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Unfriend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18
02.08.2020
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Kapitel 1: Ein Gesicht, das ich nie vergessen werde
Das Gesicht ist der Spiegel des Verstandes, und Augen ohne zu sprechen, gestehen die Geheimnisse des Herzens.
Hieronymus

Marinas Tagebuch 17. September 2016
Bevor ich den Campus bezog, um mit dem Studium anzufangen, hatte ich Angst vor den Leuten, die mich umgaben. Jeden Tag wimmelte es aus dem Campus von Leuten, die unwissend oder gleichgültig an mir vorbeigingen, dass ich hierher kam. Von all den Gesichtern, die ich mir in meinem Kopf vorgestellt habe. In meiner Erinnerung brannte sich nur ein einziges Gesicht ein, das einer beliebten Studentin namens Laura Woodson.
Wieso wurde ich von dieser beliebten Studentin angezogen? Wie alle Menschen, die ich in Fleisch und Blut sehe, kenne ich sie nur ihr Aussehen, aber ihr Leben erschließt sich mir nicht durch bloße Betrachtung. Im Social Media, dem heutigen Netzwerk zur Kommunikation, lernte ich das Mädchen kennen, von ihr wollte ich so verzweifelt die Annahme und Achtung gewinnen.
Nur beim Lesen von Lauras Profil werde ich von ihr mehr erfahren wer sie ist und wieso so viele Studenten ihre Aufmerksamkeit haben wollen, um Teil von ihrem Leben zu werden.  
Sie hat ein ziemlich spannendes soziales Leben. Ausgehen, Aktivitäten und in Vergnügungen sonnen, welche ich nie hatte. Sie hat so viel errungen durch Aktivismus und Wohltätigkeitsarbeiten. Sie hat Bilder davon auf ihrem Profil gepostet.
Ich muss zugeben, dass Laura ein sehr attraktives Mädchen ist. Sie erinnert mich an eine Porzellenpuppe, die ich von Kindheit besaß. Volle Lippen, luxuriöse dicke Haare und große ausdrucksstarke grüne Augen. Immer wenn sie lächelt schmilzt mein Herz wie warme Butter. Wie ihre Wangen herausragen und ihre Lippen erscheinen und wie Sterne in ihren Augen so hell funkeln.
Sie war der Grund, weshalb ich selbst zur Psychologie wechselte, damit ich mich ihr nähern konnte. Dadurch hoffte ich ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Am Tag meiner Versetzung ging ich in den Speisesaal ängstlich hinein und setzte mich an einen Tisch, an welchem ich sie beobachtete. Ab und zu schaute sie zu mir. Immer wenn sie mich anschaute, raste mein Herz so schnell dass ich das Gefühl hatte, ein Fluss von Ameisen krabbeln meinen Hals herunter bis in den Magen. Dieses Gefühl hatte ich nie - ein Gefühl, welches schmerzhaft und zugleich angenehm war.
Als ihre Augen auf mich gerichtet waren, fragte ich mich, was sie wohl über mich dachte. Gefiel ich ihr oder hatte sie Interesse an mir? Diese gelegentlichen Blicke zu mir mussten etwas bedeuten. Während der Schulzeit hat mich kein anderer Mensch so angeguckt. Die Lehrerinnen und Schulmitarbeiter haben mich nicht bemerkt. Ich fühlte mich nicht mehr wie ein Gespenst, und bekam die Ahnung, dass Laura meine Retterin wird und mich aus meiner Welt der Einsamkeit befreien würde.
Diese Nacht saß ich in meinem dunklen Zimmer mit meinem Laptop und Lauras Profil vor mir. Neben ihrem Profilbild mit einem lächelnden Gesicht gab es eine Taste, die mir den Eintritt in Lauras Leben gewährte. Langsam bewegte ich den Cursor näher an die Option. Beim Einatmen und den Atem anhaltend, hielt ich den Cursor über die „Freund hinzufügen“ Option. Alles was ich als nächstes tun sollte war, auf diese Taste zu klicken und die Anfrage abzuschicken - es war jetzt oder nie. Sollte ich den Rest des Semesters auf das Mädchen starren, mit wem ich ein Teil ihres Lebens werden will?
Der Cursor auf der „Freund hinzufügen“ hat mich am meisten erschreckt, und ich ängstigte mich davor, diesen Vorgang durchzuführen. Aber dann bewegte ich meine Augen nach links und sah Lauras lächelndes Gesicht. Ich bildete mir den Gedanken ein, dass sie mich ermutigte, die Taste zu drücken, um Teil von ihrem Freundeskreis zu werden. Diese Einbildung gab mir den Mut auf die Taste mit meinem Zeigefinger zu klicken.  Mein Finger drückte runter, ich ließ den Atem aus meinen Lungen raus und ich atmete wieder normal.
Ich blickte zurück zum Zentrum des Bildschirms. Da gab es ein Fenster mit der Option eine Nachricht einzugeben. Mein Herz schlug plötzlich und Schmetterlinge waren in meinem Bauch, meine Lippen waren festgeschlossen und ich schluckte die kitzlige Empfindung in meinem Hals. Die Taste zu klicken war der erste Schritt und der nächste war eine Nachricht einzugeben, von welcher ich annahm, dass sie Laura überzeugte, meine Freundin zu sein. Ich zögerte eine Weile mit meinen Händen über der Tastatur und breitete meine Finger aus, bereit eine Nachricht einzugeben. Ich agierte mit Entschlossenheit und Eifer um die Tortur schnell hinter mich zu bringen. Ich tippte die Nachricht so schnell und effizient wie ich nur tippen konnte. Ohne zu überprüfen und gleichgültig wie ich die Grammatik schrieb, bewegte ich den Cursor zur „senden“ Taste und klickte impulsiv darauf, als ob ich einen Juckreiz hatte. Bevor ich es merkte, war mein Finger runtergedrückt und das Fenster verschwand. Mein Herzschlag verlangsamte sich und pumpte langsamer, immer noch nervös über die Antwort, die ich abwartete. Würde meine Anfrage abgelehnt oder akzeptiert werden? Das Warten brachte mich langsam um. Ich würde es bereuen diese Freundschaftsanfrage gesendet zu haben, weil die Zurückweisung so schwer zu ertragen wäre. Ich würde den Willen zu leben verlieren.
Nach ein paar Minuten des Wartens, bekam ich eine neue Benachrichtigung. Gespannt wie ein Kind an Weihnachten machte ich die Benachrichtigung auf und sah, was ich sehen wollte. Da sah ich, dass Laura und ich jetzt offiziell Freunde waren. Ein Streifen Glückseligkeit wogte überall in meinem Körper. Ich hatte den Drang aufzustehen und in dem Zimmer wie eine Fee herum zu tanzen. Stattdessen blieb ich sitzen und zitterte vor diesem wundervollen Gefühl der Akzeptanz. Ich starrte auf Lauras schönes lächelndes Gesicht und ich stellte mir eine schöne Freundschaft mit Laura vor.

Marinas Tagebuch 23. September 2016
Es war weniger als eine Woche vergangen, seit ich die Bekanntschaft mit Laura durch ihr Profil gemacht hatte, aber heute traf ich sie endlich persönlich. Es war nach dem heutigen Unterricht. Ein einziges gesprochenes Wort von dem Lehrer, aber ich saß und hatte Tagträume über Laura. Als der Unterricht vorüber war, stand ich auf den Treppen und beobachtete Laura und ihre blondhaarige Freundin, neben welcher sie saß. Ich kannte ihren Namen als Olivia, und ich sah sie öfter in Lauras Bildern.
Als Lauras Augen auf mich schauten, sah ich auf die Stufen und fühlte mein Herz im Hals, aber ich wusste, es schlug in meiner Brust. Ich drückte meinen Laptop gegen meine Brust um den Schlag einzudämmen. Als ich meinen Kopf hob, sah ich Laura in der Nähe und Olivia war nicht mehr da. Ich hörte kein Flüstern, das Geräusch meines Herzens übertönte andere Töne und das Gespräch selbst. Laura verschönerte ihr Gesicht mit einem geschlossenen Lächeln. Sie fragte mich, wie es mir gehe. Es freute mich, dass sie mich fragte. Nachdem ich ihr geantwortet hatte, lud sie mich ein mit ihr zu meinem Schlafraum zurückzugehen.
Während unseres Gespräches unterwegs zu meinem Schlafraum, redeten wir über den heutigen Unterricht und den Kurs. Laura redete sogar ein bisschen über sich und ihren Hauptgrund, warum sie Psychologie gewählt hatte. Sie wollte in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters treten, der ein hochangesehener Psychiater gewesen war. Sie stellte mir Fragen, wieso ich Psychologie nahm. Ich wollte ihr nicht den Grund nennen, weil ansonsten herauskäme, dass ich mich ihr nahekommen wollte. Sie erwähnte die Wohnung, die sie mit Freunden teilte, und wie sie mit ihren Freunden stritt, die Wohnung sauber zu halten.
Ich wusste nicht wie ich meine Sätze formulieren sollte oder wie ich die richtige Antwort finden konnte. Ich war unterwürfig und überließ ihr das Reden. Ich redete wenig über mich, weil meine Vergangenheit ein Alptraum war, den ich nicht mit meiner einzigen Freundin teilen wollte. Unsere Wege trennten sich, als wir den Eingang der Schlafräume erreichten. Als Laura sagte, „Wir sehen uns auf dem Campus“, antwortete ich „Machs gut“ inklusive ihres Namens. Ich sah sie in der Ferne verschwinden und ich widmete meine Aufmerksamkeit der dunklen Einbuchtung meines Schlafraums und ging zurück an meinen Ort der Einsamkeit.

Fortsetzung folgt...
 
 
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