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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
10.10.2021
79
157.217
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Dieses Kapitel
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24.07.2021 1.799
 
„Ich sehe sie jede Nacht fallen.“

Als er dem anderen erklärt hatte, was er damit gemeint hatte, war dieser an der Wand entlang zu Boden gesunken, die Hände vorm Gesicht.
Unschlüssig stand er jetzt neben dem Mann, die Hände in den Hosentaschen.
Es dauerte drei, vier schleichende Minuten, bis Steven seinen Kopf hob, das Gesicht ausdruckslos.
„Wir hätten sie fast verloren…“
Er glaubte persönlich nicht, dass er selbst in dieses ‚wir' miteingeschlossen war, nickte aber stumm.
Der Anwalt fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare und schnaubte dann.
„Wenn ich allein daran denke, wie oft sie in Lebensgefahr war, seit Sie zu Iron Man geworden sind. Ist es nicht… ironisch? Die ganze Welt wurde sicherer, Himmel, Sie haben Kriege beendet, aber Ginny's Leben war seitdem, wie oft? Vier Mal? Fünf Mal? in großer Gefahr…“

Was konnte er darauf schon antworten?
Es stimmte. Wenn es um ihre Sicherheit ging, schien er seit vier Jahren am Fließband zu versagen.
Was hatte er damals ihrem Vater gesagt? Dass ihre Sicherheit seine oberste Priorität sei?
Klasse Leistung, Stark!

Der andere schwieg wieder kurz und schien für einen Moment mit sich zu ringen.
„Ich kann Sie nicht leiden, Anthony.“
Der Mann schaute ihm völlig offen in die Augen.
„Das kann man sicher heil-"
„Diese lässigen Sprüche gehören zu meinen Top-5 Gründen. Aber das ist nicht der Punkt. Ich muss Sie auch nicht leiden können. Es ist schließlich Ginny's Leben. Normalerweise könnte ich jetzt voller Freude verlangen, dass Sie sich aus ihrem Leben entfernen und das aus gutem Grund.“
Er fragte sich, auf was der andere hinauswollte.
„Aber Sie machen sie glücklich.“
Unglaube hatte sich in die förmliche Stimme von Steven Potts geschlichen.
„Nach all dem und Sie machen sie trotzdem glücklich. Und jetzt stehe ich vor der Frage, möchte ich lieber, dass sie glücklich ist, aber in Gefahr, oder dass sie unglücklich ist, aber in Sicherheit?“
„Da hab ich ja Glück, dass es nicht an Ihnen ist, zu entscheiden.“, gab er jetzt doch trocken von sich.
Der Anwalt musterte ihn und schüttelte langsam den Kopf.
„Im Gegenteil. Es ist mir erst klar geworden, als Sie mir davon erzählten, wie Sie Ginny nicht…“, er schluckte, „ gefangen haben. Ich dachte, ich würde Sie hassen, aber das tat ich nicht. Sie haben sie immer glücklich gemacht und das ist letztendlich das einzige, was ich mir für meine Schwester wünsche.
Das sie glücklich ist.“
Wäre er nicht Tony Stark, wäre er sprachlos gewesen.
Aber er war numla Tony Stark...
„Awww. Das rührt mich Steven. Meinst du, es ist noch zu früh für eine Umarmung?“
Der grimmige Blick war Antwort genug.

Als sie schließlich wieder in der Wohnung eintrafen, fanden sie die Damen in einer Partie UNO vor und er sah sofort, dass Pep dabei war, ihre Verwandtschaft abzuziehen.
Fast gegen seinen Willen musste er lächeln.
Sie würde nicht mal verlieren können, wenn ihr Leben davon abhing.
Sie zu sehen trug wie immer erheblich dazu bei, sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden.

Es wurde überraschender Weise noch ein sehr angenehmer Nachmittag. Natürlich hätte man ihn sehr gut steigern können, in dem man Steven, Susan und beide Kinder gegen Happy und Rhodey ausgetauscht hätte, aber mit dem Wissen im Hinterkopf, die ganze Horde ab demnächst für eine ganze Weile nicht mehr sehen zu müssen, wurde es immerhin angenehm.

An irgendeinem Punkt hatte Pep wieder die alten Weihnachtsmann-Mützen ausgegraben und sie erst ihren Nichten und sich selbst übergestülpt, bevor ihr eine von Susan fast aus der Hand gerissen wurde.
Der Versuch sie auch ihm und ihrem Bruder aufzuzwingen wurde verhindert, in dem sie sich beide krampfhaft weigerten (was wohl hauptsächlich damit zusammenhing, dass sich beide vor dem anderen nicht lächerlich machen wollten).

Gegen fünf fing Pep mit der Hilfe ihres Bruders mit dem Abendessen an und nach 35 Minuten seltsamen Smalltalk mit Susan Potts und zwei Ausdrücken, auf den sich extrem ähnelnden Gesichtern von Pep und ihrem Bruder, die besagten, dass die beiden ein sehr ernstes Gespräch hinter sich hatten, war es letztendlich fertig.

Am Esstisch saßen sie schlussendlich sehr gequetscht und die Platzverteilung ging nur auf, als Steven seinen Töchtern zähneknirschend erlaubte das Essen stehend einzunehmen (nachdem Pep grob geschätzt 28 Mal angeboten hatte, das selbst zu tun (und ihn natürlich im selben Atemzug ebenfalls freiwillig gemeldet hatte)), was die beiden für das größte Abenteuer überhaupt hielten.

Der Abschied fiel schließlich fünf von sechs Leuten schwer, während er eine ziemlich gute Show ablieferte, in der er immerhin glaubhaft vermittelte, dass es ihm schwerfiel.
Tatsächlich war das einzige, was er bedauerte, dass es Pep wehtat, sich von ihrer Familie zu verabschieden und so zog er sie in seine Arme, kaum war die Tür zugefallen und wartete taktvolle zwei Minuten bevor er sie neugierig fragte, was sie bei der Zubereitung des Abendessens so alles mit ihrem Bruder bequatscht hatte.

Zwar verdrehte sie die Augen, murmelte theatralisch etwas, aber fasste ihm schließlich gutmütig das Gespräch zusammen.
Im Wesentlich hatte der Mann wohl sein Gespräch mit Tony rekapituliert, eine Stellungnahme zu dem Thema ‚ich darf unfassbare Schmerzen und die Tatsache, dass ich in ein Feuer zu Tode gestürzt wäre, hätte mich das instabile und ebenso tödliche Extremis-Zeug nicht gerettet, nicht vor meiner Familie verschweigen' gehalten, bevor er ihr eine ebenso lange Rede zum Thema ‚Sicherheit und Glück' gehalten hatte.
Er konnte zwischen den Zeilen praktisch hören, dass die Rede einschläfernd gewesen war, aber Pep beharrte darauf, dass sie gut gewesen war.
Geschlossen hatte Steven Potts mit seiner gewichtigen Feststellung, dass Tony noch gut genug für sie war und sie beschlossen spontan (und ein wenig (ließ: total) ironisch) darauf anzustoßen.
Der Mann hatte zweifelsohne einen ziemlich pompösen Wesenszug an sich.

Den restlichen Abend über spürte er, dass ihre Anspannung wieder zunahm.
Morgen würde sie sich das erste Mal wieder in der Firma blicken lassen und es war ihnen beiden bewusst, was alles schief gehen konnte.

In dieser Nacht träumte er davon, dass sie mitten in der Eingangshalle zu glühen anfing, dass S.H.I.E.L.D. kam und schwarze gekleidete Männer sie verschleppten, dass man Experimente an ihr durchführten.
Er sah wie sie vor Schmerzen schrie und versuchte sich zu wehren.
Und dann stürzte sie wieder in den Abgrund.

Als er mit einem Schrei aus dem Schlaf fuhr, zitternd und von den Bildern des Traumes gejagt, fand er sie aufrecht sitzend vor, besorgte blaue Augen starrten ihn aus der Dunkelheit an.
Eine Weile starrten sie sich nur an, während er versuchte seinen Atem zu beruhigen.
Er konnte es nicht wagen seinen Blick vom ihr zu lösen, denn in der Dunkelheit warteten die flüchtigen Eindrücke seines nächtlichen Terrors.

„Es wird in Ordnung sein.“
Sie flüsterte nur, als sie die bekannten Worte sprach.
Er zog sie in seine Arme.
Klammerte sich an das Gefühl, sie beschützen zu können.
Klammerte sich an das Gefühl ihren Atem an seinem Hals zu spüren.
Sie war am Leben.
Sie war bei ihm.
„Ja. Es wird in Ordnung sein.“
Auch er flüsterte nur, doch bei ihm war es keine Aufmunterung. Es war ein Versprechen.
Er würde es in Ordnung bringen.

Sie bot ihm ein offenes Ohr an, falls er ihr von seinem Albtraum erzählen wollte, doch er brachte es nicht über sich.
Für die nächste Stunde lagen sie beide wach, die Hände ineinander verschränkt und sprachen mit leisem Ton über alles und nichts.
Die Belanglosigkeit des Gespräches vertrieb die nächtlichen Dämonen langsam, aber stetig.
Er zeigte ihr seine Entwürfe für Harleys neue Werkstatt, sprach davon vielleicht mit dem Jungen in Kontakt bleiben zu wollen.
Er hatte Potenzial, warum also nicht?
Hier und da würde er ihm unter die Arme greifen und den coolen Mentor geben.
Ihm entging das sanfte Lächeln von ihr völlig, als er beschrieb was für ein Talent der junge Harley Keener hatte.

Sie fiel schließlich zuerst wieder in einen unruhigen Schlaf und ihm wurde erst bewusst, dass sie höchstwahrscheinlich kurz vor ihm von ihrem eigenen Albtraum aufgewacht war und er ihr keinen Trost angeboten hatte, als er selber auf der Schwelle zum Schlaf stand.
Unter schlechtem Gewissen schwor er sich, es am nächsten Tag wieder gut zu machen.

Tatsächlich quälte er sich noch vor sechs aus de Bett, bereitete Frühstück vor und bot auch ihr an über ihren Traum zu reden.
Ihre ohnehin schon ernste Miene, wurde noch ernster, als sie meinte, dass es der übliche Traum gewesen sei.
Dass sie auf der Beerdigung ihres Vaters gewesen sei.
Dass sie gehört hatte, wie der Pastor geredet und geredet hatte, bis die Trauergäste nach und nach zum Sarg treten konnten, um von dem Toten Abschied zu nehmen.
Sie beschrieb den endlosen düsteren Gang nach vorne, vor und hinter ihr schwarz gekleidete Menschen mit düsteren Gesichtsausdrücken und Tränenspuren auf den bleichen Wangen.
Und immer wenn sie dann schlussendlich ebenfalls in den Sarg blicken konnte, lag da nicht ihr Vater , sondern er.
Jedes Mal waren seine Augen nicht geschlossen, sondern offen und starrten sie an. Das Braun seiner Augen war blasser und sein ganzer Blick war leblos und starr.

Die ersten Male, als sie von diesem Traum erzählt hatte, war sie noch selber in Tränen ausgebrochen  mittlerweile klang ihre Stimme selbst völlig tot.
„Das wird niemals passieren, Pep.“
Er versucht das Versprechen immer aufrichtig klingen zu lassen.
Die Tatsache, dass er nicht daran glaubte, brauchte sie nicht zu beunruhigen.
Er war schon so oft fast gestorben.
Er war Iron Man.
Ein Held.
War nicht das Ende eines Helds der ruhmreiche Tod?
Der Tod, oder der steinige Weg in den charakterlichen Abgrund.
Für Leute wie ihn gab es keinen Ruhestand, oder?

Sie fuhr schlussendlich etwas früher los, um nochmal bei Happy vorbeizuschauen, der noch immer nicht aus der Bewusstlosigkeit erwacht war.
Es hatte sie Überwindung gekostet zu gehen, aber wie immer hatte sie sic ihren Dämonen gestellt.
Sie war unglaublich.

Den Vormittag und frühen Nachmittag über stürzte er sich förmlich in die Handhabung von Extremis.
Mit Hilfe von JARVIS übernahm er erneut die Server von AIM und suchte systematisch nach allen Unterlagen zur Herstellung von Extremis.
Über Mayas E-Mail verschaffte er sich schließlich auch Zugang zu ihrem privatem Server und als er Pep um vier schließlich von der Arbeit abholte, hatte er das Gefühl spätestens morgen der absolute Experte im Thema ‚Extremis' zu sein.

Der Nachmittag in der Stadt gab ihnen schließlich beiden das Gefühl absoluter Normalität.
Der Gespräche und Schrecken der Nacht und des Morgens konnten für ein paar wundervolle Stunden vergessen werden, als sie durch die Straßen bummelten.

Spontan führte er sie von Essen aus, sie ignorierten gekonnte die neugierigen Blicke und konnten am Ende des Tages stolz auf den Erfolg blicken, das wahrhaft schlechteste Restaurant in Los Angeles gefunden zu haben.
Zerstörte das schreckliche Essen und der ganz klar erkältete Kellner den Abend auch nur ein bisschen?
Nein, nein das war nicht der Fall.
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