese Art wissen will.“
„Wie jetzt? Ich dachte, du willst unbedingt wissen, wer er ist“, erwiderte Jess überrascht.
Und sie hatte ja auch Recht. Ich brannte darauf, zu wissen, wer der Junge war, in den ich mich langsam verliebte. Aber trotzdem wollte ich es nicht so.
„Ja, schon“, antwortete ich zögerlich, nicht genau wissend, wie ich es sagen sollte. „Aber ich will, dass er es mir sagt. Dass er bereit ist, sich mir zu zeigen. Was ist, wenn ich es herausfinde und er ist noch gar nicht bereit dafür? Dann verlier ich ihn vielleicht.“
„Denkst du wirklich?“
„Das ist nicht so einfach, wie bei euch. Ich will … mich nicht verstecken müssen. Aber wenn er solche Angst hat …“
„Ich versteh schon.“ Sie sah mich traurig an.
„Hey“, unterbrach uns Hannah, natürlich mit Clay im Schlepptau, bevor ich noch etwas sagen konnte.
Ich setzte ein breites Lächeln auf und hoffte, dass es meine Nervosität und Sorge überspielte, doch der mitfühlende Blick, den ich erntete, sagte mir, dass ich es nicht geschafft hatte.
„Wie geht’s dir?“, fragte meine zweite beste Freundin, als sie sich neben mich setzte.
„Ganz gut, schätze ich.“
„Hast du was gesehen?“, sprach Jess die Frage aus, die mir auf der Zunge brannte.
Hannah schüttelte jedoch den Kopf und lächelte entschuldigen. „Nein. Tut mir leid, Alex.“
„Ist schon gut“, winkte ich ab. „Ist besser so.“
„Ich bin mir sicher, dass er antwortet“, meinte Clay, um mich aufzumuntern.
Es hatte mich nicht gestört, dass Hannah ihm davon erzählt hatte. Er kannte sowieso nicht genug Leute, um es irgendjemandem weiter zu erzählen.
„Danke, Clay.“ Ich versuchte ein Lächeln.
Doch ich würde wohl erst wieder mit einem guten Gefühl lächeln können, wenn ich in meine Komplimente-Tüte sah und eine Antwort bekam.
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