Vergessene Zeit

von TSihek
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16 Slash
James T. Kirk OC (Own Character) Spock
01.08.2020
13.08.2020
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01.08.2020 1.726
 
Ein Wort vorweg

Nun geht es zum zweiten Teil dieser Geschichte. Es waren im ersten Teil zwar alle Fragen beantwortet worden - aber eben nicht so umfassend, wie es mir vorgeschwebt hätte. Deshalb kommt nun die Fortsetzung.
Und da sind ja auch noch Spocks Kinder. Wie geht es mit ihnen weiter?
Skejan und Cedric sind ein Paar. Bleiben sie es?
Was wird Skjven mit seinem Leben nun anfangen? Wird T’Sjel nach Gol zurückkehren?
Und… und das ist der eigentliche Grund, warum es diese Geschichte gibt: Woher hatte T’Kana jene mysteriöse Substanz, die alles erst ins Rollen brachte und was genau hat es damit auf sich?
Außerdem machte es mir auf einmal riesigen Spaß, über eine established relationship zwischen Kirk und Spock zu schreiben. Bisher habe ich davon immer die Finger gelassen.

Taucht nun mit mir ein in Spocks Heimatwelt, auf der es mehr Geheimnisse und verborgene Dinge gibt, als es ihm und Kirk lieb sein kann. Denn diese beiden sind natürlich auch wieder dabei. Ohne sie ginge es ja gar nicht!

Alle vulkanischen Begriffe habe ich dem  "Vulcan Language Dictionary" entnommen.
Wer sich eine Landkarte von Vulkan genauer anschauen möchte, wird hier fündig.

Disclaimer
Die Figuren und die Idee von Star Trek gehören natürlich nicht mir. Ich habe mir das alles nur ausgeborgt und habe meinen Spaß damit. Ihr hoffentlich auch. Profit, außer den mir und anderen Freude zu machen, erhalte ich nicht.
Alles was mir gehört, sind die die Idee zur Geschichte und die von mir erdachten Figuren.




Kapitel 1: Trost

Skejan wurde sich nur langsam seiner Umgebung bewusst. Angenehme Wärme hüllte ihn ein und die beinahe vergessene Schwerkraft Vulkans vermittelte ihm ein Gefühl der Sicherheit.
Er hörte das leise Summen der Elektronik und wusste, dass er sich noch immer an Bord der Enterprise befand.  Wärme und Schwerkraft waren also künstlich erzeugt. Die Erkenntnis schmälerte nicht den Effekt, den beides auf ihn hatte.
T’Sjel und Skjven waren ebenfalls noch an Bord… und Cedric.

Träge tastete er nach der Verbindung zu dem Menschen und fand sie ruhig und entspannt. Zudem schien Cedric in der Nähe zu sein.
Skejan blinzelte und versuchte sich aufzusetzen um die Reste des Schlafes abzuschütteln. Eine Hand auf seiner Schulter drückte ihn sanft zurück.

„Bleib noch liegen. Dr. McCoy sagte, dein Kreislauf spielt verrückt und könnte dir wegsacken, wenn du dich aufrichtest. Bist zu durstig?“

Skejan gehorchte der vertrauten Stimme und ließ sich zurücksinken. Er nickte und spürte gleich darauf den Rand eines Glases an den Lippen. Sein Kopf wurde leicht angehoben und er trank in vorsichtigen Schlucken.

„Was ist passiert?“, fragte er dann mit vom langen Schweigen rauer Stimme.

Neben ihm bewegte sich das Bett, als sich der Mensch auf die Matratze setzte. „Du bist zusammengeklappt. Nach dem Treffen mit T’Pau. Wir sind aufs Schiff zurückgekehrt und du wolltest eine Weile für dich sein. Ich bin deshalb in meine eigene Kabine gegangen und habe zu schlafen versucht. Irgendetwas hatte mich aber geweckt und es hatte mit dir zu tun. Also kam ich her und fand dich bewusstlos auf dem Boden. McCoy sagte, dich hätten schlicht die Kräfte verlassen und nach deinem Kunststück in den Katakomben von Gol glaube ich das gern. Er hat dir verschiedene Medikamente und Stärkungsmittel gegeben und Spock hat dich in eine … Heiltrance nannte er es, glaube ich, geführt. Er sagte, du solltest nach zwei Tagen aufwachen und genau so ist es.“

„Zwei Tage?“, nun richtete sich Skejan doch auf die Ellenbogen gestützt auf. Wieder blinzelte er und dieses Mal gelang es ihm, seinen Blick zu fokussieren. „Was ist in der Zwischenzeit geschehen?“

„Nicht viel. Die Enterprise bleibt erst mal im Raumdock. Die Crew hat einen dreiwöchigen Urlaub genehmigt bekommen und die meisten haben das Schiff verlassen. Spock und Kirk waren zeitweilig auch fort, sind aber inzwischen wieder hier. T’Sjel und Skjven sind wohl genauso schlafen geschickt worden, wie du und sollten demnächst aufwachen oder sind schon wach. Ich gehe davon aus, dass Spock dich also bald kontaktieren wird, oder Dr. McCoy schaut vorbei um nach dir zu sehen.“

Skejan hatte schweigend zugehört. Er spürte die Gegenwart des Menschen in seinem Bewusstsein. Er schien sich nicht mehr gegen die Bindung zu wehren und trotzdem war da eine Distanz, die ihn davor zurückschrecken ließ, von sich aus den Kontakt zu erweitern. Zu jung und unerfahren in diesen Dingen wusste er schlicht nicht, was er tun oder lassen sollte, um die momentane Übereinkunft nicht zu gefährden. Er entschied sich, bei Worten als Kommunikationsmittel zu bleiben. Bisher hatte das gut funktioniert.
„Was hast du getan? Ebenfalls geruht?“

Cedric nickte und stand auf als Skejan die Decke zur Seite schob und sich an den Bettrand setzte. Sein Kreislauf war tatsächlich noch nicht ganz stabil und er schwankte leicht. Cedric stützte ihn mit einer Hand am Arm und musterte ihn besorgt. „Soll ich McCoy holen?“

„Nein. Ich denke aber, ich sollte etwas essen und eine Dusche wäre willkommen.“

„Dann geh ins Bad und ich bestelle inzwischen etwas beim Replikator. Oder willst du in die Messe?“

„Nein, einige Früchte genügen. Danke.“

Skejan spürte, dass Cedric ihm nachsah, als er langsam zum Bad ging. Drinnen streifte er sich das schwarze Shirt und die Unterwäsche vom Leib und trat in die Duschkabine. Seit er bei seinem ersten Aufenthalt auf dem Schiff erfahren hatte, dass es hier Wasserduschen gab, bevorzugte er diese Methode. Die Hitze tat ihm gut und verdrängte das allgegenwärtige Kältegefühl, das ihn in der geheimen Forschungsstation begleitete hatte, solange er sich erinnern konnte.

Er hörte, über das Rauschen hinweg, wie Cedric mit McCoy sprach und diesen wieder fortschickte. Gut. Er brauchte den Arzt im Moment nicht und würde ihn später aufsuchen. Vorher würde er aber mit Spock sprechen wollen. Das väterliche Band war schwächer geworden. Beabsichtigt? Skejan wusste es nicht, aber es irritierte ihn, da sein Band zu Cedric noch nicht die Festigkeit und Sicherheit hatte, die er gekannt hatte.

Sie waren sich auch körperlich näher gekommen und jene Erfahrung glich seiner Begegnung mit Cedric, wie er ihn vor dem Zeitsprung gekannt hatte. Es war der gleiche Mann und dennoch…
Skejan stützte die Arme gegen die Wand und ließ den Kopf darauf sinken. Das heiße Wasser prasselte in sein Genick und rann über Rücken und Schultern.

„Bist du okay?“ Cedrics Stimme drang durch das Geräusch und seine Sorge hallte in seinem Inneren nach. Dann wurde das Wasser abgestellt und er selbst in ein flauschiges Handtuch gehüllt. Cedric führte ihn aus dem Bad und ließ sich mit ihm auf einem der Sessel nieder. Leicht irritiert merkte Skejan, dass Cedric ihn auf seinen Schoß gezogen hatte und fest umschlungen hielt. Kühle, kräftige Hände glitten über seinen Rücken und strichen ihm die nassen Strähnen aus dem Gesicht.

„Du vermisst ihn“, murmelte Cedric leise. Es war eine Feststellung.

Skejan zögerte kurz. Da war keine Ablehnung oder etwas anderes in Cedrics Bewusstsein. Nur Sorge und Verständnis. Wie konnte das sein?
Und was war mit ihm selbst? Weshalb empfand er so? Cedric war bei ihm, umsorgte ihn und dennoch vermisste er das frühere selbst des gleichen Mannes.
Dumpfer Schmerz begann sich dort auszubreiten, wo das Band mit seinem Katra verbunden war. Ein Nachhall jener Qualen, die die Trennung hervorgerufen hatte.
Die menschlichen Arme schlossen sich fester um ihn und leise gemurmelte Worte drangen an sein Ohr. Er hörte nicht wirklich zu, verstand sie nicht. Aber merkwürdiger Weise beruhigten sie ihn und ließen die Schmerzen verblassen. Lücken, die noch immer Teile ihres Bandes unsicher machten, wurden kleiner als sie sich zu schließen begannen.
Noch war ihre Verbindung fragil und konnte leicht wieder getrennt werden… oder brechen. Skejan fürchtete sich davor und einem Impuls folgend, drängte er sich enger an den Menschen. Sein Gesicht an dessen Hals verborgen, konnte er den ruhigen, kräftigen Puls an seinen Lippen fühlen.

„Ich bin der gleiche und trotzdem nicht er, nicht wahr?“, murmelte Cedric. „Er hat mir eine Nachricht geschickt, in der er alles erklärte. Den Zeitsprung und dass dir und den anderen Gefahr droht und… er sagte zum Schluss, ich solle dir sagen, dass er dich liebe.“

Skejan hörte reglos zu und wieder schwoll der Schmerz in ihm an. Er vermisste jenen Cedric. Den Menschen, mit dem er die Pläne des wahnsinnig gewordenen Forschers aufgedeckt und letztendlich vereitelt hatte. Sie hatten von Anfang an gewusst, dass Cedric sterben würde und vermutlich auch er selbst. Hatten sie deshalb die verbliebene Zeit umso intensiver gelebt und genutzt?

Eine warme Welle von Zuneigung perlte über sein Bewusstsein und legte sich wie Balsam über die Wunden. Es kam nicht von Cedric, wenn auch von ihm ähnliche Empfindungen ihn zu beruhigen versuchten.
Spock.
Skejan bemerkte die ruhige, silbrig-blau schimmernde Präsenz seines Vaters am Rande seiner Wahrnehmung. /Ich habe mich zurückgezogen, da sich unsere Verbindung nicht ziemt, sobald du ein Partnerband trägst/, ließ er ihn wissen. /Dennoch bin ich für dich da und bleibe für dich erreichbar. Cedric ist ein Mensch. Er wird eine Weile brauchen, bis er versteht, was eure Verbindung für uns und unser Volk bedeutet. Aber er wird es verstehen und dann kann er dir geben, was du brauchst. Habe Geduld mit ihm, aber teile ihm auch mit, was du fühlst und brauchst./

Skejan ahnte mehr, als dass er es wusste, dass Spock aus eigener Erfahrung sprach und einen Moment lang gewährte ihm Spock den Blick auf ein solides Band zu einer weiteren, golden schimmernden Entität.
Dann verblassten beide. Sie hinterließen keine Lücke sondern die Gewissheit, nicht allein zu sein. Niemals mehr.

Langsam richtete sich Skejan auf. Cedrics Arme öffneten sich, doch er ließ ihn nicht völlig los. Blaue Augen musterten ihn besorgt und … war das Zuneigung? Skejan horchte in sich hinein und dann bemerkte er es: das gleiche farbenprächtige Schimmern, das auch seinen Cedric umgeben hatte, war am anderen Ende ihres Bandes erschienen. Wärme und Freundschaft gingen davon aus und lockten ihn näher. Skejan folgte dem Impuls, zögernd zunächst, dann mutiger. Sie trafen sich, berührten einander und sein eigener grüner Schimmer verschmolz teilweise mit dem schillernden Farbenspiel aus blau und braun… Cedrics auch körperlich dominierenden Farben. Kobaltblaue Augen und dunkelbraunes Haar. Dazu helle Haut, die sich in einem elfenbeinfarbenen Glanz widerspiegelte. Vertraut… wieder vertraut.

Wärme begann ihn zu erfüllen und verdrängte die Trauer, nein besänftigte sie. Sie war noch da. Der Verlust würde ein Teil von ihm bleiben, aber da waren auch Trost und ein Neubeginn. Eine neue Zeit für sie beide, ein neues, geschenktes Leben.


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