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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
09.05.2021
57
105.740
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Dieses Kapitel
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05.05.2021 2.397
 
„Was haltet ihr von ‚Rosie'?“
Lucy sah von dem Wälzer auf, den sie vor sich liegen hatte.

Sie saßen zu dritt in Meghan's Wohnzimmer und grübelten über Mädchen-Namen.
Der Geburtstermin von Meghan's Kind war Ende Januar und nachdem sie und ihr Freund sich nicht im Ansatz einigen konnten, hatten sie beschlossen, dass er den Namen für einen Jungen aussuchen durfte und Meg für ein Mädchen.
Daraufhin hatte sie sie und Lucy zu sich beordert, irgendwo einen Wälzer für Baby-Namen aufgetrieben und scherzhaft gedroht sie erst gehen zu lassen, wenn sie einen Namen hatten.

Rosie. Der Name riss sie nicht von Hocker.
Sie schüttelte den Kopf.
„Abgelehnt.“, kam es von Meghan.

Sie lehnte sich noch ein bisschen weiter in den Sessel, während sie mit halben Ohr zuhörte, wie ihre Freudinnen weiter über den Vorschlag diskutierten.
Sie übertrieb nicht, wenn sie sagte, dass sie diese Sessel liebte!
Man konnte sich richtig in ihnen vergraben und sie waren so unfassbar gemütlich.
Vor ihnen standen Teetassen auf dem Boden, die Sessel selbst waren in einem Kreis angeordnet und bildeten die genaue Mitte des Raumes.

„Was haltet ihr von Catherine-"
„Keine Namen von Mitgliedern einer aktuellen Monarchie!“
Lucy war recht strickt, was das anging. Sie verurteilte jede Form eines Klassensystems und beharrte auf ihrem Ansatz, dass es eine gewisse Form der Unterstützung darstellen würde, würde man seinen Kindern dieselben Namen geben, die auch Mitglieder eines Königshauses trugen.
Meg’s Blick traf ihren und sie beide erlaubten sich ein feines Lächeln.
„Was wenn man es anders schreiben würde? Zum Beispiel K-A-T-H-R-Y-N?“
Wagte es Meghan zu diskutieren…

Erneut klinkte sie sich halb aus.
Sie nahm einen weiteren Schluck Tee (Kräutertee) und starrte aus dem Fenster.
Natürlich strahlte ihr die Sonne entgegen.
Es war erst halb sechs und es würde noch eine Weile dauern, bis es dämmern würde.
Sie saßen schon seit drei Uhr zusammen, was sie dem Umstand verdankten, dass Meghan’s Nachricht:

„Ihr müsst sobald es geht herkommen. Brauche eure Hilfe.“

in Anbetracht der Tatsache, dass sie im sechsten Monat schwanger war, sowohl bei Lucy, als auch bei ihr sämtliche Alarmglocken hatte schrillen lassen und sie beide früher von der Arbeit hergekommen waren.

Sie waren von einer völlig gesunden Meghan erwartet worden, die ihnen mitgeteilt hatte, dass sie ihren Freund bis mindestens zehn Uhr aus dem Haus verbannt hatte und sie dringend einen Namen für ihr Kind finden mussten.

„Wie wäre es mit ‚Marie'?“
Es war wieder Lucy's Vorschlag.
Meghan rollte mir den Augen.
„Es werden nicht zwei von drei Kindern dieser Gruppe nach Naturwissenschafts-Genies benannt, Luce.“
Das hatte sie dann auch zum Lachen gebracht.

Isaac. Vier Jahre alt, war der ältere von Lucy's Söhnen und es verging kein Treffen in dem Meghan nicht mindestens einmal erwähnte, was für ein Streber Lucy war.
Diese ertrug das stoisch und mittlerweile fand sie selbst den Namen zum einen passend und zum zweiten gar nicht mehr so schlimm.

„Sarah?“
„Hast du um halb vier schon vorgeschlagen, Luce.“, meldete sie sich jetzt tatsächlich auch mal wieder zu Wort.
„Ach ja? Warum wurde der Name nochmal abgelehnt?“, fragte die Braunhaarige verwirrt.
„In Meghan's Abschlussjahrgang gab es diesen furchtbar aufgeblasenen Jungen, der dachte, alles was er sagt und tut, wäre das richtige. Die Mutter dieses Knabens hieß Sarah und war, laut Meg, der alleinige Grund dafür, dass der Junge so unausstehlich war. Aus Fairness-Gründen verteufelt sie jetzt also diese Dame, anstatt des Jungen, obwohl sie die Frau nur einmal in ihrem Leben getroffen hat.“
Es verwunderte sie kein Stück, dass sie die ganze Geschichte kannte, obwohl sie die meiste Zeit des Treffens mit ihren Gedanken wo anders war, während Lucy sie anscheinend komplett verdrängt hatte.
Manche Dinge änderten sich nie.

Vor dem Fenster begann sich zwei Personen anzuschreien, wovon aber wiederum Lucy und Meghan nichts mitbekamen, die in einer erneuten Diskussion über den Namen ‚Sarah' steckten.
Sie hörte eine Weile den Personen auf der Straße zu, die anscheinend Johnny und Debora hießen und ausführlich darüber stritten, ob eine nicht anwesende dritte Person ein Zitat ‚mega Arschloch' oder Zitat ‚voll korrekt‘ war.

Tony’s Temperament kochte in letzter Zeit kaum noch so hoch. Eine Zeit lang, vor allem im August und September, ging er wegen vieler Kleinigkeiten in die Luft.
Das änderte nichts an der Tatsache, dass er gereizter war. Irgendwie angespannter.
Das sorgte wiederum dafür, dass sie angespannter war.
Sie verstand nicht genau was los war. Konnte ihren Finger nicht so richtig drauflegen.

„Wie findet ihr Janet?“
„So hieß meine Großtante.“
„Ist das was positives, oder was negatives?“
Lucy zuckte mit den Schultern.
„Weder noch. Sie ist vor meiner Geburt bei einem Feuer ums Leben gekommen. Ich wollte eigentlich nur erwähnen, dass meine Großtante so hieß.“

An manchen Tagen war alles ganz normal.
Er lag neben ihr, als sie aufwachte, er scherzte beim Frühstück, tat so, als würde es ihn umbringen, dass sie zur Arbeit ging und erwartete sie Abends im Wohnzimmer, nur um zu verkünden, dass sie Essen gehen würden anlässlich der Unterzeichnung eines Friedensvertrages in Rom, der den 16-Jährigen Bürgerkrieg in Mosambik beendete und der sein 10-Jähriges Jubiläum feierte (oder aus einem sehr ähnlichem Grund).
Aber diese Tage kamen immer unregelmäßiger.

„Wisst ihr wie es unter keinen Umständen heißen wird? Annabel!“
„Wegen der Horror-Puppe?“, vermutete Lucy.
„Genau wegen der!“

An manchen Tagen war sie sich zu 99 % sicher, dass er nicht geschlafen hatte, obwohl er neben ihr gewesen war, als sie eingeschlafen war und neben ihr lag, als sie aufwachte. Jedes Mal schon wach, meistens mit seinen Fingern in ihrem Haar, das er um seine Finger zwirbelte und mit einem Gesichtsausdruck, der verriet dass er viele hundert Meilen weit weg war.
An diesen Tagen fand sie ihn in seiner Werkstatt vor, wenn sie zurück kam, wie besessen an einer Rüstung, oder etwas ähnlichem, herumschraubend.
Er würde kaum von ihr Notiz nehmen, wenn sie ihn begrüßte und oft genug würde sie an diesen Tagen spät Nachts wieder heruntergehen, um zu schauen, wann er hochkam und ihn mit dem Kopf auf der Tischplatte schlafend finden.
Sie würde ihn aufwecken und er würde sie fast sofort wieder wegschicken, mit dem Versprechen gleich nachzukommen.
Er würde hier nur noch fertig werden.
Am Anfang hatte er diese Versprechen noch gehalten.

„Hey, wie wäre es mit ‚Jessica'?“
Es war eine Zeit lang still gewesen, während sich sowohl Lucy, als auch Meghan in den Wälzer vertieft hatten.
„So heißt Marc's Schwester.“, kam es abwesend gemurmelt zurück.

Sie hatte gestern herausgefunden, woran er da eigentlich die ganze Zeit gearbeitet hatte und es war… beängstigend.
Er hatte es ihr voller Stolz gezeigt.
Es war nicht eine Rüstung gewesen. Es waren nicht zwei. Es war vielleicht ein knappes Dutzend.
Nie zwei Mal dieselben, der rationale Part von ihr hätte auf Grund der schieren Kreativität wahrscheinlich beeindruckt sein müssen, aber es war schlicht und ergreifend zu beängstigend gewesen.
Wofür dachte er, dass er diese Anzüge jemals alle brauchen könnte?
Warum baute er sie?
Es war wie eine Ohrfeige gewesen.
Eine die sagte ‚all das bisher kannst du dir irgendwie erklären, aber jetzt wo DAS dazu kommt, musst du dir eingestehen, dass etwas nicht stimmt'.

Sie hatte kein Wort hervorgebracht. Erst als sie aus dem Keller wieder raus war, hatte sie das Gefühl, wieder richtig atmen zu können.
In dieser Nacht hatte sie davon geträumt, dass sich Tony Stück für Stück in eine Maschine verwandelte.
Vom Reaktor aus griff das kalte Metall Zentimeter für Zentimeter um sich, bis es ihn ganz verschlungen hatte.
Sie träumte, wie sie ihn rief, weinte, schrie und dann zu Boden fiel.
Sie fiel auf den kalten Boden, aus dem dann plötzlich die Rüstungen aufstiegen, sie umzingelten.
Die Augenschlitze leuchteten in einem grellen Weiß und an der Art wie sie auf dem Boden kamen erinnerten sie an Untote.
Sie wachte mit einem Schrei auf, als die Rüstungen alle, auf einen unhörbaren Befehl hin, den rechten Arm hoben und die Handflächen mit den sich langsam aufladenden Repulsoren auf sie zeigten.

Tony's Betthälfte war leer und kalt gewesen und ihre Wangen tränennass.
Sie war heute morgen ohne nochmal mit ihm zu sprechen zur Arbeit gefahren.

„Melissa?“
„Hmmm. Klingt nicht schlecht. Was sagst du, Ginia?“
Beide Freundinnen schauten sie erwartungsvoll an.
Sie riss sich ganz aus ihren Gedanken und dachte kurz ernsthaft über den Namen nach.
„Naja. Ähmm.“
Wenn sie ehrlich war, gefiel er ihr nicht wirklich.
„Letztendlich ist es deine Entscheidung, Meg.“
Die Angesprochene lachte leise.
„Also ein ‚nein' von der Lady aus der linken Ecke. Weiter geht’s.“

Sie hatte ihn nicht gefragt, was das sollte.
So oft in den letzten Monaten hatte sie immer wieder nachgefragt, ob irgendwas nicht stimmt.
Sie hatte es satt zu hören ‚alles ist bestens, Pep. Mir geht’s super.‘.
Sie verstand es nicht.
Sie verstand IHN nicht.
Das war wohl der eigentlich Punkt.
All die Jahre lang hatte sie seinen Aktionen immer Gründe zuordnen können.
In den letzten paar Jahren hatte sie seine Gründe sogar fast immer nachvollziehen können.
Sie verstand ihn nicht mehr.
Sie verstand nicht, warum er sich in seiner Werkstatt verschanzte und DAS dabei herauskam.

Aus irgendeinem Grund hatte er anscheinend sein eigenes körperliches Wohlbefinden wohlweislich komplett in den Hintergrund gestellt, um DAS zu tun.
Warum entschied er sich hin und wieder ganze Nächte durch zu arbeiten, warum entschied er sich, dass DAS wichtiger war als Schlaf, als Essen, als… sie.

„Ich setz eine neue Runde Tee auf. Welche Sorten wollt ihr haben?“
„Apfel.“
Sie reagiert etwas verzögert.
„Meine Tasse ist noch fast voll, Meg.“
Es war für kurzer Zeit still, dann meldete sich wieder Lucy zu Wort mit recht ungläubiger Tonlage.
„Ich finde es ein wenig beunruhigend, wie viele Leute ihre Töchter nach Disney-Prinzessinnen benennen.“
„Das könnte ich Marc nicht an tun“, rief Meg aus der Küche zurück.

Sie würde mal mit Jim sprechen.
Happy war zwar tagtäglich näher an Tony dran, aber definitiv nicht der richtige für ein ernstes Gespräch dieser Art.
Vielleicht konnte Rhodey mehr aus ihm herausbekommen.
Ganz nebenbei würde sie grob skizzieren was Tony den ganzen Tag über so machte, sie würde erwähnen, dass er sich seltsam verhielt, ganz vage ihre Sorge zum Ausdruck bringen.
Es würde reichen, damit es sich zumindest selbst ein Bild von der Situation machte und wenn ihn beunruhigte was er vorfand, würde er mit Tony reden, wenn nicht…
Sie konnte ihm dann immer noch DAVON erzählen.

Ja. So würde sie es machen.

„Wie wäre es mit Charlotte?“
„Eher nicht.“
„Warum?“, Meghan sah verwundert aus.
„Keine Ahnung. Es macht einfach nicht so richtig ‚klick', verstehst du? Manchmal fühlt sich der Name einfach nicht richtig an!“

Sie blickte auf die Uhr.
Es war sieben Uhr.
Wenn Tony einen seiner guten Tage hatte, würde er sich wahrscheinlich fragen, wo sie blieb.
Wenn Tony einen seiner Werkstatt-Tage hatte, hatte er wahrscheinlich nicht mal bemerkt, dass bereits ein neuer Tag abgebrochen war.
Früher hatte sie immer gescherzt, dass seiner Werkstatt zumindest EIN Fenster gut tun würde, damit der mit eigenen Augen sehen könnte, wie die Zeit verging.
Er hatte immer geantwortet, dass sein gesamtes Vermögen dann wahrscheinlich dafür draufgehen würde, diese Glasscheibe min. einmal die Woche zu ersetzen.
Das war in einer Zeit gewesen als sie ‚immer noch besser, als es für Alkohol zu verprassen' nur gedacht hatte.

„Erde an Ginia? Weilst du noch unter uns?“
Sie schreckte auf und sah, dass beide Frauen sie ein wenig spöttisch ansahen.
„Äh, was?“
„Wo warst du denn gerade mit deinen Gedanken?“
Sie zuckte mit den Schultern und versuchte sich an einem Lächeln.
„Ihr wisst schon: Arbeit und so.“
Sie zog eine leichte Grimassen und machte innerlich drei Kreuze, als Meg und Lucy verständnisvoll nickten.
„Also, was hattet ihr gefragt?“
Sie würde sich nicht nochmal ausklinken.
Entschlossen verbannte sie Tony, die Werkstatt und die Rüstungen aus ihrem Kopf und setzte sich etwas gerader hin.
Den restlichen Abend, würde sie sich nicht verderben und außerdem ging es hier immerhin um den Namen ihrer Patentochter!

„Wir wollten wissen, ob du eine Idee hast. Du bist den ganzen Abend ziemlich still gewesen!“
Lucy sagte sowas nie als Vorwurf. Sie stellte immer nur mit ruhiger Tonlage fest.
Sie ging kurz in sich.
„Wie wäre es mit… ‚Dessa'?“
Meghan sah kurz verwirrt aus.
„Von dem Namen hab ich noch nie gehört. Woher kommt er?“
Sie klang nicht voll abgeneigt.
„Aus dem griechischen, glaube ich.“
„Wie kommst du auf einen griechischen Namen?“
„Eine Figur heißt so. Das Buch habe ich vor ein paar Monaten gelesen.“
Sie dachte kurz nach, dann musste sie Lächeln.
„Jetzt fällt es mir wieder ein. Ich hab es in der Woche gelesen, in der du mich über die Schwangerschaft informiert hast!“

Lucy schien kurz nachzudenken, bevor sie langsam nickte.
„Mir gefällt er. Also der Name. Die ominöse Figur ist aber keine Serien-Killerin oder so?“
Meghan‘s Kopf fuhr herum und sie blickte sie ebenfalls fragend an.
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein. Natürlich nicht. Sie ist eigentlich sogar eine ziemlich komplexe, ziemlich nette Figur.“

Jetzt war es an Meghan nachzudenken.
Es dauert fast eine Minute bis sie schließlich anfing zu Lächeln.
„Wisst ihr was? Dessa soll es sein!“
Lucy stieß einen Freudenschrei aus und schließlich stießen sie auf das Baby an.
Drei bunte Teetassen klirrten aneinander.

„Auf Dessa Arnolds.“


--
Drei kurze Anmerkungen.
Auch wenn ich nicht aus der ich-Perspektive schreibe, sind die Kapitel dennoch aus Peppers Sicht.
Sie glaubt, dass die Rüstungen zur Schlaflosigleit führen und nicht die Schlaflosigkeit in Folge der PTBS zu den Rüstungen.
Damit will ich deutlich machen (auch für zukünftige Kapitel (und schon vergangene)), dass obwohl sie in dieser Geschichte oft der wahrheitsgetreue und rationale Fixpunkt ist, sie trotzdem nicht immer Recht hat.
Bloß weil sie etwas so empfindet oder bestimmte Schlüsse zieht, heißt das nicht, dass die korrekt sind.

Zum zweiten ein Dank an Ethan, der mir einen wirklich entscheidenen Tipp mit den Rüstungen gegeben hat!

Zum dritten eine Empfehlung:
I know this much is true.
Das Buch ist für mich schreibtechnisch eine echte Inspiration und kommt dementsprechend hier zum dritten Mal vor.
Dessa Constantine leiht für die Geschichte Meg's Kind ihren Namen.
Für jeden, der sich nicht an einen 900-Seiten Roman setzen möchte:
HBO hat eine Serie daraus gemacht (sie heißt genauso) und darin übernehmen unter anderem Mark Ruffalo und  Kathryn Hahn tragende Rollen.
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