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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
10.10.2021
79
157.217
9
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02.07.2021 2.300
 
Für die dritte Nacht hatten sie sich zwei Matratzen auf den Boden gelegt, nachdem Tony in den vergangen zwei Nächten drei Mal aus dem Bett gefallen war.
Sie frühstückten auf den Matratzen und versunken dann relativ schnell jeweils in ihre eigenen trägen Tätigkeiten. Tony zeichnete auf einem Collegeblock irgendwas, während sie auf dem Bauch lag und eine zerfledderte Ausgabe Sherlock Holmes las.
Ihr Bruder würde samt seiner Familie gegen zwei hier erscheinen und vorher wollte sie zumindest noch neue Weihnachtsgeschenke für ihre Nichten besorgen, nachdem die ersten auf dem Meeresgrund gelandet waren.
Aber das hatte noch Zeit.

Sie würden noch bis Ende Januar hier sein und alles mögliche für einen Umzug nach New York regeln.
Morgen würde sie das erste Mal wieder zur Arbeit gehen und Nachmittags mit Tony in die Stadt, damit der sich eine neue Garderobe zusammenstellen konnte.
In den nächsten Tagen standen dann Besuche bei Happy und Treffen mit Rhodey an.
Sie würde versuchen Meg zu gut es ging zu unterstützen und dazwischen wartete dann immer wieder die Arbeit.

Sie wurde aus dem Höhepunkt des Gespräches mit Moriaty gerissen, als es an der Tür klingelte.
Kurz grübelte sie darüber nach, wer es wohl sein könnte, bevor sie beschloss sich überraschen zu lassen.
Relativ entspannt machte sie sich auf den Weg zur Tür, öffnete sie und erstarrte.

Vor ihr stand, in voller schwarzer Lederkluft, eindeutig bewaffnet und mit der obligatorischen Augenklappe… Nick Fury.
Für einen Moment starrte sie ihn an und er starrte sie an.
„Miss Potts. Ich hoffe, ich störe nicht.“
Sie zwang sich zu ihrem üblichen verbindlichen Lächeln.
„Director Fury. Aber natürlich nicht. Was kann ich für Sie tun?“
Fury hatte Tony die letzten beiden Tage schon immer wieder angerufen.
„Stark ist nicht zufällig bei Ihnen?“
„Zufällig ist er das.“
Ihr Gegenüber nickte kurz.
„Ich muss mit ihm sprechen.“, er zögerte kurz.
„Mit Ihnen beiden, ganz genau genommen.“

Ihr Gesicht behielt ihre Maske aus verbindlichem Lächeln bei.
„Aber natürlich. Kommen Sie doch rein.“
Sie geleitete ihn in die Küche und versprach dann, gleich wieder da zu sein und nur schnell Tony zu holen.

Eilige kam sie zurück ins Schlafzimmer, schloss sorgfältig die Tür und ließ ihre Maske fallen.
„Fury ist hier.“
Tonys Gesicht zeigte erst Unglauben und dann Wut.
Bevor er anfangen konnte zu fluchen, unterbrach sie ihn.
„Er will mit uns beiden sprechen.“
„Er will auch mit dir sprechen???“
Sie zuckte mit den Schultern.
„Wahrscheinlich hat er herausgefunden, dass ich mit Killian das Meeting bei Stark Industries hatte und dass ich auch in dem Haus war.“
Tony sah weit weniger optimistisch aus.
„Oder er hat von dem Fakt erfahren, dass du auch weit mehr Zeit in Killians Gesellschaft verbracht hast…“
„Aber wie-"
Sie schloss kurz die Augen. Fury hatte Tony nicht finden können, wenn er allerdings ungefähr wissen wollte, was passiert war, dann gab es da auch noch…
„Rhodey.“
Tony nickte grimmig.
„Wir haben ihm nicht gesagt, dass wir deinen… Aufenthalt bei Killian möglichst verbergen wollen.“
„Hast du Rhodey von… Extremis erzählt?“
Tony dachte kurz nach, dann schüttelte er langsam den Kopf.
Sie atmete erleichtert auf.
„Wir erzählen also die ganze Geschichte und lassen das einfach aus, oder?“

Kurze Zeit später fand sich das ungleiche Trio in der Küche wieder.
Der schwarz gekleidete Anführer einer Geheimorganisation, bewaffnet und mit Augenklappe, ein milliardenschweres Genie in ungleichen Socken, mit verwuschelten Haaren, Jogginghose und Band-Shirt und die CEO eines internationalen Konzerns im alten College T-Shirt, Jeans, mit offenen rotblonden Haaren und barfuß.
Tony nickte dem anderen kaum zu, als er die Küche betrat und setzte sich dann mit Schwung neben den Herd, während sie weitaus bedächtiger gegenüber von Fury am Tisch Platz nahm.

„Sie scheinen ja ein schwer beschäftigter Mann zu sein, Stark.“
Tony grinste.
„Ganz im Gegenteil, Nicky. Ich hatte nur kein Interesse daran mit Ihnen zu reden.“
Fury schaute, sofern das möglich war, nur noch grimmiger.
„Das liegt jetzt nicht mehr in Ihrer Hand.“
„Ach ja?“, Tony zog eine Augenbraue hoch.
Fury nickte und jetzt zeigte sich ein grimmiges Lächeln auf seinem Gesicht.
„Ja. Sonst setzte ich Romanoff auf den Fall an  und sie wird sich so lange durch ihr Leben graben, bis ich die Antworten auch so habe.“
Tony sah zwar reichlich unbeeindruckt aus, zuckte aber mit den Schultern.
„Wer wäre ich, dass ich der guten Natasha so eine Arbeit bereiten würde?“
„Das dachte ich mir. Also, erzählen Sie mir, was passiert ist.“

Im Wesentlichen ließ sie Tony reden und warf hin und wieder etwas ein, wenn sie es für einen wesentlichen Punkt hielt.
Immer wenn er etwas erwähnte, dass Killian getan hatte, senkte sie vorsichtshalber ihren Blick, damit Fury den Schimmer Rot in ihren Augen nicht entdeckte, falls er denn da war.
Auch Tony schaute ihr immer wieder prüfend in die Augen und jedes Mal, wenn er leicht den Kopf schüttelte, atmete sie erleichtert aus.

„Wenn ich das also richtig verstehe. Sie kannten sowohl Aldrich Killian, als auch Maya Hansen seit 1999, haben aber den Kontakt verloren. Killian hat dann erst versucht Stark Industries mit an Bord zu holen und war dann so überzeugt von der Idee, dass Stark der Schlüssel zu Extremis ist, dass er die Erfinderin erschossen hat? Warum? Warum war er so überzeugt?“
Tony setzte sich nur einen Hauch aufrechter hin, aber sie bemerkte es trotzdem.
Diesen Teil des Gespräches nahm er ernster.
„Maya hatte mir Extremis schon `99 vorgestellt und ich hatte damals so eine Art Geistesblitz. Hab ihr ein bisschen auf die Sprünge geholfen. Killian dachte wohl, dass wenn ich mich richtig reinknie, ich Extremis komplett stabilisieren könnte.“
Fury lehnte sich vor.
„Und? Können Sie es?“
Tony schüttelte den Kopf.
„Wir haben keine Probe da und als Maya mir das Projekt vorgestellt hat, war ich komplett hacke. Ich kann mich an nichts erinnern.“
Fury schaute erst ihn und dann sie an.
„Sagen wir also, wir könnten einen der Extremis-Soldaten gefangen nehmen. Dann hätten Sie eine Probe. Wie sieht es dann aus, Stark?“
„Sorry, Nick. Das letzte Mal, als dieses Zeug im Umlauf war, sind Dutzende Millionen-Schwere Rüstungen zu Altmetall verarbeitet worden und ich wäre bei einem Dutzend Gelegenheiten in nur drei Tagen fast gestorben. Ich kann Ihnen nicht helfen.“
„Wenn ich mich recht erinnere, haben sie selbst all ihre restlichen Millionen-Dollar-Anzüge in die Luft gejagt…“
„Ich brauche sie ja auch nicht mehr. Was sich mit Extremis im Umlauf ändern würde…“
Die beiden Männer maßen sich mit Blicken.

Dann brach Fury den Blickkontakt abrupt und drehte sich zu ihr um.
„Miss Potts. Sie haben weitaus mehr Zeit in der Nähe von Aldrich Killian verbracht. Was können Sie mir über die Substanz sagen?“
„Ich kann Ihnen sagen, dass sie gefährlich ist. Sie steigert Reflexe, Kraft und Ausdauer. Killian hat sich seine Dosen über Jahre hinweg verabreicht und war am Ende der bei weitem stärkste und kontrollierteste. Ich kann Ihnen sagen, dass die Hälfte der Avengers keine Chance gegen ihn gehabt hätte, auch nicht wenn sie sich zusammengeschlossen hätten.“
Über die ganze Zeit hinweg, behielt sie ihr falsches Lächeln bei.
„Hat er irgendwelche weiteren Unterschlüpfe erwähnt?“
Fury schien nicht im mindesten von dem beeindruckt zu sein, was sie gesagt hatte.
„Er hat immer nur davon geredet, was passiert, wenn sein genialer Plan Erfolg hatte, über mögliche Fluchtverstecke hat er also nicht geredet, auch wenn das mal eine nette Abwechslung gewesen wäre.“

Tony unterdrückte hinter Fury ein Lächeln.
„Wenn er Ihnen irgendeinen Hinweis darauf gegeben hat, wie es biologisch funktioniert, wie es hergestellt wird, müssen Sie mir das sagen.“
„Nein.“
Fury’s Augenbrauen zogen sich gefährlich eng zusammen.
„Was meinen Sie mit ‚nein'?“
Sie lächelte unschuldig.
„Nein, er hat mir keine Hinweise gegeben, meine ich natürlich.“

„Es geht um die nationale Sicherheit. Überlegen Sie mal, wie viele Krankheiten geheilt werden könnten. Wie viel weniger Soldaten an der Front ihr Leben lassen müssten. Wie sicher die Erde sein könnte.“
An der Stelle warf er Tony einen signifikanten Blick zu.
„Jegliche Bedrohung von außerhalb, könnten besser unter Kontrolle gehalten werden.“
Es war klar, dass Fury zwar dachte, sie würden etwas verheimlichen, sich aber nicht sicher war.
Also versuchte er sie, auf seine Seite zu ziehen. Sie zum kooperieren zu bringen.

„Killian hat mir dieselben Argumente vorgelegt, als er wollte das Stark Industries seine Forschung unterstützt.“, warf sie mit ruhiger Stimme ein und der bohrenden Blick wanderte wieder zu ihr.
„Killian war ein Terrorist, der einen Staatsstreich im Sinn hatte.“
„Das wusste ich da aber noch nicht.“, meinte sie zur selben Zeit, als Tony grinste und verlauten ließ:
„Stimmt und S.H.I.E.L.D. kämpft schließlich stets für das Gute.“
Sogar ein Tauber hätte die Ironie in diesen Worten gehört.

„Unsere Methoden mögen Ihnen vielleicht nicht passen, Stark. Aber ja, am Ende kämpfen wir für das Gute und wir sind wirklich gut in diesem Job.“
„Wissen Sie, die Dame damals, die Romanoff aus der Rechtsabteilung ausgeschaltet hatte, um mir die Papiere zum Überschreiben der Firma zu bringen, lag danach fünf Wochen im Krankenhaus, zwei davon auf der Intensiv-Station. Hättet euch vielleicht über ihr Asthma informieren sollen, bevor ihr sie narkotisiert habt…“
Tony’s Ton war immer noch ironisch, aber unter dieser Ironie schlummerte Wut.
„Man kann kein Omelett braten, ohne Eier zu zerschlagen.“
Fury’s Miene blieb ausdruckslos.
„Und aufs Eier zu zerschlagen, darauf versteht sich S.H.I.E.L.D. doch wirklich gut.“

„Wenn Sie uns nicht helfen, finden wir andere. Sie sind nicht das einzige Genie auf der Welt.“
„Stimmt. Banner wird euch sicherlich helfen. Beim Menschen zu Super-Menschen machen, ist schließlich noch nie etwas schief gegangen.“
Tony nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas.
„Auch neben Banner gibt es noch gute Wissenschaftler-"
„Die keine Probe haben werden. Sie müssten Extremis aus der Luft heraus erfinden.“
Tony hatte einen Gesichtsausdruck aufgelegt, der deutlich besagte, dass er gewonnen hatte.

Es wurde wohl Zeit die Wogen etwas zu glätten.
„Sehen Sie, Director. Die Probleme, die sie bekommen würden, würde auch nur ein Fitzelchen dieser Substanz in die falschen Hände geraten, wären immens. Auch aus ihrer Sicht, lohnt es sich nicht, meiner Meinung nach, Extremis nachzujagen.“
Sie versuchte so überzeugend zu klingen, wie nur irgend möglich.
„Es ist mein Job Risiken einzugehen und ich bin gut im meinem Job.“
Ihre nächsten Wort wählte sie mit Bedacht.
„Und wie glauben Sie, würden Steve Rogers und Bruce Banner zu diesem Risiko stehen? Die Hälfte der Avengers zu verlieren scheint mir ein ziemlich großes Risiko zu sein.“
Totenstille legte sich über den Raum.

Sie wusste, dass sie einen Nerv getroffen hatte, als Fury auch nach ein paar Sekunden noch still war.
Dieses Szenario hatte sie tausend Mal gesehen, sie musste jetzt nur noch still sein, damit er selbst zu dem logischen Schluss kommen konnte.
Sie konnte praktisch sehen, wie er Wahrscheinlichkeiten gegeneinander abwog.
An ihrer Aussage selbst hatte sie keinen Zweifel, weder Banner noch Rogers würden das Risiko gut heißen, auf Extremis zu setzen.

Tony streckte hinter Fury's Rücken beide Daumen nach oben.
Als Fury sich schließlich wieder zu Wort meldete, ließ er sich nicht anmerken, zu welchen Entschluss er gekommen war. Viel mehr setzte er seine detailgetreue Befragung über die Ereignisse nahtlos fort.

Mitten im Gespräch kam es Pepper mit einem Schlag, dass Fury nur hier saß, weil Phil nicht mehr da war.
Er war immer für Tony zuständig gewesen und da er nicht mehr kommen konnte, war S.H.I.E.L.D.‘s Chef höchstpersönlich hier.
Da sie wusste, wie stark Extremis auf Emotionen reagiert, floh sie praktisch kurz aus dem Raum, um ihre innere Mitte wieder zu finden und ignorierte die verwunderten (Fury) und besorgten (Tony) Blicke einfach.

Es verging eine weitere Stunde und dann noch eine.
Wage fragte sie sich, wann Fury sie wohl nach der genauen Farbschattierung des Rostes an den Heizungsrohren, an die sie gefesselt worden war, fragte (ein typisches rotbraun), denn der Mann war wirklich sehr genau.
Tony hatte schon zwei Mal so getan, als würde er im Stehen einschlafen, hatte sich pantomimisch hinter Fury's Rücken erschossen, erhängt, erwürgt, erdolcht und sich die Augen ausgekratzt und wenig subtil 22 Mal zu verstehen gegeben, dass Fury langsam Mal verschwinden konnte.
Zu ihrem… Glück... war sie an lange (lies: langweilige) Gespräche gewöhnt und so wurde ihre Geduld noch auf nicht allzu schwere Probe gestellt.
Nach einer weiteren halben Stunde hatte sie das Gefühl, dass Fury hier hauptsächlich noch saß, um Tony zu beweisen, dass er hier noch stitzen konnte.
Keiner von beiden wollte, dass Natasha Romanoff in ihrem Leben rumschnüffelte (nicht schon wieder.)

Sie waren gerade dabei Rhodey's offiziellen Bericht gegen zu lesen, als es zum zweiten Mal an diesem Tag an der Tür klingelte.
Erneut fragte sie sich kurz, wer es sein könnte, bevor sie sich abrupt erinnerte.
Ihr Bruder und seine Familie wollten heute ja auch noch kommen…
„Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber wie lange brauchen wir wohl noch? Das dürfte mein Bruder mit seiner Familie sein und wenn Sie meinen, wir bräuchten noch sehr viel länger, würde ich sie nochmal auf einen Spaziergang schicken.“
Sie konnte nicht erahnen, was in Fury vorging, bis er nickte.
„Ich denke noch ein, zwei Fragen, dann sind wir fertig. Die kann ich aber auch mit Stark alleine klären.“
Sie lächelte ihm noch einmal höflich zu, dann verließ sie den Raum, um ihre Familie hinein zu lassen.

Als sie die Tür öffnete, wurde sie von Vanessa fast umgehauen, so stürmisch umarmte sie das Mädchen.
Der blonde Wirbelwind brabbelte ein paar Begrüßungsfloskeln, bevor sie weiter ins Innere der Wohnung stürmte.
Ihre Schwester folgte ein wenig verhaltener, doch auch sie klammerte sich förmlich an sie.
Lachend hob sie ihre Patentochter hoch, bevor sie ihren Bruder ebenfalls umarmte.
Gerade als sie sich Susan zu wandte, erklang die laute, aufgeregte Stimme von Vanessa aus der Küche.

„Mum! Dad! In Tante Ginny's Küche sitzt ein Pirat!“
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