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Schottland und Frankreich

OneshotAllgemein / P16 / Gen
Dauphin Francis Mary Stewart
01.08.2020
01.08.2020
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(Staffel 1, Folge 18)  Kein Ausweg……..meine Version.



Francis stand am offenen Fenster und blickte auf die verschneite Landschaft die sich vor ihm erstreckte. Sein Atem bildete kleine Nebelwolken in der dunklen Nacht. Seine Finger waren bereits sehr kühl und die Kälte drang durch seine Kleidung. Dennoch genoss er die einsame Stille die ihn umfing. Wie so oft gab der französische Hof eine Feier anlässlich einiger Lordschaften Frankreichs. Adlige die mit ihrem Reichtum protzten allen voran natürlich sein Vater und seine neue Entdeckung Penelope. Francis hatte sich kurz vom Fest zurückgezogen um Luft zu schnappen. Manchmal wurde ihm der ganze Trubel zu viel und er brauchte Abstand von den Gästen und ihren Förmlichkeiten.  Bald würde er zurückkehren müssen, um nicht unhöflich zu erscheinen. Es galt als anmaßend wenn er sich für eine längere Zeit nicht mehr sehen ließ.

Umso mehr schätzte er die Gelegenheit mit seinen Gedanken alleine zu sein. Die bevorstehende Reise nach Schottland versetzte ihn in große Sorgen. In drei Tagen würde es soweit sein. Mary die Königin von Schottland würde zum ersten Mal seit langer Zeit in ihre Heimat zurückkehren und Francis würde seine Ehefrau begleiten. Er wusste dass es Mary gegenüber egoistisch war, aber er freute sich nicht auf Schottland. Die Reise bot ein zu hohes Risiko. Sollte ihr Vorhaben bis zu Englischen Ohren durchgesickert sein, würden sie nicht nur an der Überfahrt nach Schottland gehindert werden sondern es bestand auch eine beachtliche Gefahr für die junge Königin. Die Königin von England würde nicht zögern ihre Konkurrentin auszustechen sollte sich eine Chance dazu auftun.  

Trotz seiner Zweifel musste Francis wohl Mary und ihrem Bruder vertrauen dass sie wussten was sie taten. Sich vom Fenster abwendend kehrte er in die wärmeren Teile des Schlosses zurück. Die langen Gänge waren abgesehen von der einen oder anderen Wache verlassen. Seine Schritte waren das einzige Geräusch, dass an seine Ohren drang bis er auf ein lautes Stimmen Gewirr aufmerksam wurde. „Ich sag euch doch ich bin Schotte“, rief eine aufgebrachte Stimme. Francis spannte sich an und beschleunigte seine Schritte. „Könnt ihr das beweisen?“, fragte jemand anderes barsch. Vor der Tür zum Thronsaal standen sechs Wachen und  versperrten den Eingang. Vor ihnen stand ein kleiner Mann und fuchtelte aufgebracht mit den Armen. Er war in typisch schottisch eingekleidet.

„Ich gehöre zur Delegation von James Stuart“, versuchte es der Schotte erneut. „Warum kommt ihr dann erst so viel später zum Fest als er?“, fragte die Wache misstrauisch. „Weil ich noch etwas für ihn erledigen sollte“. Francis verbiss sich die Frage was das denn gewesen sei. Ihm war James nicht ganz geheuer. „Was ist hier los?“, fragte Francis als er bei den anderen Männern ankam. Der kleinere Mann wirbelte zu ihm herum und wollte wohl eine ruppige Bemerkung fallen lassen. Als ihm auffiel wer vor ihm stand überlegte er es sich noch einmal anders und antwortete in einem freundlicheren Ton „Ich bin einer von James Stuarts Botschaftern und habe ihm eine Nachricht zu überbringen“. „In Ordnung lasst ihn durch“, meinte Francis zu den Wachen, die den Schotten noch immer verärgert anblickten. „Danke“, seufzte der Schotte genervt.

Die Wachen zogen die Flügeltüren auf und die laute Musik und die zahlreichen Stimmen schlugen mit einem Mal wieder auf Francis ein. „Franzosen“, schnaubte der Schotte abfällig und drängte sich an Francis vorbei. Der Prinz von Frankreich tat als hätte er die Bemerkung nicht gehört und machte sich an seine Pflicht den Adligen Aufmerksamkeit zu schenken. Nach einigen langweiligen und Nerven aufreibenden Gesprächen hatte er es an die andere Seite der Halle geschafft. Auf seinem Weg fiel Francis auf das ungewöhnlich viele Schotten anwesend waren. Sie konnten doch nicht alle mit James gereist sein. Mary begegnete seinem Blick und schenkte ihm ein kleines Lächeln. Die Königin stand in einer Traube von ihren Landsleuten und ihre Freude war aufrichtig. Mit einem kleinen Stich fragte Francis sich, ob sie auch unter Franzosen so aufgeschlossen war. Es hätte ihm gefallen wenn Mary sich genau so wohl in Frankreich wie in Schottland fühlte.

Eine Hand legte sich auf seine Schulter und ließ ihn den Kopf drehen. Seine Mutter stand neben ihm. In der anderen Hand hielt sie ein Glass mit Wein. Francis befürchtete stark dass dies nicht ihr erstes am heutigen Abend war. „Ich dachte schon du lässt dich gar nicht mehr blicken“, murmelte sie leise. Sie schaute ihn nicht an während sie sprach sondern hielt ihren Blick auf die Schotten gerichtet. Sie hatten sich an den Händen gefasst und einen großen schnell drehenden Kreis um ihre Königin und ihre Hofdamen gebildet. „Dir entgeht auch nichts“, meinte Francis und beobachtete wie Mary mit ihrem Bruder tanzte. Sie tanzten ganz anders als Francis es kannte. Ihre Bewegungen waren freier und ausgelassener als die der Franzosen welche nach einem strengen Bewegungsablauf tanzten.

„Nun es gibt nichts Spannenderes was mich ablenken könnte auf die Sorgen meiner Kinder zu achten“, sagte Catherine und blickte ihm zum ersten Mal in die Augen. „Ich habe keine Sorgen“, winkte Francis ab. Seine Mutter zog nur eine Augenbraue empor und trank einen Schluck Wein. „Ich habe dich aufgezogen. Ich weiß immer wann dir etwas zu schaffen macht und auch wenn du mich anlügst“. „Tut mir leid“, meinte er knapp. „Tut es nicht“, verdrehte Catherine höchst unköniglich die Augen dann schnaubte sie „ach bitte, ist das ihr ernst?“. Verwundert folgte Francis ihrem Blick. Sein Vater saß auf dem Stuhl und ließ sich von Penelope mit Torte füttern. Dabei grinste er ungeniert und die Hälfte fiel wieder aus seinem Mund während Penelope vor sich hin kicherte.

„Irg“, war Francis sehr erwachsene Antwort auf das Schauspiel vor ihm. „Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll“. „Am besten nichts von beidem“; meinte die Königin von Frankreich und rümpfte die Nase „am besten er erstickt daran“. „Mutter“, fassungslos blickte Francis sie an. „Ach komm schon, als hättest du dir das nie gewünscht“, gleichgültig nahm sie einen weiteren Schluck. „Habe ich nicht“, sagte Francis empört und entwand seiner Mutter bestimmt aber möglichst unauffällig den Wein. „Du bist ein guter Junge Francis“, stellte Catherine fest „kaum zu glauben dass der da dein Vater ist. Du musst nach mir kommen“. Francis verkniff sich den Kommentar dass Catherine auch nicht unbedingt zu den nettesten Menschen der Welt gehörte. Immerhin hatte sie mehrmals geplant Mary zu töten und wer weiß wie viele andere Menschen auch.

Immer wenn seine Mutter viel trank wurde sie sehr sentimental und das wollte Francis nicht über sich ergehen lassen, deswegen stellte er den Wein in sicherer Entfernung ab. „Glaubst du wirklich du kommst mit Vater und Penelope zu Recht solange wir weg sind?“, fragte er besorgt. „Aber sicher und wenn nichts hilft dann muss Penelope eben weg“, Catherine warf der Mätresse ihres Mannes einen bösen Blick zu. Die beiden hatten getauscht so dass sie jetzt vom König mit Kuchen gefüttert wurde. Nur ihr fiel nicht alles wieder heraus. „Iss nur solange Kuchen wie du kannst. Ehe du dich versiehst bist du wieder eine einfache Bedienstete“, murmelte Catherine vor sich hin. Francis beschloss genug gehört zu haben und ging weiter.

Grade als er sich von seiner Mutter und ihren Intrigen befreit hatte sah er wie sich James durch die Menge auf ihn zu schob. Kurz bereute er es sein Gespräch mit Catherine beendet zu haben. Francis hatte das ungute Gefühl das der Bruder seiner Ehefrau ihn nicht ausstehen konnte. „Francis“, begrüßte er ihn kühl. „James was ist dein anliegen?“, fragte Francis betont höfflich. „Brauche ich einen Grund mit meinem Schwager zu reden?“, spöttisch zog James seine Augenbrauen hoch. „Nein natürlich nicht“, lächelte Francis. Vielleicht kam er wirklich nach Catherine. Nach außen zeigte sie sich freundlich obwohl sie ihrem Gegenüber am liebsten die Augen auskratzen wollte. „James sei nett“, Mary war an der Seite ihres Bruders aufgetaucht und warf ihm einen warnenden Blick zu. „Bin ich immer“, entgegnete der Schotte steif. „Mein Botschafter hat mir eben mitgeteilt dass alles für unseren Aufbruch in drei Tagen bereit ist“.

„Freut mich zu hören“, Francis falsches Lächeln saß perfekt. Ihm war bewusst dass James am liebsten mit Mary alleine gereist wäre um keinen blonden Franzosen im Gepäck zu haben wie er es ausgedrückt hatte. „Tatsächlich?“, man hörte James seine Skepsis an. „Natürlich, ich freue mich darauf Mary zu begleiten und ihre Familie näher kennen zu lernen und natürlich auch Schottland“, fügte Francis hinzu und beobachtete wie die Falte zwischen James Augenbrauen bei seinen letzten Worten tiefer wurde. „Ich bin mir nicht sicher ob Schottland einen französischen König akzeptieren wird“, flüsterte James leise und dennoch hörten sich seine Worte wie eine versteckte Drohung an. „Hört auf damit ihr beide“, fuhr Mary sie an. „Ihr seid jetzt eine Familie ob es euch passt oder nicht und James du kennst Francis überhaupt nicht gib ihm eine Chance“.

Sie holte tief Luft und strich sich ihre langen dunklen Haare zurück. „Und wenn einer von euch auf die Idee kommt dem anderen etwas anzutun werde ich alleine nach Schottland fahren und keiner von euch kommt mit“. Francis öffnete den Mund um zu wiedersprechen aber Mary kam ihm zu vor. „Nein ich bin noch nicht fertig. Ihr werdet euch zusammenreißen verstanden?“. Francis nickte knapp und versuchte James nicht mehr so wütend anzuschauen. „Du bist meine kleine Schwester du kannst mir nicht sagen was ich tun soll“, meinte James eingeschnappt. „Deine Schwester und deine Königin vergiss das nicht“, meinte Mary mit warnendem Unterton. Für einige Momente hielt James ihrem Blick stand dann senkte er den Kopf. „Du hast recht das war gedankenlos von mir“. „Gut dann wäre dieses Problem schon mal beseitigt“.

Sie drückte kurz Francis Hand und zog ihren Bruder hinter sich her zu ihren Landsmännern zurück. Francis wurde wieder von den Adligen seines Landes in Beschlag genommen und so verging die Zeit bis tief in die Nacht hinein. Ungeduldig sah Francis gelegentlich zu seinem Vater und Penelope. Wann würde der König endlich dieses Fest beenden damit sie Schlafen gehen konnten. Auch Kenna und Bash warfen dem König hin und wieder Blicke zu. Das lag allerdings nur teilweise an ihrer Ungeduld endlich das Fest verlassen zu dürfen. Der König hatte sich in den letzten Tagen aufdringlich gegenüber Kenna gezeigt und das nahm Bash verständlicherweise nicht zu gut auf.

Zurzeit war König Henry damit beschäftigt seinen Kopf an Ort von Penelopes Kleid zu stecken wo er ganz sicher nicht hingehörte. Besonders dann nicht wenn der Saal voller Menschen war. Zähne knirschend sah sich Francis um. Einige der Anwesenden blickten schon zu dem verirrten König. Über den Saal hinweg versuchte er die Aufmerksamkeit seiner Mutter auf sich zu ziehen. Als er Blickkontakt hatte nickte er zu seinem Vater und Catherine verstand auch ohne Worte. Sie eilte zu ihrem Thron auf welchem jetzt Penelope saß und zischte ihr einige Worte in Ohr. Francis sah wie sie ihr Gesicht verzog aber dann zustimmend nickte. Die Bohnenkönigin brauchte dem König nur provokant zuzulächeln und Henry ließ sich bereitwillig aus dem Saal ziehen. Kichernd jagte er Penelope zur Tür. Francis atmete erleichtert aus. Eine Blamage weniger für Frankreich und das Haus Valois.

Er konnte nur hoffen dass Catherine den König unter Kontrolle halten konnte und versteckt hinter seinem Rücken Frankreich regierte. Seine Mutter winkte ihn zu sich nach vorne. Auch Mary bahnte sich einen Weg zu ihnen. „Der König ist Müde und möchte Schlafen daher werden wir das Fest jetzt beenden“, sagte Königin Catherine wohl wissend dass alle im Saal den Abgang ihres Königs gesehen hatten. „Eure Anwesenheit hat uns geehrt und falls ihr heute Nacht nicht noch abreisen wollt, werden wir euch gerne unsere Gastfreundschaft zu Verfügung stellen“, fügte Francis hinzu. „Es hat mich sehr gefreut das Heute viele meiner Landsleute dagewesen sind. Es ist eine Ehre für mich die Königin solcher Menschen zu sein“, meinte Mary.

Die Schotten grölten und klapperten mit ihren Schwertern bei den Worten ihrer Königin. Nicht wenige Franzosen rümpften die Nasen und sahen abschätzig zu den Schotten. Als seien sie zu erhaben für solche kindischen Gesten. Francis hingegen musste lächeln. Eine solche Zurschaustellung von Treue und Stolz für ihre Königin fand er sehr bewegend. Vermutlich hatte James recht die Schotten brauchten ihre Königin. Nachdem der Tumult abgeebbt war nahm Mary seine Hand und gemeinsam schlängelten sich, Abschiedsworte murmelnd, durch die Menge. Die Wachen zogen die Türen auf und die Anspannung fiel von ihnen ab. „Komm lass uns schnell verschwinden bevor die Adligen nach kommen“, murmelte Mary und Francis musste lachen, als Mary einmal über die Schulter schaute und dann los rannte.    

Es war ein schönes Gefühl dass sie in seiner Gegenwart einfach nur Mary sein konnte und nicht die Königen von Schottland. Als er ihr hinterer rannte fiel ihm wieder einmal auf wie lang seine Beine geworden waren. In seiner Kindheit war Mary kurze Zeit größer gewesen als er aufgrund des Altersunterschieds von knapp zwei Jahren. Jetzt war er schneller und Mary streckte ihm die Zunge raus als er sie lachend überholte. Vor den Türen ihrer Gemächer hielten sie an. Lediglich zwei Wachen standen im Gang und nahmen scheinbar keine Notiz von dem jungen Ehepaar. Ihre Gemächer waren angenehm warm und Francis genoss die Freiheit sie selbst sein zu können und auf die gespielten Höflichkeiten zu verzichten konnten.

„Es Tut mir Leid das ich deinen Bruder provoziert habe“, murmelte Francis und zog Mary zu sich und strich ihr die Haare aus dem Gesicht. „Ich wollte keinen Streit mit ihm. Nur habe ich so meine Bedenken wegen der Überfahrt nach Schottland“. „Aber du kommst doch noch mit oder?“, fragte Mary und besorgt sah sie zu ihm auf. „Aber sicher ich gönne doch James seinen Triumpf nicht“, grummelte er und wich Marys halbherzigem Schlag aus. „Wenn ihr euch besser kennt mögt ihr euch bestimmt“, meinte sie zuversichtlich. „Nun wir haben zu mindestens noch drei Tage um uns besser kennen zu lernen“, sagte Francis mit wenig Begeisterung in der Stimme. Er hatte sich auf das Ende ihres Bettes gesetzt und begann die Bänder seiner Schuhe zu lösen. „Das wird schon“, murmelte Mary und legte ihren Kopf auf seine Schulter.

Sie beide schreckten auf als die Türen aufgestoßen wurden. Catherine trat ein und machte sich wie immer nicht die Mühe vorher anzuklopfen. „Was hat Vater angestellt?“, fragte Francis angespannt. „Nichts, jedenfalls nichts worüber ich genauer nachdenken möchte“, winkte die Königin von Frankreich ab. „Es geht um eure Reise nach Schottland“. „Was ist mit ihr. James sagte alles verläuft nach Plan“, Mary hatte sich erhoben und ging unruhig im Zimmer auf und ab. „Tut es auch“, sagte Catherine und wollte fortfahren aber Mary kam ihr zu vor. „Dann verstehe ich nicht was das Problem ist“,  die schottische Königin verengte misstrauisch die Augen „Ich werde nach Schottland gehen und ihr werdet mich nicht davon abhalten“. Wütend blickte sie Catherine an und auch Francis erhielt einen warnenden Blick.

„Darum geht es doch gar nicht. Mir ist das Risiko erheblich zu hoch“, Catherines Blick glitt über Francis. Dieser stöhnte innerlich auf manchmal war seine Mutter im Bezug auf ihre Kinder zu beschützerisch. „Francis wird bei mir in Schottland sicher sein“, erwiderte Mary kühl und wiederholte damit die Worte die sie schon einmal verwendet hatte als sie Catherine gedroht hatte den geistigen Zustand des Königs zu verraten. Mary hatte der Königin noch nicht verziehen dass sie viele Schotten, die ihr Treue geschworen hatten abschlachten ließ. „Ich denke das Risiko wird nicht so hoch sein wenn ihr heute noch aufbrecht“, erklärte Catherine. „Sollten eure Pläne bis nach England durchgesickert sein, werden sie euch auf See leicht abfangen können. Nicht aber wenn ihr drei Tage früher ankommt“.

„Wir können nicht einfach früher aufbrechen. Meine Mutter erwartet uns nicht so früh und außerdem sagte mein Bruder der Weg übers Meer ist sicher“, Mary hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt. Francis fand den Vorschlag nicht schlecht. Er stand auf und ging behutsam auf Mary zu und nahm ihre schmalen Hände in seine. „Überleg mal Mary. Es kann gut sein das ein englischer Spion irgendwas aufgeschnappt hat. Wenn wir aber früher aufbrechen, mit anderen Adligen die heute noch den Hof verlassen wollen, fallen wir nicht auf und kommen England zu vor. Wenn es dir wichtig ist das deine Mutter Zeit hat deine Ankunft vorzubereiten, können wir einige Tage im sicheren Hafen von Schottland verbringen“.

„Aber wir haben doch noch nicht gepackt“, wiedersprach Mary zögernd. „Das stimmt nicht ich habe mir die Freiheit genommen die Bediensteten anzuweisen eure Sachen packen zu lassen während alle beim Fest waren“, meinte Catherine mit einem selbstzufriedenen lächeln. Ungläubig starrte Mary sie an. „Und das alles ohne es mit mir abzusprechen“, fauchte sie wütend. „Wie lange planst du das ganze schon?“, fragte Francis stirnrunzelnd. „Seit dem ich weiß in was für eine unnötig gefährliche Lage ihr euch bringen wollt“, ihr Ton klang strafend und zeigte ihnen was sie von ihrem Unternehmen hielt. Auf die Art und Weise wie Mary ihre Lippen zu einem dünnen Strich zusammen presste sagte ihm dass sie immer noch wütend war. „Meinem Bruder muss Bescheid gegeben werden“, stellte sie klar. „Ist schon geschehen. Ihr müsst nur noch nach unten gehen und in die Kutsche steigen. Deine Hofdamen warten schon und ihre Ehemänner haben sich bereit erklärt mitzukommen“, berichtete Catherine.

„Bash kommt mit?“, horchte Francis auf. Warum hatte sein Bruder ihm gegenüber nichts erwähnt? „Ja und jetzt beeilt euch“. Mary und Francis hasteten den Weg zurück den sie gekommen waren, wobei Francis einmal fast über die Schnüre seines offenen Schuhes gestolpert war. Sie verschwanden unauffällig durch eine kleine Seitentür. Catherine hatte Recht behalten vor ihnen warteten schon drei Kutschen mit einer Anzahl von Wachen. „Haben wir auch wirklich alles?“, fragte Francis und band sich hastig seinen Schuh wieder zu. „Ja es alles in Ordnung. Ich hab an alles gedacht“, beruhigte Catherine ihn. „Gut dann…“, meinte Francis zögerlich. „Komm her mein Liebling“, Catherine zog ihn in eine innige Umarmung. „Kannst du Charles und Henry meinen Abschied ausrichten?“ fragte er. „Sicher, pass auf dich auf“, meinte seine Mutter und versuchte seine blonden Haare zurecht zu streichen.

Francis wich zurück und kletterte hinter Mary in die Kutsche. Er hob noch kurz zum Abschied die Hand und dann klapperten die Pferdehufe schon los und erst als der französische Hof im dunklen verschwand wurde Francis bewusst dass es vielleicht das letzte Mal für eine Weile war, dass er ihn sah. Auch Bash ließ seine Freunde und seine Familie zurück, aber für ihn war es um einiges leichter als für Francis. Als Kronprinz und zu mindestens inoffizieller König von Schottland bis zu seiner und Marys Krönung, hatte er politische Verpflichtungen zu erfüllen. Für ihn und auch für Mary würde es Schwierigkeiten geben am fremden schottischen Hof zu regieren. Frankreich würde für ihn in unerreichbare Ferne rücken und er musste sich an ein neues Land gewöhnen.

Eine Bewegung erregte seine Aufmerksamkeit. Mary hatte seine Hand genommen und lächelte ihm zuversichtlich zu. „Wir schaffen das“, sagte sie. „Schottland wird dir gefallen da bin ich mir sicher“, ihre Augen leuchteten vor Aufregung und Fröhlichkeit. Francis streichelte ihr als Antwort nur über die Wange und blickte dann wieder aus dem Fenster. „Die anderen Kutschen nehmen einen anderen Weg“, murmelte er und beobachtete wie sie im Blutwald verschwanden. „Sie nehmen sicherlich nur eine andere Rute. Als ich zum französischen Hof kam sind Lola, Kenna, Greer und Aylee auch auf einem anderen Weg gekommen als ich. Das ist sicherer für sie und auch für mich gewesen“, erklärte Mary aber auch sie sah den beiden Kutschen ein wenig bedrückt hinterher. Danach rutschte sie noch näher an Francis was dieser erfreut zur Kenntnis nahm.

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Der Schneefall hatte stark zugenommen als sie an einem Morgen, mehrere Tage nach ihrem Aufbruch am französischen Hof, an einem der zahlreichen Häfen der Nordküste Frankreichs ankamen. Die Luft war eisig als Mary aus der Kutsche sprang und eilig zog sie ihren Mantel enger um sich. „Vielleicht sollten wir einfach ohne Wachen zum Schiff gehen, dann sind wir unauffälliger“, schlug sie Francis vor als er ihr nach draußen folgte. Dieser nickte und wechselte einige schnelle Worte mit ihren Begleitern. Ihr Gepäck und die anderen waren schon auf dem Schiff was sie nach Schottland bringen sollte und nachdem sich die Wachen entfernten waren sie völlig alleine.

„Morgen Spaziergang am Meer?“, fragte Francis lächelnd und hielt ihr den Arm hin unter welchem sie sich bereitwillig einhakte. So schlenderten sie gemütlich los in Richtung Harfen. Die Menschen an denen sie vorbei kamen achteten nicht weiter auf sie. Geschäftig liefen sie umher und gingen ihrer Arbeit nach. Mary fühlte sich seltsam fremd unter ihnen. Dieses Leben war Welten entfernt als das welches sie kannte. Zwar hatte es auch im Kloster nie wie Prunk und Überfluss gegeben, aber zu mindestens war ihr immer warm gewesen und sie hatte genug zu essen bekommen. Diese Menschen arbeiteten jeden Tag von morgens bis abends um sich nur das wichtigste kaufen zu können.

Francis führte sie auf eine breitere Straße die bei weitem mehr besucht war. Mary nahm Francis bei der Hand um ihn in der Menge nicht aus den Augen zu verlieren als sie sich zwischen den Leuten hindurch drängten. Sie hielt ihren Kopf leicht gesenkt damit ihre Kapuze ihr Haar und ihr Gesicht verhüllten. Sie bezweifelte zwar das jemand sie als schottische Königin erkennen würde, aber sie wollte besser nichts riskieren. Das Klappern von mehreren Pferden ertönte und Mary drehte sich überrascht um. „Geht beiseite, nun macht schon“, fuhr sie der Kutscher an. Überrascht stolperte sie zur Seite ebenso wie ein Dutzend anderer die versuchten nicht von der schweren Kutsche überrollt zu werden.

Mary drückte sich an eine Häuserwand und erhaschte so einen Blick auf ein rothaariges Mädchen das aus dem Fenster blickte. Es sah fast so aus als wolle auch sie zum Harfen. Vielleicht sogar zu ihrem Schiff da dieses das einzige war welches an diesem Tag ablegen würde. Sie sah gelangweilt auf die Menschen herab und ihr Blick streifte nur kurz Mary. Als die Kutsche vorbei gefahren war richtete Mary sich wieder auf und schüttelte sich den Schnee von dem Mantel. Es beschlich sie das Gefühl das Mädchen schon irgendwo einmal gesehen zu haben, aber sie erinnerte sich nicht mehr daran. Vielleicht war sie eine der weniger bedeutenden Adligen am französischen Hof gewesen und war Mary einmal über den Weg gelaufen. Als sie Francis auf das unbekannte Mädchen aufmerksam machen wollte und sich nach ihm umdrehte war er verschwunden.

Verwirrt sah Mary sich um. Sie hatte angenommen dass Francis mit ihr der Kutsche hatte ausweichen müssen. Zu ihrer Erleichterung entdeckte sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ebenfalls eine Gestalt die in einen dunklen Umhang gehüllt war. Eilig lief Mary auf ihren Gemahl zu. „Hey. Kommt dir dieses Mädchen in der Kutsche nicht auch bekannt vor?“, fragte sie und ergriff seine Hand. Der Mann wendete sich zu ihr um und erschrocken ließ Mary seine Hand los. Das war nicht Francis sondern ein völlig Fremder. So aus der Nähe viel ihr auf das er zwar ungefähr die Größe ihres Prinzen hatte aber um einiges breiter gebaut war. Seine Haare waren von einem dunklen braun und er musste so um die fünfzig sein. „Verzeihung ich habe dich mit jemanden verwechselt“, entschuldigte Mary sich hastig und wollte sich wieder abwenden als der Mann ihren Arm fest hielt.

„Nicht so schnell Mädchen“, grunzte er „du hast meinen Umhang mit Schlamm bespritzt das verlangt eine Entschädigung“. Mary verdrehte die Augen der Mann war offensichtlich betrunken. „Euer Umhang ist vollständig sauber und jetzt lass mich los“, sagte sie eisig. „Und was wenn nicht?“, fragte der Mann mit einem widerlichen Grinsen und riss ihre Kapuze vom Kopf. „Du bist ja heiß“, glotzte er sie an. Mary seufzte im Stillen auf bevor sie dem Mann beherzt zwischen die Beine trat. Stöhnend viel der Mann auf die Knie und gab ihren Arm frei. Einige Umstehende Menschen blickten erstaunt in ihre Richtung und eine Frau mittleren eilte auf sie zu. Sie hatte ein Müdes aber freundliches Gesicht. „Kindchen weißt du nicht wer das ist? Du steckst in großen Schwierigkeiten. Kommt mit mir bevor er wieder laufen kann“, sprach sie eilig auf Mary ein.

Irritiert folgte sie der Frau die sie schnell die Straße hinab führte. „Wer ist er?“, Mary gab sich Mühe niemanden anzurempeln. „Der Stadtheer. Komm rasch“, flüsterte sie Mary sorgenvoll zu und zog sie in eine Seitengasse. „Er nimmt sich alles was er will und nimmt dabei keine Rücksicht. Es ist am besten ihm  einfach auszuweichen“, erklärte die Frau während sie wischen den dichtstehenden Häusern dahin huschten. „Er wird dir nicht verzeihen dass du ihn beleidigt hast. Vielleicht lässt er sogar nach dir suchen. Am besten ihr verschwindet auf schnellstem Weg. Wie heißt du Kindchen?“. Mary überlegte kurz. „Mary“, sagte sie wahrheitsgemäß. „Wie die Königin?“, belustigt blieb die Frau an der Ende der Straße stehen und blickte vorsichtig um die Häuserecke. „Das ist ein Name der häufig vorkommt und wie nennt man euch?“, fragte sie ausweichend. „Amaury“, sagte die Frau und zog sie auf eine breitere Straße.

„Danke das ihr mir helft Amaury“, meinte Mary als die beiden Frauen dicht aneinander gedrängt und mit gesenkten Köpfen vorwärts stolperten. „Das ist nur anständig. Niemand hier mag den Stadtherren“, entgegnete Amaury finster. Mary hörte ihr kaum zu sie hatte am Ende der belebten Straße einen Schiffmast ausgemacht. „Nein wo geht ihr denn hin“, hielt Amaury sie auf „da lang geht es zum Harfen. Der Stadtherr hat bestimmt schon den Wachen Bescheid gegeben da findet man euch ganz sicher“. „Ich muss zum Harfen“, meinte Mary bestimmt. Sie musste ihr Schiff und gleichzeitig auch Francis wiederfinden. „Nein das geht nicht“, bemühte Amaury sie abzuhalten „viele Menschen bereiten den Harfen auf die Ankunft von der schottischen Königin und dem Kronprinzen von Frankreich vor“. „Was?“, überrascht fuhr Mary herum und ließ sich für den Moment von ihrem Vorhaben abbringen.

Wie konnte sich die Nachricht so schnell verbreitet haben. Wenn ganz Frankreich wusste was sie vorhatte warum dann nicht auch England? „Nunja wenn man den Gerüchten traut kommen sie in etwa drei Tagen. Wir vermuten das sie nach Schottland übersetzen wollen, aber wir wissen nichts genaues. Es gab keinen offiziellen Brief. Nur das Geflüster von hier und da“, meinte Amaury und versuchte Mary mit sanfter Gewalt in eine andere Straße zu schieben die nicht zum Harfen führte. Marys Gedanken drehten sich. Hatte jemand die Informationen absichtlich weiter gegeben? Wollte jemand am französischen Hof das Mary von den Engländern aufgegriffen wurde? Gab es eine Person die ihr Schaden wollte? Auf Anhieb viel ihr nur Catherine ein. Aber es war die Königin von Frankreich gewesen die sie gedrängt hatte früher als gewöhnlich aufzubrechen und außerdem würde Francis mit ihr reisen und Catherine würde nicht riskieren, dass ihrem Sohn etwas zustieß. Catherine fiel also weg.

„Ich muss zum Harfen“, meinte Mary bestimmt „du brauchst nicht mit mir zu kommen Amaury“. Wenn sie jetzt nicht aufbrächen würde sich vielleicht nicht so schnell wieder eine Möglichkeit ergeben nach Schottland zu kommen. „Ich bitte dich Mary. Das ist reiner Selbstmord. Der Stadtherr wird dich an einen Pranger stellen lassen für das was du getan hast“, Amaury sah sie mit aufrichtiger Sorge an. Die Frau lief Mary hinter her als sie sich einen Weg durch die vielen Menschen bahnte und redete auf weiter auf sie ein. Die Straße endete und Mary betrat einen langen Platz. Hilflos sah sie sich die lange Reihe von Schiffen an dann fiel ihr Blick auf eine vertraute schlanke Gestalt. Dieses Mal irrte sie sich nicht. Mary kannte die Statur und die hellen Haare die unter dem Stoff vom Mantel hervorragten.

Mary war so erleichtert das sie sich nicht darum kümmerte das Amaury noch neben ihr stand. „Francis“, japste sie erleichtert und rannte los. Es war ihr egal wenn jetzt Stadtwachen auf sie aufmerksam wurden. Sie musste nur noch Francis erreichen, mit ihm auf ihr Schiff gehen und nach Schottland fahren. Dann war sie endlich in Sicherheit in ihrem eigenen Land und durfte dieses Versteckspiel aufgeben und die Königin sein die sie war. Mary rannte Francis beinahe um als sie nicht rechtzeitig stoppte aber er schien sich nicht daran zu stören. „Mary wo warst du denn?“, fragte er nachdem er sie in eine innige Umarmung gezogen hatte. „Ich verlor dich aus den Augen als ich der Kutsche ausgewichen bin“, lachte sie und schmiegte sich an ihn. „Und dann musste ich vor dem Stadtherren fliehen“.

„Warum?“, fragte Francis mit zusammen gezogenen Augenbrauen. „Nun ich hab ihn vielleicht getreten“, gab Mary zu. „Mary du kannst doch nicht einfach …“, fing Francis fassungslos an unterbrach sich dann aber und richtete seinen Blick auf Amaury. „ Und wer ist das?“, misstrauisch verengte er die blauen Augen.  „Amaury sie hat mir geholfen“, murmelte Mary. Amaury  war seltsam still geworden und versuchte nicht mehr Mary zu verstecken. Ihr Blick wanderte von ihr zu Francis und dann zurück zu Mary. „Ich denke du hast recht“, begann sie langsam ohne den Blick von ihr zu nehmen „es gibt viele Menschen die den Namen Mary tragen aber nur wenige die einen Freund Namens Francis haben“. „Wir sollten jetzt gehen“, meinte Francis knapp und zog Mary ein wenig näher zu sich.

„Ich danke dir für deine Hilfe Amaury“, sagte Mary. „Du hättest sie nicht gebraucht wenn du dem Stadtherren gesagt hättest wer du bist. Er hätte nicht gewagt dich anzurühren“, erwiderte Amaury und blickte immer noch abwechselnd von ihr zu Francis, als traute sie ihren Augen nicht ganz. „Er hat was gemacht?“, horchte Francis auf, seine Stimme war gefährlich leise und Mary konnte spüren wie er sich anspannte aber sie ignorierte ihn vorerst. „Dennoch ich danke dir“, lächelte Mary „und wenn besagter Stadtherr noch Schwierigkeiten bereiten sollte schreib mir und ich werde mich darum kümmern“. „Sei vorsichtig Mary. Ich hoffe du wirst in Schottland glücklich sein und viel Glück auf eurer Reise“, sagte die Frau zum Abschied. Sie verneigte sich recht unbeholfen vor ihnen und verschwand.

„So viel zu unserer Unauffälligkeit“, meinte Francis sarkastisch und nahm Mary wieder an der Hand. „Da lässt man dich einmal alleine. Ich würde mich nicht wundern wenn sich bald die Nachricht verbreitet, dass die Königin von Schottland einen französischen Stadtobersten getreten hat“.  Gemeinsam fanden sie das Schiff um einiges schneller. Grade als Mary einen Fuß an Deck gesetzt hatte, ertönte ein hoher Schrei und ein Mädchen mit einer wilden braunen Lockenmähne warf sich in ihre Arme. „Hallo Lola“, lachte Mary. Fast Augenblicklich als Francis an Board kam legte das Schiff vom Harfen ab. Vorfreude durchströmte Mary und sie umarmte gleich noch Kenna und Greer. „Lasst uns nach Hause fahren“, meinte Mary und sah ihre Freundinnen mit Tränen in den Augen an. „Ja“ meinte Greer „Ich brauche dringend ein wenig Abstand von Frankreich“.  

„Geht es dir immer noch um diesen Küchenjungen?“, fragte Kenna genauso empathisch wie oft. Sie sprach immer aus was sie dachte und kümmerte sich nicht darum was andere von ihr dachten. In dieser Hinsicht passte sie gut zu Bash. „Nein“, sagte Greer nachdrücklich „Ich bin zufrieden mit Castleroy und wir sehen diese Reise nach Schottland als erholsame Abwechslung“. „Sie ist zufrieden“, verdrehte Kenna vielsagend die Augen. „Ich glaub Bash ist nicht so begeistert dass wir nach Schottland gehen“, meinte die dunkelhaarige Schönheit nachdenklich. „Aber mich wird es sicherlich nicht stören wenn einige Ländergrenzen zwischen mir und Henry liegen“. „Ich glaube Francis findet das eher beunruhigend, weil er nicht weiß was Henry plant“, vermutete Mary und blickte zu ihrem Gemahl der an der Reling stand und zusah wie Frankreich langsam in die ferne rückte.

Bash und sogar Castleroy hatten sich zu ihm gesellt. „Wo ist Julien“, fragte Mary Lola. „Unter Deck bei deinem Bruder“, seufzte Lola „ich hätte gerne noch seine Familie kennengelernt, aber ich denke er freut sich meine kennenzulernen. Jedenfalls scheint er Frankreich nicht sehr zu vermissen“. „Wir kommen nach Schottland zurück als verheiratete Frauen“, lächelte Lola „Mit angesehenen Männern die unserem Stand entsprechen“. „Nicht so ganz“, meinte Kenna zerknirscht „Ich frage mich wie ich das meiner Familie erklären soll. Nichts gegen Bash aber er hat nicht den Stand den sich meine Eltern wünschen“, verdrehte Kenna die Augen. „Nun eher nicht den Stand den du dir wünschst“, lachte Greer und erhielt einen strafenden Blick von Kenna. Mary lächelte leicht. Es war schön mit dem Wind in ihren Haaren und ihren Freundinnen an ihrer Seite.

Sie glaubte nicht das sie Frankreich sehr vermissen würde. Alles was ihr wichtig war befand sich bei ihr auf diesem Schiff. Erst als höherer Wellengang einsetzte änderte sie ihre Meinung. Ihr wurde leicht schummerig und sie beschloss sich hinzusetzen. Ihre Freundinnen ließen sich um sie herum nieder. Greer war sehr blass im Gesicht und stützte ihren Kopf auf ihren Arm ab. So verbrachten sie fast die ganze Zeit auf dem Schiff. Lola und Kenna hatten weniger Probleme mit dem schaukelnden Schiff als ihre beiden Freundinnen und so versuchten sie sie best möglich abzulenken. Ihre Überfahrt verlief Ereignislos, obwohl Mary immer damit rechnete am Horizont ein Schiff mit englischer Flagge zu entdecken. Sie teilte sich mit Francis eine schön eingerichtete Kajüte und wenn sie sich nachts an ihn kuschelte gelang es ihr sogar für eine Weile das Schaukeln nicht zu beachten.  

James und Francis gingen sich so gut es ging aus dem Weg und wenn sie doch aufeinander trafen nickten sie sich kurz zu. Mary hatte gehofft dass die beiden sich mit der Zeit besser verstehen würden, aber sie würde wohl akzeptieren müssen dass die beiden ihre eigenen Köpfe hatten. Einmal sah Mary in der Ferne einen grauen Landstreifen. „Die Küste von England“, murmelte sie leise zu sich selbst als sie an der Reling stand und auf das Meer hinaus blickte. Sie kam nicht Drumherum sich vorzustellen, sie sei die Königin von England und Schottland. Die Kirche würde mit ihr als Katholikin zufrieden sein und es würde gleichzeitig den Frieden für Schottland bedeuten. Mit Francis an ihrer Seite würden sie eine gute Königin für ihr Land sein. Dann kam in ihr ein Gedanke auf der sie für den Rest der Seefahrt nicht mehr los ließ.

Vielleicht konnte sie Francis davon überzeugen dauerhaft in Schottland zu leben. Frankreich hatte Henry und Catherine als König und Königin aber Schottland hatte nur sie. Greer hatte die Idee ihnen die Zeit zu vertreiben mit einer Vorleserunde. Normalerweise las sie aus den Büchern vor und Mary, Lola und Kenna hörten zu, aber es brauchte nur eine etwas stärkere Welle und Greer gab das Buch schnell an Lola weiter. Mary hörte ihrer Freundin kaum zu sondern blickte zu Francis der mit Julien an der Reling stand und darauf warteten endlich den ersten Schimmer von Schottland zu erhaschen. Es wäre wundervoll mit ihm in Schottland zu leben. Sicher sie mochte Frankreich aber Schottland war ihre Heimat und sie wollte sie nicht in einigen Monaten wieder verlassen müssen. Ihre Hofdamen waren grade wie sie in ihren Herzen Schotten. Bash und Castleroy  waren allerdings beide Franzosen und Julien kam aus Ungarn.

Bash hatte keine Verpflichtungen in Frankreich und wenn sie es erst schafte Francis zu überzeugen war Mary sich sicher, dass auch Bash mit Kenna in Schottland zufrieden sein könnte oder vielleicht auch Lola, jedenfalls schien Julien nicht sehr an seiner Familie zu hängen. „Da vorne“, riss Juliens ruf sie aus ihrer Grübelei. Mary sprang auf und rannte förmlich auf die linke Seite des Schiffes. Damen untypisch hielt sie vor dem Hauptmast inne und überlegte kurz. Dann kletterte sie langsam die wackelige Strickleiter hoch zum Aussichtsposten. Mary schloss die Augen als sie einen Blick nach unten warf. Das Schiff befand sich in schwindelerregender Tiefe. Dann riss sie sich zusammen. Sie wollte unbedingt Schottland sehen.

Julien hatte Recht. In weiter Entfernung sah sie einen grauen Streifen der fast im Horizont zu untergehen schien. Ihr Herz klopfte wie Wild vor Freude. Endlich war sie zuhause. Von ihrer Position aus konnte sie sehen wie Lola und die beiden anderen ebenfalls auf die Landfläche deuteten. Francis drehte sich um und sah zu ihr auf. Auch aus dieser Entfernung konnte Mary sehen das er lächelte. „Komm hier hoch. Die Aussicht ist wunderbar“, rief sie zu ihm herab. Francis schüttelte lachend den  Kopf. „Was ist hast du Angst“, neckte Mary ihn. „Vielleicht davor das du mir auf den Kopf fällst wenn du dich noch weiter nach vorne lehnst“, spottete Francis und Mary fühlte sich in die Zeit zurückversetzt, in der sie noch Kinder gewesen waren und sich oft gegenseitig geärgert hatten bei ihren gemeinsamen Spielen.

„Nun komm schon hoch“, lachte sie und beobachtete wie Francis misstrauisch wie eh und je  die Strickleiter betrachtete. Es war immer Mary gewesen die als erstes die Hals über Kopf auf einen Baum kletterte oder durch einen engen Tunnel kroch. Francis verschaffte sich immer erst einen Überblick über die Lage bis er der ungestümen Spielfreundin folgte. Auch jetzt zögerte er zwar folgt ihr dann aber doch. Mary ergriff seine Hände und zeigte auf Schottland. Francis umarmte sie von hinten und legte seinen Kopf auf ihrer Schulter ab. So beobachten sie wie Schottland zwar langsam aber stetig näher rückte. „Ich bin froh das du mit mir gekommen bist“, murmelte Mary „und ich weiß das es schwer wird, aber wir stehen das gemeinsam durch Versprochen?“. „Versprochen“, stimmte Francis zu.

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Zunächst unbemerkt kam die Königin von Schottland in ihrem Heimartland an und das wäre auch so geblieben wenn nicht James gleich nach ihrer Ankunft dem Stadtrat bekannt gab, dass sie schon drei Tage früher aus Frankreich gekommen waren. Er konnte es nicht lassen seiner Schwester einen gebürtigen Empfang zu bescheren. Kurz darauf war die ganze Harfenstadt auf den Beinen um ihre Königin zu begrüßen. Schon vor mehreren Wochen hatte James in der Stadt eine starke schottische Wache positioniert die ihre Königin zum schottischen Hof geleiten sollte. Diese stritt zur Tat und sorgte dafür das niemand der gewöhnlichen Volkes ihnen zu nahe kam. „Kommst du?“, fragte Mary sie schien ein wenig nervös als sie das Stimmengewirr gehörte.

„Ich denke diesen ersten Weg solltest alleine  gehen“, meinte Francis und strich ihr liebevoll eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht. „Bist du dir sicher?“, fragte Mary zweifelnd. „Natürlich. Schottland hat lange genug auf seine Königin gewartet. Ich bin gleich hinter dir und versuche deinem Bruder nicht die Augen auszukratzen“, die letzten Worte flüsterte er so leise, dass nur Mary ihn verstehen konnte und nicht James der neben ihnen ungeduldig auf und ab lief. „Das ist sehr rücksichtsvoll von dir“, verdrehte Mary die Augen. „Immer doch und nun geh schon“, er schob sie sanft in Richtung des Stegs. Francis sah sie tief Luft holen, dann nahm sie die paar Stufen über die Reling und ging die Planke hinab.

Einige Momente warteten sie in Stille dann wurde ein Tumult laut wie Francis selten einen gehört hatte. Er begegnete dem Blick von Lola und beide lachten los. Es war schwer zu beschreiben was Marys bloßer Anblick in den Schotten auslöste. „Wir sollten jetzt auch“, meinte James knapp. Francis folgte ihm und warf einen ersten Blick auf Schottland. Der Harfen war recht schön obwohl Winter war und alles von einer dünnen weißen Schicht Schnee bedeckt war. Francis hatte das Gefühl, dass es ein wenig kälter war als in Frankreich und bei weitem windiger. Marys Haare wurden grade zu durch gewirbelt. Sie schenkte der Menge ein blendendes Lächeln. In ihrem langen dunkelroten Mantel sah sie wahrhaft majestätisch aus wie sie durch die Menschen ihres Volkes Schritt.  

James und Francis beeilten sich um den Anschluss nicht zu verlieren und sich dennoch in einem respektvollen Abstand hinter der Königin zu halten. „Ihr Volk liebt sie wirklich“, meinte er leise zu James als sie hinter Mary standen und sahen wie begeistert die Gesichter der Leute waren die Mary begrüßte. „Nun alles was sie von Mary wissen ist das sie sich England wiedersetzt und das sie in eine Heirat mit Frankreich eingewilligt hat um Schottland zu schützen“, sagte James trocken. „Es wird sich in den nächsten Monaten zeigen wie Mary sich präsentiert und ob das Volk sie mögen wird“.  „Sie ist schon jetzt eine wundervolle Königin“, sagte Francis. James antwortete nicht er blickte Francis nur von der Seite aus an. „Wir sind jetzt in Schottland du solltest auch Schottisch sprechen“, sagte James.

Francis verkniff sich die Antwort das James in Frankreich auch nie Französisch gesprochen hatte und das Schottisch in Frankreich eigentlich nur als ein Dialekt vom englischen angesehen wurde. Grade letzteres schien besser nicht laut ausgesprochen zu werden solange er sich umgeben von stolzen Schotten sah. „In Ordnung“, sagte er bloß. James verzog abwertend das Gesicht und Francis wusste das es an seinem stark ausgeprägtem französischem Akzent lag. Auch wenn er schließend Englisch sprechen konnte würde er vermutlich nie verbergen können das er ursprünglich aus Frankreich kam und um ehrlich zu sein wollte er das auch nicht. Mary drehte sich halb zu ihm um, schenkte ihm ein Lächeln und streckte ihm die Hand entgegen. Ihre Aufforderung war eindeutig. Francis verschränkte seine Finger mit den ihren und gemeinsam liefen sie weiter.

„Dein Bruder sieht aber überhaupt nicht glücklich aus“, flüsterte Francis und warf einen Blick zurück. Mary lächelte leicht „Ihm wird es besser gehen sobald wir am Hof sind“. Die beiden waren den Harfen entlang gegangen und kamen auf einen großen kreisrunden Platz. Auch dort waren überall Menschen und reckten neugierig ihre Köpfe in ihre Richtung. Die Kinder sahen sie mit großen Augen an von den Eltern getragen damit sie über die Menge sehen konnten. Nicht nur einmal versuchten ein Mann oder eine Frau zu ihnen zu kommen, aber sie wurden sofort von den Wachen aufgehalten und zurückgebracht. In der Mitte des Platzes warteten auf einem kleinen Podest die fünfköpfige Familie des Stadtherren. Mary und Francis gingen mit angemessenem Stritt auf sie zu und die Familie verneigte sich respektvoll.

„Es ist eine wirklich schön euch einmal Persönlich zu treffen Königin Mary“, der Mann sah anbetungsvoll zu Mary auf. „Und euch natürlich auch Dauphin Francis von Frankreich“, fügte er schnell hinzu. Der arme Mann war mehr als nervös. „Wir freuen uns hier zu sein“, lächelte Mary. „Wenn ihr die Nacht verweilen wollt wäre es uns eine Ehre euch bewirten zu dürfen“, sagte der Mann und konnte kaum seine Augen von Mary nehmen was seine Frau mit hochgezogenen Augenbraun zur Kenntnis nahm. „Wir sind früher angekommen als geplant. Ist euch das nicht zu kurzfristig?“, fragte Francis und lenkte somit die Aufmerksamkeit auf sich. „Nein, nein, nein“, schüttelte der Stadtherr energisch den Kopf.

„Du sprichst ja ganz komisch“, krähe das kleine Mädchen mit langen braunen Zöpfen welches sich an der Hand der Mutter festklammerte und Francis mit unverhohlener Neugierde betrachtete. „Roana das gehört sich nicht!“, zischte die Mutter und blickte das Mädchen zornig an. „Verzeiht uns. Sie weiß nicht was sie sagt“, der Vater hatte die Augen geschlossen und sah mehr als beschämt aus. Mary tauschte einen Blick mit Francis und beide Lachten los. „Schon in Ordnung. Mir hat mal jemand gesagt Franzosen klingen so als hätten sie dauerhaft eine verstopfte Nase“, erwiderte Francis und zwinkerte Roana zu. Das Mädchen kicherte und errötete.

„Roana“, zischte die Mutter und stieß sie warnend an. Das Mädchen senkte ihren Kopf, schielte hoch zu Francis und grinste frech. Sie erinnerte ihn sehr an Mary als sie in Roanas Alter war. Auch Mary war stets aufsässig und rebellisch gewesen. „Komm mit. Ich zeig dir unser Haus“, strahlte das kleine Mädchen fröhlich und ergriff seine Hand um ihn mit sich zu ziehen. „Roana bitte, das ist der Prinz von Frankreich benimm dich“, ihre Eltern sahen alles andere als begeistert aus. Das Gesicht der Mutter war ganz weiß geworden und das ihres Vaters war rot vor Wut. Francis wusste dass er die Situation schnell entschärfen musste oder Roana würde echte Probleme bekommen wenn ihr Vater die empfundene Schmach an ihr ausließ. „Ich empfinde das nicht als eine Respektlosigkeit. Meine kleinen Geschwister können sich auch nie an Anstandsregeln halten“, erwiderte Francis und dann kniete er sich vor Roana. „Ich würde mich sehr gerne von dir herumführen lassen, aber dann müssen wir Mary mitnehmen“.

Roana nickte so eifrig das ihre Zöpfe durch die Luft flogen. Sie ergriff auch Marys Hand und zog die beiden Hochwohlgeborenen mit. „Wer hat dir gesagt das sich Französisch sprechen wie eine verstopfte Nase anhört?“, fragte Mary leise so dass nur er sie hören konnte. „Meine Mutter“, antwortete Francis knapp. „Charmant wie immer“, lächelte Mary leicht. „Wenn du mich fragst, ist sie als Königin von Frankreich zu stolz auf ihre italienischen Wurzeln, aber Italienisch hört sich natürlich auch so viel schöner an als Französisch“, spottete Francis und verdrehte die Augen. In diesem Augenblick wurden sie von Roanas kleineren Geschwistern überholt, die ihnen aufgeregt voraus liefen. Die ausgelassene Art der Kinder erfrische Mary sichtlich. Ihre braunen Augen funkelten fröhlich.

Die Eltern der drei hielten sich in einem ehrgebietenden Abstand zu ihnen. „Wo sind eigentlich die anderen?“, fragte Francis als er einen kurzen Blick hinter sich warf. Mary musste ihn nicht fragen um zu verstehen wen er meinte. „Mein Bruder hält es nicht für angemessen, wenn sie am gleichen Ort mit uns unterkommen“, erklärte Mary wieder mit gesenktem Ton. „Aber sie sind deine Hofdamen und ihre Ehemänner sind allesamt an gesehene Adlige in Frankreich“, protestierte Francis schwach. „Ich musste James schon davon überzeugen, dass du bei mir bleiben kannst“, die dunkelhaarige warf ihm einen gequälten Blick zu. „Er sagte es ist wichtig das ich Überlegenheit ausstrahle. Damit Schottland erkennt wer seine Königin ist“.

„Überlegenheit mir gegenüber?“, fragte Francis und Mary musste seinen Unmut hören. „Bitte lass uns später darüber sprechen“, meinte Mary unbehaglich. Sie wich seiner Frage aus, also musste es stimmen. Er hatte immer gewusst das Mary höher gestellt war als er, aber sie hatte es nie öffentlich gezeigt und es verletzte ihn das sie es jetzt für nötig hielt. Sicher, sie war die Königin und musste in gewisser Weise zeigen, dass sie immer noch eine dominierende Kraft war, aber Francis hatte gehofft das sie sich ihm gegenüber nicht so verhalten würde. Vielleicht musste er sich einfach daran gewöhnen, dass Mary einflussreicher war als er. Zu mindestens solange sie in Schottland waren und Francis nur der Kronprinz und nicht der König von Frankreich war.

Roana führte sie zu einem großen braunem Holzhaus. Verglichen mit den anderen Häusern der Straße wurde deutlich, dass es von einer reichen Familie bewohnt wurde. Das Haus hatte auffällige Verzierungen an der Fassade, zwei Staturen bewachten den Eingang und überall war es mit Winterblumen geschmückt. Der Stadtherr hatte sich wahrlich viel Mühe gegeben Mary zu beeindrucken. Francis wollte nicht wissen wie aufwendig es gewesen war die Blumen aufzutreiben. In der großen Eingangshalle warteten schon die Bediensteten in zwei langen Reihen zu beiden Seiten. Erst schienen sie überrascht Roana zu sehen und dann verneigten sie sich eiligst vor Mary als sie ihre Königin erkannten. Sie bekamen ein schönes Zimmer im zweiten Stock zu gewiesen, in welchem sie ihre Umhänge ablegen konnten bevor Roana sie durch ihr Haus führte.

Ihm kam es so vor als wich Mary seinem Blick aus. Jedenfalls fand sie immer etwas was ihre Aufmerksamkeit mehr zu beanspruchen schien. Auch als sie mit der Familie das Stadtherren zum Abend aßen hielt sie sich distanziert zu ihm. Noch am Morgen hatten sie sich versprochen, dass sie das gemeinsam durchstehen würden und kaum waren sie in Schottland distanzierte sich Mary von ihm. Der Stadtherr welcher sich ihnen mittlerweile als Adal vorgestellt hatte, verwickelte seine Königin in ein langweiliges Gespräch über die Wolle von Schafen in Schottland und auch wenn er enttäuscht war bewunderte Francis Marys stoische Ausdauer mit welcher sie Interesse heuchelte. Deutlich schlechter gelang dies Roana, die unruhig auf ihrem Stuhl umher rutschte und die warnenden Blicke ihrer Mutter gekonnt ignorierte.

Das kleine Mädchen schien einen Narren an ihm und Mary gefressen zu haben. Immer wieder warf sie ihnen bewundernde Blicke zu und errötete bei jedem Wort was Francis von sich gab. Irgendwann wurde ihr aber auch das zu langweilig und sie stieß Francis leicht unter dem Tisch an. „Duuuh?“, fragte sie Francis und biss sich auf die Lippe „hast du eigentlich ein eigenes Pferd“. „Ja habe ich“, Francis hatte sich seitlich ihrem Vater zugewandt und dreht sich jetzt dem Mädchen zu. „Kann ich es sehen?“, fragte sie mit großen Augen. „Das geht leider nicht. Ich habe es nicht mitgebracht“, meinte er entschuldigend. „Wo ist es denn?“, fragte ihn das Mädchen weiter aus. „In Frankreich“, sagte er und fügte auf ihren erschrockenen Gesichtsausdruck hinzu „Keine Angst. Es wird dort gut versorgt werden“.  

„Aber dann siehst du es nie wieder“, murmelte Roana bestürzt. „Wieso das?“, fragte Francis und lächelte ihr zu. „Nun du wirst doch jetzt bei Mary in Schottland bleiben“, erklärte Roana kichernd. Francis starrte sie einige Momente überrascht an. Ihm wurde wage bewusst das die anderen ihr Gespräch beendet hatten und auf seine Antwort warteten. Auch Mary hielt kurz mit dem Essen inne. „Nun… eigentlich“, sagte er etwas unbeholfen als ihn sechs Augenpaare und auch einige Diener gespannt ansahen. „Es wird euch in Schottland sicherlich gefallen“, erwiderte die Frau des Stadtherren „Wenn die Schönheit von Schottland einen erst einmal packt lässt sie einen nicht mehr so schnell wieder los“. Die Familie schienen davon auszugehen, dass sie dauerhaft in Schottland bleiben würden.

„Eigentlich wissen wir noch nicht wie lange wir in Schottland bleiben wollen“, sagte Francis schließlich und wendete sich dann an Roana „in ein paar Monaten werden wir vermutlich wieder zurück nach Frankreich gehen“. „Ihr bleibt nur Monate?“, stieß der Stadtherr erstaunt aus und ließ den Löffel mit einem lauten platschen in die Suppe fallen. „Verzeiht mir Mary wir hatten erwartet das hier von jetzt an in Schottland regiert“. „Wir waren uns noch nicht einig wo wir endgültig wohnen wollen, aber solange König Henry Frankreich regiert wird es kein Problem darstellen in Schottland zu verweilen“, erwiderte Mary und setzte ein Lächeln auf. Francis zog die Augenbrauen zusammen und blickte verwirrt zu Mary die aber steif grade aus sah. So hatten sie das ganz sicher nicht abgesprochen. Francis wollte nicht dauerhaft in Schottland leben und warum sagte sie das es kein Problem darstelle da Henry Frankreich regiere. Mary wusste genauso gut wie Francis wie Hernys mentale Verfassung war.

„Ach dann ist ja gut“, atmete der Stadtherr aus „Ich hatte schon Sorge das ihr schon bald wieder nach Frankreich abreisen wollt, dass hätte Schottland als letztes gebraucht“. „Mary wir können nicht…“, begann Francis aber Mary fing so gleich ein Gespräch mit Roana an. Wütend verstummte Francis. Was hatte Mary vor? Das gesamte Essen kam er nicht ein einziges Mal dazu sein Wort an seine Gemahlin zu richten und so gab er den Versuch schließlich auf. Schweigend hörte er zu wie der Stadtherr Mary mit Komplimenten überhäufte und von Schottland schwärmte, offensichtlich um der Königin zu gefallen. Francis Anwesenheit und die seiner Frau störten ihn dabei nicht im Geringsten. Es half Francis nicht seine Laune zu verbessern als der schon etwas angetrunkene Stadtherr auf stand und ein Lied zu Ehren von Mary vortrug. Die Königin lächelte nur matt und bedankte sich höflich.   „Wenn ihr mich entschuldigt eure Majestät“, sagte die Frau des Stadtherren als sich ihr Gemahl wieder auf den Stuhl fallen ließ. „Ich und die Kinder sind Müde wir würden uns jetzt zurückziehen wollen“.

Ihre Stimme war gefasst aber sie bebt vor unterdrückter Wut. In Francis stieg der Verdacht auf das der Stadtherr keine ruhige Nacht haben würde. „Natürlich“, sagte Mary „ich wünsche euch eine geruhsame Nacht“. Francis kam nicht ohne hin die sicherlich ungewollte Ironie der Worte zu bemerken. „Ich euch auch Hoheit“, sagte die Frau kühl und nickte Francis knapp zu. Als sie und ihre drei Kinder gegangen waren richtete der Stadtherr seine Augen wieder auf Mary. Er machte den Mund auf, vielleicht um ein weiteres Lied vorzutragen aber dieses Mal war es Francis der ihn unterbrach. „Mary wir müssen reden. Jetzt,“, sagte er in eiliger französischer Sprache zu ihr damit der Stadtherr ihn nicht verstand. Mary wirkte sehr unbehaglich zu Mute aber sie nickte sachte mit ihrem Kopf. „Wir ziehen uns dann auch zurück. Vielen Dank für eure Gastfreundschaft“, sagte die Königin und erhob sich elegant. Auch Francis murmelte einige Worte zum Abschied und lief dann eilig seiner Gemahlin hinterher.

„Also du bist sicherlich etwas verärgert“, stellte Mary fest als sie die Tür hinter ihnen schloss. „Etwas trifft es nicht ganz. Ich bin eher wütend und vor allem verwirrt“, sagte Francis setzte sich aus Gewohnheit an Fußende des Bettes und beobachtete Mary, die mit dem Rücken zu ihm in den Kamin starrte. „Was meintest du damit als du sagtest, es sei kein Problem in Schottland zu verweilen solange Henry in Frankreich regiert?“, fing Francis an alle seine Fragen raus zu lassen die sich über den Abend in ihm gesammelt hatten. „Ich wollte damit ausdrücken, dass wir Frankreich nicht Schutzlos zurücklassen solange wir in Schottland sind. Frankreich hat einen König und eine Königin. Schottland nicht“, erklärte Mary ruhig. „Das ist das Offensichtliche aber noch nicht das wonach du strebst“, Francis verschränkte die Arme. Er hatte eine Vermutung auf was ihr Gespräch hinauslaufen würde aber er wollte, er musste es von Mary selbst hören.

Mary drehte sich zu ihm um und ging einige unsichere Schritte auf ihn zu. Sie nahm sich einen Stuhl und zog ihn auf ihren Platz. Sie ließ sich Zeit mit ihrer Antwort und sprach erst als sie sich gesetzt hatte. „Ich möchte das du bei mir in Schottland lebst, Francis“, antwortete sie. Er machte schon den Mund auf um zu wiedersprechen. „Bitte höre mir erst mal zu. Ich weiß das ich dich damit überfalle und du das nicht erwartet hast als du aufgebrochen bist, aber kann nicht nur an dich sondern muss auch an Schottland denken. Mein Land braucht eine starke Führung. Schottland muss wissen das ich es nicht aufgegeben habe.“ „Ich verstehe ja deine Beweggründe. Aber du hättest vorher mit mir darüber sprechen müssen und mich nicht vor vollendete Tatsachen stellen dürfen“, angestrengt versuchte Francis seine Wut zu verdrängen und durch Verständnis zu ersetzen.

„Glaub mir Mary. Um bei dir sein zu können würde ich auch in Schottland leben und meine Familie zurücklassen, es wäre vielleicht sogar möglich Frankreich zu regieren während ich in Schottland bin, aber nicht wenn mein Vater so ist wie er jetzt ist“, versuchte Francis ihr zu erklären warum er nicht in Schottland bleiben konnte. „Aber deine Mutter kümmert sich um ihn“, widersprach Mary sofort. „Aber das kann sie nicht auf ewig alleine schaffen“, sagte Francis und dann fuhr er eindringlich fort“ ich kann nicht in Schottland bleiben wenn bei mir zu Hause ein verrückter König auf dem Thron sitzt“. „Dann bleibt uns wohl nur eine Möglichkeit. Du kehrst irgendwann nach Frankreich zurück und ich bleibe in Schottland“, murmelte Mary tonlos.

„Wir sind verheiratet. Das würde weder der Adel noch die Kirche auf lange Sicht tolerieren“, meinte Francis und fuhr sich mit den Händen müde durch die blonden Locken. „Und wir würden das auch nicht wollen oder?“, fragte Mary unsicher. Sie war auf ihn zu gerutscht und nahm seine Hände in die ihren. „Nein natürlich nicht“, stimmte Francis zu und lehnte seinen Kopf an ihre Stirn. „Wir müssen eine andere Lösung finden mit der wir beide einverstanden sind“, murmelte Mary mit geschlossenen Augen. „Wenn es mit meinem Vater schlimmer wird muss ich zurück nach Frankreich, aber solange er sich ruhig verhält kann ich in Schottland bleiben. Nur weiß ich nicht wie lange das sein wird“, Francis sah seine Königin besorgt an und hoffte das Mary sich fürs erste damit zufrieden gab. „Vielleicht sollten wir versuchen zu schlafen. Morgen wird sicherlich anstrengend und ist noch nichts gegen das was auf uns zukommt wenn wir erst bei meiner Mutter sind“, murmelte Mary.

Francis wendete sich ab als Mary sich umzog. Zwar war er ihr Ehemann aber dennoch kam es ihm ungehobelt vor wenn er ihr beim umziehen zuschaute. „Mary?“, fragte er unsicher. „Ja?“, hörte er sie antworten. „Deine Mutter ist aber nicht wie meine oder?“. Mary lachte. „Wenn du damit fragen möchtest, ob sie versuchen wird dich umzubringen sobald du da bist, dann muss ich das verneinen. Sie ist nicht wie Catherine und versucht mich vor allem zu beschützen. Sie liebt mich nicht so wie deine Mutter dich. Ich bin für sie eher eine Chance ihre eigene Regentschaft zu stützen“, kam die Antwort. „Denkst du es wird Probleme mit ihr geben?“, besorgt drehte sich Francis zu Mary um. Die Königin hatte ihre lange Robe abgelegt und sich ein einfaches Unterkleid übergezogen. Ihre langen dunklen Haare fielen ihr weit über den Rücken hinab.

„Als wir uns das letzte Mal gesehen haben sind wir nicht im Guten auseinandergegangen“, Mary runzelte nachdenklich die Stirn „es dürfte meiner Mutter nicht gefallen dass ich sie praktisch ersetzen werde“. „Sie wird noch deine engste Beraterin sein“, Francis war auf sie zugegangen und wiegte Mary sanft umher, wie ein Tanz ohne Musik. „Du bist mein engster Berater“, meinte Mary und drehte sich halb. „Bin ich nicht“, lachte Francis „dafür arbeiten wir zu oft gegeneinander als miteinander“. „Vielleicht war das so, aber jetzt wo Frankreich weit weg ist, könnte Schottland für dich ebenso an erster Stelle stehen“, sagte Mary und tätschelte ihm neckisch die Wange bevor sie sich von ihm löste. Francis folgte ihr ins Bett und sobald er lag kuschelte sich Mary an ihn.





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Der Linlithgow Palace ragte wie ein brauner Berg aus der teilweise verschneiten Umgebung hervor. Mary fröstelte leicht als sie ihren Geburtsort erblickte. So viel Zeit war vergangen als sie ihn zum letzten Mal gesehen hatte das sie sich nicht mehr daran erinnern konnte. Mit staunen hatte Mary auf ihrem Weg die Umgebung betrachtet. Die Berge, die weiten Täler und die glatten spiegelglatten Seen gaben Schottland etwas Wildes und Verwegenes. Die scheinbar einsame und verlassene Gegend hatte sich tief in Mary eingeprägt und sie hatte Schottland einmal mehr in ihr Herz geschlossen.  Ebenso neugierig wie sie waren ihre Hofdamen. Zu mindestens Lola und Greer. Kenna hat sich nach einem Blick auf die beeindruckende Landschaft zurückgezogen und gleichgültig mit den Schultern gezuckt. Sie war ein Mensch der den Trubel um sich herum wertschätzte und sie konnte mit scheinbar trostlosen Gegenden nichts anfangen.  

„Es wirkt alles so abgeschieden. Es ist erstaunlich das die Engländer überhaupt wissen das hier Menschen leben“, meinte Bash. Sie hatten sich dazu entschieden die Kutschen zurückzulassen und die letzten Meilen auf dem Rücken eines Pferdes zurück zulegen. Der braunhaarige ritt neben Kenna und blickte neugierig umher. Mary ritt an der Spitze umgeben von Wachen und nur mit Greer an ihrer Seite. „Es gibt auch in Schottland große Städte“, erklärte die blonde Freundin ohne zurück zu blicken „und die sind schwerlich zu übersehen“. „Dieser Wind“, brummte Kenna genervt und richtete sich zum hundertsten Mal die Haare. Marys waren auch schon vollständig zerzaust aber es störte sie nicht im Geringsten.

Sie genoss das Gefühl der Freiheit um sich herum und ritt schneller voran ohne auf die Wachen oder auf Francis besorgten Blick zu achten. Dieses erste Mal wollte sie mit Schottland alleine sein. Eine Weile hörte sie nur den Wind in den Hügeln und die Schritte ihres Pferdes. Sie jagte seitlich von dem Schloss entlang. Noch konnte sie niemand sehen, noch konnte sie nur Mary sein die sich freute wieder Zuhause zu sein und sich nicht mit der Politik ihres Landes auseinandersetzen musste. Ihr Pferd schien sich ebenfalls über den schnellen Galopp zu freuen, denn es flog mit kraftvollen Bewegungen durch die schroffe Landschaft. Dann bremste sie allmählich wieder ab. Sie wusste das sie zu den anderen zurückkehren musste um sich auf ihre Ankunft vorzubereiten. Der gesamte Hof musste schon seit dem Morgen auf den Beinen sein um sie gebührend zu empfangen.

Francis blickte ihr mit fröhlich blau strahlenden Augen entgegen als sie zurückkehrte. Mary warf ihr wirres Haar einfach zurück über die Schulter und wich geschickt Greers strafenden Blick aus, dann führte sie ihr Pferd neben das ihres Gemahls und sah zu wie sich der Linlithgow Palace nährte. Unbewusst strafte sie die Schultern und richtete sich im Sattel auf. Die feine rote Seide ihres Kleides hatte den Ritt glücklich überstanden und nur ihr langer ebenfalls roter Mantel war ein wenig mit Schlamm bespritzt. Francis war ebenfalls angemessen gekleidet. Die hohen schwarzen Stiefel und die ebenfalls schwarze Hose betonten die Länge seiner Beine und das blau seines Umhanges passte perfekt zu seinen Augen. Die blonden Haare waren im Wind zerzaust. Er sah sehr gut aus und ein wohliger Schauer durchlief Mary. Die beiden würden ein gutes Paar abgeben. Sogar Kenna und Bash würden das nicht leugnen können.

Der Trupp galoppierte eine steile Anhöhe hoch und kurzzeitig verloren sie den schottischen Hof aus den Augen. Sie bogen nach rechts in ein kleines Wäldchen ab und als sich die Bäume wieder lichteten war das Schloss viel näher gerückt. Eine unangenehme Aufregung ergriff von Mary besitzt. Jeder Anfang war schwer oder so ähnlich. Auch vor Frankreich hatte sie vorher ein mulmiges Gefühl gehabt, aber dort war sie nur ein Gast gewesen. Nun war sie die Königin und hatte die meiste Macht. Umso größer war ihre Angst zu versagen. Ihr graute davor die ganzen Menschen zu enttäuschen die sie am Harfen so freudig empfangen hatten. Vor ihnen wurde der Trampelpfad immer breiter und sie kamen auf einen offiziellen Weg, der sie bis vor die Tore führte.

Bedienstete, Wachen und Adlige warteten gleichermaßen gespannt auf ihre Ankunft. Sie hatten sich zu beiden Seiten des Weges aufgestellt und blickten ihnen entgegen. Anders als bei ihrer Ankunft am Harfen jubelte niemand. Die Adligen verfielen in Schweigen und verneigten sich tief wenn Mary an ihnen vorbei ritt. Alle von ihnen wussten wer Mary war aber sie selbst kannte niemanden von ihnen beim Namen. Mary ritt voran durch den hohen Torbogen. Im Hof inneren hatten sich die wichtigsten Persönlichkeiten von Schottland positioniert. Möglichst elegant stieg sie von ihrem Pferd und strich sich sorgsam ihre Haare aus dem Gesicht und schaute sich um. Eine warme Hand die sich auf ihre Schulter legte ließ sie den Kopf drehen.

„Schau Mary da ist Marie de Guise“, flüsterte Francis leise in ihr Ohr und lenkte sie in die richtige Richtung. Mary hatte ihre Mutter bislang nicht entdeckt. Innerlich verfluchte sie sich für ihre Kurzsichtigkeit und nickte Francis dankend zu. Ihre Mutter stand mit anderen auf den steinernen Treppenstufen vor der großen Eingangstür und blickte ihr ungeduldig entgegen. James stand ein wenig abseits neben den Beratern und hohen Lordschaften ihrer Mutter. Er war voraus geritten um Marys verfrühte Ankunft bekannt zu geben. „Mary Stuart Königin von Schottland. Francis Valois Dauphin von Frankreich.“, verkündete ein Herold als die beiden auf die lange Reihe von Adligen zuschritten, die sich in ihre kostbarsten Gewänder gehüllt hatten. Ihre Blicke waren neugierig und abwägend auf das junge Ehepaar gerichtet.

„Mary meine Tochter endlich sehen wir uns wieder. Es ist schon so lange her“, begrüßte ihre Mutter sie und küsste die Luft neben ihren Ohren. Sie zog nach ihr auch Francis in eine Umarmung als ob die beiden einander vertraut waren. „Gut siehst du aus Junge“, sagte sie und wandte sich dann wieder an ihre Tochter. „Mary wir haben so viel zu bereden aber zunächst solltest du dich einrichten. Für die Politik bleibt noch genug Zeit“, lächelte sie Mary an. Ihr Lächeln erreichte ihre Augen nicht und kritisch musterte sie die unordentlichen Haare ihrer Tochter. „Mädchen wo hast du dich schon wieder rumgetrieben?“, sagte Marie de Guise kopfschüttelnd. Francis drückte fest Marys Hand und ließ sie zu ihm aufblicken. Mary verstand seine Stumme Aufforderung.

Ihre Mutter behandelte sie herablassend um sie vor den Augen aller Adligen herab zu setzten. Mary sollte zwar ihre Stellung stärken aber ihr keines Wegs den Platz stehlen. Mit Worten wie Junge und Mädchen stellte sie ihre Fähigkeiten in Frage. „Mein Wunsch endlich anzukommen ließ mich schneller Reiten so dass der Wind meine Haare durcheinander brachte, aber nun bin ich hier und kann mich den wichtigen Dingen zu wenden“, meinte Mary eine Spur kühler. Sie durfte es nicht tolerieren dass ihre Mutter sie wie ein kleines ungehorsames Mädchen behandelte, sie war eine Königin. „Sicher möchtest du das, aber jeder braucht gewisse Zeit um sich einzugewöhnen. Wir werden uns gedulden bis du bereitdazu bist“, sagte ihre Mutter, ihr Lächeln war steif geworden.

„Zum Glück werdet ihr nicht lange warten müssen. Wir sind sehr zuversichtlich das wir mithilfe kompetenter Berater schnell zurecht kommen werden“, meinte Francis und schenkte den Männern hinter Marie de Guise ein warmes Lächeln. Sie alle fühlten sich angesprochen und geschmeichelt das Francis ihnen Aufmerksamkeit schenkte. Mit seiner einnehmenden Persönlichkeit schaffte er es schnell Menschen auf seine Seite zu bringen und so auch in diesem Moment. „Lasst sie doch eintreten Marie. Dann können sie sich einrichten und wir erklären ihnen die Momentane Situation in Schottland“, sagte ein dicklicher Mann mit Hänge backen und schenkte Francis einen wohlwollenden nachsichtigen Blick. „Schleimer“, dachte Mary bei sich. Solche Menschen kannte sie zur genugtun. Sie schleimten sich bei den Menschen mit der meisten Macht ein und erhofften sich so eine gute Stellung. Nun da Mary und Francis vor ihm standen verlor Marie de Guise jegliche Interesse seinerseits.

„Natürlich“, winkte Marie ab „Ich freue mich nur so meine Tochter und meinen Schwiegersohn endlich zu sehen. Ich hatte schon befürchtet ihr zöget Frankreich Schottland vor“. „Sei unbesorgt Mutter. Mein Herz schlägt für Schottland ich würde es nie beiseiteschieben für ein andreres Land“, sagte Mary höfflich aber ungewohnt ernst. Niemand durfte ihre Treue zu Schottland anzweifeln. Francis neben ihr schwieg bedächtig und schenkte ihr einen liebevollen Blick und überspielte dabei die Tatsache das für ihn nicht das gleiche galt wie für Mary. Hinter ihnen kamen jetzt auch ihre Hofdamen und ihr Anhang. Es würden noch einige höfliche Floskeln getauscht und dann betraten sie endlich die weite Eingangshalle.

Die anderen Adligen gingen scheinbar unbekümmert ihren Angelegenheiten nach, aber es war nur zu Auffällig das sie jede Gelegenheiten nutzten das junge Königspaar zu umschwirren. Mehrere Zofen machten sich daran ihr Gepäck in höhere Stockwerke zu bringen. Marys Hofdamen kamen ihrer Aufgabe genauestens nach und hielten sich immer neben ihrer Königin ohne ihr dabei die Aufmerksamkeit zu rauben, die sie sich nur mit Francis teilte. Der Franzose zog teilweise sogar mehr Blicke auf sich als Mary.  In einigen Jahren würde er nicht nur König von Frankreich sein sondern auch von Schottland und ein fremdländischer König war selten. Königinnen kamen oft aus anderen Ländern und heirateten in die königliche Familie des Mannes ein. Das Mary die alleinige Herrscherin eines Landes war änderte einiges. Sie brachte ihr eigenes Land mit in die Ehe.

Gleich bei der ersten Gelegenheit bei welcher sich Mary von Francis Arm löste zog ihre Mutter sie beiseite. „Könnte ich kurz ein Wort mit dir unter vier Augen wechseln?“, fragte sie dabei hörte es sich mehr nach einem Befehl an. „Sicher. Francis entschuldigst du uns kurz“, Mary folgte ihrer Mutter eine schmale Treppe hinab. „Worum geht es“, fragte sie als ihre Mutter sie in einen kleinen Raum mit Kamin führte und sorgsam die Tür zuschloss. „Wir fanden heute Morgen eine Drohung an eure Wand geschmiert. Eine der Dienstmärkte fand sie als sie dein Gemach vorbereitete“, redete ihre Mutter hastig auf sie ein. „Was für eine Drohung und von wem?“, fragte Mary gebieterisch und hob ihr Kinn an. „Wenn wir wissen würden von wem hätte ich dir es gesagt“, sagte Marie verärgert. „Vermutlich von einem Engländer. Was besagt die Drohung und wie kommt sie an die Wand meines Gemaches?“, fragte Mary weiter. Ihre Stimme war mehr genervt als verängstigt. Es war nicht das erste Mal das jemand ihr gedroht hatte.

„Es wurde nichts geschrieben. Eine schottische Flagge hing an der Wand. Drunter fand man den Kopf einer Köchin“, Marie de Guise verzog angewidert das Gesicht. Nun war Mary wahrlich erschrocken. Die meisten Drohungen waren nur heiße Luft, aber wenn jemand die Gefahr einging und ihr Gemach aufsuchte und sogar einen Mord dafür beging war das purer Wahnsinn. „Die Köchin…“, Mary schluckte und schaute zu Boden „wer war sie?“. „Was weiß ich“, winkte Marie ab „eine einfache Köchin eben. Sie hat noch nicht lange hier gearbeitet. Vor zwei Monaten kam sie aus Frankreich zum schottischen Hof“. „Sie war Französin?“, Marys Kopf ruckte nach oben „dann gilt die Drohung nicht mir sondern Francis“. „Wie auch immer“, sagte Marie gleichgültig „Es ist egal wem sie gilt viel wichtiger ist wer so dreist ist und so tief in den schottischen Hof vordringen kann ohne den Wachen aufzufallen“.

„Es muss ein Engländer gewesen sein“, überlegte Mary „als ich in Frankreich war haben sie versucht mich umzubringen damit ich Francis nicht heiraten kann und jetzt versuchen sie es anders herum. Sie wollen die Allianz zwischen Schottland und Frankreich zerstören“. „Mach dich nicht lächerlich. England wusste nichts davon dass ihr früher aufgebrochen seid sonst hätten sie euch schon auf See abgefangen. Nein das war ein Schotte“, sagte Marie als gäbe es kein Zweifel „Die Köchin wurde erstickt bevor sie ihr den Kopf abgetrennt haben. Mit Disteln. Mary, schottischen Disteln passend zu der schottischen Flagge“. Mary wurde übel. Warum griff jemand aus ihrem eigenen Land ihre Allianz an, die sie vor England schützte. „Dann weißt du ja doch wer dahinter steckt“, mit verschränkten Armen blickte sie ihre Mutter finster an. „Eine Nationalität ist kein Name“, meinte Marie.

„Ich muss es Francis sagen“, seufzte Mary. Sie wollte das er sich in Schottland wohl fühlte und das ein Schotte am Hof sein Leben bedrohte half dabei nicht wirklich. „Nein“, ihre Mutter war schneller und versperrte ihr den Weg. „Und warum nicht?“, fragte Mary mit einem gekünstelten lächeln. „In Schotte der Franzosen tötet kommt bestimmt toll in Frankreich an“, zischte ihre Mutter. „Er ist mein Ehemann, ein Verbündeter und der zukünftige König von Schottland“, stellte Mary klar. „Und er braucht nur einen guten Grund um sofort nach Frankreich zu schreiben“, entgegnete Marie und zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen.

„Er würde nicht an seine Familie schreiben wenn ich ihn bitte“, meinte Mary standhaft. „Bei Gott Mary manchmal bist du so naiv. Niemand darf erfahren das ein Schotte versucht den Kronprinzen zu erledigen“, ihre Mutter rieb sich über die Augen als würde das Gespräch mit ihrer Tochter ihr Schmerzen bereiten. „Geh mir  aus dem Weg“, beendete Mary ihre Diskussion „Ich werde es Francis sagen wenn jemand ihn umbringen möchte“. Sie stieß die Tür auf und rauschte aus dem Raum. Das zufriedene Lächeln ihrer Mutter sah sie allerdings nicht.  



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Nachdem Mary von ihrer Mutter weg gezogen wurde bleib Francis ein wenig verloren zurück. Ein Bote der sich tief vor ihm verneigte bot ihm an sein Gemach zu zeigen. Francis stimmte erleichtert zu und ließ sich aus dem Eingangsbereich führen. Am Abend würde ein Fest zu ihren Ehren stattfinden aber bis dahin blieb noch genug Zeit um sich in Ruhe einzurichten und den schottischen Hof zu erkunden. Francis machte sich keine Hoffnung das er es innerhalb eines Tages schaffen würde das der schottische Hof weniger verwirrend war. „Wir mussten eure Gemächer wegen einem kleinen Zwischenfall nochmals verlegen eure Hoheit. Die neuen dürften allerdings nicht weniger bequem sein“, meinte der Bote vor ihm. Francis nickte nur abwesend. Er fragte nicht nach dem Grund dafür, viel zu beschäftigt war er sich den Weg zu merkten den sie gekommen waren.

Marys und sein Gemach war wahrlich bequem. In einem Kamin prasselte Feuer und überall lagen Tierfelle auf dem Boden. Mehrere Türen führten von dem Hauptraum weg und Francis ließ sich ein wenig überfordert auf dem Ende des breiten Bettes nieder. Der Bote hatte sich zurückgezogen kam aber bald darauf zurück. Er brachte einen Jungen mit der etwa vier Jahre jünger war als Francis und stellte ihn als seinen zeitweiligen Knappen vor. Der Junge hatte mausbraunes Haar und ein sehr rundes Gesicht das ihn um einiges jünger aussehen ließ als er eigentlich war. Dann zog der Bote sich erneut zurück und ließ Francis mit dem Jungen alleine. Francis seufzte innerlich als ihm auffiel wie schüchtern und unbeholfen der Junge war. Vermutlich der Sohn von irgendeinem Adligen der darauf bestanden hatte das sein Sohn der Knappe eines Prinzen wurde. „Wie heißt du?“, fragte Francis und streckte die langen Beine aus. „Dawin Roys eure Majestät“, murmelte der Junge zu seinen Füßen.

„Nicht Majestät. Ich bin nicht dein König“, meinte Francis und sah den Jungen zusammen zucken. Er würde noch viel Geduld mit ihm haben müssen ging Francis auf. „Verzeihung eure königliche Hoheit“, stammelte sei Knappe. „Sieh mich an wenn du mit mir sprichst“, meinte Francis nicht unhöflich aber bestimmend. Er wollte nicht dauerhaft mit einem braunen Haarschopf reden müssen. „Verzeihung eure königliche….“, fing der Junge an aber Francis unterbrach ihn. „Schon gut“, winkte er ab und stand auf. Francis ging zu den Fensterläden und zog sie auf. Sofort wehte ihm ein kalter Luftzug entgegen. Der Himmel hatte sich verdunkelt und Regen prasselte auf das Dach des Schlosses. Ein entspannendes Geräusch wie Francis fand. Dann fiel sein Blick auf eine Scharr Reiter. „Dawin? Kannst du mir sagen wer das ist“, fragte Francis und deutete auf den vordersten Reiter. „Das ist der ranghöchste englische Botschafter am schottischen Hof Allister Mucansy“, antwortete sein neuer Knappe als er einen raschen Blick auf den Reiter warf und dann schnell vom Fenster weg trat.

„Was ist los mit dir?“, fragte Francis mit zusammengezogenen Augenbrauen als er merkte wie Dawin sich zusammen kauerte. „Man erzählt sich er hätte seine erste Frau getötet und einen seiner Diener in einer Wanne ertränkt weil ihm das Wasser nicht warm genug war“, murmelte Dawin und errötete. Francis lachte auf und warf noch einen Blick auf den englischen Botschafter bevor er die Fensterläden wieder schloss. „Warum lacht ihr?“, fragte Dawin verdattert und blickte mit großen Augen zu ihm auf. „Die meisten Gerüchte sind nicht wahr und dieses sicherlich auch nicht“, sagte Francis immer noch schmunzelnd. „Er ist fies genug“, meinte Dawin dann verstummte er abrupt und verfiel wieder in seine Schüchternheit. Er schien wirklich Angst vor dem Engländer zu haben. „Hör mal“, begann Francis und hob das Kinn seines Knappen an damit dieser ihn wieder ansah „er ist ein Engländer am schottischen Hof. Ich denke in diesem Falle sind Gerüchte wirklich nur Gerüchte. Menschen verbreiten gerne welche die ihren Hass auf ihre Feinde rechtfertigen“.

Damit wandte sich Francis von seinem Knappen ab und öffnete einige Schränke um nach seinen Sachen u suchen, die die Bediensteten verstaut hatten. Dawin blieb verloren mitten im Zimmer stehen. Francis verdrehte die Augen als er es grade nicht sehen konnte. Wie lange wollte er denn noch bleiben und wann konnte Francis ihn wegschicken ohne unhöflich zu wirken? Er wollte am liebsten alleine sein. Grade als er sich danach sehnte den ihn anstarrenden Dawin endlich rauszuwerfen klopfte es an der Tür. Sein Knappe schreckte auf, rannte zu der Tür und riss sie auf. Francis schüttelte den Kopf und wandte sich wieder dem Schrank zu. „Ist Francis hier?“, ertönte eine vertraute Stimme und Francis drehte sich zur Tür „sag ihm er soll seinen Arsch hier raus bewegen“. Bash stand vor Dawin der ihm den Weg versperrte. Was ziemlich komisch aussah wenn man bedachte das Bash mindestens zwei Köpfe größer war.

„Wer seid ihr?“, fragte Dawin und musterte Bash misstrauisch. „Sein Bruder und jetzt geh zur Seite Knirps“, antwortete Bash. Francis lachte in sich hinein als er den armen Dawin betrachtete der Bashs Laune ausgesetzt war. Der Junge sah verunsichert und hilflos aus. „Dawin lass ihn durch“, sagte Francis gnädig und wandte sich erneut dem offenen Schrank zu. „Du hast aber eine kleine Leidwache“, hörte er Bashs spöttischen Ton. „Er ist mein Knappe“, meinte Francis dumpf als er förmlich in dem Schrank versank. Er hatte sein Schwert gefunden und kehrte an die Oberfläche zurück. „Ah und sein Vater ist dann sicherlich einer dieser Adligen von unten die sich bei dir ein schleimen“, stellte Bash fest. Dawins blasses Gesicht war mittlerweile von einem Fleckigen rot. Er schien mit Bashs Art mehr als überfordert und wagte nicht zu wiedersprechen.

„Nimm es dir nicht zu Herzen Bash redet mit jedem so“, erklärte Francis und warf seinem Halbbruder einen strafenden Blick zu. „Was denn ich hab doch recht. Komm schon Knirps sag welcher der Schleimbeutel dein Vater ist“, Bash beugte sich zu Dawin vor. „Bash lass gut sein und hör auf ihn zu verunsichern“, sagte Francis und zog sein Halbbruder von seinem Bett auf welches er sich bei erst bester Gelegenheit geschmissen hatte. Seine Schuhe hatten Dreck auf dem weißen Bettlaken hinterlassen. Mit den Händen strich er über den Stoff um ihn zu glätten als seine Hände auf etwas  stießen. Verwirrt warf er Bash einen Blick zu und tastete unter der Bettdecke nach dem Gegenstand. Langsam zog er seine Hand zurück und beäugte das etwas in seiner Hand. Das etwas war vielmehr ein Strauß von Disteln deren spitze Blätter ihn gepikst hatten. „Wirklich sehr erwachsen Bash. Ich dachte wir sind über die Tage hinaus in denen du mir Disteln unter die Decke schiebst“, wandte er sich ärgerlich seinem Halbbruder zu. „Bedaure aber das war ich nicht“, lachte dieser.

„Vielleicht hast du schon jetzt eine Angebetete die dir Blumen schenkt. Obwohl sie keinen guten Geschmack hat“, witzelte Bash und begutachtete die Pflanzen in der Hand seines jüngeren Bruders kritisch. „Das ist nicht witzig, Bash“, meinte Francis finster. Dieser Strauß bereitete ihm ein ungutes Gefühl. „Dawin war hier jemand drin? Ich meine außer den Bediensteten“, fragte Francis seinen Knappen dieser schüttelte den Kopf. „Ach komm schon. Ist doch egal“, meinte Bash gelangweilt und schaute auf als es erneut leise klopfte. Dawin sprang auf und rannte zur Tür. Dieses Mal war es Mary selbst. Nach ihrem Gesichtsausdruck zu schließen war das Gespräch mit ihrer Mutter nicht so gut verlaufen. Sie wirkte angestrengt und gestresst. Sie zog irritiert eine Augenbraue hoch als ihr Blick auf Dawin fiel und glitt dann weiter zu Francis. „Was hast du da?“, fragte sie erschöpft und strich sich die langen Haare aus dem Gesicht. „Jemand hat ihm Blumen geschenkt“, lachte Bash „sag mal Mary verschenkt ihr Schotten immer Disteln anstelle von Rosen oder ähnlichem?“.

„Was?“, fragte die Königin verwirrt dann begann sie zu verstehen. „Leg die sofort weg“, sagte Mary wütend und schob einen verschreckten Dawin aus dem Weg. „Mary was…?“, begann Francis irritiert dann hatte Mary ihm die Disteln entrissen und zertrat sie auf dem Boden. „Es sind doch nur Blumen und kein Heiratsantrag“, lachte Bash aber auch er wirkte leicht beunruhigt als Mary begann nach und nach alles Schränke und Kissen aufzureißen. „Was hast du?“, fragte Francis in einem Tonfall von welchem er wusste, dass er Mary meistens beruhigte und ging einige Schritte auf sie zu. „Bleib genau da stehen wo du grade bist Francis“, fuhr Mary ihn an und Francis erstarrte in seiner Bewegung. Bash warf ihm einen verwirrten Blick zu den er nur erwidern konnte. Alle drei sahen zu wie sich die Königin auf den Boden kniete um eine schwere Truhe auf zu machen.

Francis erschreckte sich beinahe zu Tode als Mary einen spitzen Schrei ausstieß und einige Schritte zurück stolperte. „Mary“, rief Francis und legte eine Hand auf ihre Schulter. Die Königin hatte ihre Hände vor dem Mund zusammen geschlagen und starrte auf die Truhe. Bash war ebenfalls aufgesprungen und warf einen Blick auf die Truhe. Sein Gesicht blieb unverändert aber mit wenigen Schritten durchquerte er das Zimmer und schrie nach den Wachen. Vorsichtig nährte sich Francis der Truhe und warf ebenfalls einen Blick hinein. In der Kiste lag ein einzelner Kopf von einem Mann. Das Blut sickerte noch aus seinem durchtrennten Hals in den hellen Stoff unter ihm. Sein Mund stand offen und die gleichen spitzen Blätter schauten hervor die Mary zuvor auf dem Boden zertreten hatte.

Einen Herzschlag später stürmten mehrere Männer in schottischer Uniform in den Raum. Der Hauptmann der Wach warf nur einen schnellen Blick auf den Kopf und wandte sich dann an Mary und Francis. „Eure Hoheiten. Ihr müsst diesen Raum sofort verlassen“, dann viel sein Blick auf Dawin und Bash „Hat einer von euch den Kopf platziert?“. Drohend ging er auf die beiden zu aber Francis schob sich schnell zwischen sie. „Sie kamen erst nach mir in das Zimmer“, erklärte er als er seine Stimme wiedergefunden hatte. „Das Blut läuft noch. Er ist noch nicht lange Tot“, meinte Bash der dem Hauptmann keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte. „Durchsucht das ganze Schloss und sagt mir wenn jemand eine Kopflose Leiche versucht wegzuschaffen oder wenn sonst etwas auffällig ist“, brüllte der Hauptmann.

„Das ist einer der französischen Botschafter“, meinte Dawin mit bleichem Gesicht. „Und nicht der erste der heute gestorben ist“, meinte Mary und Francis blickte sie entsetzt an. „Es ist schon jemand gestorben?“. „Ja eine Köchin auf dieselbe Weise und ebenfalls in unserem Gemach. Meine Mutter erzählte mir davon. Sie ist auch eine Französin oder sie war es“, meinte Mary. Sie zitterte am ganzen Leib.  „Was hat das zu bedeuten?“, fragte Francis. „Das vielleicht noch ein Franzose daran glauben wird wenn ihr jetzt nicht mit uns kommt eure Hoheit“, meinte der Hauptmann der Wache, schob Francis vor sich her und zog sein Schwert auf alles Bereit.
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