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Santa Claus? Lächerlich.

von Zhiaora
OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Cassandra Cillian Eve Baird Ezekiel Jones Jakob "Jake" Stone Jankins / Galahad
01.08.2020
01.08.2020
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Eve Baird war schon immer eine Realistin gewesen. Als Kind hatte sie gerne mit Soldaten und Panzern gespielt anstatt mit normalen Autos oder Puppen wie alle anderen, sie hatte bei Ungerechtigkeit lieber einmal zu oft draufgehauen, anstatt wegzusehen und die Welt ungerecht sein zu lassen, und an all die Kindermärchen wie die Zahnfee oder Santa Claus hatte sie sowieso noch nie geglaubt.

Obwohl sie genau an Heilig Abend geboren worden war, war sie einen Großteil ihrer „Weihnachtsfeste” irgendwo auf dieser Welt in Militärstützpunkten festgesessen. Dort wurde Weihnachten allen voran mit Alkohol gefeiert. Man hatte mit Whiskey oder Wodka darauf angestoßen, dass man noch lebte, und sich den Kummer darüber, nicht zuhause in Frieden leben konnte, einfach weggetrunken.

Von dem „Geist der Heiligen Weihnacht” hatte man dort wenig gesehen und an Santa Claus zu glauben, war beinahe unmöglich.

„Papperlapapp”, hatte sie einmal zu einem kleinen Jungen in ihrem Alter gesagt, als er ihr erzählt hatte, wie er an Santa Claus einen Brief geschickt hatte, „du bist so doof. Santa Claus existiert doch gar nicht.”

„Doch, sicher! Mum hat mir ein Foto von ihm gezeigt und außerdem habe ich Fußstapfen im Schnee gesehen!”

„Das auf dem Bild war bestimmt nur ein pädophiler alter Mann.”

Daraufhin hatten die beiden sich ein bisschen gegenseitig an den Haaren gezogen, bis seine Mutter ihn von ihr weggezogen und sie geschimpft hatte. An Santa Claus hatte sie dennoch nicht geglaubt.

Als Jenkins an diesem Morgen einen seiner seltsamen Monologe hielt, dachte sich Eve gar nicht so viel dabei. Irgendetwas war also wieder passiert, nun gut, das war per se etwas Gutes, dann müsste sie sich nicht mit dieser hässlichen Weihnachtsdekoration herumschlagen müssen, sondern könnte sich den ernsten Problemen dieser Welt widmen.

Doch dann fielen die Worte „... weil Santa Claus verschwunden ist” und alle rasteten aus, wohingegen Eve einfach nur den Kopf schütteln konnte. Sie hatte nun wirklich schon einiges gesehen, an das sie niemals geglaubt hatte, aber Santa Claus? Und dazu noch eine Mrs Claus? Nein, wirklich. Das war geradezu lächerlich.

Während Jenkins also alle wichtigen Schritte für ihre Reise in die Londoner Suppenküche vorbereitete und Cassandra vor Glück auf- und abhüpfte, überlegte Eve, wie sie ihre Bibliothekar-Lehrlinge am besten wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringen konnte.

„Okay, Leute, alle mal herhören”, rief sie laut und bekam mehr oder weniger volle Aufmerksamkeit von ihren Partnern. „Ich möchte euch nicht enttäuschen, aber es gibt Santa Claus nicht. Was auch immer hier also vorgeht, wir müssen vorsichtig sein und dürfen uns nicht täuschen lassen.”

Cassandra schien ihr nur mit einem halben Ohr zugehört zu haben. „Und er hat sogar eine Frau! Wie, glaubt ihr, sieht die Frau von Santa Claus aus? Einen weißen Bart kann sie ja schließlich nicht haben.” Sie gluckste einmal kurz auf.

„Warum denn nicht? Auch Frauen haben Bärte”, echauffierte sich Ezekiel und zog die Augenbrauen hoch.

„Ja, aber … aber doch keinen Santa Claus Bart, den hat doch nur Santa Claus!”

„Also ich glaubte, seine Frau hat auch so einen Bart. Damit man sie erkennt, sonst wüsste doch niemand, dass sie seine Frau ist.”

Eve öffnete den Mund, um dem etwas beizusteuern, aber Jake kam ihr zuvor. „Hey hey hey, vielleicht hat auch Santa gar keinen Bart und das wurde nur dazu erfunden, damit man ihn besser erkennt! Na?”

Cassandra legte ihren Zeigefinger an die Lippen und macht ihr nachdenkliches Gesicht. „Das würde den Menschen ähnlich sehen. Ach, ich kann gar nicht erwarten, ihn endlich kennen zu lernen.”

„Wenn wir ihn denn überhaupt finden”, wandte Ezekiel ein. „Vielleicht ist er auch auf einen anderen Planeten geflohen …”

„... oder mit seiner heißen Frau durchgebrannt!”, fügte Jake hinzu.

Jenkins pfiff ein Weihnachtslied vor sich hin, während er irgendwelche Teile hin- und herbewegte, von denen Eve absolut kein Wissen hatte. Cassandra oder Jake wussten da bestimmt mehr als sie, aber sie war hier nicht dafür da, um Dinge zu wissen. Sie war eine Hüterin, das hieß, sie wurde für die anderen Dinge gebraucht: für Taktik und Kampf. Und dafür, ihre Bibliothekare vor Fallen oder anderen Problemen zu schützen.

„Nehmt die Sache doch mal ernst, Leute. Santa Claus ist eine Erfindung, die nur dazu da ist, reichen Unternehmen noch mehr Geld einzubringen und privilegierte Leute sich gut fühlen zu lassen. Das ist eine Falle und ihr fallt einfach so darauf ein, wo ist auf einmal eure Intelligenz hin?” Sie schmiss genervt ihre Hände in die Luft und schüttelte den Kopf.

Cassandra sah sie mit großen Augen an und Eve hätte sie gerne einmal geschüttelt.

„Aber Eve, was … was hast du denn? Warum hast du so eine große Abneigung gegen Weihnachten?”

„Weil Weihnachten dämlich ist!” Hilfesuchend wandte sie sich an Jake, der nicht immer so weich war wie die beiden anderen, aber er zuckte nur mit den Schultern.

„Weißt du was? Ich glaubte, du solltest dich einfach darauf einlassen. Magie existiert, wir sind durch den Raum gereist und vor einem Minotaurus in Theseus' Labyrinth geflohen, warum sollte nicht auch Santa Claus existieren?”

„Und seine Frau! Glaubt ihr, die ist unsterblich?”, fragte Cassandra und klang genauso hibbelig und aufgeregt wie davor.

„Vielleicht ist sie auch eines seiner Rentiere und wurde von irgendwem verflucht.” Ezekiel zwinkerte Cassandra zu und sie verdrehte in seine Richtung die Augen.

„Seit wann lebt eigentlich Santa Claus?”, warf Jake in den Raum und klang dabei so ernsthaft, dass Eve nur kopfschüttelnd den Raum verlassen konnte.

Das war doch unmöglich. Wie konnten ihre Bibliothekar-Lehrlinge sich nur auf solch ein naives Niveau herablassen, ohne infrage zu stellen, ob das nicht eventuell eine Falle war? Hatten sie aus ihren letzten Aufträgen oder Abenteuern oder wie auch immer man sie nennen wollte denn nichts gelernt? War sie hier die einzige, die noch einen klaren Gedanken fassen konnte?

Aus dem Nebenraum schwappte Gelächter zu ihr herüber, als Jenkins die Tür öffnete und zu ihr trat. Er hatte einen Schraubenzieher in der Hand und schien sich nicht sicher zu sein, was er hier tat.

„Also … Eve, ich kann Ihnen folgendes sagen: Santa Claus ist echt, aber er ist nicht der, wofür die Welt ihn hält. Ich kann verstehen, dass Sie Ihre Gründe dafür haben, nicht an ihn zu glauben, aber … lassen Sie sich darauf ein und lassen Sie den anderen ihre Freude. Sie werden sehen, dass es sich lohnt.”

Er zwinkerte kurz mit beiden Augen, schüttelte den Kopf und war schneller wieder draußen, als sie auch nur über eine Antwort nachdenken konnte.

Sie wünschte sich für einen kurzen, sehnsuchtsvollen Moment, der Bibliothekar wäre hier. Der vollständig ausgebildete, einzig echte Bibliothekar. Er hatte diese Aura, die sie sicherlich abgelenkt hätte, wenn er da gewesen wär

Grimmig verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust. Santa Claus. Das war wirklich lächerlich. Aber vielleicht hatte Jenkins recht. Überreden würde sie die Bibliothekare nicht können, dafür waren sie viel zu begeistert. Es war wie ein Undercover-Einsatz. Sie tat so, als wäre alles in Ordnung, aber insgeheim war sie auf der Hut, falls es sich doch als Falle herausstellen sollte.

Ja. Das war gut. Da würde „Santa Claus” schon sehen, was er davon hatte.
(Und falls die ganze Sache kein Schwindel war …  darüber musste sie ja jetzt noch nicht nachdenken.)



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Heyho, das war mein Beitrag zum Wichtel "Das vergessene Fandom", bei dem es darum ging, einen Oneshot mit den Vorgaben seines Wichtelkindes zu einem Nischenfandom, das man eventuell sogar selbst nicht kennt, zu schreiben. Und tatsächlich habe ich davor noch nie etwas von "The Quest"gehört und erst durch dieses Wichtel davon erfahren. Ich hoffe, meine Recherchen haben mich nicht in die Irre geführt, ich habe versucht, es so authentisch wie möglich zu schreiben und hatte tatsächlich viel Spaß dabei.
Mein Wichtelkind war die liebe ladyfangirl, ich hoffe, der Oneshot gefällt dir und allen anderen, die ihn gelesen haben. Bei Kritik oder anderen Anliegen könnt ihr mir gerne schreiben, aber bedenkt dabei bitte, dass ich das Fandom gar nicht wirklich kenne, danke. c:
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